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Full text of "Illustrirte Zeitung 132 ( 1909), Teil 1 Von 3 ( JAN FEB 1909)"

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Erscheint seit 1843 



Nummer 3419. 


Hundertzweiunddreißigster Band. 


7. Januar 1909. 


Verlag von J. J. Weber in Leipzig, Reudnitzerstraße 1—7. 


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OHIO STATF IIMIV/FRSn 


Heue ft [aff Herausgaben. 

in ben laßen bet Beuromantif, bie ben Natura* 
lismua oerbrängt bat, |inb bie Tore in bas Weid) bet 
n ©lauen Blume" wieter offen. (Die SBiffenfcfyaft bemüht ftef), 
nod) tiefer in ben (Seift jener pljantafico ollen 3cit einju» 
bringen, 311 fammcln unb 311 [neben. Neue Ausgaben finb 
erfdjtenen von ^riebrid) -Schlegel, localis, ÄUeift, Arnim, 
Brentano, ©örres. 3tjnc?t gefellen ftdj einige weitere. 
3undd)ft im 3nfeloerlng ju fieipzig eine Auswahl tes 
Beften, Bolfstüinlicbften, nod) ganz ficbcnbigen aua „X»cs 
ftnaben Sßuuberbotn" (2.*), cingelcitct oon ftrieb* 
tid> Nanfe. «Die Sammlung, bie Amint unb Brentano 
1805 in brei Bänben Verausgaben, ift eins ber unoergäng* 
•idjftcn ©ofumente bet fRomantif. 9Jföd)te biefe Busgabe 
in rechtes ©«mobil th werben. 

(fine oicrbäuöige Ausgabe von „3ean BauU 
©■erfen* (ßeipzig, Bibltograpbif<hos 3nftitut; 8 Jt) in 
Oleijers rül)mlid)jt befannten iUaffitcrausgaben, Jjcraue« 
icgeben von (Rub. ABuftmann, enthält bic beiben ©aupt» 
oerfe 3ean Bauls, ben „Titnn“ (Bb. 1, 2) unb „(Die 
frlegeljabre" (Bö. 3) foimc bas „fieben bcs vergnügten 
5d)ulmeil[terleiii Waria tBujj in Auentbal", ben Borläufer 
u ben „Jflegeljahreu“, unb bie „Borfdpile ber Aftbetif", 
»ie and) uns upd) piel 311 jagen hat- fiBas bic 9Rd)crfd)en 
Aaffifcrausgabeu auozeidmet, bie gebiegene pbilologifche 
Eexttritif unb ein oortre [fliehet literart)i ft orifdjer Apparat, 
►iogtapVif^e Sft^jen, gute (Einführungen in bic löerfe, 
Erläuterungen, Anmeldungen , Bibliographie, frafftmile* 
»«lagen, finb aud) tiefer Busgabe in (Srabe eigen. 

Es ift ju hoffen, bafe fic red)t Diele iiefer finöet. 3ft 
>od) 3ean Ba»d «od) immer eine lebenbige ftraft. 3n 

S m liegen bie tiefften üöurzeltt bes ramantifd)en beutfdjen 
lefene, unb bie jäben, bic ihn mit fpäteren verbinben, 
r inb fp Pielfeitig, bafo mir bas 3at)ri)unbsrt ol)ne iljn «ity 
ganz begreifen fönnen. 

3ebt enbüd) erfdjeiut (and), jur rechten 3cit, eine fritifd)' 
')iftorifd)e „® efamtausgabe ber IBerfo Gid)en» 
»orffs" (fRegeiteburg, 3- ©abbet), unter BUtwirTung von 
BEjilipP Bugujt Beeter f>crausgegeben Port dBiH). ftojd) 
mb Bug. Sauer. (Dicfc oon literar>ge[cbict)tlicbeii (Ein* 
eitungen unb (Erläuterungen begleitete voilftünbigite aller 
Eid)entorff*Ausgaben f bie and) uicl ©anbfd)riftli«bes per* 
iffentlidjt, wirb einfcf)lie&licf) einer aus fül)riid)en Biographie 
jpn ftofd) zwölf Bänbe ju je 500 Setten umfaffeu. (Cer 
lorliegenbe erfte ©aitb enthält Gicbenöorffs „Tagebücher", 
eine ältefteu lit«tarif«bcn Aufzeichnungen aus ben 3af)ren 
18OO bis 1815, bie wid)tigjte Quelle feinet ^ugenbjrtt. 
Der Banb lüftet gebunbeu 3 Jt bei Abnahme aller Bänbe; 
rinzeln 4 .Ji 50 «). (Die Bolf sausgabe umfafjt fedjs Bänbe 
je 2 Jt). 

Gin gan3 feltenes (Ereignis auf bem ©ebictc bei ftber* 
chungshmjt ift fRicharb 3®03mann5 Überfehung oon 
, Nantes ©oetifthen B3erren" (^reiburg i. Br., ©er» 
»erfdje ffierlagshanblung): Banb 1 bis 3 „(Die 0>öttlid)e 
dömöbic“, Banb 4 „lias 9l«ue fieben", „©ebiebte". SDiit 
iTbbnuf öes Urtextes (gcb. 18 ,/f). 3003 mann, ber fid) 
n feiner früher (bei ©effe) erfd)iencnen Ausgabe Nantes 
tnb einem afuscoabbBanb (bf.t*®reiner u. Pfeiffer) als 
neifterlidjer ©erbeutfd)CT bes giganrifchen Sücrfes oon 
Dante foroie als tiefgrünöiger Äenner feiner SBelt ertDiefen, 
>at nun eine nod) pollcnbetere überfchung folgen laffen, 
»ie alle bisher er|d)tcnt*nen 3«jan3ig beutfdjen uberfebungen 
mtiquiert. Sie fdjenlt uns bie BJcrtc Nantes gcrabc.iu 
tls beutfd)e Originalbid)tungeu mit allen Schönheiten 
einer unoergleichlid) bilbcrreid>en ^3©antafie unb bem 
nad)topUen 3rluh feiner Berfe (fpg. SdjlcgebS'erjinen). 
mit ihr ift ®ante für bic beutfd)e Literatur fo geroonneu 
nie Shatefpeare bnrd) bie Sdjlcgelfcbe ttberfetjung. Bail* 
mbete poettfd)« Freiheit unb abfolutc Xreue, faft bis aufs 
BBort, bas fiBunber biefer Sgntbefe, an ber bish« alle 
«heiterten, ift fykx gelungen. Xie (Einwirfung awf bie 
iterarifche Brobuftion toirb nicht auf fid© märten laffen. 
Dem Berfonenregiftcr enn Sd)lufj bal 3oo3mann aud) ein 
ttit grööter Umfi«ht jufammengeftclltes (Dante- Breoier 
ingefügt. 

Bon ber empfeblen^merten, jwplf Bänbe umfaffenben 
T BibIiotbel beutfd>er Älaffiler für Schule unb 
©aus" (ftreiburg i. 55^ ©erberf«he Bcrlagshanblung), 
begvünbet oon SBilbelm fiinbemaun, zweite, oöllig neu 
bearbeitete Auflage, hfTau&gegeben 0011 Otto ©elling* 
haus, jeber Banb 3 ,/f, finb ic^t bie brei 3d](ubbänbe 
erfchienen. Banb 10: Bomantif. (Did)tung ber Jreiheits- 
friege. tthamiffo. Biaten. Banb 11: (Der fdjiunbifcbc 
(Dicht erfxeis. Ju|tcrreid)ijd)c (Didjtcr. Banb 12: Bom jungen 
Xeutfdjlanb bis jur ©egentuart. (Das Sd)önfte unb zu- 
gleid) aud) für bie reife 3ugenb ÜBcrtoollfte ber beutfeben 
Citeratur oon Älopjtod bis Montane ift hier für bie h äl1 ** 
liebe fiettüre beifammen. 3n bemfelbcn Berlag crfdjieu 
eine billige Oolfsausgabe 6er „©efammelten B3erfc“ 
bes ratholiftben, burd) feine fernige, bilberreiche, im ©oUs* 
tümlichen wur3elnbc Spradje befanntgemorbeuen Bolfs* 
jd>riftfteller& Alban Sfol3 in jtoei Bänben: (Das Satcr- 
unfer unb ber unenblid)e ©ruß, unb Spanifches (geb. 
2 Jt 20 4 unb 1 Jt 90 ^). Dr. IC 

Aatholifth« ^ef^i^tslHeratnr. 

1. ©erbers 3ahrbüd)er: 3ahrbud) ber 3eit- unb 
ft'ult’urgefchidjte 1907. Grfter 3ahrflang. ©erausgegeben 
oon Dr. 3-ra«3 Schnürer, ^reiburg i. ©r., ©erberfd)e 
Bcrlagshanblung. ©eb. 7 Jt 50 

2. Xirols (Erhebung im 1809. Bon 3ofeph 

©irn. 3nnsbrud, ©einrid) Sd>mid (©. ©ohlfdjröber). 


3. ficbcnserinnerutigcn. Bon Dr. 3oh- t^riebrief) 
o. Sdjultc. Grfter Banb: ffliein SBirfen als fRc<ht5leh«t, 
mein Anteil an ber ©olitir itt ftirebe unb Staat (Dritter 
Banb: Ärirdjcnpolitifdje Auffä^c aus ben 3 a h rcn 18^4 bis 
1886. Wlit bem Borträt bcs Berfa ff ers in Bhotograuüre 
unb 55ralfimile. ©iefeen, (Emil fRotf). ©eh. je 10 Jt. 

(Die rerfdjiebenartigftcn Ausftrahlungen bes fathalifdjen 
ffimnbgcbantcna an bret befonbera be.zcicbncnben Xgpen 
feuneit 31» lernen, f)* er ) u *1* nidjts geeigneter als ein Blicf 
in bie obengenannte Xrcihcit: ba haben mir bic (ratbo* 
lite»(frcunblid)c, aber fonft möglidjft bulbfamc) Objef- 
tinitdt, ben (öfterreiebtfeh* nationalen, d)riftlid)’fo3ialcn) 
llleritalismua unb bie ,)iDar oppofitionellc, troß allen 
Abfalls aber fatbolijd) gebliebene altfntholifd)e Sdjat* 
tierung. ©egenjatie ,311m Xeil rcd)t grimmiger Art unb 
bod) in f|6()ccm Sinn eine (Einheit, bic unfeve 3ufainmen* 
faffung wohl red>tfertigt. 

G»crabc feit ber entfeheibenben (IQcnbung ber inner* 
beuifd)cn 'iJolitif im (Dezember 1906 haben wir Broteftantcn 
alle UrfadK, 11ns mit bem ©eiftesleben bet immer noch 
fchr mädjtigen ratholifdjtn Biinbcrhcit, bie ja an öfter* 
reiefy» Üatholifen eine ftarfe Stütje hat, eingebenber 3U 
befcböftigcH, als mir mcift ba, 311 bie Steigung haben. 2Bir 
brüfteu uns zwar gern unb oft mit ber Behauptung, hei 
weitem oiel toleranter 3U fein als unfere anbers gläubigen 
Blitbrübcr; gemeinhin ift'a jebod) rcd)t fd)lcd)t bamit 
beftellt. ‘Darum ift bas Auftaudjeu eines hiftarifdjen, zeit» 
gefd)i(htlid)cn ©egcnftiufs zu bem längft cingcbütgerfen 
„^flbriwd) her 9?aturwiffcnf(haftcn" pon Biax wUbcrmautt 
mit tfwuben 311 begriihen, obwohl ober, beffer: weil es 
bas fird)lid)c unb politifche fieben, bie fozialcn unb wirt- 
fd)öftlid>en fragen, bie 3ortfd>ritte in Xl) fölö O* f * BW 0 ' 
fophie, ©cfchid)tf(hreibung, flaffifrijer unb altbcutfdicr 
BWoioflic» fiiteratnrge|d)id)te, Bolfsfunbe unb 9?cd)ts> 
wiffenfdjaft, bie jünafteu Grfcheinungen auf ben ©ebieten 
ber fiiteratur unb Aunft in ber ©auptfadjc oom Stanb* 
punft eines (beut|d)«öfterretd)i|d)en) «atholifen aus be* 
hanbelt. fiöer nid)t flerifat gefinnt ift, nicht pofitiu benft, 
wirb beim fiefen fchon ganz von felhcr bie notigen Ah* 
ftridjc machen; fd)aben faun's im übrigen niemanb, ein* 
mal bem ©runbjage zu bulbigen: Audiatur ct alten» pure. 
3u bem: Bier feijenft uns fonft mit Ausjidjt auf Jfari' 
feßung berartige 3ah r büd)fT? Alle Achtung Dor Dicfcr 
perlegerifdjen Öpfera»illigEcit! 

©irn hat bie 3rorfd)ungen über bas 3aW 1809, bie 
oon ©ormagt, iRapp unb Gggcr auf ©runb tirolifchcn 
Wtemoireujtoffs begonnen unb ziemltd) weit geführt morben 
waren, burd) planvolles Ausfct)äpfcn bat)rifd)cr unb öfter* 
teid)tfd)er Staats* unb B r i DQ tard)ioe zum Abfdjlub ge* 
brad>t; es wirb fo leid)t fein ©clcbrier bas Biatcrial 
wefentlid) 3U bereichern bereit unb imftanbc fein. (Daf) 
fid) ber ebettfo reijoollen wie febwierigen Aufgabe, ber 
(Erhebu»tgXirolaeinumfaffcnbes,abfd)lic6cubcs3nbilöums» 
wer! 311 wibnten, gerabe einer ber innerhalb bes öfter» 
reiebifdjen Brofefforentums fübrenben itlerifalen unter* 
zogen hat, tut bei bem befannten (Eharaltcr bcs tirolifchcn 
Bolfsftammes ber Sd)ilbemng burd)aus feinen (Eintrag. 
Xazu fommt, baf) ©im einer ber beften B rofaiften ift, 
bie in beutfdjer Sprad)e fd)reiben. 3in Ardponadpocis 
auf S. XVI fehlt Bertfd)' reiche Sammlung oon ©ofer* 
Originalen im Bölferfd)la«htmufeum am.BapoIconftein bei 
Öeipjig. 

Xae iulereffantefte aber unb widjtigftc ber brei Bücher 
finb entjcf)ieb«u 3°h- 3rricbri^ o. Sdjultes „Üebenserinne* 
ningcn“. Der befannte greife Bonner ftircf)cnred}tsl)ifto* 
rilcr, in bem zugleich ber gegenwärtig hfnwTragenbfte 
AltfatI)olif perförpert ift, erzählt ©icr feine Gd)icffäle, bte 
in fo merfwürbigem ©rabc mit vielen ©cfd)ebni|fen aua 
ber ©efd)id)te (Deutfrf)lanbs unb Borns in ber zweiten 
©ölftc bes neunzehnten 3ahrigmt>erts aufs engfte ver« 
fnüpft finb, in einigennafien fd)[id)tcr, fdpnudlpfcr 3onn. 
Star! perfönlicb, ja eitel wirb u. Gd)ulte namentlid) bann, 
wenn er ©cfdjidjtc gemacht bat ober gemacht ju haben 
glaubt; fonft — bies pilt faft i>urd)nu& von bem zweiten 
Banbe, ber ben preuhifeben ©ang nach .üanoffa von 1880 
in feinen wkbtigftcn Borftabicn unb 9iad)wirtungcn treff- 
lich perfifliert — läftt er mehr bie (Ercignijjc, (Dtnge, lir» 
funben reben. Alfa ein Cucllenbud) zur neuften beutfeben 
©<fdjid)te im eigentlichen Ginne bes ÜBortes. ©elmolt. 

Qhrfte ©ilfe bei Grfrantungen ber ©ausiiere. 

fianbroirtfcbaftlicbe Xicrhcilhinbe von ©ermann 
Ublid). fiexifonoftao. Blit 67 in ben (Text ge» 
bnteften Abbilbungen unb 4 bunten Xafeln. fieipzig, 
3. 3. Bkbcr. 3n farbig illuftricrtcm fieinenbanb 
6 J f . 

(Die 3al)l &CT Büdjer über bie lanbmirtfd)aftlid)e Xier- 
heilfunbc ift fiegion; faft alle aber bahnt für ben fiaub» 
wirt nur geringen BJetf, ba biefer fic© in bem Biuft bcs 
gelehrten Beiwcrfs ber Bczeptfonncln nid)t zurcebtfinben 
fann, (Daher wirb bas voriiegenbe Buch oon allen etn- 
fiebtigen finnbwirten unb Xierhefihern freubig begrübt 
werben, um fo mehr, ab es bem Bcrfaffcr gelungen ift, 
furz, flar unb einfad) zu bleiben. Aus ber (Erfahrung 
heraus, bajj bei jeher Grtranfung faft immer unb überall 
Irgenb etwas, aud) wenn cs bas Bcrfebrtefte wäre, ge- 
geben wirb, will ber Serfaffer biefen Xrieb in ungefähr- 
liche unb bod) zwedeutfprcdjenbc Bahnen Icnfcit. 3n bem 
allgemeinen Xcil wirb ber fiefet mit ben elementaren 
(Dingen ber Bcbaublung befanut gemadjt: (Deutung ber 
ftranH)citszcid)cn, ©eilperridjtungen (Abreibung, Gtreidjen 
unb ftneten, Umfchlägc, (Dunftbäber, Dnholation ufw.), 
Steinigung unb (Dcsinfcftion ber Gtälle, Allgemeines über 
©eburt unb ©eburtshilfc, ©ausapotl)efe. 3u bem bc- 
fonbem (Teil, her fid) in fcd)s Abfdjnitt« glicbert, unb 


Zwar SiTanfheiten bcs Bf«rtcs, ftranrheiten ber SBiebcr* 
fäuer (Binb, S<h«fi 3(^90» 3raufhcitcn ber ■Sdjweiue, 
Rranfheitcn bes ©uubes, Hranfbeiten bes ©eflügels, bie 
Geud)cn unterer ©austierc, werben Art unb Urfache fo« 
wie ffiorbeugung unb erfte S«b an &h»ng ber böufigften 
Rranfhejten Ieid)toerjtänblich unb anfebaulid) befprodhen 
fpwic bie gelblichen Beftimmungcn über Anzeigepflicht 
unb (Sntfdjäbigung furz ermähnt. 3uglei«h wirb ber Xier- 
befiber Dor unzwedmä&igen Quadfalbcrcicn gewarr» unb 
Zur rechtzeitigen 3 u }^h urt 6 Tierarztes angehaltcn. 
(Die für bie Bebanblung angeratenen Büttel, mit benen 
niemals gefchabet, .woljl aber genügt waten fann, finb 
faft überall erhältlich unb leicht 311 befdjaffen. Bemerfens» 
wert ift es, bah bem AJaffer als ©cilmittel ein weiter 
Gpielraum zugewiefen rootben ift. (Die in tem fedjften 
Abfdjnitt enthaltene Belehrung über bie Geud)en unferer 
©austierc ift bei aller flurje fcEjr inftniftiu. 3n einem 
Anhänge wirt oon ben ©cwährfehlertf unb bem Bemalten 
beim .Viauf unb Berfauf ber ©austierc gefprodjen. (Die 
in ben Text eingeftreuten Abbilbungcn unt bic pier bunten 
Tafeln finb fetpr auf chau lieh unb gereichen bem Sud)e zur 
3i«bc. 

2anb»lrif(h«ffH<be B»<hfä§T«ng. 

3wcite Auflage, PoUftänbig neu bearbeitet von 
«l. ©üngerid). 9Rit ad)t Beilagen, Blu ft erbet- 
fpielc einer lanbwirtfchoftlidjen Buch^ihning ent» 
haltenb. fieipzig, 3. 3. ffllcbcr. ©eb. 4 Jt. 

(Die grofjen ÜGanblungcrt auf bem ©cbict ber lanb- 
wi rtfdjnft lidjen Buchführung unb ihrer betriebswiffenfehaft* 
lieben ©runblagen währenb ber lebten breifoig 3«bre 
finben in bem vorliegenbem Buche, bas in ber zweiten Auf- 
lage eine große Anzahl (Neuerungen bringt, eine fold) 
umfaffenbe Bcrüdfidjtiguug, bag tiefes märmftens 3ur 
fieftürc empfohlen werten fann. ^ür bic in bemjelben 
Berlage erfcfjicncnc Sdjrift „fiatibwirtjchaftlid)e Buch- 
fübmng“ von Brof. Dr. Warl Birnbaum, bie bett jehigen 
Anfoibcnntgen nicht mehr cntfpricht, wirb bas oben- 
genannte dtterf ein willfomntcner ©rfa^ fein. (Die (Ein- 
führung beo (Einfommcn* unb Bermögenfteuergefehes in 
ben meiften Bimtc&ftaaten, bic bctväd)tli<he ■(Steigerung 
bes iaubwirtfd)aftlid)en llmfahes unt bie (Reform ber 
AJirifchaftslchre bes finnbbaues haben fo grofcc Beränte» 
tungert »m prafti|d)cn fieben berporgerufen, bah ber fianb- 
wirt nur au ©aitb einer überfichtlid)en Bucbfühaing unb 
ber Gtatiftil zu einem Raren tlberblid über feine Berhält- 
uiffc fommen fann. Xas Bu<h enthält, überfid)tlid) ge- 
ortnet, brei Teile, unb zwar: 1. (Ertrags-, Ginrommens- 
unb Bcrtnögcnsnadjwcis bes fianbtoirtes; 2. (Die ftafjnuig 
ber ai)irtfd)aftsTegifter; 3. (Die Aufhellung ber aBirtfdhafts* 
ftatijtif. (Dazu treten crläutcmbc (frormulare unb ein 
ajhijterbcifpiel einer lnntwirtfchaftlid)en Buchführung für 
mittlere uub größere Betriebe. Xer wichtigfte Teil bes 
Bud)es ift bet brittc Abfd)nitt, ber von ber 9Birt(<hafts- 
ftatiftif hanbelt. Bur ber fimibwirt, ber bie ficiftungs- 
fäbigfeit ber einzelnen Betricbsfaltcrcn, bic Untcrhaltungs- 
foften, ben .Mnnftbüngerauitonnb bei ben rcrfdjiebenett 
Bobeuoerljältniffen fowic tie Grträgniffc aus Biebsud)t 
unb Adetbau währenb einer iRcil)c pou 3 a h rfn genau 
jtubiert hat. ift in ber fiage, ahne Gtöntng bes Betriebes 
in beffen viclgeftaltigcs fRdbenperl cin.zugreifcn, 9Jlängel 
ju befeitigen unb für bic aiteiterentwicflung [eines G>ute& 
ju forgen. Alcrtuollc Untcrftrigung für feine Berech- 
nungen finbet bet fiaubiuirt ohne 3»octfd in ben ftatifti- 
fdjen überjichtcn ber öffentlidjen Buchfübnmgsinftitut«; 
aber erft btc eignen Beobachtungen uub Gvfahrungen fo- 
wie feine Buchführung werben ihm bie eigentlichen Unter- 
lagen für feine Boranfchläge unb Bcntnbilitätabcrcdjnung 
au bie ©aut geben, ©ierfür wirb bas porlicgcnbe Bud), 
in bem and) bie oovzüglidicn Arbeiten oon Brof. Dr. Acreboe 
unb Dr. Grnjt fiaur tciUvcifc benußt finb, ein ausgezeich- 
neter Watgeber fein. 

ttbaarb ©ätll# gefammeftt EHuen. 

Ausgabe in 18 Bäubd)eit. Blit einem Borroort 
von Vctcr fRofegger unb bem Porträt bcs 
Berfaffcrs. Alten, Bobert BJohr. 36 .Jt. 

(Die gefummelten Gftzzcn bes Blicucr ^cuillctanifter» 
Gbuarb Böt(l bilbcu ein Gd)ahlä|tlein tes ©umors unb 
eine reichhaltige ©alcric oon ergöhlitbcn BSiener Tijpeu 
unb Gtimmungsbiltcru. Xer Berfa jf et ift ein fd)arf- 
fid)tiger Beobachter unb Äetuter 'Jlsiens unb ber ASiener. 
Seine fnappen, feiuzifdierien Tarffellungen finb Bleiftcr- 
werfe intimer Äleinmalerei, tie burd) ihre forgfältige unb 
ehrliche Ausführung ait altnicbcrlänbifd)c ©über unb bur«b 
U)reu fri[d)cn, na tiirwüd)|igen ©untor an Gh ätl es Xiden» 
unb SOtarf Twain genfal)ncit. Bößl ift nicht blo& ein erft- 
flaffiger ©umorift, fontem aud) ein feingejtimmter Boct. 
Gr fdjiibcrt bic alten ©äujer, bic ftillen ©affen, bas 
Treiben in ben gcmütlid)cit tiitcipen von SDien, führt 
feine fiefer in tie entjüdenbe Umgebung, auf ben ftal)len- 
berg, auf bas OJlarcbfclb, auf bic Gimuieriuger ©eibe, in 
bic 3 a fl^8 c hietc in uäd)1ter Bähe ilMens, in bie von ihm 
„entbedten", burd) neueröffnete fiofalbnhnen erfcbloffeneit 
©egcnbeit unb aubciiiiflubcn Gtäbtcben in ber Bähe ber 
Slaiferftatt. Aber bie eigentliche Gpczialität Bö^ biltett 
bic htmtOTuolfcn £d)ilbcnntgcu origineller Ttjpcn aus 
allen Atreifen ber AJieuer Bepplferuug, vor allem bcc 
Älein» unb Spii'Bbürgerfdjaft. (Die von dB iß, ©umor 
unb poctifcbcr Gmpfinbung burchwebten Xarftelliingcu 
'lUicns, ter AJiencr unb tes SBiener Gebens finb eine 
ebcitfo amüfantc roic gciftoollc nnb bclehrcnbc fieftürc, 
bic ber ftaiferftabt an ber (Donau neue ftrcimbc werben 
wirt. 


DU 31lultrirte 3cituna barf nur ln b«r «dtatt in hm ttrrttlyr ftebrad)t *D«rt>en ( ln brr fie jur «uoßabe flclanfli ift. ^rranPfrunfl, fllicf) bas «cilenrn wen TnicfindK» irflcnöiwldicr «rt, ift unterlaßt unb 

wirt geridiUid) BcrfoJflt. Hilf 3ufenbun«cn rrbatttonenfr «rt finb an bl» Jlebaftlon Ber Dlluftrinen 3eitima in Ccimifl, MoubniQcrltrnfje 1—7, alle anberen 3u|ritt>im<irn au bic Cfrefil>Zfis|teIle ber 3llu|trirtm 


Published January 7 ,h , 1909. P 

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3eitune, ebenfalls in Uetptip, ju rid)ten. 

United States re^erred under Act approved ' fÖlÄrtc Zeitung, J. J. Weber, Uipzig. 


THE OHIO STATE UNIVERSITY 








Sl>f Q/HQ 1 QO TOrttlX JUuftriYte % {ettutt£ er(d)ei»lt |«fe«tt Xömierstdg ttötmittag. Vierteljährlicher VejUflSptei*: burdl eine ®ud)l)att&* 

ötU. LO<Z. ~vT UIU». Iutiqk •*. frei in* $au$ H. 4 25\ bei cinnr^oftanftalt beitellt: Tcutfdico'JIcid) H. # 12 XeutfchrSdiutiflfbid'CH 0, _ 

“e $U*ß«bt («»» fefttf ■‘Uapprolk perparft) Tkuifdjc* tjHeich »mb beutjefje 3d)U^flft>ictf 9.*, Cficrrcidi II K 7* L, 


7. 3anuat 1909. 

C itcrT<id) 10 K 56 I». Ungarn 9 K 9* h f ®4)wfi3 i« Vr*. üSt'i^. ©»fpnbers P«p<i<fte T 
Ungarn 11 K 12h, Sd)i»eij 12 Kr*. 15(1«. 3 n ben übrigen ttftnbem öe^'llkltpoltpomno erfolgt bic tnreftc 3urc»tbung unter ftrat.ibanb t)an>|äl)rli(t) für 28.* portofrei. (Hnjelprei* einer fWummer 1.*. 



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3 llu[trirte 3 c ^ un 9 - 


Orientreise- 


St. Moritz-Dorf 'IT. Oberengadin 


(Schweiz) 


Grand Hotel St. Moritz 


Winter- und Sommer-Saison 

Vornehmes, im Dezember 1905 neu eröffnetes 
Haus, Privatappartements mit Warmwasser- 
heizung, Bad und Toilette. (Durch Doppel- 
gänge absolute Ruhe gesichert.) Großartige 
Gesellschaf Isräume mit schönster Aussicht 
auf See und Gebirge. — Sanitirische Ein- 
richtungen und Ventilat ions • Anlage nach 
neuestem System. Vacuum • Cleaner- Anlage. 

Näheres durch Die Direktion. 


Grand Hotel St, Moritz 


Eis- und Lawn-Tennis-Platz 


I iri w* - • Reichliche Sportgelegenheiten! 


Aufzüge vom Eisplatz bis in die oberste 
Etage. Täglich Konzerte durch das Mailänder 
Orchester. Für Weihnachts- und Neujahrs- 
ferien * Aufenthalt besonders empfohlen. 

Näheres durch Die Direktion. 


Hotel Imperial Cairo 

(Boulevard Soll in an Pa rhu 3) 

Famitlm-lljuia mVn Range* 1. tx-stoc-hrnder 
Tag.-, unweit dar gr9«w>n h’UbrQcke u. de» 
Muw-iim», pinr ik-ii , vonirbm n iiifrrlchlrt, 
mit anerkanni l«-«u*r Küchr und Ix-Ira 
Krtti-Ii AKlph-hl, in bezug auf Komfort und 
Iteinlirl.lc.-tl von koinren iu .drn-n Ilnu-Kkint 
nbrrtroUm, p.tUK-b« hHi<-n.mg . bette 
Wiener KOrho (Haiher. Schuir). Praiae: 
fti-lWP.T. (U)— 12 Mk.) für ein •>l*KUitM. 
Zimm<-r mit DtcuurMbrn Mpcdnabotlen, 
«*-bu-n IVr*rrti-|.|iicbvn. A reich li«-b«-n Mah.1- 
»»•iu-r» «lange), mtfmerk*. I«rd:entua, 
••Irkir. Hflt-ut buinc , Kail . Telephon usw. 


















3Iluftrirtc 


Original from 

THE OHIO STATE UNIVERSITY 


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3um (Erbbeben in Sqilien unb Kalabrien: Solbaten bei ben ^RcttungsarbeHen in 3Jieffina. Driginaljeidjnung oort Wlccarbo ^ellegrini. 

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12 


3Du[tritte 3 e ** un 9- 


Jlr. 3419 . 7 . Januar 1909 


X5ic (£rbbcbenfota|trop^e«.in ftalabticn 
unb ©ijilien am 28. tiejember 1908. 

9on Dr. Jronj d-gorb, tfripjig. 

fwm 28. Dezember 1908 in ber 3 cigtc fid), baß 

«I bas Seismometer ber (Erbbcbenwartc 3 U ßeipjig ^alb 
’Vf'ou&er Dätigfeit fielest war. Das 3nftrument *) fc^reibt 
felblttätig bie oftweftlidjen unb norbfüblid>en &ori 3 ontal» 
fomponenten ber ©obenbewegungen mittels femfter 
©latinftiftc auf beruhtes Rapier. 3<ne Stifte finb in 
ben beweglichen, nur lofe auftiegenben (Enbteilen ber 
langen Schreibarme befeftigt. 9lm genannten ©lorgen 
nun lag ber Gnbtetl bes Gdjreibarmes ber Oftweftfompo« 
nente am ©oben, unb nur bic ©orbfüblomponente fünf* 
tipnierte nod). D te Untarfud)ung ber ©egiftrierpapier» 
ftwifen ergab, baß bie teilroeije Demontierung buTd) ein 
luftiges ffirbbeben oerurfacht worben mar. ereignet fiel) 
ein foldjes irgenbwo, fo eilen 00 m Stoßhetb fiongitubinal* 
wellen burd) ben (Erbförprr unb werben oom Geisinometer 
als fog» ©orpfjafe bes GcisntogrdmmS aufgefdjrieben. ©on 
bem fen!red)t über bem Gtoßh<r&.'<m ber (Erhöbet» 
fläd)e gelegenen (Epizentrum, bem am ftörtften er» 
(djütterten fünfte, breiten fid) DransDerfalwellen 
aus, bie bas Seismometer als Snuptphafe unb in 
ihrem allmählichen Wüstlingen als (Enbpf>afe bes 
Geismogramms auf$eid)net. Das (Etbbebeu »om 
28. Degember mußte eine gewaltige Gdjüttertraft 
befeffen hoben; benn gleich bie erften rafdjen ©or» 
obafento eilen (j. beiftehenbe Örigur) f)atten bie 
Gcbreibarmc um Beträge von 1 bis 2 cm ßur 
•Seite geriffen, wäljrenb biefe ©Seilen gewöhnlich 
nur 9lusfd)läge oon etwa 1 mm ©reite aerurfadjen. 

Den ©orphafen entjprachen bie f>auptpf)afen. Die 
©Bellen berfelben batten fid) bei ber ©orblübrompo- 
nente zum Deil mit Wmplitüben von mehr <rt* 


berart erfdpittcrt, baß ber Kapitän glaubt, bas Gd)iff 
fei aufgelaufen; gleid)30itig oerf^winöen bas ßid)t bes 
ßeudjttumts unb bie falabnfd)e «üfte in plößlid) herein» 
bteeßenbem bid)ten ©ebel. ©on 5 Ul>r 25 ©iin. bis 6 Uhr 
45 ©lin. werben uod) fünf weitere Stöße gefühlt. Sin 
Jähe* 500 * empfängt einen heftigen Stoß unb oerfinlt in 
ben 9Bellen. Die Offnere bes Dorpcbobootes „Gaffo* 
feßen 5 Uhr 30 ©lin. im f>afen aon ©teffina bas ©teer 
m heftig bewegen, eine ftaxfc (Erfdjüttening wirb fühlbar, 
bann bilbet fid) eine ungeheure 2Boge, bie, alles oemid)* 
tenb, bis 3unt (Eorfo ©aribalbi in ©teffina oorbringt. Der 
öfterrei<hifd)e Dampfer „©nbräfft)" oerliert bie SInfer unb 
befefjäbigt mehrere anbere Schiffe. Der Dampfer „©Ronte» 
bello“ wirb auf ber Sleebe uon ©teffina burd) brei Stöße 
furchtbar hm unb her gefdjleubert. Die erfdjredt an ©orb 
cilenbe ©tanufdjaf t fief)t eine geroaltige fflteeresflut fid) auf 
bie Stabt juwäljen, meid) tatjterc einen riefigen Drümmer* 
häufen bilbet, aus bem hier unb ba fdjon Orlammcn empor* 
3üngeln. 2lor Catania gehen ©arten in ben roilb er* 
regten frluten unter; brei Äinber werben fortgeriffen. ©ei 
Mipofto weicht bas QJlccr 1000 m gurücf, eTtjebt fich bann 





15 cm aufge3eid)uet. ©ei] her Cftweftfomponente 
aber hotte bie ©reite bes SRegiftTierpapieTs über- 
haupt nidjt ausgereicht ; ber Sdjreibjtift war hipr 
über bas ©apier hinaus gegen ben erhöhten ©anb 
bes biefes tragenben 3^00«$ geftofeen unb ba- 
burd) aus feiner Jfaffung gej^leubert worben. Die 
Üluf3eid)nung hotte 5 Uh r 23 ®Wn. 37 Gef. begon* 
nen, unb erft 7. Uhr 25 ©tin. war roieber IRuhe 
eingetreten, fo. bah. ber ttrbförper oolle 3n>ei Stun» 
ben gebraucht fjatte, um nach ber hrftigrn Crf^üt« 
terung wieber ins (5leid)geroic£)t 34 fommen, ÜRad) 
ber Dauer ber ©orphof« mußte bas regifbrterte 
Crbbeben in etwa 1400 km (Entfernung oon fieip3ig 
ftattgefunben haben, in ber (Entfernung alfo, in 
ber fid) ber chronijdje fübitalifcije Sd)ütterh«rb be- 
finbet. §atte aber ber Gtpß fid) bort ereignet, fo 
war bas (Eintreffen non 9t ad) ri<f)teti über eine 
Äataftrophe oon faum jemals bagewefener fjcftiß- 
feit 3U befürchten; benn aus ben ©orphafenwellen 
Kann man auf bie uerheerenbe straft eines (Erb bebe ns 
im (Ep^entratgebict fchließen, unb biefe finb bei bem 
Seismogramm 00m 28. De3ember 1908 wohl gehnmal fo 
frdftig als bei bem oom 8. September 1905, an welchem 
läge (Satanjaro, 9Jtontcleone unb Diele anbere falabrifche 
Orte oerwüftet würben. 

ßeiber ift bie Stidjtigfeit ber aus bem Seismogramm 
getafenen ©rognofe burdh bie fich oon Gtunbe 3U Gtunbc 
höufenben öiobspoften aus Gigilien unb Ätalabrien im 
oollften SRaße beftdtigt worben. Ätam am 28. Dcgember 
nur bie unbeftimmte «mibe ju uns, baß Crbftöße in 
©leffina unb ©almi viele Raufer oemid) tet unb 3af)l reiche 
Opfer äh üJienfd)entaben geforbert hatten, fo gipfeln bie 
9la<hrid)tcn tjeutc in ber traurigen *ewifjh*it, bah °or 
fu^em noch fo lachenben CSefilbe 3U beiben Seiten ber 
Straße oon ©Jeffina, unfer aller Sehnfudjt unb bas IReife» 
3iel oieler Daufenbe, nidhts finb als ein weitre Jriebhof. 
<Es ift gut Gtunbe nod) völlig urnnöglid), ein einigermaßen 
llares Silb oon bem ©erlauf unb bem Umfang ber «ata» 
ftrophe 3U geben; nur (Einjelheiten, eine jchrecflicheT als 
bie anbere, rönnen aneinanbergereiht werben. 3unäd)ft 
bie ©erid)te einiger 9lugen3eugen. 

Der täglich nach fahrenbe Dampfer liegt im 

^afen oon ÜDleffina jut 2lbfatjrt bereit ; plößlich ein Dröhnen 
im (Etbinnem, bas ©leer fenft fich, i>as Schiff geht einige 
Sctunben in bie Xiefc* wirb bann 3UT €>öhc oon 8 m 
emporgefchtaubert unb 3erfd)elU hcrunterfallcnb an ben 
ffelfen ber 3erftörten SOtota. (Ein oon ©alermo fomnienbex 
Dampfer wirb in ber ©af)« bes Öeudjttunus non ©teffina 

*) «T. 3251 ber „PnwftT. 50m 13. CHobfC IWä. 



Der 2lnfangstcil ber in ßeipyg ei^alienen 2Iufjet^nung bes 
(IjUtaiiii^^alabrif^ien (Erbbebens am 28. Dejember 1908. 


3U einer gigantifchen Slloge, bic bem ßanbe ^uftürit unb 
alles uerwüftet. Die biefer oom ©teere h««^’ 

bred)enben Jlutwclle wirb an »ielen Orten auf 3ch« utib 
mehr ©tet er gefchdßt; ihr fällt bie Cifcnbahnlinie ßa33aro* 
9?eggio .(um Opfer, fic feßt bic ööujer längs ber ganjen 
.Hüfte bis 3iim erften Gtod unter JBaffer, erfäuft gan3 
©almi, fd)toemmt bic eleganten ©prftöbte ©tcffinas mit 
all ihren ©illcn unb bereu ©cwoh n <rn weg, ocrfchlingt 
Öunberte oon rieincn ©arten unb «üftcnfahr3cugcn famt 
ihrer ©emannuug, lur3, fic häuft berartig, baß bie ©leer» 
enge oon SDtaffina burd) ßcidjen unb ©3racfftücfc gcrabC3u 
oerftopft wirb. 

9tid)t minber heftig wie tm ©leer unb an feinen «üjten 
äußerten fich &ie (Erberfchütterungen auf bem feften ßanbe, 
fo baß bie Rettungen oon Slugenjeugeii gerabeau als 
SBunber 3U betrachten finb. ©ri^effin ©lconbre3 wirb 
in ©leffina butdj fur^tbares «rachen aufgefchredt; fie 
ftür3t bem Qlusgang 31t, bie ©tarmortreppe bricht burd) 
einen neuen Stoß jufammen. f>lüchtenb flettert bie 
Dame über Drummer, fie fießt nichts als ©uinen uub 
wieber Stuinen, aus benen entfeßlidje Gdjreie Hingen; fic 
hört immer neue Käufer unter unheimlichem «rächen 3U» 
fammenbredjen. ©n ihre ©erwanbten benlenb, lehrt fie 311m 
©alais jurücf, finbet alle unoerleßt unb erreicht enblid), unter 
uufäglidjcn Gdjwierigfeiten, ben öafen, wo fie auf bem 
rurfifchen «reu^cr „©talarow" iHettung finbet. 3m JF)otcl 
Drinacria wirb ©ürgermeijter öirot burd) einen (Erbftoß aus 
bem ©ett geworfen; gleichzeitig bricht ber 3'mmcrböben 
burd), unb ber ©taun fommt fo unter einen ©allen uub 
Gchuttmaffen 3U liegen, baß er faum atmen unb fid) rühren 
fann. (Erft nach fielen Gtunben gelingt feine Rettung, 


nad)bcm ber ©allen abgefägt worben ift. (Eine alte gfrau 
wirb burd) bie Ijefttgeu (Erbftößc aus bem ©ett geworfen, 
fauft mit bem obem Gtodwerf bes 3ufammenftür3enbeu 
Öuufes in bic Dicfe, bleibt aber unocrlctjt. dileiches ©lücf 
hat ein Carabinicrc, ber im oierten Gtocfroerf bes Militär» 
hofpitals liegt; er fällt burd) ben brechenben 
mit bem ©ett in bas britte Gtodwerf unb fo weiter, bis 
er, unoerletjt nod) im ©ett liegenb, ben Grrbboben erreidjt- 
(Eine Dame wirb burd) bas Schwan len bes fmufcs unb 
bas ©affeln ber ärenfter gewedt unb im näd)ften 2lugenblid 
feßon aus bem ©ett geworfen; fie ftürjt auf bie Straße 
unb flüchtet in h fl H>« ©etäubung. Der ©egen praffelt 
babei in Strömen hernieber, ringsum brechen Käufer 3U» 
fammen, unter lautem (Sebrüll ftürjt bas ©leer, neuen 
Gchrecfen bringenb, in bie Gtabt, mit furchtbarem «nall 
explobicrt ber (ßafometer, unb ber §immel glüht oom 
3 Bibcrfd)ein eines brennenben ©alaftes. ©rof. ©ruschet* 
tini wirb burd) einen ßärm geweeft, als ob ein mit Steinen 
belabenrr ©Jagen über bas ©flajter rolle; bie ©lauer, an 
ber fein ©ett ftcl)t, zerreißt oon oben bis unten, &lud)t ift 
in ber bidjtcn Gtaubroolfe bei bem ni«berflatfd)«nben ©egen 
unmöglich, bic gan3c Familie oerbirgt fid) unb bleibt im 
Öof gefangen, währenb bic Drümmer fid) um fie häufen 
unb bie (Erbe in immer neuen 3 udungen erbebt. Die 
©ettung gelingt enblid) burd) einen jufällig entbedten 
unterirbifdjen, 3um ^afen führenben (&ang. (Ein junger 
©r3t, ber ben ^rüt)3U0 bemißen will, hört einen «nall 
wie uon taufenb (üefchühen, worauf ein praffelnber ©Soßen» 
bmd) folgt unb marfburd)bebenbes 3if<*)cn ertönt; ftamlnc 
unb E>äulerwänbc ftü^cn 3ufammen, bod) gelingt bic 
©ettung mittels eines fchnell 3iircd)tgemachten Geiles. 
(Ein beutfd>er «aufmann will, nachbem ihn ber erfte Stoß 
gewedt hat. weite rfcßlafen ; plößlich «rfolaf« Stöße 
mit fcfjrecflichem Donnern, bie <f-lud)t wirb burd) E>erablaffen 
an ©ettjeug möglich, unb fradjenb ftürzt bas f)aus 311» 
fammen, 3 n ber burch bie oolßommene 3crftörung ber 



(Oasleitung cingctrcteuert irinfternis brängen fid) bie ^rlüchi 4 
linge burd) bic ©affen, inbes oon oben Steine, ©alten, 
ja gau3e ©alfonc auf fie h ct> abhagclit. Das an oielen 
Stellen ausbrechetibe ^euer bebrobt bie oon ben Drüm» 
mem feftgehaltenen ober unter biefen liegen ben Cöcfunben 
unb Berwunbeten mit einem qualoollcn Dobe. Den burct) 
bas (Erb beben gefprengten ©lauem ber ©cfängniffe heraus 
entfpringen bie ©erbred)cr uub burcbwtihtau plünbemb, 
rauben b unb fcßänbcnb bie Irümmerhaufen, aus beneit 
bas oer3weifeltc ©efehrei ber ©erfchütteteu heroortöm. 
So ging ©lelfina unter. ,,©on ben zerfallenen öäufem 
ftcljen nur noch oereinzdte ©lauem, in benen große Süden 
Haffen; wie Gfelette fcljott biefe ©lauem aus, bie cinft 
jum Gchmud oon ©aläftcn unb fdjönen Käufern bienten." 

(Ebenfo wie in ©IcffUta, häufte bas (Erbbeben in ©eggio. 
©lan fchrieb 0011 bort: „Die Stabt lag In ruhigem Schluin» 
mer, als plötjlich ein furchtbares ©ombavbement unficht' 
barer «ananeu einfeßte unb bas ©leer in toilber ©ranbung 
in bie Stabt brang, alles über fd) wem men b; gonje Straßen» 
3üge ftür^ten unter Dumpfem C&eräufd) zufammen. Der 
•tiafcn würbe uollftänöig zfTftört, bas 3ßaifenhaus begrub 
alle feine Snfaffcn unter ben Drummern, beim (Einfturg 
ber «afeme fanbeit JFmnbcrte oon Golbateit bert Dob; 
bie ganje Gtabt würbe bem (Erbbobcn gleichgemachJ, 
nur bie fleincn, auf ber ööhe gelegenen ©Ulen blieben 
erhalten. 2lllc ©iertelftunben erfolgten neue, oon fdjauri» 
gern, unterirbifchem ©riillen begleitete (Erbftöße." 

$>aar[träubenb finb bie ©achrichten, bic bis jeßt aus 
©almi eingegangen finb; bet weitaus größte Deil ieinev 
oier3ehntau|enb (Einwohner foll umgetommen, bie öoff» 
nung, noch ßebenbe unter ben Drummern heruor3iehen ju 
ISnnen, aufgegeben worben fein, tlberall ftarreu menfdj* 
liehe ©liebmaßeit aus ben Gchuttmaffen h cn,or - ©cvd) 
fd)limmer ober foll es in Geminara unb Ginopoli aus* 
fehen. Sant' (Eufemia (oll bTennen unb fünf 3Cl)nhun bert 
Dote in feinem Gchutte bergen. Das 1905 in Drummer 
gelegte Dorf Dripomi ift jetjt wieber völlig oerwüftet 
worben, ©tontcleone, ©litato, Satansaro, ©agnara hoben 
fd)wer gelitten, gan3 «alabrien bis h* ttfl ut 311m «ap 
Drionto ift oerwüftet worben. 

Ober einen ebeufo großen ©aum erftreden fich bic 
3crftörenben ©Hrlungcu bes (Erbbebcns auf Sizilien. Um 
nur einige Orte 3U nennen, würbe ßlli h°ri betroffen, 
in ©lalctto würben 3WC1 «ird)cn unb fünfunbbreißig 
Käufer befdjäbigt, unb in Sripalfo ftürjteu 3wei Ajäufer 
ein, oide anbere brohen 3ufammen3iibrcd)cn. Gelbft 


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9k 3419. 7. Januar 1909. 


3Ilu[trirtc 3citung. 


13 



Galtanifctta, ganz im 3nnem ber 3nfeT, würbe ftarf er* 
füttert, in Eatania bebte bet 'Hoben zwanzig, in Batermo 
.zweiunbbvcifeig Gefunben lang, ber Tunnel bei 'Jiomettn 
mutte gefperrt werben. 

And) allebcm ift bic Erbbebcufataftropho ooni 2H. Tr« 
.zember 1908 roof)l Die furd|tbar(te, bie fid) jemals ju« 
getragen fiat, unb 3U)ar nid)t nur in bezug auf ben 
angcrichtctcn materiellen Schaben, fonberu namentlich 
in be.jug auf bie An,znl)l ber iljr zum Opfer gefallenen 
SJienjdjen leben, hierfür mir einige Beijpicle. 'Hott 
ad)tbunbcrt Mann, bie in beut Militär rolleg. ber Kafcrne 
non Meffina, ocrfd)üttct mürben, Tonnten nur hundert 
gerettet werben. 3n ber Santa* Matia-ftafenw mürben non 
.Zwei Kompagnien nur oierjel)!! Solhatcn üerfdjont. 'Hon 
bem Karabittieriforps blieben Im ganzen fieben ®iann am 
fifben. 3n ber Kaferne ber ^ollwadjen mären uon zuxü* 
bunbert 'Jütann eiuunboierzig unoerfehrt. 3m Bahnhof 
ntelbeten fid) oon ^roeiljunbertadjtgg '21 n gef teilten nur acht 
Z»r Stelle. Sion hundert 'Beamten bes Telegraphen* unb 
Telepbonbienftes retteten |id) vier. Ange|id)ts folget 3ah* 
len u)irb cs begreiflid), wenn man fd)ätzt, balz in Sizilien 
fünfunbfiebggtaiifenb, in Kalabrien brei&igtaufeub Men* 
Sehen um» Sieben gefommen fein f ollen, unb zwar burd) 
ein Ereignis, bas fid) in ber fmuptfadjc in wenigen Mi* 
nuten abfpieltc. Kein iBunber, bafe bas Itbermafe ber 
Schreden bei ben einen ben (ftctft umnachtete, bei anberert 
ben Gclbftcrljaltungstrieb zur Brutalität fteigerte, bafz aus 
ber ftinfternis unb bemftiefigen Cualm ber Bcrzroeiflungs» 
icfjrci vieler Taufende zum ftimrnel gellte. Turd) Mcffinns 
j(f)uttbeberfte Straften irrt ein 3ngenieur unb fd)reit: „3n 
Meffina tft nichts, gar nichts gefd>el)cn, nur meine Familie 
eft tot!“ 

Bergröfeert imirbe bas burd) bie Kataftrophe hcroor* 
gerufene Clcitb nod) baburd), bafz bic Jtimdc bauen fid) 
nur langfant verbreitete unb alfo and) cnergifdjc Oiettungs- 
aftipnen nid)t fofort begannen. Mer hätte aud) bas lln» 
glüd melben f ollen? Tie 'Beamten waren tot, bie 'Bal>n* 
Törper oeruiebtet, bie Ei fen bahn wagen zertrümmert, bie 
Leitungen unterbrochrn. Tie ganzen Berfrhrswcge in bem 
nnt ürgftcn betroffenen (Gebiet laufen längs ber Küfte, 
bic nicht bloß burd) bas Erdbeben, fonbem vor allem auct) 
burd) bie frlut oerwüflet warben war. Tie ©arten tmb 
Küstenfahrzeuge hatte bas Meer oerfdjlungen. So Tarn 
cs, &afe man oon Beggio tagelang überhaupt nichts umftte, 
bafz felbft in Meffina zu bem Sd) reden bes 'Bebens fid) 
nod) junger, Turjt unb Kälte gefellen Tonnten, che plan* 
tuäftig unb in großem Gtil £>ilfc gebracht würbe. 'JBohl 
oerri<hteten bie fremben Seeleute Heldentaten ber Selbst- 
aufopferung, um ben Bcrfd)üttetcn zu helfen. Aber was 
wollen wenige bunbert Sinne leiftcn, merin eine Stabt 
von bunbertfünfzigtaufenb Einwohnern in Trümmern 
liegt, wenn Taufeube unb aber Taufenbc um £>ilfe fd)reien? 
3e»zt ift bas Wettiingswer! in oollcnt (bange, unb es ift 
etwas Erbcbeubcs, man mödjte faft fageu, mit bem lln« 
glüd Berföhneuöes, zu fel>cu, wie alle Nationen wett* 
eifem, auf bafe bem Eleub gefteuert wirb. 9Jlöge bie grofze, 
gemeinfame Kulturaufgabe geloft werben, unb mögen ftd) 
bei ber gemeinfanten Arbeit aud) bic Herzen finben, da* 
mit bie Empörung ber 'Haturfräftc in eine ftriebc nsbot« 
fdjaft für bie SJlcnfd)heit ausllinge! 

'H3ie bei allen heftigen Grbbcben* fo ift auch jc%t in 
Äatabricn unb Sizilien nid)t fofort nach Äataftrophe 
com 28. Tezember ®ul>e eingetreten, »idmel)r ereignen 
fid) nod) fortgefetzt ba unb bort Erjdnitterungen, burd) 


Die Slnlunft oon ^lüd)tlingcu au& 


bic btc aufgeregte Bcoölferung immer toicbcr in Sdjrccfcn 
gefegt wirb. So warf in ber 'Jlacht zum 30. Tezcmber 
in San Marco unb '2lvgcntano ein Stcft bie wenigen 
ftct)engcbliebenen !r>äufor um unb begrub beren 'Bewohner. 
'Ilm 30. Tezember früh •*> Uhr 30 'Diin. tourbe Sprahts 
fünfimbzwanzig Minuten lang crfd)üttcrt, fo bafz bie Be« 
Dotierung in feierlidtcr Brozcffion bie (ft nabe bes f>iiu* 
mels erfleljte. '2ln bemfelben Tage mittags brachte in 
Weffitta ein Stof} erhalten gebliebene Mauern ju ^ollc, 
ein aitberer zerftörtc in (fterace bie halb eingeftürzte Mird>e 
oölltg. 3n Beggio hielten bic Stöfje am 31. Tezember 
fpät abenbs noch an, unb in vielen Crten füllen l>ctNc 
Quellen heroorbringen. 

'lUemt im oorftehenben einiges oon ben BSirfttngen 
bes (frbbebens am 28. Tezember 1908 angeführt unb 
namentlich auf bie SchUbcrungen uon Augenzeugen etwas 
ausführlicher eingegangen worben ift, fo erhebt fid) nun 
bic JVrage nach bem BJcfcn ber Äfataftrophe unb nad) ber 
2a ge bes ficrbcs, ooit betn fie ausgegangen ift. Junäd)|t 
ift unbebingt ber Uutergnmb ber ®leerenge oon Mefftna 


OTcffina im 3lrfenal Neapel. 


in ber hd'tigftcn 'lüeife crfchüttcn worben; beim nur oon 
bortljcr lomnicubc unb burd) bas AJaffcr fortgcleitcte 
Gtöfzc Tonnten in ber bcfchriebcnen SBeife oon Schiffnt 
wal)rgeuommen werben, »nb nur Bewegungen im Meeres* 
hoben Tonnten bas v -furücf weid)en bes 'JJieeres bewirten 
unb feine SDaffet zu 10 m hohen ,'Vlutwi’Uen einporheben. 
IBeiter aber bcfdjränlt fid) bas ftarl erfdjütterte (ftebiet 
nicht auf ben Untergrunb bes Meeres, fonbem greift weit 
auf bas (yeftlanb Malabricu uitb bic 3nfel Gizilten über, 
fo bafz es einen Turehmcffer von minbeften« :M)0 km he- 
fi^t. Terfelbe Stofe, ber bas Meer aufwühlte, warf aud> 
®ieffina in Trümmer; beim beffen Bewohner waren be- 
reits auf ber frludjt, ab bie langfamer oorfchrcitenbc 
Flutwelle etnbrad). 

9tun hat bas tfeipzift« 1 Seismometer hlojj eine ge- 
waltige (£rfd)ütterung nufgezeidpict, uub biefdbe Melbung 
liegt bereits oon Botsbam oor; es Tann fid) alfo and) nur 
ein Stof) »on gröfeter 3ntcnfität ereignet haben. 'IBenn 
bemgegenüber mehrorts brei Gtöfec gefpurt würben; wenn 
ein Sd)iff fünfmal erfdjüttert würbe; wenn bie ^lüd)tlinge 
in ÜJleffina immer mieber burd) neue Stöfee erfchredt 
würben; wenn in Beggio alle Bicrtclftun ben oon brüllen« 
beut Tonner begleitete Stöfec beobachtet würben, unb 
wenn in italicui|d>cn, alfo bem Sdpittcrgebict feljr nahe 
liegenben (Erbbebenwarteu weit über hunbert Erhebungen 
3 ur Aufzeichnung gelangten: fo fann nur eine berfelbcn 
mit bem bei uns auf ge zeichneten Stofee ibentifd) fein, alle 
übrigen inüffcn fetunbäre Erfcheiuuugeu gerne fen fein. 

Es liegt nahe, bic Entftehung biefer fcTunbörcn, an 
Crt unb Stelle föraftysftcit, bnt 8 rtW q w aber offmfedT 
nur wenig erfchüttcmben Stöge ans bem geologifdjen 
Aufbau bes Sd)üttcrareals zu erflüren. 3m Sübenbe 
oon .Kalabrien erhebt fidi bas aus granirifcbcu Ecfteinen 
unb friftallini(d)cn Gdjiefem aufgebautc Maffio bes Afprp' 
memte, beffen ftörtfefjuug im gegenüberliegenben lUorboft* 
Zipfel Siziliens bie aus ben gleichen (ftefteinen beitehenben 
Beloritanifchen Berge bilben. jüngere (ftebilbe, ndmlid) 
Krcibc, eozäne, miozftne unb pliozanc Schichten, umfrnnfen 
jene alten Maffioe, bereu Jufammcnhang nad) Eortefe am 
Enbe bes untern B^ozäns burd) einen (fmtbmbrud), bie 
jetzige Strafee oon Meffina, gelöft würbe. An bem ©er- 
lauf ber Küftenlinien fdjon (fiehc bie beigegebene Karten» 
ftizzd. bcutlid)cr noch auf ber geologifdzen Karte fleht 
man, bafe 'Bruchlinien bic (fteftalt Des italicnifd)en J^eft- 
lanbes unb Siziliens beftimmen, unb zwar Bnnt)limen 
oerhältnismäfeig ingenblicheit Alters. 'Auf ihr Tafein 
beuten aud) bie beträchtlichen 'Meercstieien nahe brr Küftc 
hin. üBerben biefe Bmchzoneu fräfttg cr|d)üttcrt, fo ift 
bic Mögliddcit gegeben, bafz fid) in ihnen nod) oor* 
hanbenc Gpamiuitgcn als Etbftöfee ctuslöfcn unb fo eine 
weitere ^erftüdluug unb Abrutfd)ungett erfolgen fönnen. 
Tamit ftcht int Eintlang, bafz bie Küjtenftriche am ärgften 
mitgenommen worben finb, bafe bie Crtc, in Denen viele 
Gtöfze beobachtet würben, famt unb fonbers an ber Küftc 
liegen, unb bafe l)ier totfäd)lid) ')Jioeam>eT»'inbevungen oor* 
getommen finb. So berid)tet IRicco, ber Setsmolog bes 
Obferoatoriums in (Satania, bafe jich bie Tods bes >>afens 
oon Meffina bis zum Mccresfpiegcl gefenft haben, unb 
es ift bereits bie Befürchtung ausgcfprocbcu worben, es 
Tonnten in ben gefamten ^al)ruwffcrucrl)ältniffen erhebliche 



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Panorama ber (Siabt. 

3um (Erbbeben in Sizilien am 28. Dejember 1908: 2In|id}ten non 9Jlef[ina oor feiner 3 cr f^ run 9- 

91a<tj ttuftialjnien btt 'Jiewtn *)}f)otoßrnpl)ijrt)cn ®e|cllfd)c«ft, <strglify-&tr(in. 


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Tn Xiom. 

3um (Erbbebeit in Stjilien om 28. 3>3em6er 1908: 2ln|id)ten oon 9Jte[[ina oor [einer 3erftörung. 


SKid) ?(ufn<ihmrn brr 9iru<n 'ßljoiovirapbifdKn «Vrf rUfchnf t. W. SttflUlji'®rrIln. 


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3unt (Erbbcbcn in Untcritalicn am 28. Dejember 1908: Die jui £>ilfeleiflung nad) 'JJicjfina entfanbte flicgenbc Dioifion bet itali 

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«n ftriegsmarin«, bi« üimenföiffe Sittorto (Emanuele III., tRcgino (Siena unb SRapoli. Sind) ein« €>tiginalj«id)niing eon Sjarn) §cujj«r. 

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18 


SHuftrirte 3^tung. 


5Rl 3419. 7. 3anuöt 1909. 


titnberungen eingetreten [«in, bie für den .Cwtndel 
unb für Dir tfandesperteibigung bie rocitcfttragenbc 
Bedeutung haben würben. 

Hannen in 5er eben auMinanbcrgefcfetrn 2Bcifc 
bic zahlreichen fetunb&rcn Stöße aus bem gcolo* 
gifcheu Aufbau erllärt werden, [o nimmt öer pri- 
märe Stofe, ber [idjer in allen (Erdbebenwarten bei 
uns farool)l wie in unb auf Samoa auf. 

geacidjnrt worben i[t unb bei» flanken tfrbförper 
ftuubcnlaug erfd) Alterte, eine SonbcrfteUung ein. 
3«öer 3ufamiucnbang biefe« Stoßes mit ben tätigen 
Zutrauen ift auuädijt au*gefd)loffeit. (5 in [oldier 
jwifchen bem «ttna unb ben ja leiber nid)t feiten eit 
thrdbebenrataftropheu Halabriens Ijat fiel) nie uadv 
weifen (affen, unb diesmal geigen bie (Ereigniffc 
in Blaletto unb Beipaff o befonders deutlich, bnfe 
ber ’Jltna burd) ben tftauptftoß genau fo rrfdjüttert 
worben ift, wie es feine geographifche l'age int 
'odjüttcrgcbiet mit fid) brachte. SÖenn man au* 
ber burd) bie feismometrifcheii Buf Zeichnungen 
erwiefenen großen Sd)ütterfraft des primären 
.v>aupt[toßc* vom 28. Dezember 190Ö auf bic 
Vage feines fterbes fchließt, |o wirb man ge* 
neigt fein, [entern in bebe Uten ber liefe tu fliehen, 
in jener liefe vielleicht, in ber bic fefte I5rb* 
frufte auf bem glutigen Magma bes (Srbinncm 
lagert, unb in ber totale Milderungen de* 
Bggregattuftanbe« nicht abjufchäljendc (Energie* 
mengen frei werben laffcn Bonnen. 




fteimatlofe auf ber Slanbftrafee. 


öbarles Tettue, «Part*. 


3mprooifierte JcItuDoljnunfloi ln SJleffina. 

9tod) b«r (Erbbefeenfatajiropffe oom 28. D^ember 1908. 


(Erbbebenft<f)ete Sauart für Sebäube. 

6 eit Jahrhunderten ift ber Menfdjeugeift uuoMäffig 
bemüht, fid) bie elementaren Biefenfräfte ber Statur 
bienftbar 311 machen unb bort, wo er es nid)t permag, iljre 
terftörenbe Mirfung auf bas SBcrt uon Menfcbenljanb 
ab)ufd)wäd)eu ober ganz aufzubeben. Gefügig gehorcht 
uns beute bte jahrtaufenbelang geheimnisvoll gebliebene 
Mad)t ber (Eier tri Zitat ; bas Mundet ber lelefuitfeu 1111 b ber 
Böiitflenftra|)lcn l)«bett wir erlebt ; 3 eppcltu führt mit feinem 
lenlbaren Cnftfcfjiff gegen ben Sturm; ungeheure üaften an 
Stahl unb (Sifcii birgt ein moderne* Hrieg*[d)iff unb be- 
dingt trofebem fpielenö Ieid)t bie Gewalt ber Meeresuwgeti. 

lliib wodurch warb alles bas vuftanöe gebracht? 
Turd) [iunreidjc Hcmftruftion unb bebeutenbe Berbcffrrung 
5 er Materialien, aus benen biefc Merle bes Menfcßen- 
geiftes gefd>affen würben. 

Sa unbegreiflich bas vorläufig auch nod) ftingen mag, 
fo war bod) mein erfter CbebattfC bei ber fnrd>tbaren lfrb= 
bebenfatoftropfee von San jVTan,)isfo; Metrum foll es nicht 
möglich fein, auch ber unhetntlidjen (fietoalt bes (Erdbebens 
entgegenjutieteu unb ein Fundament von Stahl zu fon* 
ftruieren, bas oermöge feiner (fieftal* 
tung bie .terftörenbe Straft bes (Erb* 
ftoßes auf ein (Wbätibe nbfdjroächtimb 
öeffen (Einfturv verhinbert? 3 f t bem 
Baugrund einer Stabt nicht mehr zu 
trauen, fd>toau(t der Boöen, auf bont 
wir bauen, fo muffen wir für bie Ju- 
Punft banad) trachten, bie Stüßen ber 
lüebäubc unabhängig uon biefem utt« 
pivcrläfjigen Baugrund tu machen, 
llnb Das ift Sache einer finnreidtm 
Wonftruftion bi es war ber zweite 
ftcbattl«. Mdd)< ungeheuren Gd)toie« 
rigfeiten fid) öer pralti fdten Bus» 
führung entgegenfetjen werben, bas 
mag bahingeftellt ~ bleiben. Bber 
[ebenfalls beweift bic Erteilung bes 
amerifanifd)«« Patents (patent ber 


Vereinigten Staaten oan Storbamerifa, erteilt unter 
9 lr. 896431 unb bem litel 'JJiclbing Supports for Safing 
Vuilbings againft 9 ?ocfing of the <f>roimb an thtgen 
Voermel, ©ilbhauer in ttmmcwalb bei 'Berlin, Wuguft 19 t)H), 


öafe biefer fftcbanle lunächft einen tedutifd) greif* 
baren fUuftbrud geftmben heit^ unb jroar, wie bei* 
liegenbe Zeichnung ^eigt, folgcnbermafeen. 

3dj bcufe mir ein Giebäubcfunbament in Stafel* 
ronftrultiou, bie aus poei Ictlen befteht, unb awar 
pinächft aus einem feft in ben Ifrbhobe n eingebauten 
IcU int fdialenartig oertiefter ^orm. Tas ift bas 
ffirunblager, bas auf ber ^cidjnung mit c hcacichnet 
ift. Vluf biefcs ('»nutMagcr ftelle ich eine Mugcl- 
falotte b. Vcibc leile finb an teiner Stelle feft 
oerbunbeu. 9iur bic Mupclfalotte hat in ihrer 
Mitte einen halblugelförinigen 3opf«» d, ber [ich 
genau in bie Mitte des tfminblagcrs c cinfügt unb 
(0 ein Japfenfipplaget bildet, liefe* gibt ber Hügel« 
falotte einen feftftchenbcn Wittelpunft unb geftattet 
pigleid) bem ganten 'Bau eine freie Bewegung und) 
allen Sotten. Damit bic Hugelfalotte b, bte Die 
®runbplatte bes (hebäubcs « bildet, itt normalem 
3uftanb nach feiner Seite toeit iiberwiegen fann, 
foubent oben eine genau« wagrcchte tfinic bildet, 
ift fi« nah« ftufeem iHand von b—d nachgcbcn* 
ben Vuff«m e abgeftüRt, bie gleichmäßig im Hreife 
in bas fefte tfmtnDlagcr c eingefügt finb. 

3 eht ift mein gfunbament gcfd)aff«n — nun 
baue Id) auf bic Hügel falotte b, feft mit biefer ,iu» 
fammen gefugt, terrafjcmivtig bas Cücbäubea. Sclbft* 
uerftänblid) muß auch diefcs in feinen ffirunbpfeilmt 
fowic in feinem gan.fcn Onneni aus einem feft* 
oerhunbenen Staßlgerippe beftehen ; [elbft bie 3tcgel* 
f teilte ber Mflnbe müffen mit 6 tahlf taugen Durch* 
bohrt [cin r die wiederum feft mit dom difcngcaift 
oerbunbeu finb. Die ganje lSinrid)tMitg der 3*^1* 
iiter unb Säle foll öer eines Slmcrtfa-Baffagicr* 
bantpfers gleichen, las tbebäube [teht nach allen Seiten frei ; 
um aber bic awifdjcu beiden ftunbamr nt teilen entftehenbe 
freie Müde ju überjehreiten, find oicr Brüden f angebracht. 

ler Sau ift fertig. Iritt nun plötflich ein ftarfer IfTd« 
ftofe ein, fo ()<ht unb fenft fid) a«nSd)ft bas (f>runblagcr c 
an irgendeiner Stelle und teilt nur inöireft ben Stofe 
and) ber Hugciralotte b mit. liefe gnät jefet mit bem auf 
ifer befindlichen iftebäube in eine wiegende, fd>wanfcnd< 
Bewegung — etumige .^u ftarfe an beit SRattb ber tüninb» 
mauct anp rollende Stöße und örfchütteningcn Des Baues 
loerbett aber btird> bie Mugelfonu abgc l fd)tȊd)t und oon 
allen Seiten burd) bie ftarfeti Gebern öer Buffer ab- 
gefangen. 'Jhtf biefe 9Beife wtufe uad) uiciifchlichem 1 fr* 
meffeit bas (tjcbäubc oor bctu ISinftun bewahrt bleiben. 

Sollte iebvd) Der ^rbftpfe [0 ftarf fein, baß ber untere 
leil c bes Fundaments ^erbricht, baß bie Hugelfalotte 
aus ihrem 3 apfenlager herausgehoben unb and) bte feberti* 
den Bitffer icrftört werben, [a ift es in Slmcrifa bodt 
fdjon längft im thcbrauch, ein thebänbe mittels hhbtnuli* 
[eher Hraft 311 heöeti und in biefem nad) bem tfrb» 
bebeu bic Schaben am untern leil bes Fundaments toicber 


aus3uheffern. 


X)ic erbbebenfi^ere Äonftniltion eines 2Boj)nf)aufes. 


3 m Clntereffe ber ftets oom Unglürf 
bebrohten (Einwohner foldjer Stäbte 
wie San Frattiislo und Balparaifo 
wäre cs wohl 311 wütt[d>cn r baß fid) 
recht bald füljne Unternehmer fänden, 
bie ben Mut haben, wenigftens ein 
Brobebautocrt biefer Wrt hintuftellon, 
unb bie Bcuninbcnmg ber SBelt würbe 
ficher and) biefem Unteviu*l)men nid)t 
fehlen, wenn bie Brobc einen neuen 
Irin mph öo& fdjaffeuben Menfchen* 
geiftes hctbcifühwn fällte. 'Jlba wie 
ift öer Beweis 31t führen? Selbft* 
uerftänblid) burd) bas (i vbbebeu (elbft 
— auf natürlichem Mcgc — unb fünft* 
lid)? — oiclleid)t burd) Sd)ießpuloer, 
bas unter berLürunbmauer des Funba< 
ment* 3tir (£.rplofion gebracljt wirb. 

Brof- (Engen VoermeL 


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Sia OflDOur in fRuinen. 


ftöntg ©iftor Gmanud III. tritt an Di* £pi$c bcr ftilfsaftion. 


Goosle 


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1 

*• 

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20 


3lhi[trirte 3 ci ^ n 9- 


9h. 3419. 7. Januar 1909, 


Das getftige Sieben Deutfcfjlanbs 
im 3“bre 1908. 


Won ^Jrof. &r. Sb. fx 

S ür ben Überblid, ber K)ier t>erfud)t werben Joll, ftrtb bie 
einzelnen griffigen (Errigniffe beinahe gleichgültig. 9 Nd)t 
darum handelt es fid), ein marftertes ©ruppenbilb bes 
perfönlid) herausiagenben 3U geben, fonbem einen Blicf 
auf bas ©efamtleben, ein Blomenibilb des treibeubcn Stro- 
mes. 3 n ber Bewegung ber nationalen kultur bebeutet 
ein Fahr nicht mehr als eine momenthaft fur3e Spanne, 
bie nur gerabe mit ihren 9 ?a<t)barmnen jufammen bas SBo* 
hex unb 9 Bot)in 31t erfennen gibt. 

©egen Btfflmismu* wanbt« fid) ber erfahrene unb 
feine Bublizift, ber in ber Siloejtcrnummer ber „Slluftrirten 
3 ritung" bie BterfjeiAeti bes Wahres 1908 ber SBürbtgung 
na<h ber politischen Seite unterzog. Aud) ber kultur* 
Ijiftorirer begeljt feine Unaufrichtigfeit, wenn er bas Be* 
fettntnis ber 3uoerfi(ht ooranftrilt, wenn er bei noch To 
ueitoirrenben unb, für fid) betrachtet, entmutigenden Er» 
fd>einungen bcnnoct) ben feften kotonnenfchritt ber iBeiter* 
entwicflung h«au&hört und bie 3<i<h«» bes lögifdjeit ®e- 
fchehens 3U beuten unternimmt. 

Unfere 3*^ *[* einesteils nadjh«>lenb i unb biefe (Eigen* 
fchaft tritt auffallend h«n>or. ^lolittfd) hat bas neun» 
zehnt* Fabrhunbert bas allgemeine Staatsbürgertum h«t* 
beiaeführt, bie ©lrid)bered)ttgung anftatt ber Irabition 
oerrünbet, unb als Folgerung baraus erfcf)eint bie H«** 
ftellung eines ähnlich breiten, jtimmbered)tigten kultur* 
bürgertums. Die ©iDeaulini« biefer (Erziehungsarbeit, ber 
geiftige Höhenburchfchmtt ergeben fief) oon fclbft. Bor 
ber nottoenbig bamit »erbundenen Bannufte ziehen fid) 
bie ©e bildeten auf infuiare Fledcfjen jurfief. Anberfeits 
werben fog. „beffete“ bei ihrem unbefejtigten 

©efchmad unb noch fri)* birigierbaren geiftigen Anfprucf), 
mit nad) unten gejogen, Jenem ©ipeauftrich entgegen, ju 
bem fid) oon unten bie Blaffe hinanhebt. Die Erfüllung 
biefer Bebüxfniffe tTögt aber infolge bes gefchäftlichen 
SBettbewetbes guteuteils bie 3üge ber geiftigett Unter- 
bietung, welche auch btt ganz unfultioierten 3nftinfte 311 
rehabilitieren nidjt cerffhmäljt, (Ein* oielfagenbe ©egen- 
probe auf biefe Beobachtungen brachte bas Fahr 1908 in 
bem Erlöfchen ber berühmten Allgemeinen 3eitung", ber 
©rünbung Eottas, bie ein 3öh^h Uti bert lang ben tätlichen 
Spiegel bes geiftigen fiebens bedeutete unb im gebildeten 
Haufe als helfen Äcnnaeidjen gehalten wurde. 

(Ein fonftiges Symptom bes großen ©adjholens ift es, 
bah man neuerdings mit feljr Diel Eifer unb Erfolg joldje 
griffigen. ober füttftleri[d)*n ©Serie in den ffiotbetgtunb 
3ieht, oon denen roit fälfehlid) angenommen hatten, die 
nid)t gan3 ungebilbete Allgemeinheit fenne fie längft. hier- 
auf beruht bie für unfere läge charafteriftifdje „Entbecfex"» 
DStigfeit, der oielgepflegte ©eudrud befannter ßitexatur* 
werfe ober kunftblätter, bie bann germffermaften als 
Neuheiten unb Überxafchungen Derbreitet xoerben. 3u ber er* 
freulidjen Belebung ber Aunftgefd)id)U unter 6er ©unft 
einer hocfjentwicf eiten fRcprobuftionstechnif gefeilt fid) die 
Konfrontation bes mobemen Äunftbeftrebens mit ben ho<h* 
achtbaren ßeiftungen ber künftler oon oorgeftem. ©ur 3um 
Deil popularifiert man in all biefen 5 Rid)tungen durch 
©erbtlligung. Sticht zum wenigften gefd)iel)t es burd) bas 
©eaenteu, burd) eine lururiäfe ober minbeftens pre^iöfe 
Koftipiefigteit. Denn bei bem gewaltigen Auffdjwung 
unferes fOirtfdjaftslebens fehlt es an ber Zahlungsfähig- 
feit ber rafd) oon unten an bie frlöchc Aufgeftiegenen 
am wenigften; biefe find nur unfich« 1 , ßän^lid) frttiflos 
und überaus äugftlicf), (ich Blöfeen 3U geben. 9 tun toirb 
ihnen dasjenige, was fie fid) niemals bei SReclam oder 
in einer gut bürgerlichen Ausgabe gerauft hätten, oer- 
trauensrofirbig unb gur Pflicht gemacht durch bie ins 
$>aus gefandten ^rofpefte eines oomehm auftretenben 
unb ausftattenben ©erlags. Dadurch werben fie bas 
empfängliche ^ublifum für neue Öderiehungen längft 
ttberfehter Sfwnßofen ufro. foioie für anfprudjsooll aus* 
fehende Weuausgaben deutfdjer Älaffifer und tHomantirer. 
ffür biefe lederen beftcht ja eine beendete ©orliebe der 
^tonangebenden, deshaid, weil unfere eigne 3c*t fo oicl- 
fad) wieder die 3‘<ge ©omanttl trägt, wenigftens die 
unruhigen, unflar begehren ben, femiuiftifchcn und tue* 
rifdjen. Sndeffen jagt bie Cbitionstätigfeit unbegren3te 
©efildc ab, unb es ift amüfant, wie es burd) die er- 
wähnten fnobifttfd)en Umftänbe 3um guten ©efehäft wirb, 
eine ©or^ugsdusgabe des bewährten „ßederftrumpf“ 311m 
greife oon mehreren hundert ®ta rf für bas (Exemplar 
unteraubringen, fo bofe 3U erwarten fteht, bah der „fRobin- 
fon" und ber „Struwwelpetet“ in ähnlich frah-mobemer 
Umpflattiung noch nachfolgen werben. 

Aud> auf bem 2t)eater treffen wir die ^reudigfeit des 
SBteberbelebcns mit öüfe oorwaltenbcr Ausftattnng. Als 
fenfationclles ©ühnencieignis erreicht Shafcfpcare folcfje 
Äreife, bie an fid) auf bas ßidretto ber „öuftigen SBitwe" 
bod) ^rr3lictK^ geftimmt find, unb bas ©ute ift, bah der 
gewaltige unmittelbare ©rite and) fo nid)t ohne SBirfung 
bleiben Tann, trog bes lauteren ßobpreifes ber neuen 
Detoration. 

Solche Beobachtungen gehören 3U bem Anblid, ben 
bie Oberfläche ber Bewegung bietet. Sie fchliefcen nod) 
mancherlei in fid): Betrachtungen übet das ©ert)ältwis 
ber werbenden ftultur bes beutfehen SKorbens 311 der 
ältem 3ioilifation ber ffid)[ifd)*thüringifd)en, fd)wähtfchcn, 
rheinif©eit ©ebiete; ferner Betrachtungen über bie CEr* 
feheinungen, bie bie gewähnte 'JRaffcndifaiplinicrung des 
^Jreufcentum* seitigt, feit fie fich nun auf bie geiftig» 
rünftlerifchen 3 ntereffen ftür3t, unb über den Stärtcgrab 
des SRodifchcn und HJlomentanen, der dem entfprechen 
muh- Berlin ift nicht Deutfd)land, aber es wird fort* 
fahren, Deutfdjlanb 3U erobern, oorläufig alfo die natio- 
nale Äultur hftal>3«b™cfen. Die politifdje ©raoitation 
unb 3entTal*fotion hat immer auch die geiftige 3ur ftolgc, 
wie uns am einfad)ftcn burd) das Beifpiel der fd)on länger 
3ur (Einheit geworbenen fflationen bewiefen wird. Dafür 
laugt das 3 «ntrum aber aud) die UBcrte bes Umliegenden 
an (ich, „entbedt“ fie, macht fie oon neuem ju Hoff- 
nungen, 311 Ateimen. Und was man anftatt 3U fcheltcn tun 
lamt, ift allcindas: helfen, bafj fie fünftig fruchtbar werden. 


3 cf) fommc nun 3U (Erfcijeinungen, die nicht fo fefjr 
bas siachholen als bas Beftreben, ooranjufominen, 
Uluftrieren. 3 n ber populärroiffenfchaftlichen Literatur 
3eigt fid) ein 9 lad)laffen der lenden^. Dies ift nament- 
lich für da* ©ebiet ber Anthropologie unb Ütaturwiffen» 
fdjaft 3U begrüben, mit deren Bapularifierung noch türalich 
etwas unbehaglich Hmmsforbembes und Schnellfertiges 
oerbunben war, auch für diejenigen, bie feinen Beruf 
fühlten, fid) fd)üh<nb ©ot die Altäre wanTender Dogmen 
ju ftellen. Die lehtjährifiea Auffpürungen bes Box* 
menfdjen ober Blenfchenahnen wurden mit Jener fdjon 
eingetretenen Borfieht und (Sachlichfeit bebanbelt unb 
weeften nicht wieder die (Erbitterung aus ben 3 *it*n der 
midifferenaierten Affetttl)*otie. Au<h in ber ©efd)id)ts- 
barftcllung geiat fidh eine objeftioere und ausgleichenbe 
Donart, bie nid)t 3uletjt den Betrachtungen beim 3ehn- 
jährigen Dobestag Bismards ßugute tarn. Sicherlich be- 
liebt ein 3ufammenhang awifchen dem Bachlaffen ber 
ßeidenfehaft unb bet andern bemerfenswerten 3 tfit ' 
erfcheinung, bah die beften 3fachleute es bantbar finden, 
fid) an der Fruchtbarmachung oorbef)alilofeT, aber ^uoer- 
läfftger CErfenntnis für ben gröfeem ftrets ju betetll^en. 

3 m öffentlichen Beben entfprach bie (Ermöglichung einer 
„Blodpolitif“ bem nicht blo& aftuellen, Jonbem dem oiel 
tiefer liegenden, geroi ff ermaßen heimlichen Bedürfnis. Den* 
fei ben ©rundsug glauben wir auf bem ©ebiete ber geiftig- 
öffentlichen 3 ntereffen wahr3uneh mcn - ^ a( h agi- 
tierenden Äampf- und Barteiaetten bas Bedangen nach 
Befeftigung und nach ©emeinfamfeit ber Arbeit, nach 
(Ernte unb fichemder (Einfahrt. SBenn hictan ein gu» 
nehmendes ©efühl ber natürlichen nationalen 3i e ^ r * 
bunbenheit roirflidh nicht beteiligt fein Tollte, fo fällt 
doch Jedenfalls ber ©ewinn nad) biefer Geite. 

An prinzipiellen Äämpfen der SBiffenfdjaft — ober für 
fie — hat es darum nicht gefehlt. 6te intereffierten dies» 
mal die Öffentlichfeit am meiften durch öie der 

ßehrfreiheit unb das 3 Jtafj ihrer ©rftreefung auf bie ßehr* 
ftühle ber fathotifchen Dheolagie. 

3 m 3 *i<h«n der Beruhigung ftefjen insbesondere noch 
die Frauenbewegung unb deren Bubliaijtif. Die Über- 
fd)ähunfl bet ptmüpiellen Forderung läfjt nadj- ®tan 
hat weitum begriffen, bafe oor ber F^au nicht bas Un» 
begrenzte liegt, bah aud) ü)« SJtögli^reiten bedingt flnb 
oon den 3uJanunenhängen alles übrigen. SBäh^nb die 
parteiliche Doftriii ins Gtabium der 'Jtachprüfung getreten 
ift, nötiat uns bie Frauenwelt fRefpeft ab bur^ SBert 
unb Steigerung ihrer tatfäct)lichen ßeiftungen. ©s 3cigt 
fid) nun fdjon beutlidjer, welche weiblichen Fähigfcitm 
unb Betätigungen bie entwicflungoerheiBeitdeit und hoff* 
nungsreichlten find, für bas ©anae unb für das ©c- 
fd)lecht. And) tn bet weiblichen ßtjrif, dte ich h* tr 
ftreife, weil fiijril immer die rüdljcltlofefte Offenbarung 
ift , fpiegelt fid) bas innere SDeiterfommcn. 9 J 1 U der 
Bafchheit, bie an fid) weiblich ift, ooUjieljt fich die Ab* 
fehr oon den (Eruptionen, ber Übergang 31a Bcrtiefnng 
unb 3um Äünftlerifä)«"- edlen ui© echten Dichte- 
rinnen haben auch in bei Bead)tung ben Borrang oor 
den 9 J 3 agbalencn erlangt; fo die feine, lange 3 c >f 
feitig als 3ugenbfd)riftftellerin ciugefchähte Frida Sdjana 
ober bie ftartc, fchöne Agnes Blicgcl, unb beaeichnend ift 
es, bah ich unter ben „ausgegrabenen“ Neuheiten bes 
Jahres bie Droftc-öülshoff befinbet. 

Defto lebhafter wiederum tönt der IRuf ber Agitation 
herüber oon ben Erörterungen über bie Schule. Die 
B&bagogit hat vielleicht mit einer gewijfen Berfpütung 
begriffen, dag auf fämtlict)en Öebeusgebieten bie Iradition 
wegbröcfelt unb überall aus ber Öcrjüngung eine neue 
3 eit fid) geftalten will. Dod) nunmehr tummeln fich die 
Bufer im frifctien Streit; fie wollen oon der Schule bas 
Odium nehmen, bie Anaweiflung durch bie fdjörfcr 
Sehenden, bie ©rünbe, bah der Unmut fdjon fo weit ging, 
bie höhere Schule als Berblöbungsanftalt au bezeichnen. 
3 m Zeichen des multa, non roultuw mufcte bie Fähiß^ü 
an (ich (i<b fdjrci bc abfict)tU<h den Singular) Schaben 
leiben, Demgegenüber ift die Forbenwg erftartt, nicht 
länger 3U dreffieren ober hiuria.autrtchteni, fonbem 311 
erziehen: ©crfönlich leiten hfranaubilben, geiftesgefunbe, 
tüd)tige, nicht oorweg ermüdete, ihrer HJieinung nad) ge- 
fättigte ÜJien|d)cn, ©erlangende anftatt ber Uberbrüffigcn. 
Die neue Farberung will dem durch die Schule Aus- 
gebildeten bie Spanntraft unb das SBciterbringen ber 
guten Autodibaltrn erhalten, wcld)e heute im geiftigen 
ßeben fo bemerfeitswert otcl norau unb führend flehen, 
aber ihn bewahren oor ben niemals gaitj ju über» 
windenden llnfidjerljeiten des Autobidaftentums. Es ift 
bas gleiche, was ben Unioerlitätcn zu wünfehen ift, dag 
fie fortfahren, Biet höbe au geben, ohne bie Begabung au 
lähmen, bas heilige F tflier 3 U erfttefen. Badifalere 
Strömungen oerlcmgen die Abtuung der Schulgattungen 
als fold)er. Aus der Eraiehung 3U fd)lcd)th>im fähigen 
Btenfctjen leiten fie bie Folgerung ab: Ein Boir, eine 
Schule. Damit fieljt das größte weltliche Problem ber 
3eit, das fojiologifche, aus nächfter 9 lä h? in die geiftig- 
päbagogifcfjen Unter fuefjungen unb 3 iel®eif ungen herein. 

9 ßie die Sadje der fügend auch immer eine Sache der 
(Erwachfeneit ift, unb umgerehrt, das 3oigt mit groper 
Deutlidjtrit die Bewegung, die fid) durch bas B 3 ort Körper* 
lultur andeuten, doch nicht erfdjöpf en läftt. Hieran fd)lieBeu 
fich weit tiefer greifende oolfseraicl)crifchc und fittlidjc 
Begebungen oder Probleme, über die die SWeinungen 
nod) gän3lid) ungeflflrt hin und hft wogen. 

©Qch wie vor find wir ferner ohne Berftändigung und 
edjte Befriedigung auf dem weiten ©ebict des ©efehmaefs. 
Selten hat ein 3 *italter fo befliffene Bereitfchaft für bie 
ftunft gezeigt, fo blindes ©ertrauen 3U biefer, als ob fie 
geradezu die übrige (Eraichung unb Shittur 3U crfc^en 
oermöge, oon der Äinderftube an. Aber der taifächlldjc 
Anblid bes Aftljetifchen in un(ercr 3 cit ift ein Dohuwa* 
bohu. Aid)t nur hinfichtlid) beffen, was ftUlos ober 
ftüifieri gefdjaffen wird, fondem auch hä'li^tli^ des 
(Empfindens unb Denfens baniber. 3 m modernen flunft* 
gefchmad ftcljcn wir noch ganz in der Draufgängerei und 
Bortei bilbung, bie der objeftioen Begriffsbildung ooran* 
rugehen pflegt. Um le^c« müht fich «inc Anzahl der 
feinften flöpfe, ohne uns oollfommen au übevzeugeu, baft 
fie das (Einwanöfreie gefunden haben ober nur für fid) 
fei ber fdjon bas uor läufig Endgültige. 


3 n der Literatur lind, wie in der bildenden ftunft, 
bieflonoention unb die Stilfarmen zerbrodjen, während neue 
lieh erft 3U bilden haben. Äompofition unb Formgebung 
liegen danieder, es h^rtfdjt auf weiten Gtrecfen bie ©HU- 
für. Am emftbaftejtcn befttmmt das Erlebnis, das SRingen 
iedes um fid) felbft, um feine Bereidjerung und Gelbft* 
Doaenbung, anftatt d oft ber |td)er geworbene llünftler mit 
der Bolienbung feines Alertes ringt. So ift das 3 eid)en 
bes ©anzen wieder einmal Sturm und Drang ober, wo 
bie innere A 3 ahrhaftigfeit fehlt, die (Erlünftelung, die 
Baraboxie, bie Erfoighafcheret unb Unterbietung. Start 
unb harmonifd) wirten ein paar Berföulichfeiteu. bie, 
ohne in das Quodlibet rechts unb linfs hinausjublktcn, 
einlinig fich folgen. Und in Öiefen Fällen fteUt 

fich auch das ÄunftwerC ein, W03U fich rine reine unb ge* 
haltvolle ©Jahchcit oon felber 3U friftallifieren ftrebt. 3 n- 
bioibuell mögen und müfTen diefe ©crfönlichfciten fetjr 
unterfchieben [ein; fie mögen |o elementar fein wie die 
3U unoeräu&etlichet Fugendlichleit und ©aturfrafi bämo* 
nifierte Älara Biebig oder fo umfaffenb unb fein oon 
fich felbft (ultioiert wie H- H e ll c unb Zart Spitteler, 

Aeben bem lehtgenannten geben aud) andere tarnen 311 
benlen, bah ein Blirf auf bie literarif^e Schwei) nod) 
immer, wie 3U 5 . F- Blehers 3 e i* e7t r bi« SBirfung ber 
fehönen Beruhigung mit fief) aurüefnimmt, im ©egenfah 
311 dem quirlenden Borgang in Deutfd)lanb. 3nnere 9 Jul)e 
3eigt bei uns am eheften bie oielgefchmähte Heimatfunft, 
womit id) nicht bie banale meine, fonbem bie gute, die 
beifpielswcife oon Dimm ftröger ober ®*artl)e Senate 
Ftfchdr Dertrcten wird. 3 n ber Anlehnung an oertraute 
ßanbfchaftüd)feit und gleichfühlen de 'Jnenfd>Uä)teit tommen 
am leict>teften das ©emüt unb ber feine, gütige Humor ru 
ihrem Becht, inmitten einer gebanflid) oerquälten 3*1*. 
die oon ben (pubertätsfämpfen ihrer (Entwicnung erregt 
unb beunruhigt ift. 

Unfere ©efamtfultur fatin aber nicht anders bewaffnt 
fein, benn fie ift Umwertung, Umbildung, Übergang. 
3 ebe gefdjloffen* 3 «it, tjeiftc jie ©otil ober Baroct, fyat 
ihr genaues BSefcn, itjre ßeitidee, ihren Stil; alles ift fid) 
untereinander ähnlich, gleichartig unb entjprechenb, oom 
Ornament unb oon der Faffabe des Hcwfes bi« ju dem 
3 nljalt in ben Äöpfen unb Seelen ber SRenfd)cn. Das 
ncun3ehnte 3ahrhunbert dagegen unb das unfere arbeiten 
an ber Fruchtbarmachung und (Erfüllung der neuen Forde- 
rungen, die auerft oon der Benaiffance gef teilt würben 
unb nad) deren (Erdrücfung wieder auf genommen find ton 
jener grofeen ©criobe der JBeiterbeutung, bie fid) flüchtig 
bezeichnen läfct durch bie Warnen Siewton, Blontesquieu, 
Bouffeau bis ju ßeffing, SdjiUer, ffioetlje. BSir arbeiten 
an ber Umfchung aus pieljeitigen (hebanfen in einheit- 
liche» 3 uftanb. Das tteuttzehnte Fahrhunbert hat fid) 
hauptlächlid) mit bem politifttjen leil abgefunben. Uns 
bleibt als Aufgabe bie Herbeiführung der praHifdjen 
neuen itultur, der ausgleidjcnden Berftändigung über fie, 
der neuen Ordnung und Formung, woraus dann die 
neuen Abftraftionen fid) ergeben werden, bis 3U den höd)* 
ften Problemen ber menfd)lid)cn StttlicfjCcit, ber ßebens* 
unb ÄSelibegreifiing unb der ©eftaltung ber ewigen ober 
religiöfen 3 dee. 


Sßo^enfdiou. 

Die Aeujahrsfeier am beutfehen flaiferhofe. — 
D« Afujahrsempfang im königlichen Sd)loffe 3 « Berlin fpieltc 
fich in ber gewohnten A3eife ab. Das kaiferpaar, bie !01it* 
g lieber ber taif erlichen Familie unb zahlreiche (Säfte, fo Arina 
Buppred)t oon Bagern unb Herzog Albredtjt oon HJürttem- 
berg, fanben fid) frühzeitig im Schlöffe ein, wo nad) bem 
©ottesbienft bie ©ratulations- unb Defiliere out im ÜBeifoett 
Saale ftattfanb. Bei der letitcrn reichten der Jtaifcr unb die 
kairerin bem 9Reld>stana!er bie H Q «d. Aach her Cour folgte 
Empfang ber Botfchafter, ber Staatsminiftcr, der lomman. 
bicrenben G&rneralc unb Abmirale unb foiann oor dem 'Zeug- 
haus die graft* Baraleausgabe. Auf bem Wege dorthin 
würbe bei kaifer, den bns Bublifum mit Hnnarulen de= 
griff)**, non feinen fed)s Söhnen unb den f> CT r*n bes H a nP l€ 
quartiers begleitet. And) ber Frühftücfstafel empfing ber 
kotier bas Direttorium brr königlichen Boraellanmanufaltur 
unb ftattete ben Botfchaftern ©efuche ab. Am Abenb fand 
im Sdjloffc Familientafel ftatt, bei ber drei Abgefanbte ber 
Halloren, wie feit F a h Tcn , btn ©cujahtsgruf) ber Haürtäjen 
Salsroirretbrflberfchaft, ber aus Aturft, Qolricrm und Salj be= 
fteht, überbrad)ten. Sobann erfolgte im königlichen Opern- 
häufe als ThMtr«' |wvri- eine Aufführung uon AJagners „Dann* 
häufer“, ber bns kaiferpaar beiwohnte. 

Die fübitalienif che (Erb beben latüftropht unb bie 
Hitfsattioiten. — öährenb an anderer Stelle »011 ben 
Urfachen, bnr Ausbehnung unb ben fntfrftlicbcn Beqfelt* 
etfdjcinungcrt &rs furd)t baren, and) je^t nod) nicht gon.) über- 
fehbaren Erbbebeminglürfs, bas turz oor 3 ahresfehluf) Sizilien 
unb kalabrien betroffen, blühende Stabte in trümm er häufen 
oerwmtbelt, etwa 200000 Cpfer an »Dtenfchenleben gefordert, 
©ot unb Sdnner 3 in unerm etlicher Fülle oer breitet hat, berichtet 
wirb, foll hier vom chmlid) ber nationalen unb internationalen 
Hiffsartionen gebad)t werden, bie alsbalb überall nach bem 
Betanntwerben bes Ungliicls in tatträftiger AJcife einfehten, 
um Bettung zu fpenden, foweit dies in 9Jtenf(henfräften lag, 
bie fich aber leider bem graufamen loben ber Elemente 
gegenüber nur 3 U oft als unzulänglich erwiefen. Die erfte 
Hilf« fam naturgemäß aus Italien felbft. Aus ©aletmo 
würben fofort nad) Eintreffen ber $cl)rccfensbotfchaften 
8000 Soldaten nach SJleffina entfanbt. AUe oerfüg baren 
Frad)tfd)iffc unb Dampfer würben mit ßebensniitteln unb 
©Hlitär nad) ©lerfina und ©eggio dirigiert, und ber aniutfter-- 
präfibent ©iolitti lieh fofort 100000 Cire 3 ur erften Untere 
ftüftung anmeifen. Auch bie am 28. Dezember oor Augufta 
unb Sqrafus anrernben rufiiichon unb englifchen (Sefchwaber 
ftelltcn fid) unserzü glich in brn Dienrt bes Unglüds. Alle 
Botfchafter unb C&efandten in Born erfchtenen bereit« am 
29. Dezember bei bem itRinifter bes Äußern, um bie 2 eil» 
nähme ber oon tljnen repröffntierten Staaten au«zufpred>cn. 
©amentlid) fanden auch in Dcutfchlanb bie Sdjredensnacf)« 
richten ein fchnclles unb hilfreiches (Sd)o. kaifer iCilhelm, ber 
fofort die Abfendung oon lech« Baracfen oeranlaftt hatte, 
brüctte dem könig oon 3talien brahtlid) fnn hcralidbrtes 
Beileid aus, ber fR*id)slan,)lcr beauftragte ben beutfehen 


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Die 2 I 6 gefanbl<n ber Halloren überbringen bem Deutzen Ratferpoar ben 97 eiijal)rsgnifj ber $ullc)<fjen 601310 irlerbrüberj^aft. 

Criflina!,vri<f>"un(| oon Cito oon ber TPrlil. 


öoÜdjaftcr in 9?otn, ber itoHcni!d)<n flcflicrung bic Teilnahme 
ber bfiitfd)cn (Rcflicrunfl uitb boo öeutfAert Moires aus 3 U> 
fprect)cn, unb unpcTßüflUA würbe unter bem flrotettorat ber 
Äaiferin fowie bem Ghrenpräfibtum be* 9?eiA*Pan}Ier* «in 
fjilfefomitec ffcbilbet, bem non ben urrlAicbenften Seiten 
Mort betradjllicf)« SJlittel jufloffen, um eine planmäfoiflc llntet' 
ftütmnfl in bie 'JBeflc ju leiten. Wud) an ben Aräfeftcn oon 
‘Palermo viAtctc ber flaifer ein «ei leib* teleg ramm unb Ipenbctc 
ROOO .ff. Weitere fleileibsbepefAen würben oon bem AralY 
benten be» brutiAcn tRciAotnn», bem flrinurcflenten non 
flauem unb bem OnofAcTfOfl non flohen naA floin enifonbt. 
3n banfensraerter Weife erllärte iiA bie fmmburg'Ämerita* 
Pinie, bi« (clbft Cfbensmittel, meid)« für bic Aerpflenuna non 
taufenb flerfonen auf eine WoAc ausreiAen, (tiftete, tut 
frathtfieien flcfßrbcrunfl oon Vicbcsflcbcn bereit, unb in 


einer ftoljen ^al)l oon flrofjen unb Ftcinen Stabten reflte 
IiA in ben erften Tagen bcs neuen bereit» bie 

SRäAftcnlicbe, um Wittel tur t'inbcnmfl Der ärgltcn 9lot 
mflgliAH ra(A ju beiAaficn. (Sin fllän.tenbe* fleiipiel tat* 
frnftiflcr .f>iIfebeTeit(Aa?t #ab bie IftnioliAc ftamilie oon 
Italien. SA»" am 30. 3V, fernher mären Atßnifl fliftor 
ttmonuel, bie .Höniflin £elcnc, bie «öniflin mutter, bie Vertone 
non ttenua unb 910(10 unterwcfl*, um ©ilfe unb Iroft in 
bic Stätten bc* llnflliitf» fu bringen. XVt ftßnig ginfl in 
flieffinü an t'anb, beiuAte bic .ttranlcnbarntfcn unb beteiligte 
fiA cnerflifA «n allen SRcttungsarbeiten. 9luA bie iUJniflin 
beiuAte bie AcrlctUen, bie an florb be» flantcrfAifie» 
„(Regina Clcna" unb bcs bcutfAcn SAuKAiffe* „$<rtf)a" 
untergebraAt waren, informierte iiA ilber bie UnterPunft 
ber SAroeruerumnbetcn unb fpenbetc UrrfrilAunucn unb 


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Ulryneien. Ter tSnigliAe flalait in Arapcl würbe auf fle- 
fohl bw Jiönig* in ein frofpital umßeu>aubelt. fleionber» 
gerühmt wirb bie enctflifAe ftilfctätigleit bro Winifterpräfi- 
benten ftiolitti, bellen umfafleuben 'JJiMregeln es ju bmtfen 
ilt, bah in ben Slotgebictcu niAt burA bie (Raubgier oer^ 
brcA«ri(Aer (flcinente eine oftllige Jtomiption etntrat, wenn 
auA eine (AauerliA pro he H<*hl oon ifrreueltatcn be» fler* 
brcAcrgefinbcb niAt uerhinbert werben (onnte. Acifviclloo 
wie ba» Hnglflrf ift auA bie Teilnahme; (o fpenbete ber 
flapft 100 (UM), bä» .ttoUegiuut ber Starbinälc 20000 Vtre. Tie 
Stabt 'Paris bewilligte :IOOOO ^-r., bie flan! oon ( Vanfreid) 
(teilte iooooo JVr. uir Verfügung. Tie tn fiontam oon bem 
t;orb' v JLHaiipr vaanftaltete Sammlung hatt« (Aon am 1. Ja- 
nuar bie^öhe oon 10000 fifb. Sl. erreiAt. Tie orteAifAe Tepu* 
tiertenfammer beiuilltiite 100000 TraAmen. 3n Walhinitton 


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22 


3nu(trirte 3«h»ng. 


9lt. 3419. 7. 3<muar 1909. 



(m»i. 3toni mm. »ctM. Siaifer 2!3iH)eIm bei bet 'ßaroleausgntie am -jfeujaf) fällige. 


gab bic Gcfellfthart oom Boten Hrcu 3 , beffcn Institutionen 
fid) bet ber MataitTophc auch in ben ber Berniditung i>rcis- 
gegebenen Stätten glänjtnb bewährten. 200 000.4». Buftei* 
orbentlid) grofj ift aud) bic 3 a *>i ^ CT Blclbungen betreff* ber 
(Sntfenbuitg oon Schiiten aller Nationen nady Dem beim* 
gefuchten Gebiet Der bcutfdic Hrcujet „jficrtha“ traf fdjon 
am 31. Dezember vor 'Jüleffina ein unb (teilte bem lomman- 
bierenben General tUla.ua Ijtiiibcrt 3flt« unb allen nur irgenb< 
tote entbdjrlidieu prootartt jur Berfügung. Bngcfichi* ber 
unbegrenzten Hilfsbereiiichaft faft aller 3 ioiliftrrten Nationen ift 
cs perftänblid), öaft bic italiemfche prelle ben Gefügten tieffter 
Danfbarfcit Ausbrurf gab unb 2>ie Unterftühungen als für 
3talien unoerge Midie jreunbfcbaftsbcroeifc beteietwetr. 

31 om türlifdtcn Parlament — Der 17. Dezember 1008 
war ein benfwörbiger lag in ber G>efd)id)te bes Cenzanifdyen 
{Reiches: jum zweitenmal nad> cinunbbretfoig Jahren traten 
am Bosporus bic caoäl>lten Bcrtrctcr bes Bottes zu fammen, 
um einen mafjgcbenbcn Gittflufz auf bie politifehc Haltung 
unb Gcftaltunp ber türfifchen 'JJJonardiie zu gewinnen, bie in 
bn* Gegenwart bei ben iduoebenben Berwtrflungcn mit Bul- 
garien unb Cftcrrcidvllngarn oon ma&gcbcttber Scbcutung 
für bie lünftigcn Gcfchictc oon ganz (Europa ift. Unter (Ent- 
faltung non fltoöem Pomp unb allen nur möglichen Steher* 
heitsma&regcln wohnte ber Sultan nebft ben 'Uriniert ber 
iShröjffuungsfttzung bei. Die Ihronrcbe, bie oon bem erften 
Sefrctär oerlefen würbe, erinnerte an bic <Sntwicfluugsgcfd)id)te 
ber Berfaffung unb betonte, bafe bie tulturelk eQrötjc aller 
.Waffen ber 'Beoölterung c* jetzt ermögliche, ben in ber 
Cffcntlichfcit laut geworbenen B3unfd) nach einer neuen Protla* 
motion ber Berfaffuttg 311 erfüllen. 3 ur äufjem politif 
übergehenb. erwähnt bic Ihronrebc. öafj burd) bie lln» 
abhängigfcitscrtlärung Bulgariens unb burd) bic Mnnaion 
'Bosnien* burd) Cfterre ich* Ungarn bas *Red)t unb bie beibet- 
ieitigen Beziehungen ucrlcttt worben feien; bie Anorbnunqen 
3 ur Bertetbigung beo Staate* feien bem Pli nif terra t über* 
laffen worben, bod) fei 3 ur Siegelung ber J-ragen auch bie 
llntcrftützung unb ber Bciitanb bes Parlament* crwünfdjt. 
Die guten Beziehungen, bie zroifeben ber Dfirfci unb allen 
Plächlen beltänöcn, licftcn hoffen, baf) unter beut Bciftanb ber 
befreunbeteu Gcofjmäd)tc bie fdywcbenbcn politifchcn fragen 
eine gute ttölung finben würben. (fs lei 3Bunfdr ber 91c- 
gicrung, bie {yinanjen 3 U regeln, bic 3«W Oer Schulen zu 
oermehren, bn* ifanbhecr unb bic flotte 311 ocrgröfierit. 
Die Pbgcorbncten mßddeu bie baiauf bezüglichen Cntujürfc 
prüfen, bamit bie Gcfc^c ber Genehmigung bcs Senats 
unterbreitet roerben lönnten. Der 'lüille ber tHegierung, bas 
'Jlftd) ber ©erfaffung gemSfe regiert ,w fehen, fei feft unb 
unabänberhef). aiad) 'Berlefung ber mit Ucif all auf genommenen 
thtonrebc unb bem feierlichen Gebet be* Sdiertfs oou 3Jletta 
hielt Sultan 9lbb ul ^>amtb eine 3Infprad)c, in bex er fein 
Snterefle an bem SUirlcn be* Uorlamcnts ausbrfldte unb ber 
Kammer oUI (frfotg 3 u ihren Arbeiten münfdjte. Die Dhron- 
rebe, bie oon ben ilonftantinopeler Ulättem tnmeift in ju* 
ftimmenbem Sinne tommentiert würbe, hat au di außerhalb ber 
Diirlei oiclfadi 'Beifall gefunben. Sille Souoceäne (an bien 
bem Sultan unb alle Parlamente bem tilrfifchen Parlament 


Glüdunlnfdic. On ihrer erften Sittung, bic am 19. Dc.ictnbcr 
ftattfanb, befaßte fid) bte .Wammer mit ber ©Übung ber 
.«ommiffionen, mit Dem (Entwurf einer «Intwortabrcffe auf 
bie Ihronrebc unb ber ©cantmortung ber 3 ahlreid)«n Giüd- 
unmfchbcpefchen. Hut troeitcu Siöung (22. De.iember) wür- 
ben 311 m crftcnmal für bic 'Bcrtrcter ber ausfänbifchen p reife 



9U)tneb "Kija-Bei, Ptgeorbnctcr oon Slonftautinopcl 
unb Uräfibent ber Deputierten lammer. 


(fintrittsfarten auageftellt, fobanu würben bic 'Jölanbatc ge- 
prüft unb einige für ungültig crtlärt. Die nächfte Siftung 
(23. De 3 embet^ bradjte bic Uräfibententoahl, unb 3 t»ar erhielt 
'ühmeb Wtja ■ ©ei, ber ftührcr ber 3 ungtürlen r 205, ®jmi, 
ber frühere Direttor bes Jtluicunts Galata Scrai, 148 unb 
(fmrullah, Beamtet int Unterridjtsminifterium, 134 Stimmen. 
Die IBahl, bie ber Sultan unter biefen brel Üanöibatcn 3 U 
treffen hatte, fi<h wie 311 erwarten war, auf Bljnteb DRija, 
inbeffen lalaat-Bei, ber Deputierte uoit Pbrianopel, 311 m 


errten Biu'präfibcnten gewählt mürbe. ?lh«neb 91 i 3a - 
Bei würbe iu älonftantinopel gebaren unb wibmete fich 
friibjeitig her fungiürfifchen 'Xgitätion. 9lb er wegen 
feiner iVreiheitsbeftrebungcu oerbächtigt mürbe, flüchtete 
er nad) Paris, wa er bas platt „plcfchweret“ hcrausgat» 
Grit nach 3 »an 3 ifl fahren lehrte er nach .Wonftantirtopel 
litrilcf, ging jebody l>alb toieber ins 91uslattb, wo er mit 
unemiüblidter (Energie unb heroortagenbem b iplomatif dyen 
Gcfchicf für bie beintifdjen 'Jtcformbeitrebungen tätig roai - 
ijr gilt als ber h^roorragenbft« {^ilhrer ber ^ungtürfen. 
3n feiner Pegrii^uugc.anfprachc, mit ber er in ber SiQung 
vom 26. DiMembcr bie präfibentfdyaft übernahm, gal' 
er ber Hoffnung 3lusbrud, bah öi< fd>led)ten Sitten 
cuTopäifther Parlamente hier nicht Platt greifen würben 
Paffen* unb '.Religtonsocrfdyiebenheiten fällten bas Urteil 
nicht trüben. 31 lo bic erften Aufgaben ber Hammer bc* 
teidmete er bie rrbnuug ber ÜVinan.ten, bie tfonfolibation 
ber SöuoerSnität ber 'Jtatiö« uttb bie Slermehtung ber 
Ucichsfräfte 3 ur 'Berteibigung ber nationalen 3ntcreffeu 
3m weitern ©erlauf ber Sityung würben 3triftibi*paf<h‘- 
(Griechc), .{-yabfchi* Driga (Blbancfe) unb IRufi) el ^»albi 
(Araber) .iu Hanbiöateu für ben poften Des 3 weiten 
'Bifepräfibenten gewählt. 


Dotcnfcfyau. 

gran^ois^luguftefficoaert, einer ber heroor 
ragcnbften Plufiter Belgien*. Direftor besPrüffclerBonfer 
potoriums, erhielt feine nmfiüatifche 3lusbilbung an bem 
Honferoatorium in (ftent, als i'aureat bes Prt* be iRoun 
uerlieft er 1849 bic Schule, bereifte DeutfchlanD, ^ranrreid) 
unb Italien, nahm 1953 in pari* feinen B3ohnfit), ging 
1871 als Stachfolger bes Direltors Jfetis an bas ilonferoa 
toriunt in Brüjfcl, als Dhcorctitcr wie Praltiler gleich frudu 
bar, 3lcrfaffer jahlreidjer Opern. „Georgette“, „Le billet de Mai 
jeueriu?“, „Quentin Dunuarb“, „Lc capiuioe Hcnriot“, oielei 
.Wan taten unb lieber fotvic Herausgeber wertvoller inufil 
wiffcnfrhaftlicher aiteTfc, unter anberm „Kairaa Trait*- d’iu- 
ftrumentutioD“ unb „ULtaire et thtorie de U mu«i<jut* 4* 
l’uitiquit*-' 4 , am 31. 3ult 1M28 3 U Jäuiyffe bei Gent geboren, 
t in Brüffel am 22. Dezember. (Pilb uutenftehenb.) 

l>r. Hermann Hette, 'UUrfUcheT Geheimer Cher 
regierungsrat, trat 1848 in ben preuftifchen Staatsbietift. 
würbe 1862 'Befer enbar. ging puci Jahre fpätcr 3 ur Bev 
waltungslaufbahn über, würbe bei ber Spejialfommiffion in 
lüanbobetg a. 3B. befchäftigt, 1867 'Begierungsrat, 1873 9Hit 
glieb ber Gcncraltommiffion in Breslau, 1877 Oeitcr bei 
Generallommiffion in J-ranffurt a. O., 1891 präfibent bicfci 
.Wontmilfion in Waffel, trat 1901 in ben Buheftanb, würbe 
anläßlich bes fünfzig jährigen Dicnftjubilaums 3 um 3Birtlid)cn 
Geheimen Cberregieruniv>rat unb oon ber Uniucrfität Plar* 
bürg aum Dottor hon<*ri- «iu» ernannt, fanb auch mit feinen 
Bühnenbidytungcn „91ad) tehn Jahren“ unb „Der lugenb 
preis“ Beachtung, am 13. Februar 1828 311 Ginwinfcl ge- 
boren, f tn Gteglitj am 29. Dcjembet. 

Jofeph liorit». Hammerfänger, populäre perfäulichfctt 
in ben beutlchen Hon icrtfalen, Sdyülcr von (fugen Gura, 
mit einem faft beifpiellofen Stimmumfang begabt, auch als 
Gcfangspäbagcg erfolgreich, am 14. ttuguft 1869 3U ®iün 
djcit geboren, f baielhft am 27. Dcjembet. 

Hr. lfm ft G. 91 0 wad, ptofefror, Siablbe^irlsarit in Drcs 
ben, feit 1892 bort tätig, aud) als Vehrer her Pnatomie an ber 
Häitiglichen Plabentie ber bilbenben ilünftc erfolgreiih, am 
8, Plan 1865 3U Seipiig geboren, t bafclbft am 29. De3cmbet 

I>r. B i ch a v b p i f ch c I , pTofeff or, berühmter Sprachf orf dm , 
Geheimer tRegteningsrat, Direftor bes 3nbogennanifd)cr 
Seminars in Berlin, bciudjtc bas 'JMaria-'JJlagbalcncn-Gum 
naftum unb bie Unioerfität Prcslau, bcenbctc feine Stubier 
in Berlin, proin ouierte in Breslau, zeichnete fich in bem 
Hrieg 1870, |l 71 aus, begann nach mehrjährigem Aufenthalt 
im Auslanb 1874 feine afabemifdie Dotentenlaufbahn, würbe 
in Ad 1875 pm auRerorbcntlidien. 1877 311 m orbcntlidyct 
profeffor für Sansfrit unb Sprachvergleichung ernannt, 
fiebcltc 1885 nad) Halb? a. S., 1902 als 9lad) folger nilbredyt 
'iUebcrs an bie Berliner Unioerfität über, entfaltete als Do 
tent, als Jorfcher unb Schriftfteller eine unermübhehe lätig 
leit, publizierte eine grofze Anzahl oon 213erfen über Sanshrit 
unb inbitdje pbilologio, unter anberm eine „Grammati! 
ber prärritfpradjen im Grunbrifz ber mbo*arifchen Philo 
logic“ unb bic mit Gclbncr bewirften „Bebifdjen Stubien“, 
1901 Drägcr bes 'Bolnetj pretfes ber «leabemie Jrancaife 
Ptitglieb ber Arabern ic ber aöiffenfchaftcn, am 18 . Januaz 
1849 3 U Breslau geboren, f in Blabras am 27. Dc 3 embet 
(Bilb uutenftehenb.) 



Jfrancots Auguftc Geuaat, 

Direftor bes Brfiiiilfr Jtorneroatorium», 
t am 22. Dezember. 


Pani Cmbau, 

CErfier Dramaturg bes n3niulid>ett Sdiauipicl- 
baufes in Berlin. (Phot. (Erwin ftaupp, 'Berlin.) 


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Prof. Dr. Kuharb pifchel. 
berfl luiu et Sanstritforfdyer, f am 27. Icjcmbei. 


fzaffi^Sei, 

ber neue ttlrVffdyc Bot(d)afier in Mom. 


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§ans flidjt: 2In Da (Elbe. ««im» .»« o. a « m« t» o«w«. 


m 


m 


SBallaft Vornan uon ©arl ©onte Scapinelli. 


B 


liJI 


( 9 . 3 forif*t)im$.) 






s war übet Malter eine fo fixere Vuhe gelommen, eine non Schroffheit 
freie Seftigleit Ohne 3U grübeln, ohne öeraflopfen, wie 3U einem 
notroenbigen ©ang, 3U einet notroenbigen Ausfpracfje, begab er fid) 
3U her lebten 3 ufammenfunft mit Vabette äerr. 

3eh*, ba fein ©ntfeftluft unabänberlicft feftftanb unb er bie Äraft in [ich 
[pürte, ben Sprung ins Ungeroifie ju tun, fühlte er auch, roie feh r « 93 a&cltc 
liebte, roie lief feine ©mpfinbungen, irotj aller gegenfä^ltc^ert Meinungen, mit 
tf)r oerroachfen toaren. 


„Vielleicht ^aft bu es fchon oon langen erfahren, Vabette,“ begann er 
ruhig, „baft ich ™<h g«3« u «9^ fah, meine Stelle aufjugeben. 3 ch roill nach 
Mien, um bort meinem neuen Veruf 311 leben.“ 

(Einen Augenblid fah ihn Vabette 00II Schmers unb Verjroeiflung an. „Du 
willft oon mir gehen unb mich 3urücflaj[en?" 

Unb roie oon einer qualo ollen Angft getrieben, bat fie flcljenb, fdjluchäenb, 
fterajerreiftenb, inbem fie fich feft an ihn Hämmerte: „Malter, nimm mich mit, 
nimm mich mit! Safe mich nicht allein ba! 3 d) roill bort arbeiten, mir mein 
Vrot oerbienen. Du brauchft mich nicht ju heiraten, nur in beiner 5 Jlähe roill 
ich f<m!" 

Aun roar plöftlich er ber Vernünftige. „Das geht bodj nicht, Vabettchen!" 
fagte er milbe. „Du muftt ba bleiben, ich tomm* ja roieber!" 

„3a, roann, roann?" jammerte fie. 

„Vis ich etwas geworben bin," 

„So lange tonn ich nicht warten, ba fterbe ich Dor ®eh n f u< ^t!" 

„ 3 [t bas meine tapfere Vabette? Mir wollen einanber fleißig fchreiben! 
Sei oernünftig, laft mich los!" 

„Aimm mich mit, nimm mich mit!" flehte fie roiebex. 

„3dj 9<h c i a felbft ins lingeroiffe!" 

„Unb ba hnft bu beine Stelle Iji« aufgegeben?" 

„ 3 d) war es mir fdjulbig!" 

„Du liebft mich nicht mehr!" rief bas Mähren wieber. „Das ift's, was 
bich roegtreibl Maler fönnteft bu bo<h am beften hi« in München werben." 

„ 3 ch muft aus bem Milieu, bas mich bebrüefte, wo i<h S^reibfflaoe war, 
heraus. 3 <h muft in meine Heimat 3urüd, wo ich geboren bin, ich muft 3U 
meinet Mutter!" 

„Sie wirb nichts uon btr wifien wollen, 3 B alter. 3 th fte^e bir hoch näher 
unb habe mich mehr geforgt um bich als fie." 

„Mas weißt bu oon ihr! Mas weiß ich D °n ilfe! Aber i<h muft fie 
Jehen, id) muft fie fprecheir, id) muft ihre $anb füffen unb mir ihren Segen 
jum neuen Verufe holen!" 

„Du bift ein Xraumer, ein Vhontaft. Vielleicht empfängt fie bich gar nicht" 

„Vabette, rebe nicht fo. (Eine Mutter ihren Sohn nicht aufnehmen! Unb 
wäre fie fehlest gewefen roie leine unb hätte mich oergeffen im £aufe ber 
3ahre . . . fie, fie hat mich boch geboren, hat mich boch als itinb geliebt unb 
gepflegt! Caft mich, ®abette, ich mu 6 fort, *<h färeibe bir auch recht oft, laft mich!" 

Mit fünfter ©eroalt rift er fich oon ihr los unb ftürmte 3ur Xüre. hinter 
ihm fiel Vabette jammernb auf bas Sofa, Aber er fah fich nicht flieht um; 
er hätte bie ftraft, roeitei [tanbljaft 3U bleiben, nicht mehr befeffen. 

(Er ftür3ie in fein 3 mtm«, orbnete in Minbeseile feine Sachen unb padte 
fein Aöfferdjen. ©in 3 *ttelcf)en auf ben Xifd) melbete, er fei ohne Abrieb 
abgereiit, Iaffe alle grüßen unb fchreibe gleich oon Mien. 

Saftig, als fliehe ei oor etwas, ftürmte er bie ©erner Strafte bahnt, über bic 
Vrücfe in bie nächfte Xrambahn. Vis jum Abenb muftte er noch in Münzen 
blctben. 5 n "ih« fuhr fein biretter 3 ug. 3 ^t war es erft oier Uljr nachmittags, 
©r [teilte fein ©cpäcf auf bem Vafphof ein. Scheu, als fürste er oon irgenb 
jemanb feftgehalten ju werben, brüdie er [ich in ben Straften in ber ©egenb 
bes ©aftnftofs herum. 

Mäfjrenb er fo unftet burch bie Straften 30g, ba fchien es einen Augem 
blid, als oerliefte ihn fein Mut. Alles, woran er bis jeftt gehangen, [lieft er 
oon fich unb fuhr ins Hngeroijfe. Mar ’s ein bummer Xraurn oon ihm, Maler 
p werben? Mürbe es ihm gelingen? 

Aber f<hon bift er bie 3 ®hn e jufantmen. ©t muftte fich burchfefjen, « 
muftte 3m §öhe Eomnten. 


Die 3*»t fchlich langfam bafjin. ©r ging juerft tn ein Heines Veftaurant, 
um etwas 3 U genieften. Dann begab er fief) auf ben Vahnhof. 3m JBarte^ 
[aal feftte er fich neben einen Xrupp italienifdher Arbeiter. Sluch biefe fuhren 
ins Ungeroiife, in bie 3«mbe. 

©nblich würben bie Schalter geöffnet, er oerlangte ein Villett nach 2Bien. 

„ 5 in unb jutüd?" fragte ber Veamte, 

„9tein, nur hin“, fagte üöalter tonlos. 9lur hin, badete er unroillfürlich, 
nie mehr prüd. 

Dann brängte er fich juoorberft an bie Valjnfteigfperre. ©nblich rourbe 
auch biefe geöffnet. 5IIs erfter ftürste er in einen 2öagen brittcr ftlafje unb 
feftte fich in eine ©de. Sßenn ber 3«9 flu* singe! Vo<h immer war er in 
München. VHe möglichen ©ebanren fchoffen ihm bur^ ben ftopf, an 3ßangen, 
an Vabette, an Stift. 2Benn ber 3 U 9 u ur ginge! ©r fah auf bic Uhr. Vod) 
fünf Vlinuten. 

Dann waren auch bie Darüber, ber 3“9 begann langfam, taum mertlid) 
fieft 3 U bewegen, 

„Stun fährft bu ins Ungewijfe, in bte frembe Heimat, 3 U ber fremben 
SWutter“ . . . 

Die Xranen waren ihm nafte. 916er er überwanb fich tapfer. So leer, 
fo öbe !am ihm fein 3nneres oor, beraubt aller fchonen ©rinnerungen, los* 
geriffen oon bem 9Räbd)en feiner 9Bahl. „Du muftt, bu muftt!" fchienen ihm 
bie Väber 3 U fummen. ftladernb brannten in bem fjalttecren VBaggon bte 
Sichter. Allmählich legte fich bas V 0 ( h*fl fem < 5 §« 3 Cns, allmählich fiU bte 
Vergangenheit ab oon ihm, oerfant bie ©egenwart, unb füft unb holb, Iodenb 
unb berüdenb flieg feine 3 ulunft oor ihm auf. fiädjelnb faft et ba, wachenb 
bie ganje 9ia<t)t unb boch ' n f ü ft e träume gewiegt 

YII. 

3 ehnmal fchon hatte 2 Balter oon Derlorn fein fRotijbuch h«ausgejogen 
unb bie Abreffe feiner Vlutter, bie iftm oon Vtündjen her belannt war, neroös 
nachgelefen. 

9 lun ftanb er auf ber Margareten ftrafte unb fuchte nach ber fleinen, alten 
©affe, in ber fie wohnen follte. 

9Ea^bem er in einem billigen Cafe gefrühftücü unb bort feinen ftoffer em* 
geftellt hatte, machte er fich baran, bie Mutter aufjufuchen. 

Sein £>«3 Hopfte, feine §änbe waren !alt unb feucht. 2Bücbe er fie finben? 
Unb roie? 9Bar fie ein altes Üßeiblein geworben, ober roar fie bie ftolje, 
oornehme Dame geblieben? 

©nblich fanb er bie Seitengaffe. Als er bas S<h*lb an ber Straftenecfe 
las, gab es iftm einen Stich in ber 5 «$ 9 * 9 enb. 9hn roar er ihr gait 3 nahe, 
nun würbe er gleich oor ihr fielen. Sollte er fliehen, roegeilen oon hier? 

Älopfenben £jerjens ftür^tc er oorroärts. 3 Die im Xraume fanb er bas 
richtige 5<m5. f> 3 toeiter Stod, Xüre breije^n", wieberftolte er fich immer 
wieber. ©nM«h ftanb er feuchenb oor ber 2Bohnung unb 30g an ber ©lode. 

„ 3 ch öffne fchon, Vefi!" ©ine Hangoolfe, oornehme Stimme brinneit rief 
es bem Dienftmäbcfjen 3U. 

Sachte ging bie Xür auf. ©ine feine, jierliche ^raucngeftalt ftanb ÜBalter 
gegenüber, ©r fah 3 toei grofte, fragenbe, traurige Augen unb blonbe, leife 
angegraute §aare. ©5 flimmerte ihm oor ben Augen, ©r brachte fein 2Bort 
über bic £ippen. 9lur ein Stammeln war 's, ein unflares fallen. 

„Mutter . . . Mutier" . . . 

Auch ihre Augen maften, wogen ihn; auch ihre Arme hoben fich mechanifch. 
Sie brauchte ihn nicht 3 U fragen, ©h« « Iallenb bie Mutter gerufen, muftte 
fie, roer es roar. Alle Xage, alle Stunben hatte fie ihn ermartet. 

,,©r laftt [ich feftt ein Spiftbärtdjen ftehen", hatte Mangen jüngft getrieben. 

Das roar ihr erfter ©ebante, als \W ihn faft. Dann fchloft fie ihn fchln<h* 
3enb, jau^jenb in ihre Arme. 

„Vift ba, Malterchen, bift ba?" Sie 30 g ihn in ihre mit altem Sjausrat 
erfüllte Stube unb brüdte ihn auf bas Sofa. Dann feftte fie fich 3 U tt)* 11 » 
ftreichelte feine 5änbe unb preftte feinen Vlonbtopf an fich- A35hrenb bie Xranen 
ihr über bie Mangert liefen, fagte fie immer roieber: „Vift ba, 2Balter<hcn, bift 
enblidj boch 3 U beiner alten, armen Mutter fommen? Vift enblichba, MalteTdjen?" 


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5h. 3419. 7. Januar 1909. 


Slluftriite 3 e ^ng. 


25 


(Sine ©iertelftunbe mochte »ergangen [ein, feit kalter bei ber ©lütter ein 
getreten mar, unb nodj immer hielt bi« deine grau ben großen 3 ult 9 cn 
fdjütjenb u mißlungen. Sie badjtc ntc^t barüber nach, in welcher ©bficht er nach 
SCtett gefommen [et, warum fie if)tt fo piele gab« ^atte entbehren unb ftemben 
©lenichcn Ia[fen muffen. Solange [ie hta wohnte, ^atte [ie biefe Stunbe erhofft 
nnb mit ©ebulb erwartet 

©lötjlid) rifj [ic fich ans ihren ©Iüdsträumen. „ 3 a, über id} fitj’ ba, nnb 
bu mir[t am (Snbe hungrig feto. 2Barf, id) bring’ brr einen Raffee. Raffet 
gibt 's jetjt immer bei mir!" 

Saftig idjritt [ie 3 ur Rüdje, wo bie ©utjfrau Kefi [ich ju fdjaffen machte, 
©uef) ihr liefen bie Xränen herunter. „SBeil er nur fommen ift!“ fagte biefe 
wie erlöft ©Sie oft hatte ihr bie ©aronin DerfoTn »on ihrem ©üben erää^It! 
Kafd) ri^tete fie eine Xaffe h*t. ,,^oI' Rudjen“, [agte fie jur alten Kefi. 
Drinnen in ber guten Stnbe, bie oon altem gamilienhausrat ooll war, 
begann SBalter enblich ans ber tiefen ©lüdserregung, bie iljn erfafet hatte, 3 U 
erwachen. Seine ©ugen fdjroeiften burd) ben Kaum. 3hm gegenüber hing 
ein großes ©ilb, bas [einen ©ater als Ke it eröffntet barftellte. Darunter [tanb 
bie äße Kofenljoljfomuiobe, an beren (Eden er [idj als Äinb [o oft geftofjen 
batte. Seme ©lütter, [eine ©ater[tabt, alles mar ihm aus bem ©ebädjtnis 
gefdjwunben ; nur an biefes alte ©löbel tonnte er [ich noch erinnern. Sireidjelnb 
fuhren leine ginger baruber. Da gewahrte er mitten auf üjr ( wie auf einem ; 
(Ehrenplatj, [ein er[tes ©aar 3d)u^e, breit unb niebergetreten, ein Rleinob für 
bie einfame ©lütter! 

©des, was hcrumftanb, ^ctmelte ihn plötjlich an. (Es war ihm -jumute, als 
wäre er nad) langer Srrfafjrt ins (Elternhaus jurüdgefeljrt. Seifte erfte Rinb» 
heit itieg in ber (Erinnerung in ihm auf, bie einige 3 ei *. n>° « eine ©lütter 
befeifen ^ott«, Kun war [ie ihm mit einem ©lale [o nah- 2 Bas ba 3 wi[if)en 
gewejen, an Sjelle, an Xrauer, an greube unb fieib, an Hoffnung unb ßiebe, 
erichten ihm jetjt belanglos unb bes ©ergeffens wert 

(Ein warmer, wohliger Strom ging oon allem aus, ber [ein £03 erwärmte 
unb ihn fieser machte. (Er war ja oon jeher eine jarte Seele geme[en, bie bie 
Zrcibhausroärme, bie ©lutterliebe, notwenbig gebraust hätte. 

Dann braute bie ©lütter, lädjelnb oor ©lütf, ben Staffee. „ilomm, bu 
wirft junger haben!“ 

(Er [efcte fich ^um Xifch, fie nahm ihm gegenüber ©latj. 

3hn hungerte es jetjt nicht; aber ber guten grau zuliebe, beren milbe ©ugen 
ihn ftrahlenb anfaljen, tat er einen Sdjlud aus ber Xaffe unb nahm baju ein 
Stüd Rüchen. 

„Das i[t ja eine ©Itroiener Sdjale, wie wir [ie hatten, als bu nod) bei 
uns warft!“ 

„ 3 a, unb bann bin id> gegangen, hab' bid) allein gelaffen . . . 3<h hätte 
es nicht tun Jollen! ©ie hätte id)'s tun foHen, ©Satter!“ 

(Er wollte fragen: iöarum Epaft bu’s getan? ©ber er getraute fich nicht 
bieje 3Deihe[tunbe 3 U [tören. (Er rnufete, bie ©lütter würbe es ihm [(hon fagen, 
tmb auch er mujjte ihr alle [eine 3 ®*ifd offen barlegen. 

„3a, ftinb, glaub' es, es war bie gröfjte Schuft, bafj ich b*<h fremben 
Leuten überließ. Denn ber ©ater“ — bas 2Bort Tarn äittemb über tljre ßippen — 
„tonnte bid) nicht allein «rjie^en, ©ber gut [iehft bu aus, bift ein prächtiger 
3 unge geworben. ©i[t brao unb rein geblieben, gelt?“ 

3hre ©ugen forfc^len in ben [einen. (Er errötete, er tarn [ich ja fo fchulb* 
beloben oor. Unb both tonnte er ihren milbeit, fragenben ©lidt aushalten; 
benn er wufjte, was er getan, hatte er tun müffen. Schlecht war et nie gewefen. 

„Du bleibft ja länger! ©ein, nein, nun laff’ ich *>i<h nicht mehr fori nach 
©lünchen. greilich beine Stelle wirb bich rufen.“ 

,,3d) h«^' leine mehr.“ ßangfam, [todenb lam es aus [einem ©lunbe. 
„2Bar[t nicht glüdlich bei bem SchreibeTgefdjäft! £ja[t ju ber ©lütter gewollt, 
ju ber boien ©lütter, bie [ich nie um bich gefümmert hat!“ 

„3ch will ©laler werben, ©lütter!“ 

„9!JlaIer?“ Ungläubig, ein wenig erfdjredt dang es. 

„©tidj treibt 's baju ... mich treibt ’s 3 U ber ©lenfchhrit lichten, reinen 
Sjöljen. ©3eigt, ©lütter, ich »nnfe frei fein, mufe [chaffen tönnen. 3d) will nicht 
ber oerirachtc ©ri[tofrat [ein; [ie [ollen mich achten, ben ©aron Dertorn!“ 
(Erfreut horchte bie ©lütter auf [einen [id)ern, hohrit&o ollen Xon. 

„3ch hob’ bir ja nichts uor$ufdjTeibcn, bas hab’ ich oerwirft ©telleidjt 
finb wir, bein ©ater unb itf), uufex unglüdliches ßeben, baran [djulb, ba^ bu 
in bie (fjefafjr famft, als eine oerfrachte (Eiijtenj ju enben. ©Serbe bas, worin 
bu bich frei unb glüdlich fühlen fannft. ©ur wenn man fich f*ö>[* achtet, oeTmag 
man etwas Xüchtiges ju leiften. 3<h will mir auch ©flühe geben unb bie nötigen 
©littel aufbringen, um bich babei jju unterftütjen. Oh. ha^' ^ as Arbeiten 
gelernt als ich oon beinern ©ater wegging unb mir oon meinem großen (Erbteil 
nur ein deiner ©e[t geblieben war. Dein ©ater mar ein gebomer Staualier, für 
ben meine ©litgift noch lange nid)t gro^ genug war; ba hab' ich halt, um bte 

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©ebanfen unb bie 3 «* tot^ufc^logen, geftidt unb genäht. Unb halb h«&’ i^h 
bas ©clb gut brauchen fönnen.“ 

©ufhorchenb laufchte 2BalteT auf ihre ©Sorte; er hoffte, nun würbe fie ihm 
fagen, warum fie oon ihrem ©lann, feinem ©ater, weggegangen war. Sie 
mochte glauben, er wiffe es längft; benn [ie [prach noch immer nicht baoon. 
„Da fotlft bei mir wohnen, hinten bas Kabinett will ich bir herrichten.“ 
„Kein, ©lütter, ich ®iU bir nt^t laftig fallen.“ 3n UBa^r^eit fühlte er, 
bafc er, um etwas 3 U erreichen, frei fein mufete. ,,3d) nehme mir in ber ©äh* 
ein 3 imme«hen, wenn bu erlaubfL“ 

,,©3ie bu willft, meine itinb! 3ch bin ja eine frembe grau für bich geworben 
unb hab’ bir nichts 3 U befehlen, ©ber eins bitte ich bich: ©eh nicht ganj mieber 
unb bleib bei mir; ich brauch' bich ja fo, lange genug hab' ich gewartet.“ 
©löblich trieb ihn bas ©erlangen, all biefe gewaltigen (Einbrüde ber lebten 
Stunben $u orbnen unb ungeftort über [eine 3 u * un ft nachjubenlen, hinaus. 

„©lütter, ich mufe [e^t gehen. 3d) werbe meinen Stojfer beforgen unb mir 
ein 3immerchen mielen. Dann fomme ich wteber unb bleibe bei bir.“ 

„ 2 BiU[t bu nicht 3 um ©littageffen ba fein?“ fragte fie. 

„Kein, nein, ©lütter, mach’ bir feine ©lülje! Kadjmittag fomm’ ich “ 

„So lange foll ich bich entbehren . . . Ka, ich toill tapfer [ein! ©ber 

fomm ja nid)t 5 U [pät. Soll ich bir nicht fyelf«n, ein 3immer [uchen?“ 

„Kein, ©lütter, bemüh’ bich nicht“ 

„ 2 Bcnig[tens 3 um ©uspaden fomm’ ich." 

„gür bas bi^en Xanb“ . . . 

,,©3erben hoch liebe (Erinnerungen babei [ein!“ 

Er lächelte oerlegen. 

,,©on SBabette?“ fagte [ie mit gütiger ©ttene. ,,©3arum halt bu ihr nicht 
folgen wollen?“ 

„Später, ©lütter!“ erwiberte er. : 

(Er brängte 3 UC Xür. 2Bte ein[t bem itinbe, machte [ie ihm beim ©bfdjieb 
ein itreufteidjen auf bie Stirn, bann eilte er hinaus. 

(Erft an ber nädjften Strafeenede blieb er ftehen. $och atmete er auf. Kun 
hatte er eine ©lütter, bie befte, bie fürforglidjfte! Unb hoch fragte er [ich: 
©3arum blieb [ie nicht bei meinem ©ater? Sie wirb es mir fagen, heute noch 
fagen, unb wenn fie es nicht [agt, bann will ich fi* baran erinnern. 

©ber trotj aller 3 roc if e l ^ c l e < 5 tunbe ihn ruhig unb glüdlich gemacht, 
©lochte es [ein, wie es wollte: er hatte eine ©lütter wieber, bie [ein Streben 
oerftehen würbe, eine treue, erfahrene ^Beraterin, bie im Sturmwinb bes ßebens 
gereift war, unb bie nicht nach anerjogenen Kormen [prach, eine freie, eine 
[tol^e, eine liebe grau! 

©alb hatten bte tatfadjtidjen (Etnbrüde, bie er oon 2Bien empfing, bte 3®«ifel 
unb gragen m [einer ©ruft ertötet (Er mufete hanbeln unb burfte ni^t träumen. 
Kachbem er mehrere ©Sohnungen befichtigt hatte, lam er in ber ©littagsjeit ju 
einem alten, befcheibenen öaaf« bes [edjften ©e^irfes, wo ein 3 immer<hen ju 
oermieten war. fiangfam flieg er bie Xreppe ^um geilen Stod hinauf, „granj 
X. Schairer, l L Kechnungsreoibent“, [tanb an ber Xür. (Er dingeße. (Ein 
unfeheinbares ©tabuen, nicht h öb [<h. nity h ö feli(h. troft f e i ncr jrcanjig 3 ahre 
Sorge unb (Emft aus ben 3üfl*n [prachen, öffnete ihm. 

„3*h möchte bas 3 immet fehen“, bat 2 Balter. 

Das ©läbth«n lieg ihn eintreien. „(Es i[t nur ein befdjeibenes 3immer<hen, 
§err, aber es geht auf bie Strafe.“ 

Durch bie ftüche gelangte er in ein reinlich gehaltenes SBoh^immet. fiiuls 
baoon lag ber -ju oermietenbe Kaum. (Er war nicht grojj unb nicht Iuiuriös 
möbliert; aber bei ^Jreis war niebrig, unb ba bas genftet gegen Korben ging, 
überlegte ©Satter nicht lange unb ertlärte, bas 3( mmer nehmen 3 U wollen. 

„©3enn ber Sjerr noch e inen ©ugenblid warten wollen, bann lommt ber 
©ater 3 um (E[[en ^eim r unb Sie lönnen mit ihm alles Käf)ere befpredjen!“ 
fagte bas ©läbchen, unb wie ertlärenb fügte [ie bei ; „Die ©lütter i[t erft oor 
furgem geftorben, unb fo mufc ich ^ en 9 aT ( 3 e ^ Haushalt beforgen. IBir wohnen 
[chon fed^efjn 3 a h r « hi^ im Saus, ba wollen wir nicht aus 3 teljen, um eine 
Heinere ©Joljnung 3 U nehmen, unb barum cntfc^Uegcn mir uns, bas eine 3immer 
ju oermieten.“ 

2öalter blieb gleich in bem Kaume ftgen unb [ah fich injwifchen um. Das 
©läbchen hatte etwas ©efümmertes, Xrauriges in ihrem 2Be[en. 

Sie entfchulbigte [ich, taft fie in bie Rü^e muffe, um nach bem Ked)ten ]u 
fehen, unb lieg ihn allein jurüct 

Doch er brauchte nicht lange 3 U warten. Kad) wenigen ©li nuten härir 
wie braunen ein Schlüfjel in ber ©3ohnungstür gebreht mürbe unb eine tiefe 
Stimme fprad): „C5rüh’ (Sott, ©nna!“ worauf bas ©läbchen erwiberte: „©ater, 
es [i&t ein £*rt btinnen, bet bas 3 i®nter mieten möchte,“ 

Dann näherten [ich Schritte. Die Xür jum (Bemache ging auf. (Ein deines, 
oertrodnetes ©iännd)«n [tanb baäwijchen, grau, mit einer Stahlbrille unb einem 
furjen ©odbart, ber wie abgenagt ausfalj. 

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3lluftrirte 3 e ihiTtg. 


<Rr. 3419. 7. Januar 1909. 


„Weine logier jagt mir, bafe 6« bas 3*mmei mieten wollen. Darf ich 
Sie um 3f)ren tarnen bitten?" 

„Atolter tDetfottt, Runjtmaler", jagte [einen Abelstitel 3um etftenmal 
geflif jentlid» nerfchweigenb. 

„3$ rotife nic^t, ob 3fjnen bei Na um pajjcn wirb. 2ßir ocrlangen ja 
nicht Diel bafür, nur bas, was er uns felbft fojtet. Sonft müjjjt' id) eine tleinere 
AJohnung nehmen, benn bie üranl^cit meiner grau hfl* oiel ©elb gefofiet. 
3*oei ©rofefforen! ga, bo<h ha*' 5 n ^* 5 genüfet, ja, unb bod) h ü * f** 
jterben muffen!" 

(Es !am gebehnt, rejtgniert, apatfjifch heraus. 

„Äönnte ich gleich einjiehen? 3(h fomme nämlich von München, unb mein 
Roffa fleht noch auf ber ©ahn." 

„So, oon Wunden! 3 a » & a bin **h Dor jroonjig 3 Q h Icn QU f einer 
Urlaubsreife gewefen, ja fchon, fehr fdjön unb g’mütlict)! Weine Xochtei fann 
3 f)nen bann beim Auspaden unb Orbnen ber Sadjen an bie £anb gehen. 
®üt braves, gutes, fleißiges Ding, aber ^alt nicht |d)ön, brum Beirat 's nicht 
(Eine Staatsbeamtem echter ... na, wer will bie! 3 a» ja! (Eigentlich hätte 
ich f flr bQS 3 *mmer lieber ein gräulein genommen, bamit meine Anna ein 
bifechen Umgang hflt Aber, na ja, jo* *>ie gräulein, bie 3 i^mer braunen, 
bas jinb meijtens feine." 

„Herr Neoibent," begann jefet Walter, „tonnte ich nicht wenigftens früh 
ben Raffee bei 3Ijnen ha&(n? H 

„0 ja! Das müfjen Sie mit Anna befprechen, bie hat bie Äüd>e unter 
fich- (Ein Woffa ift ja unfer grühftüctefaffee nicht Wan mufe auch ba fparen ... 
bie Äranrheit meiner grau hot wel ®elb gefojlet“ 

Darauf oaabjehiebete [ich Walter. (Er brüdte auch gräulein Anna, bie hi 
ber Stücke am f^erbe befchäftigt mar, bie $anb. Sie errötete leije; bas coar 
jie nicht gewohnt Dann fuhr er auf bie Sahn, um ben Roffer 3U fjoten. 

(Es coar fehr fchmül braufjen. Die brütfenbe ^i^e, bie über bem Raufer« 
meer ber Stabt tag, lähmte Walter faft unb fchläferte ihn ein; benn er hatte 
tsährenb ber ganzen Nachtfahrt lein Auge jugetan. 

(Er afe IrgenbiDo ju Wittag unb liefe bann feinen Äoffer burch einen Dienft* 
mann beforgen. 

Raum war biefer mit ber fiaft in ber neuen Wohnung angelommen, als 
ein heftiges ffiewitter losbrach. WShrenb es in Strömen regnete, machte fich 
Walter baran, feine Sachen ausjupaden. 

gräulein Anna tarn unb fragte, ob er etwas roünjche, unb ob jie ihm 

itgenbwie behilflich fein tonnte. 

„3th banle, gräulein." 

Unb ba fie noch flehenblieb, meinte er: „(freit, bas ift ein Wetter!" 

„ 3 a, wir haben in btefem Sommer faft alle Xage ein ©eroitler 

„fürchten Sie fich babei?" 

Sie lächelte nur ftheu unb oerlegen. 

„Dann Meilen Sie hoch ba fifeen. Wir wollen ein wenig ptaubern. Ws 
neue ^ausgenofjen muffen wir uns boch fennen lernen." 

„An mir ift nichts, was Sie intereffieren tonnte", fprach fie. ,,3d) bin 
nur ein Arbeitstier unb bin froh babei.“ 

„ 3 a, eine Arbeit, bie einen freut, ift auch etwas Schönes. Sehen Sie, 
gräulein Anna, ich freue mich, wenn ich hier eingerichtet bin, bann fang' ich auch 
gleich an 3U malen." 

„Sie malen?" Sie fagte es faft erfchredt. 

„ 3 a, beswegen bin ich na(i ) SB*** flefommen. Aber ba es jefet nicht mehr 
fo ftaTl regnet, will ich 5 “ meiner Wutter. Sie wohnt gleich in ber Nähe." 

„Sie ©tödlicher, Sie haben noch «ine Wutter! Aber warum bleiben Sie 
nicht bei ihr?" £a$te fie bann erftaunt 

„Sie ^ert nicht genug ©lafe. 3 )a ich fo lange in ber grembe war, ijt fie 
es gewohnt, allein 3U fein", fagte er errötenb. 

Als er bas Haus verliefe, flangen ihm Annas Worte noch in ben Ohren: 
„Warum bleiben Sie nicht bei ihr?" (Er felbft richtete biefe grage immer 
wieber an fich- Aber er hotte ein ©efüF)!, als fei bie grau, bie boch feine 
Wutter war, ihm fremb geworben, als wiffe er nichts mehr oon ihren Sehens* 
gewohnheiten, als bürfe er ihr nicht jur fiaft fallen. 

Die Wutter hatte ihn fchon mit Ungebulb erwartet, unb nun mufete er 
erzählen, ob er ein 3immer gefunben, ob er nicht nafe geworben. 

Sie fchien beruhigt, als fie erfuhr, bafe er bei einem braoen Staatsbeamten, 
nicht weit non ihr, wohne. 

grau non Derforn f|atte ihre Xoilette gewechfelt unb erfc^ien jefet, trofe ihrer 
grauen Haare, wegen ber jierlichen ©eftalt unb bes frönen, vollen ©efichtes 
noch jugenblicher als früher. 

©in tiefes, ruhiges ©lüdsgefühl lag in ihren 3ügen. Sie fflh aus wie 
jemanb, bem enblich ber einige, jahrelang gehegte Wunfeh in (Erfüllung 
gegangen ift 

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Nun wirb fie bir fagen, warum fie oom ©ater gegangen ijt! bad)tc Walter, 
unb boch fürchtete er wieber, bafe er, wenn er baburd) jcinc Wutter oollenbs 
gewinnen unb befifeen würbe, bie liebe, reine (Erinnerung an ben Steter getTübt, 
oerbültert ^ättc. 

Aber grau oon Derforn fprach nur oon ber leudjtenben, |d)önen ©egcn= 
wart unb 3 u fr*nft; oon ben traurigen, entjehwinbenben 3 a h r *n fprach jie in 
biefer ©lüdsftunbe nichL 

„Du mufet bann auch beim £ofTat 'J 3 r«htt SBejud) machen, er ijt im Unter 
richtsminijlertum unb fann bir fieser mit Not unb Xat beijtehen." 

„Wer ift £>ofrat ©red)tl? 3 ch ^abc nie jeinen Namen gehört!" 

„(Er ijt mein einziger, uneigen nü^iger ffreunb, Walter! Der einjige. ber 
mir über bie ferneren burch 9 ?at unb Xat hinweggeholfen hflt.“ 

Nuhig, gelajfen, ooll ebler Würbe jagte jie es. Sie merfte nicht, bafe 
Walters 23 Iid lauemb auf ihr lag unb ein böfer ©ebanfe bliprtig burdi iein 
& im jehofe. 

©r felbft fchämte fich garftigen Nerbachtes, unb bocb fonnie er ihn 
in bet 3oIge nicht recht los werben. 

Walter, ber nach Wien gefommen war, um für jeine 3 TDe *fcl Nuhe ju 
finben, trug noch immer bas $>03 sollet Qualen. Niemals aber hatte er bie 
erlöfenbe ( 5 rage an feine Wutter gerichtet, benn bei aller fiiebe unb Anhänglichfeit 
blieb fie nach ben erften ftarfen (frefühl&wallungen für ihn taum mehr ah feine 
©ebäreria 

AH bas trieb ihn immer wieber oon ihr weg, unb wenn et bann fort mai, 

30g es ihn wieber 311 ihr. (Er gab fi<h felbft bie Sd)ulb, weil ihm bas Aer 

tTauen $u ihr fehlte, weil er fich ihr nicht offen unb finblich nahte. 

3 n feinen ©ebanlen tauchte barob immer h<hrer unb lichter bas ©üb ber 
SBabette Ren auf, bie er fo fehnöbe oerlafjen hatte. 3 n folgen Stunben griff 

er Do II Sehnjudjt jur Sreber. Was er ihr früher nie gefagt hatte, bas jdjrieb 

er ihr jefet ohne Scheu. 3 hre fto^e ©eftalt war für ihn oon einem poetischen 
3auber umgeben. 

Auch DOn & c * 3 weifeln um feine Wutter unb non feinen «einen täglichen 
Sorgen fdjrieb er ihr. 

Das richtete ©abette Ren, bie burch feine gluckt nach Wien ganj gebrochen 
war, wieber auf. Schon beim erften ©riefe oerjieh jie ihm alles. Wit füfeem 
Schaubem las fie, wie hie* (in junges Wenfchenfinb nach Rlarheit unb Wahr 
heit rang 3 um «rjtenmal merfte fie, was in Wallers Seele all bie 3 ah rc ^ cr 
oerboxgen geruht hatte. Unb babei jehäumten biefe ©riefe über oon Sehnjucht 
unb fiiebe nach ihr, von ©ewiffensbiffen, bafe er fie wrlafien. 

Seine ganje gärenbe 3 nft e nb, feine ganje werben be Anmut legte er in bie je 
©riefe. 

Am liebjlen wäre ©abette }u ihm geeilt Aber fie fürchtete, bann jtatt bes 
fchmad)tenben fiiebhabers ben h«ri»en, lurj angebunbenen 3ungen oor fich ju haben. 

3 hre ©riefe waren nicht fo lang, auch nicht jo ooller ©efuljle unb Xränen 
wie bie feinen. Sie waren ruhig, fachlich, tnapp unb boch oon wohltätigem 
(Einflufe auf fein ©emüt 

3 n ber lommenben 3 rit war er bei feiner Wutter nur immer (frajt; er 
fühlte fich ni( Q l* Sol)n borb ©eiben fehlten eben bie gemeinjam burchforgten, 
burchrungenen 3 Q h re l** 1 3®riten Rinbheit, bes ftnabenalters, ber 3änglings 
geil. Als Heines, breijähriges Rinb hatte ihn feine Wutter oerlaffcn. Nun 
ftanb ein roerbenber Wann oor ihr. 

So fehr es ihn 3U ber Wutter 30g, fo unbehaglich fühlte er fich bei ihr, 
bei ihren gTagen unb Süden. Oft war er froh, * r wieber baheim in 

feinem bejd) eibenen 3iwmer fafe. 

Dann holte er fein Sl^enbuch h«fl«s unb begann mit fieberhaftem (Eifer 
3U jeichnen unb ju malen, ©erbrachte Anna im Nebenjimmer, mit einer ^>anb- 
arbeit befchäftigt, ben Nachmittag, fo öffnete eT bie Xür unb bat jie, $u ihm 
ein3utreten. Seim ©Iaubern oergafe er feine bummen ©ebanlen, unb bie Arbeit 
ging ihm fdjneller oon ber $>anb. 

A 3 as fich fi^aöe barbot, ©erät, Wenfch, ©lumenjtod ober Xier, bas 
malte er. (Es war faft ein ungefunber Seifehunger, ber ihn beherrschte. 

Wit ©ewunberung jah Anna 3U bem fleifeigen, einjamen Wanne auf, ber 
jo ganj anbers war als bie übrigen jungen Rünftler. 

Oft unb oft unterhielten fie fich, unb bann fd) wärmte ihr Walter oon feiner 
3 ulunft oor. Sie ^orei)te eTftaunt 3a, benn fie lannte leine Dräu me, leine 
Hoffnungen, feine 3ufunft. 

Allmähli<h würben ihnen biefe ^lauberjtunben 5u einem ©ebürfnis, jum 
Röftlichjten am ganjen Xage. Was ihr h*er Walter Dom Öberflufe feiner Xräume 
gab, bas begann in ihr 3U einer neuen, frönen Welt ju reifen, oon ba fie 
immer reben hören wollte. Anna, bie nie barüber gegrübelt, warum fie |o 
anipruchslos ben «einen Haushalt ihres ©atexs führte, begann nun auch über 
ihr ßeben nad)3ubenfen, wobei fte un^ufrieben würbe. 

O’orlicuimci folgt in ber nädjjtcn UhimmerO 

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Karn dem Rc2cn. 


K onstantin Somoff ist unter den 
lebenden russischen Malern 
einer der wenigen, die euro- 
päischen Ruf besitzen. Er 
hat seine Verehrer nicht bloß in seiner 
Heimat St. Petersburg, sondern ebenso 
in Paris und in Berlin ; er hat eine Ge- 
meinde, die sich für jedes seiner Werke 
leidenschaftlich interessiert und für 
den Erfolg seiner Kunst eifrig be- 
strebt ist. Aber er ist trotzdem kein 
ästhetischer Leckerbissen nur für die 
einzelnen, sondern seine Art hat die 

Eigenschaften, auch das weit sch ich- /i 

tige Publikum zu interessieren und für 
gewisse Vorgänge im modernen künst- 
lerischen Leben auf klärend zu wirken. 

Ich will diese Seite seiner Kunst v 

zunächst charakterisieren. Unser mo- 
dernes künstlerisches Empfinden 
schwankt — mitunter leider wie ein 
Spielball — zwischen den beiden Ex- 
tremen des Realismus und der Stili- 
sierung. Der Realismus bekennt sich 

offenherzig zur Stofflichkeit: er ahmt 

die wirklich existierenden Dinge auf 

Illusion nach und scheut vor keinem Konstantin 

Sto ff, auch dem sog. häßlichen , zurück ; 

er gibt (oder tut wenigstens so) dem Formgefühl kein Recht über < 
Inhalt und findet in der Stärke der lebendigen Anschauung, in 
künstlerischen Impression sein Ziel. Die stilisierende Richtung 
gegen entspringt dem uralten Bedürfnis, formelle Einheiten, wie 
unser menschlicher Intellekt dauernd zu bilden pflegt, auch auf 


große, bunte W elt der Wirklichkeit zu 
_ übertragen und, sei es in historischem 

Stile, sei es in ornamentaler Umwand- 
lung, den Dingen den Stempel eigner 
Prägung aufzudrücken. 

Somoff gehört zweifellos zu diesen 
Stilisierenden, aber er hat die Schule 
des Impressionismus durchgemacht. 
^ Ähnlich wie Thomas Theodor Heine 

aus einer genauen Beobachtung der 
Wirklichkeit und realistischer Kunst 
zu seinem formalen Stilausdruck ge- 
langte, hat Somoff als frischer Natur- 
maler, als realistischer Porträtist, als 
Impressionist mit all der Verve ur- 
sprünglicher Instinkte Auge und Hand 
gebildet, bis ihm in dem Moment, da 
er die Wirklichkeit gezeichnet hatte, 
der innere Stil mächtig emporzu- 
* wachsen begann und er aus einem ver- 

schwiegenen Winkel seines Wesens, 
* wo feine, alte Rokokoerinnerung Er- 
lebnisse stilvoll in ihre Sphäre zog, 
Figuren, Szenen und Symbole schuf 

« als letzte Arabeske alles Seienden. 

Nicht aus Armut und Defekt, son- 
Selbstporträt. dern aus Überwindung und aus einem 

eignen Triumph gefühl stilisierte er. 
Er hat dabei niemals die reale Wirklichkeit aus seinen Sinnen gelassen; 
aber er duldet sie kaum noch als letzten Ausdruck künstlerischer 
'Wünsche, sondern erhöht und idealisiert sie durch einen seltenen 
poetischen Stilreiz, er verzaubert sie bis in das Ornament hinein, bis 
in die Vignette. Das ist seine Formell er verzaubert die Dinge, die 


Somoff. Selbstportrat. 


00000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000 

00 00 

1 l KONSTANTIN SOMOFF. i 1 

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00000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000 









Vor dem Gewitter. 

wirklichen und alltäglichen Dinge, er spricht einen historischen Spruch 
über sie, oder er läßt ihre Seele in das Ornament eingeschlossen 
werden, aus dem sie wie in einer märchenhaften Versteinerung zu uns 
reden will. Wir seihst sind die Erlöser im Märchen. Wir erlösen die 
Dinge, fühlend und wahmehmend, in ihre Wirklichkeit zurück, und 
nun haben sie uns alle reizende Geschichten zu erzählen. 

Nehmen wir einige Beispiele. Sehen wir uns einmal die Bilder 
an, in denen Somotf einen im Leben wie in der Kunst höchst 
beliebten und dankbaren Stoff behandelt, die Liebe, den Kuß und 
ähnliche schöne Dinge. Da sitzen auf einer weißen Bank ein paar Damen, 
und einige noble Herren sprechen mit ihnen; das Kind spielt auf der 
Wiese, ein Regenbogen steht am Himmel. Es ist gewiß nichts gegen die 


Realität dieser Szene zu 
sagen, und man kann nicht 
einmal behaupten, daß sie 
amoureusen Inhalt habe; 
aber ich wette, sie hat ihn 
doch. Diese zierlichen 
Bänkchen, diese Statuen 
vor dem Busch, diese Stim- 
mung nach dem Regen , diese 
Blumen und diese Zärt- 
lichkeit duften nach ancien 
regime, und dieses Parfüm 
ist nicht auszudrücken. Die 
Szene flirtet geheim. Ein 
latenter Stil bindet sie auf 
glückliche Heiterkeit. 

Ein andermal reitet ein 
Herr mit einer Dame. Sie 
sind in historische Kostüme 
gekleidet , friderizianisch. 
Sie reiten in ausgeprägtem 
Rhythmus, alles fliegt und 
schwingt und freut sich, 
die Pferdchen und die 
Kleidchen und die Worte, 
die zwischen den beiden 
schweben. Da am Wald- 
rand steht ein kleiner Amor. 
Der Herr zeigt dorthin, 
vielleicht gar auf ihn. Die 
Sache ist klar, und der Stil 
tut das seine. In seinem 
Kostüm werden Geheim- 
nisse diskret. 

Dann ist es einmal 
August. Auf einer heißen 
Wiese sitzt ein Männchen 
mit einem Weibchen, der 
See ist rund, die Bäume 
stehen Wache, ein mysti- 
sches Blei liegt in der Luft, 
und die Szene wird zum 
schweren Gedicht. Dann 
wieder l dicken wir in ein 
Landhaus, zierlich hinter 
regelmäßigen Beeten, weiße 
Geländer und Pfeiler und 
Treppen. Unten sitzen die 
Damen und trinken Tee, 
oben lehnt das. Paar über 
die Balkonbrüstung in die 
helle Landschaft hinaus — 
der Stil besänftigt die Lei- 
denschaft, Menschen wer- 
den wie zu einem Puppen- 
spiel gestellt, die Natur 
wird zur Kulisse, und die 
Liehesworte tönen in ihrer 
ewigen gleichen Sprache, 
die sich in der irdischen 
Komödie unverändert wie- 
derholt. Phantasie zaubert 
die Liebesinsel : sie liegt, 
ein weißer Pavillon, im an- 
mutigen Park, und die 
Brücke, von .Amoretten be- 
wacht, führt hinüber, Frauen warten, und durch die Luft ziehen 
Lieder mit uralten Refrains. Die historische Phantasie der Liebe bleibt 
gern in dieser Gegend uin die Wende des achtzehnten zum neun- 
zehnten Jahrhundert, wo romantische Erregungen noch nicht ganz das 
galante Kostüm der Kavalierepoche ahgeworfen haben; der Jüngling, 
in selbstbewußtem Glück, braunröckig , sitzt unter Krühlingsbüumen 
neben der weißen Dame im breiten Kleid und porzellanzarten Binde- 
hut, sie blickt verschämt, er stammelt die Erklärung — bürgerliches 
Empire! Und wieder ziehen sich reiche Weitigehäoge zu Lauben 
zusammen, arkadenartig auf und ab sich wölbend, der Portikus der 
Liebe mit verschwiegenen Statuen und weniger verschwiegenen Kava- 
lieren und Reifrockdamen , die auf den abendlichen Brücken die 

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Conver&ation galante vollführen, nach 
dem reizenden Programm alter Ro- 
kokolust. Und die Liebe wird zu 
einem Kuß und der Kuß zu einer 
Silhouette zwischen Heckenwerk auf 
einer Bank, der Kavalier und seine 
Dame eine einzige vielsagende 
schwarze Silhouette. Und derselbe 
Kuß wird wieder zu einem kleinen, 
rosafarbenen Aquarell, das Paar, wie 
auf einer Causeuse halb einander 
zugewendet, mit den Lippen sich 
findend, und ringsherum ein orna- 
mentaler Blatt* und Weinkranz, der 
Rahmen des Glücks, die Vignette 
der Liebe. Und schließlich erstarrt 
der Liebestraum in dem süßesten 
Stoffe, den er kennt, im Porzellan, 
eine Porzellangruppe, in der der 
Liebhaber seine Dame kniefällig und 
bändeflehend um Gehör bittet, ganz 
Stil der amoureusen Epoche, ganz 
Nippes und Symbol der Leidenschaft: 
eine Figur, zur Erinnerung an 
lebendige Stunden auf den Kamin 
zu stellen. 

Das alles, was da vorbeizog, 
waren Werke Somotfcs, kleine und 
große Bilder, Buchschmuck und 
Statuette. Siebehandelten bald lauter, 
bald geheimnisvoller, offener oder 
versteckter das große Motiv. Es sind 
Gedichte. Das Leben ist zum Sonett 
geworden, und die Kunst schleift die 
banale Wahrheit zur blinkenden 

Facette. Kohlenstoffund Diamant! Iler Geist erfreut sich an den Reizen 
alter Stile, die die Vordringlichkeit der Erlebnisse hinter einer Patina 
beruhigen. Der Stil findet die Reime und die Refrains, durch die eine 
alltägliche Geschichte zum Volkslied wird, je alltäglicher, desto stärker. 

Nachdem wir so einen charakteristischen Zusammenhang zwischen 
einigen Somotfschen Bildern und Statuetten hergestellt haben, lassen 
wir Einzelbilder passieren, die uns allerlei interessante Ausschnitte 
auf diesem Theater liebenswürdigster Kunst zeigen. 

„Winterpromenade“: Zwei Damen im Biedermeierkostüm wandeln 
eine Straße entlang. Hinter ihnen, nach unten, ist Winterlandschaft. Ein 



schwarzer I )iener folgt ihnen ehrerbietig. Eine steife Gemütlichkeit geht 
durch das Bild. Man hört die Damen reden. Sie sind ja nur aus einem 
Wagen gestiegen, um sich etwas zu ergehen. Sie erzählen sich dis- 
krete Geschichten. Sie bewegen sich so kunstvoll im Stil, wie es nur 
Marquisen zukommt, die das Spazierengehen als Unterbrechung 
einer Wagenfahrt auffassen. Die Winterlandschaft ist ihr Fond, so steif 
und gefroren wie sie selbst. Und damit sie noch kälter und weißer 
wird, ist dieser Mohr da mit dem unendlich hohen Zylinder. Er wartet, 
bis die Unterredung beendet ist. Sie steigen in den Wagen, er setzt 
sich hinter sie, und der Vorhang klappt zu vor diesem Still »ildchen. 





Der Regenbogen. 


„Vertrauliche Mitteilung“: Jetzt ist es heißer Sommer geworden. 
Der Maler steht am Fenster und blickt tief hinab in ein grünes 
Dickicht, durch das ein weißer Pavillon schimmert. Gestern hat er 
sich gemalt, wie er in dem Pavillon sitzt. Sitzt er nicht eigent- 
lich immer in einem Pavillon? Ein schnurgerader Weg führt von 
da hinten unter den Baumen nach vorn, von den Schattenrissen 
der Blätter in der Sonne gemustert. Und ganz vorn auf der Bank 
unter dem Baum sitzen zwei weißbehaubte Mädchen und er- 
zählen sich etwas. Etwas Sommerliches, Geständnisvolles. Etwas, das 
im Sonnengrün dieser Bäume leise zittert. Der Maler nimmt den 
Ausschnitt und hält ihn fest. Die Natur stilisiert für ihn selbst. Der 
Sommer schafft die großen Einheiten von Menschensehnsucht und 
Naturgeheimnis. 

„Ein Selbstporträt“: Gar oft hat sich der Künstler gezeichnet, 
wie er sc gelegentlich ein Dach, einen Hof, einen Zaun, eine Straße 
zeichnet, was der Augenblick ihm bietet. Hier aber hat er sich por- 
trätiert: mit Bedacht und Liebe. Es ist die linke Hälfte eines ge- 
streiften Sofas, und Somoff liegt darauf, die rechte Hand über die 


Armlehne hängen lassend, hemdärmelig. Es ist Arbeitspause. Ge- 
danken und Wünsche ziehen durch seinen Kopf. Er sinnt. Er blickt 
in sich selbst. Kr sieht sich selbst und malt sich selbst, in braunen, 
grauen Tönen, unter Kühe pausierender Farben. 

„Ruhe im Walde“: Immer Ruhe und Ruhe, Stille der Porzellan- 
figuren und Stil der Altväterlichkeit, des behaglichen Besitztums. Die 
Bäume stehen dunkel-friedlich am Waldesrand, zwei Mädchen, weiße 
Mädchen mit weiten Röcken und treuer Sittsam keit, sind hinaus- 
gegangen, der Hund begleitet sie, der Maler bemerkt sie und 
malt sie, wie sie sind, ein Stilleben der Jugend. Er bittet die eine 
zu stehen, die andere zu laufen. Das genügt. Sie leben wie in 
einer Glasglocke. 

„Puschkin“; Somoff wird aufgefordert, zu Puschkin Illustrationen 
zu machen. Er verliebt sich in die alten Stoffe, die noch den 
Schimmer von Pariser Seide haben, ein wenig abgeschabt, aber echt und 
reich. Diese alte Grätin der Novelle „Pikdame“ mit ihrem Karten- 
geheimnis, von Dienerschaft gefolgt, zehrend von Pariser Erinnerungen, 
die bloß noch zu warten scheint auf Tschaikowskys Komposition, sie 


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ist Figur für Somotf, ein Kost ü mschattenb il d 
vergilbter Novellen. Und dann sieht man 
das Forträt Puschkins. Wie ein Bureau- 
inensch seiner Zeit, Medaillonform, Knie- 
»tück, am Pulte mit der Gänsefeder, zu uns 
blickend wie ein Schimpanse: so formuliert 
sich die alte Zeit im imaginären Bildnis. 

„Dame in Blau“: Von allen seinen Por- 
träten das berühmteste, ganz Wirklichkeit 
und doch ganz Stil, also ganz Somotf. Sie 
steht vor einem Baumdickicht, wie [man in 
alter Zeit stand, wenn man sich malen ließ. 

Der Hals ist frei, ein Spitzentuch mit 
Brosche darunter, die sie leicht berührt. 

In der Rechten hält sie ein Büchlein. Ihr 
breiter Rock ist blau. Das ist die alte Farbe 
der Empiregalanterie, die Farbe, in der die 
großen englischen Porträtisten schwärmten 
und das bürgerliche Kmpire sich still ver- 
gnügte. Ist diese Dame eine Kostüm figur 
alter Zeit, oder lebt sie unter uns, eine 
wiedergeborne Achtzehnhundertdreißigerin? 

Fs ist gleich. Sie ist das Kind eines künst- 
lerischen Willens, dem der Stil das Leben 
formt. Ihre Haltung ist erprobt, ihr Blick 
gegenwärtig. Wir kennen sie, denn sie ist 
die Muse Somoffs, die Geliebte seines Her- 
zens, die lebendige Schönheit verrauschter 
Jahre, Traum der Wirklichkeit und Wirklich- 
keit des Traumes. 

„Migräne“: Wie komisch! Vielleicht sah der Künstler einmal ein 
buntes Teeservice, wie es in den Servanten seiner Lieblingszeit zur 
Schau steht. Und er dachte sich dazu zierliche Hände. Und zu den 
Händen eine kränkliche Dame. Aber ihre Krankheit ist Kostüm wie ihr 
Kleid. Die Krankheit ist die Migräne, die ehrenvolle Gesellschaftskrank- 
heit, mit der man kokettieren kann, und die viele schöne Kissen auf 


Die Liebenden (Porzellan). 

dem Ruhebett erfordert und eine anmutige Lage und auch ein 
schönes Hemdehen zeigen darf, eine zierliche Rokokokrankheit, f die 
vielleicht gar nicht so schlimm ist und halb simuliert, um einen 
lästigen Besuch nicht machen und einen angenehmen empfangen 
zu dürfen. Und das Bild ist fertig. Die Dame, im Neglige, kauert 
in den bunten Kissen, in einem traulichen Interieur, und ist aus- 
nehmend hoch frisiert, woraus man schließen kann, daß ihr Kopf- 
schmerz nicht über die Eitelkeit geht. Das Täßchen hält sie in 
der Hand und hat die Erfrischung zu sich genommen. Jetzt 
blickt sie mit ihrem Kalmückengesicht auf uns, um uns zu sagen: 
Was gibt es Schmerzliches im Lehen, das nicht reizender Stil 
werden könnte? 

Das sagt uns Somoif in seiner Kunst: Die bitteren Erfahrungen 
des Lebens beruhigen sich zu einem Ornament, die Gegenwart 
wird Vergangenheit, das Kleid wird Kostüm, und alle Natur feiert 
ein Fest um unsere Sinne. Es sind die Heiterkeit und die Ver- 
söhnung, die in aller formalen Kunst liegen. Das Dasein wird auf 
eine weiße Fläche projiziert und in schwarzen Umrissen zurück- 
geworfen, die seine Wahrheit und zugleich seine Ironie sind, 
Arabesken voll Sinn und Bedeutung. Die Farbe ist Somoff nicht 
Ziel, sondern Mittel. Seine Palette ist licht und heiter, sein Vortrag 
locker und frei, und wie im Porträt kennt er in der Landschaft 
alle Bedürfnisse modernen Realitätssinnes. Er arbeitet nicht mit 
schablonierten Hintergründen und staffagehaftem Milieu. F.r beseelt 
die Gegenstände. Aber sein letztes Ziel ist kein impressionistisches, 
kein pittoreskes, sondern die Glut der Farben ist das Bild des 
innem dekorativen Wesens der Dinge, und ihre Harmonie ist die 
Symphonie ihres farblichen Kranzes. Schließlich verdichtet sich die 
Farbe zu dem Email, das wie in selbstgesehaffenen Zellen der 
Konturen als Miniatur der koloristischen Erscheinung leuchtet. 
Fällt die Farbe weg, bleibt die Vignette. Zu Büchern, Theater- 
zetteln, Programmen, Almanachen schafft er entzückende, phan- 
tastische Schmuckseiten, aus Küssen %ind Blumen, Müttern und 
Komödianten, Weingehängen und Porzellanreliefs, Frisuren und 
Hüten, Göttern und Silhouetten zusammengefaßt, die das letzte 
Stilleben seiner ornamentalen Anschauung darstellen. 

Somoffs äußeres Leben ist ruhig wie seine Bilder. Er ist 1869 
geboren [als Sohn des Konservators am St.-Petersl »urger Eremitage- 
museum. Er tränkte sich also frühzeitig mit fremder und arran- 
gierter Kunst und durfte als Liebhaber durch Galerien wandeln. 
Das gab den Stil. Er erleichterte sich in vielfachen Gesprächen 
mit befreundeten jungen Musikern und Dichtern. Das gab Klang 
und Poesie. Er befreite die Hand in Pariser modernen Schulen. 
Das gab die Eleganz und die Verve. Nun sitzt er wieder in der 
Heimat und zieht die Früchte seiner Entwicklung. Er mußte Russe 
sein, um alle diese Sprachen gleichmäßig zu beherrschen. 




Dame mit der_Maske (Porzellan). 


Berlin. 


Oskar Bie. 


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32 


Sfluftrirte 3 e *tung. 


51t. 3419. 7. 3<inuat 1909. 


2lus bet Deutzen 9knnfai[ott 1908. 

etrachtct man bic Ergcbnifjc ber Saifon auf 6 er Jlad) 
bal)ii, fo iciot fid) bas rctcf)ftc wiebcr auf feiten Des 
SDalbfricDcr Stalles, 6 er fd)ou in ben leisten vier fahren 
bas ftäiljte Oöetrinnfcmto gehabt bat. Tiestual beziffert 
jid) Das Hefultat auf 7204 B 7 .H, bas finö nur 17000.0 
weniger, als bie Herren o. 'IBctnberg in il)rcm heften Jal)re 
nerbuchten. Beinahe hätte ber in groftem Stil unb mit 
uielcv Umjidjt geleitete Stall einen neuen Meforb für 
beutfdK Berhültitiffc mifgcjtellt. 'illa* ihn barmt hinberte, 
waren neben Dem rclatiocn 'Berfagen jabula-s bie jwei* 
rache Terbnnicberlage oon f>orijont II unb Der Umftanb, 
bau ber befte Trci jährige, Jau|t, erft im Sommer Mir 
2 ltticm fam. 7 lur fcdjsmal geftartet, fiepte 6 er -Spröftling 
ber Jcftn cbenfooft unb lieferte fdjliehlid) mit ülG(KK) .* 
ben grünten betrag 3ur tfccwinnfumtnc feiner Söefibcr. 
Ein ungewöhnlich gutes Jahr <>attc bas prcuftijdtc 
Haupt gef tut «irabitt/ beffen (Seroinne jid) auf f» 994 (Sl 
beliefen. Es oerbaufte biefcit Bbfd)luf) feinem ausgc,)eid)* 
rieten Jipctjährigen material, feiner geftetgerten Unter* 
nchmungvliijt, jetnem neuen Trainer iH. Tat), helfen 
Kob audi tu Wert) t bejteht, wenn es ihm nicht auf Moftcn 
feines bod) mbicnftlicben Vorgängers 5 H. Ulknigh getollt 
wirb, unb bent (ülüd, beifpiclsrocife mit einem Bjerbc wie 
Slnllang ben Ghrofteii Breis non Hamburg 311 gewinnen. 
Jioi|d)en biefen beibett Ställen unb benen Des Jrhr. Eb. 
ü. Oppenheim, bes Hrtt. 0. firnig»Bud)hof nnb bes Jtnt. 
v. SdjmicDcr mürben bie Hauptlämpfr auf brm grünen 
VRüfcn geführt, uuD es toieberfyoltc jid) Damit bas 2 d)au< 
ipicl ber letzten Jahre, Dem nur bas gegen früher wirf» 
famere Eingreifen ber Ställe ber Herren ')t. Mlännc unb 
V. 'Ua fiteifer, ttveier weftöeutfdten (ürofoinbuftricllcu, eine 
fleinc Vlbmcchflung verlief. 

(Ein Biicfbltd auf Einflclhcitcn bleibt| ( 3unäd)ft anTDcu 
Treijähvigen haften. 9 lls mir im Blän hier eine Orion* 
tievung über Den Tabgj ahrgang vcrjud)tcu, [teilten mir 
Sauft an Die Spitte feiner Bltersgenoffcu. Tiefes Urteil 
hat fid) als ridjtig erroiefen, trenn and) erft nad) bem 
Terbi). Ter 2 Deinbcrgfd>c Jud)s mar, an einem Uber« 
Dein laborierenb, bis 311m Wuguft uont Mampf platte fern* 
gehalten; bann gewann er ein Wanten nad) bau anbern 
unb ging tingefd) lagen ins üBinterqtiartier. Er holte fid? 
auf beitt Babcitcr Jubiläumsmecting brei grobe Mott» 
flirrenden uit& oollbradjte namentlich im %trin.)«f>cnnann« 
oou»2ach1en*Wieiniar BJcmarial, roo er ben um bas Jahr 



Herrenreiter £?t. ©raune ( 15 . Ulanen). 


Tct zweite JTiclb unter Den 4 Ueitibcrgfd)cit Xretjährigctt 
mar Horizont ir. Er lief in Dreizehn Wonnen, gewann 
nenn, mar Dreimal placiert unD einmal im gcfd>lagcnett 
Treibe. Er mufttc, Da Jault um biefe 3 eit nicht .^ur 
Verfügung ftaitb, bas üftcrrcid)ifd)c nnb bas bcutjdjc 
Terbt) beftreiten unb in beibeu jid) mit bem .^weiten 
Blatjc bcjrf)cibcit. 3 n ienern bejmang er bic öftcnrcid)ifdv 
ungari|d)cn Teilnehmer, aber nicht Den burd) Den tiefen 
©oben fohr begüuftigtcn Wufcenfeitcr, beit Muffen Jntrm 
gaut; in biefent imirbc er oon Sieger gcfdjlagen, Den er 
eine 9 Bod)e jitpor im (üröjjen Hanfaprcis hinter fid) gc- 
laffett hatte. Horizont ri, ber fein erftes Bennen im Blai. 
fein Iciftcs- im Cltober gewann unD im Kaufe Der Saifort 
allen Terbtjpferbcn in anberen Ställen bie Eifen gc3eigt 
hatte, jeMte fid) in feinem Jahrgang als bas .gi hefte unD 
nad) Jaüft befte '|>ferb burd). 

• ,jrhr. o. Oppenheims Sieger hatten feine ungleich mäßigen 
Keift ungen im Vorjahre ben Muf eines bloh fd)nelleit '^ietDes 
nerfdiafft. Er bewies bas tfte genteil in bem ffiroften 'fircis 
pon Hamburg, wo er mit 7 ,» kp mehr auf bem Wücfen fid) 
nur oor IHnllang beugte, uttb uor allem in bem Terbt), für 
Daser im fdiärfjtcn Training auf bicSJtinutc fertig gcniad)t 
worben war. Ta er rtad) biefent t)öd)ften Erfolge in Der 
weitem Mlrheit nadjgab unö nicht mehr auf Der Wenn» 
bahn erfdiien, blieb bic Jahl feiner Starts auf fünf be- 
fd)ränft, oon benen er noch ben int Ueipjiger jirühiahrs» 
preis 3.11 einem Siege gcjtaltct hatte. Seine fficwinn* 
furnme betrug 1122 : 10 ^. Sein Stallgefahrte f^or Et>er, 
Dem manche Beurteiler im Frühjahr eine faft ebenfo gute 
Tcrbgchancc 3ugefprod)en hatten, mar pcrfchicbeneu Stönm- 
gen in ber ©räparatiou ausgefeht unb würbe im Herbit nicht 
mehr hnausgebracht. Jit ben Kots Der batjerifchen Sports- 
Icutc unb Jüchter 0. Kang*'f.hid)l)öf nnb Pr. 0. 3 d)mieDer be- 
f an ben fid) twei Treijährigc, Die nad) einjähriger ,Tfortit 
für bic flaffijd)cn Monfurrenjen mit in Wcchuung gezogen 
würben. On uid)t vu billigcnber 'JUeifc, weil leDtglid) auf 
Eminb eines leichtert Erfolges in einem mittlcm Wcnnett 
unb mit iHüdficht auf Slbftatnmung unö Ettericur, gab 
matt ffmon (u. 2 lrD Batrid a. D. Hnfres) ben Sor^ng pot 
Vaja330, eine Mlaffift^ienutg, bereit llurid)tigfcit benn 
and) grünDlid) burd) bie Trctjährigntlauthahu ber beibett 
Dargetan würbe. Hüou fd)liig 3ipar fünfmal mäßige Ocgncr, 
lief aber im Terbt) nur totes Wonnen mit Barrifabe atii 
bem Dritten BU1I3 unb fpielte überall, wo er auf bic erfte 
Mlaffe traf, eine geringe Wolle. Tagcgctt pennod)tc Der int 
Terbt) nid)t engagierte Bajauo bie Union 311 gewinnen. 



Herrenreiter Sl. Jahrmarft. (©hot. Jrranj’Mühn, 'Berlin.) 


Herrenreiter Kt. o. IRaoen ( 9 . Ulanen). 



. «' : ) 

Herrenretter Kt. o. ©numbarf) 
( 3 . Hufaren). 


mtb ) wc i Milo bcgiiuftig» 
teu pierjährigen Tcffon, 
ber in Belgien jur guten 
lioctteu Mia ff e gehörte 
unb fpätcrin Jranfrcid) 
fcf>r ad)tbav lief, fpielenb 
abfertigte, eine ßeiftuug, 
bic ben Entfd)lnf) Der 
Herren 0. Weinberg, ben 
Hcngft ,|ur} Teilnahme 
am 'fjriv , bu Eonfeil 
Wuntcipal nach Baris 
311 cutfcnbcn, perftäitb* 
lid) machte. Keiber fam 
er nicht vurVlusfühning, 
weil Jauj t fid) in Hoppe« 
garten, unb (war am 
Tage bes Staatsprctfes 
erfter Mlnffe, auf bont 
Wege )uriReimbahtt eine 
Ertrataur leiftete, Deren 
nicht weiter bcbeitElid)c 
fvolgcu immerhin eine 
Banfe im Dollen Trai» 
uiug uotwenDig ntad)» 
tcn. BJit bent 
tDiirbe'aber cine auberc 
Erpebitiou im C ft ober 
unternommen, als Ja- 
bula nicht bic Jornt 
geigte. Die für it>r Kaufen 
int Wiener Buftriaprcis 
als erforberlid) angefehen würbe. Statt ihrer 
crfdjicn Jauft auf ber Jreubcnau, unb er ge- 
wann als hciB« Jaoorit bas reidje Jliegec- 
rennen Sicher gegen Don hoch erprobten Jan* 
tönte, ein Sieg, ber bas Rönnen bes bis bahin 
ftets über längere Tiftanjcn perwenbeten 
Hengftes in ein befonbers helles Kid)t rücfte. 


fogar Hoviiont II in 
einem Blntd) 31t fchlagcn 
unb and) fonjt mehrfach 
weit beffer als Der Trai« 
ninggefährte abtufchnci* 
Den. EiraDig uevfügte 
bei Beginn ber Saifon 
ri»r bie grogen Entfchci« 
bimg ett über «iolögul- 
ben, BnElang unb Ma* 
tabu II, Die als 
jährige in Englanb ge* 
arbeitet worben waren, 
Bon ihnen fam (fcolb* 
gulbcn, ber bis 311111 
Juni Des Jahves Drüben 
geblieben unb nach goei 
anfprechenbcn Erfolgen 
in Epfoiu unb 'Jlew- 
tnarfet erft 311111 Eiroftcu 
©reis oon Ham luirg 
in bic Heimat ,3iirüct* 
gebradjt worbcit war, 
wegen Kabiul>eitser|d)eb 
nungen gar nicht tum 
Kaufen auf bcutjd)er 
Bahn. Entlang holte 
fict) mit liemlichem cülücf 
bas reid)boticrte!Weimeu 
in Eiroftborftel, würbe 
Dann im Terbi) reiterlos 
unb bewies burd) feine 
fpüteren ßcijtungcn, bah er Durch Den Stur,) 
in bem flaf[tfd>en Hauptrennen feine gvoge 
Ehattcc begraben hatte, ftafabu II aber, ber 
als cüeringfter in Dem Icr3ett galt, würbe 
fd)liehlid) ber (üewinureidjftc; er entpuppte fid) 
als ein crjcllentcs Bleilcnpfcrb unD fertigte 
im wcrtpollen Baijentprcis eine Jabula ab. 



3f. Bullocf, ber in Teutfchlaub erfolg» 
r<id)ftc Jodei bes Jahres 190 «. 

(frfolgreidie Keiler ber Kenn^aifon 1908. 



Herren rcitcr ÜB. Sdpilj, ber belanntc 
Spc3ialijt für Jlnchrettnen. 


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9tr. 3419. 7. 2>onuar 1909. 


3lhiftrirte 3 e ^ n 9- 


33 


Kod) überrajchetibcr war bic EntwicHung bes CS»raöit|CT Süb* 
ring, bcr im Silbernen Sdjilö zu Hoppegartcn Koicftwcnjfu 
fd)lug unb fid) im fjcrtefelbrcnnen 3 wifd)en Horizont II 
nnb ©ajazzo placierte, 'tiefe Leiftung roar ber Ülnftoß 
m feiner Enticnöung uad) ©ubapeft, bic fid) leiöec mit 
mancherlei Krißgefcbirf unb Ungofcbtcf vcrfnüpftc. 'Cot 
$cngft würbe im St. Leger oon üRaxim gcfd)lagcti unb 
enbetc im Rodeiflubpreis infolge flauer ©ace über 2800 m 
hinter zwei ausgefproebenen Sfeilenpferben. 3wei Stuten 
enblich, ©lauf trumpf unb ©alopabc, bic fid) ab 3i»eijäl)rige 
bemerfbar gemacht b Q rien, enttäufd)ten 
völlig int britten Rabrc. 

©on ben älteren ©ferben muhte ber 
fchwer ju trainierenbe ©rabißer Ham« 
murabi, ber Sieger im vorjährigen 
©roßen ©reis non ©aben, nad) betu 
erften kennen, bas er an Rgnis verlor, 
vom Sd)<mpla£ abtreten, um in« ©eftüt 
31t toanbem. oein bartnädiger ©cgnei 
au 5 bcr vorigen Saifon, ber eben* 
genannte üBeinbcrgjd)e $»en^ft, blieb 
zwar auf ben ©einen, rcprobujtcrte aber 
nicht bie frühere ftorm, ba er mir bxei 
uon neun Kennen gewann. Er traf 
fid) mehrmals mit Jim, v. Schtnicöcrs 
Kojeftwcnffi), ber oerfd)iebentlid) gut 
lief, ivcnn er and) nur ein Keimen 
fiegreid) beftritt. ^abnla berief fid) 
uorjug&toeife auf ihre früheren y et- 
ftungen. fünfmal au ben Ülblauf ge* 
fdlidt, gab fie ihr ©ejtcs mit bem Siege 
im durchgängerrenncn. Kad) ihrem 
Erliegen gegen Jtafabu II nahm bie 
großartige Fliegerin, beren Kcroofität 
ioicber geftiegen roar, ülbfcßicb oon ber 
Keunbahti. Ein feltenes Experiment 
gelang mit bem alten Signor, ber einft 
als $rcijftl)riger in 3 -rijr. Cb. o. Cppen- 
heims Stall gi ben Erften feine« Rabe* 
gang« gewählt unb unter anberm ben 
©roßen ©reis uon ©erlin gerammen 
hatte. Kad) mehrjähriger lätigfeit im 
pjeftüt in Training genommen, lief 
ber Saphir* Sohn zehnmal unb ftei- 
gertc fein Können allmfttjU<h fo tocit, 
baß er von ben erften f>crrcnrciten 
zu größeren HanbiCaps überging 
unb bei vier erfolgreichen Starts 
zwei fo gut botierte Monfurren.zen 
wie ba« Harzbnrgrcnncn unb bas 


ber bort in ben Eritcrion Stales ein |tattlid)es Reib fd)lug. 
ÜBicoicl biefer Erfolg aber aud) roert fein mag, noch bcr 
öffentlichen Rorm in dcutfd)lan& muß junfl^ft Rcrpor 
als ber bei teRwei jährige angefprochcn iverbeu. der oon 
©altcc ÜRoou* a. b. Rcfta gezogene Hengft, bisher ber leßtc 
lebcnbe Sprößling ber großartigen Stute, galt oon Ülitfang 
an als ber SRatabor unter ben üBeiubcrgfdjcn Röhrlingen. 
Cr rechtfertigte bic tyol>c ÜReinung in feinen erftcit beiben 
Kennen, holte fid) bann freilich brei Kieberlagen, bie leßte 
gegen ben um 8 kg begünftigten Ülrnfrieb im Rratilfurter 


größten <&efd)i<nidjfeit im Training ncrbunbencs unb burch 
bie uollcnbctc Aunft bes Ülbwartens ge tenn zeichnete« 
Klanagement. Cr verlor frühzeitig feinen heften Steepler 
©tinus, bem rine Expebition nad) Uuteult bas lieben 
foftete, vermochte aber mit einem mäßigen ©ferbe raie 
Hans bod) ben ©roßen ©reis von ttarlsqorft , Insgefamt 
82950 .4, ju gewinnen uub bilbet in bem fed>s jährigen 
Helgolanb wie in bem vierjährigen Ealvello iSauptjtiißon 
für bic großen Atonfurrenzen bes nädjften Rohres heran, 
der um ein Rahe jüngere ©ruber l£aloe II o<=. r Erbend) in 
Hrn. ÜB. Xobcls ©efiß, erwarb fid) 
gleich ©raf L. Hendels Ehatticrops ben 
Kuf eines fel)r guten ^ürbenpferbes 
unb brachte mit bem ebenfalls oon 
Ealuelct) abftammeubcu doppelgängcr 
im Stalle bes Hm. E. o. Wracfer ben 
Hamburger ©efcijäler auf bcr H»nb«niis* 
bal)n ju befonbeten ehren. 

der ebenerroähnte große fttatenti* 
ftall fam biesmal nicht ,)u bcr h°h fn 
Sieges* unb ©etoinntfffer von 1907, 
ftcl)t jcboch mit 185 045 .# wieber an 
ber Spiße. 3l>m folgt bcr bes §m. 
ft. o. iepper» k.'asfi biefjt auf mit 
180545 J4, unb an brittcr Stelle ijt 
ber bes .f>m. ÜB. dobel oerieidmet, für 
ben namentlich ber dolio»A>cngft dom 
einige gute Kennen geraätm, bis ber 
Sechsjährige fdjon ülnfang bes Sorn* 
mers oon ber ©ahn oerfd)ivanb. da« 
geioinnreichftc fiinbemispferb ift ber 
bereits genannte Jöans* bem bie vitv 
jährige Silcfia bei ctraas mehr ©lüd 
biefen ©lag ftreitig gemacht hätte, die 
Stute war bas beftc ©ferb in ihrem 
Rahrflöng neben ÜRignon unb doppel* 
gängcr. Sie würbe auf ©mnb ihrer 
guten Stiftungen uod) am ©iibe ber 
beutfehen Saifon nad) Ülutcuil gefanbt 
uub lief bort, vom £anbilappcr über^ 
mäßig angefaßt, in zwei Kennen, in 
benen fie 311 Wall lam, wonach ein 
weiterer ©erfud) unterblieb, ©vn ben 
©eteranen mad)ten fid) dhu mir nix 
uub Stcrini) Cccan bemerfbar, neben 
benen and) zwei ©ferbe im ©efth 
fäd>fifd)cr Offi, ziere genannt feien, 
Kincompoop unb Socratcs, bie ihre 
Eigentümer in ber ©icwinnlifte hoch* 
brachten. 



I)ü5 erfolgreichste ^3fcib ber beutfäen ^Hennfaifon 1908, ber 3j. g S® u i* 

(T<r ©enfllt bracht« leliun 8eb0em. ben Herren II. unb d. TOeinbets, tn lec&s Steimen 21*000 .4 ein.) 



Sto&oogcl (©«fißer ba« R 5 ntglid)e ^auptgeftüt (Srobiß). Sreroor (©efißer bie ßmen üh unb CE, 0 . fBeinberg). 

liniere ausfid)tsrtuf)[ien 3®«i^gen. 


Ebgarborenncn in fioppcgartcn gewann, was für ben 
©cfitjer, ^>rn. o. Äöppen, einen ©ewinn uon 24000 .4 ergab 
unb für ben drainer Kobinfon eine vorzügliche Empfeh* 
lung hcbcutcte. £dn; fei auch iJocfentc erwähnt, eine aus- 
vangiertc ©rabißerin in ber Obhut bes ehemaligen ©ra- 
öißer Iratners K. ÜBaugh, bie halb auf ber öriiberuis», 
halb auf bcr Rlachbahn erfchien unb auf lct|tcm mit brei 
ber größten )>anbiraps ihrem Eigentümer 31000^1 gewann. 

©on ben 3 cori jährige n fpredjcn, heißt von©rabitz reben, 
&as ein Cot ber Rüugften auf bie ©ahn brachte, wie es 
gleich gut ber fisralifdje Stall feit langem nicht befeffen 
hat. Seine 3*»ri jährigen, etwa zwanzig an ber 3«hf. fK* 
wannen faft alle ihre Kennen; es war ein förmlicher 
driumphtug, ben btefe dräger uon ochwarzwciß feierten. 
Ülls ber Erfte unter ihnen gilt Stoßoogel, ber feine ftlaffe 
aud) im 3 ufammentreffcn mit öfterreichifcheii ©ferben in 
.Mottingbmnn feftfteUte, wo er ben ©reis vom ^elenental 

S egen bie ftch fpäter in erlefener ©efctlfchaft bewährenbe 
öff leidjt gewann, der leßten ©robe feines Äönnens 
mußte er ausivrichcn, raeil er vor bem ©reis bes ÜBinter- 
faooriteit vom ©erfchlag befallen würbe. ÜU& Sieger ging 
aus biefem Kennen hervor hcroot. hinter bem ber ©ra* 
bißer ülmfrieb enbete, ber in feinem Sdjlußgalopp gegen 
Stoßvogel ben lürzem gezogen hatte, ©orijer war Stoß* 
uoge I einmal mit bem ÜBeutbergfd)en v>eugjte gelaufen, 
in bem ©abener 3 ufunft«rennen, bas wiber allgemeines 
Erwarten zwei Rfranzofen in Jfront fah- 3n leßter 
Stunbe hatte überbies uod) ein zweiter «irabißer auf fid) 
aufmerffatn gemacht, ber in Englanb trainierte ©utfreunb, 


©olbpofal, unb fd)ältr fid) erft in ber Schlußprüfung als 
bcr SDinterfavorit für bas näd)ftc derbt) heraus. Er war 
ber einzige, mit bem ber ÜB ein bereif d)e Stall bie Superio» 
rität oon ©rabiß xoirffam angriff; oon feineii übrigen 
3 tuet jährigen vermod)te fid) feinet h crt)öt ri«ttm, aud) 
Rtiamor nid)t, ber nur einmal in einem Kennen lieg* 
reich war. Swirtigal, ein ßcngft bes Rrrhr. v. 5 tele« 
ÜBincfler, bezwang ihn im ©altee*9Roore*Kennen, ber 
Eirabißer Steinhammcc fdjlug ihn im Ralfcnbaufen'üJtemo* 
rial. da ber Erftgenannte nid)t raieber auf bie Sahn 
lam unb Stcinhammer, ber Süöring auf bcr Expebitiou 
nach ©ubapeft begleitete, bort im St.*Cabislaus-©Tcis 
mit bem vierten ©laß oorliebneßmen mußte, fo finb aud) 
biefe beiben 3 wcijftl)rigen fchwcrlid) beffer als öm.SUönncs 
Ehancellors Sanith, bcr dritte im ©reife bes ÜBinter« 
faDoriten, unb f)rn. ©afheifers ©efing, bcr mehrfach auf 
gute ©läße voebrang. Sie alle finb mit &ri)r. Eb. u. Cppen* 
heims auf ben Sieg im ©afcbow-Kctmcn befchränlten 
Oranier erheblich unter fVcrvor, Stoßoogel, Ülmfricb unb 

Oliv 3 U ft eilen, da aud) biefe ©eften etwas burdjeinanber 
liefen, gewinnt es ben Ülnfdjcin, als fei ber ganze Rahr* 
gang nid)t gerabe fonberlid) geraten. 3 u vermerfen ift 
nod) bet Rufallsfieg Samiels im ©reis von dhüringeit, 
weil er gleich bcr ©lacierung oon ©almamm draüarum 
in einer ungewöhnlich hohen dotalifatorquote z^m Ülus- 
bmcf fam. 

Üluf ber .ttinbemisbahn machte fich wicber bcr Stall 
bes tfirn. ft. o. Icpper-ßasti geltenb, nid)t fo felyr burch bic 
©ortrefflichltit bes Klatcrials als burch fein mit ber 


der Kciter bes fiegrcidjftcn $)inbemispfcTbei) (J>ans) 
hält aud) bic Spike ber erfolgrcidjcn Herrenreiter, Leut- 
nant ©raune, ber hunbertfed)sunboierziflmal in ben Sattel 
ftieg i achtunbfünfzigtnal Erftcr, fiebciuinbbreißigmal 3wei 
ter, zuxiwttbzwanztgmal dritter würbe. Kuf ben Rünf- 
zehner Ulanen folgt fir. Rahnnarft mit 104 Kitten unb 
31 Siegen, auf ihn bcr ehemalige Ehevaulegcr Dr. Kicfc, 
beit im Herbft eine fd>were itranfheit bem Sport fern 
hielt, mit 62 Kitten unb 28 Siegen, dann erfchcinen in ber 
Lifte fit v. Kaven (9. Ul.) mit ebenfalls 28 liegen bei 
94 Kitten unb fit. o. ©aumbad) (3. Huf.) mit 22 Siegen 
unter 93 Kitten. Kn achter Stelle finbet (ich 9W. Lüde, 
ber von 85 Kitten 19 zu Erfolgen gef faltete, an nächfter v>r. 
v.ÜBalknbcrg mit 18 Siegen unter 66 Kitten. £>r. ÜB. Schulz, 
bcr befannte Rlc«hrennfpe,zialift, ritt oicrunbbreißigmal unb 
fam fethzeljnmal als Erfter nad) iSoufc. 

das Ehampionat unter ben Rodcis auf ber ftladv 
bahn fiel ©ullod, 6 cm Rodei bes gewinnreidjett ©rabißer 
Stalles, mit 67 Siegen unter 241 Kitten zu. Kach ihm 
rangieren R. Kciff mit 53 Siegen (18« Kitte), CVEomior, 
bcr nächftes Rahr burd) ben ausgezeichneten Ülmcrilattct 
Kotter erfetjt wirb, mit 51 Siegen (165 Kitte), Shau\ ber 
erft im Ruli fein zweites Engagement in dcutfdüaitb ein- 
trat, mit 29 Siegen (127 Kitte) unb Korb mit 26 Siegen 
(179 Kitte). Unter ben Rodeis auf bcr .C>mbcrni*buhn 
hat fid) ÜJlartin mit 28 Siegen bei 108 Kitten bic erfte 
©ofition erobert; ihm fdzlicßcn [ich brei fd)on langer 
bewährte Rodeis an, Lippolb mit 25, ©aftian unb ©rin teil 
mit je 24 Siegen. 


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9Rr. 3419. 7. Januar 1909. 


Slluftrirte 3 c ^ un 9^ 


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pla[tifd)c 5iarifaturcn. 

H ufcrc ift ber ftunftrichtung, 
bic fid) mit bcr Mmifatm bc« 
ta&t r befonbers güitftig. 3 n SBort 
unb Bilö wirb ba befamttenwiie 
»ielcs unb DorjüglidKö gefdjaffcit. 

Xie ' 43 lo 1 tif öagegeit oert)idt fid> 
bis vor furjcm inbiffcrentcr, »mb 
erft neucrbings finben wir and) 
ba Wnfätje, mannigfaltiges Mat«* 
xial ihren mitjigen IHnfäLlcu bicnjt- 
bar ju machen. Slls tiir.gid) ba* 

.sSotyen^olknt • ituu|tgcu)crbcE)QU ‘3 
in Berlin öeu Berjud) machte, 
in einer WusfteHung, bic and) 

T ragten puppen umfaßte, bic pla« 
ftifd)« ftarilatur in ihren iieuftcn 
Meiden oor^ufüijreu, geigte es fid), 
baß Sport, Wöbe, Diilitär, bic 
Munftwelt, bic holbe Mciblichfcit 
mtb aud) bas Spicljcug eine 3-ülle 
von Motioeit für bic Bet ätigung bi «• 
fer Shmftrid)tung gegeben tjatten. 

(Es muh jugeftanben werben, 
bah öabei eine htroorragend fdjarfe 
Beobachtung für bas (Sl)«rnttcrö 
ftifd)« unb Jlomifd)« tu tage trat; 
onberfdts fann man nid)t behaup- 
ten, bag btc 'Dloberuen ben alten 
bumoriftifchcit (E r 3c ugntffrn überleg et t |iitb. Tiefe waren in ber SR egel weit bauer hof ter, liebe • 
»oller unb jorgfältiger gearbeitet unb »or allem aus Jd)öncrm DlutCTialgemacht. Mau fal) 
in einem Gplaslafteu oltd)incfifche mtb altjapani[d>c Äarifaturcn aus Cfabcit, Dd)at mtb 
(Elfenbein gcjd)ttitten, bic jufommc n gerollte Öl ff cn, Heine, bicfbäiidjige Me?tfd)enwefcn in 
albernen Stellungen jeigten, welche beluftigenb unb burdjatis nid)t obftöftenb, ja fogar 
fompat^ifd) roirften. Tas rann man oon ben mobernen Maritaturcn beim beftcn 
Millen nid)t immer fagen. Srödeliger Chips, Flanell, Rapier »mb Stoffenen, rol) 
bearbeitetes 4 >ol,i rönnen ba wirtlich teilten Dergleid) ausl)nlten; l)icr*u romntt bic 
faloppe 9 Uisfüt)tung. Ter mittige (Einfall be* ttaitgrn umjj alfp fajt für ju oiel ent> 
fd)dbigen. Eli* eine Ausnahme ba»on barf man moljl bie Ontarfien oon Stephan 
Mrotowffi in Berlin aufchen, bic berühmte Männer aus ber 'Dl iififerroclt öar|tellen. 
Ilm Slrtur Ditifd) ju larilieren, bat ttrotowfli uid)t weniger als elf Derfdjiebenc JfiöUer 
jufommengefetg, unb um SRidjorb Strauft ins ftomifchc 311 übertragen, waren fogar 
ad)ttehn Qotyirteii nötig. Datürlid) folgt bet plaftifd)« Äarilahirift aud) bantit bem 
Jnge nuferer 3 *lt, weint er oermeint, mit ben geringften 'Mitteln 311m v -fide 311 


bas aber uerhültnbmüfjig wenig abgebaut worbeil ift. (Ein woben • 
lofer Sfiläufer, ber fid» in alle möglichen »ermegenen Stellungen 
biegen läfct, fällt als beionbers gelungen auf. Sein (Erjeuger, 
Marl Staubinger in Tctd>au, bat jemjt noch in äbnlid)er Mcijc 
hergcftellte, in Stoff geHcibctc ^auemtrjpeu in ^»otj gefdjniBt, 
bie tutrUid) lontifd) fittb. (Eine (bruppe ucni (Esfintos unb 
Somojebett mit fel)r printitioen, aber auffdllig gut geniadjten 
.vtuitbegeipanneu, ruffildjes Spirticug, nad) (Entwürfen bcs Dlalers 
'Bertram, offenbarte oiel feine Beobachtung. Überhaupt war auf 
bem (bfbict bcs Mleinrram&einc Menge jujainuKiigcbradjt worben. 
So l>attcf« unter anberm '^batttafie unb ilftd)cningrebtcn3ien 
Cubwig Stu^ 3U neuen Meiiütarten begeiftert, oou benen bie 
rneifteit fetjr witjig ausgefallen waren. DJir Ijabett Ijirrnuroicr 
baimtt hcratisgegriffcu uub unfercr Tamemoelt oorgeführt: einen 
Ulffett, bcjfcn runbes Bäuchlein oon einer Maftanic gebilbei 
wirb; einen 'Pfefferfreffer, beffen Sdjnabel früljer einmal eine 
Jfmmmcrfdjrre gewefen i|t; ein Dilpferb, beffen breite, bitte 
Sd>nau3e mit ben Ajmuer^ähnen ein tibampagnerforf mit odjnup 
enben bilbet, unb ein« SlDlcrmuttcr, bereit gefträubtes rtefieber 
oon einem halben Micnapfel h«rg cf teilt tonrbe, roötjrfub bte f^iauni- 
fleibdjen ber brei l>mtü er i£> cn ^ bierrangen brei graue, fleine 
Meibeufägdjen waren. DJart fieljt, bcr V) 3 t)n«ttafie unb bem 
wuitbcrlichert Material waren hier [einerlei Sdjranten gefegt. 

Unter bem bunten, luftigen ©ewimmel bcs lartÜerien Spiel- 
^eugtrams fiel ntand)«s )Jteue auf, 3. B. ein gefdjwollener Dogel, 
ben man oergebens in ber Daturgefd)id)te fud)t, uub ber als 
Sparbüdjfe gebadit war, iit bie jebc* (ftelb|tücf unrettbar oerfintt. Überhaupt waren ben 
alten SparbiKblenniotiocn neue Seilen abgewonnen; oiellcid)t tjclfcu uns biefc breit 
lädjclnbeu, oerfdjmibtcii Mäuler auf ^ollmonbtugdn unb bie blauen Dicbcrmcicrfdiatullen 
ba,3u, bie empfohlene altpreugifd)« Sparfamteit leid>ter burd)gifüt)reu. Unter ben 
gebred) feiten 'Jlrbeiten gab es ebenfalls oiel duftiges, iveruer erfdüenett neue ^igarreib 
abfd)neiber als fleitte, tongctnetctc Masten mit einer Dtedianit. Daörififfcn waren als 
runbliche Bäuerinnen mastiert, bie feiner ohne ' 4 iiranterie fpitfen bürfte. 'ilud) war ein 
töönig ba mit einer fdnvar^en Scibcufoutane über bem runben Mottebaud), ber wirtlich 
etwas »on einer Märd)cnfigur ott fid) h^k ttnb ebenfalls als DabdNffen biente. Ter 
Münftler aller biefer Sachen war (f’l)reuberger in München. 

(Eine 'Jlttrattiou erften Danges meinte bas inobct^ollcnt * itiinftgewerbehous feinen 
Bcfud)crit mit neuen „Berliner" Münftlerpfcfferlud)«it 31t bieten. Gin grimmiger -'ittmor, 
wie bas nid)t oubers 311 erwarten ift, feierte ba feine Triumphe, unb man burfte nur 
hören, bah es in erfter L'inie Heinrich ^ilte unb 'ilttguft ©ajbud waren, bie ihre Dhautajie 
31t (Entwürfen in ^uderguft unb ,>arbenriecffett ongeftrengt hatten, um 3U wifjett, bag 
man bei biefeu Bfefferhichett tms Mort „'lifeffer" befonbrrs beutlid) ans jufp recl)en 

Original from 

THE OHIO STATE UNIVERSITY 


tommett; aber man braucht als Brfd)auer fchlieglid) in feiner 3cit nicht fo brin 31t 
ftecTcn, um baoott ausnahmslos rntjücft ju fein. Ter Unftern bet Übertreibung jteljt, 
bie bcluftigcnbc Mirtung fdjäbigenb, gar ,3n oft über ben ßeiftungen bes Mi^cs unb 
ber ßaunc, unb bod) ift onerlanutermaften iit ber itarifatur bie Slnbeutung fet)lagenbet 
als bie auf bie Spitje getriebene 'ilitsführung. 3 u ben beinahe peiiilid)eu Tarbictungen 
biefer 'ilrt tonnte man wähl ein« Tomp teufe oon iVrait.i Ghriftophe unb eine Ba riete fängerin 
von ßeonharb rechnen. (Einer andern 'ürbeit bes letjtern, „tjinfnüpfung", bie wir hifr 
bilbUd) barf teilen, fehlt cs utd)t an Sdmeib unb ^ifanteric. ^luch über bie „Berliner 
Blumenfrau“, frei nad) JiUe aus Stoff mobelliert, lod)te mau itid)t oh*k Börbel>olt. 
Tie w 3 nbi»ibuellen M oon .fiatts 'Jiolpa unb bie „Clcoufine" »on 3 «lob Dioeit tarifieren 
bitter unb nidjt fdjr funftooll 3 luswü<hfe in beit JfTaiienbejtrebititgcn. Dian lenit beit 
Sd>öpf«r bcr „Ölcoufine" jcbcnfalls mehr fdiiitten, wenn man feinen holtgefebniigcn, 
gefd)inrt<h)»ll bemalten Ton Cuid>ottc unb Saitdjo Vflanfa, eine plaftifctje .Marifotur, bic 
and) räumlich bebeuteuber ausgefallen ift, betrachtet. 

Tas eittfige Sictjabhaipdu um ßebeusgeituH unb bas Bemühen, fid) trnftuoll 311 
erweifrrt, wie cs ber Sport mit fid) bringt, geben ber Maritatur ein bantbares (Emtcfcib, 

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3nuftrirte 3«lhing. 


3lt. 3419. 7. 3onuar 1909, 


hatte. Bühnertgröften, bcr unvermeidliche Gcbutjiiiann, 
bet „Mcffing“, allcrl)anb fonftige [chatff)ciftc Motive 
unb fchlieftlid) aud) [d)on für Meihnachten bestimmte 
(Sobcii würben ba von einer niedlich foftimiierten Bfeife** 
tüchlerin feilgcbotcn. Von ben Rarifaturen führt uns bcr 
Meg an frrofcf)* tmb fonitigen Hampelmännern fowie an 
Märten mii grünen, rollenden Augen vorbei 311 ben 
Marionetten. Tic tyer 3ur Sdjau gejteüton, meijt alten, 
echten Marionetten aus ber fRototojcit, oielfad) italicnifctjec 
Hcrfunft, übmafchten burd) ihre braftifche Tarftcllung, 
bic ganj aus bem Nahmen beo fonft jo füften Nofoto* 
jeitatters ^erausfällt. Tos Hauptcnjcmblc btefer fleineu 
Tbcaterwelt war fehr »ollftänbig; denn es präsentierte 
faft alle fejtftehenben Gborafterc ber (lonimebia bell' Arte. 
Um ber Ginbilbungsfraft ju Hilfe ju fomnicn, uxnen 
jugleid) Marionettcnbül)ncn erridjiet worben, auf benen 
rieines in Aftion 3U fehen toar. Aud) eine 

|d)öne, altertümliche UBeitjnadjt strippe fehlt nicht, ben 
Himmel oom großen Meihuad)t*|tem erleuchtet, mit bem 
Stall unb ber heiligen frantilie, mit ben h«an3iel)cnbert 
Röntgen unb Wirten. §icr ift nichts nteljr tarifiert, fern- 
bem alles nur norf) auf innige Anf<f>ammg unb weih- 
nachtliche frreube eingeftellt. Übrigens ift im weiteren 
eine Sammlung non ljol3flcfcf)Tii^tcn Rrippenfpielfiguren 
ju |cl)i'n. Sic entflammen ber Rolleftion Silke ilsbeds 
in Berlin unb bewetfen aud) b* c r ib r « alte Anjieftung, 
weil fie wertvoll unb aufs feinfte unb intimfte durch» 
gebilbet finb. Sie befhtben fid) in ben Hmipträumen her 
Ausstellung, bie in erfter Cinie ber Vorführung ber 
Trachtenpuppen unb -figurinen gewidmet ift, unb wo 
unfere ßefer aud) bie (Gruppe ber Nöfoföbämd)tfn aus 
ber Sammlung Ntenj in München wieberfinden mürben, 
bie mir bereits in Nr. 3410 ber „frlluftrirten 3 citung“ oom 
5 . Nooember 1908 abgebilbct haben. Unter biefen nielfach 
echten Trachtenpuppen befindet [ich auch eine berühmte 
alte 'Puppe r bie tyrem Auftent nach *l)* r J« ben Rari« 
faturen ju rechnen ift; roenigftens ift fte alles andere eh« 
als ideal. Aber fie ftommt aus Mcimar, nnb ©oethe hat 
ihr eines Tages fojufagen bas Öcben gerettet, inbem er 
bie von ihren ieichtfinnigen Buppenroüttem verlorene 
„frriba“ au? bet Gtemmieje »or feinem ©artenhaus beim 
Morgenjpajiergang auffanb unb mitnahm. Aufterbem 
hat i biefe ehrmütbige Vuppenfarifatur bis vor breiftig 
fragen alle Micfelfinber an ber Meintarer Hofbüftne bar» 
geftellt unb »ft wrmutlid) erft burd) ben Naturalismus 
unb burd) ein naturaliftifdjes Mad)sbabi) aus bUfern 
(Engagement herausgebrängt morben. 

Ab« mir machten auch auf ber Trachtenpuppen* unb 
Starifaturenauöjtcllung bes $)ohen3oileru*Äuu1tgfmrrbe* 
haufes bie f)öd)ft angenehme Velanntfchaft mit einer 
Taufenbfünftlerin. Sie nennt fid) Setti) Rrieg« aus 
frranffurt a. M. unb h«*t< eine grofte Rolleftion in einem 
eignen Naume ausgeftellt. Sie wirb bcu meiften Be* 
fuchem eine befonbere ttbcrrafchung bereitet hoben; benn 
bie [wenigften Ausjtellungsbcjucher werben in ben Te»3- 
oollcn, alt, echt unb roohlfonjcroiert ausfehenben fri guten 
unb ©egenftänben eine Arbeit non heute oermutet [unb 
erfannt hoben. Sic hot brei umfangreiche (Gruppen bag» 
rifdjex, hcfHf«h«r nnb rein h'I^rifcher Trachtenpuppen 
gefdjaffen, bie f-td) burd) grafte ßebenbigfeit unb be- 
merfenstoerte ftoftümtreue aus^eichnen. Unter ben übrigen 
Trachtenfiguren gab es viel echtes, altes unb neues, erft 
ju biefem 3 u>ed oon äünftlcm gcüeibctes Material. ÜbeT. 
blidt man biefe Nq^räfentantinnen ber perfchiebenen 3<H‘ 
alter mit ihrem wahrhaft belifaten 9 luspuft, fa tdttb man 
herausfinben, baft bie Ärinoline, biefe lächerliche grauen* 
trad)t, im Weiche ber Vuppenbamcn toahrc Triumphe feiert. 

Von ben eiotijchen tfißürchen fef feiten hefonbers eine 
inbifche ®efellfchaft unb eine Gruppe [von Mexifanem. 
2Bcnn man fd)ltofclid) ju ben Grjeugnilfe« ber Gl)tnefen 
unb Japaner gelangt, bemerft man and) ba fofort, baft 
fie einen (Extraft ber Stlcinfunft barbictcn. Sie geben bie* 
feite forgfältige, mit liebew oller Beobachtung verbur.bcne 
Ausführung, mie wir fie id)on bei ben .Warifatuxen aus 
bem Often bemerften. Vielfad) wirten fie/obmohl finnig ge- 
bacht, unfreiroillig fontifd) tm (Siegenfaft 311 vielen mobemen 
ftarifaturen, bie fomifch gebucht finb, aber burd) ihren 
Mangel an M a%l)altcn nur beprimier en. A. (£. V 0 1 f e r. 

Um ein 2 lrmbant>. 

©olfüUit oon Jrtf Sestttr. 

m ©olfllub ju 3 nterlafen h«rfcf)te fröhliche« fieben 
uub Treiben. Tenn man hotte befdhloffen, ein SBett* 
fptel in gemifchten Viererpartien mit nacfjfolgenber Breis* 
Verteilung ju veranftalten, unb befonbers ber weibliche 
Teil feinet Milglteber, beren Sinn wie ber aller Tarnen 
eine entfdjiebene Vorliebe für ein gemilchtes Spiel wib 
für roftfpielige Brigte, war aufs lebhafk^te inter. 

«tfiert. Öebe ber mitfpiclenben Tarnen muftte einen $erm 
jum B ar *ner wählen, unb fd)ön biefe Mahl war bas 
9 Bert langer, forgfältiger Überlegung. SBenn man bebenft, 
baft febet Spieler, ber fid) an ber Breisbewerbung beteiligen 
wollte, eine ®ebühr oon awanjig fronten ju hinterlegen 
hatte, unb baft eine Beteiligung 'von fünfjig Spielern 
nichts Seltenes ift, fo erfennt man aud) fofort, meid) t)übfd)e 
Summe bem Komitee für Breife jur Verfügung ftanb. 
Mas Munber. wenn bic ftonhirrenj, befonbers unter ben 
Tarnen, recht lebhaft war. Tiesmal loaxeu bic Brrife 
wertooller benn je; für bie geroinnenbe Tarne war tat* 
fächlich ein golbenes, mit fd)önen Türfifen befefttes Arm* 
banb beftimmt, bas minbeftens feine oierhunbert ^raufen 
gefoftet hotte. Meid) etn ßifer baher unter ben fpielenben 
Tarnen, um biefen Breis ju gexoinnen. 


3<h fdbjt bin recht froh, fagen ju rönnen, baft mich 
fetne unjerer Ijolben Spielerinnen einlnb, ihr Mttfpieler 
in biefem Mettfpiel ju werben; benn meine Weroen wären 
ftcherlid) einer foldjen ®erantwortlid)teit nicht geujadjfen 
gemtfen. 60 beneibete ich auch feinesroegs jene Herren, 
benen biefes Vorrecht juteil geroorben war. Am aller* 
wenigften beneibete i<h meinen ftreunb Thunneifen, ben 
JJräulein Martha Wenaulb ftd) erwählt hott«, um ihr bas 
Türüfenarmbanb gewinnen 311 halfen. Tenn obgleich fie 
im allgemeinen ganj liebcnsroüTbig unb ein etttfdjieben 
hübfehes M3bd)en war, Tonnte fie jujeiten hoch auch 
höchft unangenehm unb ärgerlich werben, befonbers wenn 
fie fid) beim Spiel auf ber verlieren ben Seite befanb. 

Mein ftreunb Thurmeifen war meiner Annahme nad) 
in Martha iwriteht, unb fie erwrberte, wie mich manchmal 
bünfte, feine ©efühlc. Manchmal pflegten mir itjn aud) 
wohl ihretwegen etwas 311 t>Önfeln, befonbers weil wir 
gatt3 gut rouftten, baft „unfer Thurm“, wie wir iftn furj 
nannten, reine ^eiratsgebanfen im ftopfe hatte, unb baft 
feine Suneigung ju ihr frei oon iebex oerliebten Abficht 
mar. TatfächliCh erfchien uns bie 3bee, baft „Thurm" fein 
£>erj vexfehenfe unb noch mehr fid) in ein jur Verlobung 
führenbes Verhältnis verleiten laffe, gerabeju unbegreif- 
lich w«b läd)etlid). Tenn wir Jreunbe fannten feinen 
ruhigem, uorfidjtigem fungalten 3unggefellen. 

„Tu f ollteft eben heiraten, Thurm“, hatte ich einmal 
ju ihm gefagt, um ihn aufju 3 ieben. 

„Mein lieber 3 unge," oerfeftte er emft, „wenn id) bas 
Mäbchen, bas mir meine Bhantaftc oormalt, finben fönnte, 
fo will id) gar nid)t fagen, baft bas nid)t möglich wäre. 
Vis bahin aber benfe ich überhaupt nid)t baran.“ 

„Unb welch« Art oon Mäbchen t)oft &u benn ba im 
Sinn?“ fragte ich ladjenb. 

„Sie müftte not altem einmal hübfeh fein; benn häß- 
liche Mäbdjen fann ich nicht leiben. Tod) ift bas nicht 
bas Sjaupterforbemis. Sie müftte ber 3 nbegriff bcr Nufte 
unb bes gefunben Men|d)enoerftanbe$ fein unb ein Tem* 
permnent wie ein (Engel haben." 

„Unb wo toillft bu biefe Volifommenl)eit finben?" 

„ga gewift, bas (Echo antwortet: Mo?“ gttierte er 
nadjbenftich. „Aber beoor id) fie nicht finbe, werbe ich aud) 
nicht heiraten. (Eine ftrau, bte mir Sjenen machte, Neroen» 
anfälle beläme ober nur leicht ben (Gleichmut verlöre, würbe 
mich unfehlbar m ein frühes Cbrab treiben. Nidjts per* 
abfdjeue id) mehr als SBirbelwinbe feber Art. Ta« 3 beal 
meiner ©lüdfeligfett hängt eng jufammen mit Sanftmut, 
fRuhe unb ffielaffenheit." 

„Tann bteibft bu beffer beiri ganjes ßeben lang etn 
3ungge feile." 

„ 3 th glaube bie« felbft", antwortete Thurmeifen mit 
müftiger 3ufriebenheit. „Übrigen«, wirft bu auch in ben 
Viererpartien morgen mitfpielcn?" 

„&ott fei Tanf, nein!“ 

„Marum f ollteft bu bafür Sott banfen?“ 

„Meil id) fid?eTlid> vor lauter Neroofität nur fchledjl 
fpielen würbe, llnb wie ginge e« mir bann mit meinem 
Bartner? Tu weift t oiellricht, wie Mäbchen finb, wenn 
man ihnen eine Chance au gewinnen verberbt?" 

„Nun fo, finbeft bu bas nldjt aud) fehr ärgerlich? 
nehmen fold)« Tinge viel emft« als wir Männer. Unb 
felbft Männer hot « gegeben, bie beim Spiel ihre heitere 
fRuhe verloren hoben. Nicht wahr?“ jagte Thurm unb 
grinfte mich hcbeutungsooll an. 

3 d) oerftanb bie Anfpielung. Noch in bem leftten Match, 
ben ich mit ihm gefpieit hatte, war ich nervös, oerbrieftlich 
unb launifch geworben. Tenn bas ®lücf war mir gar nicht 
halb gewefen; wäf)Mnö Th utm in feinet Tummh«^ 
Bunfte au« purer Chance gewann, hotte ich tnit meinen 
Bällen basgröftte B«d)- 60 antroorteie ich einfach: „Tein 
Spiel war auch banad), ben Seeleufiieben eine« heiligen 
aufaurütteln.“ 

„3w0«9«ben. Aber ®olf ift eben gerabe ein Brüfftein für 
ben menfdjlichm ChQtafter. 3 ch behaupte nämlich, wenn 
bein £>erj im freuet einer ®olfpartie geprüft unb geläutert 
worben ift, fo wirft bu alles unb jebes mit ©leichmut 
ertragen fönnen, felbft wenn man bir h*‘fte Sauce üb« 
beine allemeuften fjofen f^üttet. Aber jebenfall« wirft 
bu morgen brauften fein, um 3U fehen, wer bas Armbanb 
gewinnt?“ 

„Selbftverftänblich werbe ich tommen. Unb wäre es 
auch nur, um bas <&efid)t 6 eines Bartners ju fehen, wenn 
bu einen Schlag oerfehlft ober beineu Ball oerlierft. 3<h 
fage bir, mein frunge, ein Blitj aus ihrem Auge wirb bid) 
ju Boben fdjmettfm." 

,,3d) habe 3UVor mit frräufein Nenaulb gefpielt unb 
habet immer gefunbeh, baft fie bie ßiebenswürbigfeit unb 
Seelenruhe felbft ift", erwiberte Thurm.- 

„3a, aber nie im emftni Mettfpiel. Ta« ift eben ber 
Unterfcftieb biesmal." 

„Vielleicht f|a.ft bu recht. Tod) wir werben [chm", 
oerfeftte er nad)bonflid). 

r Am näcfjften Tag erfchien ich- aeitig genug auf bem 
Spielplatj, um 311 fehen, wie Thurms Viererpartie bas 
Spiel begann. Thurm unb Martha Nenautb fpietten ju- 
fammen gegen ülara B au l us u,, b Albert Berger, einen 
jungen, etwas farblofen Müftiggänger, ber von feiner 
®efchicflid)feit im ®olf nidjt wenig eingenommen mar. 
Aud) frräulein BohI»& toor bereit, ihre eigne Berfönlich* 
feit unb ihr ©olffpiel eher 311 hoch als ju niebrig ein» 
jufd)3ften. Aufterbem beftavb amif^m il) r Martha 
eine ausgefprocheue fRioalität, unb bie Öiebe, bie fie für* 
einanber h^Oten , war nur an ihrer äufterften gegenfeiti* 
gen $öflid)fcit 311 erfennen. 


„Tu fjaft bie (EhTe an3ufangcn, Martha.“ 

„C> nein! frangc bu lieber an, fUara." 
hierüber lächelte id) bei mit felbft. Menu bie |d)wara- 
äugige, temperameutoolleMartha burd) bie liebe frreunbin 
Rlara gefchlagen unb ums Armbanb gebracht würbe, To 
hätte id) nicht in feiner &aut f treten mögen. 

Tas Spiel begann. Auftet mir begleitete noch *tn 
anberer 3 ufd)aiter bie oiere — ein frräulein Cöwenftei«, 
Martha« intime frreunbin, bie id) aber nur bene Namm 
nach fannte. Gin angenehme«, etwas einfaches Mäbchen 
oon rei3enbem Ausfehen troff bes etwas jübifdjen Tijpu«* 
Balb bemerfte id) auch, baft frräulein Rlara fie mit grofter 
£>erablaf|ung bef)an6elt«, ja, nicht immer allju ftöflid) gegen 
fie war. Tod) war bas eben eine jener fleinen Gharafter- 
eigentümlichfeiten oon frräulein Baulus, bie als Tochter eine«, 
reichen Banlbirettors auf ihre Vefannten von oben hexabfah- 
Meshalb fie frräulein ßöwenftein im befonbem ver* 
ad)tete, würbe mir balb ftar. 

„Miffen Sie auch, m« frräulein ßöwenfteins Vater 
ift?“ flüfterte fie mir auf ihre böswillige Art gelegentlich 
ju, als id) währenb bes Spiels in ihre Nähe fam. 
„Nein“, fagte ich- 

„'s ift fiöwenftein, bet fruwelier in ber Vohnhoffttafte. 
®r bebient felber über ben ßabentifch- Mid> wunbert 
nur, wie Martha fo freunblid) mit ihr tun rann.“ 

„Vielleicht weift es frräulein Nenaulb gar nicht*» 
murmelte id), nur um etwas 3U fagen. 

„O bo<h, f« weift e«; id) höbe es ifte felbft gefagt.“ 
Unterbeffen nahm bas Spiel feinen frortgang. Unfer 
Thurm war gewift fein brillanter Spieler; ab« er war 
juoerläftlich unb fid)er, unb in brr Negel war nichts im» 
ftanb e, ihn aus bem Ronjcpt 31t bringen. v»euie jebod) 
jehien er mir gerabeju unbegreiflich neroa«. fr ebenfalls. 
erwies er fid) als ganj fchled)ter Spieler. Beim erften* 
mal 3um Beifpiel hanbelte es fid) um einen Schlag oon 
etwa oierjig Metern, ber leid)t 311 erreichen war, unb 
fiel)« ba, er trieb feinen Voll tn einen ©raben, aus bem 
er nur ferner wieber herausjubringen war. Beim 3weiten» 
mal verfehlte er ba« ßod) unb fd)lug ben Vaü in bid)te« 
®mftergeftrüpp, was feiner Bartei wieber brei Schläge 
foftete. 3 d) fonnte nicht umhin, Martha fRenaulbs ®e» 
fidjt 3U betTad)ten. Nid)ts verriet irgenbweld)e Wuruhe 
in ihren 3 ögen, unb fie erwiberte unfere« Thurm* Gut* 
fchulbigungen mit anftheinenb gutgelaunten Morten. Aber 
ich fühlte auch, baft fie tiefer ßiebenswürbigüeit nicht allju* 
lange mehr ^err bleiben werbe, wenn ihr Bartner fo fort* 
fab*«n würbe. 

„Um f s fjimmel« willen, Thurm!“ flüfterte ich «hm bei 
ber erften beften ©elegenheit in» Ohr. „Nimm bid) bo«h 
jufammen, oberfonft fannft bu auf Sturm unb llngewitter 
gefaftt fein. B«b mal auf!“ 

„Schon red)t, f<hon red)t“, oetfeftte Thurm mit einer 
bei ihm ganj ungewohnten (Erregtheit. 

Mäljrenb ber brei nächften Male fpielte et etwa» 
beffer; unb er unb Martha, bic wie ein junget ©ott 
fpielte, gewannen einen fleinen Vorfprung. Tann aber 
lieft fein Spiel wiebet nad). Gr verfehlte feine Schläge, 
fchlug über» 3 iel ftmau» ober fanbte ben Ball in Moraft 
ober ®eftrüpp, unb jum Scfjluft oerfehlte er es fogax, 
einen gang in ber Nähe bes Sd)lagmals liegenden Ball 
ins Coch hl ne * n 3«treiben. frmmer unb immer wieder vet* 
fchoffte Martha burd) ihr ausgejeichnete« Spiel ih«” 1 
Bartner bie günftigften Bofitionen, unb immer unb immer 
wieber uerfäumte er es, bie fid) ih*n bieten ben Vorteile 
wirtlich ju benuften. 

freftt ftanben bie Bnrticn vier gegen eins. 

„Gs tut mir letb um bich, Marth 0 “. «h Alara 

Baulus ihrer lieben frreunbin 3uflüjtem. Unb mtrflich, 
wenr. ii) Martha gewefen, unb bie frreunbin hätte mich 
fo angexebet, id) hätte ihr ficherlich eine grobe Antwort 
gegeben. Aber Martha lächelte 90113 vergnügt. Tann 
fd)ritt fie langfam auf Thurmeifen ju. 

„Aber jeftt, ©err Bartner," rief fie ihm ermutigend 
ju, „jeftt helfet e& lieh jufammennehmen. Tas Spiel fteljt 
nicht fd)lecf>t, unb wenn wir gewinnen, wirb bie Ghre um 
fo gröfter fein.“ 

„ 3 <h toill alles tun, um uns 3um Siege 3»» nethelFeu , ' r 
erwiberte Thurm in aller Befcfjeibenheit. „ 3 d) — id) — 
weift felbft nicht, wa& ich habe; Sie muffen mein fchrf^te* 
Spiel eben cntfchulbigen.“ 

„Bitte fehr, es macht nichts", lächelte fie. 

Tarüber fonnte gar fein [ fin * bfl 6» wenn 

Martha Wenaulb e» wollte, fie gerabeju Ijinreiftenb be* 
jaubemb fein Tonnte. 

SCährenb bes aweiten Teiles ber Nunbc gelang e» 
Thurm, etwas beffer 3U fpielen unb einigemal 311 ge- 
winnen, unb aud) Martha legte fo rtel Nero unb ®efd)icf- 
lidjfeit an ben Tag, baft id) fte nuT bewunbem Tonnte. 
Tie frolgc baoon war, baft fie ihr frühere* Verfäumen 
allmählich einhvlten, unb als es aun» leftten Abfd)lagplatj 
fam, ftanben bie beiben Bättien 

Nun war es wieber an Rlara, böswillig höfliche Ve- 
merfungen über ihre Mitfpieler ju machen. Tiefes leftte 
ßod) follte natürlich bas Spiel entfeheibeu. Tie Herren 
fpietten an. Albert Berger verfehlte feinen Schlag, frräu- 
leln Baulus ftampftc ärgerlid) auf ben Vobert unb murmelte 
etwas, bas einem frluch nicht ganj unähnlich flang. freftt 
fam bie Neihc an unfern Thurm. Gs brauchte bloft eines 
mäftigen Sdjlage«, um feiner Seite einen groften Vorteil 
ju fidjern. Bloft eins müftte vermieben werben: ben 
Voll abfett* 311 treiben, frür biejenigen, bte ben Spiel- 
platt nid)t fennen, will td) ernärenb hinaufügen, baft bie 
Gifenbahnlinic Techt« vom ad)t3ehnten Mal bahinläuft- 
llnb wo* tat nun unfet Thurm? Gr fd)lug ben Ball 


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9 tr. 3419 . 7 . 3 anuar 1909. 


üb« bic Cinic hinüber in bie öcdc längs bes Vahn- 
Dammes. So war 3Rartha genötigt, iljm 311 £>ilfc 311 
tomincu; aber bic (Gegner gewannen baburd) 3cit unb 
[idjerten f id) burd) forgjältigc» Spiel ba» letjte Wal imb 
gewannen ben 'JJIatd). 

„SWariha, es tut mir wirtlid) leib um bid)", fagte 
Klara Vaulus uoll lädjclnbcr Überhöhung. 

Aba 311 meiner groben ttbcxrajchung ^uette es in 
9Navtl)a* Aullitj mit feiner AJiiupcr — fie blieb ruljig 
wie bie fouuigc Sre. 

„Öen Partner," toauötc fie fid) mit ihrem bezaubembftcn 
Öächclu an Thurmciien, „geben Sie mir bie £>ani>. Gs 
fehlte nicht uicl, fo Ratten mir gewonnen.“ 

2Uir begaben uns uadj bem ülubljaus; nur Ü^urmeifen 
blieb etwas. hinter uns jurüd ntit ffllartha Nenaulb. 3m 
Alubtjaus gab es Tee. llnö meine Aufmerffamfeit würbe 
auf einen fuulctnöcii diamanten ring I)in gezogen, ab 
9Rartl)a mit einfdjcnftc, nnb id) bemalte, baß aud) Jröu- 
lein fiöwcnfteius Auge baranj rut)te. «piötjlid) taufdjte 
fi« mit Warten einen oerfiäubnisDolIen Alicf. SJtartha 
errötete leife, nnb iljre $anb fdjien etwas ju gittern. 

SobalD id) mit unfenn Thurm wicöcr allein war, 
Hopfte id) einmal fo oon ungefähr auf ben 58ujd); „Tn 
haft wol)l ^rräulcirt Nenaulb Den fjnbfdjen SRing ge- 
geben?" 

„3a, bas tat id)," antwortete mein ftreunb, „als 
Troft für bas Armbanö, bas mir nidjt gewonnen." 

„«Iber fie trägt ja ben Ning am eierten Ringer ber 
linfen S>an&.“ 

„Warum nicht? 3d) ftedtc ihr ihn Dorthin“, ant- 
luortcte Ihurmeifeti oljnc jebes erröten. „$jorch, mein 
Sun ge,** fuhr er offen l)«3ig fort, „id) t)abc biefen Schritt 
fd)on lange bcabfid)tigt, imuifdjte ober 3UP0T, Warthas 
Gharaftev bor [d)werft*ti mit heFaunten Prüfung 31t unter- 
werfen, bem ©olffptel. Das gefdjal) ^eute nachmittag, 
unb bn weißt felbft unter meid) Jdjwercu 93cbingurtgen; 
bu baft aber aud) gefcl)en, wie fie bie Prüfung beftanben. 
Unb als id) ben lebten Voll in bie Gifcnbal)ul)ecfe t)inübcr- 
|d)liig unb fie mid) trotjbem mit engelsgleidjct Gebulb 
anlädjelte ba emfdjicb fid) mein Sdjitfjal, unb bei mit 
felbft fogte id): Tao Ntäb<l)en für bid>!" 

3d) begriff aber nur teilweife. Tenn id) war [id)cr, 
bag ÖPavtlja launifd) fein Tonnte, nnb fo war es mir 
unocrftänblich , baß fie il)rc Ncizbarfcit jo ju oerbergen 
wußte, wenn fie nicht eine Ahnung oon Thurms Ab* 
ftdytcn gehabt hätte. 2Bof)cr aber bie Ahnung? Ad) fa! 
Ter bebcutungsoollc ©lief beim Tee, ben fie mit Sräulein 
fiowenfteiii gcwcd)[elt, fd)oß mir burd) ben Stopf. Unb 
ich fagte 3 1 ‘ meinem frreunb: „Tu gabjt il>r aber einen 
prächtigen Ning. 3Bol)er haft bu ihn?“ 

„Oh, id) faufte ihn geftcru in 3ütid) bet — nun, wie 
heißt er gleich?" 

„ßömenftein in ber tBafjnhofftrajjc.*' 


3 Uuftrirte 3 «'tun<). 

Slrfcne Supttt, 

bet CEiubcecher aus <ßa||ion. 

©ou IRanrice £< klaue. 

(9ortfe|nnfl.) 

incs Tages lief er I)aftig bie Treppe hinab. Gr hatte 
gefcljcn, baß fie bas 3immer »erließen, ohne bas 
Spiub abjufd)licßeu. ftaum war er cingetrctcn, fo fet)rten 
ftc 3iirüd. 

,,3d) bitte Dielmals um Gntfd)ulbigung", fagte er; „ich 
habe mid) in ber Tnt geirrt." 

?Vrau Hubert aber eilte herbei unb ^og ihn ins 3immcr. 

„Treten Sie bod) näher, ^>err Cupin. Sie finb ja 
hier $u $>aafe. ®cben Sie uns bod) einen 9iat. HBclche 
Vnpiere follen wir oerfaufen? Sionfots ober IRente?“ 

„3a, aber bas Sequefter M . . . wanbtefiupin erftaunt ein. 

„Oh! 9lid)t alles ift unter Gcqucftcr.“ 

Sie öffnete bie Tür bes Spinbe*. 3n ben 3rä<hem 
lagen gehäuft bie mit fieberriemm umfd)nürten ÜJlappcn. 
v llufs ®eratewo!)l griff fie nad) einer. 3hr 9)lanu nahm 
fie ihr aus ber $anb. 

,,'Ucin, nein, <f>eroaife, bas wäre 3Baf)nfmn, Äonfols 
gu verlaufen. Sie werben fteigen, u>äE)rcnb bic 9fente 
fdjon l)od) genug fteljt. Ginb Sie niefjt auch &i«f fT Meinung, 
lieber ^reunb?" 

Ter „liebe 3-reunb" hatte feine IReinung, nichts befto» 
weniger empfahl er, bie fHcnte ju opfern. S>rau Hubert 
nahm alfo eine anbere SJfappc unb aus biefer aufs Ge- 
ratewohl ein Rapier. ®s war ein breiprojentiger Dienten- 
türe im ÜBerte oou breijchnhunbertunbachtiig Srranfen. 
3riß ftrcfic ihn ein. Nachmittags ging er mit leinem 
Setrciar ju einem iöörfcnmaftec unb erhielt für bas Rapier 
fed)suHbuicr,ggtaufenb ^franfen. 

9Benn fjrau Hubert aud) ba« ©egenteit behauptet 
hatte, fo fühlte fid) ülrfene fiupin feinesroeg« gu öaufe. 
3u oerjehie benen DJialen fonnte er fid) baoon fiberjeugen, 
bah bic Ticneifd)aft feinen Namen nicht erfuhr, ^ritj 
fjubert fagte ftets, wenn uon ihm bic Nebc war: „9?ufcit 
Sie ben fungen i^ertn!“ ober „3ft ber funge Sjerr fd)ön 
getoiumen?" 

Nach öer ftüi*inifd)en Segeifterung ber erften Tage 
fprad)en bie Huberts nur fetten mit il)in. Sie behanbcltcn 
iljn 3u>ar mit aller einem 9Bol)ltdtcr 3ufoinmcnben Nnd- 
ficht, fümmerten fich jebod) blutwenig um ihn. DJlan 
betradjtete ihn gewijfermafoen als einen Sonberting, ber 
nidjt gern beläftigt fein wollte, unb achtete feine 3urücf» 
gejogenheit. Nls er einmal bie Treppe h'uaufging, horte 
er hinter fich c? r ° 11 ftubert gu ^wei fremben 5«rren fagen: 
„(Et ift ein wahrer 9J?enfcf)enfeinb." 

CEs fd)ien ihm nid)t ber Niühe wert, fid) über btefes 
Verhalten ber öausteutc ben Äopf 311 3eibred)en. löiel 
richtiger war es, an bie Ausführung feines planes 3u 


37 


benfen. Cr hatte jeßt bie ßber3eugung gewonnen, baß 
er uicber auf einen 3ufall noch auf eine flcrgeblidjtcit 
ber Hausfrau, bic ben 3d)lÜffcl jum thelbfpiub ftets bei 
fich trug, rrdptcu biirfte. Sr mufjte es alfo anbers an- 
paden. 

Sin Greiguis befchleunigte bie Sadje. Grnige 3eitungen 
hatten nämüd) einen heftigen 3-elbjug gegen bie öuberts 
cTÖifnet. Sie erzählten bie ©efd)id)te ber Ntillionen unb 
bieenblofcn Stbf^aft&projeffe mit ben trübem ®rawforb. 
Tabei tiefen fie burd)blide»i f bah all«» uur Sd)winbet 
fei unb bie ÜJHlCionen gar nicht eriftierten. Dlrfenc Bupin 
war 3«ugr ber heftigen Svenen, bie biefe ^reßfampagne 
im ^>aufe cntfeffeltc. Gr fab bie Aufregung ber ganzen 
^amilte unb fagte fid), bafj er nid)t länger fäumen bür fr, 
wenn er nidjt alles ocrlieren wolle. 

tfrünf Tage lang fdjloft er fich in feiner Stube ein, 
anftatt wie gewöhnlid) 11m fechs llhr öas ©aus 311 per» 
laffen. INan ahnte nichts oon feiner Gegenwart. Sr lag 
in feinem 3* mm « r ÄM f &« m Sufebobtn unb beobadjtete 
bureh fein Nobt ben barunterliegcnben Nauni. Grft in 
fpäter Nadjt entfernte er fid) burd) eine Heine Hintertür, 
3u ber er fid) einen Nachfdjlüffel oerfd)afft hatte, aus 
bem Calais. 

Gr hatte oergeblich auf bie erhoffte güuftige Gelegen- 
heit gelauert. Grft atu fedjftcn Tage erfuhr «r, ba& bie 
Huberts als Antwort auf bie böswilligen 33efd)ulbigungen 
ihrer Gegner bei Gericht bie Öffnung bes Spinbes unb 
bie behördliche 3uoeutarauiuahmc beantragt hatten. 

„ffjeute abenb alfo!“ fagte fid) Qupin. 

Nad) bem Abenbbrot 30g fid) ftriß Hubert in fein 
Arbeitszimmer jurüd. Gcroaife folgte ihm halb barauf. 
Sie begannen bic tBfkdjer unb 'Bevjeichnijfe bes Spinbes 
burchjufehen. 

ttiuc Stunbe oerftrid) unb ned) eine. Üupin hörte 
bie Tienerfdjaft bie Treppe 311 ihren Schlafräumen unter 
bem Tach b)inaufo«E)^n. 3«ht war außer bem Ghepaar 
niemanb mehr tm erften StocTwerf. »iittemad)t jchlug. 
Ttc Huberts waren noch immer an ihrer Arbeit. 

„Öos benn!“ 

üupin öffnete bas {Jenfter. Gs ging auf ben &of, 
ber in ber rnonb- unb fteruenlofen Nactjt ganz finfter 
balag. Aus feinem Spinö holte er einen ftnotenftrid, 
ben er am ftcnftntreuj feftbanb. Taran ließ er fid) lang- 
fani bl« 311 bem barunterliegcnben Nalfon hinab. Tiefe 
Vorhänge oerhüllten ba« QPcnftec, hinter bem ftch ba« 
Arbeitszimmer f>»ibcrt« befanb. fiupin blieb baoor eine 
2Beile unbeweglich ftchen, inbem er aufmerffam laufd)te 
unb umh*rfpät)te. 

Als er merfte, bafe fid) brinnen nichts rührte, briiefte 
er lcid)t auf bie beiben fjenfterflitgel. $otte niemanb nach 
ihnen gefehen, bann mußten fie nachgeben, weit ber Trel)» 
riegel oou ihm fo gefteltt worben war, baß er nicht mehr 
einfdjnappcn fonnte. 



MILKft 

nUELMR 

H0I5ETTIHE 


BELIEBTE 
ES5 -CHOCOLftDEN 


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38 


3Ilujtrirte 3 c ^ un 9- 


91r. 3419. 7. Januar 1909. 


Xie frlügcl gaben nad). dit uncnölidjer Borfidjt (lieg ec 
f *c langfam nad) innen. Sobalb fic fo roeit flaf ften, bafj ex ben 
flopf burd) bte Öffnung ftccfen fonntfj t)iclt erfiefeft. Xurd) 
bie Bort)änge brattg jeßt ein feiner üief>t|traf)[ : fiupin fah 
©eroaife unb Sritj Hubert vor Dem ©elbfptnbe ftßen. 

Sie fpradjen faft gar nid)l, fo eifrig waren fic bei ber 
Arbeit. '^Crfene berechnete faltbliittg bie Gntfernung, bie 
iljn von bem Gl)« paar trennte. Gr überlegte genau bie 
Bewegungen, bie nötig waren, um bie beiben unfd)äblid) 
ju machen, beoor fte nod) um $Ufe rufen fönnten, unb 
fegte bereits sum Sprunge au, als ©eroaife fief) erhob. 

,,did) feiert!" fagte fic. „3<h gehe fdjlafen. Unb bu?“ 

„3d) mödjte fertig ma<f)en." 

„ftertigmachcn! Xaju braudjft bu bie ganje Uladjt." 

„Ad) wo! ftöchftens noch eine Stunbe." 

5frau £ubert entfernte (id). Bachbcm etwa breifjig 
dinuten vergangen waren, öffnete ArfÖnc fiupin bas 
ftenftex etwas weiter. Xie Baehänge würben oom 9Binb- 
311g Ieid)t bewegt. Qprt^ öubert wanbte fict) um. Als er 
bic Qefdjwellten ffiarbinen fah, ftanb er auf, um bas 
Ofenfter ju fdjliefeen. 

dit wenigen genau erwogenen (Griffen, ohne bem burd) 
ben pläßlidjen Überfall Grjd)rcdten u»el)c ju tun, um* 
uudelte itjm Arftfne fiupin ben ftopf mit ber ©arbine unb 
fef feite itjn berart, bag fmbert nicht einmal bas ©rfidjt 
feines Angreifers gu feiert belam. 

9tun eilte fiupin auf bas offene ©clbfpinb 3U unb 
nagm jwei ®?appen unter bett Arm, mit benen er bas 
3immer verlief. Xann flieg er bie große Xreppe hinab, 
bur<hfd)ritt ben £>of unb öffnete eine Seitentür. ©ine 
Xrofdjre wartete oor bem £>aus. 

„Xue bas in ben A3agen,“ fagte er 311 bem Jlutfdjrr, 
„unb folge mir. 1 " 

fRacfcbem beibe bas Spinb geleert holten, flieg Arfüne 
fiupin in feine Stube hinauf, entfernte ben Stritt oont 
frenfterfmu unb vertilgte jebe Spur feiner Xat. 

Einige Gtunben fpäter fal) Arjürtc fiupin mit J^ilfe 
feines ©enoffen bie dappen burd). löte er vorausgewugt 
hatte, war bas Bermögeu ber öuberts nid>t fo groß, als 
es allgemein hte&. Xte diltionen jäljlten nidjt nad) 
Öunbertcu, es waren ihrer nidjt einmal jefjn. Aber alles 
in allem bilbete bie Summe bod) eine ftattlid)e runbe 
3al)l, unb bie dappen enthielten nur vorjüglidje JBerte, 
rote ©ifenbahnobligationen, Stabtanleihen, Staatsrenten, 
Suejtanal unb Äohlenaftien. 

Gr roar juf rieben. 

„freilich roirb cs ftarfen Abfall geben," fagte er, „ivenn 
roir bte Rapiere oerfilbem. Sic roerben mit Befdjlag belegt 
fein, unb roir werben viel 311 Sd)unbpreifen liquibieren 
mfifjcn. Xod) bas fchabet nichts. dit biefem Anfangs! apital 
lönnen wir fchon bie ftarre ins Stollen bringen unb einige 
2räume verioir fliehen, bie mir feil langem am ^erjen liegen.“ 


„Unb bas übrige?" fragte ber anbere. 

„Xas fannft bu verbrennen; es nüßt uns nichts. Xie 
Wertpapiere wollen wir in ben A3anbfd)ranE legen unb 
ben gfmftigen Augenblid abwarten." 

Am nächften dorgen fdjidte Arffne fiupin fief) ruhig 
an, roic gewöhnlid) 311 öuberts 3U geben. Gr fab wirllid) 
nicht ein, warum er es hätte nid)t tun follen, Aber bie 
dorgenblätter brachten ihm eine unerwartete <nad)rid)t: 
3riß unb ©eroaife $»ubert waren vcrfdjrounbcn. 

Xie Öffnung bes ©elbfpinbes von ©eridjts roegert er» 
folgte an bemfelbeu Xage. Xte Beamten janben barin, 
was Ar jene fiupin 3urüdgelaffen Ifatte, bas heißt nur 
wertlofes 3< U Ö- 


„War bas 3h* erftcr unb gkidjjeitig befter Streich ?" 
fragte id) ArfJne fiupin, als er ntlr 0011 jenen Aorgöngen 
erzählt batte. 

„3n ber Affäre f>ubert ift noch |o mandjer unerflär» 
liehe flunft", gab er 3m Antwort, ohne auf ben 3nbalt 
meiner Ofrage nd£)pr cinjugcben. „Sehen Sic, wieviel 
felbft nad) bem, was id) 3i)nen beridjtet habe, unoerftänb* 
lieh bleibt. AJarum finb bie fieute geflohen? Gs wäre 
bod) fo einfach geroefen, ju fagen: Xie Alillionen bes 
alten Brawforb finb nicht mehr im ©elbfpinb, rocil man 
fie uns geraubt hat!" 

„Sie haben eben ben Stopf verloren", entgegnete id). 

„3a, fo ift es; fie hatten ben Stopf verloren. Anbcr» 
feits freilich* . . . 

„A3asr 

„Aein, nidjts* 

Atas wollte er fagen? Gr hielt fid)tlid) mit etwas 
jurfltf. deine fteugier regte fid). Xie Sache mugte emft 
fein, um einen foldjen dann jögertt 3U lajfen. 

3dj oerfudjte, ihm auf Umwegen bfi^ulommen. 

„$abcn Sie ön&fris wicbergcfehen?" 

„Stein." 

„Unb haben Sie nie für bic beiben Unglüdlicbcn dit- 
leib empfunben?“ 

„3d>! ditlcib!“ fuhr er auf. 

„©ewifc, ditlcib. Xenn wenn Sie nicht bajwifd)cu> 
getreten wären, hätten Huberts vielleicht bexftefahr bie Stirn 
bieten ober bod) wen igjtensmitoollenXafdjen fliehen fönnen." 

„Sie wollen alfo, ba& Id) ©ewiffensbiffe habe!" 

„Xu lieber ©olt!“ 

fiupin h»eb mit ber Sranft heftig auf ben Xifdj. 

„©ewiffensbiffe bei biefett fieuten!“ 

„Sie haben ihnen immerhin ein Aormögen genommen." 

„A3elches Bermögen?" 

„Aun, bie brei ober vier ftfalctc dcripapicre !" 

„3o, mein fiieber, haben Sie benn wirnich no^ nicht 
erraten, ba|j btefe Wertpapiere wertlos waren?“ 


„A3ertlos?“ 

„ 3 a, wertlos! Sie waren alle falfdjT 
3 dj fal) ihn verblüfft an. 

„fralfd), bie oier ober fünf dillionen?" 

„ftaljch!" fcfjrie er rofitenb. „Xie Obligationen, bie 
Stabtanleihen, bie Staatsrenten . . . nichts als 'fJapierf 
9 fid)t einen Centime habe id) herausgefd)Iag<n. Unb Si t 
tebett noch von ditlcib unb ©ewiffensbiffeu? Xie ©auner 
haben mich felbft hineingelegt wie einen bummen Bauern! 
Auf ben fieim bin id) ihnen gegangen, unb rupfen bab« 
id) mid) laffen wie ein ©impel!" 

Gine orbentliche dut Jdjüttelte iljn, 

„$>ören Sie,“ fuhr er fort, „von Anfang bis ju Gnbe 
waren öwbfris mir übetlegen. 2Bollen Sie roiffeti, weld)< 
Aolle fie mich fpielen liegen? Die bes jungen Braroforb! 
Unb id) habe nichts gemerft! 3 ft bas nicht Cöftlidj? Ser 
Sonbcrltug, ber fein 3‘ n 'nieT im jwritenStocf bewohnte, 
ber UJlenfdjenfeinb, ben man |i<h nur von weitem geigte, 
war Brawforb! Unb baut bem Bertrauen, bas ich unter 
bem 'Jtonien Brawforb einflßgte. borgten ihnen bte ©elb* 
ieutc. 3d) gebe 3hnen mein Ghrcnwort, bic fieltion habe 
ich mix gemexft!“ 

Gr h«lt plöglich inne unb fagte mid) am Arm. 

„dein fiieber,“ fagte er in einem mütenben Ion, au& 
bem jföod) etwas Selbftironie heraus juhören war, „©eroaife 
fmbert fd)ulbet mir nod) immer ffinfjdjnhunbert jf-ranten!"* 
^eljt lonntc id) mid) nidjt enthalten, laut aufjuladjen. 
Aud) ihn ftimmtc biefer ©ebanle Reiter. 

„ 3 a, fünfichnhunbert 3 -ranfen! 3 ch habe nicht nur 
reinen Gentime 0011 bem mir jugefagten ©eljalt 311 feljcn 
befommeu, fie hat mir fogat fünfichnhunbert &ranfcn 
abgeborgt. dein ganje* €>ab unb ©ut! Unb tviffen 
Sie, woju? &ür ihre angeblichen Armen, benen fie hinter 
bein Aüdc»t ihres dann es ju Joilfe fam! 3 ft es nidjt 
jiint lotladjcu? Unb was für Momlünationen, An* 
ftrengungen unb Giften habe ich anwenben müffen, um 
311 biefem htrt liegen (Ergebnis 311 gelangen!“ 

VIII. 

Die fchwarje Btrle. 

Gin heftiger Bud an ber ©lode roedte ben Borlier 
eines Kaufes in ber Avenue $od)e, 

„3d> bachte, alle dieter feien baljtfim; es ift minbeftetis 
brei Uhr", brummte ber aus bem Schlaf (Erwachte, inbrm 
er an bem lorftrid 30g. 

„Vielleicht lomnit jemanb um ben Xoftoc", meinte 
fetne ^xau. 

Gs war in ber lat fo. 

„Xer Xoftor Jryamel, bitte, welche Gtagc ?" fragte eine 
Stimme. 

„Xrittr, bie lür rechts. Aber ber Xoftor geht nachts 
niegt aus." 






als Spezialmittel ärztlich empfohlen. 

- rr U ^ » ■ 


In allen Apotheken erhältlich. 


Be«Undtcile 1 Caacarine Eitrakt 0 , 1 , PlllenmuM 0 , 1 , Übetru* m»t Sü»holipul«r 

Original from 


^ Constipation (Verstopfung) 

Migräne, übelriechendem Atem, Gelb- 
sucht, Verdauungsstörungen, wird 

CASCARINE 

LEPRINCE 




9k 9419. 7. Januar 1909. 


3Huftrirte 3 e ^ n 9- 


39 


„(Er wirb wofel muffen!“ 

Ter ftrembc trat ins Treppenhaus nnb ftieg Dir Stufen 
hinauf. Ohne in ber britten Stage haltjumad)rn, ging er 
weiter bi« jur fünften. Tort uerfud)te er an ber einzigen 
'Jltot)nung- 3 tür jwei Sd)lüfjeL Tier «ine öffnete bas Gchtofo, 
ber anberc ben Si<herl)<itsriegel. 

„SontO‘5!" brummte er. „Tie Arbeit i|t jo wefentlid) 
einfacher. 'Uorerit aber Reifet es, ben Afidjug beefen. £>abe 
id) bereit« tj»nrrid)cnb 3 eit gehabt, beu Tottor heraus* 
jufliitgeln unb mid) oon ihm abrocifen ju fallen? Stein, 
alfo nod) etwas ©ebutb.“ 

?iadj etwa 3el)n 'JWinuteii ftieg er bie Treppe roieber 
hinab, Köpfte an bas ©udfenfter ber Portierloge unb 
ftfeimpftc auf ben Tottor. Ter Portier öffnete bie Tür 
unb fdjlug |ie hinter |id> 311. Aber ber Siegel tonnte 
nicht einfehnappen, benn ber SDIann t)atte ein StfuI ©fett 
ins Schloß gefteeft. 

So tuar es möglich, bafe er, ol)in v uom Portier be* 
rnertt 3U werben , wicber ins Ajau* 3urüdfct)rte unb, für 
ben Jall ber Überreif efeung, leidjt einen Ausweg fanb. 

©emäcfelicb ftieg er bie fünf Treppen wie bet hinauf. 
3 m Aorjimmer legte er beim Schein einer eleftrifdjen 
Tafdjenlampc feinen Qberjictjer unb £ut auf einen Stufet, 
fetttc fid) auf einen anbent unb 30g über feine Stfjuljc 
biefe «viljpuntotfel. 

„So toeit wären wir," fpraefe er jw fid), „unb leidet 
war 's aud) nod) baju. Tdj frage: 2Barum wäf)lt nidjt 
jebemtann bas bequeme &ani>merf eines (Einbrechers? 
9 Jfit etwas ©efdjid unb Vorfidjt gibt es nichts An* 
genehmere«. ®iu ruhiges ®e|d)äft, 311 ruhig fogar; es 
wirb beinahe langweilig.“ 

(Er holte einen genauen ©runbrife ber 3 Böl)nung aus 
ber Iafche. 

„Crientieren wir uns 3uerft einmal, £ier bas SRcchted 
bes Porjimmers, in bem ich fifee. $« Strafe 3U ber 
Salon, bas Pouboic unb bas Speifejimmer, Übetflüffig, 
bort 3 *it 3U oerlieren. Tie ©räfin hot feinen ©efdpttad . . . 
nicht ein Stüd oon SBert. Alfo gerabe aufs 3 iel los! 
Ter Strich ba ift ber Äorribor, ber 3U ben Schlaf3immem 
führt. Auf brei 9 Jteter (Entfernung ber 2 Banbfd)ranr, ber 
eine Tür jum Gd)laf3immer ber ®räfin hat-" 

(Er faltete feinen plan wieber 3ufammcn, brefete bie 
ifampe ab unb betrat ben üorribor. 

„Sin «Dieter . . . jroei . . . brei ... bie Tür. Plein ®ott, 
wie einfach bas alles ift! (Ein Meiner Siegel trennt mid) 
pon bem Minimer, unb id) weife, bafe ec ein SDleter brei* 
unbttier.pg übet bem ftufeboben liegt, (Ein Heiner Aus* 
fchnitt ringsherum, unb id) brauche nur" . . . 

(Er holte aus feiner Tafd)e bas nötige AJerfjeug, als 
ihm ein ®ebantc fam. 

„Vielleicht ift 3ufd[ltg ber IRiegel nicht oorgefdjobcn; . . . 
Vctfucfeen wir 's einmal; bas foftet ja ntd)ts." 

(Er brüefte auf bie SUinfe; bie Tür gab naefe. 


„II Iler Öupin, bas ©lüd läuft bir nach- 5 I 3 ns bleibt 
bir ba ju tun übrig? So gut wie nichts. Tu fennft 
ben Slrieg&fchauplalj. ben Crt, wo bie ©räfin bte fcfemarji* 
Perle oerjtecft . . . Tamit fic bir gehöre, braud)|t bu nur 
ftiller als bie Stille 31» fein unb un[id)tbaTer als bie 
Dladjt.“ 

Arfene Üupin oerbracfetc eine gute halbe Stunbe ba* 
mit, bie 3weite Tür auf ber gegenübcrliegenben Seite bcs 
'JBanbfdjranfcs 3U öffnen, eine ©lastür, bie ins Schlaf- 
jtmmer führte, (Er tat es aber mit (oldjft Vor|id)t, bafe 
bie ©räfin, felbft wenn |ie wach gewe|en wäre, aud) nid)t 
burch bas gering|te ©eräufd) hätte beunruhigt werben 
fönnen. 

9 lad) ben Eingaben leines planes hatte er nur ben 
Umriffen einer Ctjnifelongue 311 folgen. Von bort ge- 
langte er an einen ficfenftul)l unb bann oor ein Tifdjdjcn 
311 feiten bes Pettes. Auf bem Ttfdjcfeert (tanb eine 
Schachtel mit Briefpapier, unb in biefer befanb (ich bie 
fefemarje Perle. 

(Er fniete auf bem Teppich nieber unb taftete fid) mit 
ben $>änben an ber Ghaifelongue weiter. Am anbem 
(Enbe aber mufetc er innehalten, |o heftig Köpfte ihm bas 
$erj. Obwohl er nid>t ben gering|ten Atilafe jur furcht 
hatte, fo mürbe er hoch nicht bie neroöfe Petlemmung 
los, bie er in ber brüefenben Stille empfanb. (Erregte ihn 
etwa ber ©ebanfe an bie |d)lafenbe Sfrau? 

(Er hordyte unb oermeinte ben fRhhtl) 1 « 11 * eines Ptema 
3U hören. Tas beruhigte ihn wie bie Hnwefenheit eines 
&reunbes. (Er |ud)te ben ßehnjtutjl, frod) bann mit Taum 
wahrnehmbarer Pewegung bis 3um Ti|d)d)en. Sein uor* 
ge|trecfter 3 lrm taftete burdjs Tunfcl, feine rechte $anb 
berührte einen TifchfuB- 

(Enblich! Seht brauchte er nur noch auf.gifteben, bie 
Perle 311 nehmen unb baoon^ulaufen. 

PUt übetmenjchlicher SBillensfraft beruhigte er feinen 
Ö*r3fd)lag. 3 n bem ®ngenbtid aber, wo er fid) auf Ju- 
risten uerjud)te, ftiefe feine linfe £> fln b auf bem Teppich 
an einen ©egenftanb, ben er alsbalb als einen Prmleudjter 
erfannte. ein herabgemorfener Armleuchter! Unb gleich 
baneben etwas anberes, eine jener Keinen JRcifeubren, bie 
in einem ßeberetui oerwahrt ftnb. 

„ 9 Bas ift hier oorgegangen? Tiefer Armleuchter, biefe 
Uhr, warum jtehen fie nicht an ihrem gewöhnlichen platj? 
Um ’s Rimmels willen, was hat fid) in biefer füxd)ter* 
liehen Tuntelbeit jugetragen?" 

Unb plöhlich entfuhr ihm ein Schrei. (Er hotte etwas 
Unheimliches berührt! 3 tDö n3ig bis breifeig Selunbeti 
blieb er unbewegti^, entfett, fchweihgebabet. Unb feine 
ging er bewahrten noch immer bas ©efüht jener Perührung. 

Ptit 3 lufu>enbung jeines ganzen SB il lens 3 mang er fid), 
noch einmal ben Arm au«3uftredcn. Von neuem ftreifte 
feine §aub bas fonberbare Ting. $0, bas war feaar, 
bas ein ©ejidjt unb biefes Cöeficfjt war falt, faft eifig. 


9 tafd) brüdte üupin an ben ftnopf feiner ßampe. Vpr 
ihm auf bem Poben lag eine $rau in ihrem Plute. 4 >o(£ 
unb Schulter waren oon JBunben jeniffen. (Er beugte 
fich über fie. 

„Tot!“ murmelte er unwilllihlid). 

Unb er betrachtete ihre ftarren Augen, ben oerjerrten 
ÜJiuub, ba« wachsbleiche ©efidjt unb bas Plut, bas über 
ben Teppich gefloffen war unb nun ju einer biefen, 
fchwarjen SJlaffe erftarrte. 

(Er ftanb auf unb brehte an bem ftnopf ber eleltrifdjen 
Pelcuchtung. Teutlid) tonnte er je^t bie Spuren eines 
heftigen Pingens feljcn: bas Pett aufgewühlt, bie Tecfe 
famt bem Caren herahgeriffen, auf bem &uf}boben ber 
Armleuchter unb bie Uhr, beren 3 oiger auf elf Uh* 
3wan3ig Minuten wiefen, etwas weiter baoon ein um- 
geworfener Stuhl unb überall Tümpel oon Plut. 

„Unb bie fchwarje Perle?“ murmelte er. 

Tie Schachtel mit bem Priefpapier war auf ihrem pta*. 
(Er öffnete fie haftig- Sie enthielt bas (Etui, aber es 
war leer. 

„Alter {}rcunb r “ jagte er fid), „ba l>aft bu bid) 3U 
früh beines ffilüdcs gerühmt! Tie ©rdfin ermorbet, bie 
fchwarje perle oerfchwunben . . . Tie Üagc ift nid)t 
glöngenb. Ptache bid) aus bem Staube, fonft fotmuft 
bu nod) für einen anbem in brs Teufels Studie!" 

Trot) biefer felp: richtigen Anfidjt ging er aber nid)t 
oon ber Stelle. 

„ 3 o, d« anberer täte es. Aber ich? $<U>e ich «oirt- 
lieh nichts Pemünftigeres oor? Überlegen wir mal. 
Sie in ©ewiffen ift ruhig . . . ©efe^t ben Öalt, id) wäre 
Polteeifommiffar unb hätte ein protofotl aufjunchmen . . . 
3 a, aber ba$u müfete id) einen Karen üopf hoben. Unb 
meiner brummt mir!“ 

(Et liefe fid) in einen fieljnftiihl nieber unb prefete bic 
3räufte gegen feine brennenbe Stirn. 


Ter Plorb in ber Aocnue §od)e gehört 3U ben firiminal* 
fällen, bie in ben lebten 3ahren bie Cffentlichlcit am 
meiften bcfchäftigt h°ben, unb ich hätte fie nid)t erjählt. 
wenn Arfüne Cupins (Eingreifen jie nidjt ln einem gan.j 
neuen Sichte erfd)einen Hefee. 

3 ebes Äinb in Paris rannte ßeontine 3 olti, bie ehe- 
malige Sängerin an ber ©rofeen Oper, bie fpäter mit 
bem ©rafen Anbillot perheiratet war unb uor ungefähr 
breifeig Saferen Paris burefe ihren ßuxus bienbete, ffllan 
fagte oon ihr, fie trage auf ihren Scfeultem bas Per* 
mögen mehrerer Panffeäufer unb bie ©olbmtnen aller 
auftralifchen Sergwerle. 

©ne Auffefecn erregenbe ftataftrophe ocrfdjlang bann 
all bie Aeichtümer. Von ber unoergleid)lid>en 
fammlung, bie ber Auttionata» in alle SOmie jerftreute, 
blteb nichts übrig als bie berühmte fchwarje Perle, bie 



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40 


Sflluftrirte 3«tung. 


9lr. 3419. 7. 3onuar 1909. 


an fid) ein ©ermögcn bebautet hätte, wenn fie fiel) ju 
ifjrem Öertauf 1)5 tte entfdjliefeen fönnen. 

©ber bas wollte fie nid)t. Sie fdjränfte fid) lieber 
ein unb bejog «ine einfadjc Uöobnung. Ot)xc 3abUeid)e 
Dimcrfdjaft entliefe fie unb bcfeiclt nut eine ©efetlfdjafts» 
baute, eine ftödjin unb einen Dien«. Das toftlic^e 3uwel 
aber bewäljrte fie; es war bas ©efdjenf eines ftaifers. 

„Solange id) lebe,“ fagte fie, „werbe id) mid) nidjt 
»cm ber fdjwarjcn g3crle trennen.“ 

©otn ©torgen bis 3um Qlbenb trug |ie ben Gd)mud 
auf ber ©ruft. ©aefets oerftedte fie it)n an einem nur 
i>on Ifer gefannten Ort. 

Die Setidjte, bie bie 3eitungeu über blefe Datfadjen 
brachten, ftac^elte bie ©eugler auf. Durd) bie ©erfeaftung 
bes ntutmafelidjen ©Jörbers würbe ber $all erjt redjt 
geheim nisooll unb oertoidelt. 9lm übemädjften läge 
war nämlid) in ben ©lorgcnblättern folgenbes ju lefen: 

„©Me wir erfahren, bat bie ^ßolijei ben Diener ber 
C&rÄfin ©nbillot, einen geroiffen ©iftor Danügre, oerfeaftet. 
Die gegen tljn jpredjenben ©erbadjtsmomcttte finb et» 
b rüef enb. ©uf bem flrmel ber JBefte, bie ber flrlmtnal* 
bireltor Dubonts in beffen Dadjftubc jtoi[d)en bem 93ctt- 
einfatj unb ber ©tatrafe« oerfteeft fanb, hat man ©lutflede 
/ fpnftatiert. ©ufeerbem feljlt an ber 2Befte einer ber ftoff» 
übeqogeneu ftrtöpfe. Diefer ftnopf ift gleich bei ber erjten 
Xatbeftanbsaufnahme unter bem ©ett ber Grmorbeten ge* 
funben worben. 

Die ^Solijei nimmt an, bafe Danegre fofort nad) bem 
©benbeffen, anftait feine Stube aufjufudjen, in ber ©Sol)' 
nung ber ©räfin geblieben ift unb fi«h bort in einen 
9Banb|d)ranE oerftedt hat. ßefeteier befifet 3roei Düren, 
oon bentn bie eine auf einen ftorribor, bie anbere, eine 
©tastür, ins Schlafzimmer ber Srmorbeten führt. Durch 
bie ©lastür tonnte er fe!)en, wo bie (5röfin bie (ßerle 
oerftedte. 

©llerbings ift bies bisher nur eine ©ermutung, für 
beren Äidjtigfeit oorbtThanb fein ©eweis oorliegt. ©ufeer* 
bem bleibt noch ein ©urtft unaufgetlärt. Um fiebert Ufer 
morgens ift Danigre in ben Dabatlaben im &aufe nebenan 
gefommon. Der portier unb ber Dabafbänbter haben 
bies in einer jeben 3weife( aus fdjliefeen ben SBeife be* 
(tätigt, ©nberfeit* geben bie Ätödjin unb bie ©efell* 
febaftsbame ber ©räfin, bie in ber $Bobnung fchlafen, 
beftimmt an, bafe um acht Uhr, als fie aufftanben, bie 
SBohnungstür unb bie Dür, bie oon ber Md)e 3U ber 
Dienertreppe führt, sweimal oerfdjloffen waren. Die awei 
grauen, bie feit mehr als jcoanjig fahren im Dicnft ber 
©räfin ftanben, finb über jeben 3weifel erhaben. (Es 
fragt fid) atfo, wie Dan egte, ber leinen 9Bof)Tvutigsfd)lü[fel 
befafe, fid) aus ber SDofenung entfernen lonnte, falls bie 
Einnahme richtig ift, bafe er fid) abenbs oorfecr barin hatte 


einfdjlicfeen laffen. ©efafe er oielteicht einen v Jlad)[d)lüfjel? 
(Es wirb Aufgabe ber Untet(ud)ung fein, tiefe ©Biber» 
fpcüche auf3unören.“ 

Die Unterfuchung Hörte aber gar nichts auf, 3m ©egen* 
teil. Dlatt erfuhr jwar, bafe Danegre fefeon oft im 3ud)t» 
haus gefeffen hatte unb eines ©lorbes wohl fähig wäre. 
Der ^all felbft aber fchien, je mehr man fid) mit ihm 
befefjäftigte, um fo oerwiddter unb 90113 in bichtrs Dunfel 
gehüllt. 

©or allem gab frrduleitt oottSinclooes, eine (Eoufine unb 
bie einzige (Erbin ber <Erm erbeten, bie (Erriärung ab, bie 
©räfin hätte ibr ungefähr einen ©lonat oor bem ©lorbe 
in einem ©tiefe bas (Geheimnis anoertraut, wo fie bie 
qSeTle oerftedte. Diefet ©rief wäre am Dage nach (Empfang 
fpurlos »erfchtounben unb trofe alten Sudjcns nie wieber 
aufjuftnben gewefen. ©atte ihn jemanb geftohlen? 
9lber wer? 

Slnberfeits (teilte es (ich heraus, bafe ber portier in 
jener 9tad)t oon einem Unbefannten, ber angab, beit 
Doftor $amel holen 3U wollen, aus bem Schlafe gemedt 
worben war. ©tan befragte ben ©rat. ©iemanb mar 3U 
ihm gefommen. 2Ber alfo war ber Unbefannte? (Ein 
Spiefege feile? 

Die Einnahme, bafe ein ©litfchulbiger in ffrrage fönte, 
fanb bei ber treffe unb bem ^ublifum fchon beshalb 
©eifall, weil fie ber alte ©oti3eitnfpeftor ©animarö, nidjt 
ohne ®runb, oerteibigte. 

„Da fte dt ßupin öabinter“, fagte er 3um Unterfuchungs» 
rfchtex. 

„©ch was!” ereiferte |i<h biefer. „Sie fehen h^tet 
jebem ©aum 3h«n Cupin!" 

„3d) fehe ihn überall, weit rr überall Ift." 

„Sagen Sie lieber, Sie fehen ihn ftets bort, wo 3(jnen 
etwas nicht Har fefeeint. flbrigens beachten Sie gefälligft 
folgenbes: Der ülorb ift um elf Uhr 3wau3ig ©Jinuten 
begangen worben, wie es bie herabgeworfene Ufer be* 
3eugt, unb bet nächtliche ©efuchrr fd)ellte ben ©ortier 
exft um brei Uhr morgens heraus.“ 

Damit fchlofe bie Unterfuchung, unb ber ©roaefe tarn 
not bas Schwurgericht. Die ©erhanblung ging jjiemlicfe 
fdjmerfällig oonftatten. Der ©rdfibent jeigte wenig (Eifer. 
Slud) ber Staatsanwalt bradjte ber Sadje nur geringes 
3ntcrcffe entgegen. Unter biefen Umftönbcn hatte DanJgres 
©erteibiger leidjtes Spiel. (Er bedte bie ©löfecn unb 
Cüden Der Auflage auf. Äein materieller Beweis war 
ooihanben. ©3ie war Danegre aus ber oerfdjloffenen 
SBohnung herausgetommen? ©lit einem ©athfchlüffel? 
©Jcr hatte biefes unentbehrliche 9Cetf3eug, ohne bas 
Danegre nidjt bet ©Jörber fein tonnte, angefertigt? Unb 
bie ©lorbwaffe! 9Do war fie, wer hatte fie gefehen, was 
war aus ihr geworben? 


ttn&e free rebattionellen leiU. 


„9luf jeben 3raU", fefetofe ber ©erteibiger, „ift es bie 
©ufgabc bes 9lnflägers, 311 beweifen, bafe ber Däter nicht 
in bem gcheimnisoollcn Unbefannten 3U fuch«n ift, ber 
(ich um brei Uljr morgens ins £>aus cingefd)H<hen t)®*- 
»Die Uhr geigte auf elf«, fegen Sie. Slann man nidjt 
bie Seiger einer Uhr ftellen, wie man will?" 

Der Ungeflagte würbe freigefprodjen. 


©iftor DanJgre oerliefe bas ©efängnis an einem Frei- 
tag bei Sonnenuntergang , abgemagert, nieberge brücft 
burdj bie fechsmonattge Unterfudjungsbaft in ber (Einael* 
3etle. Die (Einfamfeit, bie ©erhanblung, bie Stunbc, bie 
bie C&efchwottien 3ur Beratung brauchten, alles bas ^atte 
ihn mit rranlhaftem Scferedeii erfüllt. ©a<ht& oerfolgten 
ihn quälenbe Dräume, in benen bie ©uillotine ftets 
wiebcrfchrte. (Er fchlotterte oor tlngft unb lieber. 

Unter bem ©amen ©rtur Dwfour mietete er ganj 
oben auf bem ©lontmartre eine Heine Stube unb nährt e 
(ich bort oon ©eiegen hei tsarbeiten. 

Droftlofes ßeben! Dreimal fanb er an brei oer- 
fdjiebeneu Stellen Dienft; er würbe je hoch erfannt unb 
fofort entlaffen. £>3ufig bemerfte er, bafe ßeute ihm 
folgten, wahtfdjeintuh ©eh« impol i^iften, bie alfo bie 
©Öffnung noefj nidjt aufgegeben hatten, ifen in eine 
Oralle au loden. 

©n einem Slbenb, als er fich in ber töneipe aufhitlt, 
febte fich jemanb ihm gegenüber, (Es war ein ffllenfch in 
ben fflieraigetit, ber einen fdjt»ar3<n ©eferod oon jmetfel» 
haftet Sauberfeit trug. (Er beftellte eine Suppe, ©emflfe 
unb einen fiiter SBein. 

6 obalb ber ffrembe bie Suppe ausgelöffelt hatte, 
wanbte et fich 8U Danegre unb fah »h» forfch«nb an, 

Dan^gre erbleichte, üein 3t»eif«l, ber ©lenfd) »ar 
einer oon benen, bie ihn fett 2Bod)en oerfolgten. 9Bas 
wollte er oon ihm? (Er oerfudjie aufjuftehen, aber bie 
©eine »erjagten ihm. 

Der an bete gofe fich «nb Danegre ein <&la$ ©3em ein. 

„9BolIen wir anftofeen, Äamevab?“ 

„3a, ja . . . proft, Äamerab!" 

„©roft, ©iftor Danegre !** 

„3dj . . . idj . . . aber nein ... ich fdjwöre 3hnen" . . . ftoi- 
tertc Danegre. 

r ,9Bas fdjwöwn Sie? Dafe Sie nicht ber Diener ber 
©räfm finb?* 

„©Jas für eine ©räjin? 3dj h««B< Dufour. fragen 
Sie ben ©3irt.“ 

„Dufour Slrtur für ben ©Jirt, aber Danegre ©iftor 
für bie «Polyol." 

„Das ift nicht wahr! ©tan hat Sie angclogen." 

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9lt 3419. 7. 3anuoi 1909. 


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9Baffer leim frei ju ntadjen. I>ci bae JUlittcl jufllctd) giftfrei 
ift unb für ben nienfdjlidjen ftÖTper uiifcfjäblid), fo eignet 
«. fid) norjüglid) für bie innere ©ntglftung. Sei »Jlerfoncn. 
bic bae ÜHagncfininfiipcrorgb längere ^eit gebraucht buben, 
,3cigt fid) bcmi auch ber ©rfolg biefer inneren ©n-tgiftung 
burd) ein förmliche* Wiebe rauf bl fl !jen be* .ttörpere beutlid) 
an. 5Her fid) näher über bas neue Cieiluerf obren informieren 
will, erhält auf BJunfd) eine ausfilbrlidje Brof<t>flre barübev 
oom ärjtlid) geleiteten 3n|titut für G-aucr ft ofMac Unerfahren 
in Berlin SW., S d)ön eher gor ftr. 9hr. 28 foftenfrei überfanbt. 

Jaft nttottnfreie 3lflorren, labaff unb 3igar etten bcjieljt 
man am beften opu ©, ?ö. Sdjliebs & Ca. in Breslau 7. $ur<h 
ein biefer ftirma patentierte* Verfahren toivb ba* 9tifotin 
bem Tabat ohne Bmue-nbung non tS^cniiraltcii entjogen, fo 
ba{j letjlerer uöllfoinmen in feiner natürlichen Sefdjaffenhcit 
oerbleibt, ohne einen roenn aud) nod) fo geringen unan* 
genehmen ©eigefdymarf an3tincl)men. ^Jrofpefte fenbet genannte 
tjirma gern loftculo* ju. ttine ©räfent«itiftc foftet 8./4 2CM. 

3n Jerxen jimmem, 3agl>3immern unb vornehmen Jton* 
tOTen fie*!)t man häufig elegante fleberftiiljle, bie gerabeju 
tum 'Plot) nf b>ncn t)erau*forbern. T)icfe behaglichen Stühle 
ftoimnen aus ber Spe.tialfabiif uonSaffianleber«.«[ubiauteuils, 


ChcfterfWb* Sopb äö » ß*b«fd)wib[tül)t*n unb Ce5«ftübl«n 

Sduoar.tmann dt Co. in &a nt bürg. (fllcrntorbrüctc 6. 
mit fttlialc in SDKmd)en, ^ri.n.prcgentenftrafse 2. ©efonber* 
bas üornebmc Spo3ialmobell Des Saffian« jtlubfauteuil* 
„JUonprin,3 11“ genannter Srinna erfreut fid) größter 
Beliebtheit, T^felbe ift 92 ein bod), 8» em breit, 95 nn 
tief, bot garantierte fRofthaarpoirteninfl, beften i»eDerüber3un. 
ber in allen färben 311 hoben ift, unb toftet eirtfci)(t«^I iet) 
Berparfnng nur 1S7 Jf 50 A. I>ie ^irina Schroaramann 
& Co. ftclu auf 2Uunfd) gern mit Seferen^en, 2tncTtenmingen 
unb Sri.t.ten tu Dienften. 

Eie „Berliner Briefntarte»t»3eitnnfl“, herauogegeben 001t 
Sbilipp rtofadtn Serlini'. t3, Surgftrabc 12, !>at fid) toähtenb 
ihre» etioa oteriäbrigcu Seftcbcns ju einem ber elften beutfdjcn 
ftacbblotter einporgefd>wungen. ttUie ber Untertitel „Beiträge 
3ur Softtoertvidjenhinbe“ befagt, bringt biefe 3eitfd)rift in 
3um Teil reich illuftricrten Srtifcln 9)titteüungen aus ber 
(6efd)icbte bcs Sriefmarfenaxfens, bie ben Anfänger i»ie ben 
erfohrenen Sammler intereffieren roeröen. Süt ieben SammleT 
michtig finb bie mit grober Sorgfalt flufammengef teilte« 
Srei9Der3eict)ntffe f in benen faft febc einierne ®lorfe ihrem 
wahren Werte cntfpredjenb nad) ber jeweiligen iflarttlage 
gemertet wirb. Trat) monatlid) jweimaligem ©rfchetnen foftet 
bie „Berliner Briefmarten •3dtung , ‘ bei »ejug burd) ben Ber« 
leger ober ben ©ucbhanbcl nur eine 9Jlar! für bas t) a ^* c 




NGEN- UND HALSLEIDENDEN SÄaÄT-ä Dr. FEHRLIN’S HISTOSAK,, 

im Kurjrirn Divos, Arou, Leysin. Bozen, Meran und vielen deutschen Heilstätten als das zuverlässigste Mittel bet allen Erkrankungen der Atmungsorgane erkannt worden, und **tÄtr I 
1 Krark •t’hduscm und Kindcrjpitälcm in ständigen Orbrauch gekommen ist. Histos&n ist nirgends offen, nach Maß oder Qca-icht, sondern nur in Originalflasclien rum Preis von Mk.)30 j 
•m A|'.4heken vorrätig. Wo es nicht erhiltlfeh ist, wende man sieh ui die Hlatoun-Pabrlk Singen. Finzelversand durch die Stadtapotheke Singen 115 (I 

3m Benag pon d. 3. 1 
Ctlpjifl 26 ftnb «Jcttencn t 

jebe Buchhanbluno «u bq 

Das »uth Oer jungen* 

Con Dr. tned. ft. Burtf l) a tblTj 
oer be|| erte ttufl. 3n Origtru ^ 
2Ularl in Held) enteti 


/ 


7/ 


// 


0ie{er, pon bem auf i5er§ unb Heroen fc^äb(icf) mirfenben 
(Toffeln befreite Kaffee mirb oon ber „Kuffee-Hattbe^'Aftien- 
GefeUfc^aft, Bremen", in ben Sbanbel ^ebrac^t, n>e(d)e ihrem 
^robutt ^erhnort bie ^Infaitgetbuchftaben £ag (lin^ugefügt 
hot- 0ttib öie h^franf, neroö^ ober leiben ,0ie an 6chtaf* 
lofiöfeit unb ift $[)im\ ber getpbbnliche Kaffee oerboten, fo fönnen 
0tc biefeu »olifoimtien unfcfyäblichen „Kaffee Äag" coffeinfret 
auch ftärfften ^lufgiiffen ttinfen. beachten 6ie bie 0chuh-- 
marfe „Rettungsring". 


Hoflieferanten 
Sr. Majestät 


des Königs 
VOn England. 


FISCHE, FLEISCHSPEISEN, 

FLEISCHBRÜHEN. WILDPRET, 
SUPPEN und alle KÄSEARTEN 

werden 

wohlschmeckeBder und pikant 

mit 


Emm 

Pastillen 


OlaBrflhrch-en . 

] an* den KOnlgl. 
Betrieben au Erna 

(272) 


.Sämtliche löslichen 
Salze der Staats- 
quellen enthaltend. 
Lösend, mildernd, 
vorbeugend, säuro- 


85 


Die grouenfranfl 
i$re (httfte§mi9 f“ 

Hon Dt. med. £Dil b (ImftUbCC. 1 
ttuflaac. Blit 40 EbbübungcR. 3*1 
flinatlemrubanb 4 Wart. 

Das 5tiitb u. feine ! 

Bon Dr. med. fi. Jürft. 8( 
grarbritett unb brrridhertc Euflagf 
129 ttbbllbunflm. 3n Ortginatletiipr“ 

4 'Ula rf 60 T3f*. in addjmtrlntMmQ V 

Aranfenpflefle Im ^ 

Bon Dr. med. Baul tBagnct. 

71 tlbb. 3n Ortainollttnenbanb < f 

> Harzer 1 

r vuixfiifi. sjmir*T )*, 10, E 
3* J$ mit Vi-rp. lai Aj dj 
Sfind Nac h nah me. SÜD,. 
Ntthcrcs und 1‘rriOlaae j 

kiainra-finuiMknl L I 

limbred.iTiruli.B ' 

Original Karlsbader 

Becherbitte 

wit 100 Jlhreit Iv'wiilirtvr Mn^nlikAr. £ . 

; r^.«p Johann Becher, Ic. u. k. H«i und K^mcclicfet 
= — — üt’i'rünilct 1807. — ■ — . . =• 

IPm-IhIc All-zcii-linuncfij. — Mu«tCC uh Fabrik gmtis t ^ __ 

1 LUer^Flsutchc f rächt* u zollfrei jeder Station Deutschlands 


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■A236^.TufclffCrtlc.T 

Frstgabci]. Hilbcru ^ 

Tirmilbert, Kuns.t- 
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AI paoc&si Ibtrbcat«. k , 
Alumingc*chirr. 


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-f* em eonüdt». 

mtDr. C.'BitllcT, Iitrcttatt»«EBanet* 
«etie^thkU «• öhnmau. amt » «bbteb. 
»nfe jbic Batutlc. Boüe^cb. 8 .B 0 4 . 
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Untenchrirt B. orU 
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(d. Erfind. 20927 wmJO. Juni t8R! > 

In dir kzL UnivcrsikUa -Kiodorpoliklinik z'u Manchen, /teiri 
| tu Anmmdiing. Für Brrraoheene und ftf Klndtrl — ^Vai 
Wirkung Vi Blutarmut und Bh ichsurht. eowic gegen Sch^ 

P 'kättSich lt;‘ J -Jk .* | Kjthckcn ä 

En-g: os: lAid wlgn - Apottaokef J 

OHIO STATE'UNIVERSITY 


-Lzu 





I 


Jllustrirte Zeitung 

Erscheint seit 1843 



Nummer 3420. 


Hundertzweiunddreißigster Band. 


14. Januar 1909. 


Verlag von J. J. Weber in Leipzig, Reudnitzerstraße 1—7. 
Goo-'~ Original from 


Digitized by 


£le 


THE OHI.O, STATE UNIVERSITY 



Kette Serebfidjer. »cfprcidjen von $an* grlebrid). 

„geb« Munft ift übcrlebcn&gTofj. Darum tmifc. fie fid) 
heben über bos fd)leid)enbe Dttnrcl bes fleinett Gebens, 
darum ntufc fie ihre SIrmc hinausreden in bie frei« Öuft 
und mit ihnen roadjfen ... Die Vhantafie ift nid)t 9lot* 
befjelf. Sie ift .Wem, HBcfen imb Cuelle unferer ftunft. 
3n iljr ift bie SBaijrijeit uitfeter ftunft. 31)* opfern wir.“ 
So fdjrieb SBilljelm o. Sd)ol 3 1897 an ftainer SJtaria 
fRilte in bet SBibmnng feines ©cr&bud>eß „§ol)cnflivgeti“. 
3d) fetje biefe ÜBorte tjierljer,. weil fic auf bas Schaffen 
be© Dichter© ein bezeichnendes Sicht werfen. 2lud) „Der 
Spiegel“ (£Ründ)on r ©eorg ffltüUcr: geh- 3 Ji 50 <*), beffen 
3 weite, vermehrte Auflage jüngft erjd)icnen ift, jeugt Don 
bem ®«ftreben, ben <ÜJcg in bie freie Öuft ju finben unb 
über ben Sllltag hinauszuwachfen. Das gibt ber fiprif 
SBilhtlm v. Sctjol.V ihre ÜJontetjmfjeit, bic ben fliidjtificn 
öefet bemal)« fut)l anmuten wirb. llnb bod) firtö biefe 
ivo Ijl gefeilten unb tedjnifd) grofce ®ei 3 e bergenben ©erfe 
von innerm gelter burd)glüf)t. Slufjer biefer ©ome^mJjeit 
unb öjefüljtsempfinbung fommt in biefen ©ebidjten ein 
imjftifche© Gittleben in bie Statur 3 um Slusbrucf. £öer 
eigentlich nid)t ein Gittleben, fonbem ein Slufgeljen. Gclpr 
d>araltcriftifd) hierfür finb 3 . ©. bie 2 Bcnbungen be« ©c* 
dichtes „Dotcr glug“; w 3d) trinfe SBotfe, See unb 2BaIb“, 
„Das Dunfel, bas mid) füllt“ u. bgl. Dicfes gcljcimnis* 
volle: •ßtufgefjen des Dciles in bas graf)« ®anje gefchzcht 
am ungestört eften in ber Stille ber 9lad>t, beren Schweigen 
3 U bem ©erfteljenbcn lauter als $öortc fpridjt, in ber es 
von geheimnisvollen Stritten Hingt, aus beren Unenb* 
licfjreit „mir 311 Öeibem febwer zufantmettritttien". Das 
Problem, bic ung«t)örtcn, nur geahnten Öaute in ©erf« 
3 U faffen, ber Übergang vom SBadjen 311 m Schlaf unb 
umgetcljrt, bas £>inüb erfliegen ber nad) bem Dagealärm 
ftill toerbenben Seele in bas grofje Schweigen erfdjeint 
bei SBilhelm 0 . <Sc£)ol.t in ftet« neuen Abwandlungen. Da* 
mit eng verbunben ift ein anbercs SDtarfinal feiner Ggrit 
Sollte fein 9iame einmal im Öauf ber 3eit verloren gehen, 
fo mürben ibn vielleicht fpätere ©cfctjl echter ben „Dichter 
mit ber gacfel" ober ähnlich nennen. Denn in bem aller* 
größten Deil ber ©edid)te finbet fid) eine fünftliche 95e» 
leud)tung bes Dunfel«. 9Jtan fieljt, toie fid) fflJilhelm 
v. Scholz immer roieber ange 3 ogcn fühlt, bas Düngen bes 
Siebtes mit ber ginftcruis ober bem Diebel barjuftellcn. 
Aud) ber in ber oben zitierten DBibirtung fo t>od> gepriefenen 
tßhantafie ift er treu geblieben. 3n ben Iprifd^epifchcn 
©ebictjten, befpnbers in ben „Möiiigsmärd)cn“ geljt er aber 
hierin oft ju umt. Seine 'ßbautafie oerfteigt fid) 3 U fiil>n, 
fo bag bie ©eftalt ungstraft nicht mehr 311 folgen vermag 
unb an Stelle eine« rairflid) fünftlerifdjen Ginbnids ein 
bumpfes ©efül)l öie golge ift. 2 lls ©robe oon lUilljetm 
v, Schuld' G*)rif ftehe hl <c Gtunbc", bic für feine 

Crfaffuna ber Umwelt unb bic Reinheit feiner Dcthnif ein 
charattenftifches 3 ^ 0 ”»® ab legt. 

„ft lamme rft t>u bidi mondmial nid)i, 
t»e nn toir ftfuociacn, an mid» an ? 

Tod) fs itt ein ftillce Pidjt 
über untern mbiOen ö^ rt be»l. 

Untre löltcfe, bie hdj toertben, 
frflflen nid»t . . . 

Sieb, bic 9ln<t)t bebt |till b«o (Sta* 
miC Veit« taijlen 41)ctn ,ium Wunbe, 

ICchm {(breitet rinos buub-'o C&raa 
brnnhen . . . Unb Die (rille Stmtbe 
lAutet. C wie leuctitft ba»1 
«KUcniveifi Itplflfi ber ® arten, 
blQtentdjwer — 
tn ber JJcme vebt es ber. 

3 flt)ttt ®u mebtr wir follm werten — " 

3n noch oi«l höherm SOlaftc als „Der Spiegel * 1 finb 
3Jtai Dautljenbei)« „3n fid) Detfunfenc öieber im 
fiaub“ (Stuttgart, Ulrel 3unfcr ; geb. 2 Jt 50 A) ein ©uch 
Dlatur. 9lbcr t)tcr fpridjt ein gart 3 ättberet Did)tergeift. 
®ei DJlar Dnutljenbcp fehlt ber fdpner.diche juiiefpalt ber 
ein.^clncn SOlcnfchenfcclc mit bem Dßcltganjen, fehlt bic 
Seijnfudjt nad) bem Dlufgehc 11 in bie Dlatur. Seine ©e* 
i>idt)te finb immer ibgllifd); benn if)V ©erfaffer ift fo fcljr 
«in Sol)w biefer (5rbe, bafe fie ihm mütterlid) alle« ge* 
roäfjrt, roas er von il)T forbert. &ür ihn ift fie Ttid)t bas 
gro^e ©ehcimnispolle, c^Tfitredjttflc Sdjauer (Srtoedcnbe. 
(beheimnisooll ift für ihn bie IMeb«, aber nidjt bie ver» 
berbenbringenbe, bic gleich einem flimmemben Stcni bie 
«inen jur bie anberen ins ©etberben fflf)rt, fonbem 
bie ftets ijfd) emeuenbe, Öeben fehenfenbe unb erhellen be 
fiiebe. Svilhel’n v- S«h°l 3 fprity einmal von einer Heimat, 
bie mir fudjen müffen, aber nur im Dräumen finben tonnen. 
Dauthenbegs fieimat ift bie wirflich«, liebevoll oon ihm 
«tfdjaute 5Belt/üb«r bie feiten ein Söölfchen ber Sof)nfucht 
fliegt, in ber es mcift flingt von Äüffen unb Öicbcsroorten. 
Um bic Dedjuif hc« ©nd)cs 3 U charartcrifieren, ^itierc id) 


anberen (bebichten uucberbolt, habe ich gerabe bie „Sonnen« 
rofen" .ptiert. Denn in biefem DSunlt ift eine ©eroolttomm* 
nung oon Dautl)enbeps ledjnit möglich unb ertöünfd)t. 

Cin reifes unb frommes Berenntnisxoert hat uns 
Kid)arb Sd)oufa[ mit feinem ,,®ud) ber Seel«“ 
(®tünd)cn, Cbeorg DJlüller; geh- 3 Ji 50 A) gefefjenft, 
bas mit ©«311g auf ben Ditel eines ber fehönften (Sc- 
hichte aud) bas „®ud) ber feligen fRcfignation" hetzen 
töimtr. Üllcr bic AUdglid)feit oon fölenfetje n fielen ernannte, 
toer u>ie einen &lug von toeifjen Dauben 3r6ifd)es ver* 
flattern hörte unb ben blinben ©lauben an bie ©unft 
bcs ©lüde® verftiefe, bem rauben feine ©lenbewunbeT 
roeltlid>er ®efthid)te mehr ben frieblid)en Schlaf. 

.Sr bat (t* feinen enaen Jtreis fle,)ogen, 
in bem er [tilt t«n fluferteotes 2un, 
uncoi rflid) faft, oon to«w betroflen, 

bulbfam »trrldttct. naumfletröntem Slutjn 
ato un(rmt bejien (Erbtet! too()l nriDoacrt, 

(lebt ieben •DJorgen er in feilen Sefmbn 
(leroflolter Vftidjt ans IBert unb gibt bem Öeben 
an reifer ffruipt, toao er U»m t>at ju geben. 

Tod) ragt fein freier Q*eift ine Unbegrenzte: 
aias it»n als i'eib umgibt, ift nur ©ruxmbnnfl 
ber Srele, bic in fetige beflldnile 
(Kcfilbe fteint. ein llor, aus bumpfer ®ranbung 
ber Tagtid)feit, miib nahen fid) betrdnjte 
UnfterbH<he in flTcm&geujobnter i’aitbung 
bem ^afen feincT ftoUen Äintamleit, 
unb dberuownbcn ftntt unb Itflrjt bic 3 eit,“ 

Das ift bie Stimmung biefes ©udjes: abgcHärt unb ruhe* 
voll, obgleich ber Dichter, ivie er felbft einmal fagt, ein 
heifces öer.f trögt unb nad) haften Strahlen oerlangt. 
©iel Schuf ud)t nad) (Swigleit ift in biefem IBcrf, aber 
auch viel gewiffer ©taube an bie (hvigfeit. ©ebid)tc wie 
bie an feine DJtutter, an f>rau unb Äinb, ber Sonetten* 
fran3 „f»cimat ber Seele“ bringen uns Sdjaufal fo menfd)* 
li<h nahe toie wohl bisher (eins feiner aJersbücber. Dunfel» 
beiten, bic fonft ftörcnb wirlten, finb vcrfdjwunben. Die 
frorm ift nihig unb bem Stoffe angemeffen getoorben. 
DKan f fiEjl t f hier fpridjt einer 311 uns, ber nicht meljr 3U 
experimentieren braucht. 9Jtcmd)cs in biefem ,,©ud) ber 
Seele“ 3eigt, baff bie SBur.feln oon Schaufals üunft im 
neunzehnten ^ahrhunbert 311 frühen finb, bah ©oethes 
Schatten aud) an ihrer SBiege gef tauben hat. Dl ber bas 
foll nicht in bem Sinne gefagt fein, als hätten wir es 
f)iet mit eflefttfdjen Elementen 3U tun. Denn toer im 
ncunjfhntcn 3al)rhunbert, wenn cs DBett* unb DJtcnfd)» 
heitsfunft im Ijo-djficn Sinne 311 fd)affen galt, hätte fid) 
bem ©tnfluh bes ©eroaltigen von älleimar gan3 3U ent* 
3iehen vermocht! ©inen wertvollen ©eftanbteil bes neuen 
Sd)aufalfd)«n fllerfes bilben bie 9tad)bid)tungen aus bem 
nfranjöfifcbcn. Dieben a3aubelaire unb ©erlaine, bic fchon 
immer feine Öicblingc waren, finb Stephan« ©iallann« 
unb (Smil ©erhaeren vertreten. 

(Es gibt 3U benfen, bah bic Icibenfrijattlidiften ßiebes» 
gebid)tc unferer allerncuften önrit von grauen erlebt finb.- 
3ch fdjreibc abfidjtlid) „erlebt", obwohl biefes 9Bort be« 
rcits einen Icifen Stid) ins Üonoentiouclle befommt. Denn 
auch vorher, in ben erftcu Chuan.fipationstahTjehMtcn, ver« 
faxten grauen Öicbe&gcbichte , aber — fie waren banad). 
(Es fcheint, bah bie fo bebettflid) graffiereiibc Didjteriti«, 
„grauenlorif“ gctKtfirn, bemnächft erlofchen fein toirb. 
Denn aud) bas tvdblid)« ©efd)led)t hat jetft ftarfe bidjte* 
rifdje ©crfönlidjfciteu auf.vuuxifcn. Unb gerabe auf bem 
©ebiet ber leibcnfd)aftlicheii Giebcslprif mit jtart finniiehem 
©iufd)lag — unb jebe öiebeslprif follte biefen ©infdjlag 
haben! — beginnen fic bebcutfam herootzutteten. 3n 
meiner vorigen Dlunbfchau Fomtte id) rühmenb von iNi> 
carba Jvudjs neuem 9Bcrf bcridjtcn; heute liegt bereits 
roieber ein hödjft bead)teiisroertcs ©ud) vor. DJlargaretc 
©eutler zeigt in ihren „Dleuen ©ebictjteu“ (©erlin, 
©runo tiaffirer; fort. 3 ji 7 ), baf) ihre Stunft noch ebenfo 
finnenglfll)enb, ebenfo genial leibenfthaftlid) ift wie früher. 
Die Didjterin gehört 311 ben wenigen, bic nad) Imnfcn* 
heit in fid) fclbcr haben unb nicht nur bie öcbeustrunfcnen 
fpiclen. 3n iljr hat bas Dioinififrfje ber Söienfcbenuatur bie 
gcffcCn bes gefelifchaftlichen Mouuentionatismiio gefprengt 
unb jauchzt nun feine freie Scligfcit in bie ladjcnbe lllelt 
hinein. Mann man es ihr verübeln, wenn fic fich um gc* 
roiffe Sdjranrctt ntd)t fünimert, tueun ihre „Öofen Öieber“ 
and) Toirflid) lofe Öieber finb, fich nid)t nur fo aufputjen? 

UBcr follte fid) nicht freuen — er muffte beim ein 
©hiüftcr fein, unb bas mag wof)l feiner vor fid) folber 
cingcftehcn — wer follte nidjt herzlich ladjen über bas 
„Sdjwabingcr öiebcobuett“ unb äh^'d)« föftlidje 'Jüländj* 
ner 3ntimitäten? 3n bem letzten Deil bes ©aubes, in 
ben „.Kleinen A^amwnicn", finben fid) Drinllicber, bie 
wert finb , vertont 311 werben; fie atmen edyt bacdjifdjen 
©eift. Dlber biefe jaudjzcrtbc, l>cif{c Gcbenstrunfcnhcit bc* 
leuchtet nur bic eine Seite von yjlargarete Sentier« ^l)a* 


bas ©ebietjt „Sonnenrofen“. 

Sonnenblumen fcbouen Aber bie ©arten niemer. 

4Di* in galbenen .Cyiubrn (Sejichter oon grauen. 

Sie- feben nu© pofboetben M raufen berau© 
ftodjcmfflrrictMct wie zur etpiflen Tauer; 

®3ie JUcfinnen. bi« töaefte bei Ven Paubrn lieben, 

»ei ben Sonimerlauben oou bottiroien »obren blflieu. 

Trinren 2U<t) unb »äiife unb ©ebanlen uicbt 00m flehen: 

röo bie ®lorte fid) hbten. unb bie »nnen uiel aelleheTt uitb flroh aus. 
TDic bi< ßrohnrUH-rt »lunirn, M( fid) mid} Der i$onne Mrcb«n, [feheu 
?Die blr »lut neu, Die (lültmu tHflbcr locrbeu oh SUimen, 

Tie mit ben »erbebten biircb ben «ommcrbitnmcl jaflni 
Unb eilet ytebwroCitijdje icagen." 

Die „Sonrtenrvfcn“ feigen alle guten Seiten fcer Werfe 
Dauthenbcgs: bie Winnen reime, bie eine fo cvunbcrvoll 
ftarfe, tieftoTiige 'JJlufif erzeugen, bie Stellung ber ©ttb* 
reime, ben Klang ber DBortc, bi« Reinheit bes iHhnthmus. 
Dlber bod) ift hi« in tcchuifcfjer Wc.fichuug nod) nid)t bas 
fiepte gegeben, was Tauthenbei) 311 geben hat. Gin fein 
gcfdiärites Ct)r unb ein Oljv, öas bic eineutümlidjc 
Sdjönljeit öicier Werfe ganz in fich aufucljmon will, muff 
fid) fdjarf ciuftcllcn — wirb cs als ftörcnb cnipfiubt n, baf? 
in ben erften feilen bvei 9ln*9letmc burd)einanbergel)cn. Gs 
wirb baimreh eine Unruhe erteugt, bic für bie ruhige .riar« 
mvnic biefes ©ebidjtes wupafienb wivtt. Da fiehJUttfidjes in 


Xle Onuftrlrle 3 eitunfi him[ri|i|iQf|lrj^ 0 n 
wirb fl«cld)tlid) urrfulfli. »ftc yBrniiuiHKn 1 


rafterbilb. D\I)f Öeben, heißt es einmal, taumle zwif<hen 
fWaufch unb ©infamfeit bahin, ,,5n« öidjt gebannt unb 
an bie Dlncht verloren“, bas ift ber fdpncrivollc 3taicfpalt 
in biefer grau. 2lus taufenb Vinnen muffte fie fid) löfen, 
vielen, bie e« gut mit it>r meinten, Sd)m«r,f«u zufügen 
unb an bcuen uorübcrgleiten, bie einftmals iljrc lachcnbe 
Sehafu^t waren. Meinem hielt fie bic Dreuc, weil fic 
fid) felbft treu fein wollte. So bleibt fie fid) felbft zwar 
tief befannt, bcmiod) rätfclooll, unb ihre Dagc bunleln, 
bi« eine Jteue öeibeufd)aft mit ihren heilen glammen fie 
erhellt, bis eine „verliebte Gtunbc" in iijr Gehen tritt. 

„»«in jffrnitrr fpronn «in flberntfltifl« Ia % t! 

Tie bmtllcn Hier Iranlcn feint »lieft. 

Ttr *JUnlD «rftnnfl, im Silber flanD bit »rflrfe, 

Irr Vtiubflimti iltimc int Irojfrlfd)lafl . . . 

Ta fano ein Vieh in mir — cr(t imD »afl -- 
llii t> wild}« Dp di idinell zu ftt’iurtu ©efitiiifc : 

(?•.. aii«* Dnt alten »inb tum GietwoitlUdc, 
llnb meines »lutes (finfaniteit erlaa. 

■ilirr mill Der dem eit ©ede ©rfiitDc fetmrn ? 

ifiu »hüiiiDebriict. ein leiies »iinienneinicii. 

(f in Itivü«. ’UuiHDmi Durrt) Den ».'araeuirieDen — 
llnb id)im üt e« fieiuif». »irr Uivveu Drtnittu. 

CSfielm, - |1 HD tri* ainu ntwitDeit 

^ Irr pmniner jauft, rin ürauctilv« zu fd»inict>en." 



©in Wefcnutnisbud) finb biefe „SJleuen ©ebicfjte“ auch in 
ihren Sdjroachen. Dlod) gelingt es SRargarcte Seutler 
■nicht immer, wie SRirarba^ud) über bas Dag«bud)niähig« 
bes ©rlebitiffes fortzutommeu unb iljxc ©ebichtc auf eine 
von allein Zufälligen befreite £>öhe zu erheben. 3n bem 
©ebicht „Der Worhang“ gefteht fie felbft ein, roch fönn« 
fi« ihre funfelttbcn ©e barten nicht ir gülbene gormen 
faffen: eine für bie weitere ©ntwicflung ber Did)terin |«^ T 
ivertvolle Grtenntiiis. 3Hit ihr glauben wir. bafo auef) 
ihre 3eit einft reift unb tl )t Öatib üppig grud)t trägt. 
3ugleid) aber hoffen wir auch, ba& trog einer ftrengex 
gefahten unb fünftlcrifd) gehobener gortn nicht bie Ceiben« 
fdjaft verloren geht, bafj wir uns weiter bet „golbenen 
9?ücrfid)tsloftgfctten M freuen fönner. SBir braudjen ©e* 
Witter biefer Vlri, brauchen tyrifje Münftlematurcn. Denn 
wir bebürfen ber öeibenfdjaft, mögen aud) bie Steifen 
unb Stvcfigen befdjrovrenb ihre f)5tibc erheben. 

Gin wertoolles unb fidjer vielen tvillfommene« Sammel- 
wert hüben „Di« ®allaben unb ritterlichen 2icb«r 
b«s gretherrn öötrie« von fDlünchhaufen“ (®«rlin, 
Ggor gleifchcl u.Äo.; geh- 3 Jt 5(M), beren oiertes Daufenb 
bereits vortiegt. Vluher ben bisl)« erfchienenett finb h«r 
einige brei&ig ©ebid)te neu hi«3»fleJommen. Uber füKind)* 
haufen5 ®allaben länger 3U fpredjcn, eTfcheint überflüffig, 
bo fie betamit genug finb unb biefe SBerbrcitung aud) oet- 
binten. Denn Stüde wie „Die Drvmmel bes 
„Der 9Jlarfd)all“, „®auemaufftanb“, „Der gifdjer von 
Svenbalarö“ uitb baneben oon weniger befannten „Die 
'lieft ir Glliant", „Vlltc ßanbshiechte", „Die s JÜtauerballabe", 
„®aiKtrb“, „^unnettzug“, „2llte tBallabe“ unb viele anbete 
veröiener, in weitefte Mreife zu bringen. 3ufiunften biefer 
fraftoollen VBerfe tverben unfere Gd)ulbüd)er manefj«« hi-tl» 
auswerfeti rönnen, was fdjwächlid) ift unb nur aus Dra« 
bitionfv lange tnitgcfdüeppt rourbe. Unter allen SH eueren 
ift woljl Sörries v. »tündjhaufen gerabe berjenige, ber 
bie alten Oberlief criiugeii am liebevollftcu ftubiert unb 
felbftänbig roeitcrentwicfelt hat. Seine rein Igrifdjen ©e* 
bidjte finb weniger bebeutenb; aber fie ergänzen uns bas 
®i(b bes Dichters unb bringen uns ihn als 'IZerfönlichtelt 
■nahe, was ja bei ber objeltiven Munftform ber ®allabe 
unmöglich ift. Vlls'Brobc feiner Igrifdjnt Munft, bie übrigens 
ben epifd)eu Gin|d)lag niemals verleugnet, ftehe h*« 
©ebicht „'Jtäd)tlict)e gahrt". 

.©[ulverborn |d)U1fi rinn& brr IBalb, brr fronte. 

Mount ball UiuiIbü ritte ttule ittrift, 

Staunt baf) luitrnb eine »romberrrattfe 
Ulad) Drn epcidyen mctn<© StuDe© flrrifi. 

»leine© Uirftt© ericbcorfnc l?riid)ten irren 
a>rof», pl)nni.iftif<t) cm ben Stämmen t)cr, 

»dct)liflc Folter tollen üluflrjt (dvrimn 
(Krönt brr Potente ©djelbrit («pturr. 

Ctiiljrr trrlidjen frpt im Slrbrltalc, 

11 11D b«r 2ct)HHtDen ticEit öen ‘JDrfl bcrout. 

Wolfe* Wrn© iirdd ilaiictianb bir »ebalr, 

IVent ein »liinreit, unb ber Walb i»ad)l auf. 

Unb id) laiildi«, roic ber ^orU betn Tao« 

»n«a ei« jelmeiib Uebreuiiebcr finfll. — 

'«iifljtlld) lief Da« Tunlel. 1ta& id) jdilage 
iSfflcn titriizr iSlodr, bafi fic lliufli," 

iBic ®örrics v. 3JJünchhaufcn , fo führt uns aud) 
VBtlhelVi gifd>cr itt ©ra.z, ber nod) immer 311 wenig 
befamttc Dichter ber „greube am Ötcht" unb ber „Sommer* 
nadjtscrzfihltingen“, itt feinem neuen ®crscpvs in ferne 
®or.zeit zurüd. DieiNomaiw w DerMaifervpn®p3an3“ 
(9Rftit©ett, ©corg 50lftller; geb. 5 Jt) fctjilbcrt in [chlichten 
iBcrfcit bie Daten utib beit Untergang bes iScrzogs ®al6croin 
von glanbcm. Diefcr zieht aus, um gemfalem aus ben 
fzätibeti ber Ungläubigen zu befreien, gewinnt aber auf 
bem UBege borthi« Monftantinopel unb Ejerrfdit hier in 
Mraft unb s>frrlid)fcit. bis rr, oon bem an Jatjl weit 
überlegenen iSeet bes jardt Malojan bet Vlbrianftabt bc* 
fiegt, mit feinen letzten ©etreuen auf ber ®ergfefteStenimach 
ruhnttfid) fäntpfenb, ben Dob finbet. Der ©ang ber 
$>anblung ift reich bewegt uttö fteigert fidy in glüdlichfter 
Weife. Die einzelnen Gljaraftcre unb Szc«fit finb in ein* 
bringlidjer, gebrungetter, niemals abfd)w«ifetiber Spraeh« 
hcrau&gchobctt. Unb bod), trotz aller biefer Vtorjügc, troß 
ber gefd)loffenen Mompofition bes VBertes, hob« i^ biefer 
lteiieu ©abc be« ©razer 9JJeifters nid)t oöllig froh werben 
föttnen. VBilhelm gifdjer hat fleißige Vlorftubien zu biefem 
®ud)c gern ad) t, was befottbers in ben erften, aud) wenn 
man fic als (Einleitung bctrodjtet, etwa© matt crfchcinetiben 
Kapiteln fid) beinahe ftöreub benterfbar macht. Ginige 
aittiguarifdje Glemente brättgen fid) hier ein, bie glüdlicher* 
weife, fobaib bie Sganölintg fcffclnöer wirb, fid) verlieren. 
Vlbcr bic« ift nid)t ber einzige ©rund. Die llrfadje, bic 
mir beit rein tfinftlcrifchcn ©ciuih beeinträchtigt hat, liegt 
tiefer, unb es loljut woljl, mit etn paar VBortcu barauf 
einzngehen. ©erabe biefe Koniaiizr, bereit ®erfaffer ein 
fo echter unb f tarier Gpiter ift, wie wir gegenwärtig nicht 
viele befreit, zeigt, baf) bas tBersepo« heute ein gefähr* 
liehe© (Experiment bnrftcllt. VUo cs gilt, hödjftgcfteigerte, 
ba« 3rbifd>c überrägenb« ^anbluttgett uitb 'UlcnfchcTt zu 
fdjilbcrn — id) erinnere an Spitteier« „Clontpifdjen grüh* 
iing" — hat fid) biefe Kuuftfonn ihre völlige ®<red)tigung 
bewahrt. Gilten Stoff wie „Hermann unb Dorothea" 
heute noch als Jtcrsepos zu bchanbcln, crfcheint bagegen 
faft uumöglid). Denn unfere ffutftlerifd)« Slnffaffung brängt 
itt ber crzöl)lenbnt 'fZocfic zu einer ftäriern Differenzierung, 
and) in ber Dmftelluug einer weniger differenzierten, im 
gälte von gifdjer« Koman.ze fouvcntioncllen Jrit. Gtne 
fold)c Differenzierung ift aber für öett Stil öc© ®ersepos 
überhaupt ober nahezu ausgefd)! offen. So fommt es, 
baß uns bei einem foldjcn, mag cs uod) fo gut aufgebaut 
unb burchgcführi feiu, bod) am (Ende etwas au ber 00H* 
jtüubigeii tünftterifd)«n ®efrieöiguiig fehlt. Darüber bin 
id) auch bei Wilhelm gifdjers „Maifer ovn ®t).zanz" nid)t 
fortgelomnien, ber, obwohl id) it)u für ein ttotrociibigcr* 
weife nicht gelungenes (Experiment halte, immerhin eine 
beadjtciiswcrtc Geiftimg bleibt. 3 u 0i ( '' < h aber aud) eitx« 
lehrreich« unb warnen be. Denn was einer fo ftarfen 
ffliciftaimtibiuiir ttidil gelang, wirb 3d)wäd)cr«tt tnifiglüden. 






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3h. 3420. 14. 3amidt 1909. 


Dos 3«>hing5roefcn tit beit beutfdjen 
Kolonien. 

$»on «afcwtg fetUuKMi. 

[ftadjbrutf o«bo«en.) 

ad) bem bic beutftfjc Kultur in unteren Kolonien mehr 
unb mehr 5 uß gefaxt bat, beginnt fid) bort auch nad) 
litib nad) eine 3 unäcf)(t freilief) nod) rcd)t befcjheibenc 
jeitunasliteratur 3 U entroideln. Nicht nur für bi« amt« 
liehen ©efanntmadhungen, fonbem aud) für ben Hanbels* 
■unb gefellfd)aftlid)en ©erfehr tmirbe bas (Erfcijemen non 
Leitungen 3 ur Notroenbigteit. fieiber brfinben fid) aber 
bie Neger im großen unb ganjen nod) immer auf einer 
fo niebrigen Kulturftufe, baß fie bei ber Gbriftenzfrage 
einet 3*th» n 9 mit in 9?etrad)t Fommen. Kie Sieger 
jeßeuen noch mehr als bie törpertidjen bie geiftigen An« 
jtrengungen. Renten unb ©rübeln i|t ifjte Sache nicht; 
ein gebanfenlofes ‘Datjinteben ift ihnen bas liebfte. „$ür 
bic Begabung ber Neger", fagt benn aud) Siegfrieb©affarge 
in [einem 2Bcrfe „Sübafrifa“, „ift es charaFteriftifd), baß 
fid) ifjr Hulturbefitj t)auptia<±)[id) auf bas Materielle richtet. 
Huf biefevn (Gebiete finbet fid) eine ocrbältnismäRig t)ot)e 
Kultur. (Es finb hauptfädjlid) fotdjc ®erätfd>aftcn aus* 
gebilbet, bie auf ein behagliches unb bequemes fieben 
gerichtet finb, roährenb man an geiftige (benüffc Feine 
aroßen Anfprüd)e ftellt.“ Kie Sieger roerben alfo aud) 
in abfehbarer 3cit Feine 3eitungslefer »erben, roie etwa 
bie 3nber ober bie Japaner, unb bie Abonnenten ber 
in ben Kolonien erfdjeinenben 3 eitungen roerben fid) 
zunädjft nur aus ber weißen ©eoölFerung refrutieren, 
Kiefe tft aber für journaliftifche Unternehmungen noch recht 
jdjiöad) oertreten. flaut ber „KenTfd)rift über bie (Entroid* 
lung ber beut[djcn Gchutjgcbiete in Afrifa unb ber Gübfee 
im 3oF)« 1906/1907" ftellte fid) bie roeiße ©eoölFerung 
in ben f amtlichen Gchuijge bieten (ohne bie Gchußtruppe in 
Sübroeft) am 1. 3anuar 1907 auf nur 12305 (im Bor* 
jahr auf 11215). Kod) geht aud) eine Heine Anzahl oon 
(Exemplaren ber 3*i*un0* n aus ben Kolonien nach bem 
Mutterlanbe. Nad) berneuften Statiftif über ben 3fitunge« 
perFebr 3 roifdjen Keutfchlanb unb feinen Kolonien (für 
bas 3aE)t 1907), bie fid) Jebod) nur auf ben ©erFehr bes 
Neldjspoftgebietes, oljne Bagern unb aöürttemberg, bezieht, 
Famen 24 000 3eitungsnummem im 3ahre 1907 aus ben 
Kolonien nad) Keutfchlanb, roährenb bie .Kolonien ihm« 
feiis 1027000 aus Keutfchlanb bejogen, Kaoon gingen 
786 142 nad) AfriFa. Mittlerweile roerben fich bief« fahlen 
aber nod) erheblich oergrößert hoben, ba aUerroärts in 
ben Kolonien etn erfreulicher 2Iuffd)»ung ber wirtfd)aft* 
liehen fficrl)ättuiffe 3 U Fonftatieren ift. 2 Bie rapib bie 
©Serie ber (Einfuhr 3 unehmen, mögen ganz tur 3 nur 
fotgenbe 3ahlen geigen: 3m 3at)re 1906 ift ber SRert 
ber gefamten (Einfuhr unfern beutfd)*o|tafriFanifchen 
Gd)ubgebietes oon 17, 7 MilL auf 25 lf Mill., alfo um 
7 , 6 Mill. Jt geftiegen; in GübroeftafriFa beläuft [ich fogar 
bie 3 una h mc ber ÜBerte ber prioaten (Einfuhr (es finb 
alfo bie ©Serie ber Negierungsgüter, bie roährenb ber 
.Kriegs »irren außergewöhnlich hoch waren, in Abzug ge* 
bradjt) auf 12, T MitL Die Ausfuhr aus ben Gd)utj» 
gebieten erfuhr im 3aßre 1906 eine ®e|amtfteigening oon 
runb 3,, Mill. Jt. Keutfcf)lanb tfft an bem ®efamtf)anbc[ 
ber Schutzgebiete (einfd)lteßli^ ber Negierungsgüter für 
Xeutfd)* 8 übroeftafrifa) in &öhe oon 153062267 .4f mit 
98 731 500 J* ober mit 64 ft ^ 3 ro 3 ent beteiligt. 

‘Kiefer erfreuliche, allgemeine roirtfchaftliche Huffchroung 
npirb geroifj auch im ^iFungseoefcn ber Kolonien gum 
Husbruc! Fommen, bod) awhrftheinUd) langfamer als in 
ben anberen 3 u>eigcn bcs bortigen Kulturlebens, ba fid) 
eine 3 eitung in einer noch fe!>r roenig fultioierten Kolonie 
bod) nicht fo fdjnell 311 enttoicfeln oermag roie etroa eine 
KabaFs- ober Kaffeeplantage, Sw’tSchfF cs 

©lättern ber Kolonien an einem gröfeem tüchtigen ÜJtit» 
arbeiterftabe. (Es finb meift nur gelegentliche Korrefpon« 
benten, bie über bie 3 u fFü«be unb ©orfälle im ßanbe 
berichten; ber fiefer erhält nod) fein h<»nnoni|d) aus* 
geftoltetes, Pein oollftänbiges ©ilb non ben ©«höltniffen 
ber Kolonie. CEttt 3roeiter großer Übelftanb, an bem 
fämtlidje 3 eitungen ber Kolonien noch Cranfen, ift ber 
Mangel an telegraphtfd)<n ©achrichten aus bem Mutter- 
lanbe. Kie gange ©erforaung unfercr Kolonien mit telegra» 
phifchen ©«djrichten erfolgt buTd) bas offigiöfe „ 9 Feuterfchc 
©uteau* in ßonöon, unb alle Nachrichten biefes Bureaus 
ftnb tenbengiös gefärbt. (Englanb fteht bei allem, roas 
gemelbet ®irb, im ©otbexgtunbc; CEnglanbs Xüd)tigfeit, 
Macht unb Muhm roirb oor allem angepriefen, (Englanbs 
(Einfluß in aßem gegeigt. (Erft in 3»eitec Cinie roirb über 
bie Borfälle in ben anberen fiänbem berichtet, ooran über 
bie in tfranfreid), ©ufclanb unb ber Kürfci, unb xulefit 
roirb oielleicht aud) einmal Keutf<hlanb etroähnt; bod) nur 
fur3 unb, roenn es aetjt. mit einer geroiffen ®ering» 
fd)üt(uug, ia womögli® mit einer höhnifchen ©emerPung, 
Unb biefes Kepefchen material einjtgunb aüein fteht ben 
Leitungen unferer Kolonien ^ur Verfügung. Kah bie 
g?€Uter]d)en Kelegramme, roenn auch immerhin oon ben 
Nebartionen g«fid)tet, in ben 3 «itungen unlerer Kolonien 
fort unb fort etfeheinen, fdjühigt bas ülnjchen Keutfdh* 
lanbs beftänbig ln hohem ®rabe. (Es ift baher bringenb 
3U roünfchen, bafe roir bie ©reffe unferer Kolonien oon bem 
gerabc3u oergiftenbaufunsroirFenben^SReuterfchcn ©ureau“ 
befreien unb einen beutfehen Nachrithtcnbienft, roenigftene 
junödhft für unsere afriFantfdjen ©ejitjungen, ins fieben rufen. 

Menben roir uns nun 3 U ben einzelnen 3 eitungen in 
ben beutfehen Kolonien, fo oerbient als erfte bie „Keutfch* 
Gübroeftafrifamfd)« 3 citun fl" g*nan.nt 3 U roerben; benn 
fie roar bas erfte beutfdje ©latt, bas auf afrifanifchem 
©oben gebrueft rourbe. Kod) führte fie ^uerft ben Kitel 
„MinbhuFer Nachrichten" unb rourbe in SBinbhuF h«* 
geftetll unb ausgegeben. Hm 12 . Olt ober 1898 erfd)ien 
fie 311 m erftenmal unb gelangte bann 3 unächft nur alle 
oi ersehn läge 3 ur Husgabe. 3l)r ©rünber roar ber 3 ufti 3 * 
rat ©ecrg 'Xßajferfall, ber, nnchbem er im 3 Q h te 
eine Stubienreije burd) Keutfch* SübtoeftafriFa gemacht 
unb fich »on ber ©rohartigfeit unb bem Neid) tun bes 
Sanbes überzeugt hatte, im 3 ß f) c e 1698 oon Berlin nad) 
ilBiubhuF übcrfiebelte, um fich bort als Nechtsanroalt 
uieberjutaffen unb gleichzeitig auf biefem 3 <niralplah bet 


©erroaltunq eine 3«tung hetausjugeben. Borher hatte 
er, ba er m bem weltfernen SBmbhuf auf Feine $)ilfs* 
fräfte rechnen burfte, felbjt fe^en unb bruden gelernt. 
Unter unfäglidjen Ntühen rourbe bie aus Keutfd)lanö 
mitgenommene ^>an6bruipreffe auf Odjfenroagen oon 
Sroafopmunb nad) MinbhuF transportiert. Unter ber 
gefdjidten unb umfichtigen NebaPtion Söafferfalls geroann 
bas ©latt halb an ©ebeutung unb eroberte [ich mehr unb 
mehr einen roeiten ßefertreis. Unterbeffen entroidelte fid) 
GroaPopmunb 3ur 5 Q upt*>crieh r5, «nb £>qnbelsftabt ber 
ffiegenb, roesho© SDafferfall fein Blatt Hnfang Oftober 
1901 borthin oerlegte unb es nun auch „Keutfct)*£übroeft* 
afriFani|d)e 3 f *tung“ nannte. Ker (Einfluß bes Blattes 
fteigerte fid) t)i«r rafd). Maffcrfall roufete mit Flarem Blid 
bie ©erhültniffe ber Kolonie 3U beurteilen unb mit (Energie 
unb Hmfid)t bie Dntereffen ber Hnfiebler zu oertreten. 
So rourbe er balt weit im ßanbe eine populäre Nrrfön* 
lid)feit unb ein allgemein gefdjähter Mann, 3U bem man 
mit ganzem ©ertraueu als zu einem heroorragenben 
^örberer bes rotrtfd)aftlid)<n 9Bohles ber Kolonie empor* 
jah- ßciber erfranfte biefer ausgezeichnete Mann (Enbe 
1907 an einer ©anfreasztifte, roorauf er fid), öfihwg 
fuchenb, nad) (Europa in bas Kranfeuljaus 311 ©inneberg 
(Sd)lesroig) begab. Kort uuterroarf er fid) aud) einer 
Operation, bie ihn jebo<h tiid)t mel)r zu retten oermod)te; 
am 21. Npril 1908 ftarb er, erft achtunboicrzig 3ahre 
alt. Seine 3^itung wirb zunädjft burd) N. Kinbt-Omaruru 
roeitergeführt. Die 3eitung Foftet für bie Besieh« in 
Keutfd)lanb halbjährlich 9 (Eine Kommanöite ber 
GroaFopmuttber Bud)hanblung bef inbet fid) in Berlin, 
Mill)«lmftrafce 43 Bll. 

3m Cfuhrc 1904 erhalt Kcutfch^SübroeftafriPa fobann 
nod) eine zweite 3«tung, abermals „Minbhufer Nad)* 
richten" genannt. Sie erfcheint in 2Binbf)ur, in Hrolio unb 
in loteinifd)en Öettem, jebeit Nlittrood) unb Gouuabettb 
im Berlage einer ®efcllfd)aft mit befdjränfter Haftpflicht, 
©ebrudt roirb fie oon ber Groafopmunber ©uchhanblung, 
Ortliale aBinbhuf. ßeitenber NebaFteur ift feit 1906 Slnton 
©aff arge. 

Gchliehltd) ift nod) &er Singebotnertpreffe Keutfd)*Güb» 
roeftafritas su gebenfen. Bor bem Nufftanbe erfd)ienen 
zroei 3^*f«hriften in ber Sprache ber Cingebomen bes 
ßanbes, „Omahungi" (®efchid)ten), bie ber Miffionar 
Cang 3U Otjihaenena in ber Spradjc ber Herero heraus* 
gab unb in Otfihetero btmfen lieh, „Cbfonbaljo" 
(Sonntag), bie oom Miffionar Saoola in Oniipa in ber 
Sprache ber Coambo gejdpneben unb in Osha^oafl« 
gebrueft rourbe. Beim Busbruch bes Hufftaubes im 3a* 
nuar 1994 rourbe jebod) bie Miffionsftation Otjihaenena 
Zerftört, unb bas Blatt ßangs muhte aufhören ju er* 
f cheine n. Buch bie 3eitfcf)rift Saoolas tonnte roährcnb 
bes Hufftcmbcs längere 3eit, befonbers wegen ©opicr* 
mangels, nicht h<rousgegeben roerben; feit (Enbe Nooember 
1904 roirb fie jebod) roieber gebrudt. (Es ift eine oor* 
roiegenb teligtöfe KettfArlft, bie ein ©ilbungsmittel für 
bie (Eingebornen fern füll. 

4U)nlid) wie ln Kcutfd)* GübroeftafriFa, Rat fid) aud) 
bas 3cttungsroefen in Keutfd)*Oftafrifa entroidelt; bod) ift 
es hier ber ©reffe bereits gelungen, einen breitem ©oben 
ju geroin ne n, roeil bie Kultur bes öanbes, oermöge ber 
reicheren Mittel unb ber günftigem geographifdjen Cage, 
rafdjer oorroärt«fd)rfitet. ©ibt es boch ht er fd)on eine 
ganze Weihe feljr ooIFieidjer Gtäbte; fo hatte 1907 Kabora 
73000, Karesfalam 24000, Ubjibjt 14000, Kanga 5680, 
Bagamojo 4978, Kilroa 4477 (Einrool)»ter. 

Bis erftes ©latt Keutfch* Oftafrifas trat 1899 bie 
„Keutfch* Oftafrifanifche 3citung" ins ßcben. Gic erfcheint 
zroeimat roöchentlid) in Karesfalam in 3rolioformat unb 
in beutfdjer Schrift unb foftet oicrtel jährlich 6 Ji für 
Keutfchlanb. ©eigegeben wirb tl)r ein „Bmtlicher An- 
zeiger für Keutfd)»DftafriFa, h^^ausgegeben oom Kaifer* 
liehen C&ouoemement oon Keutfcb-Oftafrifa". Ker leitenbe 
Nebarteur ift Heinrich ©feiffer, (Eigentümer bes Blattes 
unb ber bazugehörigen Kruderci BSlllp 0. Nor). Kie Ber- 
liner ®efd)äftsf teile befinbet [ich Bleranbrinenftra^e 93/94. 

Kie 3roeitc Leitung Keutfd)«Ojtafriras ift bie „llfambara* 
©oft, unabhängiges Organ für bie roirtf<haftl»d)en 3nter- 
effen oon Keutfd)'OftafriFa", mit ber Beilage „Küftenbote 
oomNorben, Beröffentlid)ungsftellc für ©efanntmachungen 
ber Kaiferliehen Behörben*. Sie erfcheint jeben Gönn- 
abenb in Kanga in (Srofjquart unb in lateinifchen ßettem 
3um ©iertelfahrspreis oon 4 Jt 95 A. ©erleget unb Ne- 
baFteur Ift ®. o. Hom; gebrudt roirb bas Blatt in ber 
Kommunalbruderci zu Kongo, ©ertreter für (Europa ift 
H»f bud)f>ä«bler Milhelm Gü|erott in Berlin, Neue SBinter- 
felbtftra^e 3a. 

(Es fei htafcei bemerft, bafe in ber aus ber Negierungs- 
fd)ule h^niorgegangenen Kommunalbrucferei 3U Kanga 
hauptfächlid) eingebome Gehet unb Kruder arbeiten. 3m 
(Etatsjal)« 1906/07 waren breifjig Neger als Getjer unb 
fech« Neger als Kruder befchäftigt, gegen achtzehn, bzro. 
niet im porljergehenben 3ahre. 

3n ber „Keutf<h*OftafriFanifd)en 3^itung ,, forooht wie 
auch in ber w Ufambara*©o|t“ Ijerrfcfjt ein frifcher Ion. 
Oft bringen bie Blätter an3tel)enbe Kulturbilber aus bem 
fieben ber Kolonien; freilich machen fid) aud) manche 
Klagen bemerfbar, fo übeT bie grofee fiöroenplage. 3n 
Keutfchlanb füllten biefe 3«*tungen Diel mehr gehalten 
unb gelefen roerben; bas Urteil über bie Kolonien würbe 
fid) baburd) roefentlid) erweitern unb oertiefen. (Eine britte 
3eitung für Keutfd)*OftafriFa, bie ben ‘Xitel „Karesfalamtr 
Nunb|d)au“ führen fall, befinbet lieh in ber ©orbereitung. 
Nur in 3roanplofer Jfalgc erfcheint ein amtlicher „Bn* 
seiger" im ©ejirfc Mofd)i. ©erleger ift hi« - bie Kommunal- 
oerwaltu ng. 

Kie eingebomenpreffe ift burd) bie Monatfdjrift „Ker 
Kiongori“ pertxeten, bie in ber K üf tenfpradje (Kifua- 
heli) gef dpri eben roirb unb au her (Erlaffen unb BeFannt* 
madntngen aud) fioFalberidjte aus rneljr als fedjjig Orten 
bes 3d)uhgebietes, Originaler3Öhlungen, Märchen, fabeln, 
Nätfel unb ®ebid)te bringt, um bein beutfdjen Cefer, 
bem bas Kifual)clt weniger geläufig ift, bas Qefen ber 
3citung 311 erleichtern, roirb eine Überfettung ber weniger 
befannten SCörtcr beigefügt. Kie 3 c itfd)rift bürfte, fo 
meint bie Kentfd)rift über bie ttntroicflung ber Kolonien 
im 3ahre 1906 07, mit zu einem (Erziehungsmittel für bie 
(Eingebornen toeibcrt unb für eine richtige Beurteilung s- unb 


Behanblungsroeife ber Schwarzen feiten« ber (Europäer 
eine roillfommene Häubbabe fein. Kern „Kiongoji* ift 
übrigens auch nod) ein frah MÖ ungsblatt, ber „Hsfart“, 
beigegeben, bas aud) in einer grofcen Anzahl oon Sonber« 
exemplaren zur ©erbreitung gelangt unb bish« 1 ^ f«hon 
einige gute (Erfolge 3U oer3etd)nen hatte. 

Schließlich fei nod) erwähnt, baß ber ©reffe Keutfch* 
Oftafrifas feit bem (Enbe bes 3ah Mö J N>7 eine fletne 
Bergünftigung zuteil geworben ift. Kie ©re ßte leg ramme 
im ©etfetjr mit Keutfch-OftafriFa roerben jeht pan ber 
Neichspoftoerroaltung ju einem ermäßigten Karif, unb 
zwar 311 einer Bfortgebühr oon 1 .df 10 rS zugeiaffen. 
Ausgenommen oon biefem Xarif finb jeboch Ubjibji unb 
©ismardburg. 

3n ben beiben Heineren beutfehen Gchußgebieten Aftifas, 
in Kamerun unb Kogo, hat man es bis jeßt noch rtid)t 
311 einer palttifdjen Leitung gebracht; bod) erfchemt in 
jebem Sd)ußgebiet ein Amtsblatt, beffen Krud unb ©er- 
lag in ben Hänben bes ©ouoemements liegt. Kas „Amts- 
blatt für bas Gdjußgebiet Kamerun* fommt in Buea 
heraus unb bringt neben ben amtlichen Berorbnungen auch 
bie Ncuterfchen Kepefchen unb Anzeigen. Kas „Amtsblatt 
für bas Schutzgebiet logo* roirb in fiome l>«rg.eft«llt, unb 
zwar unter aiisfd)licßlid)er Berroenbung bort angelernter 
farbiger Gehet unb Kruder. 3n bet Negel erfd)eint es 
zweimal im Monat; im Bebarfsfalle roerben jebod) Sonber* 
ausgaben aeranftaltet. 

Auf ben Samoainfeln erfcheint wöchentlich in Apia 
bie „Gamoanifd)e 3eirin»g", bie oierteljährtid) 16 M foftet. 
Als Beilage bringt bie Rettung nad) bas oom Kaiferlid)en 
®ouoememeut herausgegebene „Sanioanifche ®ouoeme« 
mentsblati". Kie 3nferate für bic 3^tung roerben nad) 
englifehem 3oll berechnet; ber erfte 3oH beträgt 4 .4f, jeber 
weitere 2.#. A3ie es fcheint, beeft öamoa feinen Bebarf 
an 3eiri»tt9en höuptfäd)lid) burd) auslänbtfd)e Blätter, oon 
benen es jährlich etroa 23 000 Nummern bezieht. 

Kas fleine Kiautfdjougcbiet weift bereits zwei 3citwigen 
auf, bie „KfingtauerSlcuelteii Nachrichten" unb bie „Keutfch* 
Afiatifche ABartc". Beibc Blätter Fommen in Kfingtau 
heraus. Kas erfte« erfdjeint tflglicf) außer Montags unb 
Foftet jährlich 15 mex. Koll. Kie ©cneraloextretung für 
Keutfchlanb hot ber ©erlag bes „Berliner BFtiouärs", 
®. Schweißer u. (E. Bujd) in Berlin, fiinbeuftrafje 47 
übernommen. Kie „Keutfch* Afiatifche ©Sorte" fommt nur 
wöchentlich einmal h«öus unb foftet t)ierteljäl)riid) 5 M. 

Kaifer»ABilhelms*ßanb auf Neuguinea unb bie Dnfeln 
bes ©ismardarchipels fönnen fid) gegentpärtifl uod) feiner 
3eitung erfreuen, obgleich bie 240800 qlun non etroa 
400000 Menfdjen bewohnt roerben, unter benen fid) aller* 
bings nur etwa 580 SDeijje befinben. 

Ginb biefe Anfänge bes 3citung*roe[ens in ben beutfdjen 
Kolonien nun auch nur eben erft in ber (Entwicflung be- 
griffen, fo gebührt ihnen bod) alles ÜDoblroollen nicht nur 
in ben Kolonien felbjt, fonbem auch im Muttertanbe, unb 
es follten batjcx biefe Blätter ber Kolonien bei uns in 
allen fiefehallen unb auch in allen Kreifen ber beffer Be* 
mittelten 3U finben fein. Kaburd) würbe ntd)t nur bie 
©reffe ber Kolonien geförbert, fonbem es rourbe aud) bas 
geiftige ©anb, bas uns mit unferett Kolonien verbinbet, weit 
mehr geftärft roerben. 

9Bod)enfd)üu. 

Kie Kataftroph« in Gübitalien. — ber 
ganjen öerganflenen Modje roaren bie 3e«tunflen aller 
fiänber ber A3elt nod) immer angefüUt mit fpaltenlangen 
©eridjtrn über bi« Schrerfensbotfdjoftert, bl« ungeachtet ber 
ftrengen 3®nfurmaßiegeln aus bem fübitalienifchen (Erbbeben* 
gebiet (amen, unb über bie Hilfstätigtcit, bie allenthalben 
(ich mutig unb tatfräftig rührte. 3u Beginn ber SDodje 
waren bie ©ergungsarbeiten in Meffina burd) anhaltenbcn 
Begen außeTotbrntlich «rfchroert. ff-euertDchrlcute, bie au* 
allen Keilen 3talien& 3UfammengcftTömt waren, oerrichteten 
in ©emclnfchaft mit bem Militär Hfltentaten bei Der Kurch* 
fud>ung ber Irümmer unb zeigten fid) unermüblid) bei ber 
©erteil ung ber fie bens mittel, bie in reicher ftülle oon allen 
Gelten ben Unglüdsftättcn yufloffen. Kie (trbftSße bauerten, 
wenn aud) in omninbrrter Störte, ununterbrochen an. Kas 
weitere 3ufamtncnbred)cn oon Mauern unb Häufem war 
an bet lagesorbnung unb machte bas Borbringen ber 
Netter ju einer lebensgefährlichen Aufgabe. Um bie H«* 
ftellung uon einigermaßen georbneten 3 u f*änben ju be» 
jchleunigen, rourbe am 4. Januar über Meffina unb bie 
©emeinben bes ftreifes Beggio ber ©»lagerungsjuftanb ocr* 
hängt; bem ©eneral Mazza in Meffina unb bem ©eneral 
Mazjitelli in Ncggio rourbe unbefchräntte Bollmacht ein* 
geräumt, ein« Maßregel, bie unter anberm bie fofortige 
Ausroeirung aller fremblänbifchen 3oumaltften aus bem 
(Erbbebengebiet 3UC ffolge hatte. Nachbrm fchon am 
4. Januar bie ©lenbahnoerbinbung oon MefTina mit 
©alermo wieberh«ßeltcllt roorben roar, tarnen nach unb 
nad) aud) bie übrigen Oerfehrsmlttrl in ben jerft Arten ßanb* 
ftridjen in ©ang, fo baß bie Hilf&aftionen va jeher unb 
erfolgreicher in bie Jßcgc geleitet roerben tonnten. 

Bereits am 6. Januar würben zwei ber in ber Meer- 
enge oon Meffina liegenben Kabel oon neuem in ©ebraud) 
genommen, unb aud) »on Barfehrungen bes Marine* 
minilter« 3ur BBieberaufnahme ber Sdjtffahrt in ber Straße 
oon Meffina rourbe berichtet Nad) einer Melbung aus Koni 
finb außer Meffina, Qaftroreale unb Sometta auf Sizilien bie 
nachftchenben Crtfctjaften in Kalabrien bem (Erbbeben jum 
Opfer gefallen: Beggio, ©almt, wo 3U allem anbem Unglüd 
aud) noch bie fdjroarzen Blattern auebradjen, Bagnara, Scilla, 
Qannltello, Üatona, ©allico, dataforio, ©ellavo unb eine 
ganze Anzahl oereinzelter ©üter unb Billen. Kie außer- 
orbentliche AFtions* unb Opferfäh igleit bet italienildjen Be* 
hörben, bie fich geringen Ausnahmen ber fo ungemein 
ßhwierigen Cage gut geroachlen zeigten, ermöglichte fdjon Mitte 
bet pc-rigen iüod)e einen fo portrefflid) organiflerten 
bienft, baß bie weitere Unterftüßung ber niffiTdjen, englifdjen 
unb fTanzöfifchen Kricgsfd)iffe entbehrlich fdjien. Kieje oerließen 
Meffina, nict)t ohne baß ber Ijelbenmütigen Mannfchaft feitens 
ber italtenifchen Behöröen unb Bcoöllcrung ber Kant für 
alle C-pfer ausgefprochen worben roar. Aud) b«r beutfehe 
Kreuzer „Hertha" unb bie „Btftoria Siuife“ gingen nad) Be* 
enbigung ihrer Hilf* tätig (eit roieber in See. Kie Bettungs* 
arbeiten, an benen fich allein in Meffina etwa jehntaufenb 



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'Jtt. 3420 . 14 . 3 anuar 1909 . 


3 Ituftrirte 3 dturtg. 


55 



.llönigin §clene dom Italien. 


.Ü3nig 9Uftor ffmonuel III. uon 3to1im. 





Königin witwe Margarete. ©cr 3 og Gmanuel uon Aofta. fterjogtn $clcne oon Ao(ta. 

Die an ber $ilfsaftion in Unteritalien beteiligten 3Jiiigliet>er bes Mientföen Äönigsljaujes. 


2olbatcn unb Matrofeu beteiligten« würben uon man di 
fci)5ttettt ttrfolg gefrönt: bi» 3 Um 8. 3 am,ar hatte man etwa 
tuoeitanlenbbreiljunbert Cebcnbe aus ben Xrflmmtrn gezogen 
wnb gro^e Mengen an Gelb unb (fielbeswert geborgen. "X»ic 
v Jlad)for idjung en würben midi m ber Wacht bei ifactelbeleucbtung 
fortgere^t unb [ollen fo lange onbauem« bis bte aJlöglidileit, 
ba& nod) Überleben be aufgefunben werben, ausgefdbloffeu 
iiL An bem genannten iage fanb auf ben Xrfiramem 
iWeffinaa eine Serfammlung oon öürgem [tatt, ber eine 
'Jleilj« Abgeorbneter beiwohnte. Xie Orr fa mm eiten bejeidp 
neten ben UVte&croiifbau 'JUieHiiuio als ein hiftorifchcs unb 
national« ©cbürfnis unb (pradien bie (Erwartung aus, bas 
v ltarlarnent werbe wirriame 'JMaftnabmeii treffen, um ‘JJlcifiua 
neues Ueben su ftd)CTn. 

Öanö in £>anb mit ben 9ladjrict)tcn , bie uon lob unb 
‘Jtenoflftung berichteten, gingen bie SUclbungen oon einer 
Samaritertätigfeit obttegl eidien. Tas italieni|d>e Al&nigshau« 
gab felbft bas befte ©eifpiel. Xcr Hönig, ber fofort nad) 
bem Oefantttrocrben ber jRataftropIjc 200000 S?irc fpenbete, 
ftiftete tfnbe ooriger tBoche nod) 1 UJlill. l'tre, uon ber bie 
Jryälfte bem italienifd)en JHotcn Alrcut, bie anbere .Viülftc bem 
Wationalfomitce tut ftilfeleiftung für bie Okfdiäbigtcn über- 
wiefen würbe, unb bie .Königin, bie am 8. 3amiar it)r 


fcdtsunbbreifjlgftes Lebensjahr vollen bete, geigten fiel) In bem 
^Bemühen, burdi perf3itlidies (Eingreifen bie Wot ju linbern, 
unermüblid). Xer £ierjog von Äoita, ber bas $r&flbium 
bes ftilfstomitees in Neapel übernommen hatte, entfaltete in 
Kalabrien eine energifdte lättgfeit, inbes bie Königin- 
mutter unb bie $erjogin oon Wofta iit ben Spitälern uon 
"Neapel fiilfe \u bringen fud)ten. Aud) bie Haltung ber ita- 
lienifdien ‘JOlinifter ber 3nfli), ber öff cittlid>crt Arbeiten unb 
ber Marine oarbient neben bem Ulinifterpräfibentm (EHolittl, 
bor feine ganje Arbeitolraft mit bewunbems werter llmfidit 
in ben Xicnft ber tHcttungsorganifation (teilte, mit inerten 
uung beTPargehobett $u werben. tJiel iRühmeuswertes iit 
uon ber beutfdjen fiilfstätigleit 3« berichten. Xem beutfdten 
Komitee, bem alsbalb nad) feiner Konftituicrung bebeutenbe 
Gelbbetrage, baninter oon ber Stabt SHpjtg 10000. ft, ju* 
gingen, fanbt« Kaifcr Sßilljclm ein 1 elegramm, in beni er feiner 
tBefriebiguitg Ober bie unter bem Slroteftörat ber ttaiferin 
in bie TBege geleitete ^ilfstötiglcit Ausbrutf gab. Xic erften 
Waggons mit Materialien filr bie £>ilfobcbörftigen lieft bas 
Jeutralf omitee oont Woten Kreuj in Berlin fction am 8. 3 a * 
nuar nad) Neapel, btw. Sizilien abgehen, nadibeut bas 
$ilf*lomtttt bereits juuar 50000 Lire an bie in »Neapel 
gebilbete ftethingsorganilation überwiefen batte, tf in geeiter 


jfKliswagen, begleitet uon 3 ot)lrtid)rn Kranfenfchwcjtcxn 
unb mehreren ÄTjten, folgte dm 7. (Eine (ehr [cbä^ens- 
werte Tätigten entfaltete bie beutfefte ©ro&lonfcrtion»’ 
inbuftrie, bie im t?>inblid barauf, baft es in bem (Erbbebengebiet 
namentlich an tieneibungsjtürfen fehlt, für fid) 6d)ritte tut 
^ilfeleiftung unternahm. Tic ffllütuhen Glabbad>er, ^-ranl* 
flirtet unb $>erfmbcr .Honfeftionsinbultriellen Heften bereits 
eigne Waggons, mit .ttleibungsftürfen aller ?lrt beloben, 
nad) Neapel abgehen. 9lin 8. fonntc bas offijiöf« Xepefd)en- 
bureau bie Uladiridit oerbreiten, baft oon feiten bes beutfehen 
JÖilfslomttees fdjon annühcrnö 300000 ,/f .^ur SJerwcnbwng 
gelangt find, willen für bie 9lotleibenben in 3talien be- 
ftfmmten Materialfcnbungen würbe uon ben beteiligten 
Mächten gew3hri 9lurf) oon allen anberen 

Slationen, namentlich aus Vmrrila tarnen 9lacf)tid)ten , bie 
uon erfreu lidicr Cpfcrwilligrcit liunbc brachten. T\v> ttalie* 
nifche ißarlament hat lehr fchnell ju ber Atatoftrophe 
Stellung genommen. 71111 8. würbe eine Dringliche Vor- 
lage i>or bic Atammrr gebracht, betreffeitb Maßnahmen jut 
Vintwrung bes burch bas Grbbeben uenirfaditen llnglücfs. 
danach feil bic Regierung ermächtigt werben, 30 MitÜ $ire 
uon ben Uberfchüffen bes (Etats bes ntechnungsiahres 1907 OM 
oonoegginebmen, um mit ben roichtigften Arbeiten jur 


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66 3IIuftrirtc 



Sicujüljrsplafctte, gegiftet oon bem öilcrtcidjiidjcn ©rofoinbufliidlcn unb £>crrcnfjausmitglieb 2ldur Rrupp, 
ausgefüljrt oon bem 2Diener ©ilbfjauer unb 5ftebaiIIeiiT &ans <5d)aefer. 


Buftbeffmutg unb ©lieber!) crftcUung Der öffentlichen tf>e* 
bäube beginnen ju tonnen. Tee <htt«ntrf uifrlangt ferner 
bic (fiitfctjung einer .Monimiffion, bic Aber f»ic technifchcu 
unb I)r>c|tctttfrf|c»t Bonnen in bem Urbbcbengcbict beraten toll. 
Du ber Bcßrüitbuitfl bet Borlaßc bantte ber UllinifteTpräfi» 
bent ftiolitti allen Böllern ber Welt, bie ohne Ausnahme 
gezeigt hätten, wie h ö<: h fic ben Wert Italiens in &er Welt* 
fultur ichülztcu. 

Tic Beujahrsanfpradjc Aal f er Wilhelm*. — Blsbalb 
nach fWeujahr mürben non Berliner Blättern 'JÜHtteilunßen 
»erbrritrt, wonach Dev Ataifer am Beujahrstüß im .Wreife ber 
tönt man bieten ben ftenerale einen Buffatj: „Ter Ahrie# ber 
»■Mnoart**, Der in bem loteten jrveft ber „Teutidicu ftamc" 
erf^ienen war, oerlcfen unb feine Juftimmwnfl zu ben Bus- 
füljmnflen be* Betitele, ber ben ttiihern «teitcralitabschef 
ttrafen u. Sdjlieffen juiit Berfafier l)at, erhärt habe. Ter Bor* 
gang würbe gattj überflftffigctweile 31 t einer Staateattton 
oon ßTöfttcr Imfltneitc aufflcbaufcht unb nah ben itt* wie 
namentlich auch ben auoIänbifd)cn Blättern Stoff 3 « unenb* 
litt) oielcu ürtiteln, in betten ber Borwurf erhoben würbe, 
bas ©erhaltfit bes Ataifer* luibcrfpredK ber oon ihm get)ebc= 
nen ^ufage, größere ^uriidhaltttng üben. (EtSt nadjbeirt 
ber 3 eitunfl*llhrm fltoHc Tiniciifionen angenommen hatte, 
erfdjiett an» k. Januar in* „«Reiche nnb Staatsanzeifler" eine 
offizielle ifrrflärunß, in ber feftßeftellt ujurbe, bafz bie 


©efpred>unfl, bie ber Alaifcv mit ben zur Bruiohtsßratulatioii 
oerfaiumelten (Ocncralen gehabt hat, lieh lebiglid) auf mili- 
tärifche Tinge bezog. 3nt Vlnjdiluft an eine Betrachtung ber 
bei beit letzten ‘JJlanäoern gemachten taftifdien (Erfahrungen 
habe ber .Malier auf eine fiinlirb crfchienene afabentifche Stubie 
hhtgetuiefen, in ber bte fficftaltung unb bie lEitnoirfimg ber 
neuzeitlichen ©taffen auf &a* tf>cfed|t entwicfclt finb. Tic in 
ber Brbcit enthaltenen politiidten (bebauten ttnb ©usblide 
tarnen in ben Jlubfflhninßen be& oberften Mricgshcrrn nicht 
in Beircubt. Wadi Dtcicr nintlicheu Tnrftellung erwies ftch 
bie «tanze Ti->fuffiott über bic (aiierlichc Bcujahrsanfpracbe 
als bödtft überflüffig, nnb intercflant blieb nur n öd) bie <Vrngc f 
burd> welche uuentfdntibbare Dnbidtretion ber i'ärtn oeriir facht 
worben ift, um ben 5ätcr zur Bechen [chaft ziehen ]\\ fönnen, 
Tie «>fier bc* feduigjährigen Jubiläums be» 
.Mai fers pfranz 3«>[eph als üpefs bes Maiier ■ ifratiz ttarbc- 
Whretiäbietrcfliments *JIt. 2 in Berlin würbe am 11. 3 nn uar 
in (Stegenmart Ata ifer MUil heims abflehalten. '.Hadtbem iclum ber 
gjiorgen bc$ ^afles, au bem t>or iedtzifl viahre» Ä5nifl 
rfriebridt ülülhelm IV. bem neun. zehnjährigen 'JJIouarrheu bas 
tRefliment ncrliehen hatte, innerhalb ber .Ma ferne feftlid) be^ 
ftrii fzt worben mar, falzte berttöttesbienft, ju beui oor ber eoan* 
flelifdtcn ftamifonfird)* eine Ifhrenfoinpaflnte bes Befliment« 
mit ben biretten ©orflefetzten, unter ihnen (WneTalfclbmarfcftctll 
o. ASnhttfe, ber fottimonbiereube ifteitcral bes dttVbefotpft 


92t. 3420. 14. ^anuai 1909. 


(tjeneralabjutant o. Ateifel unb iftcnerohttajor o. AtrofiflT, 
fotvie bie Blitfllicbcr ber öfterrcichifch untzariichcn Bot* 
ieftdit mit bem ©otlchafter o. 2zöflnentvBlarid) an Der 
Spitze beit Ataiüer moarteten. ber nach feinem tttntrcffen 
unter ben Allänczen beo B r äfentierniariches bie ^rout 
obfdzriti unb fid) bnntt in bns eftotteshaus beflab. 'Jiadt 
beut (^ottesöicnft faitb im Maferncnhof bie ftcltporabc 
ftatt. ^uuor hatte ber itaifer int Cffiziertalino ben oottt 
Bilbhauer Btolf mobcllierten piahnentTäfter, bastfreldjenf 
bes CfiizieTfoii's ou ihren Cljef, in Sfufleu|d)ein flcnoin= 
tnen. hierauf beurüfzte ber Ataifer bie ehentalifleti Dffi- 
ziere bco ritt bie ftront ba Bataillone ab uttb 

richtete bann, in ber Uliittc bes offenen ©iereds haltenb. 
eine Bnfpradic an bas iHcfltmrnt, in ber er auf bic 
Bcbeutunfl bes 'lafles unb mit einem bret 

fachen jPvuito auf .M aifer «fran.z 3 ofeph fehl oh* 

lotcttfdjati. 

I>r. Blfrcb Balbatnus, ©rofeffor, betannter Cttito- 
liier unb Bäba^oo, befuchte bas (Onmnafium in SBcr* 
ttiftfrobe, ftubierte in ifiöttinczen, inbinpen, Berlin unb 
Iteipzifl Bhiloloflie, proinooierte 1879, würbe nad) fnr.zeT 
iätuiteit an bem Bitolaicunnnanuiit in Iteipzifl unb bem 
Birolaiytoutnafium in Tvesbcn Beultabt 1HH4 als eritcv 
l'ehrev ber (Wfdtidite an bas Atömev'Mlbertffi>t)tutta|uim 
in Veipzifl berufen, 100 er oierunbzman.zifl 3Qhr« tuirlto. 
entfaltete neben feiner pcibafloflilchcn eine reiche Utero 
rifehe lätiflteit, bte unter aitberttt ber Bcubearbeitunn 
pan Webers „l?el)r* uttb .'nanbbudi ber ^LVeitficfcfiici^t c*‘ 
unb Tronfoit-:- n Jr>iftorifdtem Ültlas“ ()alt, am 5. Tezent 
ber l M 6 (i zu yitemiflerobe jzeboren, t in SJcipjifl atu 
30. Te.zeiiiber. 

tShriftian iöfloeltabt, (r>eheiiner ©aurot, Sohn 
eines d>t>mnafiiilprofeffors, ftubierte in Trcsbcn unb 
Berlin 3n(zenieurwiffcnichafleii, grilnbetc zufaimneu mit 
Baurat Öotttai) eine inflcnieurfirma in Berlin, tuar 
Urheber bcs 2cltoiutanals unb zahlreicher prioatcr Mtilaczcu, 
am 4. Bpril i«52 zu tfmmerid) fleboren, t in aLlilmersboi f 
ant 30. Tezent ber. 

Johann ^tellmann, Senat spräfibent bes Oberften 
Oterichts* unb .Maffationshof» in ülUen, ftubierte in Braß, 
trat 1861 in beit CMtizbicnft, würbe 1876 3 Utn t'anbes Berichts 
rat in ©tlfen, 188‘J jutn CberlanbesßerichtsTnt in ©raß. 
1**04 zuiu cenatspräfibenten bes ifterichts* unb itaffations 
hofes in Wien ernannt, BHtßlicb bes B°i* n ifl e richt> 
hoies, 1836 zu ©lief (Böhmen) Geboren, t in Wien attt 

23. Tezetnber. 

9lleianbet tttaf b. 98aet<nsleben, ftenetal ber 
MauaUerie j. T., trat mit achtzehn fahren als J^ahnenjunfa 
In bas 2 . Ulanen rcjitmenl ein, erh*«!* I sr> ^ Offizier*:. 
patent, ntadtte bie Atriepie 18&4 unb 1866 bei ben l&arbc 
pufaren mit, mar l «71) 71 .Mnimuanbeuv ber Stabsrondu 
bc*> Brinjeti ,>riebrid) .Marl, würbe nach bem ^elbjUG Zu 
beffett *21 bjutanten. 1875 zunt lEsfabrottschef, 1881 zu in Binim 
im IHaiwnregimeni 9h-, 3, ihhä |hjii AommanbcttT ^* 
Trafloneneciimrnto 9hr. 7, 18‘JO zum Aommanbcur ber 
36. .Hapallcricbriflabe, 1885 zum tfteiierallcutnant ber ÖiarOc 
faoalleriebiuifion ernannt, 1889 zur Tispofition unb flletd) 
zeitifl 1 t I» »uile bes TraBouerreßiments 5Wr. 7. flfftellt, am 

24. CftobcT 1838 z»t tfuambow (Botnmcrn) geboren, f in 
Berlin ant 5. Somtar. 



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tJbot. Ofranj Hab«. Serlm. 

$i< 3ut*Iöumsfeicr im Rafcmcn^of Äaifcr- 3 frait 3 - CSartc- @renabtcrre9tmcttts ^r. 2 *u Scdin in ©egenroad Reifer Jßif^elms am 11. 








£er 9n«raffim*ftiosf in fton|tantinopeI, in betn ber <)3abi[<f)af> alle ^erfoncn oon Dpntttoit empfängt 





56b 


SHufirirte 3«tung. 


5TCt 3420. 14. 3anuat 1909. 


Üofeljcrcmonicll im grofjljcrrlid)cu 
3tlt>is-(ßalais. 

Wo« W*rpf W«»Wn|, WMöai'fj». 

eun oriontalifchc dürften fonf ti tiitionell flciuort^ei» 
finb, hoben fie ciflcntltrfj aufgcl)ört, ftiirftcn ju fein; 
benn ber ungeheure ‘Äufwönb unb bie große ‘Pracht* 
entfaltung müffen notgebruugen burd) ben im 'Parlament 
jurn ttuftbrud gelang enbrn Sparfamtcitsfinn ber (Bolfs* 
Vertreter (Einbuße erteiben. Ta* ftreug antitonftitutiv* 
nelle (ftebaren be* 'Pcrferfönig* 9Kul>ainmcb ?Ili Gd)al) 
flammt eigentlid) von jener 
9lbfid)t ber aRit« 

glicöer l)cr * nad) Der bie 
V fivilltfte bcs Königs aller 
Könige reguliert, richtiger 
herabgefeßt werben füllte. 
(IBeld) unerhörte (Wenncffcn* 
heit feiten* ber Untertanen, 
mit ber ©«usbattung bcs 
(JHenbepunfte* ber (Hielt 
(„Kiblei ?llom“, wie ber 
Tboflhra (©anb wichen) bes genannt wirb) fid) 

©ultan* (Mbb ul ©amtb II. befallen, gcfdjwetge benu 
eine Summe beftiimncii ,\u 
wollen ! 3a, aber bie 3 e '* <n 
änbem fid); bie dürften bes Orients, bieje perfoui. 
fixierten Cbenbilber (Lottes auf (£rben, müffen ftd) in U)T 
Gd)idfat fügen unb frot) fein, wenn man fie im 9kfit| 
non Krone unb belögt. (ÄUcrbings, früher 

war es ganj aubers, bie heutigen ( yiivjteul)öjc finb laum 
mehr ber Schatten vergangener ©roßc. (Ron ber Ster* 
ßänglidjfcit Orient alif eher iiürftenprad)t fprid)t folgenbe 
ßcfd)id)tlid)c t^pifobe am beften. 

„Mls ber I e*|tc Gaffaribe, und) verlorener Gd)lad)t in 
^efjeln gefd)lagcn, auf bent (Roben faß, t>attc ein Solbat 
ihm ein bürftiges (Nachtmahl bereitet, unb währettb bas 
engljalfigc 5tod>ciefct)irr 3um 9luslül)len t)iii(icftcl(t mar, 
lam ein ©unb, ftctfte öen Kopf ine ©efäß, unb als eT 
crfdjrecft baoonrannte, fdjlcppte er aud) ben Topf mit. 
1er unglüdlidje Jürft Lad)te bei biefent Olttblicf ijell auf. 
»Um Cbottes willen,* fragte einer feiner Wächter, »mos itt 
ber Welt Tann wohl bid) heute noch pim A!ad)cn bringen?« 
• Siet) bod),* fagte ber friirjt, »h^itc morgen ram mein 
oberfter ©ofintenbant unb beHagte fid), baß breihunbert 
Kamele 311m Transport meines Kod)gcfd)trr& nidjt I)in. 
reießenb mären, unb nun ift ein ©unb genug, basfelbe 
famt ben Gpeifen bavonjutragen.«“ 




Gin lablaliar (Speifcnträger) bes Sultans. 


ftüt ben Iransport bes Küd)citflejd)irrs bes Königs 
0011 'JJcrficn mären heute vicllcidjt einige (IRaulcfcl !)in» 
rcid)cnb. Tod) jutn Transport bcs Küchengeräts im 3Höis» 
'Palais muffte mau fctjpn mehrere Waggons anwenben; 
beim in ber Küd)C bes faiferlidjen 'Palaftcs u>irb täglid) 
für mehrere taujenb Ißerfonen gelocht, b. lj- nicht nur 
für bas 3ahlrcid)c 'Uerfonal bcs 'Palais, foubern and) für 
fct)r viele arme, auf 9lImofeu angetvirfrue ^cutc, bie uom 


Valais befüitigt merbeu. 3 Ber ,3U)ifd)en 31’lm unb elf Ul)r 
morgens in ber 9 läl)c bes Valaftes mciii, mirö red)t 3al)l« 
reidje Wiener fcljcn, bic grofie, mit oerfd)icbenfarl)igcn 
lüdjern bebedte fiolpaffra, auf betten jeljit, manchmal 
tnel)T Gd)ftffeltt ftei)eu, auf betn Alopf tragen unb in bie 
vcrfdjiebcncu Wbteilungen beförbem. *Iie (fteridjte, bie 
in ben einzelnen Gd)ü|feln fcimiert finb, oariieren je nad) 
beut £Rang unb Gtanb ber Aioftgangcr, uauientlid) u>as 
bic b fr Gpeifen unb bereu Jubcreitung aulaugt, 

unb bie Afettn3eid)en mnnifeftiereu fid) burd) bie ftmrben 
unb Gtoffe, mit beiten bie fiolitaffeu pigebedt finb. 3 Uas 
bie faijerlidx Müd)e betrifft, fo finb bnfclbft .Stöd)e 
einerlei ts für türlifd)e Gpeifen, anberfeits micbcr dl)cfs 
für europäifd)e Gpeifen augcftellt, 'JJleijtcr, bie aus V°ris 
bezogen mevben, unb bereu Äfunft jelbft bie oern>öl)nteften 
(ftaumen ber allerl)öd)ften europflifdjen Otäfte ^ufrieben» 
ftcllt. Ifs ift felbftuerftdnblid), baj?, coenn ber Sultan im 
engen Greife feiner 3 ntimen tpeift, türtifdic Gpeifen for- 
miert werben; wenn aber etirppAifd>c C'>djte gclabcu {tnb, 
wirb ber Ct)efd)iiiadsrid)tuiifl fomo^l ber Europäer als aud) 
ber lürfeu iKedjnung getragen, unb bas hierauf bejüg« 
lid)c 'JJJenü ift jcbcnfalls intercffaitt. 

kleinere Gpeifefälc gibt cs nuiireve in ben veTfd)iebcneu 
Icilcn bes 3 Ü alaies ; ber fdjönftc unb geräumig! te ift 
jebod) ber ooin 9 Jtera}fiin«Slios! ( mo tülait,3 unb V rfl d)t 
bes faiferlidjett Volnftlebens bie l)öd)fto Gtufe erreidjen. 
1er lange lifd), an bent fednig bis achtzig (Oclabeue 
Vlatt haben, ftrot|t won ben foftbarften ?lufjä^cn, unter 
weldjen bic in majfiocm Gilbcr gehaltene gro^c 9 Jlold)ce 
in Alairo ober aud) 9 i ad) bilbungen anberer Vaumonumcntc 

bettn Gtatuen finb verboten — unjere volle Vewun* 
bening verbiencu. 9 tod) mehr ift bies mit Vejug auf 
bas Service ber ftall- lie lellcr finb bei feierlicher flic« 
legenheit aus maffivem (<tolbc, unb id) habe Tiners bei* 
gewohnt, bei benen oent etwa fünfzig (b&ften jeber brei 
übereinanbcrgeftellte golbene leller vor fid) hatte, las 
(fR.teug ift nld)t befottbers auffallcnb, unb mau ift 
hier nidjt in bie t'agc verfemt, mie 3. V. im Valayo Vitti 
311 JVlorcn3, moOTclffi unb fabeln, üunftwerfc Vcuoenuto 
i£ eilt nie, uns berart bcfd)äfttgcn, bah ber gclcgcntiid) einer 
3-efttafel neben mir fitjenbe 5 Kenan tvohl red)t hatte, als 
er jagte: „fiin: vergif3t man 311 effen, benu ber ftunftgenufc 
übcrmältigt uns* 

Tas iafc^eremonicll uutcrfdjeibet fid) einigennaften 
0011 bem anberer europdifd)cr Aiöfc. 3n (^nglanb ,3. V, 
3iel)t bie tfiefellfdjaft, an ber Gpi^e bas Atönigspaar, in 
ben Speifcfaal ein; im 3 ilt>^^alais crfcheinen bie (hafte 
oor bem Sultan unb fcRrn fid) crFt, uad)bem biefer 
in ben Gaal getreten ift unb feilten Vlatj eingenommen 
l)at. 1er £>crr|d)cr muftert fobann mit einem Vlidc feine 
(häfte unb nidt einzelnen 311m 3eid)en feiner befoubem 
Cftunft freunblich ju, mo3u bie 9 iäd)ftftebenben bem (ftlüd. 
lid)cit Sofort 311 gratulieren pflegen. Tas gan3c Xafeb 
BcremonUU vollzieht fid) übrigens gcräufchlos in feier* 
lidjer Stille. 9 loit loaften fann natiirlid) feine '.Rebe fein; 
beim obwohl vor jebem ber fliäftc oier bis fünf (foläfer 
ftehen, in benen mitunter bie beften (betraute frebei»3t 
werben, fo finb es bod) blofj bic chriftlichen Cbäftc, bie Wein 
genießen tonnen. Tic iiiohammc&amjdjcu ^>äftc haben bas 
3u|el)en unb muffen fid) an einem Trunf Atarafuiafwaffcr 
orgötjen, obwohl fie fonft bem Vllfohol gar uid)t abi>ölb 
finb. 3 n ber (ftegenmart bcs Älalifen, ber fclbft fd)on 
feit 3atjren feine geiftigen ffictränrc trinft, barf bas (hebot 
bcs Alorans nicht verlctit werben. 

Tic fd)wiertgfte unb mühfamftc Dlollc bei ben fiirft* 
liehen Tafeln im 3 ilöi*'Valais fällt cntfd)ieben bem oberften 
1olmetfd)er 311, ber bei folcheii (beleg ei itjeiten in nächfter 
9 iäl)e bes Sultans ftel)t 1111b cincrfcits auf feinen Sou* 
verein, anberfeits auf bic bicfcin 3unäd)ft fitjeiiben fien* 
fd>aftcn aufpaffeu niuf), wenn einer angcfprod)cu wirb 
unb antworten will. 'Jim hä rieften mitgenommen ift bet 
Iolnietfd)er, wenn Tarnen aus ber höhem europäiftheii 
(ticfcll|d)aft in ber 'Jlähr bes Sultans fid) befinben. 1 er 
Gült an, äuRcrft höflich von Ülatur, ja ein Charmeur erften 
Äaitges, Iöfjt feine (hclcgenhcit vorübergehen, ben Tarnen 
ein Kompliment 31t machen; er übt bamit eine Kunft, in 
ber er befonbers h«n>orragt. Ober er fud)t ein Gtüd 
Cbft ober ^uderroerf aus, um es ber einen ober an bem 
Tarne überreichen ju laffen. Ter Tolmetfchcr muh »»it 
ben meift poetifd)ett 9 Iusbriicfen jur fianb fein; aud) an 
bem gra3iöfen AJächelu barf es uid)t fehlen, unb btefes 
Wnites muh et oft anberthalb Gtunben malten. (£■$ tft 
baher fein 9 Bunt>er, wenn ber arme, fränriichc führnir« 
Vafdja, von Gchwcih triefeub unb halb ohnmäd)tig, aus 
6em Gpcifefaal fid) 30 entfernen pflegt. v Jlad) bem Tiner 
3iel)t fid) ber Sultan auf fur^e 3 eit 3unuf, bann wirb 
tiercle gehalten, unb bie Vegünftigtjten werben cingelabcn, 
mit bent Sultan ben Kaffee 311 nehmen. 


Ifjeoter unb 'DJiufif. 

— „Schiffbrud)”, Sdiaufpiel in einem Ullt von 
a. Trinius, erlebte atu 17 . Tc.tembcr im 9lcfibcn3theatcr ,3u 
SWündjen feine erfolgreidje ( 5 vftauff»lt)irun-g. 

„ 1 er 9 lagabunb u , Cpcr in oier Sitten von 
3ean !Hi<l)cpin, mit ÜJiufif ooit lavier ßeroiu, beutfd)e Öc* 
arbeitung von Ctto fieitjel, würbe bei ber t*rftauffühning 
im Gtabtthcater 3U Tüifelborf am 20. Tctembcr mit grobem 
(Beifall auf genommen. 

„Icv Toppclincnfd)“, Sdjwant in bTei arten 
uoii 'JB. unb \U. yippfdjült, erlebte tin Stabtthcater 

ju Kottbus feine erfolgreiche Uraufführung. 

— 3oau be Jülonen, fpanifdier UUolinolrtu os, 
würbe türjlid) von ber Ituiuerfität Valencia jnnt (Ehreuboftor 
ernannt. 


aivare3, berühmter fran jöfif eher ©eiben* 
tenoT, oerabfchicbctc fid> am 31. Tcjcmber als lannhäufcr 
von bem 'Publthun ber (trO%cn Cpcr iti ‘Baris: er h“t*e 
gänjlid) unerwartet feine (hitlalfung erhalten. 

— „tWabame ftlirt**, Cperette in brei 9 (tten von 
JVritt Chrünbaum unb ©ein) (Reichert, mit Sütufif oon Slnfelm 
(«iöttl, itt ber ein begabter lonfeiier fein lalcnt an einem 
ungeeigneten Stoff oergeblid) »crfchwenbet hat, erlebte am 
2ß. Teinnber im (Reuen Cpcrettentheatcr 311 ©amburg bie 
nicht |et)r erfolgreiche (Erftauffühnmg. 


6in t>reicinoierteIjäf)riges SBunbcriinb. 

3 11t fleincu Saal bei 3uli»s (Blfithner in Ccipjig er» 
f d}ieu vor furjem ein aUerlichftes Heines SRäbchcn, 
erft breieiumortel 3al)re alt, am Flügel unb jpicltc einem 
gelabencn Vlubitorium munter unb unverjagt Heine 
Allavierftüdc vor. Schon von bent Ölnblid bes nieblidjeu, 
fd)war)lodigcn Kinbes mit glänjenben 'Äugen waren bie 
9lnwe|enbeu ent3Üdt unb laufchlen bann mit 
feinem reijenbeu , ftauuenswert fid)ent Spiele, lie 
Ileinfte Klavierfpielerin t)ciftt 'Pilar Dforio, würbe in 
Pciptig als Toditcr bcs ipanifchen, jcRt in (Berlin woh 
uenben Slrjtes Dr. Cforio geboren unb ift bie Sd)wcftcr 



^pilar Oforto* 2 lrriola. 


bcs Wuttbcrfnaben 'pepito 9lrrtola, ber mit feiner SWuttcr, 
{Vrau Oforio-'Ärriola, vor fünf 3al) r m nach Veipjig fam 
unb von lirof. (Heden borf mit liebevoller Sorgfalt 
uorgcbilbet würbe. Schon jetg gdgt ficti bas laletit ber 
mit feinem mu|Ualif<l)en (hchou begabten 'Pilar Oforio 
unverlcnnbar unb envedt gute ©Öffnungen auf gebeil)* 
lidje (fntwidlung. 3aft alle iHavterjtücfe brachte fie ge» 
läufig unb rbnthmifd) genau heraus, fogar bie fdjwierigcrvn 
‘Paffagcn. Ohir.juleht weigerte fid) bas iTotjföpfdjni. 
ein $ccthovenfd)cs (Hvnbo vorpitragen, weil ihr bas Spiel 
mit ihrem witzigen 9lutomobild)en lieber war. 1er 
‘ÜJutter gel>ord)enb, brad)te fie als bann ben Anfang bes 
(Ronbosrcfolut 311 ö>el)ör. Tarauf hüpfte fie recht vergnügt 
vom Stuhle herab unb lieft ba-5 Vlutomobilchen fd)leunigft 
fortrollcn, ohne auf bie xiobfprüchc ber Wnwejenben 311 
hören. JJür bie flcinc 'Pilar ift bas (tforbilb unb bic 
Einleitung bes (Brühers 'Pepito fehr vorteilhaft unb 
fegensreid). 

Ircstmer ftochfunft-^Iusfteltung. 

/Crft oor wenigen Wochen haben wir anläßlich beo 
MlSrfdjeinens .tweier für Kod)lunft unb Tafclwefcn ton* 
angebenben Werfe bieje Themata ausfül)riid> behanbelt. 
(fs waren bie neue, achte (Jluflnge bcs weltberühmten 
M Unioerfal*fiexffoiw ber Kochfunft* unb bas aus ber ftröer 
bes befannten gaftrotioniifchcn Gthriftftcllcrs (Richarb 
Wollnter ftammenbe (Bud) „Tic vornehme tf>aftlid)leit ber 
'Jleujeit“, bie beibe Im (Berlage vom 3. 3. Weber er|d)iencn 
finb. ©eute fteht ber 3nl)alt jener Werfe greifbar, 
förperlid) vor uns in ben weiten ©allen bes Stäbtifdjcn 
'Äu&ftcllungspalaftes im lüroben ©arten 311 Ircsbcn. 

iic ‘Pcbeutuug bes fd)öncn (£lb«3lPTen3 für bie ftunft 
im allgemeinen ift in weiten Alreifen wahlbefannt; weniger 
aber bürfte cs bie Tatjache fein, baft bie Stabt aud) 3ur Kunjt 
bes Kochens in gatit befonberer (Bctiehung jteljt. Iresbcn 
hat feinen feit 3al)T3cImtcn erworbenen 9luf, baft mau 
an feinen gaftltdjcn Tafeln fcljr gut aufgehoben ift, nicht 
nur ftets aufi’ed)t3uerhalten gewußt, fonbem es würbe 
in ihm aud) Die (£rfte 1eutfd)e Kod)runft«'ÄusftelIung ab» 
gehalten, las war im 3ahve 1876. Scitbcm haben fid), 
wie auf fo vielen anberen ©ebieten, auch bei bei Koch» 
tunft unb bei bem Tafclwefcn gewaltige 3oxtfd)rittc geltenb 
gemacht. leutfchUmb ift gau.t felbftäubig geworben, unb 
in uuf eren Tagen beginnt fogar bie leßtc «ireffel, bie bi 


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5 Rr. 3420 . 14 . Januar 1909 . 


Slluftrirte 3 citun 9 - 


57 


beutfdje .ftocfjcrri nod) an bas cinft für fic fftuwcdne frranf* 
rcid) banb, bic fraiijd[ifdK n Speiirbenennungen, allmäftlid) 
tu fallen. 

SWebfjin unb Ghemic haben burch neue Grn 5 l)runps* 
tl)t'orieu unb neue Müd)cnl)itf&mittcl bem Streben bet 
Möd)e flau.? aitbcro Stafetten twrgeteidynet. Statt Del unb 
Cinbuftrie fini» in innige 'Brüstungen ,)«* ftodjfunft ge* 
treten, unb ffilircnbe Cficiftcr galten es nid)t für .nt gering, 
fid) um bic Gntwidlung ber äfthetiftfecu «eite tmferer 
H>n|tlid)fcit ,)U bemühen. Herrlid) finb geradem bic fuli* 
narifdjett Sdjauftüde bet Trcsbner Ulusftellung, bie burdj 
ihre Domel)me Ginfad)hcit bei höchfter Wfurateffe utib 
'Ocrmcibung alleo llberflüffigen jeöen (fioiirmet entlüden. 
G* war ein gutes Wort, bas bet ber Gröffnung, ber ber 
Motiig oon 3ad)frn mit ber foniglicfecn framilic unb beut 
ganzen Hofe beiwohnte, in ber Umgebung Des flfotmrdjett 
fiel: „Wan tmifj gut gefrüfeftütft haben, beuor man bie 
fMusftelliing bewunbert!" UBirtlicf)! 1er GmunvcnrcU wirb 
fonft ,gi groft! 'Jtidn minber geiftreid) fagte ein fRcbner 
bei bent Grifffnungseffen pon ben Modjtünftlern, Dar |ie 
int (begenfatj 311 anderen Müiifttcm iljr pollcs Älöunen att 
ocrgänglidjc Gintogs werfe fetjen, gleicfefam als eine frllu* 
ftration ju Sdjillcrs Worten: „IJJlfiftig ficht er feine Werte 
unb betuunbCTitb untergcfeit!" 

2luf cif (Gruppen oerteilcn fid) jweibunbCTtadjtjehn 
Wusftellcr. Sie alle auf.ui.tfhkn ober bie Crfer einen 



frurftltd)c* fragbfnifeftiltf im Walde. SlusgcftcIIt oon Ölor Stroljbod), ^ofttolteur, Ires-bcn. 



Wilb, ffieflflfld unb (beweibe. darunter Gien, 3i amtier, (berufen nnb weifte Umreit. Gljrenpofal bes Königs frriebrid) tluguft oon Saefefcn. 

Utusgcftellt pp« fr. fhringtmann, Hoflieferant, 1re*ben. 


iWunbgang oont Kohftoff über bic Slerarbcitungsgcrätc ju ben gebedten tafeln 
unb bett gcnnforcidjcn Uccfcrbifjen machen 311 laffen, geftattet ber Kaum nidjt, wie 
wir aud) im 'Bilbe nur einiges bringen fönuen und andere, ebenfo gute Sachen 
übergeben muffen, natürlid) ohne baft barin eine ftritit liegen fall- ffitofte frintien, 
bie in aller SJtunbe finb, wie bie 'JJtaggMftclellfd)aft, bie „Moffeinfrcie“, bie 'Bremer 
Maftcchanbclsgefellfcbaft, 21. 'Bcrtud) (Müdjcncinridjtungcn), bie t/ilörfabril Union, 
bie SBürttcmbergcr unb bic Gäd)ftfcf)crt OTetallwarcnfabrifen ufto., haben in ebenfo 
foftfpieligcn wie gefdjmadoollcn Spejialauf bauten «troftes goleiftet. 1er tülaggi- 
(Vtefelljdjaft würbe fogar bie Gl)re tuteil, baft fid) ber tfönig, bie übrigen frürftlidjfeiten 
unb onbere hcruorragciibc Vertreter Der «iefellfchaft in ihr golbenrs ®ud) eintxugen. 

lic Seele bes (hangen war ber Cbernteifter ber Trcsbner Mßche* frnmiug, 

Gruft Cöftnifter, beffett Karne aud) daienfreifen nid)t fremb ifi burd) fein 

oor.giglitfjes Modjbud) 
unb befonbers burd) fein 
w B er beutfdjung »Wörter« 
buch“. Gr l)iii faft bie 
gante Virbcitslaft allein 
getragen, uub ber Gr- 
folg ber Wusftcllung ift 
iljni gtgifctjreibcn. las 
Unternehmen beöeutet 
einen Grfotg. Selten war 
eine Modjfunft * 2 lusftel* 
lung [c gut befeftidt, 
fo übcrfid)tlid) geordnet 
unb fo geräumig atran* 
giert, baft aud) ber ge* 
riugfte fliegenftanb ,)ur 
Geltung tarn. Sieben 
Söfpiifeer teilen fid) f>of< 
traiteur Gnift Stange, 

Iraiteur ©einljolb mtb 
bie bei ben Gbefs ber 
röntgltd)cn Müd)e, SUolf 
unb fräger, in bie 
Gftre ber Arbeit unb 
bes Grfolges. 

Wlobemes TafelberoTationoftfld: Telpftin aus .(triftallcis. ivbrenner. 'tüintcrlanbfdiaft. 2lus Waffeln in Drei SRonate langer Arbeit angeferttgt oon (ftebnlber .f>3nnomi, 

«Poffelfabrif in Iresben Wlirfleii. 

t)rc&bner Äod>fun|t^ 3 Iusftenung 1909 . 

9)ci«ti obotoaeAPbildseti (Huf nähmen oon dar friftfier in Xr*«0en. 




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*- 



ÄircfytDetfjjeit. einem $ 


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Copjriithi by < hiirin« inHius, nm«. «lirt in bas yritörtc «cflflio bi lEolabriö. 4 tif Ilbcrtc teilt) cn von ^ucmcira auf bau bc* Crtc*. 

3ur Crbbcbcnfötaitropljc in Sijilien uab italabri«n. 











Das Seebeben in bei Straße oon Wlcffina. 'Jiadj einer Original,jeidjnung non 3Jlatania. 

CHnc fletoalHno Oteerailut wäljtc fit!) in feer STrftbe b« 28. Toember 1008 auf bie Stabt »Miina ju, bie Durch erDftS[»e bereit» in !Trflmm«r gefunFen war. au» Denen tjier uub Da 

(Vlflimuen mtponiinQfllcn. 


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3ur Grbbcknfnlajtropfjc in Untcriialicn : Mluf ben Zrümmcm von SDleftma. Wod) einer Drigina^ei^nung oon föiccorbo ^ellcgrint. 


Sllufttirte 3 citun 9- 


9tr. 3420. 14. 3anuar 1909. 


lotmnafo Saloini. 

Afm 1. ocmuar 1909 tjat Dommafo Saloini, ber 
*v4-Altnu?i[tcr italieuifd)er Sd)aufpiclfunft , bas 
ad)t)ig(te ycbensjabroollenbet. Sein Vaterland l)«t 
ihm bei biefer ©elegenheit normal« ben yorbeer 
gereicht, ben er füfc in ben fiänbem ber ganjen 
iBclt uerbient t)at. 3n Mailand geboren, lebt er 
[eit oielen ^aljrett in Florenz, uon wo aus er, 
nod) [el>r rüjtig tinb frifd), aud) jetjt toieber auf 
©aftfpiele wanbert. 

Sein Vater, oorerfft Cehrcr ber ttalligraphie, 
bann Schaufpicter, heiratete bic Dochter jenes 
3<X<M be» durch 90113 Italien mit einer belfern 
odjntiere 30g, bie Sd)au(piel mit ©«fang imb 
Ballett oereinigte unb firi) einen Hainen inadjle, 
mcii |ie überall als Ai onhirrentin jener Öcfcllfdjaft 
auftrat, bie als Star bru [pater größten Schau» 
fptcler nnb ßcljrer, (fju|taoo fDfobena, befafe, ber 
ohne Jtoeifel als ber Aunftoater aller jener Sd>au- 
[pieler gelten rann, bic jpäter 311 internationalen 
(Gräften amoucf)[cn. 

Sdjon im 3af)re 1845 trennte fid) Saloini non 
(fcnftnoo Modena nnb würbe auf brei für 

bic itöuiglid) Aeapolitani|d)e ©efcllfcbaft engagiert. 

(Er trat aber ein 3al>t jpäter aus unb ging bann 311 
Tomeiiironi unb (Eoltellini über, um 1847 neben 
Abclaibe Aiftori zu wirfcit unb als Iragöbc fid) 

311 entfalten. 3ntereffant mag es 31» enodfjncn 
[ein, bog eine feiner crjten Stollen bet Mojc im 
„Atollen [teilt" getoefen ift. Sein fdjöncs, männ- 
liches Auftreten, feine grofee (Geftalt unb feine i)er- 
rttli[d)e itraft präbeftinierten il)n ebeiifo toie fein 
prad)t* unb llangooltcs Organ 311 einem Dragöbcn, 
ber er and) [ein ficben lang blieb. 2Bie bie mciften 
3taliener # roanb erte er mit oerfdji ebenen (Gcjell- 
(«haften als engagiertes SJtitglieb umljer unb fchuf 
fid) erft Später [eine eigne ©efellfchaft. So hatte 
er in jungen fahren (Gelegenheit, mit Abclaibe 
Aiftoxi, mit Älementine Hazzola, mit (Emefto 9?o[fi, 
in (Englonb fogar mit (Ebroin Sootl) 311 [pielen. 

Seine lElafti^ität faitn am beften baburd) djaraf- 
terifiert toerben, bafe er, wenn er mit feinem Aioaleit 
Aoffi 311 [pielen batte, was de® öftem gefchah# [tets biefeni 
bie Atotjl ber Wolle überließ. So oerziebtete er auf bett 
Othello, als i»eld)er er [ctbft bte allergrößten Driumphc ge* 
feiert hatte, unb begnügte fid) mit ber Wolle bes 3ago, ben er 
aud) mit Anbrca Maggi 311m erftenmat in feinem breiunb» 
[ed)3igftcu yebeusjahre fpicltc. (Ebenfo überließ er in bem 
Sd)aufpiel „Crcft" (Eruefto Aoffi bie Hauptrolle uub 
fpielte ben 'Utjlabes. 3n „ftrancesea ba fRimitti", bem 
Irauerfpiel (Siacomettis, gab er unoerglcichücf) [djön bie 
Wolle bes ©ianciotto, beit er fpätcr 311t fünfhundertjflhrigen 
Dante« freier in ftloietM mit Abelaide Aiftori als ft rancesca 
unb Wofft als 'ftoolo barftellte. IBcr bas (Glücf gehabt bat, 
biefer Vorftcllung beizuroohnen, bei ber bie größten uub 
bebeutcnbften Sdjaufpider 3taliens in Webenrollen ober 
gar als ilomparfcn auftraten, bem wirb toobl biefer ftunft* 
genufe auf ewige 3citen unocrgcftlid) bleiben. 

Saloinis fonore Stimme Flang tpic ber fdjänftc (Gefang, 
unb er oerftanb es, mit iljr fo ntelobiöfe Stimmungen heroox« 
3urufen, baft man niemals rouftte, ob man 3uerft bie 
Harmonie bes Vortrages ober feine fchaufpielerifche (Gräfte 
benmnbern folUe. Seine beften Wollen waren in „Othello", 
„©iofuc il (Guarbacojte", „Üonig fiear", „Creft" unb 
„Morte dioile". Wot fünf 3 a ^ rfn Uod) errang er bie 
größten Iriumpbe in Wmeri ta, bie nur mit ben totfäljrigen 
in 'Jinftlanb oerglidjen werben fönneu. Wlle feine italie» 
nifdjen Aiollcgen haben fid) bemüht, ben ad)t3ig jährigen Wlt« 
mciftcr fdjaufpiclerifdjer «unft toürbig \u feiern. Die gan3C 
gebilbete SBelt, bie ihm We. 
wuubenmg sollte, wirb fid) in 
biefem ibru^e oereinigen, ben 
wir ihm aus Slntafj feines 
(Ehrentages [enben. (Ein beut* 
fd>es yorbeerblatt f oll in biefem 
Üran3e internationaler Wer« 
cl)nin0 nid)t fehlen, üüir oer» 
bauten itjm Dräuen ber fHüf)' 
rung unb ber Jreube. Wur 
Jreube unb (£>lüd fall oon mm 
an ben großen ftünftler um« 
fchwänuen. Dicsimfer'lBunld). 

?J. o. Cisner*ßi[enhof 4 


Sergfpoit unb illettei* 
faulen. 

Wergfport ift im (Segen« 
311 allem übrigen, ums 
unter ben üblichen Wegriff bes 
Sportes fällt, in fo merfwürbig 
üerfd)iebenen treibenbett (Ele- 
menten begrünbet, baß ein 
bahnbreetjenber Certreter bes 
mobemen Wlpinismus wiclEmil 
jfigmonbg ihn überhaupt nicht 
als Sport im eigentlichen Sinne 
aufgefaftt wiffeu wollte; beim 
„bas Wergfteigen werbe nicht 
)u bem 3n>ed unternommen, um 
ben lEI)rgci3 an juregen". Öhni 
waren, »oie W. Schuld, ber 
Herausgeber feiner hinter« 
[offenen Schilberungen („3m 



Xommajo Saloini 


Hochgebirge", 188!)), beifügt, „bie Slusbilbung bcslifjaraltevs 
im müheoolieti 'Hingen nach einem fdiwirrigcn Jide uub 
bic &m»be am [dbfterfämpftcn (Erfolge ber |d)önftc yohn". 
Damit ift übrigens bas midjtigjtc 'JJioiiiciit bes n ful)rcr> 
lofen“ Cergfports gefennjeichnet. 

So eiflufit) ift bie iüngfte Sllpinifteugeneration oon 
heute, nachbem bic führerlofc Hod)toimftif (Bcmeingut 
weiter Greife geworben ift unb ficiftungcn unter Beihilfe 
oon Cenifsführem nid)t mehr als „ooll“ gelten, natürlid) 
nid)t geblieben. Sie will oi elmehr ben Cergfport gerabe 
wegen ber .tionipli.dertheit [eines SBefens unb wegen ber 
Cielfeitiglcit [einer törperlidjen unb geiftigenttnforbmingen 
an bic Spiftc aller [portlidjcn Betätigungen gr[ teilt haben, 
unb [ie wirb faunt leugnen föunen, bag aud) ber (Etprgcll 
einen beftimmenben (EinfluR cuif bie mobem|tc Wichtung 
bes Wcrgf ports gewonnen hat. Gleichwohl bleibt ein 
prinzipieller llnte rf (hieb gegenüber bem Joujtigeu förper» 
(icf)cti Sport beftchen, ber fiel) uor allem im «Vehlen bes 
eigentlichen 4Bettbewcrbs um eine objcFtio bc[te Sjeiftung, 
um ben „Wcforb“, mit aller höheren SOJomcnte 

zeigt. Ulerein,\elt aufgetreteiie Weforbbeftrebungen, j. ®. 
gewiffe „ööh<nreforbe für männliche unb wciblid)e Werg« 
[teiger", ferner bas befaniitr w (f»ipfel[chinbeu" ufw., [iub 
bis je^t mit Wed)t als betn fficift bes echten Alpinismus 
roiber|pred)enb burchaus ableh«f^ö beurteilt worben, unb 
materielle greife waren auf alpine Seiftungen befanntlid) 
nod) nidjt ausgefet|t. llbrigens nerbictet [djon bie „Arena" 
bes 'Wergfports mit ihren Io uncnblich wechfeloollcn uub 





3JiarcelIin Soule, 


^rofeffor am 'Jtatuihiitoriidjen W?u[eum in ‘Bari®, bei Per Unterfud)ung bes prähiftorifdjen 2d)äbcl®, 
beffen Ju'ib als Sccocis für ben engen 3u[ammetihötig jwifehen iDJenid) unb ?Iff< bienen foll. 


unbc|timmbareu WerhdltniffennonDrt, Woben unb 
'IBittcnmgscinflüffen ben für einen richtigen fport« 
liehen ‘ittettbrwerb uuerlägüchen 'Parallclismus bex 
yeiftwngen unter gleichen Webinguugen. Jaft jebe 
(Einzelleitung fann mit nad) ben inbioibudlen Um« 
[tänben beurteilt werben, unb jeber erfahrene Werg« 
[teiger weife, wie fdjwierig unb niifelich Vergleiche 
auch nur [enter fubjeftioen yeiftnugen finb. Vielleicht 
ift getabc in biefer bem ausgeprägten ^erfpniid)- 
feitsfinne bes Tcutfcheu zufageuben (Eigenheit bes 
Wergfports bie auffallenbe Sympathie unferes Vol« 
fes für bic Wcrgfteigcrci begriinbet, im ffjcgenfa^ zu 
ber engherzigem Sportauffaf|ung bes Cnglänbers, 
bem ber VMtbcwcrb alles ift, nnb ber für biefes eine 
3 id jeglichen Sports oor allem peiulidift gleid)mägige 
unb benlbar günftigfte Webingungen mit allen Wit* 
teln ber ‘IBiffenfchaft unb ledjnil ju fdjaffen [ud)t. 
Auf welcher Seite bic häfenren etl)ifd>cn JBerte zu 
|ud)cn finb, fann faum zweifelhaft fein, 

9 Jiag man nun aber ben Alpinismus im engem 
ober weitern fportltchen Sinne auffaffen, |o bleibt 
bod) bas 'JDloment ber eigentlichen reinen Seiftung 
mit oon we|entlid)[tcr Weöeutung für bic (Entwirf- 
hing bes Alpinismus wie für ben einzelnen Werg* 
[teiger, ftür bic fett bilbet bie yciftung nicht nur 
ben Wiafeltab für [eine ftähigfeiten, [onbern bic ge- 
|d)icfte tlbenoinbung oon Sdjwierigreiten mad)t 
ihm aud) ungcwöbnlidjes. Vergnügen im Wegen [ag 
311 ben fo)ufagen „hilimäfeigen" Anftrengungen, bie 
ein mittägiger Hüttenanjtieg aus bem heifecn Dal 
in ber [djweren tücrgausrüftung, ein Wtarfd) über er- 
weichte Jirnfelber, bic Uberwittbung abwechfluitgs» 
lofer (brashängc ober [teilcr Halben jenes ewig labi- 
len, jebem Idtt nachgebcnbeu Alaltgerölls erheifdjen 
unb babei alles, nur Feinen ä|thctifd)eii ober [port- 
lid)cu Wcmift bieten. Aber beibes wirb um fo mct)r 
lebiglid) Wlittd mm 3i»cd. fc imi[a|[enber unb 
[djwicrigcr bic Wefamtaufgabe ift, bie |id) ber Alpi« 
nift gcftdlt hat. Aid)t mehx bie (Einzelheiten, |on- 
bern bie Wröfee bes 'ftroblems 1)inficHtli<i> [einer 
6urd)fd)nittlid)en Auf orbenmgen geben ihm bann 
ben Wlafeftab für bie [portlidje wie ethi|d)C We« 
Wertung bes Vollbrachten. 

Um aber einer grobem alpinen Auf gäbe gewachfen zu 
fein, um nid)t nur ungewöhnlichen Sd)wierigteiten mit ber 
Anwartfd)aft auf (Erfolg entgegentreten ju tönnen, fonbern 
um aud) gewöhnliche H»nbcnti[fe [opifagen [pielenb, b. b- 
mit tunlichftcr Schonung bes .Hräfteoonats 311 bewältigen, 
hebarf cs oor allem brr ent|pred)enben Vefähigung uub 
tcd)ni[<fecn Übung, b. h- r< üi fportlid)er Wewanbthcit unb 
Ausbauer. Aut in Verbiubung mit biefer lönuen battn 
bie hiheren geiftigen lEipcnfdjaftcn, bie eine umfidjtige 
Durchfühmtig weitausgreifenber bergftd greif djer Aufgaben 
erforbert, fid) entwfcFeln uub 3ur Anwenbung gelangen. 

Die rrin [portlidje Sd)ulung ift aljo rine elementare 
Aufgabe bes Vcrgf teiger s. Sic will übrigens nicht nur 
erworben, (onberti aud) bewahrt unb allmählich gefteigert 
werben. v -fii biefem jwerfc werben z- V. oon ocrfd)icbrucn 
ber überaus rührigen Münchner bcrgfportlichen Ver- 
einigungen währen b bes ganzen Jahres „Übuiigstourcrt M 
nmnnigfad)ftcr unb fi)ftematifd) gefteigertcr Schwierigfeit 
unter erprobter ycituug fpeziell in bie nahen tiallalpen« 
gebiete oeranftaltet. Xas ift freilief) nur in ber Aact)- 
barfdiaft eines leid)t erreichbaren Hochgebirges möglici). 
Cfcbod) bieten aud) aufeeralpine Wegcnbcn rcd)t wcrtoolle 
Surrogate in fog. „illdtergärteu", felfigcn Szenerien, tn 
benen fich (Gelegenheit für bie mannigfaltigsten bergfport« 
lid)cn (Einzelübungen finbet. (f© feien nur biejnzarrcu 
«Trdsgebilör einiger unferrr 'Mittelgebirge, bes Schwarj- 
walbs unb ber Wogrfrn, brs 3 ura unl> befonbers ber 
Sächfifch^n Schweiz genannt. 
Vefitit bod) bie ieRtere fdjon 

— — — — — — einen eignen „ftührcr“ burrf) 

bic rouiantifd)c 'IBilbni® ihrer 
Zahllofcn, zum leil wegen ber 
aufeerorbcntlid) fehwierigen (Er- 
tletterung beriiehtigten Sanö« 
fteiutürme unb 'Jiabeln. Cft 
mufz aud) ein alter Steiubnid) 
bem Übungsbrang begeifterter 
Vcrgftelger genügen, wenn 
nichts Wefferes erreichbar ift. 
So mancher Alpinift hat in fol* 
d)cn „Ülettcrfchulcir öic( 5 ninb= 
lagen 3U einer nicht gewöhnli- 
d)eii ^dsgewanbtheit erworben, 
freilich, bie eigentliche berg* 
ftcigerifche Übung unb oor 
allein (Erfahrung fann nur im 
Hochgebirge fclhft gewonnen 
luerben. Unb aud) l)ie* ift oom 
fdsgewanbteften EUetterer zum 
oollenbeteu „©letfd)ermann“ 
nod) ein weiter, ein (ehr weiter 
Schritt, Auf eine anfehnliche 
Aeihe abjolut tüd)ttgcr j^els* 
flinimer Fommt nur ein neiner 
Vto3entfah oon Alpiniften, bie 
jid) in fouoeräner Vehcrrfcbung 
^ cbenfowohl oon (Eis unb Sdjnee 

wie oon g-els [ebes Di)pus mit 

jenen erprobten Rührern erften 
Aange® ineffctt fönnten, benen 

, r . lt . , einft bic Aiefen ber Alpen unter« 

Utondjen Sdjabcl®, . ' E . K 0»!«*, 

fic bienen fol. !'”*>■ ^ la *h 


[p* 


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m 


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Vornan oon (Earl (Eonte Scapinelli. 




0 


(10. ftortfetying.) 

g jfincn Xcil ber ©ebanfen unb ber 3 unetgung, bie haltet in bie Briefe 
an Sabette nic^t ein^liegen foitnte, lieft er Anna jufommen. S^ic^l 
baft et fie geliebt hotte! 3)aju lodten ihn ihre mageren 3üqt, ihre 
I bürftige ©eftalt nicht. Aber er fühlte fiel) in ijjrer Mähe rooljl, roeil 
fic in Scheu unb Belehrung an ifjm hing, ihre Augen auf glätten, roenn et 
tarn, unb ihr ©ejidjt fieben befam, [obalb et mit ihr fpraef). 

Die TOeller hatte ihn roie ein Äinb befjanbelt, bie Rerr ^atte iljm ihre 
Anfid)ten aufgebrängt, ^atte ihn bemuttern wollen, Anna Schairei nahm ifjn 
ooH Das roar bas 2BofyIbet)agen, bas ihre 9tälje in iljm erjeugte. 

©r brauste jemanb, ber an ihn unb feine Runft glaubte. An biefen ©lauten 
muftte er fich in ben Stunben bet 3 roeifel unb bes 23angens Hämmern fönnen. 
Solche Stunben toaxen iljm auch für feine Runft nicht erfpart. 

Cr hotte im 3 ©ange ber Sureautätigleit, tm Streben nach A3ethfel all bie 
taufenb Schroierigfeiten überfeljen, bie [ich feinem Streben entgegenftellen mürben, 
©itt Rünftler finbet nur feiten einen roirllichen ßeljrer, er muft [clbfi fein ßefjrer 
fein. Auch Atalter Ijatte fich bie tedjnifchen Solllommenheiten müljfam burdj 
lange Übung an 3 ueignen. Sein 2Dille roar gröfter als fein Tonnen. 

Aber baiüber ^alf iljm [eine 3al)igfeit unb ©nergie hmroeg. ©r muftte 
ben einmal ergriffenen SBeruf ausfüllen fönnen, foftc es, roas es roolle. 

3n ntandjert Stunben fd>ien et 311 oetjweifeln, würbe et faft an feinen 
Dalenten irre Aber bann nahm er alle ©nergie jufammen, er burfte [ein 
Gingen nicht aufgeben. Aus tiefem neuen 33erof heraus muftte er [ich feine 
ßebensberecljtigtmg unb feinen ßebensroed ^oren. 

Die jau^enben, [eligen Stunben reinen Runftfdjaffens roaren feiten; meift 
roar es ein Stücf ehrltdjer, föroeiftbrmgenbet Arbeit, bas ibn befdjafiigte. ©r 
lämpfte mit feinen Objeften, bis er fie barftellen lonnte. 

Sein ganjes fiebert war burchfeftt oon biefet Arbeit. M3o er fafc unb ffanb, 
beobachtete er, äeidjnete er in ber ßuft ober in fein Heines Sl^enbud). 

Die 3 ei(bnerif<ben Arbeiten gelangen ibm babei weit beffer als bie lolo« 
riftifdjen. ©erabe bas ärgerte ibn; benn Mialen roar bas erfte bei einem 
Rünftler, unb 3eidjnen galt in feinen Augen als eine untergeortnete Runft 
2Bas nüftte es ihm, baft [eine Mlutter unb Anna S^airer [eine Arbeiten 
gut fanben! Sie hotten beibe nicht bas Auge 3 um Sehen. 

Den ga^en Sommer hotte er arbeiten muffen, um roenigftens im $jerbft 
bet ber Prüfung in ber Afabemie in eine RIaffe aufgenommen 3 U roerben. 

©r fühlte, bafc feine Arbeit 3 U fehr Arbeit, 3 U roenig freubiges Schaffen 
roar. Stunben um Stunben faft er in feinem 3i mTI,cr unb 3 «i<hnete unb 
malte ... aus Pflicht, aus Angft, fein 3W nicht 3 U eneithen. 

Die frifchen SDangen, bie er non 9ßü nd)en mitgebracht, roaren im Dunfte ber 
Wiener Sommerhifte fahl geroorben, bie Augen erfebienen ermübet unb flademb. 

Öunbertmal fagte er es [ich, bafo er ein Arbeitstier roar unb lein Slünftler. 
Aber er burfte nicht auslaffen, nicht nachgeben. 

910$ hoffte er im leu^tenben öerbft in ben ßaubroalbern bes SBiener 
IBalbes bie garben 3 U ftnben, bie ihn begeifterten, bie er malen fonnte. 

23on allem fchrieb er SBabette, nur oon äroei Dingen ni^t, non ben 3roeif*ln 
in feiltet ilunft unb oon Anna Scbairer. Auf bas 37täb<ben wäre fie grunb^ 
los eiferfüthtig geroorben; oon [einen ÄunftjtDeifeln hätte fie ben ©ebanfen 
abgeleitet, bafj er unrecht getan, ftd) ber Malerei 3 U roibmen. 

©he er SBabette eingeftanben, ba^ er |id) mit fo roenig ©rfolg abmühte, 
hätte er ihr überhaupt nicht getrieben. 

vm. 

£err Aechnungsreoibent Scbairer hatte SHitte September feinen biesjährigen 
©rholungsurlaub. Seit Alenfcbengebenfen benu^te er biefen immer 3 U einer 
lour ins ©ebirge. Aie hatte er feine grau ober feine Üocfjter bah in mit« 
genommen, fie oerlangten es auch 9 ®r nicht Dem abgearbeiteten ©eamten 
gebührte biefe ©rholung, unb fie gaben fich bamit jufrieben, ba^ ber Haushalt 
bann roeniger Arbeit erforberte. 

Auch in biefem 3ahre backte 5en Scbairer nicht baran, bah feine Xocbtei 
ihn begleite. Schon feit 9Bod)en ftubierte er nach Schluß ber Amtsftunben 
ßanblaTten, Äursbüchet unb Aeifefüfjrer. So fchroelgte er bereits im Sorgenufe 

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feiner Xour, unb infolgebeffen hob [ich auch feine ßaune merflid). A3unfd)(o5 
fa| Anna baneben unb freute [ich roit bem Söater. Auch biesmal aagte [ie 
nicht baran 3 U benten, ba| er fie mitnehmen lonnte. ©s hätte ja oiel 3 U oiel 
©elb geloftet, unb [ie lannie ben ©nbrefrain bes Aaters, roenn er über bie 
hohen Ausgaben jammerte: „Die lange Äranfheit ber fDlutter hot eine fDlenge 
©elb oerfchlungen . 41 

Am oie^ejjnten September nachmittags 3 roei Ahr lant §en Aechnungs= 
reoibent Scbairer nach $aufe. Anna hatte ihm jehon alles 3 ureihtgelegt : bas 
Xouriftenhemb mit ben 3 roei Quaften, bie ßobenjoppe, ben Audfad, ben ASetier- 
mantel unb ben Änotenftod. ©an 3 aufgeregt roar er unb roie ausgeroechfelt. 

©r oerabfehiebeie [ich fogar oon ASalter feierlich onb legte ihm bas Seelen« 
heil feines ftinbes noch rafch ans Sjerj. Dann fuhr er gur Sübbahn. 

Aachbem ber 35ater roeggegangen roar, fam Anna ins SCohnjimmer 3 urücf, 
aufatmenb unb etwas ängftüch, bah fw t>on nun an brei A5o<hen mit bem 
§erm Aunftmaler allein haujen müffe. 

„2Barum nimmt Ste ber 23ater eigentlich nicht mit?“ 

„2Bo benlen Sie hin! £as toftet 3 U oiel ©elb, unb bann" — fie [etjte 
es 3 Ögernb unb boch mit freubigem Slid hio 3 U — „muh iä) f>och 3h r droegen 
ba fein. 5Ber follte benn bte Aßofjnung beforgen?" 

„©lauben Sie ni^t, bah f«h ba ein Ausweg hotte finben laffen?“ meinte 
er ladjenb. „Aber natürlich, Sie Arme . . , nun muffen Sie wirtlich meinet« 
roegen ba bleiben." 

„Das macht mir nichts' 4 , oerfichede fie. 

„Aber ich cs 3h nen entgelten. Sie füllen morgen mit mir in ben 
Sßiener 2BaIb fahren! 3ch male bori fleißig, unb Sie ergehen fich-" 

„ 2 Bas würben benn bie ßeute baju fagen ! 14 meinte fie eirötenb. 

„Die brauchen es ja nicht äu erfahren. 2Bas ift benn auch babei, roenn 
man mit feinem 3ttttmerherrn mal einen Ausflug macht ? 41 

3fjte Augen glätten. „9tun roerben Sie mich auslachen, £jerr Afalter, 
aber ich noch nie im SDienec SBalbl 44 

„©ine 9Bienerin unb noch nie im 2Biener 9BaIb? O Sie armes, bemit« 
leibensroeries ©efchöpf ! 14 ©s Hang ausgelaffen unb luftig. 23iel luftiger unb 
nedenber als fonft, roenn bet Aater 3 ugegen war. 

„Aber, im <£m[t, nun ro ollen mir einen Aeifeplan machen. Ste bereiten 
ben ^rooiant oor. A3it fahren [<hon um fieben Uhr früh «t«t ber 2Be[tbahn 
hinaus. Dann ein Heiner OTarfch, ein 3 weites [ffrühftüd. 3ch beginne 3 U 
malen, unb Sie ruhen im ßaub.“ 

Aber immer noch lanten ihr hunbert SBebenlen . . . 2Benn bas ber Aater 
roühte, ber roürbe es nie bulben. Ste lonne hoch nicht einen gan 3 en Xag 
alletn mit einem jungen £jerm im 2 Balb umtjerftreifen! 

„9!Bollen Sie 3hx bifechen Freiheit unb ßeben gar nicht genic&en, Anna? 
AJenn ich hormlofer gr*unb m j^ 3 ^^,, antrage, 3hr Reifer unb Sühter 
3 U fein 44 . . . 

„Solche Atabcherc wie ich Hob nicht 3 ur ftreube gefchaffen, 5rn A3alter ! <4 
„Das reben Sie fich ein. Alfo tatfächlich, Anna, mir roäre ber ganje Xag 
morgen ruiniert, roenn Sie nicht mrtfämen. Reinen Strich lonnte ich malen ! 44 

,,®«h, ö«h!“ 

„IBirllich, Anna!" 

„AJenn 's wegen 3hrer Arbeit ift, bann barf ich Sie bur<h meine Weigerung 
nicht baoon abhalten, ©ut, fahre mit ! 44 

„23raoo, braoo ! 44 rief Jßalter, inbem er fie bei ben £anben nahm unb mit 
ihr bur<h bas 3 immer hüpfte. 

„So laffen Sie mich boch aus . . . Sie finb ja gan 3 närrifch . . . A3enn 
Sie nicht aufhbren, geh' ich rtic^t mit!“ 

„Dann roill ich mu[terf)aft brao fein!" 

Am nächften Sftorgen um fieben Uhr ftanben beibe am Akftbafjnhof. Sie 
noch etroa5 öngftlich, er frifch unb luftig, fein fDla^eug in ber $anb. 

Aach einer breioiertelftünbigen 2 rQhd ftiegen fie aus. ®tn herrlicher ö«Mt ; 
morgen lag über ben ßaubhängen. 3n allen färben fchimmerten bie ^Blätter, 
roeit unb ^od) roßlbte fich barüber ber blaue Fimmel 

„3n folchec Cuft oergeht auch gleich 3h* öüfteln, gräulein Anna. SBenn 
roir erft oier 3 ehn Xage lang ba h«ausfahren, barm roerben Sie fo frifch aus» 
feljen roie ein Apfer . 44 

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3nu|triite 3**tung. 


51t. 3420. 14. 3anaat 1909. 


„2Bo barf ich benn fo oft heraus ! ©s ift fd)on bas eine SJtal nicht recht." 

„Sic tun es bod) roegen Shres Suttens.-" 

„Den fjab’ i<h non ber Blutter! Da ^ilft cud) bie Luft nrdjt mef)T." 

„Dod), boef), Sie werben [tarf unb gefunb roerben, Bnna. 3dj forg’ fchon 
bafür. Bber jeftt !)«&* es ausfdjreiten, bamit rotr unter erftes 3i«l halb 
erretten !" 

Sie waren ins Dididjt gelommcn. Bedjts unb linls jogen mastige Buchen 
einen 2Beg burd) ben enblofen B3alb. 

„B3ie ein Liebespaar geben mir baljer", jagte fie pfötjlid) aufjeufjenb. 

„Blenn roir nur leins finb. Diejer ©ebanfe muft uns gegen ben Schein, 
ber auf uns fajtet, troften!" 

(Er jab jie babei roie prüfen* an. Diefes unfeheinbare, blajje Ding lieb 
ibn jein Leben in Ieftter 3^il tatjäc^Iic^ leister unb roeniger tragifd) nehmen, 
oerroifchte Babettes leucfjtenbes Bilb, tilgte bie Sehnfud)t naeft i^r immer mebr. 
(Er lonnte fid) mit Bnna ausfprechen, unb babei hob ib re Berounberung jein 
Sclbftberoufttjein. Babette batte ibn immer bemuttert, gefcbulmeiftert, ibm oor* 
gejdjrieben, roie er bas Leben nehmen füllte. 

Buch bie 3®cifel roegen ber OTutter fchliefen langjam in ibm ein, ba er 
bort, roo er wohnte, Xeilnaljme unb etroas wie ein §eim faub. Bom Sdjitffal, 
oom Bliileib feiner Umgebung, bur<b feinen frübern Beruf, burd) Babettes 
Brt war er immer Hein gemalt worben. Bur burd) Feine Btaltätigleit, burd) 
Minnas Bcrounberung tonnte er fid), feelifdj frei, in bie £jöhe eniroidcln. 

Das machte ibm, neben einem natürlichen Söltigcfühl mit bem einfamen 
9Jtäbd)en r bie Bäf)e Bnnas fo angenehm. 

Bad) einftünbigem Blarjdje batte er enblicft ein Blätjchen gejunben, roo er 
ein auffteigenbes, oon einer SBieje gefäumtes 2Balbtcrrain malen roollte. Sie 
liegen fid) nieber. (Er jtelfte feine Heine Staffelei auf unb begann gleich 3U 
fixieren, wäljrenb Bnna bie Butter* unb BJurftbrote b^oorbolte. 

„Bun ftärlen Sie [ich erft", fagte fie. 

(Er bebielt ben Bleifiift in ber Siechten, nahm bas Brot in bie Linie unb 
oft fo, roäbrenb er arbeitete. 

„Bid)t mal 3um (Effen laffen Sie fid) 3eit!" 

(Er lachte nur unb aft roeiier. 

„Schön ift 's hier, f)immlifc^ fchon! 3Ber bas alle Sage haben fann!" 

„3ebe Bauernfrau", meinte er lafouifd). 

„Die fiebt bas, glaube ich, nicht; bie ift bafür abgeftumpft. 3Die fernen 
Sie jeichnen, wie rafch bas oorroäris gebt!" 

„Das macht nur. roeil ich f° angenehme ©efellfdjaft habe." 

„Schmeicheln Sie nicht. (Es fommt 31jnen hoch nicht oom £>erjen. Bur 
aus Blitleib haben Sie mich mitgenommen. 3 a » ja, Sßalter, Sie finb ein 
guter, lieber Äert! Daft bas blajje Ding auch einmal aufs Lanb fommt . . . 
haben Sie ficb gebad)! 41 

„Bber, Anna!" 

„Bein, nein, finb Sie ftill! 3d) bin 3I)nen ja auch für bas ÜJlitleib banfbar. 
Bteljr ®UI unb barf ich nicht oerlangen, Ste haben ja 3fjre Babette!" 

„Die ijt fern.' 4 

„Bber Sie haben fie hoch feljr gem, ift jie ja 3l)re Braut!" Lauemb, 
fragenb fam es oon ihren bünnen Lippen. 

„3<h glaub' ... ich ®eift es ni^t beftimmt! 1 ' 

„BbeT, BBalter, fdjeraen Sie nicht mit bem 5>eiligften!" 

(Er felber wunberte fi<h, wie j^erj^aft unb fetter er burch all bie B3o<hen 
in Minnas ©efell jehaft geroorben roar. 

Sraft farfaftifd) würbe er auf einmal, feinen Igrifcben Unterton oerlor er 
mehr unb mehr. 2Ber hatte ihm bas genommen? 3Bar es mh ben 3önglings= 
jahren entfehrounben? &atte bas Leben ihn härter gemacht? 

Unb roäljrenb er jo bachte, fanb er an bem Btalen btefer bunten, toten 
Blatter nicht länger Bergnügen. 

„galten Sie mal ftill, 5lnna ... bah i<h j^neri fann!" jagte er 
luftig. 

3hr würbe ganj feierlich jumute. Schon oft hatte fie ihn bitten wollen, 
er [olle fie malen ober 3eid)nen. 9tun trug er ihr es felber an. 

©an3 füll unb jteif blieb jie fitjen. (Er rücfte etwas weiter oon ihr ab, 
um jie beffer ju überjehen. 

(Ein neues Blatt rifc er aus bem Sfiföenbuch, bann fah er fie lange unb 
fcharf an. Sie errötete unter feinem forfdjenben Blicf. 

Btle (Eden unb JDintel ihres (Öejichtes, ihrer ©ejtalt fielen ihm plötzlich 
auf. Die fragenben klugen amüfierien ihn, bas fpifce Rinn würbe unter feinem 
Stift noch fpifjer. 

(Er lonnte nicht anbers, ber Übermut hatte fid) feiner Slugen, feiner £anb 
bemächtigt . . . eine Rarifatur 3Innas, non 9Bth unb Scharfe, ftanb auf bem 
Bapier. 

„3ei9en Sie h«“, bat fie. 

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„(Es ift ein Scher^ eine Rarilatui", fprath ei. 

Neugierig betrachtete jie bas Blatt. „So jeljen Sie mich?“ rief fie tief- 
traurig. „ 3 a, ja, fo muh l« n! " 

Dann ftürjten ihr bie Dränen aus ben 2lugen oor CEnttSuf^ung unb Scham. 

(Er beugte fid) über fie, inbem er fie 3 U troften juchte: „Sich, es ift hoch nur 
ein Unfinn! Daheim mal' ich Sie fein, echt, jo jdjön, wie Sie finb." 

Liber er fühlte, bas mürbe er nie lönnen. (Es fta! in feinem (Erijfel etwas, 
roas bie SOienfdjen oerjerrte. 

Schon einmal, als er Babette 3eid)nete, roar ihm bas Har geroorben. 

Sollte er bas Blatt gerreifjen? (Es roar fein fdjlechtes Stüd, fein beftes 
oielleicht ünbemerlt barg er es in jein er Brufttafdje. 

2lnna roar nerftimmt SBalter wollte auch nicht mehr malen. So brachen 
jie benn auf. 

„Löie lann man nur über jo etwas beleibigt fein!" fpra<h er 3 U Buna. 

„3ch bin ja nicht beleibigt, fonbern nur erfchredt Sie haben mir bie Bugen 
geöffnet 3d) bin genau fo, roie Sie mich ge 3 eid)net bafren. Sie feljen fcharf. 
Bber was will ich bann ba art ^h rcr ©eite? 3^ muh 3h ncn i a Iä ftig fein 
mit meinen garfligen 3ügen. Bis Rünftler lieben Sie nur bas Schöne!" 

Bach unb nach lonnte er Bnna hoch fo weit beruhigen, bah f ie mieber 
lachte unb h^ter roar. Bber irgenbeine Hoffnung in ihr, irgenbein C&laube 
roar bamit bo<h jäh jerjtört worben. 

Bun muhte fie, bah €t ^ rc Öäfjlichleit empfanb unb er als Rünftler fie 
nie roerbe lieben lönnen. Bber war 's für fie nicht fo am beften? Sie 3 Ürnte 
ihm barob nicht, fie hing noch immer in Liebe unb Berehrung an ihm. 

So hatte er auf einmal, jum erftenmal in feinem Leben, Serrfdjaft über 
ein SBefen errungen. Sie erfannte fein §crrenTed)t an, felbft wenn fie bar- 
unter litt. 

Ste ftreiften weiter burch bi« halber, unb wieber oerfuchte er oon ber 
Buntheit bes ^erbftes für feine Runft ©eroinn ju Riehen. (Er fehle feine gan 3 e 
Hoffnung barauf, auch als Lanbfchaftsmaler etwas 3 U erreichen. 

©egen Bbenb lamen fie in bas tiefe Xal jurüd, roo bie Station lag. Um 
bie ihr äugefügie Rränlung in Bergeifenfjeit ju bringen, roar er hoppelt guter 
Dinge unb hangle fid) fcher^enb in ihren Slrm. £alb grollenb, halb erbeut, 
oerbot fie es ihm nicht 

(Etwas oon ber Stimmung, bie ihn in Blünchen bei ber §aberfd)abenfoier 
erfaßt hatte, ein Dürft nach bem Leben, ein junger nach Lebensfreube, regte 
fich auch heute in LBalter. Xroh aller 3 ro «ifel unb Keinen Sorgen um feine 
3 ulunft brach mächtig unb laut bie 3 u 9 enl> tn tl)m burch- 

Der herrliche Sonnenuntergang, ber Bnblid bes einfchlummernben Söalbes 
ftimmten ihn feierlich, glüdlicf). ©r fog fich an ber Schönheit ber Batur oolL 

Unb roie feine S^ube in abgeriffenett Sä^en oon feinen Lippen lam, roie 
er, im 3 nnerften aufjaud) 3 enb, bas alles genofij, ba fam auch über Bnna etwas 
oon biefer roeichen Stimmung. 

3 n bem Beftaurant, roo fie aum Bbenbbrat einfehrten, festen fie fi^ in 
eine Laube. (Er beflellte 3 wei Schni^el unb ein halbes Liter guten Lanbroein. 

Sie fträubte fich, feine (Einiabung anjunchmen. Bbcr er lachte nur. „Sie 
bürfen mir bas nicht ausfdjlagen, gräulein Bnna. 3ch gebe h«ute ein geft 
ber fcheibenben Batur 3 U (Ehren, ba müffen Sie mein ©aft fein!" 

„3<h roill 3hnen leine Buslagen machen." 

„Buslagen! Bus roelchex BJelt ift biefes IBort? Bus meiner reinen 
Rünftlerwelt nicht!" 

„B3ir Sterbliche lennen es aber Ieiber." 

„Da tut ihr mir leib." (Er gofc aus ber glafdje ben 2Bem in bie ©läfer. 
Dann lp& «1 f«n ©las mit ben üöorten: ,,©s lebe bas Leben!" 

Blatt, ohne etroas 3 U jagen, jtiefj jie 3 Ögernb an. 

Blatter umgab heute ein eigner, feltfamer ®Ian 3 . 9Bie oerllärt, roie geläutert 
unb befreit oon aller (Erbenfchroere erjdjien er ihr. 

3a, feine h<>H Blufe gefügt haben. (Einmal wohl 

flog bahinter etroas roie ein BSetterleudjten auf. ©in äroeifelnber ©ebanfe an 
bie Blutter, an Babette fchofj barin auf, bann aber genofe er fchon roieber 
gan 3 bie ©egenroarL 

©r legte feine 5>anb auf Bnnas fchmale Bechte, bie auf bem Xifche lag. 

„Sinb Sie glüdlich, Bnna?" fragte er. Da 3 u ftrahlten feine Bugen, baju 
la^te feilt Blunb. Sie nidte nur ftumm. 

(Er aber fagte: „ 3 n foId)en feltenen Stunben, fernab oom haften ber anberen, 
muh man fllüdlich fein! 4 ' 

©r gof) ein ©las Bl ein hinunter. Dann 3 ahtten fie unb gingen, ©s roar 
fchon gan 3 bunfel geroorben. Unroillfürlich fchmiegte fie fich feft an ihn, roahrenb 
fie auf ber grauen, büftem Strafte jurn Bahnhof eilten. 

„Daft rohr ben 3 U 9 nic^t oerfäumen!" fagte fie plöftlid). 

„Bch, roas fümmert uns biefes Rulturoehitel!" Dennoch fchritten fie feft 
aus, um pünftlich anjulangen. 

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9tr. 3420. 14. 3<muar 1909, 


3lluftrirte 3^119. 


69 


„3Bir notf> 3*^"» l°9 te er » t> a ber Schien enftrang jc^on oor ihren 
klugen lag. „ 2 Bir brauchen nidjt mehr |o 3 U laufen . 41 

6 « mäßigten ihre Stritte. 

„91a, roar 's fdjön, Anna?" 

M 6mtmli|4!“ ^au^te fic. 

(Ein ©efüljl unenbli^er TanfbarJeit rourbe in iljr rege. 9Bte oiel fiidjt, roie 
Diel greube, roie oiel ©lüd ^attc 2 ßalter Terlorn in ihr einfames fieben gebraut! 

pötjlich beugte fic fich nieber, unb mit tränenfeuchten klugen brüdte fic 
einen Ru& auf feine $janb. 

„Aber, Anna!" ©Jie aus ©titleib fuhr et ffreidjelrtb über iljt §aat. 

(Einen Augenblicf ^atte biefe ®3ene gebauert, bann rifo fee fid) con ihm los, 
unb heibe eilten gum ©aljnhof. ©om filmte überfirömt, ftanben fie einanber 
roie groei gleichgültige, frembe ©Zenfchentinber gegenüber. ©raufenb fuhr ber 
3ug ein, faufenb ging es ber ^auptftabt 3U. 

©odj öfter rourbe Anna pon haltet aufgeforberl, mit ihm Ausflüge gu 
machen; aber fie jträubte fid) immer bagegen. 

„So etroas ift einmal unuergefelid) fc!)ön, aber roieberljolt rotrb es gefährlich", 
antroortete fit 

Sie ging ifjm jetjt auch mehr aus bem 2 Bege unb roar glücklich unb beruf) igt, 
als enblicfj ifjr ©ater, ooll von ben (Einbußen feinet Tour, ^eimle^rte. 

Über ©Jalter roar es plöfclich roie ein gie 6 er gefommen, bas i^n aus feinen 
uier SBänbcn ^inaustrieb in bie ©aftftuben ber ©rofoftabt. 

©reidjfam aus feinen Träumen erroa^t, ftaunte er bas nächtliche fieben 
unb Treiben roie foftbare, felterte Tinge an. 

3um erftenmal trat er fjier ohne Aufficht ins roirflidje fieben. ©leid) einem 
91 ad)troanbler ging er an beffen ©efahren rorüber; feine feelifdje fiauterleit 
bewahrte ihn oor ©efchmutjung. 

3u fpäter ©achtftunbe lehrte er oft nad) §au[e jurücJ. Tagelang fah er 
Anna nicht SBochen oergingen, ef)e er an ©abette fdjrieb, unb bann log er, 
um fie nicht 311 ängftigen. 

Auch feine ©Zutter befugte er r«d)t feiten. Alle 3 roeifel, bie ihm bas neue 
fieben ins Ofjr geflüftert, nahm er bortjjin, Unb je reifer an (Erfahrungen 
er rourbe, befto mehr freute er bie grage, bie offene, erlöfenbe grage ®t 
biefe grau. ©or ihren forföenben klugen fentte er ben ©lid, als ^abe er ihr 
etroas 3U oerheimlid)en, unb ^örtc mißmutig auf iT)re (Ermahnungen unb guten 
ttaifölage. 

Tann fturjfe er hinaus ins fieben unb richtete an biefes feine fragen, 
■filber bie Antroort, bie es ihm erteilte, genügte ihm auch nicht, unb fo regte 
fi<h roieber jene farlaftifche Stimmung, bie ihn 3roang, alles leicht 3U nehmen 
unb oon fich roie oon ben anberen gering 3U benfen. 

Um ben Schmer^ ben er barüber empfanb, 3 U betäuben, begann et bes 
Abenbs mehr 3 U trinfen, als er geroohnt roar, benahm ft<fj auch lauter als 
fonft unb äechie mit roilbfremben ©ienfehen. (Er flehte geroiffermafcen ben 
Alfohol, ben fiärm, bie gremben an, ihn 3 ur (Erkenntnis 3 U bringen unb bas 
Söergeffen 3 U lehren. 

Ta 3 u Jam noch, bafr er auch für feine Runft an ein beftimmtes 3W benfen 
mufete. 2Bas er in bem Rutfus ber Afabemte lernte, mutete ihn gering, wenig 
praftifdj an. 

Seine ©elbmittel roaren fnapp. ©Sollte er noch ein 3ah r bamit Teichen, 
fo hatte er fi<h fehl ein$ufd)Tänfen. 

filber ba fam roieber etroas roie eine Ahnung über ihn, als lönnte er nur 
bann ein richtiger Rünjtler roerben, roenn er aus bem unerfdjöpflichen Sorn 
bes fieben s fchopfte unb taumelnb Seite feierte. 

Solange er ji<h beffen entfann, trug er bie (Erbenfthroere mit fi<h, fonnte 
er nicht ungetjinbert empor 3 U ben öohen. 9Bie ein fiuftfehiffer, beffen ©onbel 
belaben ift mit ferneren Süden unb allerlei 23allaft, fo Jam er ftch oor mit 
feinen Sorgen unb 3 n 5 C *f e ^ n » We >h n DDm Slufjteigen jurüd^ietten. 3Benn er, 
in einer geroiffen §ohe angelangt, barüber hinaus roollte, bann Jonnten feine 
Träume unb ^3läne, feine 3ßünfche unb Stimmungen nicht weiter, roetl ber 
SBallaft ber (Eijiehung, bei traurigen 3ugenb, beT enblofen Rumpfe unb 3meifel 
ihn nieberbrüdte. 

©elänge es ihm, fie alle über 23orb ju fthleubetn, bann roürbe er in bie 
§oh< fteigen, in fdjtoinbelnbe, himmlifche ^ohe. tÄber ber 25Iid 3 m (Erbe ginge 
bahei »erloren, jener befte 3 U 9» ^ cn f cinc ^ un lt i e ^t barg, bas Sehen unb 
(Ertennen ber ®ienfd)en unb Öbjefte. 

2Benn er roirflich einmal einen 9lbenb m Stimmung unb greube 3 Ugehra<ht 
hatte unb hinter ihm alles Schwere oerfunJen roar, am nächften borgen ftanb 
es hoch roieber oor ihm. 

Seine empfinbfame SlatuT fühlte auch alles hoppelt ftarl Tie (Entfrembung, 
bie infolge bei Trennung 3 roifchen ihm unb Sabette eintreten mufete, unb bie 
fleh in ben fpärlichen, ihm nur abgejroungetten ©riefen geigte, roar ebenfalls [ol<h 
ein ©allaft, ber ihn bebrüdte unb non ber Arbeit abfnell 


Unfrei unb unfroh Jam er fich oor, roeil er fich in jungen 3 a ^ ren m 
Übereifer gebunben hatte; unfrei unb unfrot) aber auch, roeil er ©abette liebte 
unb jich hoch nicht gu ihr hingejogen fühlte. 

Über feine ©ejiehungen 3U ber itillen, armen 21nna machte er fich leine 
©ebanleti. (Er nahtn ihr« 3 üneigung nicht emft; er tänbelte mit ihren ©mpfin^ 
bungen, bie 3roar feiner (Eitelfeit f<hmeich eiten, ihn aber fonft Jalt liefen. 

©Zit ©ehagen betrachtete er bie Rarilatur, bie ei jüngft non ihr eniroorfen. 
9 JIÜ luftigen Strichen gei^nete er noch e *™ 9 e ähnliche ©lätter, roie ihm gerabe 
bie DbfeJte unterfamen, einen Tienftmann oon ber Strafoenede, ben TBirt bes 
gegenüber bcfittblichen ©afthaufes. 9 ta<h unb nach legte er fich * ine 
Sammlung an, lauter Tgpen, aber bod) inbioibuell erfaßt, boshaft farifiert 

Oft unb oft riß er fich roieber oon biefer fröhlichen Arbeit mit ©eroalt los, 
um ju emfteren Silbern 3U fommen. Gr roollte fein Rarifaturift fein, er roollte 
emfte Runftroerfe fchaffen. 

(Er quälte ftd? gerabeju mit größeren Sachen. (Es mu^te ihm gelingen, 
hier etroas gu erreichen. Unb roenn bann eine jener jugenblich naioen, echt 
fentimentalen Stunben über ihn fam, bann ftrich er bie ftimmungsoollften 
Stlb^en hin, bann glaubte er, ein großer Rünftler 3U fein. 

51 m nächften Tage freilich merfte er bas Stümperhafte, bie Ausführung unb 
bie Arbeit etfehien ihm oergerrt, farifiert Das roar bas (Eigentümliche in AJalter 
Terforns Seelenjuftanb, bag er, je mehr er begann im fieben felbft feften 
ftufe 3U faffen, befto mehr feine 3uflud)t nahm 3U einer ©erbitterten farfaftifchen 
©runbftimmung, bis biefe fich enblich in ein erlöfenbes Sachen auflöfte 

Nichts mehr ernft unb gro^ nehmen, bad)te er, unb hoch gelang ihm bics 
höchft feiten. 9 lur ©Zenfchcn gegenüber, bie ihm Heiner unb unbebeutenber 
erfchienen als er felbft fühlte er fich als Sarfaft Tarum hatte er auch bie 
arme Anna fo prächtig farifiert, unb barum bebrüdte ihn fein ©erhältnis gu ihr 
gar nicht 

©lofe bet ber ©lütter fonnte er feine neue Theorie nicht anroenben. © 3 as 
biefe grau für ihn in Schleier hüllte, bas ©ätfel ihrer unglücflichen ®fj e » bas 
nötigte ihm, gang gegen feinen © 3 illen f ©erefjrung unb Achtung ab, bie es ihm 
fogar oerbot, an [ie bie erlöfenbe grage nach bem ©runbe ihrer Scheibung 3U 

richten. CSortfeftung folgt in ber näc&ften Slummer.) 

I>er Rönig oon Siotge. 

fBallabe oon 9Raz fteifeler. 

Tas roar ber König oon ©orge, ber nie ein« Schlaft oerlor, 

®r roar rote ©alber, ber lichte, unb ftarf roie Afathor. 

Ter Rönig fchritt hernieber oon feinet Siug am ©feer; 

®r fchlug eine golbene ^arfe, aber fein §er 3 roar fchroer. 

(Ein 3Beib ftieg aus ben 2Bellen: „Tu fingft fo rounberfam. 

Tief ift ber ©runb ber ©leere, bo<h tiefet ift bein ©iam. u 

Ta rührte bet bleiche Rönig bas golbene Saitenfpiel; 

„©fein ©uf)m roar hoch roie ber Ejimmel, aber mein ©uf)m gerfieL 

Tie See frafe meine Schiffe; bas ©ras ber £jeibe roarb rot, 

3ch führte mein §e«r 3 um Rampfe, meine gelben blieben tot. 

^ln bie ich mein $ er 3 oerloren, oerlor ich nun mein fianb“ . . . 

Tie filbemen Saiten serfprangen, unb bie ^>arfe fanf in ben Sanb. 

Unb lodenb franste bie ©leexfrau bes gelben roallenbes ^>aar: 

,,©un fomm, mein bleidjet Rönig, fei mein auf immerbar! 

Um unfre fchimmemben Sdjlöffer fchaofelt filbeme Slumen bie See, 

3n unfern friftallenen fallen wohnt fein ©leinen unb roohnt fein 2Bel). 

©3ir fptelen jut ©a^t mit ben Sternen unb gleiten in glängenber 3««ht 
Turch Die ftrafjlenben Auen ber Tiefen unb fofen unb fingen facht. 

Uns ruft in purpurnen 2Dälbem oiel minniger 3eitoertreib, 

Unb olle Seligfeiten bet (Söttet fchenft btt mein fieib.“ 

Ta löfte ber bleich« Äöncg ben Rrang oon ber Stirn: „Stimm ht« — 

3d) bin ein Sohn ber (Erbe, 0 ©feeresfönigin! 

3ch muh «in ©tüd erretten, gu bem mich mein Stotrofr trägt, 

3<h muh «irt ®Iücf erftreiten, bas mir mein Sifen fchlägt. 

3ch muh mit ber Hoffnung fahren, unb bi« Sehnfudjt fucht mein Sinn. 
3d) bin «in Sohn ber (Erbe — leb’ a>ot)T, 0 Rönigln!* 4 

©s hat ber bleiche Rönig fich fdjroetgenb abgefehrt. 

(Er roufch ftch feine SCunben unb fchltff am Stein fein Scfjroert. 


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Die künstliche Umformung der Lebewesen als Grundlage 
der biologischen Technik. Von R. France. 


U nter den stillen Wandlungen auf kulturellem Gebiet, die fernab 
von dem Lärm des Tages vor sich gehen und nur dem Ein- 
geweihten bemerkbar jene sprungartigen und blendenden 
Fortschritte der Technik vorbereiten, welche sich im letzten Menschen- 
alter geradezu drängen, wird seit einiger Zeit eine besonders unter- 
schätzt. Und das ist der veränderte Zustand der theoretischen 
Lebensforschung. Dieser Zweig der Wissenschaft hat ein wahres 
Kometenschicksal. Alles andere überstrahlend, von der ganzen Welt 
bewundert, ja sie in Verwirrung stürzend, ging vor noch nicht ganz 
fünfzig Jahren sein Stern auf. Als Darwinismus und Entwicklungs- 
lehre, im Engeren als Urzeugungs- und Artbild ungshypothese be- 
schäftigte die theoretische Biologie in den sech- 
ziger und siebziger Jahren alle Gebildeten. Aber 
ihr Glanz erlosch bald, und wenn sie auch heute 
noch an allen gelehrten Arbeitsstätten das zentrale 
Problem jeder Forschertätigkeit geblieben ist, so 
wurde sie doch für die Kultur und vor allem für 
das werktätige Leben fast bedeutungslos. Wer die 
Behauptung aufstellte, daß die Entscheidungen 
über die vielerlei Hypothesen und Theorien, durch 
die man das Artbildungsproblein zu lösen versuchte, 
für Handel und Wandel unserer Zeit von unmittel- 
barer und tief eingreifender Bedeutung sein können, 
der erntet von der Öffentlichkeit das zweifelnde 
Lächeln der Ungläubigkeit. Dieses Lächeln ist 
jedoch ein Zeichen mangelhafter Information, und 
es soll hier unternommen werden, den Beweis für 
diese anscheinend kühne Behauptung zu führen. 

Durch Tagesblätter und wissenschaftliche Journale weiß man 
seit etwa einem Jahre von den staunenswerten Zuchtresultaten eines 
kalifornischen Gärtners. Luther Burbank ist an beiden Küsten 
des Atlantiks ein fast populärer Name geworden, und um den „Zauberer 
von Santa Rosa“ hat sich ein wahrer Legendenkreis gebildet. Ab 
und zu erreichen diese Nachrichten die weiteste Öffentlichkeit Jeder- 
mann horchtauf, wenn er erfährt, daß Carnegie dem kalifornischen 
Wundermann jährlich etwa 40000 
Mark Unterstützung für seine Ex- 
perimente gewährt, die zu ganz 
unglaublichen Blumen-, Obst- 
und Gemüsezüchtungen führ- 
ten. Oder wenn das Department 
of Agriculture der Vereinigten 
Staaten von Amerika amtlich 
kundgibt, daß die Züchtung deT 
Luther- Burbank- Kartoffelsorte 
den Ertrag der Kartoffelernte in 
denVereinigten Staaten um etwa 
73 Milk Mk. (17 Mill. Dollar) 
jährlich gesteigert hat. 

Zahlen sind die besten Argu- 
mente in unserer Zeit. Man ver- 
nimmt solche Angaben mit dem 
Gefühl, daß sich dort in Kalifor- 
nien ein unerhörter Sprung der 
Wissenschaft vollzogen haben 
müsse, da sie solche praktische 
Ergebnisse liefert, und vergißt 
dabei, daß alles dies nichts an- 
deres als ins Größe, zur Industrie 
gesteigerte Nutzanwendung der 
in allen biologischen Laboratorien 
angestellten Versuche, in letzter 
Hinsicht die Praxis des für un- 
fruchtbar gehaltenen Theoreti- 
sierens und der „Hypothesen- 
spielereien“ ist. 

Man hat eben seit einigen 
Jahren, fußend auf den Arbeiten 
der Entwicklungstheoretiker, eini- 
ges von dem Problem der Art- 
bildung in die Hand bekommen 
und ist nun im Begriff, damit neue 
Techniken und Industrien zu 
schaffen. 

Um was es sich bei dieser 
Art von „angewandter Botanik“ 


handelt, kann besser als mit weitausholenden allgemeinen Darlegungen 
durch eine Reihe von Beispielen belegt werden, die etwa den Umfang 
der Probleme und den Weg des Fortschrittes andeuten. 

Jedem Bakteriologen wohlbekannt ist der Hostienpilz (Bacillus 
oder Micrococcus prodigiosus, Abbild. 1), ein harmloser Spalt- 
pilz, der sich im Herbst in Waldbächen allgemein, sonst aber hier 
und da auf Brot und Speiseresten findet und schon oft Anlaß 211 aber- 
gläubischen Meinungen gegeben hat. Auf gekochten Kartoffelscheiben 
bildet er bei gewöhnlicher Zimmertemperatur bald große, frischem 
Blute wirklich täuschend ähnlich aussehende Flecken. Bringt man 
aber eine solche Kultur in die Temperatur von 37 0 C, so wandelt sich 
die Pflanze in eine andere Rasse, das heißt, sie 
nimmt andere Eigenschaften an. Dies wird bei 
dem Hostienpilz insofern sehr .sinnenfällig, als er 
unter den veränderten Verhältnissen die Bildung 
des roten Farbstoffes einstellt, sie aber wiederauf- 
nimmt, wenn er in kühlere Temperatur gelangt. 

Dies ist etwa das einfachste Beispiel von 
Beherrschung der Lebensäußerungen durch Kennt- 
nis der Lebensbedingungen. Indem man durch 
solche Erfahrungen auf das Gesetz- 
mäßige der Eigenschaftenänderungen 
aufmerksam wurde, entwickelte sich 
aus Versuchen und Fragestellungen 
nach solchen Gesichtspunkten ein neuer 
Wissenszweig — eine Experimental- 
physiologie der Eigenschaften- 
b i 1 d u n g. 

Besonders geeignete Versuchsobjekte hierfür sind die Pflanzen, 
Man kann ihnen auch im Laboratorium leicht natürliche Lebens- 
bedingungen schaffen; außerdem ist das „innere Getriebe“ ihres 
Lebens weniger kompliziert, daher leichter zu durchschauen als das 
der Tiere. Immerhin gelang es auch den Zoologen, darin zu sehr 
bemerkenswerten Resultaten zu gelangen. E. Fischer, A, Standfuß 
und andere Naturforscher haben es zustande gebracht, auf dem 

Wege solcher Versuchsanord- 
nung künstlich Schmetterlings- 
formen zu erzeugen, dieals seltene 
— daher von den Sammlern hoch- 
geschätzte Abweichungen nur 
aus den Polargebieten oder aus 
sehr südlichen Gegenden be- 
kannt sind oder auch in der 
Natur überhaupt nicht Vor- 
kommen! 

Es handelt sich auch hier 
um geschickte Benutzung der 
gesetzmäßigen Zusammenhänge 
zwischen der Temperatur und 
der Farbstoffbildung durch den 
lebendigen Stoffwechsel, nur sind 
dieVerhältnisse, entsprechend der 
hühem Organisation der reagie- 
renden Wesen, auch verwickelter 
als bei den Bakterien. Es genügt 
wohl auch hier, aus der Fülle der 
vorliegenden Beobachtungen ein 
Beispiel herauszugreifen, da an 
ihm zur Genüge das Wesen der 
Sache erläutert werden kann. 

Die jedem Naturfreund wohl- 
bekannten Falter aus der Gattung 
Vanessa, wohin namentlich das 
Tagpfauenauge (Vanessa Io), 
der Nesselfalter (V. urticae), 
der Admiral (V. Atalanta), der 
große Fuchs, der Trauermantel, 
also gerade die bekanntesten 
und schönsten Vertreter unserer 
Schmetterlingswelt gehören, wur- 
den hauptsächlich zu folgenden 
Versuchen herangezogen. Von 
den drei Exemplaren des gewöhn- 
lichen Tagpfauenauges (Vanessa 
Io L. % Abbild. 2) ist Fig.a normal, 
die beiden anderen Exemplare 



1. Micrococcus prodigiosus. Aus Schottel ius. „Bakterien, Influenz- 
Krankheiten und deren Bekämpfung“. Verlag E. H. Moritz, 
Stuttgart 




e c 

3 . Vanessa Io L. 3. Vanessa polychloroa L. 


Diese Abbildungen sind mit Erlaubnis des Verlegers Hm. J. F. Schreiber, Eßlingen und München 
aus dem vor kunem erschienenen Werke „Die Grollschmetterlinge und Raupen Mitteleuropas“ von 
Prof. Dr. Kurt Lampert entnommen worden. 



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stammen aus Puppen, welche 
sämtlich nieder en Temperaturen 
ausgesetzt wurden, und zwar 
drei Tage lang je zweimal im 
Tag anderthalb bis zwei Stun- 
den einer Kälte von 7 bis io* C, 
so daß die Tiere das Resultat 
sechsmaliger Abkühlung sind!. 
Wir sehen, wie der Einfluß der 
Kälte sich besonders bei der 
Bildung der sog. Augentlecke 
äußert, die bei dem Exemplar 
Fig. c kaum noch an gedeutet 
sind, während auch die leuch- 
tenden Farben zurückgedrängt 
wurden. 

Von den drei Puppen der 
Vanessa polychloros L., denen 
die drei abgebildeten Schmetter- 
linge (Abbild. 3) entstammen, 
wurdedieerste wiederum keinem 
Experiment unterworfen- Die 
Puppe des zweiten Exemplars 
wurde drei Tage lang je zwei- 
mal im Tag zwei Stunden lang 
einer Temperatur von — J2°C 
ausgesetzt, d ie Puppe des dritten 
Exemplars dagegen während 
anderthalb Tagen dreimal einer 
Erhitzung von 40° C unter- 
worfen. ln beiden Fällen erlitt 
die Zeichnung starke Verände- 
rungen, am weitestgehenden 
durch Einwirkung der Hitze. 

Es war also gelungen, die 
eine Art in eine andere ge- 
wissermaßen umzuprägen. Und 
die Hochflut Von Temperatur- 
experimenten, die auf diese erste 
Entdeckung folgte, ergab mit 
völliger Gewißheit, daß sich 
durch Kälteeinwirkung von o 
bis io° C auf Puppen von 
Vanessen künstlich solche For- 
men erzeugen ließen, die in der 
Eiszeit lebten oder noch heute 
in den Polargegenden fliegen, 
während Einwirkung von Tem- 
peraturen zwischen -f- 35 und 
40 C neue Lebensformen schuf, 
die sich gegenwärtig in Korsika 
und Sardinien „in der Natur“ 
bilden oder freilebend über- 



4. Einheimische Laub* und Strauchflcchtcn. An den Baumen des Hintergrundes hängt die Bartflechte 
(Vsnes). An dem Baumstumpf im Vordergrund sitzen Becherflechten (C ladonia). Im Vordergrund 
von links nach rechts RenntieTflechten (Cladonia rangiferina), Isländisches Moos (Cetraria) und Schild- 
I lochte (PeUigcra). (Faksimile aus A. v. Kerner, „Pflanzenloben“. Bibliographisches Institut, Leipzig.) 


näher studierten- Denn da er- 
wies sich, daß diese bald krusten- 
artig, bald Strauch- und laubartig 
vielgestaltigen, oft künstlerisch 
vollendet schön geformten und 
gefärbten Pflänzchen, deren Ver- 
treter an jedem Baume, an jedem 
Felsblock stets zu finden sind, 
gar nicht als eine Pflanze be- 
trachtet werden können, weil 
es in Wirklichkeit zwei Pflan- 
zen sind. Man würde diese Be- 
hauptung für unglaublich hal- 
ten, wenn man die äußerlielf 
vollendet einheitlich gebauten 
Schildflechten oder das zierliche 
rasenbildende Renntiermoos in 
den heimischen Gebirgen be- 
trachtet (Abbild- 4)- Erst das 
Mikroskopklärt darüber auf, daß 
in dem Körper eines solchen 
Pflänzchens zwei voneinander 
sehr verschiedene Bestandteile 
vermengt sind. Grüne oder bläu- 
liche Kugeln mit glashellen 
zarten Fäden und Zellgeweben 
(Abbild. 8), deren wahre Natur 
erst dann jedem Zweifel ent- 
rückt wurde, als es gelang, 
sowohl die grünen Kugeln als 
die Fäden getrennt am Lehen 
zu erhalten. Ein Schlauchpilz 
und eine Blau- oder Grünalge 
tun sich zusammen und leben als 
„Ernährungsgenossenschaft“ 
gemeinsam, wobei die Alge die 
Nahrung herstellt, deren der Pilz 
bedarf, während er ihr Wasser 
zuführt, sie gegen Austrock- 
nung schützt und ihr so hilft, 
sich einen neuen Aufenthalts- 
ort, auch außerhalb des Wassers, 
zu erobern. Doch das sind satt- 
sam bekannte Dinge. Weniger 
beachtet und doch ungleich 
wichtiger ist es, daß aus einer 
solchen „Pflanzenehe“ (Sym- 
biose) neue Lebensformen und 
Eigenschaften hervorgehen, die 
anderen Bildungsgesetzen fol- 
gen als Algen oder Pilze, und 
daß wir es endlich experimentell 
in die Hand bekommen haben, 


haupt noch nicht gefunden 

wurden, sich also wohl im Laufe der weitern Erdentwicklung erst 
herausbilden werden, wenn sie nicht vielleicht doch in Urzeiten 
bereits gelebt haben. 

Ein dritter Weg, sich dem „Formbildungsproblem“ zu nähern, 


durch Zusammenbringen von 
geeigneten Pflanzen künstliche Flechten zu erzeugen! Hier oft net 
sich ein verheißungsvoller Weg, von dem viele Aussichten auf sehr 
verborgene und sonst unzugängliche Untergründe des lebendigen 



wurde der Botanik eröffnet, als wir den innern Bau der Flechten 


Luthta- Burbank, 


6. Sie inkern lose Pflaume, eine berühmte Züchtung 


Ein Kreuzung*! rodukt von Luther Burbank. Aus der kleinen Brombeere und Himbeere 
(links und rechts) gingen die beiden großen Früchte in der Milte hervor. 


Von Luther Burbank gezüchtete Kiesenk&lla im Vergleich zur Blüte der Pflanze, von der 
die Züchtung ausging. 


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sondern aus inneren Kräften der Pflanze; daß zweitens diese in 
ihren Eigenschaften genau regulierbaren Hefevarietäten namentlich 
im Brauereibetriebe <und in der Weinbereitung) von ausschlag- 
gebender Bedeutung für die Endqualitäten des Industrieerzeugnisses 
sind, und daß wir drittens, fußend auf den Theorien und den auf 
ihrer Grundlage angestellten Experimenten — auch hier namentlich 
durch Benutzung der Reaktionen auf Temperatureinflüsse — es völlig 
in der Hand haben, die gewünschten Heferassen künstlich im großen 
und rein herzustellen. 

Und damit nähern wir uns auch schon wieder dem Ausgangs- 
punkte unserer Beweisführung. Denn Luther Burbank unternimmt, 
soweit man Einblick in seine Arbeitsmethoden nehmen konnte, auch 
nichts anderes, als durch planmäßige und im großen ausgeführte (auch er 
arbeitet gleichzeitig oft mit vielen Tausenden Individuen) Versuche, die 
innere Reaktionsfähigkeit der Pflanzen zu benutzen. Nur bedient er 
sich dabei als „auslösender Anreize“ nicht so sehr der Einwirkung 
physikalischer Faktoren, als vielmehr der chemischen Reize, die 
das Wesen der Pflanze bei Kreuzungen bis ins Innerste zu erregen 
scheinen und ihr Anstoß zur Entfesselung ganz unerwarteter Eigen- 
schaften geben, deren Festhaltung dann Burbank durch Zuchtwahl, 
also Ausmerzung der ihm ungeeignet scheinenden Varietäten, erzielt. 
Die Zuchtwahl spielt also auch bei ihm nur jene bescheidene Rolle 
eines „Siebes“, die ihr die Botaniker unserer Generation auch bei 
den Artbildungsprozessen unter natürlichen Umständen mit solcher 
Einmütigkeit zuschreiben, daß, wie sich einer ihrer hervorragendsten 
Vertreter, Prof. Goebel, vor einigen Jahren in einer akademischen 
Rede äußerte, die Richtung, welche ihr die Hauptrolle bei dem 
Zustandekommen der Anpassungen zuschreibt, in Deutschland wenig- 
stens, fast keine Vertreter mehr hat. So hat Burbank z. B. seine 
berühmte steinkernlose Pflaume (Abbild. 6) aus 300000 künstlich 
erzeugten Abänderungen ausgewählt oder aus den durch Kreuzung 
von Brombeeren und Apfelbäumen erzielten 5000 Varietäten nur eine 
einzige als brauchbar behalten. So hat er Kreuzungen von wunder- 
barem Wohlgeschmack zwischen Maulbeeren und Brombeeren 
erzielt, eine stachellose Opuntia gezüchtet, deren wirtschaftliche 
Bedeutung in Wüstengebieten sich noch gar nicht übersehen läßt. 

Auf diese Weise hat er 

eine große Anzahl gärt* 

nerischer Neuheiten von 

rfa { ( 1 1 " "" U r. g * ■ w i' ■ h r, 1 i < 

l!i ' ■ r ‘t 'l’mutf t( llrr^rn-M- 
s oder dir l:irr abg.-l -ild.-tr- 

i. • iajt.m. 5 ,. 

IHHHIBHH Immer arbeitete er 

_. _. . hierbei mit Tausenden 

Fig. c I- ig- d. ... . 

von Abänderungen des 


Geschehens zu erhoffen sind. Er 
ist aber gerade erst eröffnet und 
noch zu wenig begangen, so daß 
man noch nicht über die prin- 
zipiellen Feststellungen hinaus- 
gekommen ist. Erwähnenswert ist 
er in dem hier gezogenen Kreise 
jedoch deshalb, weil er zeigt, welche 
ungeahnten Möglichkeiten sich 
auf diesem Gebiete noch er- 
schließen können. 

So führen auch die schein- 
bar zwecklosesten Untersuchungen 
dem der Wissenschaft nun immer 
mehr ins Bewußtsein tretenden 
Endziele einer experimentellen 
Lenkung der Eigenschaftenände- 
rung näher, die sich ja nicht er- 
reichen lassen konnte, bevor nicht 
durch Versuche festgestellt wurde, 
daß das Wesen der Änderungen 
von inneren Reaktionen, mit an- 
deren Worten, von lebendigen 
Kräften der Organismen und nicht 
von einem gelegentlichen Zufalls- 
spiel günstiger Umstände abhängig 
ist. Um dies zur Überzeugung zu 
bringen, wurde die soeben vorausgeschickte Reihe der Beispiele 
vorgeführt. Und damit versteht man es nun hoffentlich, wieso es 
kam, daß auch in den theoretischen Vorstellungen vom Wesen 
der Artbildung ein Umschwung eintrat und die wahren Ursachen 
lebendiger Vielgestaltigkeit von immer mehr Naturforschern nicht in 
den sie auslösenden äußeren Umständen, sondern in der Reaktions- 
fähigkeit des Organismus selbst gesucht werden. 

Auf dieser Basis stehen auch alle jene Versuche zur Eigenschaften- 
änderung, die als neue Industrien das Wirtschaftsleben segensreich 
zu beeinflussen beginnen. 

Als deren vorläufig 

weitaus wichtigste ist an liSBS j PfiaMB t 

- st- ■'!: < : 

1 1 ~ ! 1,11 1 ; 1 ■ ■ 1 1 : 1 
1 ! t ■ 1 ! ■ t • : ' I 1 , 1 ' I , : i : < ? 

r " h u:ili Tcmf au- A m j jBfe 

Ai 

sichten abhängig gewor- 
den ist. Namentlich, seit- 

dem der Däne E. Chr. ** 

Hansen und das aus seinem 

Wirken erwachsene Carlsberg- 
Laboratorium dargetan haben, daß y 

die Hefepilzvarietäten, von deren / jC^ S j J 


8. (Querschnitt durch das Lager einer Hechte, 
um d*s Zusammenleben von Pili und Alge 
zu zeigen. Die obere und untere Rinde 
sowie die Fäden des Innern gehören zu dem 
I’ilr. Die Algen sind in blasigen Gruppen 
von grünen Kügelchen eingelagert. Aus 
Sachs, „Lehrbuch der Botanik". Verlag von 
Wilhelm Engclmann, Leipzig. 


Fig. e. Fig. f. Fig. g. 

9. Hefekolonien. Fig. a bis d: Hefckolonien in Reinzucht auf festen Nährboden in natürlicher Grüße. Fig. e bis g: Ein Hefepilz (Saccharomyces Fastorianus) in verschiedenen Wuchsformen auf 
Bierwürze gezüchtet. Etwa tausendmal vergrößert. Aua Fr. Lafar, „Handbuch der technischen Mykologie“. Verlag von Gustav Fischer, Jena. 


künstlicher Herstellung als „Reinhefen“ im großen die ganze Technik 
aller Gärungsindustrien (also Spiritusbrennereien, Weinbereitung, 
Schaumweinbereitung, Bierbrauerei, Preßhefe- und Essigfabrikation), 
damit viele Millionen des Industriekapitals in letzter Instanz abhängen, 
durch die Einwirkung bestimmter äußerer Faktoren zustande kommen. 
Es wäre ein Aufsatz für sich, den Gang der Varietätenbildung bei den 
Hefepilzen (Abbild. 9) auch nur in seinen Grundzügen darzustellen, 
und es hätte auch nichts mit der geraden Linie des hier durchgefübrten 
Gedankenganges zu tun. Dieser bedarf vielmehr als Stütze aus diesem 
Erfahrungskreise nur folgender drei Tatsachen: daß erstens die 
Versuche ergaben, die Rassen und Varietäten des Hefepilzes ent- 
stehen nicht durch Selektion, sondern durch Umbildung (Trans- 
formation) der Eigenschaften, also nicht durch äußere Ursachen, 


Typus, auf dessen Vervollkommnung er ausging. Seine prachtvolle 
„Santa Rosa-Rose“, die das ganze Jahr hindurch blüht, schuf er z. B. 
aus fünfzehntausend Kreuzungen von verschiedenen Eigenschaften. 

Diese Zahlen geben vielleicht den allerbesten Begriff von 
dem Überreichtum der im Leben noch schlummernden Kräfte, damit 
aber auch einen Ausblick, welche Zukunft der biologischen 
Technik noch bevorsteht, wenn sie aus ihrem heutigen bescheidenen 
Anfangsstadium emporgewachsen ist zur ebenbürtigen Schwester 
der aus den Theorien der Physik und Chemie so groß gewordenen 
Industrie. Daß unsere Generation mit ihren Hypothesen und Ex- 
perimenten dazu den Grundstein, gelegt hat, wird ihr von späteren 
Jahrhunderten vielleicht als ihr größtes kulturelles Verdienst an- 
gerechnet werden. 


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XifdjgeM. 9lad) einem ©emölbe uon SBertolb ©enjmer. 



[rjöbI 

wwiy 

f IWltH 



3420. 14. Januar 1909. 


Onuftrirte 3^ n 9* 


75 


t)ie grande diseuse. 

os Bühnen perfonal war bereit» auf brr Bügnc »er« 
fammelt. Ter Bonoioant mit ganj befonberer Geb» 
Ijaftißfeit unb Bonbomie juglrid) unterhielt fid), bie $änbc 
in den $>ofcntafcgcn, mit der etwas ftart nad)rctuf (gierten 
Salonbamc, wägten d bie Maioc auf eiltet SSctferf iftc goclte, 
mit brn Seinen baumelte unb mit ber 3ugenbli<f)en bi* 
3U Tränen latgte. 

Tie beiben Kegteftüble f tauben an ber Kampe, mit 
bem Müden gegen bas Barfett; alles verriet eine §tim» 
mutig, bie Aber eine gftuöl)niid)e <Probe biuausging. Klan 
batte cs heute and) mit ber legten Brobc dot ber (General- 
probe 3U tun. 3eber ber Blafcbiniften unb Arbeiter |tanb 
ernft an reinem ©läge, als hätte er eine febwere Berant* 
tt» ortung auf fid). Alles modjte brn Sinbrud eines ner» 
nöfen SDartens, waf)rf<beinlt<b auf TireFtor unb Megiffeur, 
um en blieb in Altion ju treten, um endlich 3U wiffen, wie 
ber 9Binb wegte, ob bie Herren günftig ober ungnädig 
gefinnt waren. 

Ta fthob fid) nod) etwas Umfangreiches über bie 
Bügne, einen altmobifd)«n Gcgal umgewidelt, einen 
fftr<i)terlid)en €>ut aufgefegt. 6ie fegeitt mit SBürbe ba* 
bin, bie £>flnbc über bem Gcib gelrcujt, mit angejogenem 
Kinn, etwas fdjarfbäfen Mlunbwinteln, ohne nad) rechts 
ober Unfs ju bliden. 

Alles erhob fid) unb grüßte biefes oergilbte Gremplar 
vergangener $errlid)kit, bie einen übertrieben ernft, bie 
an bereit ooller 3rontr, bie britten lediglich aus ööfliegkit. 
ftrau Seilmann jebod) nid tc gulbuolljt mit bem Kopfe, 
wie auf einen ®ruß, ber igr zweifellos jufam. 

Mur oor ber Maioen blieb jie ftehen, um fie mit ftarrem 
Blid 311 durchbohren. „9Benn alle grüßen, fönnen auch 
Sie grüßen, fträulein Mettwig. 6ie finb immer noch bie 
3üngcrr." 

„®ctt fei Tauf, jonft wäre leg Souffleufe unb Sie 
etwa Kaive.“ 

Mun aber wurde 5rauSellmanns<5efid)tfehrfpig, wie bei 
einem Blafebalg. »Tie bin ich auch einmal gewefen, fträulein 
Kettwig, unb oi*lleid)t eine belfere, fleißigere als Sie“ — 

®lil einem empärkn „Acg", bas fa|t wie eine ftragc 
flang, war bie Kettwig oon ihrer Kifte henintorgefprungen. 

»AJenigftens hat man mir niemals fo toll meine Mollen 
ju foufflieren brauchen. 3d> habe meine Sachen immer 
bis aufs TZ gelernt. Tas Fann nicht jcöcr oon fid) fagen." 

„Tao werben feböne Mollen gewefen fein“, fauchte bie 
Kettwig fch«ippifd). „Go ein paar Tieuftm5delröUen, 
!aum einen Biertelbogen.“ 

ftrau BcUmctnns tfjut belam plößlid) eine fegräge 
Gage. „Tirnftmäbclrollen? Tragödin coar ich, intb 
itidjt fo 'n alberner Badfifd) wie Sie.“ 

Kun mar bas Alarm jignal gegeben, ffliit einem KBut- 
fchrei wollte bie Kettung auf bie Souffleufe los, inbes bie 


augcnbtidlid)e Heroine giemlid) infolent irpnifeg mit ben 
Achfeln juefte, als ob fic jagen wollte : Grüble bu bas 
je man b anders, min Xöchting. 

Aber geTabe tiefe Bewegung brachte bie Mellmann am 
meiften inSBut: „Akt trug bir auf, bie Unfcgutb meines 
Gebens mit fdjanblugcr Befcgulbigung gu f<hcDdr3<n?" 
befiamierte fie frei aus ber „«pijäbra“, benn biefe mar eine 
ihrer ®ian3rollen gecoefen. *Mlög’ bics ber Ajvimmel 
lehren nad) Berbienft unb beine Strafe ein Cntfegen fein.“ 
„A3ie Commen Sie aber baju, 3U mir alberner ©ad* 
fifd) 3U fagen, Sie, Sie alte Xalelfregatie?" . . . 

„Xaleliregatte, Xafelfregatte!“ japfte bie Bellmann. 
Tabei rutfdjte ber $ut nod) etwas feit lid>er, unb hilflos 
griffen ihre Singer in bie Cuft. *3d), idb bic einft als 
eine ber beften Iphigenien, Sapphc«, Mlebeen unb Cbolis 
galt! 9Mir, mir bas!“ 

Ta ftrdulein Mettwig fdjon längft oon ber §aferti|te 
herunter war, hielt f« bie Bellmann für richtiger unb be» 
quenier, auf biefen erhöhten Blag hinauf 3urutfchen, um, 
ehe fie fid) in bas MflchtHdje ber unteren Megionen oer- 
frod), ettoas über ber Situation ju fteljen, b. h- gu figen. 

^ebenfalls, liebe Bellmann, wenn Sic etwas ©e- 
beutenbes geworben wören, hätte ich 3&ren Kamen bod) 
wohl aud) Fennen müffen,“ meinte bie Xragifdje, innerlich 
Aber biefe unbewußte Altersgleid)ftcUung empört, „benn 
id) fanute bem Kamen nach f° aiemlid) alle ®roßen." 

„©ellmann war auch nid)t mein Xgeatemame,“ 
triumphierte bie Souffleufe, »fonbem Gonrabin. fragen 
Sie nur in Bolen, £>ppeln, Ciffa ufw. nad) mir* 

„Tort glaub’ id) ’s gern", lachte bie Mettwig 3um ©ou* 
oioant heimlich- 

Gin neues Mot überflutete ber Beilmann ognebies 
fünftlid) gerötete SBangen. 

„Oh, lachen Sie nicht fo! Gin wirtliches Cachtn muß 
natürlicher, jugcnblichcr oon beit fiippeu lammen. AJcr 
weiß, ob ich nid>t nod) einmal" — unb rnieber mit er» 
hobenem BUcfe bellamiercub — „Bielleicht fft mir btc frohe 
Müdlehr noch! Unb id), ich hätte mich wiber ihren BHUen 
hier gefeffelt? Gin 3^ichen bat ich, id) hlciben follte.“ 
Ter Gharalterlomila meinte: „Tas tragen Sie auf 
Bufcn: ben ilontraft ber Souffleufe, oon bem 
man befanntlich nidjt fo leicht wgfommt." 

Tie Bellmann gudte bie Achfeln. „Btit Aonoentionai» 
ftrafe? 2Bcnn mir mein neues Gngagemcnt genug föage 
bietet?“ 

„^a, wenn bas SBcnn nidjt märe,“ fcuf^tc eine Scnti» 
mentale, „ich h°ff c ai, d> ^od) immer auf bie (bage einer 
Sorma, frteg' fic aber nidjt." 

„Sic hoben auch noch nicht bic Koutinc wie ich“, blieb 
bie Bellmann unentwegt ftolj babei. ,,'ll'cr 310 ölf 3oh« 
in Gh rcn gemimt gat unb ergraut ift“ — 

»Sie haben ja fuchsrotes $iaar M , rief bie Mettwig aus» 
gelaffen trüber. 


„3w5lf — unb babei einen nod) fo unbelanntcn 
Kamen? 9Bas gaben Sie beim eigentlich gefpielt?“ nährte 
fid) igr ber fSrtbcnoater mit ehrlichem 3ntcref|e. 

Gmpört fuhr bie Bellmann auf: »Alles. Bon ber 
SMeffalina herunter über bie Ovfina bis 3ur Blaria — 
alles.“ Ohre 3üfl« oerliartcn fid). „Mur einen JBunfcg 
gäbe icg ttoeg — id) gatte ign neulicg bem Oberregiffeur 
genannt — nur einmal bic Glijabetg 3U fpielen, gerabe weil 
wir“ — es war mit flacgeu 9JlunbwinFeln jur Tragöbin 
hinübergerufen — „ehrliche unb offene (Gegnerinnen finb. 
Tic S jene in »3-otheringhai) * — babei big fie ein frfii- 
tiges Stüd igrer Stulle ab, bas fie auf ber £>aferfi|tf in 
2Bol)lße fallen vertilgt«. 

„3cg götte anbere IBünfchc“, Jagte bic Iragööiu. 
„Aber in Belegung auf Mollen bes anöern <&efd)led)ta" — 
„Klein 6inn war nur auf bie goh« ftunft gerichtet. 
3rbifcge 9Bünf<ge waren mir fretub“, oerficherte bie Bell- 
mann mit einer biden 9Qange, ln ber eine Biertelftulle 
jur Bearbeitung faß. Unb es fiel igr bie 3pgigenie ein, 
wobei fie bas Bteifce ihrer oerbregten, Icgwärmerifcgfn 
Augen geigte: „Tie fjreigcit, bie bas frfilifltiim gewÄhrt, 
ift wie ber legte tfebensblid bes frgwer Grfrantten“ — 
Tabei oerfcgliderte fie fid) unb mußte heftig guften. Ter 
Gharafterfpieler Hopfte igr berb auf ben Müden. 

„Mur nicht fo viel brttamicrcn! Tas Organ leibet 
baruntfT. Mg, ba tommt ja unfer ®aft, ber neue Star, ber 
ftalt bes §olber ben fjiesfa fpielt — §ett Mlehrfat oom 
©oftgeater.“ 

Tex Cbaft begrüßte bie Anwefrnben unb auch bi« 
Bellmann mit gelaffenem ftopfniden, inbes biefe ign 
inte reff irrt beobachtete. 

„Ter Megiffeur no nit ba? SBäs is benn bas für a 
Schlamperei?“ machte fid) ber Cbaft etwas unwillig 
Cuft. „3 Fann bo nit ben ganjen Bormittag gier 
warten“ — 

Tie ©cllmann glitt fanft von igrem fdjrögen Sige 
herunter, unb igre Blienen oerftärten fid): „O fuße Stimme! 
BicIwilUommncr Ton ber ®tutter|prad)c in einem fremben 
Canbc. Sinb Sie a SBeaner?“ 

„Unb ob“, lachte ber (Saft. „A wofdjechter. Bom 
Cürunb. Sie aber aud) — tvas?“ 

Tie Bellmann tat ocrjdjämt unb wiegte fieg mit ben 
Moden. „C g, mahnen Sie midi.Brinj, nidjt an jenejeiten ... 
3a — bort gab i angfangen als Klartga lionrabin.“ 
€)ccr 2JM)ttat trat erft einen Schritt 3iirüd. „San Sie 
vielleicht verwanbt mit ’m Albert Gonrabin, ber ja auch 
engagiert mar in JBean — freilich vor breißig ^agren?" 

fjrau Bellmann warb fogar unter ihrer ScgminFe 
weiß. »Taa war mein — Blanu.“ 

„Unb ich ^ id) bin fein Sogn — aufet3ogen bei Tante 
Mecglmg“ . . . Blan fah ben gefpannten Ausbrud in feinen 
Blienen, bie Grwartung, ob bics alles mit ben Bcrgältntffen 
ber Souffleufe aud) wirFlicg ftimmte. 


^Reruenleiben 

unb Men)enfubftan3 (fiecitgin). 

Gin Beitrag 311m Berftänbnis ber Bebeutung bes burd) bie 
Arbeiten oon Brofeffor I>r. Dobermann unb Dr. Ggrenfelb 
gewonnenen phqfiologifd) reinen Cccitgins ^auptbeftaubteif 
bes „Bi veitin"). 

9iad)b[U(f oerboten. 

«7Na-> geiftige, gcfd)dfllid)e unb gefellige üeben bean- 
-i/fprud)t in unferem Zeitalter eine außergewöhnliche 
Veiftungsfögigfeit ber Merocn* unb Alörperfröfte. Gin 
Blenfd) mit überanftrengten, ocrbraud)ten yierocn unb 
Blusfeln , ob alt ober jung, leiftct nicht bas, wogu ihn 
feine 3-ögigfeiten eigentlict) berechtigen; er wirb nur iu 
leicht auf allen (Gebieten überholt , oerliert bas Selbjt* 
ocrtraucn unb fegafft fclbft bei eifernem MUillou fein 
Benfurn nur mit Aufbietung eines übermäßigen Alraft* 
Verbrauchs, fo baß bas Übel mit icbcr täglichen ijeiftung 
vermehrt wirb. 

Blit igren feinen Beräftelungrn, bie im ^entraliteroen- 
fnftem — ^»im* unb Müdenmart — igren Ausgangspunft 
luibeit, »ermitteln bie Kernen jeben, auch ben geringften 
feinfügligftcn inneren unb äußeren tfrbenavornang bes 
menfdjlidjen Alörpers. Ter geringfte Schmerj an irgenb» 
einem Körperteil, ja fclbft bie letfejte Berührung ber A>aut 
burd) irgenbeinen (Gegcnftanb ober Cuft^ug, aud) bie nor- 
male ober geftörte ftunttion irpenbeines inneren Organs 
unb felbft unfer feclifches Gmpfmben wirb bcin Klenfdjen 
erft burd) Bemütthmg feiner unb feinfter 'Jlervonfafem 
3unt Bewußtfein unb 311m (Gefühl gebracht. Ter große, 
ftarfe BlusFel wirb alf 0 oon bem flciiten, feinen Kerv be* 
gerrfegt, ben man bes* 
halb audj mit Mccgt 
ben pfixhifegen Klus 
kl genannt hat; bie 
Kernen finb and) 
allein bie treibe nbe 
Kraft, bic Quelle bei 
Gnergic, bie Seele 
bes fRusIcIs, bic igm 
jur Arbcitsleiftung 
unb Gutfaltung fei* 
nes ganjen Könnens 
bringt. Ter fraftvoile 
Arm bes 2ltglcteu 
lei ft et nidit* mehr, 
f obalb feine Mer* 

uen irgenbwic verlegt 
ober franf finb; über* 
gaupt jebes beliebige 
Organ oerfagt, fobalb 
bie igu burchiicgenbcn Mcrvcn nidjt mehr mittun. Ter 
Klagen 3. B. er mag als foldjer nod) ganj gejunb fein — 
tann nicht mehr bie Spcifen genügen b perbauen, ArrHit* 
lojigkit unb alle bereu Mfe 3’^ccr^)cimi^g^i tr^’U auf/ 



CiKndmitt tinr« fl(fun&cn9ifrv«Ht>G’iVrl$. 


wenn bie Klagennerven eiitträftet ober ertranft finb. Tie 
mobernc jeit oerlangt oon uns ja niegt llbcranftrcngung 
unferer Kvrpermusfeln.aber fie erforbevt unerbittlich täglich 
aufs neue Ginjeßung unferer ganjen Kraft bes (Griftes 1111b 
ber Kernen. 3«ber Beruf unferea gaftenben ifebena ent* 
nerot uns in erfegreefenbem Klage megr unb megr! KUt 
Blühe crlebigen wir unluftig unb meeganifd) nufere täglidjc 
Berufsarbeit, bie uns feine Befviebiguug gewährt, linfer 
Körper wirb oemüchläßigt; Sport unb Spiel ungenügend 
gepflegt, werben jur unfruchtbaren Mnftrcngung, ftatt burd) 
Grfolg unb Sieg unfern Seift Ml ermutigen, ju ergeben. 
Meroö* übenei3t, finben wir feinen 'Jlppetit, unfer geint 
verfegafft uns nicht megr Begagiicgfcit, Buge unb Grgolung, 
llnluft, Unjufricbengeit, Unruhe, Sorgen rauben uns ben 


Schlaf, treiben 
her unb löffelt 
gen ju bebenf» 
greifen, um unfe* 
iid) für Enrje 
fdjen ober 51t be* 
biefes Glenb, 
iinfcrcn oer* 
venfußt unb ans 
finben wir in. 
menten feine 
unb eine Kle- 
ber wiffenfdiaft» 
Bilege ber Mer* 
allein wirflid) 
war bisher nod) 
Tarin liegt 
bienft ber Ar» 
feffor l*r.f>abcr* 
Ghrenfelb. baß 
tel 311 einer fol* 
ferer Meroeu an 
mit bem wir haf» 
InvMemn m 
Fein in abfeb* 
fo träftigen ju 
nufere pggfi fdjen 
löngit 311 ftäl)» 
Tiefe ,3or|d)<r 
item neuen, oon 
©erfahren Mer* 
pbufiologiid) rei- 
ben Steifen bar, au- 


uns unftet um* 
uns notgebmit* 
liehen Klitteln 
re Kerven Fünft* 
ftrift aufjupeit* 
tduben. (Gegen 
wcld)es mir in 
brauchten Ker* 
ignen flammt, 
unferen MkbiFa- 
bauembc ^»ilfe, 
tljöbe bauern* 
lid) erprobter 
pen, welche 
helfen Fönnle, 
nidjt gefunöcn. 
aber bas Ber- 
beiten oon ©ro* 
mann unb !>r. 
fie uns ein Klit* 
dien Bflcge un* 
bieftanb gaben, 
fen bürfen. un* 
feclifcgen Klus* 
barer 3«it eben* 
lönnen, wie wir 
MlusFeln fd)on 
kn vermögen ! 
[teilten ttaeg ei* 
ihnen ent breiten 
ocnfubftanj in 
ner iVorm aus 
welchen t. B. aud) ba* fid) aus bem 



T»v:> JrHir«l-Wm>ailo!tcni. 
Vcr Öi*« '»nvuftiffiuö. 
in nMt(l)«m alte !ärrcrlict>#it 
unb flciitiflcn Ctmplinbun- 

iicn uiiontnwi[t(9nirn |p, 
tl»itlcn*>t'unaflfbun8fn oiio- 

gegen. 


Gi entwicfelube iSügitcgeu (Gehirn unb Müdenmärf auf* 
baut, nämlid) aus bcu Brftanbteilen bes Gibottcrs! Tie 
2Pirtung folcher Kervcnfubftanj, weldjc aud) Cccitgin 
genannt wirb, auf brn Crgani&mua ift eine ganj über* 
rafdjenb gflftjtigf, wie M von Scrono, 9, Glaube, 
A. Ja fij, L'örtceream uttb B^ürslo, Garrier, Art^s u. a. m. 
wiederholt bewiefen ift. 

Soweit biefe guten Grfolge auf rein mebipnifchem (Ge- 
biet (bei Xuberfulofe, Juderfranlheit, fcgwrrcn Kernen- unb 
(Ge miitsl eiben, ArkrienocrtalFung ufw.) liegen, intereffieren 
fie uns hier nidjt unb gegen nur ben praftifchen Ar 3t an. 
Miohl abe^ift es für jeben von größtem 3nt*reffr, ju 
ad) ben ,3orfdjmigen unferer ©hgfiologen 

THE 


uns qter nietjt 
ohl abe« ift es 


unb Arjtr bic etgögte Jufugr von 9lervcnfubftanj in ben 
Organismus oon aiiHerorbcntlictjer Bebeutung für über- 
haupt jebe gefunbe Uebcnstätigfcit ift. Tenn es finbet in 
ben Kernen ein Stoffivcchfei an Kervrnfubftanj ftatt, unb 
jwar fo, baß in bem ermüdeten , fdjwacgen ober franten 
Kerv bie Meroenfubftanj fdjwinbet, wie man es am 
Cuerfdjnitt ber Kernen unter bem 'JUlifrofFop deutlich 
beobachten fann. ftfftgrt man einem fo gefdjwädjteti Körper 
neue Keroertfubftauj ju, fo wirb, wie jurrft bie «Vorfcger 
Tcsgrc3 unb Jafi) in bcu amtlidjen Bcridjten ber fron» 
jöfifdjeu Afabemie ber 2Biffeitfchaftrn enviefen gaben, biefe 
befonbers im (Gehirn, Müdenmart, überhaupt im gaujen 
Mervenfijjtem jurücfgegalten unb für den üebcnsprojeß 
fofort oenoenbet. Khinterfeit, Kraft, Arbeit*- unb Gebens* 
freube treten wieder ein unb macgen ben Körper gegen 
Übcrauftreugung tviberftanbsfägig. 9lerven|ubftanj, 
Gccitgiu, nad) bem Berfagreit oon ©rof. Dr. ^abermann 
unb Dr. Ghrenfelb, in phniiologifd) reiner JVonn, u>ic cs 
allein für ben menfdjlidjcu Organismus gebrauchsfähig unb 
oon guter SlMrtung auwenbbar ift, gelangt nur im Biocitiu 
3ur praftifd)en Tarreicgung. 

Biocitiu ift ein woglfctjinecfcnbcr, pulvcrförmiger Grtraft 
aus den leicgteft verdaulichen, natürlichen, alfo djemifd.) 
unoeräiiberten sBertanteilen ocm Gtbotter unb Klildj (alles 
fehwerer Berbaulidje ift daraus entfernt) unb enthält von 
biefen ca. 10" u foldjer pgnfiolvgifcg reinen Meroenfubftanj 
— Gecitgin — nad) ©rof. Dr. £ abermann unb Dr.Ggten- 
ielb. So bildet Bivcitin bas vertrauenawerte Kögr* unb 
Kräftigungsmittel für jeben leibenden tmd erfegöpften 
Organismus jeder Altcrsjtufc in geiftiger und förperlicger 
.f»infid)t; es bilbet für bcu £d)iverkcmkn ein gern gc* 
nommenes, leicht oerbaulidjc*, Irajtfpenbenbcs, überhaupt 
ideales Kohlungsmittel, fdjafft eine fundamentale 
Kägrquelle für fcgwdchlidje unb blutarme Kerfonen, Fräi* 
tigt unb fördert ben 
Subftanjerfaß 'Jler* 
ocnlcibcnber allmäh* 

Ucgjugcfunberftunf- 
tionstätijifeit unb ift 
hir geiftig ermüdete 
unb erjcglaffte 311* 
ftändc oon Faum je 
erhoffter MutjbarFeit. 

Biocitiu ift iii?Ipo* 
theknunbTrogcrien 
vorrätig, fonft wirb 
es auch portofrei von 
der Biocitiu -Sabril, 

(G.m.b.fi., Berlin2tt, 

K. 35, birell verfen- 
bet. Cln Feinem Salle 
verfflumc man, ftd) 
näher über bie Kle- 
thobe rationeller 
Mcrvcnpfkgc burd) 
eine Bro|d)ürc ju 
Orient ieren, weldjc 
von vorgenannter Jfabtif nebft einem G»efd)macfsmuftet 
Biocit^tj pp^cmui^iyil^^los oerfeubet wirb. 

OHIO STATE UNIVERSITY 



C.incpct)iiiu Hnes Scafncrimcn Slcrvcn- 
t)flnt>rlv: cm^ri'ucr Iritbrr SJcrvcnlaitm 
iit ocklllMnbM ui^runbf burtto 

1D!ivihkI an fl«ci<in«ttr Stoihnluhr 
(reine« C tat hm). 





By zantin. 
Trauring. 


Mittelalter 
u. Renaissance 


Neuheit Trauringe 

künstlerisch xiseitert. ges. jjesch . 

^ Aus dem Minnesang 

des Wemher von ärgern - 

Ausgefahrt in der 

Ringfabrik Premier. 


Prämiiert 1908 


..Du bist min, leb bin dln“ 

Do soll du gewis sin; 

Du bist bcsloucn in 

mirieni Herren. 


Vorrätig in best. Golduarengeschäiten. 


Tod) fdjott fyatt« fie fi<fj laut weinettb wie «in £a<f 
in SJleljrfats ©rme fallen laffen. „Tu — bn mein Sotjn?“ 
Sie f<9lud)3tc. „©Ibert Gonrabin — bein ©ater * . . Treu** 
los Ijatt« er mid) oerlaffen, um einer ftremben nad) ©merifa 
ju folgen 4 * . . . Unb ttJteber bcflamiercnb, ooll ^3ötl)ös, ben 
fie nun einmal nitbt laffen fonnter „Tie ©Stier rfldjen 
b<T ©fiter ©Riffetat niefjt an bem Got>n." Sie wollte 
järtlid) mit if)irt fein unb er mit it)r; unb botf) ging cs 
iljnen nidjt fo red)t von öerjen. Gs war meljc ^ictät, 
flberrafdjuttg Aber ba* SOtmbetbare. 

„S«t)t nur, fef)t,“ rief öie Wettroi^. „bie olle Mi 
mann bat einen ©«liebten!" 

©Sie eine fturie ftiirgte fid) bie 3oufflcufc auf bie 
©aip«, unb brr eben eintretenbe ©egiffeur unb Tireftor 
Ratten gerabe nod> fo oiel 3 e **» öie jum 6d)lage erhabene 
£>anb aufgufangen. ,,©a, na, roa* Ift benn ^tex febon 
wieber loa? 2Bir flnb botf) auf reiner Schmiere." 

©ergeben« oerfudjte bie ©ellmann, erregt atmenb, 
tljren £>ut wieber in bie richtig« üage ju bringen. 
„Öerr SRegiffeur, §err Obemgiffeut — bie fRettwitj — 
©ein, fo wa* Xfrecftcs. ift mir noch nicht »orgerommen . . . 
Sie »ergreift fid) an meiner Cbre." 

„9Uc, nee, beruf)' 9<n Sic fid) man, bas tut feiner“, 
brummte ber Gbatafterfplelet. 

„?Run aber los. G* ift ^öc^ftc 3eit. £>«rr Blebrfat 
wirb f<f)on ungcbulbig fein.** 

„3d) trfläre fategorifd), bafc icf) feinen Ton fouf fitere", 
faudjte bie ©ellmann erregt. 

'Ter Tirtftör fab ft« falt über ben Aneifer an. „Sie 
finb rool)l oerrücft geworben? Tann fönnen Sie ja gehen. 
Tas tononifdje ©Iter haben Sie ja fo fdjon." 

Tie ©ellmann brach in l)eige TE)räncn aus. HB« 
feilte fie, bie alte Qrrau, nun noch nehmen? Unb er- 
fpart — bu lieber ®ott — bie paar ©larf ? ©Jas follten bie? 

Ta fd)Iid) fid) etwa* 9Brid)e«, Ungewohntes in ©lehr» 
fats öet3, unb ber ©iutter fid) nähern b, fagte er leife : 
„ffJluttcrl, tpennft bi and) ad)tunbjwan3ig 3al)t nit um 
mi fümmert haft, mufot mir bo fouffliexen, benn i fdtm 
mei fRoll nit. Unb bie IRettroit) wirb bi fet)o oon felber 
um ©erjeibung bitten." 

„3a — aber nur bann", fdjmollte bie alte Qrrau wie 
ein eigenfinniges Ainb. 

Ter (Saft ging gut ©aloen, fimid) lurge 3*'t letfe mit 
ibt, worauf biefe einige ifjr roirflid) oon Jfvcrjen fommenbe 
SEBorte 3U ber ©ellmann fprach, bie nun behauptete, fie 
hätte es gleich fltfagt, bafi bie fRettwitj bie ©ettefte oon 
allen fei. 

„9hm aber Io«!** Ter Tireftor flatfdjte in bie £änbe 
unb fe^tc fid) mit bem SRegiffeur auf bie ©egieftüble, 
roäfjrcnb fid) alles, was nichts au tun batte, entfernte 
unb hinten ein neuer fßrofpeft berabgelaffen würbe. 

JHehrfats ftrmnb, ber im ^Barfett |a&, faf) febod), wie 
ein anberer ©rofpeft fidj fjimititerCicft: bie ©dlmann 


3 IIuftxirtc 3 *üung. 


war nämlich oon ber Sühne aus ttad) rüdtbärts in ihren 
Souffleurfaften hinabgef rochen, todehe in Sjanblung be- 
griffene fffofe infolge bes Aörperumfanges ber Tarftellerin 
ben Slusblicf auf bie 3unäd)ft agierenben Gthaufpieler gän3- 
li*h benäh nt- ©bet immerhin war bo<b etwas 3U leb«!* 
©och niemals hatte bie Sellmann mit mehr Gd)»Mng 
unb ©egeifterung fouffliert als gerabe heute. 

©. o. 9Banber. 

2Itfene fiupin, 

ber Einbrecher aus ©affion. 

Oon Stawrict Ccblanc. 

(Ifottle%uno.) 

er ©euange tommene 30g aus feiner Tafche eine 
Öifitenfarte unb reichte fie ihm über ben Tifch* 
TanJgre las: „©rimauban, ©oliseiinfpeftor a. T., 
rioatbe tefiio-3nftitut.“ 

„Sie finb oon ber ©otijei?* fragte er ängftlich. 

„9ticf)t mehr. 3<h mar '9. ©ber ba» ^anötoerf gefiel 
mir, unb ich betreibe es noch auf eine einträglichere ©rt. 
©on 3«'t au 3«'t f tößt man auf wahre Golbgcfdjdftchen, 
wie bas 3hre." 

„Tas meine?“ 

„9tun fa, bas 3hre. Gin glän3enbes ffiefdjäft, wenn 
Sic nur etwas ©efälligteit aeigen wollten.'" 

„Unb wenn i<h's nicht tue?“ 

„Sie werben wohl muffen. Sie finb in einer Sage, 
in ber Sie mir nichts abfchlagen rönnen.“ 

(Eine unbeftimmle 0fuTd)t erfüllte Tanfgre. 

„HBas foirs?“ fragte er. „Sprechen Sie!" 

„®ut!“ antwortete ber anbere. „©eben wir gerabe 
aufs 3* fl - ötäulein oon 6in<Uoes fchidt mich." 
„SincRoes?" 

„Tte (Erbin ber ®räfin ©nbillot." 

„©un, unb“ . . . 

„fträufein oon Sinclcocs hat mich beauftragt, oon 
3hnen bie fchwarje ©erle 311 oerlangen.“ 

„Tie fdjmane ©erle?" 

„Tte Sie geraubt haben.“ 

„©ber id) l)tibe fie nicht!“ 

„Sie h«1>en fie “ 

„SBenn ich fie hätte, wäre ich ber ©Järber.“ 

„Sie finb ber ©törber." 

TanÖgre ocrfud)te 311 lachen. 

„®lüdli<hmvcife, mein guter £>crr, waren bic ©c» 
fdf)women nicht biefer ©nfld)t. Sie haben mich 
gefprochen. Unb wenn man fein gute« ©ewiffen unb bie 
©cf)tung oon awölf roaderen fRicfjtem für fid) hat". . . 
Ter ^olMeiinfpettor fafetc ihn beim ©rm. 

„Aeine H3hröfen, mein 3unge! ^Sren Sie mid) gut 
an, unb erwägen Sie meine £Borte. Gs ift ber ©lühe 


5Rr. 3420. 14. Januar 1909. 


wert. Tanögre, brei ©3ochen oor ber Tat haben Sie ber 
Äöd)in ben Schlüffel geftohien, ber bie Tür gur Tiener* 
trrppe fchlicfet, unb haben bei einem Schlöffet in ber ©ue 
Obcrfampf einen ©achfchlüffcl machen laffen.“ 

„Tas ift nicht wahr! Ta« ift erlogen!“ tnurrte 
Tanegre. „©iemanb hat biefen Schlüffel gefehen, er 
eiiftiert nicht." 

„Tod), ba ift er.“ 

(Eine furae ^aufe trat ein. 

„Sie haben", fuhr ©rimauban fort, „bie ©räfin mit 
einem Schnappmeffer getötet, bas Sie an bem Tage, wo 
Sie ben Schlüffel befteliten, tm Safar bes Siepublifpla^es 
getauft haben. Tie Alinge ift breitantig unb hat einen 
Schaft." 

„Blöbfinn alles, was Sie ba reben! Wemanb hat 
bas ©teilet gefehen." 

„Tod), ba ift e»!" 

Tanegre fuhr gurüd. 

„Tie Alinge geigt SRoftfUdett“, fptad) ber ehemalige 
^Soliaeiinfpeftot weiter. „Soll id> 3hnen fagen, woher 
biefe ftammen?“ 

„Unb wenn fd)on ... Sie haben einen Schlüffel unb 
ein üRefler. SB-ie wollen Sie beweifen, bafe bie Sachen 
mir gehören?“ 

„Turdj ben Schlaffer unb ben ©erttufer im »ofor. 
3hnen gegenübergeftetlt, werben Sie biefe Ceute geroife 
erfennen." 

Gr fprod) in troefenem Tone unb mit einfehücht^ber 
ttberaeugung. Tanegre wanb (ich oor SDeber 

ber Unterfud)ung«ri<bter noch ber Staatsanroalt ober ber 
©orfigenb« be« Sd)wurgerichtf9 hatten iljn berart in bie 
(Enge getrieben unb bie Sachlage, bie er fclbft nur noch 
oerfchwommen fah, jo flat erfaßt. 

©id)t*be|tö weniger oerfud)te er, ben ©leidjgültigen gu 
fpielen. 

„©3enn bas alle 3hre ©eweife finb" . , . 

„3«h meiö noch einen. Sie finb nach bem ©iotbe ben* 
felben SBeg guriiefgegangen, auf bem Sie gefommen waren, 
©ber mitten im JBanbfdjranffinb Sie geftolpert unb haben 
fid) an bie SBanb ftügen müffen." 

„©3oher toiffen Sie bae?" entfuhr es Tanegre. „©Jer 
hat 3hnen bas gefagt? 9tiemanb". . . 

„Ter ^oltget ift es nod) nicht be lärmt, weil es feinem 
eingefallen ift, eine Aerge anjufteden unb bie SRauem bes 
©3anb|pinbe9 abguleudjten. ©ber wenn man es täte, 
würben fich auf bem ©törtcloerput) ^riagerabbrüde finbrn, 
ber ©btlatfch 3h«^ blutbeflecften €>anb, bie Sie gegen 
bie SBanb gelegt haben. Ter Taumen ift mit habet. Unb 
wiffen Sie nicht, ba6 man im 3eftfteUung»bureau auch 
oon biefe m einen ©bbruef auf bie ©Je &f arte genommen hat?" 

©iftor Tanegre war leichenfahl. Tide Schweißtropfen 
liefen il)m über Stirn unb ©Sangen. Gr betrachtete mit 
ben ©ugcti eine* 2Bal)nf innigen biefen fonberbaren fflJann, 






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9fr. 3420. 14. 3anuar 1909. 


3Uu[triite 3(ttung. 


77 


bet bie cin3clnen Boxgänge eines Bcrbtechtn* fühlte, 
als wenn er babei gewefen wäre. 

Sr Teufte ben Äopf, befieot, machtlos. Seit 'Uionaten 
wehrte er fid) gegen alle ©eit. (Segen btejen ©ann — 
bas füllte et beutlict) — fonnte er nietjt auftommen. 

„©icüiel geben Sie mir,“ flnftcrte ct entlieft, „wenn 
ich 3h« en Perle oetfeftaf fe ?" 

„6ie halten mich jurn Warren. Sie wollen non mir 
ein Ding, bas Daufcnbe unb ftunberttaufenbe wert ift, 
unb id) toll nid)ts ftaben?“ 

„Docft, bas ßeben.“ 

Der (Slenbc fdjauberte. 

„Sehen Sie, Datrigre," fuhr Cbrimauban in faft fanftem 
Dom fort, „bie ^Jerle hat für Sie gar leinen SBert. Sie 
lönnen fie ja boeft nieftt »erlaufen. ©0311 alfo fie be= 
halten?“ 

„<5s gibt fceftler . . . einmal . . . 311 welchem greife 
immer . . . fpäter". . . 

„Später wirb es gu fpät fein.“ 

„©arum?" 

„©eil bie polijei Sie toieber feftgefe^t haben wirb, 
unb bann, mein öieber, finb Sie bei ben Peweifen, bte 
ich liefere, unrettbar oerloren.“ 

Btftor Daucgrc faftte fith mit beiben Cjänbcit ben flopf 
unb baeftte nad). llnb eine groft« ©übigteit übertam 
ihn, ein unmiberfteftlicftcs Bebürfnis nach Wufte. 

„©amt wollen Sic bie Perle?“ flüfterte er. 

„Sofort, in einer Stunöc.“ 

„Sonft“ . . . 

„Sonft 3eigt fträulein oon Sinclcocs Sie noch heute an." 
DanJgre goft fi<h ei« ©las ©ritt ein, bas et auf einen 
3ug hinunter (türmte. Dann ftanb er auf. 

„3atjlen Sie, unb gehen roir ... ich habe bte oerfluchte 
®efd)i<hte fatt!" /■ 

Die Wacftt war gclontmcn. Die beiben ©annct fliegen 
ben Berg bis 311 ben dufteren Boulcoarbs hinab unb 
folgten biefen in bet Wichtung 311m groftcu Stern Sie 
feftritten fd)weigfatn bahin, Dancgre fehr tnübe mit ge< 
Irümmtcm Würfen. 

„C£s ift in ber Weifte be» Kaufes, " jagte er, „heim Part 
©onceau.“ 

„Waturlicft! Sie haben bas §aus oor 3ftrer Berftaf- 
tung ja nur ocrlaffen, um in ben Dabatlaben 311 gehen." 

,,©ir finb angelangt“, fagten Dan^gre mit hrifeTer 
Stimme. 

Sie gingen bas oergolbctc Pürfgrtter entlang unb 
bogen in eine Sttafte ein, an beren ® rfe ein Dabaflaben 
roar. Danegre blieb einige Schritte barüber hinaus 
ftehen. Seine Beine fchlotterten. Cr fiel auf eine Bant. 
„Wun?" fragte fein Begleiter. 

„©a«, ftier? ©ollen Sie mit!) 3um Starren halten?“ 


„3a ftlcr, oor uns.“ 

„Bor uns! frören Sie, Danegre, Sie irren fid), 
roenn Sie“ . . . 

„3d) fage 3hmn, fie ift hier “ 

„©0?" 

„3roif<ften jmei Pflafterfteinen.“ 

„©eichen?" 

Danegre antwortete nicht. 

„Pft! 3<ft verliehe, bu toillft mich irtefüftren, mein 
3unge.“ 

„Wein . . . aber . . . ich werbe ocrftungem.“ 

„Unb beshalb aögerft bu? Wun, ich ®M ein guter 
fteri fein, ©ieoiel forberft bu?" 

„*5)06 ®elb jur Überfahrt nach ümerila." 
„©»gemacht!“ 

„Unb ftunbert Uranien für bie erfte 3 e *t-" 

„Du follft awetftunbert haben. Wb« jetjt fprtd)!" 
„3ählen Ste bie Pflafterfteine rechts 00 m Winnftein. 
3coifchen bem awölften unb brei 3 ehntcn.“ 

„On ber Winne?" 

„3a, unter bem Irottoiruorfprung." 
ömmeutban blidte um fid). Wuf ber Straftenbahn 
herrfchte Bertehr, unb ftuftgänger pajfierten bie Stelle. 
Doch mos roeiter! üein ©enfd) tonnte auch nur ahnen, 
worum es fid) hanbeltc. 

Cr Öffnete alfo fein Dafdjcnmcffer unb ftad) bamit 
3roif<h«n ben jwölften unb bretjehnten Stein. 

„Satte fie aber nicht ba ift?" 

„©eint mich niemanb gefehen hat, als ich fie oerftrrfie, 
bann ift fie noch ba.“ 

„3n welcher liefe?“ 

„Ungefähr jehn 3e«*»«eter." 

Cr grub ben feuchten Sanb auf. Da ftieft bie Spifyc 
feines lafchenmeffers auf einen harten ©rgenftanb. Cr 
oergröfterte mit bcu Ringern bas ßoeh unb erblidtc bie 
fthwar je ^erle. 

„£ier ha ft bu beiuc aueihunbert Qfranfen. Dein Uber* 
fahrtsbillett fd^iefc ich öir morgen." 

%m nächften läge ftanb im „Cd)o be Trance" folgenbe 
Wotij: „Seit geftern ift bie berühmte fcljmarje ®erle im 
Wefih Wtjene ßupins, ber fie bem Wlörbcr ber ©räiiu 
fflnbillot abgenommen h ät - 3 « lutaer geit toerben getreue 
Wad)btlbungen biefes einzigen Aleinobs in ßonbon. 
St. Petersburg, WeugoTf, Äalfutta unb Buenos Uires 
ausgef teilt werben. Slrfcnc ßupin ficht ben Porfchlägeit 
feiner ©efdjäftsfreunbc entgegen.“ 

IX. 

Sherlod Holmes Commt gu fpät. 

„Unglaublich, Pelmont, Ohre $bntid)teit mit flrfene 
ßupin !“ 

„Sie tennen ihn?“ 


,,©ie alle ©clt, bas Ijeiftt, nach feinen Photograph‘ <n . 
oon benen »war leine ber an bem gleicht, bie aber alle 
ben Ctnbrud einer unb berfelben Phbfiognomie 3urüd' 
laffen, einer Ph*)fiognomie, bie ganj bie 3hre ift.“ 

Der SMer Rorate Celmont fdjien nicht gerabe ent- 
3Ü<ft oon biefer ©emerlung. 

„©ein lieber Deoanne,“ fagte er etwas gereift ( „Sie 
finb nicht ber erfte, ber ba© behauptet.“ 

„Ctne berartige Ühnlichrrit“ roiebexholte Deoanne, 
H baft ich permutlich bie Poli3ei oon Mjret linwefenheit in 
Dicppe oerftänbigt hä*te, wenn Sie nicht ber belannte 
SÖlarinemaler wären, beffen Silber id) aufrichtig bc- 
wunbere." 

Dicfc launige »cmerlung enegte allgemeine öetterfeit 
bei ber deganten ©efellfchaft, bie im großen epeifefaal 
bcs Sd)loffes Ihibermcslin beim Wadjtifd) faft, Puftcr 
£>or ace Belmont waren jugegen ber übbe ©elis, Pfarrer 
bes jur öenfehaft gehörenöen Dorfes, unb ein Duljenb 
Offyiere, bertn Wegimentcr in jener ©egenb ju Übungen 
3u|ammenge3ogen waren, unb bie ber Cinlabung bes 
©anliers Deoanne unb feiner ©uttcr {>olgc geleiftet 
hatten. 

„3ft benn nicht“, rief einer oon ihnen, „bie Wntoefen* 
heit fiupins an ber ilüfte fignalijtert worben nad) feinem 
famofen Slbcnteuer int SdjneUjiig dom Paris nach öaore?" 

„©0113 richtig! Das war vor brei ©onaten, unb bit 
©odje barauf machte ich im Atifino bie ®efanut|d>aft 
unjeres modern Beimont, ber mir feitbem einigemal bie 
Chre feiner Gegenwart im Sd)loft erwiefen hat." 

©an ftanb oom Difd)e auf unb begab fid) in ben ehe* 
maligen ©affenfaal bes Sdjloffes, einen fdjt graften unb 
haften Wannt, ber bas gattje Crbgefdjoft bes ©ilhelms- 
turmes einnimmt, unb in bem all bie unoerglri glichen 
Schö^r vereinigt jinö, bic bic Herren oon Ihibcrntedin 
im £aufe ber Gahthunberte aufgehäuft hoben, ©cfdjntfttc 
Spinbe unb Ärcbenjen, Jcuerböcfe unb ©iranbolen 
fchmüden ben altertümlid)<n Saal. v>ertlid)c ©obclins 
oerhüllen bie Stcinwdnbe. Die oier 3<n|temifd)en finb 
fo tief, baft Si^bänte barin piah f in ben. 3n bte £ptt|* 
bogen finb farbige Butjenfchetbrn einge laffen. 3wtfd)eu 
ber Dür unb bem elften ftenfter linfs erhebt fid) eine 
monumentale Bibliothel im Wenaiffanceftil, beten ßiebel 
in G>olbbud)|taben ben Wanten „Ihibcrmcsltn” trägt unb 
barunter ben flogen ©ahlfprud) ber öatnilie: „Spiel, 
wie ich roill". 

„Wur müffen Sie fi<h beeilen, Beimont“, fing Deoanne 
uon nettem an. „Die htutifi* Wacht ift bie letjte, bic 
3hncn bleibt." 

„llnb weshalb?“ fragte ber ©aler, ber offenbar an» 
fing, auf ben Sd)er3 einjugehen. 

Deoanne wollte antworten, als feine ©utter ihm ein 
3eid)cn gab. Doch bas Bedangen, bie ©äfte ju unter» 
halten, war 311 mächtig. 


1 



:: *prrn> :: 
»e« y>Ht« 
Wort 2.^0 


Deutfthe Wunbfchau 


:: «trete s; 
nc** ©ehe# 
SMart 2,50 


Dös 3anuax^cft (35. ^ö^gang, §>cft 4) enthält folgenbe Sluffä^c: 


Zic tmterfidlttifrifc Uutu»nl,;m»g itt ber dürfet. 
5öon CT. ^rcilicrru ti. b. (%>ollf. 

©ild) unb Blut. Cnählung oon 3lfe 
Sappl) o. Pou Wbolf ‘lötlbrnröt. 

Schillers hiftorifeije Schriften als Borftubien 
bce Dramatilers. Pott WichaTb Sefter. 

Das Wcuc leftament für bic Gegenwart. Bon 
Prof. I >. ©artin 3d)ian in ©{fftem. 
f)iftorifd).polttifd)e Satiren. Bon Widhorb »l. ©cqer. 
Dasdtitontobilin öer©üfte<6obi. Bon fflilh*lm®ölfche. 


Scheffel unb Cggers; eine Xichterfreunbfchaft. 
©it bisher ungebmdten Briefen Sdjcffels unb feiner 
©utter an Cggcr«. Bon Proelft. 

Das oft e rreid)ifd)> uugari jd)e Staatsred)t bre 
Grafen llKööor Bott Dr. Jriebrid) tejner, 

profeffor ber ©lener llitioerfität. 

Das Hru,3ifir tu ber Jrtitdje 311 Dunes. Bon Bcmoit Ke*. 

ßbinefifebe Aunft in Berlin. Cinbritde. Bon 
©arie oon Bunfen, 

Das Weidjslanö Clfaft-Cothringcn unter beut» 
fdjer Berwaltung. Bon I>r. Äreujtam u. a. 


Das (^xneralregifler 3U Sanb 81/120 (21. bis 30. ift foeben erhielten. 


Berlag oon C&ebrüber paetel in Berlin AV. 35. 


Dr. Ernst Sandow’s 

Künstliche« 

Emser Salz 

bei Erkültung nltbcwnhrt. — Man achte auf 
mein« Firma. — N«cf» a hn»ungee meiner Salze 
«ind oft minderwertig und dabei nicht billiger. 


Onhonrirtliirf «atflrtlAef, houemhet 6 . _ 

1<19 *,eucn*>guiu UönKr-. «ormaU ttrmtbruru,, «rtnlguno 

•Säfte, iKrriufte* ©anfletirot, «rapie (dilontc JAiflur (. r 

^ ^Ulc^erol * -20 “ .(3d)0n|)fitöpil[eri fflr Dr« )lörper__ Clnnrrlidjrs 


qiftfretee. «osmetifunt.) 


Hart pumitus, Wündirn 72. 



Alle verecliicclcu! 

I lOO tun. MnU. latniH M. 2.- 
IV . I. 3.5© m mvk «v IL 
fO liatnlla . m 4. 51 UtäiliOi . „ 3« - 

NO Ea«l. Ilaivi . 4.50 DO Frw. Iota. . 4.50 
■u Herbst, »’rtnv. Hamburg Z. 
Orot.se illustr. Preisliste gratis u Irsnko. 

Lucas May, Zwickau i.S. 8. 

HoOieferant S. M. i. Königs von Sechsen 

bsumkuchen v. M.6. — an ; 
Zs»lcke>ifr Steinkohlen, 

mehrmals gcfülll, v. M. t. — 

an; Fürst -PUckler. Torte 
von M. 4.— sn: FUriten- 

krlnze von M. 2.50 an; 
Creme de loors in Maras- 
tjuino, C hoc «lade und Irl- 
beer h 25 Plg. Versand nur 
Ccgen Nichiuhme, von KL 5,— an tranko. 



Original Karlsbader 

Becherbitter 

neil 100 Jahren tuMrührlrr Miwnlik-.r. 

Johann Becher, k. u. k. Hof- und Kamm«r1i<>fr<-at)i , Karlsbad. 

=^= Criirrüntlct 1807. I I ■ 

11 fta’hrti* Awzf-ifhnunKvn. — Murtor alt F iJtrik trTnti» und fninkn. 
1 Liter- klaBchv frm-iit- u. solifrvi jeder Sution lh*ubtch)iuMhi M. 7.50. 

Neurasthenie 

(NervfnsrInviirM J 


-•en und HnüunK- nach den 

. neuesten Krrahruijg.it bflurU-iU-U-. Wrrk (HW» SWt., Abbild.). 
'Wirklich timuchtiarer Katgeb r und sicherer Wcgwrisi-r sur HHIung. Kir Mk. l.ejn> in Brief- 
iiu»rkt-ii rw tM-iM-hrn ton dt-in >« ru iitiiiiiiliir liim „Nils ana“. ••«-lir.YI (Srhwelj). 
Letttte«« iet d. gans. Jahr gMttm L, ausarhllMHltrh fflr mAnnlich^ I*a4innt< n. hrfrdgneshaU' 
1Mlm<-Uu>di>n..->naiatn ihr»-r Art und Wirkua«. Klimn fhr N.-unuUli<-nIk»rbu*<.nd«n gAnsd,. 










78 


Ollujtrirte 3^tun.q. 


5 nt 3420 . 14 . ganuoT 1909 . 


„Wcf) was !" fagte er adjfeljucienb. „ Cvctit fann id) ja fd)tm 
fprtdjen. (Ein« 3 nbisfT«tion ift nicht mtl)T 3U b^efaTctitm.“ 
man rücft« neugierig bie Stüt)k um i^u gujammen. 
„©lorgen um oier Uhr nachmittags", erflÄrte er mit 
ber befriebigten ©liene eines SJiaiines, ber eine Seniatione* 
nad)riä)t ju oerfünben t)at, „wirb Sberlotf Holmes, ber 
grojje englifdjc Tetettio, bet gefeijieftefte SRätf«llSfer, beit 
es je gegeben f>at, mein (ba ft fein.“ 

©lies aeigte fiel) erftaunt. Slrjfne fiupin machte alfo 
inirltid) bic ©egenö unjid)er? 

„©rfene ßupin unb feine ©anbe finb nid)t weit. © 3 c m 
fonft wäre bk ©lünbertwg ber Schlaffer üHonttgm), 
(£rud)et unb (Srac-uilk 3ujufd)teiben. als uttferm ülational- 
einbreeber? 3®fÜ ift &k ©eih® an mir.“ 

„Unb Gk finb im ooraus oerftänbigt worben, wie 
©aroti lEahom?" fragte ©elmont. 

„Wein, jwcimal gelingt ber gleite Gdjera nicht." 

„ 3 ä aber, woher wiffen Sie benn" . . . 

„Taher" . . . 

Teoanne war aufgeftnnben unb aeigte mit bem ginget 
auf einen Ileinrn leeren fttaum in ber ©ibliotljet 3wifd)rn 
3wei mächtigen Folianten, 

„Ta ftanb ein ©ud) aus bem fedjje^nteirt 3<*l)tf)Uttbert 
mit bem Titel »Ghronif oon Thibermeslin-. (Es ift bie 
(&ef(f)id)te bes Stoffes feit feiner (Erbauung burd) ben 
Sjerjog ©ollon auf Dem ©lafcc einer ehemaligen befeftigten 
©uig. Tas ©ud) enthielt Drei ftupferftiche. Ter eine 
aeigt« eine Wnfidjt bes Schlaffes aus ber ©ogelfdjau,, ber 
auxite einen ©lern bet ©ebäube unb ber brüte — Darauf 
mache ich Sie befonber« aufmerlfam, meine Herren — ben 
©runbtifj eines unterirbifchen (banges mit jmet SJlün» 
bungen, non benen bic eine fich jenfeit bes äufjem ©urg« 
malles öffnet, bie anberc t)tcr enbet, in biefem Saale hier, 
in bem wir jef}t ocrfammelt finb. 9luu, biefes ©ud) ift 
feit bem notigen ©lonat nerfdjmunben. - 

„'Das ift allerbings non böfer ©orbebeutung", Tagte 
©elmont. ,,©ur rechtfertigt bas nod) nicht bk ©enifung 
non Shcrlod €>oImcs.“ 

„Ckwlfo, bas allein hätte nod) nid)t genügt, wenn 
nid)t eine anber« Tatfadjc hinjugetommen märe, ©s 
eiiftiert nämlich in ber 9iationalbibltothet ein aroeites 
©lemplor biefer Ghranit, bas fid) oon bem erften burd) 
einige 3>>fö^e über ben unterirbifchen ©ang unterfchieb, 
fo burd) einen Querfdjnitt, einen ©lafjftab unb mehrere 
©anbbemerlungen, bie mit Tinte ^ineingcfe^rieb«n unb 
etwas nenoifd)t waren. 3d) tannte biefes (Exemplar unb 
rnufete, bafe ber enbgültige ©runbrife fid) nur Durch eine 
forgfältige ©ergleidjwng ber beiben harten fcftftelkn Hefe. 
©Is nun mein ©xemplat chhanben gekommen war, würbe 
am barauffalgenben läge bas ber Slationalbibltöthef non 
einem ©efud)er nerlangt, ber cs mit fid) fortnahm, ohne 
bah man bie näheren Umfldnbe biefes Tiebftahls auf- 
Hären tonnte." 


©crjdjiebeuc Ausrufe unterbrachen bie (Erjählung. 

„'Cie ©efd)ichte wirb cmft“, betätigte Teoanne. „Tic 
©olt3«t leitete fofort eine Unterfudhung ein, bie leiber 3U 
reinem ©efultat führte." 

„SBie alle Unterfuchungcn in Sachen, bet benen ©rfene 
ßupin bie §anb im Spiel« h<ü." 

„ffianj richtig. Te«h 0 *b fam mir auch ber C&ebanfe, 
Gherlod £olmes um SBelftanb gu bitten, ©c antwortete 
mir, 5a& «r mit ©ergnügen bie ffielegenheit ergreife, fich 
mit tfrtfne ßupin ju meffen." 

„'lUeld)e ©hte für 2frfcne ßupin!" faßte ©elmout. 
„©Jettn aber unfer 9fationaleinbred)er, wie Si« ihn nennen, 
feinerlei ©bfichten gegen 2hfbermeslin höt, was fall bann 
ber Gnglänber hie*?" 

„(Er wirb immerhin ein ©ätfei 311 löfen haben: ben 
unterirbifdjen ®ang.“ 

n ©3iefo? 6k fagten uns hoch, ein Ausgang liege auf 
freiem frelbe, b«r önbere Ijter im Salon?" 

„3a! ©ber wo im Salon? ©ie ßinie, bie nach ber 
©lanjeichnung ben ©ang barftellt, münöet allerbings 
auf einer Seite in einen Meinen Äreis, bet mit »HB. Jt.« 
t>C3 cid] net ift, f<h* wahrfcheinlid) bk ©nfangsbudj* 
f toben, oon ©lilhelmsturm. ©her wer lönnte fagen, 
an welchem ©untte bes Streifes ber Strich ber 3*>ä)nung 
anfeht?" 

Deoanne ftedte eine 3weite 3i0arre an unb go& fich 
ein ©las ©enebiltiner ein. OTan beftürmte ihn mit fragen, 
©r lächelte, beftiebigt oon bem erwedten Sntereffe. 

„‘Das ©eheimnis ift oerloren gegangen", fuhr er fort. 
„Wiemanb lennt es. (Die ßegenbe berichtet, bic mächtigen 
Herren auf Ihibermcslin hätten cs einanber auf bem 
Totenbette übermittelt, bis au bem Tage, ba ©eoffrot), 
ber lehte feines Samens, auf ber G&ulltotinc enbett.“ 

„3“, o&er feit einem ^ätte man bod) 

uachforfchcrt follen!" 

„©lan hol na chgeforfcht, aber ohne (Erfolg. 3<h felbft 
habe, als ich bas Schloß oon bem Urenfel bes Aonoents- 
initgliebes ßeribourg faufte, nachgraben laffen. CEbenfo 
vergcblicf). ©ebenlen Si«, böfe biefer 00m SüBaffer um- 
gebene Turm mit bem Schlöffe nur an einem ©unft oer- 
bunben ift, ba& fontit ber ©ang unter ben ehemaligen 
©räben laufen mufj. T»er ©lan in bem ©xemplar ber 
ü)lationalbibUoth<l scigt übrigens oier Treppen mit acht- 
unbokraig Stufen, was einer Tief« oon minbeftens 3«hn 
OTetem entfpridjt. Unb ber ffllafjltab auf biefem ©lan 
ergibt eine ©ntfemung oon jtoeibunbert ©letern. Tas 
9lätfel liegt hier, aroifdjen biefem 3ufeboben, biefer Tecfe 
unb biefen SBänben. Hlber offen gef tanben, es fehlt mir 
bie Cuft, fie nieberaureihen, um bie Cöfung 3U finben.“ 

„Unb Sk haben feinerlei «njeidjen?" 

„Taoon ift mir nichts befannt." 

„E>err Teoanne," warf ber Wbbe ©elis ein, „Sk oer- 
geffen bie beiben 3itate!" 


H Oh," entgegnete ber ©anfier, „ber C>err ©farrer ift 
«in begeiftertcr ©lemoirenfreunb, unb alles, was Tfjiber* 
meslin angeht, intereffiert ihn. ®ber bie 3***1®» ttön benen 
er fpridjt, oerbunfeln nur bie Sache." 

„HBas für 3itate?" 

„©un, ber 4>err ©bbe ©elis l)*l hernusbef omme n, Da&ituei 
ÄSnige oon tJranfreich bk ßöfung bes ©ätfels fannten." 

„3»®* Könige oon gfranfrekh?" 

„3*, öeinrid) IV. unb fiubwig XVI.* 

„©Joher weiß bas ber E>err Hlbb<?" 

„Sehr einfach!" ergriff ber ©farrer bas ©Oft. „Hlm 
Tage oor ber Schlacht oon 9tTC|ues-la*©ataU[c ah unb 
fdjlkf flönig Heinrich IV. in biefem Schloß. Um elf Uh* 
nadjts würbe ßouife be Tancaroilk, bie fdjönfte Tome 
ber fHormonbie, burd) ben unterirbifchen ©ang au ihm 
geführt mit SBifitn bes öeraofls ttbuarb oon Thibermeslin, 
ber au biefem 3"*4e bem i>Iönig bas ft-amilkngeheimnis 
oerriet. Tiefes ©«heimnis oertrautc fjeinrich IV. fpätcr 
feinem ©linifter Sulli) an, ber bie Wnetbot« tn feinen 
SJlemoiren berichtet, ohne ihr einen an bem Äommentar 
hinaujufügen als folgenben unoerftänblidjen Sah: »Ter 
Habicht fentt fich bis aur ©rbe, bie eraittemb fich am Gnbc 
öffnet, unb man gelangt 311 ©ott«." 

©tau fah fich trftaunt an. ©«Imont lachte. 

„Ta« ift nidjt gerabe blenbenb flar!“ 

„©icht waht?" fagte Teoanne. „Ter £>err ©farrer 
bilbet fich ein, Sulli) habe fo bi® JRätfellöfung beacichnen 
wollen, ohne ben Schreibern, benen er feine ©iemoiren 
bittkrte, bas ©eheimnis ju enthüllen.“ 

„Tief« Einnahme läfet fich hören." 

„Ta« gebe id) 311. ©ber wo ift ber fjabidjt?" 

„Unb was foll bas ^eifgen: »©tan gelangt 3U ©ott^?" 
„Unocrftänblich!" 

„Unb h*t auch ßubwig XVI.“, fragte ©elmont, „ben 
©efud) einer Tome empfangen unb fid) su biefem 3wed 
ben ©ang öffnen laffen?" 

„Tas weih ich nicht", erwiberte ber ©eiftlidje. „©lies, 
was ich faßen fann, ift, bah ßubwig XVI. im 3<*hr< l"84 
auf Thibermeslin geweilt h Q t» unb bah bet berühmte 
(Eifenfchranf, ber auf bie Tenunjiation ffiamains h*r» im 
fiouore gefunben würbe, unter anheim ein ©apier ent- 
hielt, auf bem oon feiner £>anb gef d)rie ben war: »Xhibcr* 
meslin: 2 - 6 — 12-.* 

Ter ÜJlalcr Iadjt« laut tmf. 

„^>urta! Tie Tunfelheit lichtet fid) immer mehr. 3®®** 
mal fech« gibt aroölf. 1 " 

„ßa^en Sie, fooiel Sk wollen!" fagte etwas ärgerlich 
ber ©farrer. „6d) bin bennod) überzeugt, bah t>kk beiben 
3itate bi« ßöfung enthalten, unb bah eines Tages jemanb 
fie beuten wirb.“ 

„Sb®rlod öolni®^ oor allem," fagte Teoanne, „wenn ihm 
ni d)t Ärfin e ß u pin au o orlommt . 3Bas meinenSie, ©elmont?" 

Oortirftuna folgt in Der nAd>(t«n 9hunntrr.) 





NAHRUNG 


Für Kinder, Kranke und 
Rekonvaleszenten, alte 
und magen8chwacho 
Personen. 


I kahrunf, mit Milr-h cu- 
Cx'rviU 1 *, ist «n rullt'innntii'-H 
Nfthriinlti»! ,K«'haltr»nch.b»'k<lintn- 
licfc. und wohlHrhww krnd. 
&#ngw'» Hahrunn «-nthlllt *llo nur 
Frtnlerun# Hiut kröfiiKi-n Natur 
ntVigm LIimik'iiU' und i »t (m von 
8Fi»tx*n und un vcrdaulic hm Tfil- 
cii'-n . wvlrho oft Irriticruug in 
mrt<-n Mä^ ii Tcrurmciu«, 

Benflar » Nahrung wird auftenmn- 

mi'ii und ahiu»rliim, w<» andere 
Nahrung vertagt , da die Zu- 
IwmlwiK gi-nau 


— fn intlkha AOgnäm mM. — 
Swgftr's Nahrung wird in Oats» ver- 
kauft und irt in den Apotheken und 
b»mr«« Orvgwig*K»>Nrtdn im 

Aoulen: Berlin NV.: C'haa. K- Bern- 
A Oo.. I>tii>r.ig*TmlnuM« 113 
Berlin C. : Handrlaaraelliichaft 
I)rii t*rl«rr Apotlwker, Neue 



UiMührrpirt. tiuirUr. .Huri öicicn* 
finlll. Wii 104 «i itlOuriörn. :i UNart. 

Verlag oon 3. 3- ®*h*r in Cdpjlg !“ 



FÜR KRANKE ZUR BEACHTUNG'.:.' 


In letzter Z«it üind grobe NacbabmnngcD des SpfnoiDuni-FoeU tuf- 
getaucht, man gebe daher acht anf die Bcseicboang 


QPERMIN pnrui 

ü prof. D- ruLnL 

SPERMINUM-POEHL 


und rrrluige Rulchea nur ln fftigirudtackung da-» OrRanoUienkprulioL-beii InaUluta 
ron Prof. Dr. w. Poehl A SÄhne- Alle in d-rr Litemtur »n|?.vebon»« 

IWlwcktungnn b.fTorr»gvn<J<T IVufi-ssura-»» und AnlU' BberdlrgCmütitfcWiTkung <lea 
Sperminur». Poehl bei : NeuraUlvente, Maraxru« tenilh, l-'i öb*nuUdimg«n undeekweren 
Lrhrankungen, wir Bleich» ycht (Anomia), Radiitu, Podagra, rtron. Rheumatuinu», 
T ube r t ulose, T y phui, M«r«rt rankungM iNyocarditim, Fettherr), HyUerK, Rinke« mart- 
lelden, P aralyse etc. etc . beciuh.cn Bich tusschlieHlich nur «ul da» 8pcrminum-l\>chL 
Prel* pro n«kon r««p. Schacht«! k 4 Amp., rrrp. Schachtel k 4 Tube« Mk. 8.- ■ 

Zu haben in allen grösseren Apotheken. 

Literatur Ober Sperminum- Pnehl wird auf Wunsch urmtla rersandt vom 

Orqanotherapeutlachen Institut 

Prof. Dr. v. Poehl & Söhne 

St. Peterabur^ (ItinHlut-d). 

Di»- h*«li.’»(-n Auwicbmuupn auf allen Wf-Iutirste-Ilimirn und die bifilen l'rtelle 
mudiiiniurber Autnritdtrn. 

Plfinnif Berlin i Krom-n-Apothelcc, Friedririuitr. 1410, (kttdn : LBwt-n - ApoUteke. 
UKPUIJ. Fn«kfirt«. N.: K.i.h..n.-A l -.th,-k.-. K||«; Uom-Apuihek«, telprij: r.i.g.1- 
mm “ •*- “ — ‘‘tadii ItaU-Apollwke, Mönche«. Iudwirn-Apv>ile'k< , Win; Erurel- 

Apotbek» 1 , Zürich : Hftmenuhl«*» ■ A|*rth« < ke. C443) 


inai rrom 


THE OHIO STATE UNIVERSITY 






AUS INDUSTRIE UND TECHNIK 


Motoren zum Antrieb ron LuftfahrzeujEren. 

Von Rri«l Yulrntln. Hcrlin. 

Bi* vor kurzem stand dem Menschen für die Durch- 
querung (!«•* Luftmccrcs ausschließlich der Freiballon zur 
Verfügung. Dieser wurde als freier Ballon bezeichnet im Gogen- 
aatz zu dem Fesselballon , der durch ein Seil dauernd 
mit der Erde in Verbindung gehalten wird und nur so 
weit auf>teigen kann, als es die Länge dos Seiles zu laßt. 
Nach heutigen Begriffen ist der Name Freiballon keines- 
wegs mehr passend. Im Gegenteil erscheint ein solches 
Luftfahrzeug als vollständig unfrei. Fs ist den Launen 
des Windes zum ßpiclball gegeben,, die es blindlings vor 
■ich hertreiben, ohne daß der Aeronaut auch nur den ge- 
ringsten Einfluß auf seinen Weg und seine Richtung hätte. 
In ähnlicher Weise treibt ein Segelschiff bei vollständiger 
Windstille «teucrln* dahin und folgt nur den Strömungen 
des Wasser». 


ihn andrehcii zu müssen, der geräuschvolle Auspuff und 
die Gerüche der Auspuffgase, sind iu der Luft weniger 
störend; dagegen sind sein von anderen Systemen uner- 
reichtes geringe* Gewicht und der kleine Ihm in, den ein 
solcher Motor beansprucht, von allergrößtem Wert. Auch 
seine sonstigen Eigenschaften prädestinieren ihn zum 
Luftsehiffmntor sondergleichen . Er braucht keine offene 
Flamme, keinen Kessel unter Druck, keine Bedienung, 
Kr arl leitet stundenlang völlig selbsttätig, holt sich solb-l 
das nötige Benzin heran, sorgt für das richtige Schmieren 
seiner Lager und regelt seine Tourenzahl gleichzeitig mit der 
Vergasereinstellung für den günstigsten Brennstoffverbrauch. 

Wenn trotzdem die Frage der Flugrootoren noch durch- 
aus nicht als gelöst betrachtet werden kann, ho liegt der 
Grund hierfür in der Tatsache, daß der normale Automobil- 
motor nicht ohne weiteres nLs guter Luftschiffmotor 
ungesehen werden darf. Die Bedingungen, unter denen der 
Motor in der Luft arbeiten muß, und die Anforderungen, 


Im Gegensatz zum Automobil motor wird von einem 
Flugmotor dauernd die höchste Leistung verlangt. Auf 
dem Lande nämlich wechselt die Triebkraft immerfort. 
Bald treibt der Motor den Wagen, hold reißt die lelicndigo 
Kraft dev Wagens den Motor mit eich fort, je nach der 
Beschaffenheit des Bodens. In der Luft alter gibt 
keine solchen Unterschiede, der Motor muß gleichmäßig 
arbeiten, ohne sich bei einer Talfahrt auxruhen L zu 
können. 

Ein weiterer Faktor, der bei der Konstruktion der Flug- 
motoren berücksichtigt werden muß, ist der Einfluß der 
Höhe über dem Erdboden auf die Kraft leist ung. Da die 
Luft mit der Entfernung von der Erde immer dünner 
wird, ist auch die von den Zylindern do Motors an- 
gesaugte Lu ft men ge in der Höhe wenigerreich. Wir groß 
dieser Einfluß ist, geht aus der folgenden Aufstellung 
hervor, in der ein Motor von 33 P. S. bei verschiedenem 
Barometerstand auf seine Kraftleistung untersucht wurde. 


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Original from 

THE OHIO STATE UNIVERSITY 


1. 100* P. fr. - Luftachi ffmotor der Daimler* Motorengesel lschnft. (Eingebaut iu das 
Luftschiff des Grafen r. Zeppelin.) 


2* HKGr.E.-Luftachiffmotor der Neuen AutomohilgcaellschafU 


Sobald aber da.- Bchiff auf dem Wasser durch eine 
fremde Kraft getrieben wird, sei es durch den Wind der 
Luft oder die Umdrehungen der Schraube, kann man es 
lenken und nach Wunsch führen. I>a in der Luft ein 
fremdes Element für die Kraft! ieferung nicht zur Ver- 
fügung steht, muß das lenkbare Luftschiff eine besondere 
Kraftquelle mit sieh führen. Daran, daß bisher Maschinen 
nicht vorhanden waren, die sich zur Mitnahme auf den 
Ballon eigneten, scheiterten alle Versuche, lenkbare Luft- 
schiffe zu bnucn. Und zwar waren die bekannten Motoren 
hauptsächlich deswegen nicht tauglich, weil ihr Eigen- 
gewicht weit das Maß dessen übort ruf, was ein Ballon ver- 
möge seines Auftriebes zu tragen imstande ist. Man kann 
auch nicht die gesamte Auftnelw kraft für da.« Tragen der 
Maschine nutzbar machen, weil da* Gewicht der Ballonhülle, 
der Gondel, der Mannschaft und der Apparate einen erheb- 
li ehen Teil vo n ihr in A n-prueh nimmt. 

Aber auch außer dein zu hohen 
Gewicht waren die früher bekannten 
Maschinen für dir Luftarhif fahrt _ 

nicht geeignet. Die Dampfmaschine 
benötigt einen beaondem, u nter hohem 
Druck stehenden Koael , der mit 
einer offenen Klamme geheizt werden 
muß. Vom Kessel zur Maschine, 
zu den Pumpen u*w, führen Rohr- 
leitungen. *o dnß die ganze Anlage 
einen verhfiltnismiißig großen lichten 
Raum pinnimmt. Auch ist bei ihr 
eine ständige Beaufsichtigung und 
Bedienung nötig. 

Der Elektromotor dagegen bedarf 
zu seiner Speisung der schweren 
Akku mulntorcnbat terie. Sic ist einer- 
seits nicht fähig, den nuftretenden 
Schwankungen dauernd ntandzii- 
h ulten, und außerdem nach verhält- 
nismüßig sehr kurzer Zeit erschöpft, 4S 

und ein Non laden der Platten ist 
unterwegs ausgeschlossen. 

Diese für die Entwicklung der 
Luftschiffahrt wenig günstigen Zu- 
stünde änderten Bich mit einem Male, 
als derwhncllaufende Verbrennungs- 
motor, wie er für den Antrieb der 
Automobile benutzt wird, in «lic Er- *• 

srheinung trat. Seine Nachteile auf 
dem Lande, wie die Notwendigkeit, 


die an ihn beim Betriebe eines Luftschiffs gestellt werden, 
sind in mancher Beziehung wesentlich von den Verhält- 
nissen verschieden, die für den Antrieb von Automobilen 
maßgebend, sind. 

Während auf der Erde kleinere Betriebsstörungen meist 
in «ehr kurzer Zeit behoben werden können, nötigenfalls 
unter Aufsuchung der nächstgclegeneu Sohlonacrworkstatt, 
muß der Flugmotor unbedingt während der gniiz.ru Dauer 
einer Fahrt ohne Störungen arbeiten. Denn beim Ver- 
sagen de* Motors verliert der Motorbullon sofort seine 
Lenkbarkeit und wird von der herrschenden Luftströmung 
fortgetrieben. Noch verhängnisvoller ist aber ein solcher 
Fall für einen Flugapparat; denn er ändert, wenn die 
Schraube aufhört sich zu drehen, sofort seine Gleichgewichts- 
lage und stürzt meisten* in jähem Fnll zu Boden, den 
Lufteehiffer mit sieh ins Vcrderlien reißend. 


Barometerstand 

tnuprectirnd« II Aba 

t .nutung 


in m 

in P.S. 

760 

0 

33 

670 

1000 

28 

500 

2000 

24 

520 

3000 

20 

402 

4000 

16, t 

Schließlich muß 

noch l*crück*ichtigt 

werden, daß der 


3. LuftHchiffmotor der Fuhrzeugfabrik Eisenach. 


Motor in einem Luftschiff «ehr erheblichen Schwankungen 
ausgesetzt ist, ho dnß dieMotorluftaehiff-StudiengeBcllBchaft 
in ihrem Preisausschreiben bi* zu zwanzig Prozent Sch rüg - 
Stellung vorgeschriebcn hatte. Dieser Umstand ist für 
die richtige Öl verteil ung im Kurbelgehäuse des Motor* 
»ehr wichtig und erfordert besondere Berücksichtigung 
bei der Konstruktion, weil bei einem gewöhnlichen Motor in 
Rolchcm Falle da* Öl ganz nach einer Beite laufen und diese 
überschwemmen würde, während die 
andere Seite dann trocken liefe. 

Man darf nun beim Bau von be- 
sonderen Fluginotoren sieh nicht ver- 
leiten lassen , die eben angeführten 
Bedingungen denen der Betriebs- 
sicherheit v< mummet zon, n ie man cs 
namentlich lx*i französischen Motoren 
n manchmal findet, die bis zu dem 

SK geringen Gewicht von 2 kg und 

weniger, auf die Pferdestärke ge- 
IJf rechnet , n n gelangt sind , während 

eine ort-feste Ga-iuusebinc etwa 
300 kg und ein leichter Automobil - 
motor etwa 1<> kg für 1 I 1 . B, er- 
fordert. Die Ersparnis an Gewicht 
kann auch leicht dadurch illusorisch 
werden, daß ein Motor einen sehr 

1 hohen Benzinverbrauch hat, da für 

eine längere Fahrt von etwa zehn 
Stunden eine bedeutende Menge Be- 

M tricbsetoff nötig ist. Bo verbraucht 
ein Motor von 100 P.S. etwa ‘27 kg 
Benzin in der Stunde oder 270 kg 
für eine Dauerfahrt. Bei einem Eigen- 
gewicht de* Motors von 400 kg 
würde rieh daher da* Gesamtgewicht 
durch Erleichterung des Motor- 
gewicht* nicht so w esentlich gün.-tiger 

I gestalten. 

Bei Betrachtung der für die 
Lnftachif fahrt bisher verwandten 









80 


Onuffriite 3 c üung. 


Wr. 3420. 14. 3anuat 1909. 



4 72-F.S.-Luft.schiffmotor von Gebrüder Körting, Hannover. 
(Eingebaut in du* den i. sehe MLlitürluftschiff des Majors ( iroü.) 


Motoren kann man drei Arten unterscheiden, nämlich 
besonder* leichte Automobilmotoren, Spezial motoren für 
Luftschiffe und Motoren für Flugmawhinen. Rci dem 
vor kurzem beendeten Wettbewerb für Luftschiff motoren 
wurden die Preise ausschließlich von Motoren der ersten 
Klause davongetrageu. Der erste und zweite Preis 
wurde geteilt zwischen der Daimler- Motorongesellschaft 
und der Neuen Automobilgesellschaft. Der in Abbil- 
dung 1 durgtviellte Daimler- Motor ist nach dem berühmten 
Mercedes - Rcnntyp dieser Firma gebaut. Die beiden 
Zylinderjvaare entwickeln bei normaler Umdrehung*- 
zahl etwa 100 P.S. Die Einströmung des Gasgemisches 
in die Zylinder erfolgt durch die oben in den Zylinder- 
kopfen hängend ungeordneten Einlaßventile, während die 
Auslaßventile auf der hinten) Seite in üblicher Weise 
stehend angeordnet sind. Bemerk entwert ist, daß der 
Aus puff topf von dem Kühlwasser umxpiill wird, um die 
Temperatur der ausgestoßcneai Gase hc-rab/.u drücken. I>as 
Kühlwassur selbst wird durch den rechts siehtiiarerv Bicnon- 
korbkühlcr mit besonderen Ventilator am Kochen ver- 
hindert. ln den Luftschiffen dos Grafen v. Zeppelin sind 
je zwei oder drei solcher Motoren eingebaut. 

Auch beim Lcnkbullon des Majors v. Pamevul wird ein 
Daimler- Motor angewendet. In der Mitte <lor Gondel befindet 
sich der Motor, vor diesem der Kühler und außen das 
Benzingefäß. Die Luftschraube ist gnnz. oben angeordnet. 
Die Flügel der Schraube, die aus Stoff bergest eilt sind, 
hängen in der Ruhelage schlaff herunter. Ein nach oben füh- 
render dicker Schlauch leitet zu den Bnl Ion cts, die nach Bedarf 
mit Luft aufgeblasen werden. Der neust« Purst val- Ballon ist 
mit zwei Motoren der Neuen Autonmbilge*ell*ehaft aus- 
gerüstet, von denen jeder etwa 100 P.S. leistet In Abbil- 
dung 2 ist ein solcher Motor von der VergiL-ereeite aus ge- 
sehen gezeichnet. Es sind sechs einzelne Zylinder von je 
150 mm Bohrung und 130 mm 11 ub vorhanden. Beide 
Ventile für den Einlaß und den Auspuff sind oben in den 
Zylinderköpfen angeordnet. Die Herstellung des brennbaren 
Gasgemisches geschieht in drei unabhängigen Vergasern, 
so daß der Motor auch nach dem Defekt- 
werden eines einzelnen Zylinder» Weiter- 
arbeiten kann. Zwischen dem zweiten 
und dritten Zylinder von links ist der 
Magnetapparat sichtbar, der den Strom 
für die Zündkerzen liefert. Zum Ingang- 
setzen des Motors ist «in« besondere 
Druckluftanlagc vorgesehen, für deren 
Betätigung 
das Öffnen 
eine* Ventils 
genügt Das 
Gewicht des 
betriebsfähi- 
gen Mot« »i s 
wird auf 
etwa 400 kg 
angegeben, 
so daß I kg 
auf I P.S. 
kommen. 

Auf der 
Schiffbou- 
aoaetellung 
in Berlin war 
ein solcher 
Motor in die 
Gondel eines 
Ballons von 
etwa 3200 
cbm Gas- 
Inhalt ein- 
gebaut zu 

sehen. Der zugehörige Ballmi würde 
bei Wasserstofbi llung etwa 3200 bis 
3500 kg Tragfähigkeit besitzen. Das 
Gewicht des Qtoddnriut« selbst betrügt 
etun 250 kg. Die Luftschraube hat 
einen Durchmesser von 4 m. 

Den dritten Prei* derMotorluftachiff- 
Studiengesellschnft erhielt der in Ab- 
bildung 3 d arges'* Ute Mnt<»r der Fahr- 
zeugfabrik Eisenach. Bei ihm 1 iegen 
alle Ventile auf einer Seite, so daß die 



5. 42 - P.S. * Flugmotor 
von Renault Fröre*, Bil- 
laneourt. 


verschiedenen Rohrleitungen ul »er einander verlaufen. 
Zu oberst eicht man die Wasserleitung, die das warme 
Wasser aus den Zvl indem in den Kühler führt, dar- 
unter «Ins nach rechts abführende Auspuffrohr und zu 
unterst die verzweigte Zuführung des Gasgemische*. 
Der hinter dem Wa^cr kühler sichtbar« Ventilator ist 
auf ein und dcrscllien Welle mit der Wasscrpumpe un- 
geordnet und wird durch Zahnräder von der Kurbel- 
welle aus angetrieben. Das untere Kurbelgehäuse ist 
in vier besondere Abteilungen ab geteilt. Um ein Ver- 
laufen de* ÖU bei Schrägst cllnng de* Motors zu ver- 
hindern, wird jede Abteilung für sich geijlt durch die 
rechts oben sichtbaren Leitungen vom Olkasten aus. 

Da* deutsche Militari u ft schiff de* Major* Groß ist 
mit einem bc*ondern Motor ausgerüstet, der in »einer 
Bauart wesentlich von den im Automobilbau üblichen 
Konstruktionen abweicht. Dieser von Gebrüder Körting, 
Hannover, hergestellte Motor {Abbild. 4) besitzt acht 
unter einem Winkel von neunzig Grad gegeneinander 
gesetzt« Zylinder von je 116 mm Bohrung und 126 mm 
Hub. Er entwickelt bei etwa 1 400 Umdrehungen in 
der Minute 72 F-8. und verbraucht Iwi seiner Höchst- 
leistung ungt-fähr 21 kg Benzin und 1, 4 kg Schmieröl in 
der Stunde. Die Säugventile liegen oben in den auf 
die Zylinder aufgesetzten Kappen, die Auspuff ventile 
unten. Für die Zündung sind zwei Magnete vorgesehen, 
die je nach Bedarf umschichtig eingerüekt werden 
können, so daß Störungen durch Versagen der Zün- 
dung ausgeschlossen erscheinen. Dos Gewicht des be- 
tricl »fertigen Motors beträgt 200 kg, also etwa 3 kg 
für 1 P.S. 

Für die dritte Klasse von Motoren, die wegen ihres 
Eigengewichts hauptsächlich für den Antrieb von Flug- 
apparaten lienutzt werden, waren die Konstruktionen der 
französischen Fabrik Antoinette grundlegend. Durch die 
ungeahnte I^eiehtigkcit dieser Maschinen, die nicht mehr 
als 1„ bis 2 kg. für 1 P.S. wiegen, wurden die erfolgreichen 



ft. Flugiuotor mit rotierenden Zyl indem von Bucherar, 
Elberfeld. 


Flüge von Karman und Delagmnge im vergangenen Som- 
mer ermöglicht. 

Einen nach ähnlichen Grundsätzen gebauten Flug- 
inotor von Renault Freres , Hilluncourt , zeigt Abbil- 
dung 5. Zwei Reihen von je vier Zylindern sind schräg 
gegeneinander gestellt. Die Zylinder, di« je 90 mm Bohrung 
und 120 mm Hub halten, werden nieht durch Wasser, 
sondern durch einen Luftstrom gekühlt. l)ic Luft wird 
durch die Schraube* de* Fliegen* selbst und außerdem 
durch einen besondem Ventilator in ein die Zylinder um- 
gebende« Gehäuse gedrückt. Ähnlich nie bei den Motoren 
der Motorfahrräder sind die Zylinder zur Erreichung einer 
gröflern Oberfläche mit lx*son deren Kühlrippen versehen. 
Der Motor leistet ungefähr 42 P.S. und wiegt 130 kg, so 
daß etwa 3 kg auf die Pferdestärke kommen. 

Um die Erzeugung des bei Luftgekühlten Motoren 
nötigen künstlichen Luftzuges zu vermeiden , hat man 
mehrfach versucht, die Zylinder selbst umlaufen zu lassen. 
Man spart hierdurch auch das schwer« .Schwungrad und 
erreicht, daß der Motor außerordentlich ruhig und erschütte- 
rungsfrei läuft. Solche Motoren sind in letzter Zeit mehr- 
fach in Amerika, Frankreich und in Deutschland gebaut 
worden. 

Abbildung ft zeigt den Motor von Ilucherer, Ellierfeld. Bei 
ihm werden die Gase durch zwei incinandcrgelegtc Kohre 
zu- und abgeführt. Der Strom für die Zündung wird den 
rotierenden Zylindern dadurch zugelcitet. duß sic an der 
tiefsten Stelle jedesmal über eine Kontaktfläche gleiten. 
Di« wiederum mit Kühlrippen versehenen Zylinder erzeugen 
bei der schnellen Drehung einen sehr starken Luftzug zur 
Allkühlung. 

Wie leicht sich derartige Maschinen auabalaneicrrn 
lassen, zeigt Abbildung 7, die eine photographische Auf- 
nahme des Moto th bei voller Tourenzahl darstell L Außer 
den Zylindern, die natürlich sehr verschwommen er- 
scheinen, kann man es den anderen Teilen überhaupt 
nicht ansehen, daß der Motor während der Auf nähme ln 
Rewegnng war. 



7. Flugmvtur mit rotierenden Zylindern von Bucherer, 
Elberfeld, während des Laufe* aufgenommen. 


Au* dem kurzen Abriß über di« verschiedenen Kon- 
struktionen von Flugmotorcn erkennt man, wie die In- 
genieure überall eifrig an der Arbeit sind, um das Problem 
eine* sehr leichten und doch betricl»sicbrrn Motors zu 
lösen, l 'nd wenn ein solcher Motor einmal in vollendeter 
Weine konstruiert sein wird, so wird es auch dem Menschen 
möglich sein, die Luft in jeder Richtung und bei jedem 
Weiter zu durchqueren, und die Worte, die Schiller vor 
mehr als hundertzwanzig Jahren gesprochen hut, werden in 
Erfüllung gehen: 

,, 'Nicht mehr dai ror'ze Wesen, königlich, 

KJh (Mil, «iti (»oll rrl»-bt er sich. 

Hut rollt mit eiiwm Mal In sturmes »«Iiid 

Der Schwingen I*racht, »clneUi brausend hi in Hielt n. 

Und eb' der Itl ick ihm folgen kann, 
hnbs'hvE'bt er tu den blauen Höhen.' * 


Kill lifwer Rif'stMi-Ki'liwimm-DndikriiiL 

Wie’auf *o|niftncbcm nndt-m Gebärt d«r Technik hat die 
deutsche Maschinenindiistrie mich auf dem des Kranbaue* 
in der letzten Zeit außergewöhnliche Erfolge zu verzeich- 
nen: Erfolge, die zu der Behauptung lver.-«hrigi*n, daß der 
deutsche ( iroli- Kranbau dem anderer I iiduMtnestaateu ent- 
schieden überlegen sein muß, S4in*t würden eben Bestei hingen 
aus industriell so hochentwickelten Ländern wie England, 
Rußland, Ja|«n usw. nicht bei ihm eiulaufeu. Für «ine 
englische Werft, die der Firma llaArland and Wolf# Ltd. in 
Belfast, ist denn auch der durch beigegeben« Abbildung 
in Gegenüberstellung mit dein Brandenburger Tor in Berlin 
▼eranachau lichte Riesen -Schwimm -Drehkran bestimmt, 
dessen von der Benrather Maschinenfabrik- Aktiengc*ell.*chaft 
in Benrath gleichfalls ausgeführtes Duplikat »ich auf der 
Kaiserlich.rapanisrhen Staats werft zu Yokonuka unter Probe- 
lasten von 17f>, ja 200 t bereits bewährt hat. 

Sehlug der vor kurzem ebenfalls von einer deut- 
schen Maschinen bauanstalt für die »St. -Petersburger Staate- 
werft au-gcfiihrte Riesen- Schwimm- Dreh krau alle bis- 
herigen Rekord b hinsichtlich der Tragfähigkeit 260 t — 
so läßt nich dasselbe von dem hier dargcstelltea 
Kran hinsichtlich der konstruktiven Durehbildung be- 
haupten. 

Der Kran ist ein Meisterstück deutscher Eisen baukunst. 
Spinnenwebartig erhebt *irb bei ihm auf dem nur wenig über 
Wasser hervorragenden Ponton die als (»itterwerk durch- 
gebildete Kransäule, die dem Fachmann außerdem durch ihre 
ungewöhnlich geringe Breite am Fuße auffallt. Gerede 
darin liegt «ine Eigentümlichkeit der KontUruktion, und 
in ihr begründet sieh in der Hauptsache der Wert des 
so geschaffenen neuen Typs. Während nämlich die 
älteren gleichartigen Schwimm kröne am Fuße der Kran 
Ȋule stet* eine Drehscheibe von bedeutenden Ab- 
messungen erfordern, fällt diese hier weg. An ihre Stelle 
tritt eine auf dem Ponton befestigte, etwa 20 m hohe, 
vielseitige Pyramide, auf deren Spitze die eigentliche 
Tragkonstruktion de* Kraus ihren Holt findet, die, wie 
man sieht , die Säule selbst glockenartig umschließt. 
Durch diese Ausführung der Kransäule wurde es möglich, 
da* zur Bewegung de* tasthakens erforderliche, nebenbei 
bemerkt, elektrisch angrtrichcnc Windewerk, ebenso auch 
da* zur Ausbalancierung des Ausleger* bestimmte Gegen- 
gewicht von ziüummcn etwa 200 t dicht über dem Deck 
de* Pontons anzuordnen. Damit aber kam wiederum der 
Schwerpunkt der gesamten Konstruktion sehr tief zu 
liegen, und daraus wieder ergab sich der auffallend kleine 
Schwimmkörper. Der Ponton hat nämlich trotz der auf 
150 t festgesetzten normalen Tragfähigkeit des Krane* bei 
einer Breite vou 26 m nur «ine Lunge von 4?» m und einen 
mittlern Tiefgang von 2 m; er enthält im übrigen auf 
der der Kransäulr entgegengesetzten Seile das schon er- 
wähnte Gegengewicht und die Masehinenanlage. Kreter« 
wird durch einen Betonblock von entsprechendem Gewicht 


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Original from 

THE OHIO STATE UNIVERSITY 





9tr. 3420. 14. 3<muat 1909. 


Sllujtrirte 3 citun 3 


81 



Technische Literatur. 

IteHprwIii'a «du K. Wüte. L<-ipii|{. 

Hilfsbuch für den Luftachiff- und Flug- 
m aschinenbau von l>r. R. Wegncr v. Dallwitz, 
Physiker und Dipl.- Ing. V erlag von (\ J. K. Volckmuno 
Nachfolger (E. wette) in Roi-bH-k i. M. Preis 1 Mk. — 


gebildet, die Mn-cfiinenanlagc umfaßt alle für den Del rieb 
der Propeller und des. Windewcxkes erforderlichen Dampf- 
und elektrischen Maschinen und vermag im ganzen 30« P. S. 
zu entwickeln. 

Wohl als der stärkste aller bisher gebauten Kräne 
erweist sich der vorliegende hinsichtlieh des l^astnaomenta; 
gostutut sein Ausleger 
doch, und zwar nur in- 
folge der eigen art ige n A us- 
führung der Kransäule, 
eine Nutz belast ung mit 
15« I noch bei 30. 6 m 
Abstand des Angriffs- 
pan kies der Last von 
der Drehmitte. _ Ja, die 
vor der Überweisung des 
Kranes an die Bestel- 
lerin angeführten Probe- 
bclastungcn haben sogar 
den Beweis erbracht, daß 
selbst bei einer Belastung 
von 175 t der Kran noch 
alle Bewegungen ruhig 

und sicher austührt. Der 
an der Spitze des Aus- 
legers angeordnete Hilfs- 
h&kcn vermag Lasten von 
5« t zu tragen und ge- 
stattet eine Höchstaus- 
ladung von 43, s m, so 
d&fi der Kran <-in Arbeits- 
feld von 87 m Durchmesser 
bestreichen kann, ohne dal! 
der Ponton von der Stell« 
bewegt werden müßte. 

Als besonderer Vor- 
teil des neuen Krantyps, 
für den übrigens augen- 
blicklich auch die ersten 
deutschen Bestellungen 
vorliegen, ist schließlich 
noch die exzen trieebe 

Lagerung der Kratisaule 
anzugehen, wobei die Ab- 
stände so gewählt wur- 
den, daß dun Kranmittel 
vön drei Bordkanten des 
Pontons gleich weit ent- 
fernt ist. Für den Trans- 
port kleinerer Lasten vom 
Krane auf das auazu- 
rüstende Schiff , ohne jed( v 

K r&ltigen Auslegers, ist am Untergurte d 
ufkaUe von 5 % Tragkraft vorgesehen, 
linder geschützter Steg macht die Spitze 
aelbrt ün gekippten Zustande zugänglich 
Geländer sichert das auf dom Ponton etwa 


diese Fortschritte, die zum großen Teile ja au« rein theo- 
retischen Erwägungen resultieren, sich auch handgreiflich 
vor Augen zu führen: be-chrankten sieh doch selbst an- 
gesehene Fachzeitschriften einfach auf die Beschreibung der 
einzelnen Versuche und die Begutachtung des Im? treffenden 
Systems, ln dem vorliegenden Werk wird hihi erstmalig 
der Versuch gemacht, dem 
Problem allgemein wissen - 

schuft lieh zu Iadbe zu 

gehen; da aber dazu zu- 
nächst die Kenntnis der 
v < ~ | verschieden. n derzeit aus- 

genrobten Tvpen erforder- 
lieh ist, so I «schreibt der 
Verfasser im ersten Ab- 
schnitt zunächst diese, wo- 
I sei e r im t mrgcmöß z » i sehen 
Motorlialloni* und Flug- 
iiias«'hincn unterscheidet. 
1 m 7. w ei tcnTe ilebeschäf tigt 
er sich mit den Klemmten 
« der Luftfahrzeuge, wie den 

TreibHc.hraubcn, den Luft- 
schi ff motorvn und der Gas- 
versorgung sowie dem Bau- 
material. Der dritte Teil 
endlich ist der Berechnung 
der dynamischen Luft- 
wirkung auf die Arbeits- 
flächen der Luftfahrzeuge 
gewidmet , wobei sclbst- 
redend vor allem der Be- 
nvhuung des Wirkungs- 
grades, der Steuer llächen, 
Tnibschrauben u*w. ein 
weitcrKaum zu gewiesen ist. 
Kin Anhang behandelt die 
Mechanik einer allerdings 
schon ausgeführten, für die 
allgemeine Praxis aber 
" e hl wertlosen Konstruk- 
tion des Gleitbootes. 

Handbuch der Bau- 
koiistruktionslehrt: 
mit besonderer Be- 
rücksichtigung von 

Reparatur cn und l T m- 

bauten. 5. Auflage von 


neue Rienen-Schwimm -Drehkran der Benrather Maschinenfabrik- Aktiengesellschaft in Benrath 
Verhältnis zum Brandenburger Tor. 



liiErr^prrcK lawz, MAflNHErtö 

rfiiwtummrprs ku \n:r.frrES.?r-rrPFriiJi; i 

ffirSsff'imd %$&&&&& 
rfefwcTsrnpf 

rEhrrwrir, 
r-telfonSr 
t !Mtfe 

[ n-trntf /itrsfeniff afcnre* 

Syrern i 
JMKiT* | 

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82 


3 tlu|trirtc 3 *itung. 


5 Rr. 3420 . 14 . ^anuot 1909 . 


dadurch anerkannt. daß sic den Verfasser in verhältnismäßig 
kurzer Zeit zur Herausgabe der fünften Auflage zwangen. 
Deren Inhalt gliedert sirh in sechs 1 Inuptal>*< hnitte : 
MaurorkniistrukUoiieii , Ziinmervrkonatniktioncu , Türen-, 
Fenster- und Eiscnkonstruktioucn , Dachdirkungcn, An- 
striche, Reparaturen. I mhmit.ii und sonst ige Arbeiten. 
Jeder dieser Abschnitte hat auch in der vorliegenden Auf- 
lage eine Erweiterung, »ei cs durch Einfügung der einen 
oder andern Neukonstruktion oder eine* neuen Arbeits- 
verfahrens, sei es durch gründlichere Besprechung einer 
schon früher angeschnittenen Frage, erfahren. Pa hei 
wurde augenscheinlich noch besondere tlnrauf geachtet, 
daß nur wirklich verwendbare Konstruktionen und Arbeits- 
verfahren int Werke Aufnahme fanden. Wir dürfen also 
auch die neue Auflage als für den Praktiker unentbehr- 
lich bezeichnen. 

Geschiehtederlndustrieim märkischen Bauer- 
land. H er ausgegeben von der Handelskammer zu Hagen. 
Bearbeitet von Pr. Boye. Band 8: Kreis Iserlonn. 
Verlag von Otto Hammerschmidt, Hagen 1008. — War 
die Statistik ursprünglich eine nur trockene Wissenschaft, 
da sie sich lediglich auf die zahlenmäßige Festlegung w iri- 
sch Aft hoher Vorgänge beschränkte, so ist sie heute durch 
Verbindung mit der Volkswirtschaftslehre zur geschicht- 
lichen und damit allgemein interessanten geworden. Das 
beweist unter anderm der vorliegende dritte Rand der „Ge- 
schichte der Industrie im märkischen Bau er lande“. In 
diesem behandelt deT Verfasser speziell den Kreis Iserlohn; 
er verfolgt die ripuren der Orts- und Rezirksnameri, soweit 
das an Hand amtlicher Urkunden möglich ist, und berichtet 
über die Entstehung und die Entwicklung sowie über die 
Leistungen der in den einzelnen Bezirken und Orten an- 
sässigen Industrien. Weiter bringt der Verfasser die in 
den Bezirken maßgebenden Bestimmungen für die Meister-, 
Gesellen- sind Lchrling»erziehung. die Zünfte u. a. m. 

Elemente der physikalischen Chemie. Von 
Dr. Joh. Brodc. Verlag von Dr. Max Jünecke, Hannover. 
Preis i> Mk. ’JO Pf. (Band 30 der „Bibliothek der gesamten 
Technik“.) — Zu denjenigen ( Jebieten der Technik, auf denen 
ununterbrochen literari stehe Neuersehei nun gen zu verzeich- 
nen sind, gehört die Chemie. Und doch findet miin unter 
allen diesen Werken kaum eins, das seinen Platz nicht 
ausfüllt. Das gilt auch von dem vorliegenden Bändchen 
der bekannten Jäneckcschen Sammlung, da* in klarer Weise 
über die Grundgesetze der Chemie, die Lehre vom chemi- 
schen Gleichgewicht , die Reaktionsgeschwindigkeiten, die 
Lösungen sowie die elektrische Dissoziation . den Begriff 
chemische und elektrische Energie Auskunft gibt. Am 
Schlüsse sind dann auch die Elektronrntheorieunddie Radio- 
aktivität noch kurz erwähnt. Da» Bändchen erscheint uns 
besondere als Inforraationswerk für Elektriker und sonstige 
auf dem Gebiet« der physikalischen Chemie tätige Tech- 
niker geeignet. 

Joly, Technisches Auskunftsbuch für das 
Jahr 1900. Herausgegeben von Herbert Holz. Verlag 
von K. F. Koehler, Leipzig 190H. — {Schon die im 
Jahre 1-dP ft erschienene erste Auflage dieses besonder» für 


Praktiker Ixstimmten Werke» erregte allgemeines Aufsehen ; 
wich es» doch sowohl in der Anordnung als auch in der 
Behandlung de» Stoffe» wesentlich von den damals be- 
kannten Werken ab. l)ag Buch gehörte weder in die 
K&tcgorio der Kalender noch in die der Sammelwerke. 
Es war eine Art I^xikon der gesamten praktischen Technik; 
sein Inhalt erstreckte sieh in gleicher Weise über das Ge- 
biet der Architektur wie der Ingcnicnrwisecnschaftcn. 
Diesen Charakter hat das Werk bis heute treu gewahrt. 
Auch die vorliegende sechzehnte Auflage beantwortet kurz 
alle Fragen, die dem Techniker bei der Hureau&rbeit, auf 
Bauten oder im Betrielw täglich aufstoßen. Es ist da- 
neben aber auch ein Nach»chlagelmch für alle diejeni- 
gen. die sich für das Hau- und Ingenieurwesen inter- 
essieren. Ke enthält die wichtigsten Notizen, Regeln, 
Formeln und Tabellen aus der Theorie und Praxis der 
Technik, ferner die bezüglichen Gesetze und Verordnungen 
und endlich Preise sowie Bezugsquellen für technische 
Bedarfsartikel und Erzeugnisse. In einem Nachtrage sind 
die wichtigsten Tabellen und Regeln der Mathematik, wie 
z. B. Kreisumfangs- und Inhaltstafeln. IiOgarithracn, Um- 
rechnungstafeln, Lohntabellen, daneben aber auch die An- 
gaben iu>er Post- und Telcgraphcngebühren u»w. unter- 
gebracht. Ebenso sind einige Skizzen in das Werk ein- 
gestreut, Druck und Ausstattung machen diesen Band zu 
einem Schmuck jedes Arbeitstisches. 


Eine Polizeibrille. 

Die Pariser Polizei unternimmt gegenwärtig Versuche 
mit einer neuen Brille. Diese soll es dem Beamten mög- 
lich machen, nicht nur die Vorgänge vor »einem Gesichte 
schärfer zu beobachten, sondern er »öll auch alle» wahr- 
nehmen können, waa »ich hinter seinem Rücken ereignet. 



Zu diesem Zweck sind an den riehen dieser Heilsamen 
Brille kleine Konkavspiegel angebracht. Die Spiegel sind 
zuv erlässig und hindern den Brillenträger nicht, so daß man 
nach den ersten V ersuchen von »ehr günstigen Erfolgen 
sprechen kann. Der Erfinder der Polizeibrille ist der Kom- 
mandant riouic. 


Fchlands I ngenieur- Kniender 1900. Heraus- 
gegeben von Prof. Fr. Frey tag. Verlag von Julius 
ripringer in Berlin. Preis 3 Mk. — - „Fcbland“, „Stühlen“ und 


Sn.be bc-5 rebattionellen Xctls. 


„IThlaml“, das sind die drei technischen Kalender oder, 
richtiger gesagt, Handbücher, deren eins wenigstens der 
Techniker besitzen muß, um sowohl auf der Reise und 
Montage als auch im Bureau sicher und schnell arbeiten 
zu können. Mit Rücksicht darauf ist cs naturgemäß auch 
nicht zu verwundern, wenn jeder neue Jahrgang eine» 
solchen Buches Neues in weitem Umfange bringt. So ent- 
hält der vorliegende Fehlandsche Kalender in »einem ersten 
Teile unter anderm neue Tabellen über die Kaum- 
lieanspruchung, Leistung und angenäherten Gewichte von 
Leuchtgas- und Sauggasmotoren für Kraft- und Licht- 
erzeugung; ferner sehr ausführliche Angaben mit vor- 
züglichen Skizzen von Kreiselpumpen, Pulsometern und 
Injektoren, desgleichen auch von Sehleud ergebläsen. Ein 
ganz neues Gewand haben weiter auch die Abschnitt« 
Eiaenhüttenwesen und Eisengießerei erhalten, so daß sie 
bezüglich der Ausführlichkeit denen der besten Hütten 
kniender kaum mehr nnchstehen. Der zweite Teil bringt 
Angaben über Biegung«- und Diehu ngsfedem sowie die 
Festigkeit plattcnförmiger Körper und Gefäße, ferner über 
Kugellager, Krouzküpfc. g to p lbM wi und Dampfzylinder 
zugleich mit tadellosen Abbildungen. Von letzteren sollen 
hier nur die Lenz»che Stopfbüchse und die beiden Zy linder - 
skizzen erwähnt werden. Daß auch den nicht rein tech- 
nischen Abschnitten bei der Bearbeitung die erforderliche 
Sorgfalt gewidmet wurde, beweint der Abschnitt Patent- 
gesetz, der in solcher Vollständigkeit in keinem andern 
Kalender zu finden ist; enthält er doch sogar ein genaues 
Verzeichnis der Patentklagen. Aus alledem aber geht 
auf» deutlichste hervor, daß der bekannte Verfasser auch 
den neuen Jahrgang auf der Höhe zu halten suchte. 

Kalender für Eiacnbahutccliniker, begründet von 
E. Heu singer v. Waldegg. Neubearbeitet von A. W. 
Meyer, Hegiminga- und llaitrat in Allenstein. Sechsund- 
droißigstcr Jahrgang. Wiesbaden 1909, Verlag von J. F. Berg- 
mann. — Genau so unentbehrlich wie dem Masrhinontech- 
nikrr der „Uhland“ und der „rit üblen“, ist dem Eisenbahn- 
teehnikor der „Heusinger“. Daß sieh der Verfasser dmsen 
voll bewußt ist, beweist die neue Auflage. Auch hat er 
e» verstanden, den ritoff über die beiden Bändchen so 
zu verteilen, daß der erste alles dos enthält, was man 
auf der Strecke zur Hand haben muH, während der 
zweite für den ATbe-itstiseh Itcstimmt ist. Neu bearbeitet 
erscheinen die Abschnitte Gründungen und Eisenbahn- 
betrieb, und zwar letzterer unter Berücksichtigung der 
neuen Fahrdienst Vorschriften. Ferner wurde der Abschnitt 
Neben-, Lokal- und Kleinbahnen durch Aufnahme der 
neueren Anordnungen erweitert, desgleichen auch derderSig- 
nal - und riiehrrungsan lagen durch ausführlichere Bchandlu ng 
der elektrischen Stellwerke und endlich auch, der über 
Lokomoliv- und Wagenbau durch einen Abschnitt über 
Heißdampflokomotiven. Daß daneben auch die auf dem 
Gebiete des Weichen- und Kreuzungebaues, der Unter- 
haltung dr« OlxTbauoH und Tunnelbaues erschienenen 
Neukonstruktionen Beachtung fanden , erscheint ebenso 
selbstverständlich wie die Berücksichtigung aller Ver- 
änderungen im Ik-amtenpersonal-Verzeichnis, 


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Europäische Regententafel 1900. 



Anhalt. 

Barzeg friedlich II.. gcb. 19. Augta|f 1850; Regierung*, 
aniriii 24. Januar 1004 ; virmahlt 2 . Juli USO mitlDarl«. 
Pfiitze||in von Baden. geb. 26. Juli I SOS. 



Braunldtweig. 

Johann Albitdtl, Herzog zu mtifclrnburg. gib. 
$. DfzmibfT 1*57 : Regem dn Hirzogium* |iil 2*. m*i 
1007 ; QJItwcr |ait 10. 5»li 1001 von tlilabcth. VrinlfH.n 
von iad)|en>(Uttmar.€i|enaCb. 



flnechtnland. 

eto i g I.. K6 ni g drr helle nr n , gib. 24 . Dtztm brr 1145. cum 
KSnlg proklamier! 0. Juni, Rigieningumriit 31. Oktober 
1663 ; v.rmlhll 27.-15. «klobcr 1667 nnil Olao. flrohlür|lm 
von RupUnd, gib. 3. *eptember'22. Augujt 1*51. 



Ciechtenllein. 

Ifitjl Johann II. grb. 5. Okiobir 1*40; Rrgitrungi. 
aniHit 12. Houimbtt 1*56. 



Baden. 

flropherzog fntdrich II-. grb. 9. Juli 1657; Regierung», 
an irilt 26. September 1907 ; vermahlt 20. September 16*5 
mit Rllda, Rutiidlm von llallau. gib. 5. IWmber IfbJ 



Bulgarien. 

frrdinand I.. Rönia der Bulgarin, gab. 20. Iibruar IMI ; 
zum rrblidten Iür|nn von Bulgarien gewählt 7. Juli 
2$. Juni 16*7. zum Honig; proklamiert 5. Oktober 
22 . SepKmber 190t; < 2 ) vermählt 2t. fibruar 1006 nn 
Eleonore, Prlnzeirin Riufi J. £.. gcb. 22 . Jluftufi ItW 



Großbritannien und Irland. 

KJnifl fduard >11., Kai[er ton Indien. gab. 9. IJe- 
vimbtt 1641 ; tfiairrunsuniriri 22. Januar 10-01 ; vir- 
mSbll (0. Ifllrr lÜ6J mit Alexandra, Prinz(f|in von 
Dänemark, grb. I. Dezember 1444. 



Cipfte. 

Caopold IV.. 6. fiir|l zur Hippe, gib. 30. mal 1671 ; 
Rigiirungsarmiit alt Bratergeni 26. September 1004. 
all 5ür|t aul grund di? r rieh »g rrichil i<*>( n €ntf «hei düng 
vom 25. Oktober 1005; vermahlt 16. fluqu|t 1001 mit 
Bella, Prinzrllin von Rellin <Pbilipptihal Barthleldl, 
gab. 25. Oktober IS74. 



Bayern. 

Prinz Cuitpold oon Bayern. gab 12. mirx 1*21 ; dn 
RertigKiA» (Jerwt|er litt 10. Juni 1**6: ttlttwar |ati 
26. April 1*64 von Augulte, Erzherzogin von ö|trr. 
rrictvCe-tkana. 



DSnemark. 

Kirtiq friedlich VIII.. gib. 3. Juni 1643 ; Regierung», 
anrrin 20. Januar 1006; vttmihlt 2t. Juli 1660 mit 
toui|a, Prinzrllin von Schweden und von Rorwcgm. 
gcb. 31. Oktvbrr 1651, 



Beflen. 

«rohhmeg €m|i CuduHg, gab. 25. november 1*66; 
RegieruttgtanrrlM 13. märz 1*92; (2) v«wSMl2. febrtur 
106$ mit Eleonore. Prinzrllin zu Selmi.R«hcn|olm».ti<f>. 
gib. 17. »rplimbd 1471. 



ruxemburg. 

Hrohherzogin Itlaria Anna. Infantin von Portugal, grb. 
13. Juli ItOI ; Regentin lut den rtkranhian «robbenog 
EJIIhclm |ni 13. november 190* 



Belgien. 

rtopold II.. König dir Btlgiar. grb. 0. April 113$: 
Rtgitningsanlnii 10. Dazimbir 1*65; QJirwer (eil 
19. Srpictmbir 1902 von ITfatU Rrnrirnr, Erzherzogin 
von A|itrrcich. 



Deu liehet Reich und Preufien. 

Wilhelm II.. Diundtrr Kailrr. Itünig von Prruhan, 
gib. 27. Januar 1*59; Rrfliirungiaurriu 1$ Juni 1*8* ; 
vermählt 27. ftbruar 16*1 mit Augulte Uikloria. Prin. 
zt||in zu Schleswig. Bol[ttin. gab. 32. Oktober 165*. 



llalie n. 

KOnig Uiktor emanucl III.. gab. II. november 1669; 
Regierungijninti 20. Juli 1900; vermählt 24. Okrobef 
1*06 mit Reime. Prlnzellin von montrnigro. gab. 
6. Januar 1673 27. Dezember 1672. 



medclenburg-SchwcHn. 

Hrohbarzog friedlich franz IV.. gib. 9. April 1162; 
lolgit |ainr*n Uairr unlir Uoriitiii»d|chali du Ohtimi 
Herzog Johann Albrecht 10. April 1(47. Rrgierungiantnil 
9. April 1001 ; vermahlt 7. Juni 1404 mit Alexandra. 
Prinzrllin von «rojibrilonntn« und Irland. Herzogin zu 
Braunldjwiig und Cnnaburg, gtb. 24. Scpicntbrr 1*62. 



medtlenburg-Sirelih. 

«roHhtrzog Adolf friedlich. gib. 22. Juli 1648; 
Regierungianirtlt 30. IDai 1004; uirmahlt 
17. April 1677 mit £li|*betS. Prinzrllin von 
Anhalt, gcb. 7. September 1*5. . 


lUonaco. 

¥iii|t Albrrt, gib. 13. novimbtr 1*48; Aigia> 
rungsanirni 10. Sepiember 1**0; (2k ge|chte. 
dm 30. Mini 1902 von Aliie. vcrwiiuttiri 
fferzo^ in luJithilitM, gib. I)tini 


JUigitKed., 



fllöntenegro. 

1iit|l l)ikolauiI.,gib. 7. Oktober 2$.Sipifmbrr 
1*41: Rigtarttitgtamrill 25.13 Nugti|r 1*60. 
■virinibli *. Hc-vembar^J. Okiobti !*bO mit 
ttlilcna, (odtttr de» (Uojwodrn Pft<r *1 h*»o 
gib. 4. mat 22. Apttl 1847. 


nicdevlande. 

Königin' OMIbtlmina. gab. 31. Augu|t 16*0. 
lolgti ihram tlarii 23. Ilovitnbir 1600 ; cirnwhli 
7. lebruar 1041 mit Rcinridi. Knzog zu 
ITIidilmburg und Prinz drr DtcdcrlMid», gib. 

' I* wKymaT from 


Donvegen. 

König HaakonlVIl., gib 3. Augu|l 1872; 
zum König gi wählt IS (lovimber 140$; vir- 
tnihll 22. Juli 1606 mit dlaud. Print«||in 
von Hrohbriianniin und Irland, geb. 26. Qo- 
vembet 1669. 


Xi< SHultrirlo ;-IrititniT 0«r; _ 

rotTb tiantOtUdj ocrfolgt. '.'lila .{uTcnoun 4 ieii cabgütoitellnr fl« |mb 


■T lie mr «Itir-iuil»e aeUn.it ih. 
«iltion brr 9U)iItrirteii Leitung tu Vciptif 


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WH A-cnrt)tnif)ung bcr 'Uljou>iirapl)nd)cu <f»r fcll|d>ait in ®erlin. 

j ftoifex 2BiIl)dm II 'Jfadj einem ölgemälbe oon 9Irtf>ur ftampf. 


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3um fünfaigften ©eburtstage ftatfer 2BtlIjelms II. 


1 * it a fine boy?“ fo lauteten Die Schlußworte Des 
©lüdwunfcf)tetcgramius, Das in Den fpäten 92ad)* 
mittag jtunben Des 27. Januar 1859 Königin Biltoria 
oon (England an ihre Dodjter, Die ^Jrtnjeffin oon Breu&en, 
Raubte. Die Antwort auf Diefe frrage gab, ohne bas 
Delegramm ju ltnnen, bec alte ©rangel, ab er ben neu* 
gierigen Berlinern auf gut Deutlet) Die BMeilung machte; 
„Kinder, es ijt ein tüdjtiger Beirut.“ 

3wifd)en Drei unD oier Uf)r nachmittags hatten bie 
feit awei Dagen fonfignierten Batterien ber öauptftabt 
bie glürflidje ©eburt eines Bringen »erfändet;. am Abend 
<rfcf)a[lte in Den Con&oner Theatern bie Bationalh^mne 
juc Seiet Des großen (Ereigniffes im befreunbeten B«ußen* 
baufe, unb bie Berliner jagen in $eftftimmung burd) bie 
Strafen, um bie gläujeuö illuminierte tfjauptftaöt 311 
bewundern, 

Preußen oergaß für einen Augeublid alle Sorgen. 
Unb bod) war biefer 3anuar ooll böfer Ahnungen unb 
ruljelofer Befürchtungen. ©ohl feiten C)at (Europa an 
einem Siloefterabenb mit mehr ©tßtrauen unb weniger 
Hoffnung in eine treulos fcheinende 3ufunft gef eben als 
oae fünfzig fahren. Ofterreich machte feit 3 fl h rcs ^fl* ttn 
leife unb oor|id)tig mobil. (Ein Begiment nach bem anbem 
traf über ben Brenner ober ben Semmering in ber 2om* 
barbei ein. 3n frraniteich Ratten bie Druppcn SOlarfd)« 
befeßL i®ion h^rte koon ruffifchen Druppenbe wegungen, 
Da« fleine Königreich Sardinien bewilligte Büftuugs* 
Ireöite. Breußens König weilte unheilbar frant im SüDen; 
ber ^Jriujregtnt fd)roanlte, ob er gegen Sranfreid) unb 
Bußlanb Ofterreid) 3U §ilfe lommen follte ober nicht, 
Bod) waren bie Antipathien bes Jahres 1848 gegen ihn 
unb fein 3om gegen bie paar wirtlichen unb bie Dielen 
geiftigen Barrilaöcntämpfer nicht ganj eingefchiafen. 

Ss tarn ber berühmte Beujahrsempfang 1859, bei bem 
Napoleon ju bem ö|texrveic^i|d)en ©cfan&ten S r ^ r - o-Jr>übner 
bie ©orte jprach: „(Es tut mir leib, baß bie Bejahungen 
meiner ^Regierung 3U ber öfterrei<hifd)«n nicht fo gut find 
wie früher; aber ich b-itte, Sljrein Kaifer 3U fagen, baß 
meine p«rfQnlid)e ©efinnung für il)n fid) nidjt geänbert 
tjat.“ Diefe jwei Säße durchliefen in ©inbeseile (Europa. 
Alle Jfroubs ftünten. tfrantreid) oerlor, wie man be* 
hauptete, öaöurct) eine ©illiarbe unb geu>ann rin ge* 
flügeltes ©ort. 

Das war ber 3 Q,,uar 1859, in bem unftr Wat f er ge- 
boren würbe. 

(Ein halbes 3ahrhunbert 3ählt wenig im lieben Der 
Böller. Deutfchlanb aber hat in biefer Jcit SBanblungen 
burchgemacht wie feiten ein Soll oori)er. 3n Drei Kriegen 
flatterten unfew ftahnen fiegreid). (Eine 3nbuftrie ift 
entftanben, ein f>anbel emporgeblüht, ber unferen Won* 
Currenten auf bcni ©cltmarft ein geheimes ©rauen ein* 
flöht, llnfere Sprache fcßlögt in taufenb Schulen bes 
Auelanbe* Reine, ftiüe S^ladjten für unfere vorwärts* 
btäugenbe Kultur. 

Alle biefe- Kräfte waren auch früher latent Dorijanben. 
überlanger 3ahre oorbereitenber Gntwitflung uni riefen* 
hafter ßeiftung einer oollenbeten Staatsfunft beburfte es, 
bie gemeinfame politifche Arbeit fo oieler unb fo iwannig« 
facher Staat&tßrper 311 ermöglichen. 

Als ber jroölf jährige Brin.j 3BUh«irn am 16. 3uni 1871 
auf feinem rieinen Bf «röchen hinter bem laif etlichen ©tob* 
oatec burd) Das Brandenburger Dor in Die jubelnde $aupt* 
ftabt eittjog, war bas &eutjd)e Kaifertum ber Könige oon 
Breußen jwar oerfaflung&mäßig fchon begrünbet, aber 
gefchichtüdl ö«h «ft «in Serfpredjen für bie 3uhmft, an 
bas man freubig glaubte. Beilegte 3ntereffen uni ge* 
tdulcht« Ambitionen gingen im feftlichen 3 u bel unter; 
bo<h fi« waren uorhanben unb hörten nicht auf $u leben. 

Sieb3«ha 3a^r« fpöter beftieg unfer Äaifer ben Dhron. 
3n biefen fieb3Chn fahren l>atte bas beutfehe Bolt fid) 


an bas neue öaus gewöhnt, hatte es biefes grofec Sans 
fid)er unb wohnlich gefunben. Gs war barangegangert 
mit SHacht 311 arbeiten, Bon allen Seiten ftromten bie 
©fiter unb ©aben bes ^rieben« ins lianb. Auf allen 
Oseanen fchwammen bie GT3eugni|fe beutfehen 3rlelg.es 
unter fchwar3wei^xotcr flagge fremben ©eftaben ju. 
3 n biefes Blühen unb Bfadhfen unteres wirtjd)a?tlid)en 
Öebens hinein lam ber junge Waijcr. bi« 

grofee anaffe — unb ba& ift fidjerlich nicht fein geringftes 
Berbienft — hntte er bie ?lotroenbigfcit einer ftarfen 
Kriegsflotte 3U111 Schule unferes überfeeifchcn $anbels 
erfannt. Ol)n« Den Waifcr hätten wir Ijeute nicht bie 
jweitftärlfte Seerüftung in europdifchen ©etoäffem. Unb 
wenn ba& ö««r in bei Stunbe ber Oefahr bas Bertrauen 
rechtfertigt, bas wir aus oollcm öerjen h«0«n, fo wirb 
bie ©cfchidjte bem Kaifer bic Anerkennung nid)t oer* 
fagen lömicn, bag fein nimmemtübet Gif er biefe mächtige 
BJaffe fcharf erhalten hat. 

Des Waifere innere Struftur 3U febilbem, ift oft Der* 
fud>t worben. Bis jetjt faft nur mit geringem Grfolge. 
Allein bie (Ertreme oon Writif unb Berhcrrlidjung hob«rr 
fi«h an biefes B r0 ^ cm 9 CtD<:i öt- aber ift ftdyet: Der 

Äaifer ift eine B«fönlidjt«it. 9 iad) Bilbung unb Auf* 
faffung mobem Durch unb burd) unb bod) ooll eines 
tiefen, teligiöfen ©cfühles, aus bem ihm eine nie Der* 
fiegenbe Quelle oon Kraft imb Bftichlbewuhtfein ftrömt. 

9 hin lommen wir 311m ©eburtstage bes Waifers mit 
ber Gh««bietung, bie jebes politifd) reife Boll feinem 
Staatsoberhaupt entgegenbringt. BSir lommen mit ber 
üiebe uub bem BewuBtfcin tiefen 3ufö>utuenhanges, bie 
unfenn Bolle feinen dürften gegenüber angeboren finb. 
Bebenfcn unb 3 ^«if«l bleiben an fold)eu Dagen ju f>aufe. 
2Ber auf h&h« B 3 arte toeithinragenb jebe Stunbe feines 
Gebens im Sichte ber £ffcntlid)feit fteht, ift leicht 3U triti* 
fieren. B3*e wenige aber finb imftanbe, bie ungeheueren 
Sd)wierigtciten gu überblidcn unb 3U würbigen, bie eine 
SBeltlage wie bie jetjige, jeine Staatsorgan ijatton wie bie 
unferige unb fo3iale Scrhältniffe wie Die beutfehen bem 
ftcichsobcrhaupte bereiten. 

98 enn wir im 3 amiar 1909 außer bem fünf 3 igiäh« 0 «tt 
©eburtstag unferes Waifeis bas fed)3ig jährige 3ubiläum 
bes Beidjes feiern, wenigftens feiern follten, fo müffen 
wir uns bewußt fein, baß jeber fid) am innerften Gebens* 
intereffe ber gan3«n beutfehen "Jlation oerfünbigt, ber bie 
2Jiad)t bes Waifergebantcns ju fdjmächen unternimmt. 
SBieöcr wie dot fünf jig 3 ahren broßt ©cfahr. Die 3 e*t«n 
finb emft, nid)t weil wir uns fürchten müffen wie ju 
jener 3«it, fonbeni weil man uns fürchtet. 3«b« leife 
Begütig bes ^partifularismus, jebe (Erinnerung an bie alte 
3 erri|jenhcit erregt bie Schabenfreube bes Au&lanbes. Sinb 
wir uneinig, ober feheinen wir es 311 fein, fo ftärlcn wir 
bie 3 uo«rficbt Der j^einbe Im Qftcn unb im ÜBeftcn. 

Iteute gc3iemt es fid), baran 3U erinnern, baß Schöpfer 
bes Kaifergebanfens nid)t Die Dtjnaftie f)ohenjollcm, nid)t 
ber Staat B«ußen, fonbeni bas beutfehe Soll gewefen 
ift. SBilljelm I. wollte bie Kaiferftone nicht, bie ftriebrid) 
SBilhelm IV. im 3 at)rc 1849 ab3ulehnen leinen Augen* 
blid 3Ögerte. „Aber, mein teuerfter Sreunb,“ h^rie er an 
Bunfen gefd)rieben, „ba liegt Der §unb begraben, i<h will 
webet ber jürften 3 uf<*nimung noch bie Krone." ©er 
war es, ber fid) im offenen Parlament für ben preu&i» 
fd)en Grblaifer ausfprad)? CEs war ein Gübbeutfcher, ein 
SBürttembergcr, ber im 3 anuar 1849 in ber ft-ranffurter 
Baulsfirche jene berühmte Bebe hielt,, bie Saß für Saß 
noch heute ©eltung l)Ql: 

„ 2 Bir Schwaben", begann er, „hal)«n ben Orluch ber 
3 erftücfung unb Gdjmach Deutfchlcmbs fchwerer getragen 
als irgenb ein anbetes Bolf. ©enn heute bic 5ran3ofcn 
über ben Oberrhein fominen, fo haben wir nur bie Stahl, 
uns aller Drangfal bes Krieges hin3ugcben ober ob wir 


Berräter werben follen am öeutfehen. BoH. Sie, meine 
Herren, tönnen unfere Sache fdt)ied)t machen, eins aber 
fönnen Sie nicht. Sie finb nicht imftanbe, il)m irgenb 
etwas entgegcnjuftellen, was bem Auslanb unb Dem Bplfe 
gegenüber einen großem ©rab oon Berftdn blid) feit unb 
£ebensfdhi0l«it hat." 

Diefes (Etwas war bie Übertragung ber Haiferwürbe 
an ben König oon Braßen. n) ÖS beutle Kaifertum 
n>ar oiele, »lange 3ahce ber Draum bes beutfehen Bolles 
gewefen. Des Bolfes, nicht ber 3-ürften ober eines 3rürften. 
Daß biefer Draum uor fechjig 3ah«« einigen f>öf«n f 0 . 
gar Schrecfeit eingeflößt hatte, wer weiß es nod), unb wer 
will es noch wiffen? ©er aber noch baran benft, bem 
gelten biei©ortc Ondens: „<für ben preußifchen Ctblaifcr 
fpricht eine Dat|ad)e, gegen bie es feinen BJibcrfprud) 
gibt. Die Anmöglid)leit aller ©egenoorfcEjlägc. Bei ben 
Alachtmitteln Des preußifchen Staates war König ©ilbelm 
oon Breußen heimlicher Kaifer oon Deutfchlanb auch ohne 
ben Splegclfaal oon BerfaiUes oon bem Augen blid an, 
wo Äöniggrätj gefchlagen war." 

fo bie Botwenbigfeit gefeßieht liehet Gntwidlung 
über unfenn Baterlanbe gewaltet, ift Dem beutfehen Bolle 
ber Bußen unb Segen einer ftarfen Äaifcrgewalt immer 
Rarer juin Bewußtfein gelommen, fo freuen wir uns bod) 
jeben SDefen&juges, ber ben Dxägcxlöer Krone bem 
ber Bation näher bringt. Unb foMjcr 3öge gibt es oiele. 

Dem giftorilex, ber cinft beinerftc: 3r«Qnf7eich fei eine 
Bepublil, ber es gerabc leib er an ber fjauptfadje fehle, 
an Bepublifanem, bürfen wir gegcnüberftclten: Deutfd)* 
lanb ift eine 9Bonard)ie ( Die jur unenDlich überwiegenben 
9Jlehrt)eit aus überjeugten 'Dlonarchiften bcftcht. Aus 
fleißigen, ehrlid)cn, tüchtigen SWannem, bic bem ftaifer 
für feinen unermüdlich guten ©illen, für feine fraftlofc 
Arbeit bauten, bic ohne fiartc Kuifcrgewalt fid) bie 3u* 
tunft, bie große 3u!unft unferes Bolfes nicht beuten tönnen. 

An einem Ordjlcr [litten bie frranffurter oor fed^ig 
3ahren. Sie wollten bas Kaifertum 311 einer ©acht ge» 
ftaiten, „bie wir haDcn, bic uns nicht b<*t" — mie fic fagteu. 
Diefem 3rrtum Dürfen wir nidjt noch einmal in unferer 
©ef<hi<hi« »crfaUen. 3wifd)«n Kaifer unD Bolf Darf es 
leine Bioalität um bie Biad)t geben, ©er immer auch 
in folchern Kampfe fiegen möchte, der hat nur Die fydlfte 
ber ©acht, bas aber wäre ©ad)tlofigteit. ©ic fügte oor 
einem t)“lbeu 3 ä b tf l) un ö«ri ftembet Blonard) im oer* 
trauten ©efpräd) ju Koffuth? „Deux Allemagues meinet, 
wegen, aber ein Deutfchlanb fann mir nicht paffen.“ 

Gs gibt Böller, in benen fid) bie Monarchie nur als 
ein Ornament Der Berfaffung erhalten ßat wie in (EnglanD. 
„©eben Sie uns euglifdjc ©ottesfurdjt unb cnQlifd)c 
Achtung oor bem ©efeß, bie gefamte cnglifche Berfaffung, 
aber auch Di« gefamten Berhdltniffc bes englifd)cn ©runb* 
befißes, englifd)<n Beidjtum, englifd)en ©emeinfinn, be* 
fonbers aber ein englifches XInteti) <1U6 i lurj alles, was wir 
nicht haben, bann will ich auch fagen. Sie tönnen uns 
nach engltfcher ©eife regieren", fo fprad) cinft ein junger 
märtifchcr Sanbtagsabgeorbneter, ber fpäter berühmt würbe 
unb BUmard hi«b- Anberen Böllern wieder warb Der 
Parlamentarismus 3um Serberben. Ans Deutfd)en ruft 
jeDenfalls ber 27. 3anuar ins ©ebdd)tnis, baß Kaifer unb 
Soll jufammengehören, baß einer bes anbem ©acht unb 
Größe bebingt. 3n Deutfchlanb h errefetje nur ein Abfolu* 
tismus, bas ©öl)l Des BaterlünDes, bem Kaifer unb Soll 
mit gleicher Dreue unb Eingebung bienen. 

So grüßen bie Deutfchen ihren Kaifer, ben fünfjig 
inhaltrcidje 3ahf« auf bie ööh« Der fiebensreife geführt 
haben, in ber ^uoerfichttichen ttberjeugung, baß hinaus 
über alle oerfaffungsrechtli^en formen, fo unumgänglich 
fie fein mögen, ©hrerbietung unb fiieb« 30m Träger ber 
Krone als ein g«fd)id)tliche& Öebensgefeß ber Bation in 
ihrem ö«3en tiefgegrünbet find. 


Die beutfehe Sojiatpolitit in ben letjten 
jroänäig Sauren. 

B011 ^IrAjfbent 1 >t. Jt. mi ^tr Berlin. 

te IhronreDe 00m 22. Booember 1888 erflärte es 
als ein „teures Bermäd)tnis" bes erften Deutfchen 
Kaifers, „bie oon ißm begonnene fö3ialpölittf<h« ®«f«ß* 
gebung fortjuführen“. ©ic emft bas gemeint war, jeigte 
fid) fofotl, unb bie gan.v? Dish«^ Begienmg&3eit bes 
jeßigen Kaifers ift bem Programm Der Vfrortfübmna Der 
So.iialpolitit treu geblieben. Der nachfolgende Iur3e ubeo* 
blid foll bas unferec fo fchneil unb fo lcid)t oergeffenben 
3eit ine ©ebäcötnis jurüdrufeu. 

Bon ben Dre* großen Gebieten ber 3 l *> Q,1 ft 6a,: Deiter* 
oerfieherung , bie in ber faiferlicßen Botfd)aft ooni 
17. Booember 1881 als erforderlich bejcidjnet waren, 
batten bie Kranten* unb bie llnfalloerficherung ihre erft* 
malige gefeßliche Begelung bereits oor 1888 gefunöen. 
3ür bas Dritte ©lieb, bie 3m>aliÖitäts. unb Altersocr- 
oetficheniug, lagen erft oorbercitcnbe Arbeiten oor. Am 
22. Booember 1888 würbe Dem Beid)stag ein endgültiger 
(Entwurf oorgelegt. Ans ihm ging bas ©tffeß oom 
22. 3uni 1889 h«r»or. ©it feinem 3nlrafttreten — 
1. 3cmuar 1891 — war bas große ©erl ber beutfehen 
Arbeiteruerjuherung in einer ftomi wirffam geworben, 
Die gegenüber Dem frühem 3 u flanb einen großen 3’*'*** 
fdjritt bebeutete, aber naturgemäß noch ©ängcl uitö 
Xiüden aufwies. Gic 3U befeitigen, Den Kreis ber 
B«rfid)cruna*pilid)tigen ausjubehnen, bie öeiftungen ber 


Berfidjerung bem Bebürfniffe beffer anjupaffen, bie 
notwendige BerbinDung jwifdjen ben örei Berfidjerungs- 
gebieten 3U ftchem, Die Crganifation leiftungsföhiö«^ unb 
fräftiger gu geftalten, bas war bie Aufgabe ber feit 1892 
Durchflcführtcn ©efeßgebung jur Bcform ber Arbeiter* 
oerficherung. 3“ r *Dte Kranfcnoerfid)crung waren bie 
©efetje oom 10. April 1892, 30. 3uni 1900 unb 25. ©ai 
1903, für bie Uitfalloerfidjcrung bie umfangreichen ©efeße 
oom 30. 3uni 1900, für bic Dnoalibenoerfidjerung Das 
®efeh oom 13. 3uli 1899 entfd)eibenD. Daneben war es noch 
möglich gewefen. Die Beamtem« nfallfürf orge burd) ©efehoom 
15. ©ärj 1886 ,ju begründen unb durch ©efeß oom 18. 3uni 
1901 3« ergänzen unb 311 erweitern unb aud) bie Gefangenen» 
unfallfürforge Durch Cbefeß oom 30. 3uni 1900 3U fchaffen 
fowic bie Der gliebftaatlid)cn ©efeßgebung unb Berwaltung 
hierbei 3nfallenöen Aufgaben ,ju oerwirRichen. 

Die bisher ausgebauten 3n*ige der Arbeiteroerftche* 
rang (ohne Knappfd)aftslaffen) hüben feit ihrem ©irffam- 
werben bis Gnbe 1907 anGntfchäbigungslcijtungen gewährt 
in Dev Krauten oerficherung 2997 ©ill. ^f, in ber Unfall» 
oerficherung 1486 ©ill. Jt, in ber Onoaliöcn* unb Atters* 
oerficherung (cinfchUeßlid) Beitragserftattungen, ^ciloerfah-- 
ren, 3nbalibenl)auspflege, 9lebenlciftungcn) 1501 3JitU. Jt, 
jufammen 5984 Still. Jt, alfo annähernd 6 ©illiarben Jt. 

Die Arbcitcn)erfict)crunflc.gefcßgebung ift für den Berg» 
bau noch burd) bas preußifd)C ©efeß oom 19. 3uni 1906 er* 
gänjt. Das ©efeß paßt bie lanbesr«h<lid)cu Borfdjriften 
über Die Kraulen- unD penfionsfaffenleiftungen ber Knapp* 
fehaftsfaffen bem heutigen Gtafibc Der Bcfdisgefehc über 
bie Aibcttertwtfid)emng au und beledigt außerdem uev» 
fd)icDcnr 'Dläugcl, bic im Knappfd)aftsfaffenwefcn 3 u tage 


getreten waren. Durch Die Knappfd)aftstaffen wirb Dte 
angegebene Summe ber Gntfd)äbigungsleiftungcn nod) um 
mehrere hundert ©illionen ©art gefteigert. 

Die ©Urnen* unb ©aifenoerficherung , bie als uierter 
großer 3®eiß Der beutfehen Arbeiterücrfidjerung fchon 
geraume 3«‘l angeftrebt wirb, ift nad) nicht allgemein 
oerwirflicht. Bur im Bergbau ift oon ben Knappfd)aft&« 
taffen unD im Gcemannsberufe oon Der am 1. Januar 1907 
ins fieben getretenen „3noaliben*, ©itwen* unb ©aifen* 
taffe ber Gecberufsgenoffenfchaft" eine allgemeine 9Bitwen> 
unb©atfcn»3wang5r>erfichcnmg Durctjge fuhrt. 3m übrigen 
tommt bie begehende Arb«iteroerfid)erung nur einem Deile 
Der Arbeit erhinterbliebenen ju §ilfc. BorbereitenDe ©aß. 
nahmen für eine umfaffenbe ©itwen« unD ©aifenoer* 
flchcrung finb bereits erfolgt. Das 3<dÜonfgefr%. uom 
25. Dejember 1902 fieht Die ffierwenbung eines Deiles 
bes 3oUertrags aus gewiffen ©aren für biefe Ber» 
Sicherung oor, unb bie Berufs3ähluitg oom 12. 3uni 1907 
foll unter anberm auch Unterlagen für bie erforderlichen 
oerficherung stechnifd)en Berechnungen fchaffen. ©öglid)«r» 
weife wirb es 3ugleid) mit ber (Einfügung ber ©itwen» 
unb 3Baifeiiucrfid)eruiig gelingen, ©efeßgebung unb Organi» 
fation ber aefamteit Arbeiteroerfichening auf eine einheit» 
liehe ©runblage ,ju ftellen. Borarbeiten baju finb im ©erfc. 

Die h* ut ’0* Atbeiteroerfid)erung bedi die folgen 
ber Arbcitslofigfeit, Die auf Arbcits» oder (Erwerbs» 
unfähiflfett burd) Kranlheit, Unfall ober fonftige 3n= 
oalibität ober burd) Alter beruht. Auf Arbeitslofigleit 
aus anbcrcu Urfadjcn nehmen außerdem bie Kraulen* und 
bie Unfalluerfid)orung eine gewiffe Bücfficht. Berfonen, 
bic wegen Grwcrbslofigleit aus ber Krantcnoerfichcrun^ 


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Äaiferin Slugujt« Stftorto. 9todj einem fßaftell oon SXIfrcb Sdjroarj. 


ausfd) eiben, ocrblcibt untet beftimmten ©orausfehungen ber 
Slnfprurf) auf 61e gefetjltcf)en fDlinbeftleiftungen bei ftrant* 
Ijeitcn ((rntbinbungen unb Sterbefällen), Me währenb bet 
Groerbslofigfeit unb innerhalb ber erften Drei 2Bod)en 
nach bem ■SJLusfcfjeiDert eintxeten. $te Unfall* 2 ellrente 
iann auf bie ©öllrente erhöbt »erben, folange ber Oer* 
litte aus Slnlafj bea Unfalls tatsächlich unb unoerfchulbet 
arbeitslos ift. Eine wirtlich« Wrbeüalpfenperjid)e*ung Ijat 
aber bial)er burcf) bie ©efetzgebung nicht gefebaffen werben 
tönnen. Gin für grofce Staaten fjier^u gangbarer 2öeg 
bat fld> nod) ntd)t auffinben lajfen. (fttcid)tvöbl ift man 
an ber ftrage nidjt oorübergegangen. Durd) bic Gablungen 
i'orn 14. 3u«i unb 2. Xejcmbcr 1895 tourbc ber tatfAd)* 
liebe Umfang ber 9lrbelt&lo|lflteit feftgeftetlt. 3al)lrelct)e 
'»'lufnabmeu für engere Gebiete, namentlich von Stabt* 
gemeinden oeranftaitet, unb regelmäßige Ermittlungen im 
„9tei^bsarbeiteb^att‘ , haben Ergänzungen jener Zahlungen 
berbeigefübrt. 3nfolge einer 9ictd)6tag&refolutioH oom 


31. 3anuat 1902 unb eines Bunbesratsbefdhluffes oom 
30. Dttober 1902 bat bas Äaiferlicbe Stattftifcbe ®mt 


1906 eine brtitonbige $en!fcbrlft ,,$ie beftehenben CHn* 
riebtungen jur fBerfidjerung geaen bie folgen ber Slrbetts* 
toflgfeit", Dcrflffenüldjt, bie etnen oouen Überbtid über 
bas «(amte ©attrlal bietet. $ur<b bas „fRetdjsarbtita* 
blatt* wirb bie fiage bes ürbeitsmarfteB üoerbiee ftänbig 
tlargefteHt, fo bafe bie etwa möglichen Bortebntngen gegen 
brohenbe SRotftänbe rechtzeitig eingeleitet werben fflnnen. 
$abel haben fid) SJtelch unb Staat berart betätigt, bafj fie 
U)re Aufträge An bie 3rtbuftrle in föld)en 3elten nid)t 
verringern, fonbem eher noch fteigem, bafc fie ihre eignen 
Betriebe twniWbft nicijt e Inf d)r Auren, bafe fie begonnene 
2lrbeiten mögltchft ln oerftärftem ®tafte fort führen, unb 
bah fi< 3 U cntfprcchcnöcm Borgehen auch bie ftommunal* 
omoaltungen anzuregen fudjen, wie es neuerblngs toieber 
burch öen Grlafc bes preufjifchen öanbelsminiftere unb bes 
'JUliitifters bes 3nnern opm 12. 9Jooember 1908 gefd)eb«n ift. 


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(Bleich jeitig ^abert ® rbe itsoermi ttlung unb Ärbeits- 
nachttxia befonbere Beachtung gefunben. Xas prloate 
SteUenpermittlerge werbe ift burch ote iHooelle oom 30. Juni 
lÖOOjut ©eraerbeorbuung unter oerfchärfte Beftimmungen 
gef teilt, um 2Jlt&btäu(hen entgegen jutreten, uttb auf biefet 
ffirunilaae finb — tote in attbeten beutfehen Staaten — 
in ffireugen 1901 oom fcanbelsmtnifter noch befonbeTe 
Borfchriftcn ergangen, ©egen ber Stcllenocrmittlung für 
Sehlffsleute bat bas fReidjsgefeh oom 2. ?uni 1902 ben 
hier befonbers fcharf zutage getretenen OTigftAnben einen 
'.Riegel oörgefdjöben, unb in Shisfübrung bes (frefehea hat 
ber prcufcilcbe f»anbelsminilter am 6. 9J?ärz 1903 Bor« 
|d)riftm über Buchführung unb flberwachuna entfprechenber 
Betriebe crlaffen. Xie ®usbilbuug ber ®rbcitsnad)TOei|e 
ift ben prioaten 'ßerbänben unb ben Äommunalorganen 
überlaffen. Wber bie t>an Stuttgart aus 1894 gegebene 
Anregung zur Bilbung ftäbtijcher SlrfceitsnadjiDeisämtcr 
fanb wie bei ben fübbeutfd)eti ^Regierungen auch bei ber 


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3üuftrfrte 3eitung. 


Sfa 3421. 21. 3anuot 1909. 


»reußifdjen Regierung fofort AnHang unb fjörberung. 
Beifügungen ber 3 uftänbigen Brinifterien »om September 
1694, SRära 1896, Ro»em.ber 1902 betonten bie Bebeutung 
unb Rotroenbigleit ftäbtifcher Arbeit snaeßroeije, unb biefe 
wiebcrholtcn Anregungen haben eine erfreuliche ßermeh- 
tung bet ftäbtifdjen obet »on Stäbten unterftüßten Arbeits- 
uod) weife aur Srolge gehabt. Aber bte Dätigfeit ber oer- 
Jdjicbenen jjonneu ber «rbeitsnccßTOeifc bringt bas „Reid)s* 
arbeitsblatt" auf ©runb befonberer Bereinbarungen mit 
ben beteiligten Stetten regelmäßige flberfid)ten. Der Aus- 
bau ber Arbcitsnadjroeife »erbient bie beßöTblidje gförberung 
aud) unter bem ©efidjtspuntte, Daß ber ©egenjtanb einer 
etwaigen Arbeitslofenoerfichenittg baburd) eingeengt unb 
bie Durchführung einer folcßen Berficßerung erleichtert wirb. 

3 n Seiten gef teige rter Arbeit slofigleit gewinnen bie 
Akmberarbeitsftätteu befonbere Bebeutung, worauf ber 
Erlaß bes preußifeßen £anbelsminifter$ unb bes ©rinifters 
bes Snnent vom 12. Rooember 1908 mit Red)t ßinroeift. 
Sie nerf chaffen mitteflofen, arbeitsfähigen SRännern, bie 
außerhalb ihres SBoßnorts Arbeit fuchen, Befdjäftigung 
unb gemähte ißnen oorübergeßenb gegen Arbeit Stiftung 
ftoft unb Obbach. 3n Preußen ift 3 iir Orörberung 
ber Sache am 29. 3unt 1907 ein bejonbores Rkmber- 
arbeitsftättengefeß ergangen. $ienmd) tonnen burd) Be- 
fdßtuß bes «prooirt 3 iätlanbtag 5 fianb- unb Stab tf reife gur 
Errichtung oon ASanberarbeitsftätten ober 311 Äoften- 
bei trägen bafür oerpflidjtet werben. 3 »ci drittel ber 
Aoften ber SBanberarbeitsftätten finb ben ftreifen oon 
ben ©tooinjen 3 U erftatten. Über Einrichtung, Unter' 
halhmg unb ©erwaltuna 6 er SBanberarbcitsftätten erläßt 
ber ©rooiu 3 iallanbtag eine Orbnung. 

Die Arbeiter» erfidjening ift ihrer Statur nad> auf bic 
©efaßrenoerßütung angewiefen. tiefer Aufgabe ift [tets 
befonbere Aufmerffamfrit geroibmet worben, Das Reichs* 
cerficßenmgsaint errichtete bereits 18*7 eine Sammlung 
für ilufalloerhütung unb arbeitete 1890 eine Denffcßrift 
über bie Begrünbung eines Arbeiterfcßuß* unb 9BoßlfaI)ris* 
mufeums ans. 3m Etat für 1900 mürben SJrittel 3 ur 
Begrünbung einer Stänbigen Ausheilung für Arbeiter* 
Wohlfahrt unb gur Errichtung eines ©ebäubes bafür aus* 
gebracht. Am 18. 9Rai 1903 mürbe bie Stänbige Aus« 
Stellung eröffnet. 

Der ©flege bes ArbeiterJdjutjes mürbe bamit IBorfcßub 
.geleiftet. Seine befonbere Ausbtlbung mar non oomberein 
ins Auge gefaxt worben. Schon in bem Etlaffe oom 
4. Qrebruar 1890 trat ftaifer AJithetm entfdjieben bafür ein, 
bie „Borfcßrifteti ber ffiewerbeorbnung über bie Betßältuiffe 
ber (Jabrif arbeiter einer ©rüfung 3 U unterziehen, um ben 
auf biefetn ffiebiete laut geworbenen Alagen unbSBünfcßeu, 
foweit fie begrünbet finb, gerecht 311 werben". Auf Sin» 
regung bes Aaifers fanb eine internationale Arbeiterfdjuß* 
tonferenj »om 15. bis jum 29. ©lärj 1890 in ©erlin unter 
Beteiligung »on fünfzehn Staaten ftatt. Die oon ihr 
aufaefteltten ffirunbfäße follten bas SHinbeftmafj beffen 
barftetlen, was in ben Aulturftaaten auf bem ©ebiete bes 
Arbeiterfcßußes 3 U leiften war. Um bie ©eftimmutigen 
ber bamaligen beutfehen ©ewerbeorbnung biefem SJlinbeft* 
maß anjupaffen, mürbe fdjon im 3Jlai 1*90 bem Reichstag 
ein ffiejeßentrourf oorgelegt. ©us ihm ging bas Arbeiter* 
fchuhgefeh oom 1. 3uni 1891 (©ooelle 3 ur ©ewerbeorbnung) 
hersor. £>ier würben bie ^rörbetungen ber 9Irbeiterf<hu|- 
tonferenj oerwirtlicht, in be 3 ug auf ©usfchliehung ber 
Ainbexorbeit aus ben Qfabrifen noef) überholt. ®as O&efe^ 
brachte ber ©xbeiterfchaft namentlich bie Sonntagsruhe, 
bas ©trbot ber ©efchäftigung oon Ainbem unter bre^hn 
fahren in fjobrifen. ferner bie ©efchränhing ber täglichen 
Wrbeitsärit ber Ainber oon breüefjn unb oier 3 ehn 3ah«n 
auf fechs Stunben, ber jugenblidjen Arbeiter oon mehr als 
oieraehn bis fectj 3 ehn 3ahren auf jetjn Stunben unb ber 
enoachfenen weiblichen Arbeiter auf elf Stunben, bas 
©erbot ber ©adjtarbeit für weibliche, unb lugenbliche 
Slrbeiter unb für Ainber, eine beffere Regelung ber ©aufen, 
ben 3 wang 311 m Erlaffe oon tHrbeitsorbnungen in gröberen 
©etrieben, bie fchärfere Betonung ber ©flicht bes unter» 
nehmers jum Sdhu^e oon Geben, ©e|unbf) c ii un b Sittlichleit 
ber fHrbeiter, bie Befugnis bes ffiunbesrats ju weiterer 
©efchräntung ober jum ©erböte ber ©cfd)äftigung roeib« 
lieber unb (ugenblicher ©erfonen in befonbers gefunbheits* 
ober fittengerährlichen ©etrieben unb gur ©egrenjung ber 
täglichen Olrbeitajeit exwad)fener mamtlid}er Ülrbeiter in 
©emerben, in benen burrf) lange tägliche 2 lrbeits 3 cit bie 
©efunbhei* her Arbeiter gefä^bet rotrb ufw. ®urch baa 
©efeh nom 30. 3unt 1900 würben noch ©eftimmungen 
hinjugefügt wegen ber Einführung oon Cohnjahlungs- 
büchem für minberjährige ßfabrilarbeiter unb wegen ber 
©efugnis bes ©unbesrats, in beftimmten ©ewerben £ohn* 
büdher unb 9 lrbeits 3 ettel oorAufchreiben. 3m 3nter«ffe ber 
©cfunbheitsfürforgc mürbe burch befonberes ©eichsgefeh 
oom 10. ©fai 1903 bie ©erwenbung weihen ober gelben 
©hosphors jur ^erftellung oon 3 ünbhöl 3 em unb 
waren oerboten. 

9luf ben pteufcifchen ©ergbau mürben bie ©runbfätje 
bes Ülrbeiterfchußgefe^cs burch ®<feh Dom 24. 3uni 1892 
übertragen uüb burd) ©efch oom 14. 3uli 1905 besüglich 
bes ©ullens ber ©Sagen unb einiger anberer ©unltc ergän 3 t. 

Den ©orfchriften ber ©ewerbeorbnung finb nach 
©efe^e oom 15. 1895 aud) bie Schiff smannf (haften 

im Sinnenfchiffahrtsgewerbc unb bie (Jlofemannf (haften 
untcrjteltt, ipährenb bie SR«d)tsDerhältnijfc ber Seefchiffs* 
mannfd)aften burch bie Seemannsorbnung oom -2. 3«tii 
1902 oon neuem georbnet finb. 

«uf Seranlaffuna ber feit 1901 tätigen „3ntematio- 
nalen ©ereinigung für gefehlichen 2 lrbeitcrfd)ut}“ — bas 
oon ihr als 3cntral[tellc gef^affene Ontexnationafe ©tbeits« 
amt 3 U ©öfcl erhält oom 9tetd)e regelmäßige ©eiträge — 
hat bte Schroeij am 30. De 3 cmber 1904 3 U einer neuen 
3utemationalen ®rbeiterfd)ut}ronferen 3 nach ein» 

geloben. Die Aonferen 3 tagte oom 8 . bis jum 16. ©lai 1905 
unter Beteiligung oon fünfjehn Staaten unb fteiite ©runb* 
jüge 3 U internationalen ©btommen über bas ©erbot ber 
©erwenbung weißen (gelben) ©h os Ph ors ’ n bet 3 ünbhoi, 3 * 
inbuftrie unb über bas ©erbot ber inbujtriellen 9lad)U 
Arbeit ber Jrauen feft. Aber beibe ©unltc finb 1906 
unter Beteiligung Deutfchlonbs internationale Slbfommen 
gcfchlojfcn worben. Der erftc ©unft war, wie er* 
u>äh M *r fd)ott oorher in Deutfchlanb geregelt. 3 ' ut Durch« 
.führung bes srociten ©unftco nnb jut ^crbeifühmng ' 


fonftigex Berbefferungen bes ©rbeitcrfchuhes ift am 
16. De 3 ember 1907 bem Reichstag ein ©ofetjentrouTf uor» 
gelegt worben, aus bem ber auf weibliche unb jugenblidje 
Arbeiter be 3 ügliche Deil als ©efeß oom 28. Dezember 1908 
bereits ergangen ift. Das ©efeß bringt für bie Betriebe, 
bie in ber Regel minbefteus 3 el)n Arbeiter befchäftigen, 
oor allem bie rlusbeljnung bes ©erbot» ber 9iad>tarbeit 
weiblich er unb jugenblidjer ©rbeiter auf bie 3 eÜ *>°n acht 
Uhr abenbs bis fechs Uhr morgens, bie ©efehränfuug ber 
auläffigen täglichen Befdjäftigung oon tlrbeite rinnen auf 
bie bei jungen Eeuten f©on beftef)enbe $>öd>ftbauer oon 
aehn Stunben, für beibe ©ruppen bie Sicherung einer 
baran anfd)Ue|enben ununterbrochenen Sluhejeit oon elf 
Stunben, ferner bas Befchäftigungsoerbot für roeibliche ©r» 
beitex oox unb nach her Entbinbung auf ooüe ««htSöochen. 
Der noch nicht exleöigte Deil bes Regierungsentwurfs ent* 
hält Dlrbeiterfchuftbeftimmungen für bie ^ausarbeiter; be* 
süglich bes Wrbefterfchuhes in ber 3 i 0 a^en*^>ausin buftrie 
ift ein befonberer ©efehentrourf oorgelegt worben. 

Einem befonbem 3a>eige ber Sdjutjgefehgebung, bem 
Ainberfdjuße, hat fich bas Reichsgefe^ oom 30. ÜRära 1903, 
„hetreffenb Äinberarbeit in gewerblichen ©etrieben", ge* 
rotbmet. Das ©efefc ergreift aud) Betriebe, bie ber (Se- 
werbeorbnung niiht unterftehen, unb crftxecft fi© auf 
Ainber unter bretjehn fahren unb auf ®ölf 5 fd>ulpflid)tige 
Ainber über breijehn fahren. Die Befchäftigung eigner 
unb frember Ainber ift in gcroiffen Betriebsarten per« 
boten, in anbeten für Ainber unter 3 wölf fahren unter* 
fagt unb für ältere Ainber nur bei Dage auf wenige 
Stunben augelaffen. Das ©efefe ift allgemein als etn 
wichtiger ^ortfehritt begrüßt worben. 

Die Erweiterung bes ©rbeiterfchutjes erforberte| auef) 
eine ©ermehrung unb SBerfd)ärfung ber ©ewerbeauAicht. 
Das ©efetj opm 1. 3uni 1891 behnte ihren ©efchäfts« 
bereid) aus, unb ©reufeen wie anbere ©IietVteaten haben 
fich beeilt, ben Huffid)tsbienft auf breitere ©TünÖlügen 3 U 
ftellen. ©reußen batte 1890 im gangen nur 27 Buflichta- 
beamte; bie DenRchrift 3 uw Etat bes fjonbelsminifteriums 
h’ix 1891/92 bezeichnet e 163 ©uffichtsheamte als erforber« 
lid). 3m gongen gab es 1890 in Deutfchlonb 80, 1896 
bereits 280, 1907 454 Beamte im ©ewerbeauffidjtsbienfte; 
ba 3 u treten noch bie Beamten ber ©ergaufficf)t (1907:113). 
3m ganjen waren 1907 ber ©uffidjt unterf teilt 250724 Be- 
triebe mit 6 ,,, 3RilL Qlrbeitem; xeoibiert würben 130735 
Betriebe mit ’5, M Brill. Arbeitern. 

©on großer Bebeutnng mar weiter ber ©usbau ber 
ffiewerbegerichte. rafchen Erlebigung ber aus bem 
Arbcitsoertjältniffe fich ergebenben Red)tsftreitigfeiten burch 
Sachuerftänbige ftanben in Deutfdjlanb not 1890 nur 
neununb 3 wan 3 ig (JachgeTichte 3 ur Berfügung, barunter 
fed) 3 ehn in ber Rh e ' n P roü ^ n 3* Das Reidjagefeß oom 
29. 3«li 1890 legte ben ©runb aur Busbreitung ber ©e-* 
werbegerichte noch einheitlichen ©nmbfShen. Diefcn ©runö- 
fähen mußten bie beftehenben ®emerbegerid)te angepaßt 
werben, was in ©reußen burch ®efetj nom 11. 3uli 1891 
gefcf)ehen ift. Das ©efeß oom 29. 3 ul i 1890 ift buvi) 
©efeß oom 30. 3uni 1901 nod) in uerfchiebenen ©unften 
geänbert unb oerbefferi worben, Befonbers wichtig war es, 
baß nunmehr für ©emeinben non mehr als 20000 Ein- 
wohnern ©e werbegerichte gefeßlich corgefdjrieben würben. 
DU ffiewerbegerichte finb nid)t auf bie Etttfcheibung »on 
Rechtsftreitigteiten befchränft, fonbem fönnen auch bei 
3ntere|fejtrcitig feiten als Einigungsamt angerufen werben 
unb haben außerbem gutachtliche ©efugntffe unb Obliegen- 
heiten. Durchweg finb babei bie Brbeiter aur ftänbigen 
Britarbcit berufen, ba fe Öle Hälfte ber ©eifißer ben Br- 
beitem unb ben Arbeitgebern 311 entnehmen ift. Die 3ah* 
bet auf ©runb bes Reichsgemerbegerichtsgefcße^ errich- 
teten ffiewerbegerichte hat fitf) rafet) oermehrt unb betrug 
Enbe 1907 bereits 425 (einfd)licblicf) ber Bcrggerichte), 
W03U noch 3 toan 3 i^ auf ©runb ber fianbesgefeße errichtete 
ffiewerbegerichte hinjutreten. Die einigung&amtliche unb 
autachtltaje Dätigfeit biefer Organe war geringfügig. 3n 
Rechtsftreitigfetten bagegen waren unb finb fie ftart in 
Rnfprud) genommen. 3m Oah’f^ 1907 waren über 112000 
foldjcr Streitig feiten anhängig, ein 3ricf)«o, äaß ein aus» 
gebehntes Bebürfnis für biefe fja^redhtfprechu'ng befteljt. 

Bebauten fdjon bie Einführung unb ber Ausbau ber 
ffiewerbegerichte eine Befferung ber rechtlichen Stellung 
ber öahaatbettet überhaupt, fo gehen entfpredjenbe 3Bir« 
fungen aud) non bem Allgemeinen Bürgerlichen ffiefeß- 
buche »on 1896 aue, bas in feinen Borfdjriften über ben 
Dienftnertrag bie ©runbfäßt ber ©oiialpolttif au uerwirf* 
liehen fucht. Die oom 1 . 3anuac 1900 ab geltenbe SJoffung 
ber 3i»ilpro3eßorbnung läßt in ben Borjchriften übeT bie 
©fänbung unb über bie &nftge Währung für ben fjall, 
baß auf Räumung einer SDohnung erfannt ift, baafclbe 
Streben ertennen, bas auch in ber baburch nötig gewor- 
benen Anbetung bes Cohnbefd)lagnahmegefeßcs oom 
21. 3uni 1*69 wirffam wirb. Dem Bemühen, bie fojial» 
politifdhe Auffaffung ber 3«t in ber rechtlichen Stellung 
ber ärmeren Bolfsfdjichten 3 ur ffieltung 3 U bringen, »er* 
banft ferner ber ©efeßentmurf oom 30. Oft ober 1908 
wegen Einwirhmg ber Armenunterftußung auf öffentliche 
Rechte fein Entftehen; er fdjränft ben Begriff bei Armen* 
unterjtüßung wefentlich ein. 

Die neben bem ftacrtlicheii Eingreifen unentbehrliche 
Selbfthilfe ift babei nicht oon ber ©efeßgebung »emad)* 
läffigt worben. JJüt bie Erwerbs- unb 2ßirtfrf)aftsgetiöffen» 
fdjaften hat bas ffiefeß oom 1. 5Jlai 1889 eine fefte Redjts» 
grunblage unb bieHRöglichfriteinerbcfdjränften |c>ltbQTiid)s n 
©aftung gebracht, wlit Rüdfidjt auf bic großen Um* 
geftaltungcn wichtiger SR ccßtsg ebiete in ben neun 3 iger 
3ah«n ßät bas ffiefeh »om 1. 3anuar 1900 ab eine neue 
fjaffung, bie 1898 im „Reichsgefeßblatt" oeröffentlicht 
würbe. Die auf Selbftfjilfe beruljenben Unterf tüßungsfaffen, 
bie f)Ufsfa(fen, finb bei ber Rusgeftaltung ber Arbeiter« 
oerfichenuig in beftimmter ©Seife berü4fid)hgt ober l)KKQ\\> 
gejogen roorben. Um ©rißbräueßen, bie fich bei einem 
Deilc ber £>ilf&fa|fen entwicfelt hotte«» wirffam entgegen- 
treten 3 U fönnen, ift bem Reichstage juerft 1905 unb bnnn 


1907 ein ffiefehentwurf oorgelegt worben, ber bie öilfsfaffen 
Heinere ©erficherungsixreinc auf ©egenfeitigfeit bem 


als 


ffiefeße »om 12. 9 Jiai 1901 über bie pxioüten Bcrficherungs* 
Unternehmungen unb bamit ber burch tiefes ffiefch be- 
griinbeten Auffid)t bes Aufficßtsamts für ©rirntocrfichc« 
rung untcrftellt. 


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Die SBahxnehmung unb ©ertretung ber Arbeiter- 
intereffen erforbert oielfache Betätigungen auf politifchem 
©ebiete. Deshalb ift es auch in biefem 3ufa«iTnenb«n0e 
oon Bebeutung, baß burd) bas ffiefetj oom 11. Deaember 
1899 bas Berbinbungsoerbot für inlänbifd)e Bereine bc* 
feitigt unb butd) bas Bereinsgefcß »om 19. April 1908 
bie Betätigung in Bereinen unb Berfommlungen nach 
freieren fficunbfäßen georbnet ift. Die baneben einher* 
gehoben Beftrebungen aur Berbefferung ber rechtlichen 
Stellung ber Berufsoeretne über bas hinaus, was im 
■neuen Bürgerlichen ffiefehbudje geboten war unb bereits 
einen {Jortfcbritt gegen früher barftellte, haben bem 
©efeßentwurfe »om 12. Rooember 1906 geführt, in bem 
bie Reid)SDerwaltung eine umfaffenbe Regelung ber ge* 
werblichen Berufsoereine anftrebte. Ein ©efeß ift baraus 
nidjt henjorgegangen. 

Die Bilbung oon Arbeiterausfd)üffen in ben einzelnen 
Betrieben ift in bem Rrbeiter|d)ußge|che oom 1 . 3««i 1891 
nicht oorgefeßrieben; ober es ift auf biefe Organe aur 
UBahmehmung ber Arbeiterintereffen innerhalb bes Be- 
triebs berart Bejug genommen, baß ihrBefteßen formelle 
Erleichterungen beim Erlaffe oon Arbeitsorb nungen bietet. 
Jür ben Bergbau naßm bas preujßifche ©efeß oom 
24. 3uni 1892 benfelbcn Stanbpunft ein; bas ffiefetj oom 
14. 3 u li 1905 geht bötübex hi«a«s, ba es für Bexgwerfe 
mit burd)f£)nittiid) minbeftcn&h««bcrt befchäftigten Arbei- 
tern ftänbige Arbeiterausfd)ü[jc oorfeßreibt. 3n her Ber« 
waltung ber Aöniglid) ©reußifchen Staatsbahnen ftnb auf 
©runb besErlaffes ooml&.Blai 1904 oerfuchswcifc Arbeiter« 
ausfehüff* i« ben Direftiönsbejirfen Bctlin, (Jranffurt a. SJJ. 
unb Aöln eingerichtet roorben. Rad) bem Erlaffe Dom 
28. ftebruar 1905 hat fid) bie Einrichtung bewährt, fo baß 
ber Btinifter bie Beibehaltung Der oorljanbenen unb bie 
Bilbung neuer Arbciterausfchüffe für angejeigt erachtet. 

Amtlich anerlannte Organe 3 ur allgemeinen 3nter« 
effenoertretuug ber Arbeiter beftanben bisher nur inforoeit, 
ols bie ©ewerbegerid)tc in gewerblichen fragen ©utaeßten 
abaugeben haben unb Anträge ftellen fönnen, unb als fie 
ober ißre hierzu cingefeßten Ausfd>uffe 3 m fiälfte aus 
Arbeitern befteßen muffen. Auf eine weiter ausgebaute 
3nte reffe noertretung wies bereits ber faiferlid)e Erlaß 
»om 4. 3« brUflr 1899 h in - 25- Rooember 1908 l>ot 
bte Reichsoerwaltung bem Reichstage ben Entwurf eines 
©efeßes über Arbeitsfammem oorgelegt, bie im Bebürfnis» 
fall auf fachlicher ffirunblage je 3 ur aus Arbeit» 

gebem unb Arbeitnehmern gebilbct werben joden. Da« 
gegen ift ber »ieifad) befürwortete ©ebante eines Reichs« 
arbeitsamts noch nid)t 3 ur BerwirfUchung gebrodßt. Die 
einem foldjen Amte zuge&adjten Obliegenheiten in bejug 
auf Arbcitcrftatiftit unb Begutachtung beftimmt er Arbeiter* 
fcßußfxagen finb inbes bereits 1892 einer Aommiffion 
für Arbeiterjtntiftif 3 ugemiefen; an bereu Steile ift 1902 
ber Beirat für Arbciterftatiftil getreten unb 3 uglrich im 
AaiferUchen Statiftifchen Amte eine befonbere Abteilung 
für Arbciterftatiftil errichtet worben. Diefe gibt feit 1903 
bas „Reicßsarbeitsblätt" heraus, bas ftänbig über bic 
ArbcitcrDcrhnItniffe auf ©runb einer befonbers organi* 
fierten ©crichterftattung ober auf ©runb befonberer Er« 
ijebungen ober fonftiger SKaterialien berichtet. Die Ab- 
teilung für Arbeiterftatiftif hat außerbem eine Reiße 
felbftänbiger größerer Arbeiten über wichtige fo$iaIpoHrif<hf 
©ebiete oeröffentlicht. Die flommiffion unb ber Beirat 
für Axbeiterfiatiftif ßaben über eine größere 3aßl ißnen 
3 ugeroiefeiier fragen Erhebungen unb Bemeh^una^i 
»eranftaltet, Seren Ergebniffe oon ber Abteilung für 
Arbeiterftatiftif bearbeitet ftnb, unb auf ffirunb biefer 
Unterlagen ffiutaeßten abgegeben. Der umfoffenben Be- 
rufs- unb Betriebsaäßlungcn oon 1895 unb 1907 fei im 
Anfd)tuffe hieran ebenfalls gebadjt. 

Die fo 3 ialpolitifd)e Betätigung ßat fid) aud) auf ba& 
f)anbmert erftxecft unb hier, wo ber Obergangtaus ber 
abhängigen in bie fclbftänbigc Stellung bas ffiegebenc 
ift, nicht nur ben abhängigen ©erfonen (©efeHen, ffie« 
ßilfen unb ecßrlingen), fonbem aud) Den felbftänbigen 
4 >anbt»erfern Gcßuß gegen Rlißftänbe 3 U bieien gefudßt. 
Befonbers wichtig war bic Rooelle oom 26. 3«ü 1807 
gur ©ewerbeorbnung. Befferung ber öel)rlingsausbübung, 
Bcrßinberung ber öehrlingszüdjteiei, fafultntioe ©cfcllen* 
unb SRciftcrprüfung, Schuß bes Bleiftertitels, Ausbau 
bes 3uTuingsroefens, Einführung ber öanbrotrisfammem 
mären bic §auptcrgcbniffe bes ffiefeßes. Die löirfungen 
bes ©efeßes finb öuf ffirunb einer umfoffenben Erhebung 
oon 1905 burch bte Abteilung für Arbciterftatiftil im 
ftaiferlicßen Statiftifcßen Amte bearbeitet roorben in 
einem 1908 erfd)ien<nron Sßerfe. 3n bC 3 ug auf fießr* 
lingswcfen unb {Jühnntg bes Bleiftertitels ift bit ffie« 
werbeorbnung nod) weiter ausgebaut burd) ©efeß »om 
30. 9Jtai 1908. Den aus biefer ©efeßgebung erwachfen« 
ben fianbe-saufgaben ßat ©reußen bureßaus Rechnung gc» 
tragen. Außerbem aber finb burd) föniglicßc ©crorbnung 
»om 20. 5 Dlür 3 1905 jur Unteritüßuug bes preußifeßen 
fjanbelsminifters in ber Berroaltung bes geroerbltcßen 
Unterricßtswefens unb ber fficmerbcförbenmg ein ßanbes* 
gcwerbcamt als eine bem .^anbclsminifter unmittelbar 
unterteilte ftollcgialbehörbc unb ein ftänbiger Beirat für 
bas gewerbliche llnterridjtswefen unb bie ©c werbe förbemng 
gefeßaffen roorben, ein für bos f>anbt»erl bebeutfamer 
Scßritt. 

Bon ben uiolen Bfaßuaßmen im 3ntcreffe bet fianb* 
rotrtfcßaft, an benen bic preußifeße © efeßgebung befonbers 
beteiligt ift, »erbienen wegen ißrer Berroertbarfcit für bie 
3eßl)«ftmnd)img ber Ganbarbeiter Erwähnung bic ffiefeße 
wegen ber Errichtung »on Rentengütem (7. 3«H 1891) 
unb wegen ber Anroenbung bes Ancrbenrccßts ( 8 . 3 um 
1896, 2. 3ul» 1896); auf Einzelheiten lann hier nid)t ein» 
gegangen werben. 

Bon grunbfäßlieher Bebeutung ift bic Ausbeßnung 
her foaiatpolitifchen fffürforge auf bie* Kopfarbeiter im 
©rioatbienfte. Sie gehört gan 3 ben beiben lebten 3«!)*' 
zehnten an. Das Arbeite rfcßiißgefeß oom 1 . 3uni 1891 
braeßte ben ©rioatange ft eilten in (bewerbe unb £>anbel 
bte Befdjräntung ber Sonnlagsorbeit. Radjbem bann 
bas neue Bürgerliche ©efeßbud) bei Der Regelung bes 
Dienftnertrags ben fo 3 ialpolttifcßen Anfcßauungcn unb Be* 
bürfniffen in crßcblicßcm 9Raßc Rechnung getragen hatte, 
führte bas neue .^anbelsgefcßbud) »om 10. SJtni 1897 in 
ben §§ 59 ff. für bic faufmännifeßen Angeftelften roichtige 


Original from 

THE OHIO STATE UNIVERSITY 



3421. 21. Januar 1909. 


3Huftrirte 3 eitun 9* 


95 


fo 3 ialpolitifd)c ©erbe jferungcn ein in bezug auf Münbtgungs* 
triften, friftlofe 'Äuflöfung Des Dxenftüerhältniffes, (Ent« 
geltsanfprud) bei unoerfdiuIDcter 2>icuftbehinberung , ©c* 
funDtjeits« unb Gittlichleitsfchuh, ©ebaltsxahlung, ©ro* 
viftouscmfprüd)e, 3*ttgnif(e, 'iöcttbcmcrbsabrcDe (Sion« 
furren xtlaufcl) uitb außcrDem in be^ug auf Sicherung 
ber lfchrlingsausbilbung. Die 'Jtooclle oom 30. 3uni 
1900 jiur ©ewerbcnopclle ergänzte bic Borfcbrifteu in 
be 3 Ufl auf (Fort- unb (Fachbilbungsfchulbcfuch, brachte 
aber außerbeni für Die 'Üngefteliten in offenen Verlaufs* 
(teilen eine ©UnDejtruhezeit, Den S?abenfd)luf) unD Die 
Verpflidjtung zum (Erlaffe oon 'Urbciteorbmmgen in 
größeren Betrieben. 3 u gi e * ( l) f*<f|ertc cs in offenen Wer« 
raufsftellen bic ‘Iiirdjrüljrung Des im öanbclsgefetjbudje 
oorgefchcncn ©cfunbbcitsfchuhes unb traf für Den Hanbel 
überhaupt 9J2aßregeIu gegen bie ßebrlingszüchterci. Das 
alles bedeutete «inen großen. '(Fortfchritt, wenn aud) viele 
Sßünfdjc Der Beteiligten nod) unerfüllt blieben. 'Das föefetj 
oom 6 . 3»di 1904 fdjuf Die (Einrichtung Der Maufmanns« 
gerid)tc, Di« Den ©ewerbcgerichtcu imdjgebilDct finb unD 
fid) rafd) entioidelt haben. (Ein ©ejetxentwurf oom 
22. 9loocmber 1907 wollte eine Unftimmigfeit bezüglich 
bes ©eljaltsanfpnichs bei unoerfdjulbeter DienftbehinDe* 
mng befeitigen, ijt aber nod) nicht ©cfct 3 geworben, weil 
bie Befd)lüffc bes Veid)stag* batu im Vunbesrat auf 
'113iDcrftanb geftoßen finb. Vad) einer fJemerfung in Der 
BegriinDung 311 m ©Tbeitslammergefetjcntunirfc fd)Ctnt auct> 
ber (Frage oon $>anbluugsgebilfeulammcrn näher getreten 
,ui werben, ftiir bic Betriebsbeamten, Viertln elfter unD 
leebnifer fjat bas ©efeß oom 30. 3uni 1900 in bte (.Sic* 
wcrbcorbnung weßeit ber Münbigungsfriften, wegen ber 
friftlofen Äuflöfung Des Dienftoerhältitijfcs unb wegen 
Der 2Bcttbewcrbsabrebe Veftimmnngen eingefügt, bie Denen 
bes neuen $anbf[egef«ßbud)& nadjgebilDet finb. Die «Frage 
einer ©rioatbeamteuDcrfidjcrung, Die über Die feßige Vc* 
teiligung biefer Mreifc au Der Arbeite roerfidjerung hinaus« 
greifen foll, ift nod) niefjt gelöft, aber burd) Die Den!» 
fchriftcu Des 'Jicid)samts Des 3nncrn oom 14. 9Jtärz 1907 
unD Pont 11. 3uli 1908 nad) uerfrf)i ebenen !Hid)tungen t)in 
fo gellärt, Daß ein (Eiitlenfen Der ganzen Bewegung auf 
bas (Erreichbare 311 erwarten ift. 

Daß in be3ug auf Die VeiÄs- unb Staatsbeamten 
burd) iBohnungsfürforgc, burd) Vcrbejferung Der Bezüge 
ber Hinterbliebenen, Durd) ©ehaltsaufbejferungeit in Der 
letjtcn 3cit wichtige ,>ortfd)rittc crjielt finb, unb baß jeßt 
eine mit großen Opfern oerbunbene, Durdjgrcifcnbe V«* 
folbungsoerbefferung geplant wirb, fann hier nur an« 
gebeutet werben. '.Mud) auf eine fReiße foujtigcr Äefctje, 
oon Denen eine günftige SBirlung gerabe auf bte fd)u>äd)eren 
Voltsfdjidjten 311 erwarten ift, fann nur hingewiefeu werben, 
wie Die fHeidjsgefetye über ^adjtDucfyer oom 19. 3««i 1893, 
über 9lb3al)lungsgef(t)i5fte oom 16. 9Jiai 1694, über (Ein* 
fül)rung Der zweijährigen Dicnjtzeit oom 3. Äugujt 1693, 
über unterftühung ber [Familien ber 311 (Friebensübungen 
cingc3ogenen iülauufdiaften vom 10. Wal 1692, über 3lus* 
wanberungswefen oom 9. 3uni 1897 nebft Den Daran an* 
fdjliefjenben Maßnahmen, bas preußifche ©efeß über bic 
ftütiorgeetjidping 'JölinDerjährtgcr oom 2. Juli 1900 ufw. 

(so fur 3 unb unoollftänbig biefer Überblid ift, er zeigt 
Deutlich, weldje [fülle oon fo^talpolitifd) wichtigen ©laß* 
nahmen feit 186« itt ©reußen unb im Doutfchen ©eiche ju 
verzeichnen ift, unb mit wcldjcm Snxft unb (Eifer an Der 
•öerwirflidjimg Des ©ebanlens Der Dtpronrebe oom 
22. 'Jlovember 1888 gearbeitet würbe. Dafo uicle — aud) 
berechtigte — ©Uinfd)e nod) unerfüllt geblieben finb, ift 
babei leinen ?tugcublicf jwcifdbaft. ^Iber Die bisherigen 
(£rfal)rungcn bercdjttgen ,311 Der (Jruxirtung, baß ber 2lus* 
bau Der Sojialpolim fdjrittweifc toeitergefüljrt werben 
wirb. Die So^ialpolitit wirb im Deutfrhc« Äeidje uidjt 
ftillfteljen , weil fie aus inneren Cörünben nid)t ftili* 
ftetjen fann. 


T)cr ftaifer unb bte glotte. 

'Hon Uorotttcntapitdn a. £. «mnaiin fttnfc. 

OfVlas in ber Vergangenheit über ben (öegenftanb fd)on 
*<jVgcfd)riebtfii, fann heute unb au biefer Stelle füglid) 
außer act)t bleiben; ja es muh fogar außer ad)t bleiben, 
Denn es ift nid)t mßglid), Den 3nl)alt gan3er ©üdjereien 
in einem filmen 9luffat) wiebcr,)ugeben. Wag es alfo 311* 
lürtftigeu ©efd)id)tfd)reibem überlaffcn bleiben, box ©egen* 

i tanb erfchöpfenD ju bci>anbeln, wie aud) Das finbcTgebnis 
ein möge. $>eutc f ollen nur einige Datfadjen angeführt 
werben. 


Ter junge iUxifer fanb ftd) an Die Spißc eines fungen 
ÜKeiches geftellt. Daß es Dem SRctdje an inuerni wie 
äußerm Wusbau fehlte, wer wollte Das leugnen? Cb es 
.Oaifer 'IBilhelm II. an (Erfahrungen unb .«enntuiffen ge* 
brad), wer will Diefc »frage bejahen ober oemeineu? 
Das ift aud) nid)t Der (f>egenftauD Dtcfcs ^luffaßcs; wohl 
aber foll ergrüubct werben, ob Der Maifer einen richtigen 
©tid hatte für Das, was Dem jungen ftcixhe fehlte in 
©entdfid)tigitng Des 3eewefens. 

3Jiau lanu fid), fud)t man nad) Der richtigen 'Antwort, 
fehr balD ©ewißh^it oetfdjaffen, wenn man einfach feft« 
ftellt, iwldjcs ber Anfang unb welches bas bisherige ®nb« 
ergebnis ber ©etnühxmgcn Des ftaifers war unb ift. 

TOie fal) unfere Jlottc Denn aits, als Der .ttaifer )ur 
Regierung fam? 3in 3o^rc 1866 blidte Die ftlotle auf 
etwa oienig 3al)te ihres ©eftehens 3urüd Xie (Schiffe 
waren feien wir ehrlid) — nichts wert. 3nbes, Dicfe 
©ehauptuug wirb Den ©roll manches alten 9)la rin cm anncs, 
3lotteiilicbl)abers unb 'Patrioten heroomtfen. üllfo mag 
hier ein ©eweis folgen, Daß Dem fo war, unb möge bem 
©eweifc auch eine (Ertlflning folgen. 

VUs Der Haifar im genannten 3ob« ber Sptgc ocr 
Jlotte (htglanD befud)te, ertegte^iinfer DamaligesCüefchwaDer 
in bem llaffifdjen üattDc Des öeewefens oiclfad) .v>eiterfcit. 
UnD Die (EnglAnDcr hatten nid)t ga«| unred)t. 3n JUam» 
mem jei bemerft, baß nur oon fold)m englifchcn 0 tintnien 
hier Die 9lebc ifi, bi« nicht , 3 . V* aus f>of lid|ftfit Den 9Bcrt 
uttferer Schiffe nid)t besprachen. Unfer ©efd)waber war 
eitle 3 (»Iflnnueuft«tlung oon alten ilüftenoertcibigungs* 
fd)iffen, bie man in feegehenbe ©anterfchiffc 311 oerroan* 
Dein ocrfud)t hatte; oon alten getäfelten Ajochfeepanxcr- 
fd)iffen ( Denen man ein möglid)ft ober einigermaßen mo< 
Dernes 91ufxeres 311 geben oerfucht hatte; oon einigen 
3witterbingcn, Die wcDer gepan, 3 ertc nod) gefchüßte ttod) 
überhaupt irgenbeine Vrt oon Hren^em waren; uon einigen 
Vluifos, bie weDer bie notwenbige ©efehwinbigteit noch 
bas erförDcrltche .«ohlenfaffitngsoermögen nod) genügen De 
Seefähißfeit hatten, fur s 3 uon einigen 'Aoiios, bic aber 
fetne 2loifos waren; mit einem SBorte, Die (Engldnbcr 
Durften fid) mit ©echt über eine ftlotte luftig machen, 
Deren Stfud) auf Der IHccbe oon SpitheaD nur Den un* 
tweifelhaftett (Erfolg hatte, baß Der Dortige, an unb für 
fid) fd)on mcift bebedte A>itmnel oon fdjier unburd)briug* 
Hd)em itohlenraud) nod) mehr oerbüftert wurD«. llnD 
nun bie ©Tliöning! llnfctc Damalige ftlottc tonnte nicht 
anDers fein, Denn man wollte (unD mußte) mit ungenü* 
gettben 'JUlittelu wenn nicht »alles", fo Dod) jebenfalls 
„ 3 u oiel" erreichen, unD bann xvarcix bie 2lnfid)tcn Dariiber, 
welche '21 rt oon Schiffen uns Denn eigentlich nötig wäre, 
recht oerfdjroommen. Oft bas ein Vorwurf für bas Da* 
malige ^Jerfonal ? keineswegs; Denn oort oi eien ©riinDen 
fei ht« ber kür 3 c wegen nur Der angeführt, baß ,xu jener 
Seit faft alle Reinen Motten aus Derartigen Wuftex* 
iammlungen oon „Unmöglichfeiten" beftanben. 'iüar aber 
In fccmänmjd)ct Ve)iehung unfer 'IJerfonal etwa feiner 
9lufgabe nid)t gewachfen? 9hm, ein 'Beweis bafür, Daß 
Dem' nicht fo war, bilbctc wicber öasfclbe vorhin genannte 
©ejd)waDer. Diefes feit fante ©ejehwaber fuhr, wteDev als 
Begleitung bes Maifers, tagelang in bid)teftent VebeL 
Milo Diefcr aber fid) plöt)lich hob, (tauben bie Sdjiffe troß 
ihrer oerfchiebcneu SBafjeruerDrängung, troß mannigfacher 
Murs&nbeningnt jebes genau auf feinem SJofteiu Von 
folcl)en unb ähnlichen Dingen ließe fich nod) vieles fagert. 
Unb was wußte bie große SOiettge bes 'Volles oon ber 
flotte? 9fid)t&! Sie Itebte Die flotte, wie man ein Ding 
liebt, bas inan nidjt befitjt, uoa bem man aber weiß, baß 
es etwas Schönes ijt ober fein muß. Uber biefen $untt 
feilte man hier einige ÜlnefDoten einflochten, wenn es nur 
'Kaum unb (Gelegenheit erlaubten. 

Unb wußten vor Dem 3 a ^ w 1888 unfere ©h f t 5 & CT 
2lbmiralität etwas oom Sectoefen? Du lieber ©ott, bie 
A^erreu waren ©etierale, ©enttemen vom Scheitel bis ,)ur 
3ehe, 'Patrioten, tüchtige Ceutc, nur Seeleute waren fie 
nicht. 3ft Das ein Vorwurf, ober foll cs einer fein? SJtit* 
nid) teu unb abermals mitnichten! llnb wäre ber [fall 
uielfcicht oerciuxelt in Der ©cfd)id)te? .fiat nid)t 9lapoleon 
felbft bewiefeu, Daß man ein [falbh«* alleretften tRanges, 
ein unocrgleichlicher Volitifer, ein gewaltiger Ajierrichcr 
fein fann unb Dod) ein Stümper auf Dem ©«biete Des 
Seewcfens? ©kirnm gelang es ihm Denn nid)t ; bie (Eng* 
länber, feine fd)limmfteu ©cgner, nicDerxuwerfen? 3n* 
beffen h>er foll non unferer JVlotte Die 'Jteöe fein, nicht 
oon Der englifchcn oor etwa hnubert 3öl)«n. Vor 
3wati3ig ^aßren bejtauD alfo unfere flotte aus einigen 
minberwertigen Schiffen, bas ©crfonal war erftcr klaffe 
(wie and) fd)on Daraus hen>orgeht, baß unfere furnbcbflotte 


fid) ftets Des bcjtcn 9fuf«s erfrewte unb erfreut), im Bolle 
fchlummerte ein unbewußtes ©efüht Des 9Bohlwolleus für 
alles, was mit Dein Scewefen oerwanbt war, unb an Den 
Ieitenben Stellen hatte man für Die 'JJJarine fo gut wie 
nichts übrig, weil man wegen anbercr Aufgaben für fie 
wol)l fd)lecf)tcr Dings nichts übrig haben tonnte. UnD 
bann tarnen Die 3«hro 166« bis 1898, unb es entftanb . . . 
Das erftc ftlottengcfetj! UnD nad) weiteren xwei Jahren 
entJtanD bas 3«scite Jlottengefeß, unb nach abermals 
einigen 3a*)ren entftanb bie Vooclle ,3wnt iVlottengcfeß! 
UnD in Der 3wifd)cit3<it ertönten Die Stimmen oon ©c< 
lehrten, Sdjriftftellcrn, 'ßolittfeni, Mau fie Uten, Beamten, 
ja, last, not leawt oon Dffi3teren bes H tfC ' rtf6 r unb alle 
waren fie Lehrer bes Voltes, welchem laut unb Deutlich, 
über.)cugcnb unb wahr, furchtlos unb beharrlich geprebigt 
würbe Die ©«Deutung bes iBortes, bas unfer Matfer beim 
Stapellauf bes Van.icrfdjiffcs „Maifer Marl ber ©roßc“ am 
18. Cftober 1899 in Hamburg gefprochen, bes Vtortes: 
„Vitter not tut uns eine ft arte [Hotte!* — Unb es ent* 
ftanb ein flotte noerciit, beffen 9Imvad)fen ui(f)t allein 
Das Sluslanö, fonbem uns fcLbft überrafchte, unb in jahl* 
lofen ©erfammlungen würben fid) bie Deutfcheu icDer 
'Bartei, jebeu ©laubens, feben Staubes bewußt ber iBahr« 
heit Des 2Bortes, „baß bie See bic Völler nicht trennt, 
fonbem fie verbiitbet“. UnD arm unb reid), h lltt ^ 
gering, Stabt unb üanb, Oft unb '2Beft, 9lorö unb SÜD 
lernten unb erfannten, „baß mau eine flotte haben muffe, 
um ein ©lähcheu an Der Sonne p» haben". Unb Darum 
gaben iVürft unb Volt ftd) ein ©efeh, wonach wir eine 
j-lotte haben wollten unb follten! BJeld) ein ©efeß! llnb 
entfprcd)cnb bicfcin ©cieß fdjaffen wir uns eine ftlottc, oon 
Der fd)on fo viel oorhauben, baß Die Deutfd)e Seemacht ein 
3-attor ift, mit Dein gerechnet werben muß unb gerechnet 
wirb, eine [yCottc , Die uns ein Vläßd)en fidjert an Der 
Sonne, unb Die, wenn fie uns Den [^rieben nicht er* 
halten, Doch jebenfalls xt)u xu erhalten wefentlid) bei* 
getragen hat- 

llnb wem oerbanfeit wir bic [Vlottc? Tein Maifer! 
Denn er, nnb nur er allein fonnte Die Quelle Der Ve* 
geifterung xum [Hießen bringen, eine Quelle, bic, [d)on 
öfters augebohrt, bod) itets wieDer oerfiegt war. Vod) 
mehr '2lnerfennung aber bem Maifer bafür, baß er bie 
richtigen üRänucr, oorem Den feit iwölf Jahren an ber 
Spiße ber OJJariueverwaltung ftehenben Staatsfefrctär 
0. lirpitj, fanb, welche in erlernter Iüd)tigteit, ja fogar 
mit angebontem (Genie Der {Hotte eine ürgauifation 
gaben, Die über bie ©rennen bes Vaterlanbes Ifataus 
anerlaunt wirb; 9Jlänner, bic in raftlofem Bemühen 
unb entfchloffener Vcharrlichlett mit höd)ftem ©efd>id es 
oerf tauben haben, bie immer nod) llciuc Seemacht fo 
ouspibilben, baß Verwaltung unb [faant ein harmonifches 
©anxes bilöen. A>at nun Der, Der Diefe Wänner benef, 
Berftänbuis oom Scewcfcn, ober folltc vielleicht eine Cieb* 
haberei Die wirflidje Sadjleuntnis überwiegen? 'Jlun, 
was foeben über Des .Maifers Otaggof fixiere gejagt umrDe, 
macht eine Antwort auf bic ftrage übcrflüffig. Daß es 
aber einem Staate nur Dienlich fein fann, wenn fein 
Jr>errfd)er oom Smoefcn möglict)ft oiel oerfteht, wirb burd) 
bas bewiefeu, was oorl)in über 9lüpoleou gefagt würbe, 
Der oon feinen [Flaggoffizieren mehr oerlangte, als fie zu 
ieiften imftanöe waren. Unfer Maifer hat, wie aud) 
fdjon aus feinen ©Sorten hfrvorgebt, ©ott fei Danl! eine 
red)t grünblid>e Menntnis bes Seexuefens. Denn wenn es 
früher in unferer [Flotte nur halbe Van^er* unb reine 
ganzen Mü(tenoerteiDigungsfd)iffe, weber richtige Mrcujer 
noch oolllommcnc 'Avifos gab oon einer homogene tt 
(Flotte ganz 311 fdjwcigcn — fo haben wir jeßt eine H ot h* 
fecflotte, ein Mrcu3crgefchwaber, 'Uuftlänmgsgmppeu, 
iorpeboboptsflottillcu unb Unterabteilungen mannigfacher 
'Art, unb wir haben ÜBerftert unD fachgemäß arbeitenbe 
Vehörbcit. Unb währenö bic [Ftont Offizieren unb 'Dlonn* 
fchaften Di« leßte Schulung gibt, forgeu 311 ßanbe ?lnftalteu 
verfchiebenfter 2lrt, oon einer SltaDemie bis xur ©b* 
teilungsfd)ule, R‘tr eine fachgemäße Vorbilbnng Des Ver* 
fonals. IBir haben Snftem unb Blau in ber rad)c. 
3a, mehr als bas: wir haben int Volle felbft Verftänbni* 
für bie Sache. UnD wenn heutig estags ein alter inaltivor 
Seeoffizier uon Dazumal (Gelegenheit hat. bic (Flotte 3U 
fchen, bann feilet et wohl wchmütig*froh: n V<h, wenn 
bas Doch 3U meiner 3dt aud) fdjon fo gewefen wäre!" 

Cb nun inattio ober aftiv, wir gehören alle itim 
Volte, unb unfere ©flieht ift es, bem Maifer in feiner tfiebe 
3um Seewefen, feiner hohen Vegeiftcrung für bie Sache 
»mb feinem griritDlid)«n Menne« ber (Flotte nad) Wögltcf)' 
leit nndj.xueirem. Daher wollen mir ihm treu 3ur ccitc 
ftehen, Dem Maifer unb feiner (Flotte! 



Jonel Brationu, 

Da neue 9Rintftcrpr&|iDftu von 9tuinättien (€. \m.) 


«inowi ©erioivitfch Vofdjbicftwenflij, 
t am U. Januar. 


(hmeft 9iei)a, dbnarb (F r b*. »■ Cppenhrim, 

t am 16. 3anuar. t am 16. 3«nunr. 


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wot. couta^eii, Wftwar. 2Je[tattungsf«ier <£mft o. SBilbenbrudis in 28eimar am 19. 3onuar; Die g*ieilid)feil an b«t ©ruft. 


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Oltuftrirtc 3«tung. 


9h. 3421. 21. 3anuax 1909. 


'tfratiauu übernimmt fein i)ot)c* VI int nietet unter beit 
giinjtigftcn $<rt>ältuiffeiu Chan.z abgefehm von ber gegen« 
ivürtig immer nod) fritifdjen internationalen politifdjen 
l'agc, ertvachfeu bem SRinifterium im tfanbe felbft große 
3d)wierigleiten. Am läge feinet (Ernennung erlitt Die 
Regierung eine große 'JMeberlagc. 95ri beu In bev zweiten 
^ufarefter Slurie, bem {ttlat)lf5rper ber Intelligenz unb 
bes nrbeitcttbeu Bürgertum«, öurdjgeTübrten GrfatyBatyen 
für bie .Wammer finb bie Jtanbibaten ber {Regierung gegen« 
über jenen ber neuen rouferoativ« bemofratifcheu gartet 
unterlegen. Tiefe vor faum einem 3nbr von bem genialen 
Xäfc l^onescu*) ins lfeben gerufene Partei eilt vom (Er- 
folg ju erfolg, unb es bürfte roo!)l nur nodj für# 3<it 
währen, bi« ber aufiteigenbe Stern ber Xaliften bie liberale 
{Regierung in ben Schatten ftellen wirb. G, 3. 


*) 'llortrflt f. 91 r. ;MOI brr „Dlluitr. 3-lfl." vom 3. September 190«. 


Xotenfdjau. 


Die Überführung ber flei<he (Ernft d. SBilbenbrudjs uom Staatsbahnhof in 3Beimar nadj bem ftriebfjof. 


{Rumäniens neuer SRinifterpräfibent. 

Qfus Pari«, wohin er fich begeben t>atte, bie <lr,ztc über 
•vifeine angegriffene G>efunbl)cit 311 fonfultieren, Ijat 
Temeter Sturbia ben Wenig von {Rumänien um feine 
(Enthebung doii bet Stelle eine« SJiinifterpräfibenten ge- 
beten. Sturb, za ift nid)t nur ber bebeuteubftc Staat«* 
mann feine« Pa tcrlau.be», fonbem ein fo tjervorragenber 
politifer gewefen, baß man ißn fogat mit Pismard »er« 
glichen fjat. 3m Alter von vieninbfiebig 3afjren, bie er 
zum größten Teil bem Xienfte öe& Staate« getoibmet hat, 
mar er im tfrriiljjaljr 1907 nac!) ben {Revolten in ber 
{Dlolbaw von Wenig ilarl von neuem au bie Spitze ber 
{Regierung berufen warben, an bie jetjt als fein {Rad)« 
folget auf ben einmütigen Porfchlag ber URitglieber bes 
Wabinctt« unb ber Präfibenteu beiber Wammern ber bis* 
1) orige Ptiniftcr be« 3nuent unb prvviforifchc 'JOtinifter 
bc& Puffern 3 onf l Stratiami tritt. Tiefer ift ber Sol)ti 


3oan SBrattamt«, be* befanuteu Staatsmannes, ber ein 
intimer ^rcuttb unb (üenojfc Siurö.zas getvejen. 

Ter neue {JRiuifterpräfibent, ber im jech&unbvicrzigften 
ifebensjahre ftet^t unb in Paris bie polijtcdjnifdjen Stubicn 
abfolvierte, gehörte bereits bem frühem, 1895 ernannten 
SRinifteriuni Sturbia al« URiniftcr ber Öffentlichen Arbeiten 
an. Als OTinifter bes 3nnem gebührt il)in ein nam» 
Tjciftcr Anteil au ben iüngfteu Agrarreformen, bie bie 
gegenwärtige {Regierung jurn widjtigften Punlt ißres Pro- 
gramms gemacht unb gleich uadj ihrem Amtsantritt in 
Angriff genommen bat. Pratiauu, ber jetjt auch bie ftübrer« 
ftbaft ber von feinem Pater begriinbeteu liberalen Partei 
übernimmt, befiel reid)e Sympathien im ßanbe, ins« 
befonbere bei ber 3uftf»t&« (Er ift ein oortrefflid)er Äebner 
unb gemäßigter Politifer. Tos (fipofe, ba& er in Sturbias 
'Rameu oor turjem über bie auswärtige tfagc erftattete, 
bat wegen feiner Reformen beit unb {Ruhe in ganz Europa 
einen vorjüglidjcn (finbrud gemacht. 


<$&uarb 3rbr- v Oppenheim, älteftcr beutfeher Ülerm« 
ftallbefitier unb Aotlb(utiüd)t(T, «egrünber bco (Seftüts 
Sd)lcnbcrban ({Rheinproving, Helfen 3udit eine grobe 'ilnialil 
glätijenbev (ftfolge auf bem j^elbe bes internationalen lurfs, 
1907 aud) ber Sieg in Teutftblanbs Terbn befdiieben war, 
langjähriger 3eniord)ef be*3 Öantyaufe« Solomon Cppen« 
heim jun. u. .Wo. unb ßftenreicbifd)’uugarifd)er «iencralfonful, 
am 10. SRän lb3i m Wbln geboren, f baielbit am 
15. Januar. (Porträt f. 3. 95.) 

tfrncft «euer ('Jleti), bcrilbmter Womponlft unb IRuiit« 
[d)Tiftfteller, Schüler ber ^arfotti fcfjen aiufiffreifdjnle, wibntetf 
fid) umätblt ber SteueTrarriere, betrieb bie 9Ru|if bi« 1848 
alo ’ilutoHibaCt, rouvbe bann Sdiüler ieiner Xante Couife 
^arrrnee in ilaris, trat 1850 mit bem ISbormert „Le sdam“ 
an bie Cffentliditeit, Bdjöpfer zahlreicher Cpern, io ..Maiiri* 
Wolfram" (185-4), Ja »tatu." (1861), „Krwlrnt.-“ (1869), 
..Sigurd“, große Cpcr in fünf Sitten, Die über zahlreiche aus« 
länbifche 'Bühnen ging ((Srftauffühnmg in 'Brüllet 1864), 
S idam m I h> ‘ (L900), auch vieler lieber unb wertvoller 

£ herum tr, hod)angefc|)eu unb von großem Einfluß al« 
'DtuHtfehriftfteller, 'jiaebtolger von Aerliot an bem „Jaarnal 
dn Iw-lMt«*, rnergifdier 9toTfämpfer für :Rid)arb Vltagner in 
^ronfreid), feit 1876 SJJitglieb ber Afabemie, am 1. Tejembex 
1823 ju Alarfeille geboren, t in llari« am 16. 3<ntuar. 
('fjortrüt r- ®. 9S.) 

Sinowt ^etrowitfd) ;Ro|d)bjefttt)enfHj, «Bmiral, 
Führer ber ruffifchen flotte in ber Schlacht bei Xfufchtma, 
trat 1865 in ben 'JJlarinebienlt ein, zeichnete iid) im 
{Ruffifch« türtifchen Wrieg 1877 aus, organifierte im Auf- 
trag bes 3 fl ren Äleranber 1L bie bulgarüche 'IRarine, 
ging 1885 als URarineattache nach Uonbon, Itanb toäh« 
renb bco tfhiiuiiidi 3apanii<hen .Wriegts an ber Spißc ber 
rufftfehen ,>lottc int Stillen Czean, würbe 1898 zum Slonter« 
ab mtral unb zum tlhef ber {Diarineartillerie ernannt, erhielt 
1964 bas Ü otn man bo über bie baltiiche (flotte, bie nad) 
mancherlei Vibentenern ju fpät in ben oftafiatilchen (fie« 
tvqffem ein traf unb am 27. unb 28, {Dlai I 9 br> bei Xfu« 
fchima uott ben Japanern vernichtet würbe, geriet fdnucr 
uenounbet in bie zhefangenfebaft ber Japaner, in ber er bi» 
zum (Jriebensfchlufz verblieb, würbe nadt feiner Aüdteht 
nach {Rußlanb oor ein 5iricgsgeric!)t geftcllt, aber freigefp rochen, 
lebte feitbem als Aizeabiniral a. T. in ber 3“rücfgo zogenheit, 
war bereits im Sommer vorigen 3ohre« totgefagt worben, 
am 30. Cltobcr 1848 zu £t. Petersburg geboren, t Cafelbft 
am 14. Clcimmr. (Pcsrträt f. S. 95.) 




99 


SRr. 3421 . 21 . Januar 1909 . 


Sfluftriite 3 rftun 9- 




Gmft d. 2Bilben£>ni<f). 


3 n ©«itn, Ido er bet» SBinter aubraehte, »ft 
Cmft o. SBilbenbruch am 15. Januar im 
9tKer oon naf)« 3 u oicrunbfedMig Jahren gc* 
ftorben. Gtdrl unb leben big, wie faiim bei 
einem anbertt Xichter ber (RegemDart, regte 
fitt) bei 3Bilbenbrud)s lob eine tiefe, alt* 
gemeine Teilnahme Der Station, © ud) bet« 
jcniflc, ber ©Silbenbruchs Auuftbebaublung 
jonft femftanb, empfaitb tm ©ugettblid bes 
Öinfchcibens Des Dieters bie JBudjt unb 
Kraft Ibiefcr ©crföulid)feit, ben aufrechten, 
ftpl 3 en iSJlannesmut , Den iDealen Jlug Des 
(Reiftes unb bie eble Steinzeit feiner Qefin* 
nung. UJMt Gtjrfnrebt unb Diebe bnd)te bie 
Station De? begeifterten oaterlönbifdjen Xitfp 
ters, ber jcinft, in ber 3cit bes tiefften Xar* 
nieberliegcns ber Drain atifetjen ©oefie, ba bie 
JVraii 3 ofen unb üjt beutjd)er © ad) ahm er, ©aul 
yinbau, bie ©ühnc bel)errfrf)ton, beit Sinn 
für grofce gefd)icf)tlid)c Stoffe, für f)ot)e na* 
ticmale 5bccn geroedt i)öt, unb ber, an Der 
(Rrenje 3t»eier 3eitgefd)led>ter ftchcnb, ©oman* 
tifdjes unb fMbcnteucrlichcs mit Mealiftifchem 
unb fein ©eobad)tet«m oerbanb. 

Schon aLMIbenbru(t)s $tbftanunung ent* 
beljrtc nidjt eines getuiffen romontifdjen 
Schimmers. (Er leitete feinen Urfprung oon 
Den ioobeniotleni Ijer. ©rin,? youis Jerbi* 
nanb, ber prrufjifctje VUcibiabes, ber 1806 bei 
Gaalfelb fiel, ^atte oon ber fd)önen £>ut* 
madjertodyter Henriette Jromm awei Amber, 
einen Got)n unb eine Tochter, bie 1810 nad) 
einer lanbestjerrlicijcit ©efthuug Den Stamen 
v. ©Ktbenbrud) erhielten. Xie Tochter würbe 
Jtjöfbdme; ber Gol) n ftieg im Gtaatsbtenft 311 
l)ol)cn Stellungen empor. Cr umr ber ©ater 
bes Xid)ter&. Ungewöhnlich, bie iftyantafie 
anregenb waren bie Ginbrüde, unter Denen 
HJilbenbrud)*. Jugenb ftanb. 91m $• ftebrwar 
1845 würbe er in ©eirut (Gerten) geboren, t»o 
fein ©ater preufjifd)er ©eneralfonful mar. 

2Jtit Dem ©ater tarn ber Knabe erft nad) 

9ltben, bann nach KonftantinopcL ©nfangs 
follte SBilbenbrud) bie militÄrifd)e yaufbahn 
einfdjlagen. (Er t»arb im Kabettcnlorps er* 

3 ogen unb trat 1863 in ein (RarDcregiincm 
311 ©otsbam ein. ’älbcr Der milttärifche Xicnft 
befriebigte itjn nid)t, wnb er toanbte fid) 1867 
bem Gtnbiwm ber ©cd)te ju. Xer Krieg 
1870 fat) il)n auf ben franjöfifcben Sdjladjt* 
fei bem. Xanacf) toar, wie er felbft fagt, fein 
militärifchcr für immer befriebigi. (Er 

oerbradjte in Jranffurt a. O., äl)nl»d) wie $ettmd) t). Kleift, 
eine an fttllcn, poctifdjen Ginbrüden unb ©crfucheu 
reiche 3 e*t- 

3m Jahre 1877 tarn TäfliiDenbrucf) in bas Sluswärtigc 
9lmt ju ©erlin unb warb erft öegationsrot, bann (Cicljcimer 
yegatiousrat. SBilbenbrud) felbft betei(t)nete es als ein 
(blftcf, ©ismards ffieljilfc fein 31 » tonnen. Stad) toie oor 
bef(t)dftigte er fid) mit poctifd)cn Arbeiten, bod) trugen 
ibm biefc 3 undd)ft feinen großem Shil)ni ein. 3 ®** rlje* 
torifd)e ^elbenlieber, 

„©ionoille" unb „Se* 
ban", crfdjienen 1874 
unb 1875; eine feine 
griedjifd)? Aflnftler* 
uooellc, H Xer SSteifter 
oon lanagra" (1880), 
geigte ben Stil Der 
bamal« beliebten C5c* 
jd)id)teu auc. bem 
©Itertnm. fiange rang 
«Bilbenbrud) oergebens 
um ben bramoti[d)cn 
yorbeer. Xie ©flbnen 
«liefen anfangs bes 
Xld)ters Stüde bc* 
barrlieb 3 urüd. ©er* 

Iiner Gtubenten fül)r* 
ten 3 uerft feinen 
„TOemioniten“ auf; 

1881 gab ber Jficr^og 
oon SWeiningen bie 
„Karolinger* . (Erft nad) 

1882 ftraljlte bem Xidp 
tcr ber Stcm bes Xra> 
matiters. t£r erfebien 
Damals als 6 ic grofte 
öid)terifd)e Öffnung 
ber Cbcneration. Slafd) 
gab Der Xid)ter aus 
feinem mit abgelclpv 
ten Gtüdeit gefüllten 
Gdjubfad) Xrarna um 
Xrama heraus. Sooiel 
bunter, ftofflid)cr ©ci), 
eine fold)c ^ugenblid)« 
feit, ein foldjes Itjeater* 
talent unb fo oiel oater- 
länbifd)e fölut lodtc 
unb fprüijte fajt aus 
je bem Xrama, baft mit 










r • •, 




•Pbet, Senis ®)<ltnac. 


ffimft 0 . SBilbenbrudj, f am 15. Januar. 


SBUbenbmd) eine 'JBiebetgeburt unferer brnmatifeben Xid)t* 
funft 311 beginnen fd)ien. 

3»i SBilDrnbnidjs erften Stüden gehörten aufcer 
ben bereits genannten: „inarolb*, „©ater unb Göbnc“, 
„(Iljrijtopl) ©iarlow“, „Xas neue Oiebot“. Xurd) feine 
jtarfe, aber eintönige (Eigenart unb Durd) fein grofjes 
©ül)ncngefd)id täufdjte SBilbenbrud) 3»möcl)ft über ben 
Umfang feines latentes. (Er war im G»runbe ein Xid)tcr 
ai)ne 9tuf»üäTtsbca»eguitg ; er blieb ftcl)ett| tuo er ftanb; es 


Gruft 0 . 2Bilbenbru(f) auf b«m Totenbett. Originaljei^nung oon 3fmael (ßenft am 16. 3a n uar 1909. 


war fein ©erbängute, öa& er fid) rafd)cr ©üt)ne n* 
fcmttni© als Vebensfenntnis angeeignet batte; 
er fdjuf , tuen« er Gbaraftere bilbetr, nur 
Wollen, nid)t lebenbe ©Jcnfdjen; er erregt«, 
inbem fein Ohr Dafür ftuinpf 311 werben fdjien, 
ein m«cf)tiges <%ti>fc mit TOorten unb9Baffen. 
©on 1888 bis 1891 erfd)i<«en bic f)obeu 3 Pllem* 
Dramen „Xie Cuittoms“, „Xer (beneralfelb- 
oberft", „Xer neue ©err*. if 6 folgten 1896 
bie Xoppelbramen „©cinrid) unb i>cinrid )8 
(f»efd)lect)t u , ?n innert crreidjif aBUbcnbrud )6 
bramattfd)es Gdjaffen feinen ffiipfel. 3m 
3af)re 1892 naljm rr in Dct „©mibenlerd)«'* 
einen Unlauf jum naturaliftifd)eu Xrama. 
©Zand) ©erfcbltes trat ba 3 mifd)en beroor. 
©on ben rocrtoollcren SUerfen feiner lebten 
3 eit finb )u nennen „Xie Xodjter bes (fräs* 
muß", „Aönig fiaurin“, „Xie yieber bes 
Guripibes" unb enblid) „Xie Wabenfteinerin". 
Xie beften unb feinfteu ©Urfungen gelangen 
SBilbenbrud) in feinen SloneUen. HBös bie 
pfi)d)ologifd)e Gntmidlung unb bie £d)li<bt« 
heit ber yebcusbarftellnng betrifft, ftcfjt ber 
©oocllift über bem Tramatitcr '4BUbenbrud). 

ffllit all feinen ftet)!« 11 unb SDldngeln hatte 
SBilbenbrud) etwas ©inret&enbes. Xas laut 
bat)cr, bafj es ihm mit feinem Sdjunnig unb 
feiner ©egeiftening wirflid) (Enift war. 3n 
feinem &entüt war bie ©atertaiibsiicbe ein 
faft uim*iöerftel)iid), ftromartig ausbrechenbes 
l^efül)!. 3n ber (Rillt ber patriotifd)en Se* 
gcijtcrung, in ber JVvesfomanicr Der Xarftel- 
lung, in ber leiben|d)aftlid)cn 3nbnmft r mit 
ber er an Teutfd)(anDs Slufgaben in (Regen- 
wart unb 3ufunft glaubte, übertraf ihn feiner. 
©Itter unrecht t)<»t >u<m itjm getan, wenn 
man in ihm einen fetirilen ?fur|teubiener, 
einen blinben ©orherrlidjer ber l)oheii 3 oIlem. 
fdjen Xnnaftie fah- Gr hatte Den „Weuen 
©errn“ mit bem 3bealbilb bes ffironen Aur* 
fürften lange gefd)rieben, cf)e ber Konflilt 
»ujifdjen bem Aaifer unb ©ismard ausbrad). 
81« laiferlid)e HlUinfd)« bei ber ftortfeBung ber 
Xramcnfolge aus ber ©obcn 3 ollem gef c^ic^lr 
'JBilbcnbrudjs Freiheit als Xict)tCT finjuengen 
fdjieiten, gab er ben ganzen ©tan auf. SIus 
feiner ©isntardfehen (befinnnng machte er 
Tein ©eijl. 

3m 3 <d)rc 1900 |d)ieb tDilbcnbrud) aus 
bem DiploinatiJdjcn Xienfi. Geifbcm lebte er 
abroedjfelnb in SBeimar unb ©erlin. 911s 
©Jabner unb ©Janier, als getreuer (Sdart 
feines ©olles trat er bei 3 ahlreid)<n ©elcgen« 
heilen beroor, .julc^t in einem <Rcbid)t, bas 
„Xeutfdjcs i)Jeujat)r 1909" betitelt war. Geine« ©alles 
hat er nie nergeffen, unb fo möge aud) bas ©olf feiner 
immerbaT in Xanfbarfeit unb Öiebe gebrnfen. F. K. 

J^eater unb HRufif. 

— „Xerlehte Streich ber Königin oon ©aoarta“. 
IraufTipiel in oier 'dufjttgfn oon Johannes Staff, ber etwas 
unbehaliene ©eriiuh eines mit bem Oramatiuben ©anbmerfs- 
3 eug noch nicht genü* 
genb uertrauten, aber 
lonft begabten ©oeten, 
fanb bei feiner Grftauf- 
iiihnin.) burd) bie 91fabe* 
mifd)c ©fit) ne im yefflng- 
Ibrotrr 3 ‘« ©crlin am 
8 . 3 anuar einen redjt 
,)wei feihaften erfolg. 

— „König ttbri* 
itian II.“, 6 d)aufpie( in 
fünf »litten oon «Hbolf 
©aul mit einer fid) 
mübiötn binfddeppcn 
ben fmnMmui unb um 
crtröfllid» fd)n>ulf tigern 
Xialog, uermochte bei 
feiner Urauffflhning, bi« 
am 12 . 3anuarim3rieb- 
rid) • 2 lMlhclmftäbtifri)en 
Ibeater «t ©erlin oor 
febr brifallsfrenbigem 
.^aufe ftatlfonb, nid)i 
bie Uber.wugung 311 er* 
werfen, bah bic Wr- 
beit eines begabten Trn 
matiters r«. 

— „Xcr König", 
©urleslc in oier Sitten 
oon Goillqvet, Jlcr« 
uttb 'JIröne, hatte bei 
feiner (Erftaufführung 
am 16. Januar im 
ycHing-Ihcater 311 ®er- 
lin oermflqe einer oor* 
«Igticbcu iiiterpretation 
aor $>auptTPUcn ftorlen 
(Erfolg. 

w Xer Kampf 
uni Sd)neci»ittrf)«n", 
Utöichcnfpiel oon 3ufti,v 
ratl>r.©.©Mff,mitSRu* 
iil oon Klemens rchmal* 
iiirf»,erlebtcani 6. Januar 
in ©alet feine erfolg* 
rclrfie Uraufführung. 


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in 


Wi 


Sflllaft. Vornan non (Earl (Eontc Scapinelli. 






(11. 3fortf«fcunfl.) 

j^SSrlf n ifyrer ©äfj< mar ASalter Jdjeu, Iinlifdj, fdjüchtern. 2Bar 's fein ©ewiffen, 
bas ifjn unabläjfig quälte, ober war ’s bie Abneigung, bie iljn gegen 
//NmMj bie finblidjen Rtebfofungen feiner ihm fremben ©lütter anwanbelte? 

(Er fanb ben 2on nicht, wie er mit ihr oerfefjren füllte. (Er fanb 
bie Offenheit nicht, bie notwenbig war, um wie ein Sohn ber Butter gegenüber* 
gulrefen. (Er fanb ben ©lut ntc^t, ihr feine 3®cifel anguoerirauen. 

3mmet feltener !am er ju il)r, unb bie Iluge, weiter fafjrene grau merlte 
balb, bafe i(jn etwas oon ihr roegtrieb, unb fie freute fich, ihn ju hallen. 

CEs war iljr aud) nid)t unbefannt, bafe Atolter gegen ben Ejofrat ^redjtl, 
ber iljr uneigennüfciger greunb unb Berater war, eine A 6 neigung hatte, bie 
roofjl aus bem 3? erbadjt entfprungen war, als märe biefer feine, eble ©lann 
etwa tljr £iebf>aber. 

So feljr fie biefer unausgefprocfjene 93 erbaut Iränfte, fo hütete fie |i<h hoch, 
ihrem Sofjn ober bem £ofrat irgenb etwas bnoon mitguteiten. 

©erabe baburdj, bafe fie ben ©erfefjr mit £ofrat ©recfjtl fortfefete, glaubte 
fie bie 3 ®eifd Atolters befämpfen gu lönnen. 

Sie wollte bie beiben ©lenken gufammenfüfjren. £ofrat <ßrerf>tl, ber ifjr 
ein fo treuer ©erafer unb greunb gewefen, füllte es aud) iljfem Sohne ©erben. 
3n biefer Abficht forberte fie ihn auf, einmal 3 U ihr 3 u fornmen, wenn £ofrat 
iprec^tl feinen ©efucfj machte. 

933 a It er brauste juerft afTe möglichen Ausflüchte; aber fchliefeli<h, burdj if)re 
^Bitten gebrängt, Jagte er ju. 

Sdjon am §eintweg reute es iljn, bafe ei bas ©erfpredjen gegeben hatte; 
bcnn er Ijöfete biefen ©lann, ben er faum fannte. 

Dann aber Jagte er fidj r er müjfe ihm entgegentreten unb iljn im ©erfel)r 
mit ber ©lütter belauern, bamit er feljf, ob fein ©erbadji aud) begrünbet fei. 

So ging er in böfer Abfid)t, mit finfteren ©ebanlen 3 U ber 3ujammenfunft 

Die ©lütter fjaltc ifjn barauf uorbereitet, bafe i>ofrat ^re^tl bereit fei, iljn 
unb feine Runft gu unterftütjen unb 3 U empfehlen. 

Sein Diofe wehrte fid) bagegen, er wollte nicht beoormunbet, unterftüfet lein 
oon einem ©lenfchen, ben er hafete. 

3mmer mehr oer rannte er fid) in bem ©ebanlen, gegen £ofrat 93re$tl 
aufgutreten unb ihm gu geigen, bafj er ein ©tann fei. Unb b orf> Hopfte iFjrn 
bas f>er$ bis jum §alfe, als er bie Xreppe gut 2 Bol>nung feiner ©lütter hinauf* 
ftieg. £>b er fehon ba war? 

©ottlob, nein! ©ielleidjt fyatte er abgefagt, wollte if)m gar nicht entgegentreten. 

„Der 5ofrat roirb gleidj fornmen. Seij' bic^ ein wenig, ©3alter. Unb 
was id) fagen wollte: ©egegne iljm mit ©efpeft unb Adjtung, unterbrich ihn 
nidjt! Das lieben ältere Herren nicht." 

„3<h weife, wie id) mich gu benehmen Ijabe. 3cfe bin bod) fein Sd)ub 
junge mehr!" 

„gaft mö(f>t' man’s meinen, nadj beinern hod)faljrenben Xon, ©tolter. 2 Das 
f^aft bu eigentli^ gegen ben ©tann?" 

„©i(fets, gar nichts ! 3d> mag i^n nur nidjt." 

„Du fennft i^n ja !aum." 

„3dj will i^n auch gar nidjt fennen lernen!" 

„(Sr fann bit nüfeen unb fjelfen." 

„3(b braudj’ leine §ilfe!" 

„9lber, SöaUer, wer lann bas fagen? Du am wenig ften!" 

©un ft^wieg er roieber trofeig. 

©alb barauf trat &ofrat ^3rei^ll, oon ©aronin Derfont liebensmürbig 
empfangen, in bas einfadje 3 ^™er. 

„ 3 dj freue mi4 Sie fennen gu lernen, ©aron ZBaltet", begann er unb 
reifte bem fungen ©lanne bie ^anb Ijht, bie biefer gögemb na^m. 

Die flaren, grofeen STugen bes £ofrates ruhten wie forf^enb auf tym unb 
fd^ienen ifen gu taxieren, gu fdjäfeen. 

Das beunruhigte ©Satter im ©nfang etwas; bot^ er wollte fid) nit^t oer* 
wirren laffen unb fafe fidj ben eleganten, forgfam gepflegten gunggefellen an. 
(Sr trug einen furggef^nittenen, grauen ©adenbart, ber feine ha 9 ««n 3üge 
ooller erfdjeinen lieb. 

Um ber Sadje 'feinen allgu peinlichen unb fteifen ©inbrud gu geben, batte 
©aronin Dertorn Dee unb ©< 6 äd auftragen lafjen. 

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„Ofjre liebe ©lütter, meine nereljrte gteunbin, feat mir fchon oiel von 3fenen 
erääfelt, bafe idj tatjädjli^ neugierig märe, einige ©laloerfuthe oon S^rer 5 anb 
gu feben. ©telleidjt haben Sie welche mitgebrac&t!" 

„Ceiber nicht, ^err $ofrat!" antwortete 9Balter furg. 

„9Iber bu fannft rafch nach ipringen unb einige holen, SDalter. Der 
§err ^ofrat will fich für bidj wegen eines Stipenbiums oermenben.^ 

„3dj hoffe, ohne ein fol^es burd> 3 ufommen." 

„3hr Stolg ift aller ©h rcn rocrt i greunb; aber man fchlägt fchliefelich 
als armer ftünftfer nidjt bie $anb aus, bie ftch einem hilfbereit bietet Sie 
würben bamit audj 3hrer ©lütter eine grofee Sorgenlaft abnehmen." 

©Sieber fchwieg ©3alter. 3n feiner (Erregung unb inftinftioen 9lbneigung 
gegen ©re<htl tonnte er ben ©inbrud nicht los werben, als bränge biefer ihm 
feine ^ilje auf* 

©ber ei wollte bem ^ofiat nichts fdjulbig fein. 

©inen 9Iugenblid freilich überlegte er noch- 9?or ihm lag ein forgenfreies, 
jahrelanges Schaffen unb bie ©töglidjfeit, fi^ an erften ©tuftern btlbeit gu 
fönnen. 2 lber nein, lieber blieb er, wo unb was er war. 

„ÜBas malen Sie immer, ©aron ÜBalter?" 

Die ©lütter fam feiner Antwort 3 uoor. 

,,©r macht fjübfdje fianbfchaften, fehr ftimmungsooll, bas mufe ich fQ 9 «n, 
unb auch farifiercn tann er porgüglich." 

„Die Rarifatur erforbert fieser einen Haren ©Ird unb oiel JBife, junger 
greunb. Dennoch mochte ich 3hnen abraten, fich fy jefet fdjon guguroenben, 
ehe Sie ausgelernt holxn; fie fonnte 3hnen leicht ben ©efdjmad am (Ernften 
nehmen." 

Diefe fachliche ©emerfung erregte Sßalter aufs neue. (Er mufete bas alles 
felber unb hatte es fich f<h 011 hanbertmal gefagt; ein grember brauste es ihm 
nicht erft uo^uhalten. 

„3(h male unb jeichne eben, was mir greube macht Denn greube unb 
£uft mufe ba fein, Jonft geht nichts oormarts." 

Jrjofrat ©rechtl war 3 U fein unb 3 artfüfjlenb, um nicht gu merfen, bafe feine 
einfachen Ausführungen ©3alter oerlefet gu haben fdjienen. 

„3ch habe bas auch nicht fo gemeint, junger greunb. ©lan mufe tatfäcfjlic^ 
gu jebem 3°a«igc, in bem man etwas fdjaffen will, 53uft haben, fonft fann man 
nichts (Erfpriefeliches Ieiften. Aber man fann [ich bod), mödjte ich fagen, gur 
üuft gwingen. 3ch war auch einft Dichter ... na, unb ein Dichter ift ein 
fchlcchter ©ureaufrat. Die erften 3 a ^ rc > bie ich Staatsbeamter war, bereiteten 
mir grofee Qual; aber ich habe mich bo<h langfam eingearbeitet, unb jefct bin 
ich in meinem ©erufe fehr glüdlich- 3 Ö » l<h aucn Sie mich nur an " f ö 9 ^ ber 
Sofrat fpäu, ba er merfte, wie erftaunt ihn ©toller anblidte, „ich alter ©ureau* 
trat, ich öto^löpfiger ^ofrat war einmal Dichter, unb wahrlid) fein fchlechter. 
©lein erfter ©ooellenbanb ift jogar oon ber gefamten Äritif gelobt worben! 
©a, bas ift lange h«, fcfet erinnert fid) faum einer noch meiner 3 ngenbfünben." 

„Unb hoch fühlt es ein jeber, ber mit 3ljnen oerfehrt, lieber ^ofrot, bafe 
Sie noch heute ein Dichter unb 3bealift finb", fiel ihm bie ©aronin ins 2ßort. 
„Denn Sie haben bie <5abe 3 U tröften, aufgurichten, 3 U befreien." 

„3ch fürchte, Sie überf^ßfeen mich in Sfjrer ®üte 3 U fehr." 

„©ein, nein. Sie finb ein Dichter, ein troffreidjer; bas hab’ i^ in meinem 
Ceben erfahren. Als ich 90113 elenb unb gebrochen mar, ba haben Sie mich 
bur<h 3h« Stoftworte aufgetidjtet. Unb barum wünfehte ich meinem ein 3 igen, 
oaterlofen Sohne, bem feine arme ©lütter nicht bas fein fann, was fie mochte, 
bafe Sie auch fein greunb würben! 1 ' gaft weiheooll hatte bie ©aronin gefprochen. 

„An mir foll's nicht fehlen", meinte ber $ofrat „Aßenn nur JBalter gu 
mir ©ertrauen hat." 

Dabei falj er ben jungen ©lann an. Diefer aber [enfte bie Augen, ginftere, 
garftige, trofeige ©ebanlen jagten fleh in feinem $irn. (Et brauchte einen greunb, 
ber ihn an ber £anb nahm, burch bie Aßirrfale bes Cebens führte, ihm jeben 
3 weifel Iöfte unb auf alle gragen Antwort gab. Das fühlte er felber. Dennoch 
aber brachte er fein ©tori, bas auch nur «inen Schimmer oon 3ufrauen 
raten fyöite, über bie Rippen. 

„Sic müffen meine Abficht nicht mifeoerftehen! 3dj will mich 9 « nicht in 
3fjr 3nnerftes brängen. 3ch mochte nur jebergeit bereit fein, 3ljnen gu helfen, 
fobalb Sie es wollen unb wünfehen", fügte ber $ofrat wieber. 

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Sfc. 3421. 21. ^önuar 1909. 


SHuftrirte 3«ihutg. 


101 


„Sie täten es nur meiner OTutter unb nidjt mir juliebe!“ fügte Aßalter 
enblich frfjarf unb troftig. 

„©ielleicht audj“, entgegnet« ber £ofrat, „aus reinem 3ntereffe an 3h«m 
gortfommen." 

Abe r bas TOort Hang merflid) uerftimmt. (Er mochte füllen, baft biefer 
junge Alann nicht fo einfach ju behobeln roar, unb baft irgenb etwas in üjm 
rounb fein müjfe. 

„Ateine Alutter ift 31jnen ja rooljl befannt. Aber was fann 3l)nen an 
mir liegen?" 

„Sie fagen es ja felber: Sie finb ber Soljn meiner Iiebften greunbin!" 

„3dj roill bem Iiebften greunbe meiner Alutter nichts oerbanfen, |ktt 
5>ofrat!" 

„SDalter, aber 2BaIter f roas erlaubft bu bir!" rief bie Alutter auffaljrenb. 

„Sie beleibigen bamit forooljl 3fjre oereljrte Alutter als aud) rnic^!" 

„2Benn Sie fid) getroffen fühlen!" Äetf, !)öf)nif(^ fam es non JBalters 
Sippen. 

(Er fühlte felbft, rote ljäftli<h « f«h benaljm; aber er tonnte nicht anbers. 
Der 5] erbaut, ber fjaft fpracf) aus ihm. 

„3$ bulbe ntdjt, baft ein efiren werter, uneigennüftiger, alter unb lieber 
greunb in meinem Saufe oon meinem 3 un 9 cn befähigt roiib! ©eh, SCalter, 
oerlaft meine ASofjnung — geh!" S 0( h auf gerichtet, totenblaß mit aller nur mög« 
liehen ©eherrfdjung unb JMrbe ^atte ©aronin Dertorn biefc Aßorte gefprochen. 

GBalter erfdjraf. 2Bortlos, tief befe^ämt, fdjlid) er aus bem 3immer. (Er 
horte noch, roie feine Alutter, enblidj bes lebten Saftes beraubt, fdjluchsenb in 
ben Stuhl fanf, unb roie §ofrat ©retf)tl ihr Üroff jufprach- 9Bunb bis ins 
3nnerfte, in an allen, fcf)lich er bie Sreppe hinunter, hinaus auf bie Strafte. 

„Sie muffen bas nicht f° auffaffett, liebe Baronin, Atolter fieht in mir 
einen geinb, roie meift bie 3 u 9 e nb m bem 2111er!" 

„Aein, §err öofrat, bas ift es nicht, bas nicht Aber fc^Iec^t ift er, grunb* 
fchledht in ©ebanfen. (Er bentt an bas, rooran mir beibe nie gebacht, feit roir 
uns jum erftenmal bie £jcmb gefchüttelt, feit Sie mir ben elften Droft gefpenbet 
haben. (Er halt feine Alutter für 3hre — ©eliebte!" 

2Bie ein oer^roetfelter Schrei fam es heraus. 

„Aber, Saronin! 2Ber fann bas fagen! Der 3 un 9 c lew nt *>as 
noch nicht (Er ift nicht fchledjt, roeit er oon 3hnen fehlest bentt Die 3'®cifel 
quälen ihn. Sie muffen iftin enblich roegen 3hrer Sdjeibung reinen 2Bein 
einfehenfen!" 

„3«, es roar unrecht baft i<h bis jeftt fc^tsieg. Aber ich fürchtete nur, er 
tonnte mich, bie ganje Sache, feinen ©ater nicht oerftehen! 3ih roill ihm, ehe 
ich ihm bie Alutter nicht roirtlich geben fann, nicht auch ben ©ater rauben!" 

„Sperrt, ©arrmin, Sie follen ihm beibe erhalten, ©ater unb OTutter, unb 
barum muffen Sie es ihm jagen. Älar unb ruhig- Unb roenn Sie erft mit 
ihm reben, bann bleiben Sie ihm unb ber unglücfliche Dertorn!" 

IX. 

3n ber ©illenpenjion ©ent ^atte fich im fiaufe ber lebten 3 e »i manches 
oeränbert. ©or allem roar es immer ftillcr geworben. Die (Englanberin unb 
ber ©icomte hatten Alündjen oerlaffen, ©abette ging traurig ihren ©efeftäften 
nach, bie Gingen malte fleiftig ober ftreifte mit ihrem ©Täutigam War ©erg 
burch bie ©Salbet. 

Unb auch ber eroigfrohe greiljerr oon ÜDangen roar ein roenig einfilbiger 
geworben. Denn nach jahrelangem ^enj ionsbetriebe fah er enblich hoch ein, 
baft ein Alann oon feiner Aobleffe babei nur ®inbufte erleibe. Sein Äummer 
über bie S^ulben, bie fich nach unb nach gcfammelt hatten, roar nicht allju 
groft. Aud) h icr half *h m fäne oertrauensfelige Aatur über bie ärgften 
Sorgen hinroeg. 

©ach ein« iängern, ernften ©efprechung mit grau Amalie mürbe befchlojfen, 
bie ©enfion roenigftens in ber bisherigen ©röfte aufjugeben unb fich möglichft 
einjufchtänfett. So biteben, nad)b«m man auch bie ©illa mit einer fleinern in 
©ern oertau fc^t hatte, nur gräulein Gingen, bie bei ber ©aronin ©talftunben 
nahm unb mit tiefer bas ©telier teilte, unb ©abette Herr übrig. Diefe führte 
bie Üöirtfchaft, roährenb grau ©malie flciftig hinter ber Staffelei ftanb, um ju 
oerbienen, unb ber ftwl)« 1 * an feinem ©uchc „Cebensglaube" fchriek 

3a, 2Bangen jaft Xag für Xag hinter bem Schreibtifch unb arbeitete. (Er 
hatte bie fejte Überjeugung, baß fein ÜDerf, auf bas er |id> burch ein ganzes 
ÜJJenfchenleben oorber eitet hatte, ©rfolg hoben mürbe, ©r hoffte baoon feine 
Schulten ju' 3 ahlen unb obenbrein enblich befannt 3 uroerben. 

Xatfäd)lich fe^te 2Bangens „£ ebensglaube" halb nad) feinem ©rfd)einen 
bie gefamtc Äritif mie auch bas ©ublifutit in freubiges ©rjtaunen. ©s roar 
fetnesroegs ein abgefd)loffenes ©ud); man fonnte es roeber ©oman noch 
philo fophifdje Setrachtuug nennen, ©s umr eben ein echter langen. Seine 

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optimiftifdje, fompatljifdje, Iei^tfröhlichc fiebensauffaffung, fein £ang ju grohfinn 
unb Säften, feine ©eradjtung für ben 3Bert bes ©etbes, feine tiefe, reine 
©tatfdjenUebe, fur^, fein berounbemsroerter ©laute ans Seben roar im 3 eitalter 
ber peffimiftifchen Defabenj elroas fo Seltenes, baft biefer frohe fiebensbejaher 
auffallen muftte unb man gerne nach tiefem ©udje bes Optimismus griff. 
Sein 3bealismus rift bie ßefer fort unb bereitete ihm einen fdjönen (Erfolg. 

Freiherr Hurt oon JBangen oerbiente mit feinem „flebensglauben", ber ihm 
freilich eine fdjöne Summe gefoftet F)ertte, utel ©elb. Seine ©laubiger 
tefriebigte er jeboch nur teilroeife; benn ein Gebens befa her roie er brauchte auch 
biefe Summe für feine Dljeorie. fiängft fchon hotte er ben Drucf ber tleinen 
©erhältniffe, in bie er hineingeraten roar, unangeftm empfunben. 

So fam ihm bie für bie nädjften läge am SBiener ©olfstheater angefeftle 
©remiere oon ©ergs neuftem Stüd hoppelt gelegen. 

©r roar ber ©rfte, ber ben ©ebanfen ausfprad), gemetitfam ju ber 9 Iuf. 
führung nach ®5«n 3 U fahren. Sräulein Gingen roar fofort geuer unb glammc 
für biefe 3 bee. 

©abette ftraubte fich anfangs. Sie fürchtete fief) oor einer ©egegnung mit 
©Salier. ©u<h roar ifjt 3 umute, als fonnte eine ehrliche ©usfpradje jeftt 3 um 
uollftänbigen ©ruche führen. Dennoch 3°8 es P* ©lacht naef) 9Bien. 
©lies, alles wollte fie opfern, wenn jie nur enblich Klarheit belfime unb ihm 
für Stunben in feine lieben 2lugen blicfen fönnte. 

2 Bangen, ber roohl fühlte, roas ©abette abhalten mochte, rebete ihr 3 U, in 
bem ©Iauben, baft ber Aufenthalt in ber ^auptftabt fie aufheitem roürbe. 

Auch üJlutt^en, roie bie finberlofe Amalie immer noch oon ihrem ©lann 
genannt rourbe, follte nach beffen ÜBunfdje mitfommen. Aber fie lieft fich n ‘<hl 
ba 3 U 6 eroegen. 3n ber frohen ©rroartung, baft enblich nach 3 fl hren einmal 
in ihrem §auje eine roohltuenbe Stille ^errfe^en roüt^e, bat fie, baheim bleiben 
3 U bürfen. 5lach langem £>in unb §er roilligte 3Bangen fchlieftlich ein. 

Das roar eine Aufregung an jenem SRorgen, ba ©abette, gräulein Gingen 
unb ber gretfjerr ©lunchen oerlajfen follten, um nach 2 Bien 3 U fahren, ©tai 
3ofeph ©erg, ber noch immer ©erficherungsbeamter roar, weil er erft ben (Erfolg 
feines Stüdes abroarten roollte, hatte fich vorher Urlaub genommen unb roeilte 
fchon feit mehreren Xagen in Sßien, um ben ©roben beiäuroohnen. 

3itternben £erjens fah gräulein Gingen bem Ausgang ber ©rentiere ent* 
gegen. 2Benn bas Stüd gefiel, fonnten fie enblich ein ©aar werben. Sie 
roollte fleißig malen, unb 9Jtar füllte fdjreiben, bann roürbe es fd}on gehen. 

Alit bem ©torgenfchnelfoug fuhr man gegen A3ien. ©kngen roar befter 
Gaune. ©r hatte einen ganzen ftorb feiner Delifateffen ins ©oupe genommen, 
um bie Aeife gemütlich 3 U machen. Da er merlte, roie bange es ©abette roar, 
gab er fich «blich SJlühe, fie aufjuheitern. Am ©aljnhof in ©Jien würben fie 
ja ©erg unb Derfom erroarten. 

„3<h bin neugierig, roie ber 3ünge ausfiehl. Der ift ficher im Ieftten 3®h« 
ein ganäer Alann geworben !" 

„Aßenn er fich nur nicht oeränbert hat!“ fagte ©abette. 

„Ae in, liebes graulein, ber bleibt ber alte! Der hat einen guten ftern. 
Aa, roie ich mich freue! 3hi müftt aber auch 3 « ihm fein, nicht gleich 
ftieiten unb janfen." 

Dann hatte SBangen roieber graulein Gingen bie leftten 3a*ifel um ben 
(Erfolg bes Sergfdjen Stüdes 3 U nehmen. 

„©5 roirb ein ©ombenerfolg, paffen Sie mal auf! Aa, roir roollen aber 
auch alles tun. Apropos, wer will einen glügel oon ben ©oularben? 3jt 
3hnen ABeftfäler lieber? Unb ein paar Xropfen Deibeshetmer? Geiber ift er ein 
biftdjen roarm. Aa, ©abettchen, Sie muffen auch efjen, baft Sie bei Straften 
finb, roenn roir nach 2Bien lomnten. ©s fte^ert uns grafte Strapazen beoor!" 

So ging es weiter. 3n einem fort war er um bie beiben Aläbchen bejorgt, 
fuchle fie ju iröften, auf 3 uri^ten, 3 U jerftreuen unb jum ©ffen auf^uforbern, 
bamit fie heit unb fröhlich in 2 Cien anlangten. 

©nblich fam man in bie Aälje ber gauptftabi Der 3ug fuhr burch ben 
mit ©illen befäten 2Biener A3alb bahin. ©orortftationen, h^l erleuchtet unb mit 
harrenbem ©ubMum, flogen an ihnen oorüber. (Sitte freubige ©rregung hatte 
fich SBangens unb bes gräuleins Gingen bemächtigt. Caut Hopfte ©abettes 
§etj. Aber -eine geroiffe jittertibe greubigfeit 30 g auch in ihre Seele ein. Aun 
roürbe fie ihm gleich gegenü 6 erftehen, nach langer, qualooller Xrennung. 

Der 3ug fuhr in bie Anlunftshalle bes A3eftbahnhafes. Aun htdt er. 
Aßangen ftredte ben itopf roeit jum genfter hinaus, ©r hatte fofort ©erg 
unb Aßalter Derlorn erfpäht. Saftig, mit einem frohen AJortfchroall oon 
©egrüftungen, fprang eT aus bem Aßaggon. Die jungen ^enren brängten fich 
näher heran, um ben Damen beim Ausf teigen behilflich $u fein. 

gröblich fprang Alina Gingen in ©ergs offene Arme. Dann erfchien auch 
©abette iferr in ber (Eingang stür. 3agemb, fragen b, mit groften Augen fah 
fie AJalter oon Dertorn an. ®r aber jtredte ihr bie £anb entgegen. 

„Gomm fchnelf, anbere Geule roollen auch ausfteigen!" 

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102 


3Ihi|trttte 3*ttung. 


9fr. 3421. 21. 3aituar 1909. 


Sie ftanb »or iftm auf bem ©aftnftetg, oor greube unb (Erregung tief rot 
Sdjlanl unb F)oc§, roudjs er an t^rcr (Seite hinauf. 

31) re 2 lugen fofjen iftn an unb formten. 213ar er ber alte? 

£aftig Rangle er ftc^ in iftren 2 lrm. 

„ftommft bu bir aud) einmal SGien anfe^en!“ fagte er. 

„3dj muft bod) meinen Sräutigom einmal befugen!" meinte fie, »erlegen 
ß^elnb. „ 2 Bie ge§i es beiner ©lütter?" 

„©ut, gut, id) banle!“ ©afd), abgeb rod)en, ausroeidjenb lam es heraus. 
„Du muftt mid) ju tljr führen, Sßalter!" 

„3ö, ja r aber jeftt wollen rohe an etwas anberes bettlett." 

Dann famen fie roieber mit bem greiljerm unb feinen Begleitern jufammen. 
3m Xrubel brängte alles bem Ausgang 311 . 

Sie fuhren ins $o!el, 11 m 3 imm « r 3 U beftellcn unb fid) ju reinigen. Dann 
wollten fie irgenbwo 3 ufammen foupieren. 

Sßäfjrenb bie beiben Damen unb 2Bangen Dotierte malten, warteten ©erg 
unb 3ßalter unten am Soteleingang. ©erg fpradj aufgeregt oon ben groben 
feines neuen Stüdes. 3Rit falbem Oftr ftörte iftrn Derfom 3 U. 

„ 3 a, bu ftaft ©Iüd, bu roirft oorroärts fommen, ©lai. ©on mir fann id> 
bas nidjt fagen. (Es toill niefjt redjt geljen." 

„Didj quält oielleid)t ju oiel, roas bid| abfjält, was auf bir laftet 2Benn 
bu erft frei bift, bann roirft bu bie §5 Ije fpielenb erreidien." 

„grei, frei . . . wenn idj's roäre! 216er id) bin ja gebunben, an meine 
©lütter, an bie Rerr. Du roeiftt, id) liebe ©abette; aber id) F)ab' ja leinen ©rroerb, 
bin nod) nid)t am 3 ^ $>aft bu il)te traurigen, porwurfsoollcn Slugen gefefjen? 
Sieftft bu, bas laftet auf mir.“ 

„Unb id) fjabe gebaut, bu roäreft »ernünftiger geworben, näfjmefUetjt bas 
£eben roeniger Jd)roer unb fäfteft alles meljr lädjelnb an.“ 

„ 3 n ber Dfteorte!“ 

„3d) badjte, bod) aud) in ber Runft“ 

„2Begen ber paar RarilatuTen?' , 

„©ie »erraten eine feltene ©egabung, einen emften, tiefen ^umor. Du 
lönnteft auf biefem ©ebiete Duftiges leiften.“ 

„Du meinft, als Raritoturift? Soll bies bas ©nbe meines Rünftler* 
traumes fein?“ 

„©ein! 3lbex bu follft beinen Rünftlertiaum nad) einer beftimmten Kid)* 
tung Ijin roenben. (Erft bann lann man elroas erretten.“ 

So fpradjen fie weiter, bis bie Damen unb Steigert oon ©kngen fterab* 
famen. Dann begaben fie fidj burd) bas ©erooge ber ©lariaf)ilfer Strafte jum King. 

©erg unb ©lina Gingen gingen ooraus; ©Sangen, ©abette unb ©klter 
folgten. 

©langen roar roieber in befter Baune. (Er genoft ben fdjonen Spatfterbfttag 

unb braute aud) in ©abette, bie bis jeftt nur immer 3Balter fragenb betrautet 

Ijatte, etroas Beben. 

„Rinber, nun roollen mir aber einmal gemütlich fein, wie »or 3 flI ) ren 
uns brauften in ber ©enter ijlenfion. Die 3 e *t en mären aud) nid)t garftig.“ 
„Du tjaft ja mti beinern ©ud) einen Kiefenerfolg gehabt!“ begann SDalter. 

„Betber Ijabe idj es bis jeftt nod) nidjt gelefen. Du warft fo gut, es mir 3 U 

leiden; idj freue mid) baTauf. »Bebensglaube!« 2Beld) fd)öner, oielfagenbec 
Xitel 3a, wenn td) biefen Bebensglauben Ijätte“ . . . ©eufjenb fam es über 
feine Sippen. 

„Den muftt bu bir eben erroerben! ©lau ben, wirflid) an etwas glauben 
tann nur ber, ber ebriid) wilL ©ibt's roas Sd)öneres als bas Beben in feiner 
roedjfelnben ©ra^t, in feiner ewigen ©ewegung? Daft es, um fd)ö« ju fein, 
um bewegt unb lebenbtg ju bleiben, uns aud) rüttelt unb fdjüttelt, bas barf 
nidjt weiter genieren. Sßeiftt bu, roas ßinger» Banger --Io einmal irgenbeoo 
förieb? »©emimmft bu aus fdjimmember ^öf)’ ein Ba^en mitleibiger Spötter? 
Dein füfteftes ©lud unb bein bitterftes 2Bel) finb F)5d)ftens ein Gd>au|piel für 
©ötter !« w 

„©in Sdjaufpiel für ©ötter!“ wieberl)olte Xöaltcr refigniert, ©abette an- 
blidenb. 

2lber 2Bangen lieft fid) nit^t beirren. „Du muftt eben in bie fd>immernben 
$öf)cn, muftt mit ben milleib igen Spöttern lacften, muftt bid) felbft 3 U ben 
©öttem regnen.“ 

„ 2 Ber bas fönnte!“ 

„©in jeber fann's, ein jeber Äünftler roenigftens. 2 Bie oft Ijat miä) bas 
Beben beugen wollen . . . id) Heft es nic^t baju fommen. Unb biefem flarren 
?laden, biefem ©lauben an bie Äöftlid)!eit bes Dafeins bante idft meine Bebens* 
auffaffung, meinen §umor, meinen Optimismus.“ 

Sc^weigenb dritten alle brei eine 3 ^dlang weiter, ©langen war fo über* 
3 eugt oon bem, was er fagte, baft er befriebigt ft^roieg. ©abette unb ©3alter 
aber oerglidjen unwiUlürli^ i^re fentimentale traurig«, ängftlidie, qualenbe Bebens* 
auffaffung mit fernen ©Sorten. Sollte wtrllicft iftr füfteftes ©lüd, iftr bitterftes 

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3B«b nur ein Scftaufpiel für bie über ben ©Sotten fein? 3«. menn SCalter 
aud) ju biefer Ejölje lönnle, wenn er bie ©rbenfdjroere oerlöre, ben Sallaft aus 
ber ©onbel würfe, bie ©ebanfen, ©abette, bie ©lütter, alles! 

2 lber baju feftlte i^m ber ©lut, bie innere greifteit 

So wären ©abette unb Derfom fteute leine guten ©efellfdjafter gewefen, 
wenn fie SBangen beim Souper nid)t immer in feinen Sann gejogen ftäite. 
©eibe ftatten fo uiel auf bem ^erjen, ftatten einanber fo oiel 3 U fagen unb 3 U 
flogen, baft fie, oon ber Öberlaft gebrildt, gar leine SBorte fanben. 

Defto fröftlicfter waren ©Itna unb ©erg. 2Bangen lieft nad) bem Souper 
©Ijampagner fommen. © 0 $ einmal füllten fie alle feine lieben ©afte fein. 
3ögernb willigte SBalter uon Derlorn ein. 

©aeft unb naif) umgab aud) iftn ein woftliges ©eftagen. Die Stimmung 
bes reinen ©enuffes, bie guter 2 Bein unb liebe ©lenfdjen in jebem Äünftler* 
fteqen erjeugen, fam über i^n. ©ur ©abelte faft ftumm unb traurig ba. Sie 
ftatte fic^ bas SBiebeTfeften anbers oorgef teilt: allein, traurig.glüdlid)e Dränen, 
glüdli^traurige 2 Borte unb fefte, efterne 3 u f u nft&fc^roüre. 

Das, was iftr 2DaIier ftfton in ©lürn^en entfrembet, bie tollen Bebensfreubcn, 
ber bacdjantifdje Hünftlertaumel, umgab tftn au(^ ftier in bem fröftli^en 3Bten. 

Stumm faft fie babei. Die ©läfer llirrten, bie Stimmen ftftmirrten. (Es 
gab für fie nur eine Kettung: mitjumadjen unb, gleid) ben übrigen, fid) in ben 
Strubel su ftüräen. 

©lit tränenfeuefttem Slid, mü^fam lä^elnb, nafterte fie iftreit ©ftampagner= 
ftl^ ^ilternb bem feinen. Da ladjte au^ er auf unb legte feinen 2 lim um iftre 
lüften. 

,,©a, ©abett^en, erwac^ft aud) bu jum Beben?“ Unb er brüdte tftr einen 
p^tigen, roeinfeudjten Ruft auf ben ©aden. „ 2 Bir wollen glüdlicft fein, wunfe^* 
los, traumlos glüdlic^, ©abettc^en, nit^t immer nad) ber 3 u lunft fragen, nad) 
ber fernen 3 ufanft . . . ©eit, ©abettd)en?“ Ballenb, roie nur ber 2Bein mad)t, 
fam es oon feinen fiippen. 

f ,©id>t nadft ber 3 ulunft fragen? 1 ' Slngftooll roieberftolle fie feine 2 Borte. 

„3ft bie ©egenwart nieftt feftön genug?“ Sie fdjroieg auf feine ©egenfrage, 
ftaljl unb blaft, bis ins 3nnerfte erfifjredt, Tüdte fie oon iftm ab. ©r aber 
meTfte es faum. ©3a$ ging iftn bas fabe ©täbel an? ©r trän! unb fang 
weiter, ©r lieft fic^ oon 2 Bangen bie ©runbjüge feines „Cebensglaubens“ 
aufjäftlen. 

©id)t na^ ber 3 ulunft fragen? badjte ©abette roieber. 3 a, roar benn nid)t 
bie ganäe ©egenroart ein banges JBarten auf bie 3 nlunft? 2 Barum roollte 
er nieftt an bie 3 ulunft erinnert fein, bie iftnen bie enblii^e ©ereinigung brächte? 
2 Bie eine SKutter ftatte fie auf iftn geachtet, unb nun roollte er iftr entweidjen, 
fid) oon iftt abwenben! So leisten Äaufes lieft fie iftn nidjt heften. Sie 
wollte um iftn lampfen, fie roollte feine ©lütter 3 UT ©unbesgenoffin ftaben. 
©ine gHM, bie im Beben fo oiel mitgema^t, würbe fie oerfteften. 

©anj blaft Ieftnte fie fi(b 3 urüd. ©in fterber, bitterer 3 U 9 Ie 9^ M um 
iftren ©lunb. 3n rollenben, follernben ©Jellen brang ber laute 2&ortjd)wal( 
ber anberen 3 U i^r fterüber. 2lber fie oerftanb lein ©3ort baoon. Sie ftörie 
bie Bingen fiöftlic^, glüdlid) Iadjen ... Sie ^aftte plöftlid) alle um fie, bie bas 
Beben fo Ieid)t unb luftig naftmen; bie ba glaubten, immer nur gefte feiern 3 U 
müffen, unb bie bas ftille ©eftagen unb ©efefteiben eines l leinen Reimes ni^t 
lannten. föortfctjunfl folgt in ber näc&ftm Uhmimcr.) 


Blage am Slbenb. 

3ton 3 . g. SBInbfjoIj. 


Die Drauer trübtr Xagc 
©uftt auf ben braunen Säumen, 
Öon bunfleT gxeuben ^Slage 
Der Staub unb bumpf ©erträumen. 

Durtb graue Sangigfeiten 
3wei roeifte ©iifen bämmern, 

Unb aus ber (Erbe ©ebreiten 
^3od)t eines £**3ens f)ömmem. 

3 m Strome lidjioerglommen 
Rämpft bort ein ©00t oergebens, 
So bift aud) bu getommen 
ißom Ufer beines Bebens. 


3wei 3 Banberer mit bir fdjreitcn: 
Dein Sd)idfal unb bein Sötlle. 

Die blutenben ©loden läuten, 

©lein £>«3, mein öerj«, fei ftille! 

Sie tjabem unb fämpfen unb toben. 
Die Sage, bie Stunben, bie 2 Bod)en, 
Die 3 a^ee finb »erftoben. 

£)örft bu bas £)erje podjen? 

llmfonft bein Streiten unb Streben; 
©s tft bir nidjts geglüdct, 

Unb alles rotgülbene Beben 
Der Söinterreif bebrüdet. 


©s ftält unerbittlid) gefangen 
Des ©cftidfals bumpfe £>ülle 
Dein fterbtnbes ©erlangen, 

©lein §erj, mein ^jerje, fei ftille! 


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Slaifer 2öilf)elm II. auf ber Xerraffc feines Sdjlojfes 2ld)illeiou auf Äorfu. 'Jiad) einem ?Iquarell oon 'JBilli) 3tämer. 


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104 


3nu[trirte 3 e ^ un 9^ 


ÜJtr. 3421. 21. Januar 1909. 



Das SWauloleum ftaiier Dioltetians in Spalato, je^t DomKtdje, mit hem rc|tauriertcn romamföen üampanilc. 


Der Dollenbete Campanile in Spalato. 

^|\id)t jener Ätampaitile, auf ben bie „Stönigintn berülbria" 
»•Mftolt wcir, unb beffen 'iBicbcraufbau nad) bem Ju* 
fammcnbnid) in ftünftler- unb G>clcl)rtenrveifen als 
felbftDcrjtäubtid) galt, fonbcrn fein ÜRioal auf bcr 5fft« 
liehen tfüjtc bes Wbriatijehen ©leeres ragt roieber fül)n 
empor, über beffen Wcnouicning biefelben Alrcijc nod) 
immer ocrfdjiebener Blcinung finb. Gs ift bcr Tom« 
fampanilc 3 « Spalato, bcr fid) nad) fajt brcihigjähriger 
Umhüllung wiebcr au« bcr Witte bes gigautifeben 
Dalaftes Tiollctiaus, bes mächtigen Imperator«, ergebt, 
um burd) bi« ruilbrn Xönc au« {einem 3 nnem weithin 
ju ocrlfmbcn, bajj bas ftrcuj, bas jein fraupt jierte, 
wieber über bcr (fjrabftätte (eines graufamen Berfolgers 
rrgUnjt. 

Bor breigig 3ahren baufällig geworben, tuurbe bcr 
Campanile mit einem mächtigen ^ol.tgerüjt umgeben, bas 
ein Wotjncidjen für bie Stabt Spalato tu werben Drohte, 
ba bie ©citauricruug&arbritcti nur langfam uorfchrittcn. 
Grft in bett Icijten Jahren tuurbe ein l>rfd)lcunigteres 


Tempo eingefctylagcn, unb am 2 . Xctcmber 1908 tonnte 
cnblict) bie (Euthitllmigsfricr ftattfinbeu. ©ad) bcr Höeitjc 
bes Xurmfrettte« unb bem Tanfamtc für beit 3 11 bei- 
faljer hielt ber uttermüblidjc unb eifrige Ätonferoator ber 
Spalatiner Battbenfiuale , ©lonfiguore (£r. Bulif, unter 
bem Siefenbogen bc« Turmes an bie freubig erregte 
Bolfsmeuge auf bem Tomplatj eine Hnfpradje, ber u>ir 
folgcnbe Soliden über bie ©augefthidjte bc« Xumies ent- 
nehmen. 

Sd) oit um bie Witte bes fiebeutcu 3 at)rl)tmbcrts mürbe 
ba« ©laufoleum tfaifer Tiottetians in bie 3lathcbraltird)e 
ber christlichen Gtcmeinbc, bie fid) nad) ber Jcrftörung 
Salonas tut Tiotlctianifdjen niebcrlieh, umgetoan« 

beit. Tod) ber .{weite 'Bau, ber nad) beit liturgifdicn 
Borfdjriftcn bie Gilätibigen 31 t r Atirdjc einlabcu fällte, 
fehlte gäuilid), unb teiu 3lrd)itcft umgte fid) heran an bas 
Problem, eilten Turm 311 erbauen, ber mit biefer Cöruppe 
römifd>er 'Bauten, bem ©lauf oleum, Bcriftgl, Bcftibül unb 
ber jella, welch letttcre iu bas d)riftlid)e Baptifterium um» 
gemaubelt tourbe, in Ginllang ftäubc. Grft in bas brei* 
lehnte Jahrhuubcrt, ba burd) ben ftunftfinn einl)cintifd)cr 


dürften bie herrlifhftcn Bau* 
benfmale Talmatieits entftan* 
ben, fällt and) ber Bau bes 
Spalatiner .Üampaniles. Um 
aber ben Turm twifdjett bem 
öjtlicheit Beriitulflügel unb 
bem Waufoleutn 3 U errichten, 
muhten bie Broftajis unb 
bie beiben Sphinxe, bie 
not beut fiaupteiitgang bes 
'JOlaufoleutns (tauben, entfernt 
tuerben. (Eine Sphinx mürbe 
im Ontercolumnium bes öft» 
liehen ©criftijlf lügels aufge» 
(teilt, wäfrrettb bie {weite 
nad) Dielen Irrfahrten in 
ben eitt teilten lüchöften ber 
Spalatiner Käufer Dar etwa 
öreifoig Rohren enblid) fopflos 
im Spalatiner ©lufcunt Unter- 
fünft faitb. 

21 11 ber Stelle ber ©roftafis 
mürben twei md(t)tigr Bfeiler 
crridjlet, bie, burd) einen Bogen 
überwölbt, bas gante G>ewi<t)t 
bes 59, t m hohen Turmes 
tragen. Ttttd) biefen Bogen 
würbe aud) bcr £>auptcingcuifl 
tum Tom ermöglicht unb ber 
freie Blicf auf fein herrliches 
Bortal geöffnet. Wit fünft» 
finnigem Werjtünbni* baute 
man fobamt bie übrigen Storf- 
werte auf, immer bas rämi(d)c 
Bogeumotio über ben Säuieit 
tut Beriftpl nöd)al)iiteub. 3tt* 
folge ber mit reichen Orna- 
menten gebachten Slrbeit trat 
alsbalb (ftelbttot ein, bie [ich 
öfter bemerfbar machte, fa bafj 
ber Bau fedjstttal unterbrochen 
werben muhte nub erft imfieb- 
tehnten ^ahrhunbert oollenöet 
war. Obwohl ben Xunnbau 
Weifter wie Oieorg Orfiui, öer 
(Erbauer bes Tome« in Sebe- 
nico, leiteten, fo gewahrt man 
bod) in ben ocrfchiebenen Stocf« 
werfen ardjttclionifche Wfingcl, 
bie ba« fehlen bei Hünftler» 
haitb bes erften Bauleiters er* 
fenneit Inffcn. S ehr ri el Wate* 
rial mürbe für ben Bau aus 
bem beuadjbarteu ©uinenfelbe 
Dort Salona geholt, fo bah 
mittrlaltcrlid)c Brchitettur mit 
rom ifdicr Sfulptur oemteugt 
wttrbe. (Etwa fcchtigtaufcttb 
vöolbbutaten würben für bcu 
Bau bes ftatnpaniles unb für 
Busbcffentngcn an ihm aus- 
gegeben, Tas mangelhafte 
Blote rin! unb bie llnbilbett ber 
BHtieruitg oerurfad)tcn jebod) 
bie norteitige Baufälligfeit bes 
Xurmes. ©Jit bem (Hufe bcr 
Spalatitter, bas prächtige Teuf - 
mal noin fid)cm Berfdlle tu 
retten, oereinigten ihre Stimme 
Brchäolagen, Aünftler unb 
9Ird)tteften; ein G 0113 c, Wie» 
mann, Raufer leniten bie 9luf* 
nierff amfeit ber fHegieruitg auf biefes ftunftbenfmal, unb 
©ttfattg ber ad)t,ygcr 3 ah w »origen 
würbe bic SRcftaurierung bc« ©laufoleunts (Tonics) unb 
Xurmes auf Staatsfoften befdjloffen. Tauerte bie Gr- 
bauung bes Aampanile« infolge bes mehrfach emtreten- 
ben Gielbtnaugels brei oerftrich genau 

ber jehnte Teil ber 3eit, bis bie WeftauricTung 3 U Gnbc 
geführt umrbc, unb für biefe wie für jene würbe etwa 
berfelbe Betrag aufge wen bet. 

Blag ba« Problem be« imbefannten 9Ird)itcften, ben 
Xumt 3 wifd)eu Boriftpl unb ©laufoleuin tu ftcllen, nicht 
glüdlid) gelöft worben fei», benn M fid)crlid) würbe ber 
Mantpanile eine oiel gröbere Bcwunbentug erregen, wenn 
er nicht inmitten fo oieler flaffifchcr Äunftbauten empor* 
ragte"; mag man über bie biirchgeführtc Beftaiiriening 
bes Äampanifc« benfen, wie man will, eins wirb man bei 
beffen 'Jlnbltd uid)t unterlaffen rönnen: bie Aunftformen 
unb ben (blauj bes roniattifdicu Stils, ben bic balma- 
tiuifchen Hlrd)itcften bes ©littclaltcrs fnltioicrteu, tu be- 
wunbern unb an.tuerfcnuen. 

Spalato. 3. 3'tibarZU. 


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gifömaifi iit (£f)ioggicL Wad) einem Aquarell »on <&eo. €. öadd. 




106 


3llu|triite 3*ito |l 9- 


9k 3421. 21. 3anuüt 1909. 


Die türfifepe Armee. 

Von ObeTlt«nler, AoilrrHcb Damanitdjtm denwallrutnaiu a. 35. 

fllltnn Sie i« Lonftantiuopel beim Gclamlif 311m erftcn- 
«iömal bie pocpgeroachjenen , fcpnigen uitö fonneit* 
«bräunten türfifcpen Soldaten an fiep Doriibcr.jiehmfepen, 
fo werben Sic oerftehen, weshalb die türfifdjen öeere 
rinftmals die tjalbe iffielt erobert paben." Blit biefen 
JBörten fenujeicpnete ein !)öl)cr beutfeper Offizier unb 
Bereprrr ber osmanifdjcu Armee Die türfifdjen Druppen, 
als i<p mid) oor ficbett ^opren ® on »pm oerabfcpiebete, 
um als 3 nftruftor in türftfcpo Dionfto 3U treten. 

Oft habe ich f pater an biefe Bßortc jurüdbenfen muffen, 
roenn Kameraden ber bcutfcfjen Armee mid) in Äon* 
ftantinopcl befud)tcn unb Freitag (türtifchcr Sonn« 
tag) Dem Setamlif beiwohnten. An Diefein Inge fährt 
ber Sultan, begleitet oon einem gläujcnDen (Gefolge, oon 
feinem 3 cploffc 3ilbis>ftiosf «o<P der »°pc gelegenen 
Öamibie» 9 Rofd)ee, um fein (bebet 311 oerridjten. Gruppen 
aller ©affen marfd)tcren porper im ©arabejug 311 beiben 
Seiten ber Gtraße auf unb bilben roäprcnb ber Borbei« 
fatjrt Des ©roßperm Spalier, Der Aufmarfd) ber Gruppen 
oetfeljlte niemals feincBSirhtng auf biebeutfd>en Kameraden, 
unb bas militärifcpc Auge erfreute fid) an bem prächtigen 
Btotcrial, bas für bas ©arbeforps in Konftantinopel nidjt 
einmal befonbers ausgeroäplt wirb. 

Die 93 ortrefflid)teit des türfifepen Golbatenmaierials 
lernt man aber erft würdigen, toenn man längere 3*** 
ber Armee angepört unb gemcinfam mit ipr gearbeitet hat, 
in guten wie in böfen Etagen. 3 d) pabe Öen türfifepen 
Soldaten nid)t allein in ber (ftarnifon, foitbern auefj im 
Krieg sjuftande während bCTmajebonifdpcn Unruhen Cennen 
gelernt ; überall, auft) unter ben fcpWKrigften Berpältniffen, 
tat er feine ©fließt unb Sdjulbigfcit bis jur Sclbftaufopfe» 
rung — optte SBiderrebe, opne ein XBort bet Klage. Sein 
Kismet half itjm über alle fcEjajierigen Lebenslagen pinroeg. 

Der Dürfe ift ein getonter Soldat. Auf bem Saude 
ober in ben Bergen nufgewaepfen, ift fein Körper früh 
geftäplt, fein Auge gefepärit worben. (Er befißt bic ftarfen 
©eroen Des wilden ©aturlinbcs, was oon nicht 3U unter- 
id)ähenb«r Bedeutung für fein ©erbalten in ben jutünftigen 
3 cpfad)ten fein toirb. Kr ift gutmütig, willig unb bedürf- 
nislos. Körper unb ©eift ftepen nicht unter ber fd)db« 
lieben BJirfung Des Alfopols, da ber Koran ben Btopammc- 
banem ben ®«nuß geiftiger ©etränte oerbietet. iBcnn 
man bebentt, baß bie größte 3 at)l ber jcprocrcn Difjiplinar« 
oergeb*» in ben anbeteu §>eereu eine jolge bet Drunten« 
heit ift, fo fann man ermeffen, welchen (Einfluß btefe 
©üeptempeit auf bic militärifdjc Difjiplin ausübt. Letztere 
toirb außerdem günftig beeinflußt burd) bas auf religiöfer 
(Grundlage beruhende ifutoritätsgcfübb uon bem ber tür* 
fi|d)< toolbat befeclt ift. SDenn bie uns oon 

l'og. ©leutereien im türfifepen beri(pttn, fo barf man 
bataus niept ben Schluß sieben, baß alle ©an bc ber $tf3i* 
plin gelodert feien. Die Iruppeu finb unter bem alten 
'.Regime oft jahrelang über bie gefetjmafeige Dicnft^eit in 
ber Slrmce 3uriicfbel)alten worben ünb paben außerdem 
ihren Golö nid)t erhalten. Da ftc mußten, baß ihre 
näcbften ©orgefepten nid)t bie Btadjt ober ben guten Söillcn 
hatten, ihnen 3Ü ihrem 'Jlcd)tc 311 oerhelfen, fo roanbten 
jie fid) au ihren 3 tllerböd)fteu Wricgsbcrrn, ben Sultan 
felbft. ffiin feßr bewährtes 'JJlittel hierzu in ber ^rooinj 
roar bie Befcßung bes Xclcgrapbenamtcs, oon bem aus fie 
bem Babifchah ihre SBünfdjc tunbgaben. Stets h«t 
Sultan bie berechtigten 2 ßünfd)e Der Solbaten erfüllt. Diefc 
uns befrembenbe Strt ber (fctlebigung fold)er ©efdjwerben 
erfldrt jich aus bem Patriarch alifd)cu ©erhältnis, in welchem 
bec Sultan 3U feinen Golbatcn ftebt. Soldjc immerhin 
betiagenswerteu ©orfdlle, welche Den «Ruf Der türüfdjen 
'ilrmec im Siuslanbe gefd)übigt b«tcn, werben aufhören, 
jobalb Die nfrtedjtc Seb a » &lun 9 öcs türfifdjen Solbaten 
jur Siegel wirb, feine Gntlaffung nach her gcfcßinäßig feft» 
gelegten Dicnfheit erfolgt unb ber Golb ihm regelmäßig aus« 
befahlt wirb. l£s ift mit Sicherheit anjunchmen, baß biefe 
©ebingungeu unter bem neuen Regime erfüllt werben. 

SBas Den türtifchen Gol&aten oor Dem anbercr 
Öeerc — pielteicpt mit 9 lusnahnic Des japanifchen. — be* 
fonbers ausjeiepnet, bas ift feine auf religiöfer Oörunblage 
beruhende Xobe&ocradhtung. Der ©roppet ©tobammeö 
oerheißt allen Denjenigen ©etennem Des 3 slams, bie 
oor bem ft-cinbe fterbeu, bas erfte Bnredjt auf bas ©an*' 
bies mit feinen ewigen ftreuben. ©ei bciu gläubigen Ginn 
bes ©lobommeDauers barf man fid) Daher nidjt wundem, 
baß er mit Luft in Den Stampf jiebt unb nicht nur ben 
lob nid)t fürdjtet, fonbem ipn fogar fu^t. Um biefes 
©lüdes teilhaftig 311 werden, weigerten fid) noch in ben 
neueren ftriegen oenounDctc tfirfifd)e Golbaten, fid) oon 
ben traten auf Den Schladjtfelberu oerbinden und heilen 
3U laffen. Sic 30901 einen ruhmreichen Xob oor, ber 
ihnen alle Geligfeiten Des ©arabiefes oerbieß. 

3 ct) pabc bie in ben Kämpfen mit ben 3 tomitabfd)is 
oerwunbeten türfifd)?n Solbaten in ben f>ofpitälem ©la^e» 
boniens unb Xhra3iens gefeheu und bie bei Dem ©au ber 
£>ebfd)asbal)n infolge bes mörberifdjen Älimas Arabiens 
fchtoet erfranFten Golbaten ber ©ifcnbabntruppen in Den 
Itjrifcbcn £>ofpitäl«m bcfudjt; überall trat mir biefclbe b*löem 
hafte (Ergebung in bas unabänderliche Gd)idfal entgegen. 

Den türtifchen Soldaten ift in Den leßten 3 ahren, be* 
(onbers wäbrenb Der müjebonifdjeit Unruhen im 3 ahre 1903 , 
oft bcrBorwurf Der ©cfühllofigfeit unb ©raufamteit ge* 
madjt worden. &s wurden ihnen wilde Musfcpreit ungen 
gegen Die bulgorifd)e ©eoölferung Sffla^cboniens, fogar 
gegen JBeprlofe, grauen unb ftinber, jur Loft gelegt. 
Da ich felbft einer 00m Gultan cingcfcßteu unpartetifdjen 
Äommiffion angehörte, bie an Ort unb Stelle bie den Xmppen 
3ugcfd)riebenen ©ergehen unb ©erbrechen 311 untcrfuchen 
hatte, fo muß ich hi«t Di* eigentliche Brrnec, b. h. bie 
©ifam* und BeDiftruppen, gegen biefe ©orwüqc in Schuh 
nepmen. Bbgefepett baoon, baß bie 'äufd)ulbigungeit weit 
übertrieben waren, ergab bic lintcrfudjung auch, baß, fo» 
weit Die bulgarischen ©anben bic ©tiffetaten nicht felbft 
oerübt hatten, bic Busfchreitungen faft ausnahmslos oon 
©afd)i‘Bofut5 (eine ‘ilrt Jranttircurs) unb Maocs (ttrfaß* 
truppen) begangen morden waren, meid) letjtere faum 
eine militänfchc ?lu6bilbuitg erhalten hatten und daher 
Den (Ehrennamen Soldaten gar nid)t oerbienten. 

©ei ben maiebonifdjeu Bebifs und «Rifants tarnen 
Husfdjreitungen feiten oor, bei ben attatolifdjcn niemals. 


Gelbft ein fo oinwanbfreicr wi* ©oris Garafow, 

der langjährige Shef der bulgarifchen ©anben in ©la3c* 
Donien, rühmt in einer Unterrcbung mit bem ftorrefpem* 
Deuten Der „5lölnifd)en 3eitung M Die ©utmütigfeit Der ana» 
tolifdjen ©ebifs unb er,)ählt folgende <f)aralteriftifd)e ©e« 
fchichte: ?luf ber ©erfolgung einer imlgarißhen Banbe, 
deren Spuren in ein oon Bulgaren bewohntes majebonifches 
Dorf führten, brang etn anatolifdjes ©ebifbataillon in 
leßteres ein, unb ber ftonimanbeur »erlangte oon bem 
©hicptar (Dorfälteften) die Üluslieferung ber Banbe. ÜIU 
ber ©tudhtar beteuert, oon der Bande nichts gefepen 3U 
paben, läßt ber Wommäit&eut Die ©Jänner bes Dorfes 
auf Dem ©tarftc sufammeutreiben und bropt, fie färntlicp 
erfepießen 3U laffen, roenn bas ©erfted Der Banbe nicht 
angegeben würde. Darauf Jammer unb SBepegeheul der 
pcrbeigeeilteu grauen unb Äinder. Slber fiepe ba, auf 
einmal liefen aud) ben braoen ©ebifs bie Dränen in ben 
Bart. Der Äommanbcur gab biejer ftummen JJürfpracpe 
feiner Leute nad), unb bas Bataillon 30g ab, opne auch 
nur einem einigen Bauern ein getrümmt 3U h^h*»- 

Bei biefer (Gelegenheit mag aud) bas patriarcpalifchc 
©erhältnts (Erwähnung finden, bas swifepen ben Gol» 
baten unb den oorgeletjten Offneren bis sum ©abifchah 
hinauf in ber türtifchen 2itmee beftept. flußerlid) findet 
biefes ©erpältnis fd)on baburd) Slusbruct, baß nicht allein 
ber ©orgejeßte ben Untergebenen, fonbem aud) umgefcljrt 
ber Untergebene ben ©orgefebten mit bem oertraulichen 
Du cinrcbet. (Ein einjiges Beifpiel, bas id) felbft er« 
lebt höbe, möge biefes ©ethälftri* fenn^eiepnen. ©U bei 
der (Einweihung ber erften Dcilftrecfc ber ö*Dfd)asbahn 
in ©fa'än bie CEutlaffimgspäffe an bie ©eferuiften ber 
(Eifonbahntruppen au&gegeben würben, bte sum Dell 
fünf bis fedjs M«, b. h- »eit über bie feftgefeßte Dienft* 
3eit hinaus, an ber ^ebfehasbahn gearbeitet hatten, weigerte 
fid) ein Soldat aus $ltta, ben ipm 00m ©larfcßall ftiafint> 
©afdja überreichten (Entlaffungspaß aiijunepmen. (Er 
wollte an ber Bahn fo lange weiterarbetten, bis bas 
heilige ©letta erreicht fei. Der ©larfdjall tonnte 

feiner «Rührung nicht öerr werben: er umarmte den Gol* 
baten unb tüßte ihn auf beibe 2Bangcn. 3n manchem 
oerwitterten Sölbatengeficf)t fah man ba eine Dräne 
glühen. 3cp fann ben (Eindrucf nicht befchreibett, ben 
biefe Gjene auf mid) gemad)t h a ** ^ebenfalls ruht in 
einer Slrmce, die oon einem fo patTiard)altfct)en Berhältnis 
aroifepen ©orgefehten unb Untergebenen getragen wirb, 
eine große moraltfehe ftraft, bie nid)t 3U unterfdjäßen ift. 

Dte liöpnung bes türtifchen Solbaten weiept uon der 
anderer £>e*te nicht wefentlich ab, aber ftc wurde ipm 
unter bem alten ©egime nicht regelmäßig ausbejahlt. Diefe 
llntcrfaffungsfünbe racßte fid) feiten, weil Der türtifdje 
Goldat fehr geduldig ift und im allgemeinen gut oerpflegt 
wirb, auep die ©orgefeßten bic ©erpflegung perfönlid) 
überwachen. ©id)t allein jeder felbftänbiae Druppen* 
fommanbeur, fonbem auep der Ätriegsminiftcr unb der 
©roßmeiftcr ber Artillerie laffen fi<h täglid) ©roben des 
SRannfdjaftseffens bringen, um es auf feine ©fite pi» 3« 
»erfuepen. Gelbft bem Gultan wird aus ber ©ienage ber 
9Jiilitärfcpulen täglicp eine ©robe des (Effens in fein Schloß 
gebracht. Die Offijicrc, b.nu. J^äljnridjc, Die biefes (Effcn 
311 überbringen haben, wcdjfeltt täglich ab i l,wö öü5 £0»»* 
rnanDo ift fepr begehrt, weil der Sultan bem Überbringer 
ftets ein türfifepe* ©funb (18 Jt 50 ij) auspänbigen läßt. 

Das türfifche Unteroffiaierforps ergänjt fid) aus der 
9 Rcinnfd)aft. ©ad) ein bis 310c i 3 <*h^» findet die Be= 
förbening ber befteti Leute 3um Onbafcpi (Unteroff^ier, 
wörtlich: bas .fjnupt oon jepn) ftatt. ©ad)bem fie bie 
färntlidjen Dienftgrade bes Unteroffiziers bur<hgemad)t 
paben, fönnen fie 3U Offijiercn beförbert werben. Unter» 
pffijierfdjulen gibt es nidjt. 

Das türfifepe Offijierforps beftept aus bemfelben oor* 
trefflichen ©Material, wie es oorftepenb gefchitdert würbe. 
(Es ergänjt fid), in (Ermangelung einer eigentlichen Arifto* 
tratie, aus Dem ©olfe. 3um Deil gepen bte Offijiere aus 
Öen ^Regimentern h«n>or, gum Deil aus den 9Mitärfd}ulen. 
(Erfterc werden Alailis (oon Alai = bas ©egiment) genannt, 
[eßteve Wclteblis (oon SRcfteb = die Gcpule). ©cuerbings 
gept das Sejtreben dapin, den Bedarf an Cffijieren mög* 
liebft nur aus beu 3öglingen ber fflilitärfcpulen )u decfeti. 
Geit der ©eorganifation Der leßteren burep ben deutfepen 
©Jilitärreformer ©eneral tErpr. d. b. ©olß=©afd)a ftepen die 
98ilitllvf<hulen im allgemeinen auf ber tfjöpe ihrer Gtpmefter* 
anftalten in ben anberen Staaten unb paben eine große 
Anzahl tüchtiger Offiziere, befonbers des ©encralftabes, aus* 
gebtlbct. 3cp felbft habe bas ©lüd gehabt, fteben 3apre lang 
an biefen Schulen 311 wirten, unb rechne bas 3ufammen* 
arbeiten mit ben intelligenten, wißbegierigen unb (trebfamen 
türtilcpcn Offizieren ju meinen fepönften (Erinnentngen. 

Leiber blieb unter bem alten ©egime bie Ausbildung 
der Offiziere auf ben SJiilitäffepulcn zu fepi auf tpeo* 
retifepe Studien fccfrfjränft. ttbungsritte im ©elänbe 
wurden burd> das Aufpaffcrtum außerordentlich erfdjwert; 
auch würbe bie erforbcrlidjeAnsapl oon ©f erden 3ur Beritten» 
rnadjung ber Offijiere nur feiten jur ©erfugung geftellt. 
Aber jeöesmal war es ein jefttag für bie jungen Sperren, 
roenn fic fiep prattifd) im (Gelände betätigen tonnten. 

Unter ben Offijiercn treten diejenigen bofonbers peroor, 
die ffieneral 0. d. ®olt}*©afd)a als Leprer gepabt ober in der 
Öeutfdjen Armee ipre Ausbildung genoffen paben. Sie find 
bie (Elite der Armee, finb mit den modernen ©rutibfäßen 
der Hriegstunft oertraut und in erfter Linie 3« nfüprung 
der Armee berufen. 3pren Atert ertenuenb, pat bas neue 
©egime den ältcften biefer Offhiere bereits bie hö<hftcn 
»crüntwortlicpeti Stellen in Der Armee anuertraut. 

Unter ihnen find ju nennen: Der ftriegsminifter 
«JRarfcpall ©i|a*©afcpa (drei 3 a P rc Ääntgl. ©reuß. 

4. ©arberegiment ru 5-uß unb ©eneralftab). Der Gpef bes 
©encralftabs ber Armee (General 3ffet*©afcpa (drei Sapre 
im 2. Äurpeff. fjufarenregiment ©r. 14 lind ©eneralftab), 
©roßmeifter ber Artillerie ©eneral Ali ©ifa*©afcpa (Drei 
3apte int «Raff, ffeld« Art. -©egiment ©t. 27), bet tom» 
manbierenbe ©eneral bes ©arbeforps ©eneral BiapmuD 
9 Rud)taT=©a|cha (aept 3apre im ^önigl. ©reuß. 2. ©arbe« 
regiment 311 3ruß), der Spef des ©eneralftabes des 
3. Armcetocps ©eneral ©crteo-©afd)a (drei 3<*hrc int 
3ieten-^ufarenregiment). Die oier erftgenannten ©enerale 
paben fiep bereits im tpeffalifcpen ftriege au&gezeidjnet 
und bas ©ertraueu Der Armee gewonnen, ©ifa»©afd)a 
und 3ffet«©afcpa waren als ©eneralftabsoffijiere beim 
Obertommanbo bic treibende Straft unb pa^en onf &cn 


rafdjen 3-ortgang ber Operationen einen großen (Einfluß 
gepabt. Ali ©ifa«©afd)a war Aommanbeur der gefatnteti 
Artillerie unb pat mit ihrer Blaff enwtrfung einen ent* 
fepeibenben (Einfluß auf bie Geplagt bei Domolos aus- 
geübt. aRapmub $Rucptar-©af(ha leitete bie Opera tioueu 
gegen Bolo unb pat ben mepr burd) feinen Gcpneib als 
burep feinen (Erfolg berühmten Laoall erieangriff gegen 
3nfanterie in befeftigter Stellung bei Beleftino gc madjt. 

Alle biefe Offijiere paben fcpwcr darunter gelitten, baij 
fie faprelang ipr« Säpigteiten und Lenntniffe nidjt in den 
Dienft ber Armee j teilen lonnteu unb untätig snfeheit 
mußten, wie bas Aufpaffettum dte Ausbildung in der 
Armee erfepwert und gefepäbigt pat. Den Druppenfomman- 
beuren war jede 3nitiatioe genommen. Blan wartete 
immer auf Befehle oon oben, und was niept befohlen 
wurde, unterblieb. Go tarn es, baß Stpieß« unb ftrib* 
dienftübungen fowie ©lanöoeT 00m ©arbeforps gar niept, 
oon den ©rootnaialarmeclorps nur feiten unb im tleinften 
©laßftab abgepalten wurden. Die Beßpaffung bes not« 
wenbigften Änegsgerätes würbe oon einem 3apre rum 
andern perfepoben, weil es angeblich am ©elbe fepltc. 
©ur bet SBaffenfrage brachte man bauernd ein große* 
3ntcreffe entgegen. Aber was helfen in einem Lriege bic 
beften SDaffen, wenn die Druppen in Deren ©ebraud) nidjt 
geübt find und Die praftifd) gefdpulten Orüpter fehlen? ©ad) 
der (Einführung der ftönftitutton ift aud) in die Armee 
neues Leben eingesogen, unb die an Die Spiße Der Armee 
gef teilten neuen 3Ränncr foegen dafür, daß die Äräfte, bic 
jahrelang gefcplummert paben, fiep neu entfalten tönnen. 

3prer 3nitiatioc ift es oor allen Dingen 311 bauten, 
daß in ber Armee in Der furjett 3«h &'* f cit & * r ®n« 
führung ber Äonftitution oergangen ift, wichtige ©eformeu 
bereits jur Ausführung gefommen ober in Borbereitung 
begriffen finb, und baß mit oerboppeltcm (Eifer gearbeitet 
wirb, um bas Bcrfäumtc nadjjupolen. 

Unter biefen ©eformeit find 3U nennen: 

1. Die Ausdehnung der 2Beprpflid)t auf ©ieptmopatn» 
mebaner. Solange die türfifepe Armee eiiftiert, ift fic 
eine ©laubensarmee gewefen, b. h- 3©opammedaner 
durften biefer Armee angeboren. Die ©acpteile biefer 
(Einrichtung !)»&*« f i{ h befonders in ben lebten Öahrjepnteti 
fepr fühlbar gemacht. 3nfoIge der unaufhörlichen ©rens» 
friege, die die Dürfei in Arabien, Lurbiftan, «Dtazedonien, 
Albanien 3U führen patte, fdjmols die mopammedanildjc 
Beoöllerung immer incpc 3ufammen, weil fi* allein die 
Blutfteuer ju tragen patte. (Es ift eine ©flicht der 
Selbfterpaltung, wenn bie Dürfei auep die Cpriften 3ur 
Berte ibigung bes nationalen Bodens hcranjieht Aud) 
wirb oiclleidpt ber Borteil erreicht, daß fiep durch Den 
Dienft in der gememfamen Armee die Dürfen mit den 
cpriftlicpen ©ationalitäten inniger oerfd)mel3en, unb fcpließ» 
liep werden manepe mazedomfepe Bulgaren, die bas Gol« 
datenpandwerf lieben, oorjtepen, in der türfifepen Armee 
)u dienen als in die ftomiteebanben einjutreten. 

Cs läßt fiep aber auf der andern Seite niept oetfenneu, 
baß der (Eparalter der türfifepen Armee durch Den (Eintritt 
der Gpriftcn oon ©rund auf geändert wirb. (Es ift bann 
nidjt mepr ein ©laubenspeer, fonbern ein auf nationaler 
©rundlage gefdjaffettes AVer, und es ift fraglich, 06 ba* 
gern ein fdjaftlidjc ©ationalgefüpl jwifepen biefen oetfepie* 
denen ©cligionen und Bölferftämmenzu ebenfolcpett Daten 
begeiftem toirb, wie cs ber gemcinfamc (Glaube tat 

2. Die «Reform bes ©enfionsgefeßes. Unter bem alten 
©egime fanden nur in ganj bejonberen Ausnahmcfällen 
Berabfd)iebungenftatt. Der©enfionsfonbs war oollftänbig 
un3ureid)cnd, aud) wollte fiep ber Sultan oon feinen alten 
Offijiercn niept trennen. Go fam cs, baß oiele ooll« 
ftänDig iiwalibc Offijiere fid) in aftioen Amteeftellungcu 
befanden. Gelbft in ben niederen Gpargen bes Leutnant* 
unb öauptmanns gab es ein« große 3apl pocpbetagtei 
Offijiere, Die den Anftrengungen des Rrieges niemal* 
gewaepfen gewefen wären. Die neue Armceleitung pat 
öaper bie Berjüngung bes Offijierfotps als eine befonber* 
dringende ©otwenbigfeit erfannt. Borbedingmtg ift ein 
ausreichender ©enfionsfonds, ber feßt oom türfifdjen ©ar» 
lament gefordert werden foll, ©atürlicp fann auf biefem 
©ebiet nur tangfam SBandel gefepaffen werden, um un* 
nötige färten 3» ocnncibcn. 

9Rit ber ©cform des ©enfionsgefeßes ftept in enger 
Berbinbung 

3. bte ©egelutig ber Beförberungsoerpältniffe unb 
bie 3c*ftfeßung einer Altersgrenze. Bisher perrfept« in 
der Bef öcderungsf rage eine große f&itltür. Die Qäpig- 
feiten unb fieiftungett waren für Die Beförderung weniger 
maßgebenö als perfönlicpc Beziehungen. (Es gab ©ro» 
teftionsfirtber, die fdjon bei ihrem (Eintritt in das f>eev 
einen uerpüttnistnäßig popen Offijierrang erhielten unb 
mit faum dreißig fahren bie ©eneratsftreifen trugen. 
Diefen Ungerecptigfciteti foll ein lEnbe gemacht werben. 

4. 'Regelung Der BcfolDuttg. Die unocrpältnismäßig 
hopen ©cpälter der in ©cneralftellungen befindlichen Offi- 
ziere, bie außerdem nod) mcift beträchtliche 3ulagen bejogen. 
foUeu gefurzt unb bafüt die unjureiepende« depälter dev 
Subaltemoffi3iere und öauptleute aufgebeffert ooerDen. 

5. Dienjtlciftungen der ©eneralftab&offijicre bei dev 
Druppe. Auf die prattifepe Ausbildung biefer Offijiere 
war unter Dem alten «Regime wenig AJcrt gelegt worben. 
(Es gab ältere ©cncralftabsoffigiere, bie überhaupt ttod} 
feinen Dienft in Der Druppe getan unb ipr ganjes Leben 
in Den japlreidjcn Siucturcn der ©efidenj jugebradpi 
hatten. SBcnn jeßt ein fmuptwert auch auf Die praftifepe 
Ausbildung biefer Offiziere gelegt wirb, fo wirb biefe 
©euertmg niept nur Den Offijieren felbft, fonbent »ov 
allem aud) der Druppenfüprung juftatten tommen. 

6. Alljährliche Kommandierung oon Offijieren aller 
'XBaffen 3U einer Dreijährigen Dienftleiftung in ber Deutfepen 
Armee, ftür das 1909 f»»D bereits einunbjwanjig 
Offijiere fotnmandiert worben, bie demnädjft in deutfd)c 
Druppentcilt eittgereipt werben. 

7. ©eorganifation 6er3la»cs ((Erjatjtruppcn). 30i« wenig 
Diefe Druppen für ben Krieg oorbereitet waren, ift fcpoti 
oben dargelegt worben; ipre ©eorganifation ift baptv 
bringend erforberlid). 

b. Cföprlicpc Gchicßübimgcn unb HRanöocr, 3 U denen 
auep die ©eferoiften und ©ebifs regelmäßig einberufen 
werben f ollen. Üßenn man wäprenb bes alten ©eaimeö 
3euge gewefen ift ber (ErfcptDerung, ja geuialtfamen unter« 
drüefung jeglicpcr praftifepen Ausbildung ber Dnippen im 
©clönbc, wenn man fepen mußte, wie Selb dienftübungen, 


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5riebri(f)5 bes Großen Tafcltunbe in Sansjouei. Crigmaljeidjnung oon 2iboIf SJknjcl 


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108 


Slluftrirtc 3 e ^ n 3- 


SRr. 3421. 21. 3anuar 1909. 


Sdneftübungen unb fDtanöoov Durch ba* 

Aufpafjcrtum unmöglich genuuht würben, 
bann tarnt man Den 3ubcl unb CSrtthtifiöo* 
rnu» üerjtcljcit, mit beut alle 'iöaifm ohne 
llnterfd)ifb ftdi nad) praftifd)« ©etÄtiguug 
brängten, als bie Ätonftitntion proflamiert 
war. Infanterie, Maoallcrie unb Artillerie 
rücftcn Des SRorgcns in bie Umgebung Der 
tfmrnifoneu, wo Die Offiziere nad> jal) vc 
langet Stagnation Die 'JJlamtfchaften int 
(Sjebraud) ihrer Waffe unterrichteten. Selbst 
6ie faif erlichen ^rittjett nahmen an Diefen 
neuen uni) ungewohnten Übungen teil. £o> 
gar bie ©osponisbatteticn, Die feit Dreißig 
fahren feinen fdjarfen Schuft inetjr ab» 
gegeben hatten, hielten Sdjieftübungcn ab. 

(£c herrfchte eine noch nie baaemefeue 
fieberhafte Tätigfeit. Ter Infanterie, fo weit 
jte nod) mtt (Bewehren altem doDells be- 
waffnet war, würbe bao 311m Teil noch in 
ben Jcugljäufent lagevubc fleinfolibrigc 
7, v *mm«'JJlaufergernetjr nusgehänbigt, Der 
gefilmten irclDartiUcric würben Die neuen 
Kruppfchcn 7,, »cm ■ Sdjnellfeucrgefchütje 
übertuiefen. Tic fehlenbc SRunition De» 

[teilte man in ausld tt bi [d)en Gabrilen. 3m 
©arbeforps würben juwi SHafdjinengcweht* 

lompqgnien errichtet, weitere finb in Der 
Formation begriffen. Tie Pioniere machten 
enblid) ooit ben Tioijionsbriidcntrains Che» 
brauch, Die fd>on oor einigen fahren au* 

Teutfdjlanb bezogen morben mären, unb 
hielten Übungen im ©riicfenbäU auf Der 
’JJtarißabeiAbrianopel unb bent Car bar bei 
Salonifi ab. 3u Den bereit* »orf)anbenen CKfenbabntruppen beim liegen bcs ©leifcs für bie §ebfcbosbal)n. 



beiben ©ifenbahnbalaillonett, bie feit fitbett 
^afjren an Dem ©au ber £>cb|d)asbabu 
arbeiteten, trat ein neues, bas im bc- 
fonbern für bie ©erwenbung in Der cuto» 
päifd>en Türfei beftimmt ijt. Gdjlieftlid) 
nahm man bie uemnd)[äffigtc Crganifaticm 
bet .Wriegstiains unb Des <Velbfanttäts^ 
bieitfte* energifd) in bie f>anb unb beftellte 
bas erforDcrlidje AtriegsgerSt. 

Äur.i, auf allen Gebieten bräugen in Der 
Armee bie lange girüctgchaltencn .fträfte gu* 
(Entfaltung; alles wetteifert, um bas fahre- 
latig ®erfäumte nacbiubolen unb bie Armee 
loiebcr auf Die f>öhc ,}u bringen, bie ihr itad> 
ihrer ruhmreid>eu Cergangen beit gebührt. 
3n biefen CeftrcDungcn wirb bas £>ecr 
nad) .Kräften oon ben beutfeften Ctilitär« 
reformeru liuterftüftt. (Es unterliegt feinem 
Jmcifel, baft, um biefes 3iel 3U erreichen, 
alle ©orbebingungen oorljanben finb: be- 
fäl)t^ftc unb energifche ©läuuer an ber Gptße 
ber Truppen, ein oortreffliches Solbateiu 
material unb ber gute SBtlle, ber bei ®or« 
gefeftten unb Untergebenen herrfcbt. Cur 
finb einige 3ab*f frieblidjcr (Sntwidlung 
erforberlid), bamit bie geplanten ^Reformen 
in ftleifcb unb ©tut ber Armee übergehen 
fönnen. Tann aber wirb bie Türfei ihrem 
&eere nicht allein 5>rcihe»t unb ©erfafjung 
jn banfen haben, fonbern auch, geftüßt auf 
weit über eine SJMllion gut ausgcbilbeter 
Streiter, eine wefentlid) härtere potitifche 
Stellung cinuehmen als in ben letjten 
3ahrsehnttn tinb ein gefuchter ftreunb unb 
Cunbesgenoffe fein. 



^elbDienftübung ber Infanterie. 


Selbbienftübung ber 3nfnnterio. 



Übungen ber Pioniere im ©rüdcubcm auf ber SCcuitja bei Abrianopel. 


ftelbbienFtübungen, Sdjiefeübungen unb SJtanöpei: ber türfifäen 2lrmec nad) ben jüngsten ^Reformen. 

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Ter faiferlidje $riti 3 9lbb ur «atjim-Cfenbi bei einer (Selfinbeflbtina in ber Mmßebunfl con Aonfuuitinopel. 



Aritif nad) einer Uielänbcübunei bei Jtonftantinopcl. 

J5clbbienftü6ungcn, 6(f)iefeübungen unb SUlanöpcr bet türfi|(f)CTi 2trmee nad) ben jüngsten Reformen. 

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)os Original befinbet [id> in bcm 33e[iij bcr Ätf7ha_ffiebrütoIS^)lIa)crd f 51-©., in ftöln a. 5Rlj.) 

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112 


3lluftrirtc 3 c itung. 


3421 . 21 . 3 <inuör 





Wlan 


Vud) ben «Gröfzten bewegen hcrvfdi gewaltige V-rit« 
gebauten , bie zuweilen f di cm im 9ll)nung ©grauen ber 
Minbheit empfangen fein mögen, itnoerlöfchbarc Urein- 
brüdc, bie in feinem Vierte immer toi eher mitfprccfjen 
werben. Ju öiefen gehört bei $oe bie unheimlich« Vor* 
ftcllung ber Jcit, bereit bämoni|d)c Verkörperung bie 
Uhr ift. Jene riefige Gtanbuhr, bei beren malmeubem 
Gd)lag bie Ntufitanten, bie Im „ftefte be© rolen lobes" 
brn Säften auffpielcn, entfett bru Zeigen ftnfen laffen 
jene AUrchcnglodc, bie in „VMlliam VMlfon" Stunbc wm 
Gtunbe mit bumpfem unb plö^lidjem Sd>all in bie Tämmer 
atmofphäre be© Schulhaufes fummte nnb wohl aud) 
jene furiofe Turmuhr in ber Varobie ,.A rmlicnmenr, 
bie vielleicht ein flein wenig 3clbftparobic ift, jene Turm- 
uhr, beten Jeiger eine mor benbe Senfe war fie fd)lagcu 
einen ber mächtigen (Gninbnltorbc in Voc© oiclftimmiger 
Tid)tung. llnb wie fchr liebt er ba* (Gleichnis oont 
frfiwingenöcii Deubel, bas aus beinfelben Vorftcllungsf reife 
genommen ift! 

Vier itjn nid)t als Tichier bes Vfmhifdten ,pi faffen 
roeifz, ber hat ®oe nie »erftmtben. VJotjl ift bie Welt 
voll oon buntlen, unbegriffenen (Gewalten; aber bic furcht* 
borjtcn nnb gehcimnisuollften wolmnt In ber mcnf(t}li(t)en 
Seele. <2o bcfchäftigt aud) ba© Problem ber Toppe l- 
nätur unfern Tid)ter aufs angrlcgcntlidifte. Von Tnpin, 
bem Selben feiner genialen, aber bennoch etwas trodenen 
imb falten .Vtriminalnoocllcu, bicfcin llrbilbe be© Shcriod 
Holmes, jagt er einmal: „Cft muffle idi, wenn idi il>n in 
jenen Stimmungen bcobad)tctc, fimtenb her alten Mehre 
oon eineT zweiteiligen Seele gebenlen, nnb ich unterhielt 
mid) mit ber Vocftrtlung eine* hoppelten Tupin, eine«» 
((haften ben unb eines rütfcllöfcnbcii.“ 3n ber l)ier fdjon 
wieberbolt gerühmten Novelle „William VJilfon" bat 'Vor 
bas V r °blem *n wahrhaft llafjijcber ftorm bct)öttbelt. Es 
ift nid)t eine romantifd)e Toppe Igängevgefdncbtr, c© ift 
bie Tragöbic bes .Mampf es .uuifclieu ber hölzern unb 
ber nirbent 'Jialur, nnb wenn zuletzt VMlfon bas un* 
liebfam mahnenbe (Gegcubilb mit bem Tegen burchbobrt, 
fo 1)<M « fid) bantit auf immer oon ber 'JüJöglidjleit 
abgefdjnitten, nun läuten unb Ebeln znritefzufehren; er 
ift im cbriftlid)cn Sinne „oerbammt" ober, um cs 
moberncr aus.zubrüden, bem Tierifdien, bem Triebhaften 
überlaffen awf immerbar. 

Uufcrc Vb'l p f°Phen ber romantifd)cn 'Pcriobc, Jid)te, 
Gchelling, haben auf Voes Schaffen einen gewiffen Ein- 
flnfz gehabt. Huch ber Tidder-Tentcr Novalis bat ihm 
bcbcutfame ^Anregungen gegeben. Cb er nnferr mittel* 
alterlichcn 9Wi)ftifer wirflid) gut gelaunt b«t, aber ob er 
fie nur gern anfiil)rt r um bie Stimmung zu oerftfirfen, 
bas wage id> nicht .zu entfdieiben. Vci 'fjtoc© oielfeitiger 
wiffcnjchaftlicher Vilbung wäre crftercs glaubhaft genug. 
VufzeroTbentlid) oiel muh fi<£) ber Vcrfaffer ber „(Gcfchicbtc 
aus ben rauben bergen“ unb bes fdjauerlichen „Jallcs 
Walöemar" mit SResmemmu®, 'Jötagnctisimis unb »ot* 
wanbten (irfdieinungen befchäftigt haben, tflm empfinb* 
lidiften bebrängten ihn bic fragen bvs iVovt leben© nach bem 
Tobe, ber Wiebergeburt, ber Seclcmoanöenmg („LMgria“, 
„‘JMoreUa", „'Diebengerftei n H ). Tas Veitmotio feiner 
wuubcrfamen Viebcsnooellen ift bie Itbcrwin billig bcs 
Tobe© burd) bic 'Jöilleusrraft ber J2icbc. 

^d) wagte e© oben, SJoc ben AUaffifer bes Seit- 
famen zu taufen, unb möchte ba wahrlich uid)t inifz- 
oerftanben fein. 3d) lege bie '.Betonung auf bas Wort 
„AUaffifer“. Tenn bas ift ^Joe nidit nur für fein Vater* 
laub unb bie Völler cngtifcher 3»uige, er ift e© au<b für 
bie allgemeine Literatur. *Jlber bafz er im Seltfaturu, 


Der Älaffiter bes Seltfomen. 

(3um t>uitb«rtjiM)rinm (SrbumtatK ttöflflt miau 5)or» > 

arnie häufig hört man bic Literaten ftr eiten, ob 
<ijein Tidjtcr ben tüenies ober blofz beit Talciiten 
bei zu. zählen fei! Om ftallc ttbgar Vitan 'JJoe©, be© 
fUmeritaners au© irifdj* englifdjcm ®tut, ber oor 
bunbert Jahren (am 19. Januar 1809) geboren warb 
unb, erft uier zig jährig, nach einem l)öd)ft unglüd* 
lidzen unb ruhelofeu lieben in einem uaterlänbifdjen 
tBahlrabau zugninbe geben muhte in biefem ftallc 
farm ein Jweifcl nicht boftehen: 'floe war ein (äeuie 
in be© Wortes oollfo inmen jtem Sinne. Wlfa nicht 
etwa nur, wie fein fTanzöfifdier Vrt* unb Sdiidfals* 
»erwanbter Villicr© be l'0©lc»Vbam, ein *< f >cnif 
ohne Talent". 'Duch ba© »Talent“, beffen ber Atünft* 
ler bebarf, um ber «lenge fein (üenie oerftänblich zu 
machen, auch bas befaft ber 9teicf)bcgnabetc. 

Voe ift unbestritten bie gvofztf Uterarifdie l£r* 
ftheinuiig, bie Vlmerifa bi© je^t heroorgebradzt h«*- 
Tenn wer wollte im l£m(t ba© vhazifobifdze 3nöianer- 
geftantmcl bes unuftdifigeii 'Jltalt 4Bt)itman ober gar 
bie iiebenswürbige, aber fo wenig felbftdnbigr Voejie 
be© rnarfem unb finnigen üongfcllow ben vollen* 
beten .Miinftgcbilben oorziel)en, bie ber Schöpfer be© 
„Waben" unb be© „UBilliatn 'IBilfon“ ber 'Jlachnwlt 
überall tw ort et hu* ? 

Tod) fann man wohl in 'Bac© gefamtein 'iltert 
bic (Erzcugniffe feine© eigentlichen (üeniu© oou ben 
jufallswürfen feines Talent© nnteriehetben ob- 
wohl ein Abglanz oon jenem natürlich auch auf biefr 
fällt. Verühmt gemacht haben ihn, wie ficb von fclbft 
oerftrht, zuallcrcrft bic friminaliftifch * abenteuerlich 
gefärbten (Srzählungen, in benen bet Scharffinn, bie 
©rfinbung, mit einem lltorte bas „Talent" oor- 
bcrrfcht. ®rft allmählid) gelaugte man zu ber (fr* 
fenntnis, baiz, neben feiner unvergleichlichen fcforif, 
vor allem feine 'JHcifternooellcn („'Billiam 9Bilfon**, „4Jlo* 
rella", „üigeia“, „iHne läefebichte au© ben rauhen Sergen", 
„Ta© ouale Vilbni©" u. a.) unb fobann bie fie inen 'Brofa* 
bid)tungenC„Ter Schatten", „Tas Schweigen", „Taslfilanö 
ber ffec") ba© Vlcibcnbe unb für alle Jcitcn ilUcrtvolle in fei* 
nem Staffen bcbcutcn. llbrigen© ift 'JJoc auch °uf jenem 
(Grenzgebiete zwifchen ^oefie unb S-trofa öen lüröhten eben- 
bürtig auf bem iftcbietc be© Ifffaps. Cs gibt ba bei ihm 
eine Übergangsform: manche feiner Voocllcu rntioirfrlit fich 
gleidjfam aus fachlichen Erwägungen unb Vctrad)tungeu, 
oberer fleibet feine äfthetifchen tüebanfen in ein epifches <Ge- 
roanb („Lamlore Cottage“). 'Beiläufig fei hier bcmerTt, bafz 
Voe einer ber wunberuollf teil Stiliften englifcher^unge ift — 
was man freilich au© ben meiften Verbcutfchuiigcn feiner 
Vrofawcrfc fchwerlid) erraten würbe. 

Voc war fein taumelnber i>ratzenbilbuer; fein täeift 
war fühl, ftart unb flar. lief burdiörungen oon ber 
'JJJnnniflfaltigfcit unb Hätfelfüllc be© Gebens, zeigte er in 
g TO hurtigen Munftwerfcn voll jarbiger Si)mbolif, wie taufenb 
Tämonen uns umlauem, wie unfer Taiein in ber Tat nur 


3Hexattber fp«tfd)nifon3. 


ein fleittet, lallet Atrei© ift, um ben fich unermeßliche »Jlb 
griiiibe finfter ausbehnen eine Ulnfchauung unb (Gnmb« 
entpfinbung, Die er mit ß. T. Sl. f>offmann teilt, ber ja 
in mancher .ijinfidjt fein gröfzter beutfd)cr Vorgänger war, 
bod) in taufenb Tingcn wieber von ißm gmnbocrfdjieben. 
3n biefe ,^inftemiffe flicht Ebgar Voe hineinzu leuchten, 
wie er es auch liebte, in abenteuerlichen 'Jieifet räumen ben 
Sübpol ober ben 'JJlonb zu erfliegen. Vlctdi fam feine 
'Dlufe zuriid aus jenen Ve.zirfen, 

„T’rin ein (©ShcntnlN - Z»ie ülflrtit 

«tarr auf Ountlcm Iluon« uhitiu" . . . 


(Ebtfai lind. 


Ehren getommen. 3o ivedt benu aud> bev Iflame lind 
bei allen beutjd)eu 'Dfufiffreunben vornehmlich mir banf- 
bares Erinnern an bas von anmutigen Tanzflängen, 
efftatifchen tfuzmneu unb fdiwftnuerifdicu t»lmmel©d)ören 
burdifchivcllte Oratorium „J>rancis<us", unb Verhältnis* 
niäfzig wenigen ift cs belannt, bafz Tinel fdiou vor bem 
»Jranciscus" eine ftattlidK !Heibe geiftlidier tthonneTfe 
unb 3njtmmentalfompofitionen gefdjaffen hatte, unb bafz 
er itad) bem Jahre 1894 ouftcr oielcn llcineren 9Bertcn 
rin breiattiges 'Dlufilbrama „(Goboleoa", ein „Tebeum“, 
eine ffmfftimmige 'Dtcffe z« Ehren ber Jungfrau Vlaria 


ja im Sonbevl'aven unb SBunbcrllthen feine etärfe 
finbet unb befißt, ba© zeigt un© bod) zuglcid) 
auch bie Vefchränfung feine© fabelhaften In- 
geniums. Crigiiialität unb Schönheit, biefe bei* 
ben Eigcnfdjaften ocrlangte er von jebem Voeten, 
ber folchen 'Jlamcns würbig fein möd)te. Tie 
JIticht oor bem Vllltäglichen, bie Sd>eu »or bem 
realen, fonnigen t'cbeu fei ihm nid)t zum Vorwurf 
gemacht; fein UBrfen, fein Schicffal geboten cs ihm 
nicht anber©. 9lber man wirb, um fid) von ihm z« 
crljolen, immer micbcr einmal zu ben (Gcfitnbett, ja 
ZU ben Ajwmsbadenen unb allzu Verföf, ...kh gehen. 
Übrigens hatte es einmal ben '.'Infdiein, als ob ber 
Tidjtcr fid) tagheller 'lUirtlidileit bemädztigen wollte. 
3n feinem Sfoman „Erlebniffc bcs 9(rt1)tir (Gorbon 
Vnm" (zum erftcnmal verbeutfeht vom Unterzeich- 
neten, „Vücher bes beutfdzen Kaufes", Vb. 36) finb 
bie Ehnraftere unb SSanbluugcn ber Seeleute mit 
praditvollem Naturalismus gegeben. J“Hfle Veute 
follten biefe© Vud) lefen, ehe fie z»r gefährlicheren 
Schöpfungen be© grofzeu Erzähler© auffteigen; be- 
Zfidmct hoch and) Voes lühler Viograpl) 
gram ben „Vum" als be© Tid)ters „mcnfd)lid)fte" 
Veiftuug. 

Wie fd)itell pflegt fouft erzählen bc Vrofa ,zu 
altem! llnb nun erinnere man fid), bafz IGoetlje 
nod) am ifeben war, als Voc mit feinen rrften Er- 
zählungen hervortrat, unb bebenfe iemer, wie frifdi, 
femig, flar, ja wie mobem feine Sprache uns heute 
nod) aumntet! SKo finb fie, alle bie fleiiten Voeten, 
miggünftigen Jeitungsfchrciber unb unoerftänbigen 
Herausgeber, bie ihm fein f dimer zcnreichcs lfeben nod) 
I tiefer verbitterten bic (Gegner, bie ihn nadi feinem 
Tobe ii od) zu verunglimpfen wagten? Tie tüglid) 
toachfenbe Voe*l!iteratur allein bewahrt fie oor oöllt- 
gem Vergeffeit iwrben. Tag bod) zuweilen bas (Genie 
ftärferift als.viafz unb Elenb.alsNotiiub Tob biefer 
^Bahrheit bwrfcn wir uns freuen am hwnberi jährigen 
(Geburtstage Eögar Voes. Vobo üüilbberg. 

(Sbgat lincl. 

'TS er nunmehr als Nachfolger ftran<oi© (Geoaerts zum 
-i/Tircttor ber Vrüffdcr Nfufifafabemie befignierte bei 
gifct)c Toubid)ter Ebgar Tinel ift in Teutfddanb fo wohl : 
belannt wie fein auöcrer feiner fontponierenben Vanbsleute. 
Vetcr Vcnoit hat 19«1 bahinfdieibrn muffen, ohne beutjeher* 
feit© ernftlid) beachtet worben \n fein. Von ben übrigen 
burd) Verlio z, Eefar Jyrand unb CGounob fowie anberfeit© 
aud) burd) Vif z* n IBdgWt bceteflttßtett jung flaut 
läiibifdion Alontpaniften finb liierzulaiibe wohl nur Jan 
Vlodr unb Vaul (Gilfon gelegentlich einmal beriicffichtigt 
worben, unb erft Iiüt Ttiiels loniraftveid) - wirffamem, 
ma&em*efftatifd)eui Cratorium „Jtaueiseu©", ba© von 
feiner erften bcutfdien Wuijühningsftätte, ^ranffurt a. ®I. 
(1H90), ausunb nach feiner ungemein erfolgreichen Vacheuer 
'iBieb ergäbe anläßlich bcs Nicberrheinifdint SHu|Ufc|tc© vom 
Jahre 1894 fdjnell z 1 * weitejter Verbreitung gelangte, ift 
bie moderne flamläubifdie loutuiifi in Teiitfchlanb zu 


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91r. 3421. 21. Januar 1909. 


3Huftrirte 3^ tun 9- 


113 



t>ott VfoutbCs titlb ein Iqrifches Trama „Tic ^eilige 
Äathörina von ©Icxanbrion“, bas 6<mnäd)ft am ©rüffeler 
'Wlonnaietbeater jur Uraufführung gelangen fall, »all» 
onbet f)at. 

Gbgar lind würbe am 27. ffliär.z 1854 $u Ginat) in 
Oftflanbcm geboren unb erhielt frül) |d)on uon feinem 
©ater, ber Organift war, gebiegeue mufiralifdje Unter« 
weirung. 4J2it neun fahren mürbe er Schüler bcs ©rüffeler 
.Äonfervatoriums unb reifte in ber t'etyre ©raffins, («jevaerts 
unb Atufferatljo jutn uortrefflidjcn ©ianiften unb Äom- 
poniften heran. ©ad) zehnjährigem Stubium — e« tourbc 
311 jener ^eit eben bod) noch länger unb griinbli(f)er ftubiert 
als heut, uitage, wo bie 3ugcnb and) mit bem Spiele fd)nell 
fertig ift! — errang jid) linel ben erften 'greis im Älaoier« 
fpiel, unb 1877 beioarb er fid) mit ber fpätcr als op. 17 
gebruefteu Alan täte „Die 
©olanbsglodc“ crfolgreid) 
um ben ©rir bc ©ome. 3m 
3«hre 1882 mürbe Xinel 
Tireftor Des 3nftituts für 
.ftirctjenmufiC in Mccbcln, 

1889 mit ber 3nfpcttion 
fämtlid)er ftaatlid) fubven* 
tionierten Mufiffdjulcn bc» 
traut, unb feit bem 1896 
erfolgten lobe A’iubcrt 5er* 
binanb Äufferatßs wirft er 
als Äompofitionsletjrer am 
©rüffelet Äonfetüatorium. 

?Ils Äomponift ift Xinel 
Gflettifcr unblcljjt an feilten 
SBerfen cbettfowöl)l 
fdjullfetn an ©ad), ©eet* 
hooett unb Gd)umann als 
bas ©ertrautfein mit ©er* 
llo3 P ßifjt unb ©Sag n er 
fpüren, befittt aber genug 
tBmpfinbungs- unb 2lus- 
brudseigenart fowie aud) 

'J©cifter|d)aft im Xonfaß 
unb in ber Crd)e|tcrbef)anb» 
lung, um nicht nur bas 
ßaieupublifum, foubern 
aud> bie tunftuertrauteren 
Sachfrcifc mit feinen hoch* 
intentionierten Sdjöppm» 
gen emftbaft intereffierert zu 
fönnen. 


911«. ^3etfd)nitoro. 


C|\ on ben unzähligen gei« 

•Ogcnben „Sternen“ er» 
fter, zweiter unb brittcr 
törößt , bic um bie Wcnbc 
ber ^ahrliuubcrte am Äon* 
zertt)immel wahrnehmbar 
geworben waren, haben nur 
verhältnismäßig wenige fid) 
als fünftlerifcbeTauerftemc 
erweifen Wnnen,alstf»nenbe 
föeftiroc, bie uid)t tpmeteii« 
artig au jblißten unb halb 
wiebe r ocrfchnxtnbcn, fon* 
bem immer nod) mit ebelm 
ßautcrtlauge in bic nbcttb« 
lid>c Äonzertwclt h«tf>iteber* 
fdjimmem, unb ju biefeti 
wenigen gehört and) ber in 
©erlin anfäffige m||ifd)e 
©iolinift ©lexaitber ©ctfd)- 
nitoro. 3m 3al)re 1883 ge- 
id)al) es, baß ein A>err na- 
mens Solotaren fo, fölitglieb 
bes Wostauer Äaiferlidjen 
Opemord)e|ters, auf bas 

erftannlicbe Xalent bes bamals zehnjährigen Solbatenfoljites 
Sllcxanber 'getfd)nifou> aufmerffam würbe unb bem am 
8. Januar 1873 in 3ele3 im «jouoentement Crel gebonten 
Atnabcn bic 2lufnahme in bas Mosfauer Äonferoatorium 
erwirfte. 9lls Schüler bcs öort lehrenben ©iolinvirtuofen 
A>rimali), bcs Scbwiegcrfohncs »on Serbtnanb ßaub, ar» 
beitete ©ctfdjuifow fid) fd)ttell 3U jehöner 'JJlcifterfd)aft 
empor; er würbe balb bie jierbe Der Atonfcruatoriums« 
lonzerte. crfpielte fid) nach wenigen 3«f)tcn fd)on einen 
erften Sdjülerpreio unb gelangte bnrd) bic luuftbcgciftcrte 
Opferwillig leit ber Jfürftiit Marie llniffow in ben ©efitz 
einer ganz herrlichen Meiftergcige, bie bas (Eigentum 5er« 
binanb Staubs geroefen war. ©io zu feiner vor einigen 
fahren erfolgten Vermählung pflegte ©etfdjnifow biefes 
Onftrument, bas ihm bei feinen Triumphen treue (Senolfin 
unb Mithelferin war, fein „brauchen" ju neunen. 

©ad) mancherlei frieblidjeu Gicgc&zügcn burd) bas 
ruffi|d)c ©eich machte fid) ’gctfehnifow im ©ooembev 1895 


an bie (Eroberung ber beutfehen Äonzerigcbictc, Sein 
gegen bas 'fiublifntn unb bic VfJrcffc ber 9tci<h*bauptftabt 
gerichteter erfter ©tigriff lief bemi aud) flleid) auf eine 
völlige llbetfwinbuttg aller 3 u börcnbctt hinaus. Ter 
'Berliner Grfolg wdr fo groß unb eittfd)eibenb geivefett, 
baß fid) bem jungen .«ünftler alle lion^erttore ber üöelt 
öffneten, unb allenthalben freubig bowillfommnet, wg 
©etfehnirow mit feinem „ftrawben“ nun burd) bie ßartbe 
unb fiegte mit ber fchlarfenfreieit Schönheit feines un- 
gemein weichen unb fußen Tones unb mit ber voll- 
tommenen ÄUangllarheit unb .Klaugfd)önl)ett feines Spieles. 
Ter fünftlerifchcn 3nbioibualität ©etfdjnifows eignet als 
ein burd)aus ariftorratifcher 3t»0 bic gan.t ausfchließlichc 
Eingabe an geiftig bebeutenbe ©lufir. 'Jln Stelle ber 
lebiglid) parabierenben ©irtuofenftüde, mit benen and) 


SrDcIqi. Vubapcit. 

Das 3)enfntoI bes uitgariföen 3 ur tj ten Stoatsmannes Stephan 5ßerboc3i) in Subapeft, ein SBerl 

oon ©onät^. 


heutzutage nod) gar mandje fon,3erticrenbe ©ioliitiften 
bas ©ublifutn oerblüffett zu muffen glauben, fetjt ©etfd)* 
ntfow in feine ©rogramme ©ad)fd)e Sonateufdhe für 
©ioliue allein unb führt fold)en»eife bie fonft mit bem 
©aiod ©aganinifcher Variationen werte amüfierten Äon« 
3ertbefud)cr an bic eble mufifali|ct)c (ftotif feftgefügt« 
polupljoncr ©rälubien, 5«gcn uub iShaconnen, wobei 
beim bie erftaunliche Älangebenmäßigfcit uub Älaitg« 
fd)öuheit feines mehrftimmigen Solofpiries felbft ©ad) : 
untunbige Zuhörer bie richtige Gbelart biefer Tonftüdc 
oerftehen ober bod) wenigfteus erahnen macht. Wie 
er bett bculfd)en Meifter 3ol)anit Scbajtian in cd)t bcutfd)er 
Gtcbiegcnheit unb Giebanfeninbrunft verträgt, fo bewährt 
©etjdjnifow fein fein rultiviertes Slawentum in außer« 
orbcntlid) feffelnber IBeije aud) an anberen Werten, bei« 
fpiclswcife an Xfd)aitou>fti)s T>Dur*A^oti)evt uub infottöcr- 
£)cit mit her füß fd)ivelgcrifd)en Wiebergabe ber barin 
enthaltenen ©tolinfantilcnen. 'Jlrthur Smolian. 


3)05 

3Berböcji)'t)cntm<i( in S«t>apc[t. 

S eit furjern ift ©ubapeft um ein Tentmal reidjer. €l)«t 
beionberc r&cirrlid)feit würbe feitens ber ungarijdteu 
©egierung ber Stabt bas neunte Stanbbilb übergeben 
uon ben zehn, bie ber Äönig ihr anläßlich bes ©cfud)cs 
bes Teilt fdjen Alaifers gefpenbet hat. Das neue Tentmal 
wurbc am (fsfü»ter (Schwurplaß) vor ber monumentalen 
Iflifabotbbrüdc errichtet, ift ein Wert bes hrimifdjett ©ilb- 
hauers 3 ulins Tvnäth unb ftellt ben ungarifdjen Cluriftett 
unb Staatsmann Stephan SBcrböczi) bar. 

9Bietvohl in feiner fwimat einer ber beriihmteften 
Männer, ift SDerböczi) Im 9luslanb wenig befannt. Gr 
war ber Verfaffer bcs 
erften ungarifdjen (öe- 
feßbuchs, bas bis in 
bic ©litte bes neunzehn* 
ten 3 ahrhtttibcrts in Cbel« 
tung ftanb, bes „Tri« 
partitum Juris Hunfraria» 
Consuetudinarii Verbrtczia« 
num“. 3m 3ahtc 1475 
ZU Szöfcfalva in Sieben« 
bürgen geboren, ftubierte 
Werböczu, ber einer 5 a« 
milic von nieberm ?4öel 
entftammte, in Ofen unb 
'Wien bie ©echtscoiffen« 
fdjaft. Utad) Ungarn zuriitf* 
gelehrt, erlangte er balb 
eine leitenbe SteUung bei 
ben bortigen (f)eri«htcn. 
Tamals gab cs nod) fein 
gefdjricbenes cinl>eitlid)Cv 
(Siefeßbud), unb bie ©ed)t« 

fpred)»»W lag bähet fchr 

im argen. Wie betholt hat- 
ten bie Gtänbe bie 5 or* 
berung auf gef teilt, biefeit 
©erhältniffen ein Gnbe 311 
bereiten, unb Werböczi) 
würbe nun mit ber Wuf» 
gäbe betraut, bie Tetrete 
ber Äöiiigc, bie ©eftim« 
mungen ber ungarifd)eu 
©erfaffung zu fammeln 
unb bie (Scivobnheitsrechte 
auf zu zeichnen. 21 m Tage 
ber hl- Glifabeth im 3ahrc 
1514 bejtätigte bann Äö« 
nig Wla bislaus II. bas 
mit großem frtriß unb 
vieler ©lühc 3 ufammen« 
geftelltc Wert, bas um 
1520 zum crftcnmal in 
Trud gelegt würbe. Ter 
jeßige Juftiaminifter 21 n« 
ton <&üntl)cr würbigte beim 
ßcmbesaboolatentag im 
Ottober 1907 bie ©cr- 
bienfte Werböczgs um bie 
^Regeneration ber ntagga- 
rifdjen Station. Gr betonte, 
baß biefer fein (befeßbud) 
aus ben tbefinnungen unb 
aus bem tfeben ber un« 
gari fdjen politifdjen Sta- 
tion grjdjöpft, unb be- 
mertte, baß fein Wert 
„zu»’ nationalen ©eliquie 
ber ungarifdjen G»efd)id)U' 
unb ttbcrlirfcrnng gewor- 
ben" fei. 

Wcrböczt) hat zu feiner 
3eit oud) eine große politiidje ©olle gcfpiclt. Gr war ber 
5 ührcr bes Äleinabels gegen ben tfiochabcl unb häufte in 
tur.zer 3 cit große IKeidjtümer an, bie ihm teils 00 m Äöuig, 
teils vom 3löel gc|d)cnrt unb überlaffen würben. 3nfolgc 
bcs berühmten ©cidjstags von Siatvän erhielt SDerböczi) 
bic ©alatinwürbe, bie er aber balb wieber auf ©etreiben 
feiner ffiegner verlor, ©ad) Der Schladjt bei Mohärs fdjloß 
er fid) ganz Johann rinublpa an, nad) bcf|cn Tob er mit 
bem Sultan in ©erbinbung trat. Tie Türteu benutzten 
aber feine 3ntervention, um ganz Ungarn mit Alrieg z»» 
überziehen unD fid) ber jrmuptftabt zu bemädjtigeu. 
Werböejt) überlebte nur furze „Zeit Die Schmach feines 
©aterlanbes. Gr ftarb 1541. 

Wieber hut — mir fcljou fo pft — Alßaig 5ranz 
3 o|eph I. einen ©eivcis feiner außerorbentlidjcn Tulbfam- 
teit geliefert, inbem er einem Mann rin Tentmal errichtete, 
ber, als 'Politifcr »enigftens, alle* eßer als ein 5 rcunb 
Der jjSabsburgcr gewefen ift. 


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SBint erleben 

t n 

9TortDecfen 


tt ben lefttcn 3 nft«n. Stets ftart Jtcigcnb, l)at fid) 
ber Strom ber IRcifenbcn audj im ©Unter Ulor* 
wegen ingcroanbt, unb ber Sluslänöer tncift jeftt, 
baj} in yiorrocgcn Feine '■fiolarfältc fterrjd)t, man 
fid) nid)t oor ©ären ober ©lölfcn au fürdjten 
bat, fonbern baß im (Gegenteil ber norwegifebe hinter 
fterrlid) ift, rettf) an Sportlcbeu unb rooftltuenö für ben, 
brr .feine (ftefunbfteit ftärten unb ben Äörper abftärtcu 
will. Sefton gibt es ifeule, bte ben norwegifd)en ©Unter 
brm Sommer oor, tieften. Ob fie bas beffere Deil er» 
wäftlt ftaben? hierüber cntftftcibet rooftl nusfdjlicfjlid) ber 
pcrjönlicfte ©e[d)mad. Dicfes mit So uieleu ©aturfefton« 
fteiten gefegnete ßanb bietet eben in feber 3aftre&3cit 
neue, eigenartige ©über. 

©on ber Sdjule fter miffen mir, baft 9iormrgen lieft 
iwifcften 57° 57' 31'" unb 71° 11' 8" nörbl. ©r. erftredt, 
unb baft bie $)üuptftabt be& ltanbes auf bemfelbcn ©reiten» 
grab wie bie Gübfpitje O&TÖnlanbs gelegen ift. Dann aber 
muft ftin^ugefügt werben, baß bie ©eife oou ©erlin nad) 
Gftriftianta mir etwa Diera nb3axm#ifl bis breiftig Stunbcn 
bauert. 4Bct am ©torgeu itt ©etlin in ben jug fteigt, 
ift am ©aeftmittag in Äopenftagcn unb um ©littag bes 
anbem Inges in (Sftrifticmia. Der Für^eftc ©Jeg füftrt über 
SaftnitpDrelleborfjdftoteufturg. ©Jcit bequemer unb nur 
um ein ober 3n>et Stnnbcn länger finb aber bie ©outen 
über SBamemünbe ober burd) ^ütlanb, weil ftier bie 
grofceu bänifdjen ftäftren bie ©etfenbeu uor ben (ürfaftren 
ber SccFranEftcit bewaftren. SBer aber bas ©feer liebt, 
bem fann empfoftlen werben, mit ber ©aftn bis uad] 
ftrebcritsftaon, unweit Stagen*, ber ©orbfpiftc ^utlanbs, 
,ju faftren, um oon ftier aus bie ftaftrt über bas Sfagcr* 
rat mit einem Dampfer 311 maeften* Giuc ©oute geftt 
uad) Gftriftianf anb, bie attbere itad) tSbriftiania. 3m 
©Unter tieften es aber bie meiften SReifenben oor, ben 
tfanbroeg über Äopenftagcn 311 benutzen, 6a bei bem See- 
weg nieftt jetten 9tebei bie ©eife unliebfant nerfpätet. Die 
ftaftrfarte ©crlin-Gftriftiania unb juriuf foftet cinftftlicftlid) 
ber ^tftlafwagenfartc in ber ^weiten Älaffe etwa 130 bis 
HO bie Äarte ift (eeftjig läge gültig. 3n Norwegen 
foftet bie IReife Gftrijtiania • Dröutfteim 45 Sirenen, 
Gftriftiania=©crgrn 39,« Äronen, Gftriftiania*Otta (Gntb» 
branbsbalen) 22, M Äronen, unb jepar ebenfalls ftin unb 
girütf in ber jnmten Älaffe. Die (üültigfeit einer IRürf» 
faftrfarte erftredt fid) in Norwegen auf brei ©lonatc. Der 


Nu? ent f) alt in einem SBintcrfancitorium ober Äurftaus er* 
forbert täglid) 5 bis 8 Jf, je nad) ber 3immerlage unb 
bem beanfprueftteu Äomfort. Gin ©Unteraufentftalt in 
Norwegen ift alfo oerftältnismäftig billiger als eine 
Douriftenfaftrt im Sommer. 



STilnufcr auf ber Dour. (^ftot, £>. «bet, Gftriftiania.) 


Dies allein fefton bürfte genügen, ben internationalen 
ftrembenftrom in 3ufunft meftt als bisfter au<ft im ©Unter 
nad) Norwegen ju lenfen, juntal ba aud) bie ©rite bie 
©orteile eines folcfteu Nufcntftalts nieftt genug 51» rüftmen 
toiffeu. Gs ift nötig, feftarf ,^u unterfdjeiben einerfeils bas 
Älima bcs SBeft* unb Olorblanbcs unb anberfeits bas bcs 
Ofllattbes. Ülu ber IBeftfüfte fterrfeftt ben ganjen ©Sinter 
ftinburd) ein milbes, fciufttes Älima; auf bem Oftlanbc 
ftingegen ift bie iCuft flar unb troden, nnb ein Nufcntftalt 
in biefen Cb egen bcit T farm fogar fd)i»ere Äranffteiten fteilett 
bwrd) bie gefunbftcitsförbcmbcn Äräftc biefer ftoften, 
fonnenbegläntten ©erge unb (fbenen. Gs foll unferc Stuf» 
gäbe fein, in Furien 3<*ilen biefen ©Unter ju fd)ilbem. 
Denn mer im ©Unter einmal nad> 9fon»egen gefommen 
ift, ber fontmt rnieber. Die Stftönfteit ber weift gepuberten 
grünen Daunen* unb fticfttcnwalbcr, b\c bie ©bftänge ber 
©ergo bebccfen, bie tnallenben Gbcuen, bie fid) im blcnbcn» 
ben Sonncnfdjein mit iftren grofteu ©aiicniftöfcn bis an 
bie JVüfte ber fernen ©erge ausjtredeu, alles jufammett 
atmet eine uncnblicfte, ffiftle ©ufte, bie einem müben 
^erjen unb Sinne woftltut. f>ocft unb flat wölbt fid> 
6er fiiminel über ber lüanbfdjaft. 3n brr trodenen, 
Icicfttcn üuft fteben fid> bie hinten ber ©jtälber unb ber 
©erge fo rein unb fdjnrf ab, baft bie meiten Gutfcrnungeu 
uafte erfefteinen. Äleiftenb, wie oon uncnblid) ftinaus- 
geftrenten Gbclfteinen gefeftmüdt, liegt bie roeifte Dede 
über Xälcm, über ©erg cn unb fiodbrbcncn. Die Grbe 
ruftt in iftrem langen, tiefen S<ftlafe aus. ^)icr ift ber 
Sdjnec nieftt ftftwer unb fewftt wie ber nn ber Äüfte ober 
auf bem tiefer gelegenen £anbc; bie Sdjneefloden fallen 
Tcid)t unb troden. 3n ben ©fouateu 3a^*«ar unb JV«* 
bruar ift ber Sd)nee fo feft unb bieftt geworben, baft er 
ruftig liegen bleibt, bis ber ftrüftting fommt. Gs finb 
btes bie beften Scftncemonate bcs Ciafttcs- (Vreilieft tann 
bie Demperatur in ben ftodjgclegenen Deilen bes ttanbe* 
einen nad) unferen ©egriffen oerftältnismöftig ftoften 
Ääitegrab eiTcieftcu. Dönfct in ©ftcrbalcn, ein Ort, ber 
493 m ft. 'Jüf. liegt, ift eine ber Eältcften (Ocgenben bcs 
Raubes mit einer ©Jittcltcmperatur bcs fältelten Dages 
oan — 12, t °C; ftier ftaben iweihunbert läge bes Jaftres 
JVroft. Gin äftnlicftes ift bas ©erftältnis in Cbubbranbs» 
balcn. Unb bod) lamt ein ©Sintertag ftier unoergleicftlid) 
fein. Die Äältc feftmer.it nieftt; man genieftt nur bie 
routtberbare, troefene ßuft. Das Sonncnlicftt fann bnreft 




ffielbfätex-feotel bei Drontftcim. («Pftot. 30«fe, ®ftriftiania.) 


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9fr 3421. 21. 3<mu<tt 1909. 


SHuftrirte 3eifung. 


SlvSprungfonfurrenj auf bem C&rcmlalb alten bei Trontheim,, ('Übet BJilfc, 


ba.zu erübrigen fann, feilte beltäubigem Sd)nee unb ziemltd) gleichmäßiger JtäU*. 
eine folcbe Bunbfahrt nicht Tie tfjcgettb, um öle fid) bas größte 3ntercffe ber 

unteriaffen. (£r uurö u iuwr- Sportliebhaber fummelt, ift meftlid) poit öcr Stabt ge* 

geßliche Ifinbriido mit und) legen, bort, um bie Bnhöbcu .riolmenf ollen, BettaloUcn, 

.'Saufe nehmen. Sdjncc unö Botf entölten unb Xrtjuaubshöiöcn emporfteigen. Bereit* 

dis zwar allentljnlben, aber ju einer 3 *it» ba biefe Strecfeu nod) trinzelbcfitz waren, 

meid) feine, beit Statur- gehörten fte 311 öen beliebteren Vlusflugspunftcn bei 

freunb entjüdenbe Unter- ftäbtifdjen 3‘ u flenb; aber i!)re Beliebtheit wud)s ganj be- 

fdjiebe in ber Buancc! beutenb, als btc etabtgcmcinbc im 3 atjfe 188H 

Bei i£l)riftiania ent- ("Vrognerjäteren angefauft hatte unb l)ier nad) unb nad) 

faltet fid) im 'iöintcr ein große Einlagen ausfiiljren lief). Später bauten prioatc 

lebhaft cs Sportlcben, wie Bftiengcfcllf (haften auf £)olmcntollcn außer einer Sport- 

feine aubere europäifebe ftube ein prächtige* Xouriftenhotet unb ein Sanatorium, 

(ftroßftaöt Ähnliche» auf* tSin ebenfo großartiger, befonbers oon Vliislänbcm Diel- 

Zuwcijeu hat. Obwohl bä* befud)ter ßuftfurört liegt auf Öoffcufollcn (500 m ü. Wl.}; 

.VUima non iShrijtiauia im außeröem bcftcht hier ritte ftcitjr einfacherer £)Otcl*. 

großen unb ganzen als Unweit Mefer Umlagen bejißt ber npru?rgtfd)c Bönig ein 

tnilb bezeichnet toerbeu fd)öncs, int altuorwegifchcu Stil au* A>oU erbautes ßuft» 

taun, hat es im SBiu* fdhloß, eine zur Krönung im 3atyw 1906 oom norwegifd)en 

ter bod) bas ifieprdge BolFc bärge botenetGabe. ISsijt ein jd)öncr ‘Jlnblicf, wenn am 

eines Biuuenlanbllimas mit Vfbeub alle biefe Anlagen im rtlauz ber großen ricltrijdjeu 


bie 3ttTüdn>erfnug ber Strahlen non ber 2 dpieebede felOft 3ahte flellen fid) in 9lonoegcu iinOTinter immer Cuftfurort BoffenfoHen bei Chriftiania. (Bhot. Wtfe, öhriffiaitia.) 
art einem feljr falten läge einen Ajigcgrab bis zu 30° (J mehr Auslänber ein, um ben Stifport zu erlernen 
brro erbringen. Bod) bemerfenswerter ift öcr llnter|d)ieb unö zu treiben. 3m 3ah tl ‘ »erben in ber 
zwifd)en öen Xemperaturoerljdltniffen in einem unb bem* 3cit uomSl. farbniar bis«. 9Jlärz in Bcrbinöung 

felbcn Xale. Unten ift es burcf) bie oont ftluß mitgcfül)rie mit bem fwlwcnfolrenncu in fiilU‘l)ammcr 

3eud)tigfeit ant fälteften, fteigt man aber nur etwas unb (Ibriftiania Müiuterf p ort f efte mit 

hinauf, fo mirb cs fchon erheblich milber; tu biefer fog. nationalen unb internationalen ßouturremen 

„Ööitibe“, bie fid) unterhalb bes $od)gcbirges unb ober- »cranftaltct , zu bereu Befudi uom Brtfe- 

halb ber Xalfoblc erftrerft, ift ein BJtntcrtag mit feiner bureau ber .Hamburg -?l me rifn*ßinie in Berlin 

meiden, zittemben Biilbe ttod) fd)öner als ein warmer eine ®efellfd)aftsteifc arrangiert »erben »irb. 

Sommertag. <£s foll t)ifr oerfud)t werben. bas Bcftc 311 

B3cnn aud) alle, Obcfunbc wie Wranle, fid) an bem letften, mas ber SBinterfport bieten fann, 

uorrpegifdhcn tlßinter freuen unb feine Schönheit genießen nicht nur int SlUaufen, fonbent aud) im 

bürfeu, fo hefißt biefe CtebtfSKti für ben Sportsmann Bkttuitcn, Blcttfahreu unö 3d)littfd)ul)laufcn, 

noch eilten befonbent '.Reiz. JHor Sahrtaiifenben haben bie Glicht nur Ubriftiauia unb ßlUehanuner haben 

mongolifdbeu ßappen bie Sfi aus bem fernen nfiatifdjen ihre iöintcnuodje. \fluch bei Xrouthftm gibt 

ßanbe nad) bem 92oröen gebracht. Sd)öu im 9lltuorötjd)e*t es jährlich ein uon 3n* unb Äuslänöem fehr 

ift bas 993 oit »kid, bas norbifdien Urfprungs tft, oor« befud)tes Bennen: bas tftraaralrcimen,^ bei 

bauöen. Bis Sport aber ift bas Sd)nccjd)uhlaufen jung. Grammen bas ftomiembTCttncn unb bei Slicn 

'Bis uor fünf zig fahren lebte biefer eble Sport ein ziemlid) bas St ifutrennen. Sonft haben faft alle Xeile bes 

unbeachtetes Tafeln in ben entlegenen (tjcbirgsortf «haften; ßanbes ihre totalen Bennen, ja faft jebe Stabt 

in ben Stäbten gab es nur wenige, btc biefe gefunbe unb jeber Be.zirf, wo ber Schnee |o lauge liegen 

förpcrlichc 'Bcroeguug zu wfirbigen nerftanben. 3n ber bleibt, baß ber Sport betrieben werben lanm 

Brmec jebod) hielten bie Sfi toerhältnismäßig oiel früher 9hnimcl)r feien ber 9?eil)C nad) bie ein jelnen, 
ihren ISinzug unb lcifteten fd)on oor einem 3ahrhunbcrt für ben SNiutcrfport in 'Betracht fontmenben 

gute Tienfte, öeutjutage ift ber Sftfport in Bonoegen <f»cgenbcn Norwegens befptoehen. To ift ,zn- 

zn einem Bolfsfport geworben, wie faunt ein anbereo uäd)ft bie finuptftabt bes ßattbes, tShriftiania. 

ßanb etwas Ähnliches auftpeifett tanu. Bon ben einfamen .zu erwähnen, bann Tronthcim, ferner bas 

(Gebirgstälern hoben bie Sfi bie Stabt enreidit, unb bie (fmbbranbsbal unb Utalbres, bie für ben Sport 

ftdbtifdje 3ugcnb wetteifert mit ber länblidien um ben erft fürzlid) entbedten tftegenben ber Bergen» 

'firets ber Sdhnelligfeit. Tas jährlidje ^olmenfolrennm, bal)n unb zuletzt Xclemarlen. (Es ift fd)i»er, 

bas Bufanjj 'JOlärz bei (Ihriftinnia abgehalteu wirb, tjt .zu cntfd)eiben, welcher Cbegenb ber Borrang 

mehr als ein nationales Sportfcft, bem ber Älönig bei* gebührt. SKan muß fic alle gcfchcn haben, 

wohnt; felbft aus Xeutfdylanb unb (fuglanb fommen eine nad) ber an bem, wenn man bas rointer- 

zahlreidjc *}rembe, um bie frifdic Alraft unb ben reden liehe 'Jiormcgcn wirtlich Ccnncn will, uub wer 

)Uhit ber nortüegtfd)eu 3 ll Ü f,,il bewunbertt. 'JBit jebem non ben fremben Beftichent bes ßan bes bie 3«t 


öergenbahu: Botierenbcr Schneepflug in Arbeit, ('i't)ot. Jöilfc, IShfiftiania.) 







116 


Süuftrirte 3 C ^ T1 9- 


9fr. 3421. 21. ^anuor 1909. 



Stobt. 5liji0öt)crum finb l)'\cx im (üubbronbebal große 
.Sturhniifcr gebaut, bie während ber SBinterfaif on teils mn 
in ben Öfter- unb 'iBcihnadiisferien, oiclfad) auch bov 
gort je 3af)r über geöffnet ftnb. HBir wollen *unäd)ft auße^ 
ben Rotels in fiillehiammer, bie imÜBinter aud) als ©en 
fionon benutzt werben, folgetibe erwähnen: 3n bet 9lälu 
oon ßillehammcr ßangjet (bas gante 3al)r hindurch), Word- 
fäter (20. Te^ember bi« 31. 3 nm,Qr unb 1. 4Jiär,t bie 
15. 'Jlpril), SJle&nalien Xouriftenhotcl (bas gante 3ahr hin- 
durch) unb Runder (Das gante $af)r hindurch); bie Strcdc 
(Ihrijttania.LMllehammer beträgt 1N4 km. 3n ber 91äh* 
non Xrettcn liegt bas elegant l)crgerid)tete Gl)r. 3Utngr* 
Sanatorium (1. Januar bi« 14. ülpril) unb in Cejtre (bau«- 
bal ißeitfion Saufet (bas ganje 3abr). Unweit ber Sta> 
Hon vninborp ift bas Toftc ^öilibfanatorinm in befou* 
bers ruhiger unb milder (ftegenb gelegen unb labet bas 
gante o«bv hindurch tu einem Aufenthalt ein. Ta? 
moubaine ff)o[aa-£)od)gebtrg*|an«torium bei ftnrpefos ift 
tutifdjen bem 1. unb 14. April geöffnet. Sei Sinjtta f »nO 
uid)t weniger als oier vwtel* $u erwähnen: ©infttö 
unb fKiruheim unb in einiger (Entfernung in ben £>od)* 
gebirgen kampe fäter unb not* allein bas uortüglid}c 
JVefor, bie brei erftgenannten bas gante 3ahr, leßteres 
im ißinter wom 1. ivcbnmr bis »0. April geöffnet. 3n 
ber s Jlähc ber ©nbftation Ctta liegen brei SSotels. SBeu 
weiter in bas Xal einbringcu will, fann nad) bem nörb» 
lid>cn £>od)pebirge Toure fahren, wo er int Xal unb out 
bem Serge in freundlichen, bas gante 3<*hr geöffneten 
tüafthöfcn unb Sanatorien (Tombaas, ftotftucn, £jerfiun. 
Atongsoolb) gute Unterlauft findet. Außerdem gibt es 
in ben Sergen Heinere föaftfyöfe ober cinfadie Xouriften- 
hotels, wo namentlich mährend ber Ojterferien bie ^pöTts- 
teilte etn lehren, bie fich nad> ben entlegenen Sergen brs 


Sfitjäring. (ip^ol. SOilfc, GhrifticmU», ) 


i?id)tcr crftral)l<n r bie man bis weit draußen int ftjorb 
fehen fann. Sott (iljrifttania führt eine eleltrifdje Safjn 
hinauf itad) £>olmcntollcn, unb längs ber ©ahnftreefe blüi)t 
fett bem letjt'en ^a^rtebttt eine fjübfdje Sillettlolonie auf. 
»Ser t&egcnben oorjicht, wo man tamr nicht alleSortetle 
einet mobernen Jwilifatioit genießt, bafiir aber rctdjlidjcn 
(Erfaß in ber ftärfenöen 'JBalöluft unb unberührten 'Jlatur 
finben lann, bem bietet bie Wordmarf bie rei<t)ftc Belegen« 
heit ju. lohnenden Ausflügen; in luapp einftünbiger ftatjrt 
bringt ihn btc 'Jtordbahn mitten hinein in Slorwcgcns 
urfprünglidje fBalbitalur. 

Unb was für ein fiebert unb Ircibcn fid) hier oben an 
einem fd)önen SBinterfonntag entfaltet! Ausländer fönneu 
faunt einen belfern (Einbrucf oon ber kraft unb fiebensluft 
bet norwegifchm betommen als gcrabc hier. 3n 

biefen UBälbern unb biefc Abhänge hinab lief ( 3ribtjof 
ttanfen als ft nabe unb Jüngling Schneefctjuh. Vielleicht 
hat biefent jtdrtenben Sport bie 3ugettö ihre ©efunbheit 
31t oerbanfen. Aber nicht allein bie fungen Heute tjulbigcn 
bem oftfport; aud) ältere, ja fogar alte Heute fann mau 
auf ihren Sti in rafebem Sauf bie Hlbhänge hinab* 
gleiten feheu, 

Xrontheim, ber (Eimnohucnahl .tad) bie Dritte Stabt 
bes Hanbcs, ift bie £mu.ptftabt öes nörblidjert 9Jonoegcns. 
<nid)t nur int Sommer als Kusgangspunft bet 'Jlotblanbs- 
fahrten befannt unb nid)t nur burd) ihren Tom berühmt, 
jonbent aud) als eine Stabt, Die im teirttcr eine ber für 
ben aBtnterfport gceignetfteu ift, uerbieut Xroutheim in 
biefen 3cilcn eine nähere Serüdfidjttgung. Xic Strede, 
bie man mit ber (Eifenbahn oon llhriftiania fährt, unb bie 
etioa firbjehn Stunbcn bcau|pnid)t, ijt 561 km lang. Tic 
ebrumrbige Stabt ber alten Alönigc unb ©ifchöfe würbe 
im 3at)« 897 gegrünbet unb hiffe urfprüuglid) ^libaros. 
Xvontheim hat bas <5epr5gc einer alten, wie tll)ri|tiar«ia 
bas einer jungen Stabt. Tie breiten Straßen nnb bie 
großen, offenen ©läge heioirlcn, baß bie 3tabt einen 
nihigeu, romehmen (Etnbrud mad)t. Tiefen (Einbrud oer* 
Itärlen bie großen hölicnteit Sauten, unter denen bas 
königliche Sdjloß, ein elegantes Sofolopalais, ber fd)öitftc 
ijt. 'JBie (Ihriftiaitia ffuHmenfoHen in feiner *Wt)e hat, (o 
ftnb J^jelbfater am Serge s (&raatallcn nnb 

3roffeftueu an ben Heirfoffeit bie beliebtefteu Ausflugs* 
punlte ber Trontheimer. 3m SBintcr ift (üraalallen, wo 
bas obenerwähnte (firaalallrettnen ftattimbet, befonbers 
heroor^uheben. UBer biefen Serg befteigt, ber ift — ob* 
gleich bxx unmittelbaren 'Jlähe einer großen Stabt 
doch weit in Die uneubliche 'JBelt ber nonoegijdjen (bebirge 
hiucingclommen. 3n ber frente erblidt man im Sübwcften 


bei Harer SBitterung bie Gipfel 
bes Xrolbheintcn unb ber Serg- 
Partie Toure; im £>|tcn follcu 
bie Sijltopper auf ber fd)iue* 
btfcben (Sren^e innerhalb bes 
tf»cfichtslreifes fein. Und uor 
unferen ^üßeii erftredt fid) ber 
Trontheimsfjorb oon üBcftcn 
nach 'Jlorbcn unb Cften. IBcld) 
eine fbegenb! Sreit unb ruhig 
wogt ber ftjötd nad) 91 orboften ; 
breit unb ruhig liegt bas Hanb 
oor nuferen Sliden, ber mäch* 
tige Iröndelag, ber in ber 
alten (hefd)ithtc bes ßanbes 
eine glänzende ÜR olle fpielte. 
3m Sommer hdl unb frucht» 
bar, im 'IBiuter, u>o uns bie 
Sli ober bie leichten Schlitten 
fdjucll unb gcräufdjlos über 
bie weiten (Ebenen führen, 
weiß unb unenblid). 

Tie Orte unb bie .Wurhäufer 
in ber umnittelbaren 91äbc ber 
größeren Städte, die wir oben 
erwähnt haben, ftehen natur* 
gemäß im 'IBintcr als ©cifc- 
.tiele in ber erfteu 'Jleihe. Tann 
aber find bie großen, oft fogar 
eleganten Simagen ,m erwäh- 
nen, bie in ben ^»aupttälern 
bes Of tlan bes gelegen ftn b. 5s 
fommen folgende Xäler in ©c* 
trad)t: (f>ubbranbsbal, ©albres 
unb Sjallingbal. 3m (üuö- 
bratibsbal ift ^undchft bie fdjon 
erwähnte Stabt fiiilchammcr, 
bie am Ufer bes großen ©in* 
nenfees flufttt gelegen ift, ,gi 
rühmen. Tenn leine norwegi* 
fchc Stabt befißt im hinter 
ober im Sommer ein fo trode* 
nes unb gefunbes iUitna. 3Bas 
am Wnföug biefes 'Jlrtifels über 
bas itlima bes Oftlanbr* tm 
allgeineincn gejagt worben ift, 
bas gilt in hohem (Eirabe 
oon biefer fd>öucn, (leinen 



(Ein ibealer XelcmaTtiiwung. ( k Bhot. UHIfe, (Shriitiania.) 



Sfttourilten bei bem 9ejor*0od)gcbirgshotrl in bet fianbfehaft («jubbranbsbalcn. 

(iUjo*. ‘IBilfe, «hriftiania.) 


©ergenbahn: Untunft oon Stiläufcm auf ber Station iülqrbalen. 


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ttr. 3421 . 21 , 3 anu<iT 1909 , 


3 llw[trirtc 3 «itong. 


117 




Vergenbabn: Station Hallüigsteib. (iU)Ot. «)ilfc. Uhriitiania.) 


Von Vcnnticrcn gezogene 3ft)bs. (Vftot. Sanken u. Ho., Xrontheim.) 



reilbcn Ootimlycim unb ber 9toubane begeben. 'JUir hoben 
bic Verbältmffe bes 3rtembcm>frtfh** bis föiibbraubsbcils 
fo ausführlich befprochen, tücil man baraus erficht, wie 
oirl in biefer $injirf)t gearbeitet worben ift. 

l£benföfehT wie Da* föubbranbabal eignet fid) ba* 
füblid>c Vachbartal für einen SBinteranf enthalt. Tic 
(Hfenbahn führt nad) ftagcrnä* burd) wunbcrfd)3nc 
lücgenben. Xonfaafcn bei ber Station gleichen Warnen & 
tann in bezug ouf (Eleganz unb Montfort mit ben beften 
Schweizerbotcl* wetteifern unb bietet 'Jleurafthenilem unb 
burd) uberanftrengung erfranrten Wcnfd)cn eine ti>ol)I> 
tuettbe unb heil (ante Vulje. Sanft finb faft au allen ttifen* 
baljnftationen bes ValbTCstabs gute Rotels oorbattbcu. 'Ißer 
bann oon {^agemäs btc Weife fort feig, wirb ljier wie itn 
(tnibbranbsöal an allen Sfijb&ftatiouen, bie zugletd) Rotels 


finb, eintehren Ifuinen unb eine 
für bie Mn&lichen Vcrbältniffc fch* 
gute Verpflegung erhalten. 

'Jiod) einmal wollen wir auf ber 
Marte bie füblid)cn Verge überjehrei • 
ten; fie trennen uns hier non Dem 
Halltngbal. 'ilUr gelangen bann an 
bie Vcrgenbahn. Von Uhriftiania 
erreicht man£>allingbal,inbcin man 
mit ber Tramtueiibabn bi«. Mröbe, 
reu fährt, wo 'Jiorefjclb ein ganz 
üor.zügltdjes Sfitetrain bietet. Um 
nach beiu ffiblichen lüibc bes 
Tales «mlsoit \u gelangen, muh 
man in biefem 'JBiiitcr allerdings 


'Jllmterübungcn bc* norwegtfehen Vlilitärs. OUbot. SBilfc.) 


ober bides l£i& gelagert; felbft 'ilbgrünbc unb 3d)liid)tcn 
berft ber Sdmee meid) unb behüt jam \u. l*ine mfidjtige 
Stille ruht über Der breiten Vergfette. Vrfiftt freilich 
ber lag mit feinem furzen Sonucuglanz bie Ijerrlidifte 
Schönheit unb ben größten Weil, fo hat Dodi and) bie 
IHJinte macht im Hochgebirge ihre [onbcrbarc, lodenbe 
Wadg. XcrVlonb fehieft fein bläulich weifte* XämniCT» 
lid)t über bie unenblichc Sctmeeflädie, bie bas bleiche 
Vicht giriidwirft; bie hellen Sterne glänzen am blauen 
Himmelsgewölbe uüe fuuteliibe dichter. Unb wenn 
»ollen 6s bas 'Jlorblidjt feine unzähligen Merzen in 
allen Farben Des iHcgenbogens in lautlofent *ißcd)|el 
crftrahleu lögt, ba fann inan fid) in bic ewige, ftimune 
(Schwermut ber Volargegenben uerfetzt glauben. 

Veoor wir oon Norwegen $lbfd)icb nehmen, wollen 
mir nad) Xclcmarlen einen ©efud) abftatteu. 3unäd)ft 
fahren wir mit ber Cifenbahu über Trammen nad) 
Mougsberg unb bann mit beut 2d)litten nad) Volfcsjö 
burd) grofte, herrliche Wölber. Verg auf Vcrg türmt 
fich hintereinander uor Den» Üugc auf, unb vor nuferen 
Füften liegen bic Flcinen Seen mit ihrer bliftenbcn iSis- 
unb Schncebede. Schnee unb Verge unb grüne 'Jlabcb 
inälbrr, bereu Väumc fid) unter ben fchinereu 3d)nce- 
ma||en beugen meid) tiefen (Siitbmct befommt man bod) 
gerabe hier oon Vorwegen im Winter 1 Muf ber Wüdreife er- 
reichen wir auf Sti ober im Schlitten in oier Stuubeu lim 
nofet, oon wo aus inan mit ber (Hfenbaftn in furze r Feit 
nach Watobben gelangt, bann weiter mit Xantpfer nad) ber 
Stabt Stirn ober auf odwecfdjubcii ober mit 2d)litteu nach 
Mongsbcrg girücf. (r»nte Rotels finb jowol)t in Vollesjö 
unb Xiunofet als aud) in Notobbcu oorljanben. Xie Vattb» 
fdiaft Xclcmartcn bcjtcf)t aus einer Weihe nach allen Vieh- 
tungen gehenber Xdler. Xie Wälöer rönnen manchmal bie 
Vanbfd)aft etwas eintönig machen; aber bie Vergcnnö bie 
gro^n Vinncufecn beleben fie im Sommer. 3nt ^Uiitter cr- 
blidt man bie tote, weifte gleiche. Xelemarffti befiljt nidjt 
weniger als fedigg Seen mit mehr afstigkni Flächeninhalt, 
dufter ben Dielen Heineren; ndMimbgoangg finb größer als 
-I qkm unb oierzchn über 1» gkm. ‘Von ben Vergeu Xrle* 
märten* ragt im Vor ben ber (baufta IH'IO m he»d) empor. 

finb Dies bie wid)tig|ten Vanbfdiafteu, bie für Winter* 
reifen geeignet |i»tb. iShrijtiauia, Xroutheim unb Villchammcr 
finb bie Jen treu bcs tüi n t er jport leben*. Tann fontinen 
mehrere Stdbte unb einzelne Mutrl)äufer in Vftrad)t p bic r* 
befonber* nerbienen, empfohlen zu werben: bie Stabt 
.v>amar am Vljöfen, tfibsoolb unb enblid) AtoiiitvinbtoUcn 
bei Trammen, Die ländlich ba* ganze Fahr hin burd) (hätte 
aufnehmen. ,-Jur Vermri billig oon 'JJciHoerjtänbuifien fei 
uod) erwähnt, baft bie in Vorwegen übliche Vczetd)rtung 
Sanatorium*’ itid)t>> mit Mranlcuanftalteu zu tun hat. 
s Jlad) unferen Gegriffen fällte es überall Uuftfurort ober ein- 
fach A>otel heißen. 'Äuslilnfte filier 'Jltiiiter unb VSinterfport 
in ^lorwegen erteilt ber Verein zur Jpcbung Des Frembert- 
verfehr* in 'Jlarwegen in (il)rifttaniä, Stortl)i«gsgaben 2. 

lÜenn in Norwegen im tbinter ber lag aud) furz ift, 
fo befiftt er mit feinem hellen Sonncnglnn) hoch |o oiel 
Vei), Dag er einen reichen lirfatz dafür bietet, was ber 
Sübeu unferes Erbteils an tlhirme unb Väuge porau« 
hat. Fm Sommer gibt 'Jiorwegen feinen Ve|ud)ent bie 


Vcrgcnbahu: 3djnce<tfinfcf)nitt. ('|?hot. VSilic, öhriHiania.) 


uod) etwa 4(> km mit Dem Schlitten fahren. Tic Schönheiten 
bes Hochgebirges bieten inbes einen reichen Grfaß für bie 
oiclleidjt etwas- befchwerliche Fuhrt. Vequemer ift (ftulsoir 
übrigens oon Vergeu aus zu erreichen, mit welcher Stabt 
bereits feit »origem F*l)r fine birefte Vahnoerbinbung be- 
|tel)t. Vei bem zuerft genannten 'Weg führt uns ber Ci feil* 
bal)n,)ug oon ber cisbcbedtcn Flädje bes Seeo Gröberen an 
bem Viallingelu entlang. Valb in langen Xuniiels. halb mit 
weitem ‘Musblid über bic fdinechcbedteu Frlber unb bie 
grünen Vabelwälber eilt ber 3ug längs ber Verg hänge. 
Val b werben bem Fug mehrere Volomotiucn uub ber große 
Trcl)fd)neepfliig porgefpannt. Vci 'Jlggaarb feftöpft er 
bann ein letztes 'JJlal Vtrm, ehe er feinen Jftep fortfetjt 
hinauf in bas wilbefte norwcgifche Hochgebirge. Tie 
Val)u läuft hier faft ebenfooiel im Dnnem Des Verges 
wie längs ber Höhen uub Hänge; auf weite Strctfcu ift 
fie eingebaut ober überbaut, fo baft nur ab unb zu Die 
ljerrlid)c 'Äusfid)t freigelaffeu wirb. Fn einer Höbe oon 
etwa 1300 n> «. VI. führt biefe Vahn burdio Hochgebirge 
uub bringt burd) bicfe Vergiuaueni hinDurdi, Die ihr ben 
MUccz nad) bem ^ßeftlanb jn oerfpcricn fud)Ciu Vei ben 
Stationen Haugajtöl unb Finfc, mitten im Hochgebirge, 
hat ber Staat Heinere Hotels bauen laffeu, wo bie 
Veifeitben gut oerpflegt werben foitnen; bei Vftyr&al be- 
ftcht ein piioate* Hotel, bas wegen ber Sd)önl)eit ber 
Vusficfjt in wenigen F a h rc1 ' europäifdje Verül)mtl)eit er* 
laugen bürftc. Fm Hallingbal ift als gecignetfler Wuf« 
emhalisort für Siiläufer Ffilo beroorzuheben. 

(Sinen Xag uub eine Vad)t in biefen Oiegcuben er* 
|d)öpfcnb zu |ct)ilbcrn, Dazu gehört bic Verebfamleit bes 
Voeten unb Die Farbeitglut bes Vlalers. 2111 bie wilbeti 
Xäler uub trotzig emporfteigenDcn (üipfel biefer ffiebirg»* 
mafje hat ber 'JUinier in fein glän zeubweiftes F^flüeib 
gehüllt. Nur bic wilbeften unb zerriffetiften erheben uod) 
ihre (d)warjrn Finnen gen Himmel. Vom iHanbe ber 
tfisgletjdjer auf ben fyö\)tn bis ins Xal hinab unb über 

~id)iirema{f< 


hfl!0 öte weiften läge. 

THE OHIO STATE UNIVERSITY 


ilronprinz Ciao oon Norwegen. (Vhot. H- ‘Übel, (Ein 

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[eu «Kbirg&fecu hat fid) eine Didjtc 






Der ©rofee Hurfurft bei <JeIjrb«lltn. 9iad) einem ©emälbe omt 3 af0 & us Säften. 



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9lt. 3421. 21. 3anuat 1909. 


3Ilu[trirte 3*‘* un 9- 


119 


"Slrfcnc 2upin, 

bet (Sinbrctfjer aus 5ßaf|ion. 

Von Dlaurlte Bf blaut. 

(OrortFtöunfl.) 

clmout (taub auf unb legte Die tfwmb auf bie 
Schulter feilt» Wirte*. 

meine, bog Den in Muern Gliche unb Dein bei* 
Miatioualbibliothel enthaltenen Eingaben rin böd)ft und)* 
tiger fein weis fehlt, beit mir 3t)iien 311 verbauten haben, 
lieber Tcuauue." 

„Somit“ . . . 

„Somit habe i<i>, Da ber xSabidyt fid) jnr <£rbe gefeuft, 
biefe (id) geöffnet imb maximal fed)* \u»ölf gibt. nid>1*> 
weiter ju tun als tuid) an bie Arbeit 311 m adieu." 

„Ciiuc eine Winute 311 verlieren.“ 

„Cliue eine Schmbc 311 verlieren! 9Äuft idi nicht nod) 
in biefer 9lad)t, Das beiht, vor ber Slnfunft Des (EnglänDer* 
3l)r Schlag ausrfi unten ?* 

..Iatfäd)lich, Sic tnüffen jid) beeilen! Wollen Sie, bau 
id) Sic begleite?" 

„Wad) Tieppc?" 

, f 'Jiad) Ticppe. 3d) mufj hinein, uni jPierrn unb <$rau 
VlnbTol, bie mit einer JVreunDiu uni Witteruadit anfomineit, 
vom tBnl)itl)of abiuholcn. übrigen*", fuhr her daneben, 
fid) 311 ben Cffi.iieren ivcnbenb, fort, „(eben mir uns 
morgen alle 311m Wittageffen. wahr, turinc ficrren? 

^Kir rechnen auf Sie mit fo mehr, als ja bie (hrftürmung 
De* Schlöffe* ein Tvauptpuuft bc* Wouövcrplancs ift." 

Tic Ginlabung unirbc angenommen. Wan trennte 
fid>, unb einige ?liigeitblidc fpöter fuhren Tevaituc unb 
Velmont int 'Automobil und) Tieppe. Tcvannc fehle beit 
Waler oor beut StranDhotcl, in beut er wohnte, ob unb 
fuhr 311m $al)til)of. 

Um Wittcniacbt trafen feine (üäftc eilt. Um halb ein* 
fuhr ba* Automobil in beit £Sof von Ibibcnuosliu. Um 
ein Uhr topett fid) olle nad) einem leid)teu, im Salon 
aufgctragciicn Clmbift in ihre 2d)lafiiimncr lurikf. tfin* 
tntd) bem an bem crlofchcu bic )!td)tcr, unb bas Schweigen 
ber Wad)t umhüllte bas Schloff. 


Ter 'JJiouö fd)ob bic Wolfen, bie ihn ucröedtett, bei« 
feite unb gofj burd) )u>ci ber ftenftcr feinen weihen Schein 
in ben Salon. Ta* bauerte jebod) nur einen 'Jlugcnblicf. 
Sehr rofd) verflechte er fid) tuicber t)in ter ber §ügeltett«. 
Tie Tunfclheit war wie ber 'AlkinhcnfdKrin. Sic erhöhte 
bie allgemeine Stille, bic nur burd) bas Ärachcn ber alten 


wurmftidjipcn Wobei ober burd) bas Muiftent bes Sd)tlf* 
rohr* int Teidtc geftört mürbe. 

Tie altertümlidie 'ftaibcCutpr luMPelte bic cnbloic Vitunei 
ber So tauben herunter. Sic fd)lug piwi Uhr. Tann 
fielen 001t neuem die Sefunben haflig unb einförmig 
in beit bumpfen Trieben ber Wacht. t£nblid) fdjlug c* 
brei Uhr. 

Ta tnadte plötilid) etwas, wie beim Wor Überreifen eine* 
Juges eine Signal|d>eibe Inadt, bie fid) öffnet unb niebet* 
finft. Unb ein fobenfeiner t'icht fehein burdjeilte ben Salon 
von einem (Snbc tum anbern glcidt einem 'Ufetl, ber 
einen ftunfenfehroeif hinter fid) her 'lieht. Ter Schein Drang 
aus bem Wittcljdjaft eines 'JSilaftcrs, an ben fid) rcd)ts 
ber Knebel ber Wibliothef lel>nt. <£r blieb werft als 
gl Anteil ber Streift nubcweglid) auf ber gcgenübcrlicgeuDcn 
3 l 3 anb haften, irrte bann nod) ollen Seiten wie ein un* 
ruhiger Wlicf, ber bas Tuntel crforfd)t, unb vcrfd)u>anb 
eiiblich, bis er tvieöor auftaud)te, mährcnD ein panier Teil 
ber tBibliothef fid) um bie eigne ?ld)fe brehte unb eine 
breite, gewölbartige Öffnung freilegte. 

(£in Wann trot ciu, ber in ber £>aub eine cleitrifd>c 
Tofchen latem c trug. 3 |jm folgten ein jweiter, ein britter 
mit Striden, Tragriemen unb PCTjdjiebcnen SBcrfieugen. 
Ter erfte fah fid) im Staunte um unb l)ord)te. 

„IRuft bie .Mamoraöen!" 

3hter acht tarnen au* ber Öffnung, alle* flammige 
SBurfdjen mit troljigcu Wieneu, unb ber Untjug begann. 

Tie Arbeit ging ihnen flott von ber $anb. 'Arfeuc 
üupiit fdiritt uau einem Wobei 311m anbern, nntcrfud)tc 
icbcs Stüd, unb fe nad) ber thröftc ober bem Jtanftucrt 
ging er Daran oorbei ober beial)l: „ 5 V 0T t banüt!“ 

Unb bas StücT tourbe uait etlichen fräftigeu Firmen 
gepadt, vom offenen Sd)lunb Des Tunnel* ocrfd)lungen 
unb oerichuntnb in ber Tiefe ber &rbc. 

Üluf biefe Weife verliehen fed)* Fauteuils unb fedjs 
Stühle au* ber ISpodie t'ubwigs XV., fämtlid>c Gobelins 
au* 'Jlubuffou, iwei ftragonarb*, ein Plattier unb eine 
$üfte von .Ctoubon fowie einige Statuen ben Salon. 
Wandjmal blieb Vupin vor einer prddjtigen Truhe ober 
einem herrlichen Silbe flohen unb feufjte: „ 3 U fd)wer... 
ju groft . . . jammerfchabe!“ 

Unb bann fuhr er in feiner fnchucrftänöigen 'ftefid)ti* 
gütig fort. CV11 oicriig Win Uten war ber Salon „er* 
icidjteet", wie 9 lrjJue fcfupin fogte. Unb bas gefd)ol) mit 
einer betounbemswerteu 'fJrdiifion unb Crbnung, ohne 
Den geringiten VArm, ol* ob alle Tinge, bie biefe fieute 
anfoHtcn, ouf hoben unb forttntgen, mit einer biden Um- 
hüllung verfehen gewefeii wären. 

„ 3 l)r braucht nicht tvieberjulomntcn", fagte tfupin ,)u 
Dem lebten ber Wänuer, ber mit einem Watteau unter 
Dem 'Jlrnic fortging. „ 3 hr habt bod) richtig verftanben, 


nid)t wahr? Sobalb ber Wotonrolltvagoii geloben ift, 
fahrt ihr noch her Scheune uon iRoqucfort." 

„Unb Sie, Weif ter?" 

„V*a|)t mir bas Watorrab pirüd." 

Ter Wann ging, tfupin brehte ben beweglichen Teil 
ber 'tfibliotbef hinter ihm 311. WadiDcm er alle Spuren 
oenoifcht unb namentlid) bic ftuHtrittc vom Teppid) ent» 
fern! hatte, fdjot» er eine 'fJorticre luriid unb betrat bic 
tüalerie, bie ben Wilhelm sturm mit bem Sd)loffe POrbanb. 
rwi ihr ftaub ein (t>la*fd)rauf, um beffentwillen er juriid« 
geblieben war. 

Ter Sdiraut enthielt SBunbertverte, eine tlhrcnfamm* 
hing, Tabafsbo|cn, SUnge, fmlsfetten unb präd)tigc 
Wfuiatureu. Wit einem Woigel fprengto er bas Sd)lofi- 
t?r empfanb ein nnaii*fpred)lid)e« 'Vergnügen öoran, bie 
Uciurti Weifterwcrfe mit feinen Ringern 311 berühren. 

Cucr über bie Schulter l)ing ihm ein weiter Vcinen» 
fad, ber eigens für foldion Inhalt hergerid>tet war. I 5 r 
füllte ihn mit ben foftbaren «icgenftänDen, füllte audi bie 
Tafcheii feine* !Hodes, feiner ihefte, feiner Jfiofe als 
ciu leichte* theräufd) an fein Chr braug. 

(Sr l)ord)te. Tas ((>eräufd) würbe Deutlicher. 

'Blötgid) fiel e* ihm ein: am anbern (Snbe ber (üalerie 
führte eine Treppe ju einigen Zimmern, wo Die um 
Witte rnadit migclonintcue n-reunbin ber VlnDrol*> wohnte. 

Wit rafdicm ßirlff briirftc er ben Atuopf feiner Üatcvne, 
fo baf) biefo orlofd). itauni hatte er eine fteuftemifdjc 
erreicht, al* (ich bie Tür oben nn Der Treppe öffnete unb 
ein fd)wod)cr Sd)cin Die (üalerie erhellte. 

(Sv fühlte — l)<*lh uom Vorhang oerftedt, tonnte er 
nicht frl)en — bop fomanb bic erften Stufen vor[td)tig 
herabftieg. (Sr hoffte, bie v Bfrfoii würbe nidjt weitergeheu. 
Tod) fic (am uollenD* herab unb tat einige Schritte in 
bie (halcric. Ta f tieft fic einen Schrei aus. Cffenbar 
hatte fic bas aufgefpreugte, faft gau.) geleerte (ülasfpinb 
erblidt. 

9 lm '(Jarfüm erfannte Supin, Dag e« eine iVTau war. 
^hrc !Höde ftreiften beinahe Die (^arbine, hinter Der er 
fid) verbarg, unb es fdjicn ihm, als höre er ihr £»crj 
fd)lageu, als errate aud) fie bie (Gegenwart eines anbern 
Wefeu*. Sie wanbte fid) um, tögerte eilten SlugcnbliiT unb 
fd)lug bann mit einem !Rud bie ibarbinc jurüd. 

Sic crblidtcn ciuouDcr. 

„Sie . . . Sie ... fträulein“ murmelte Uupin entfeiit. 

(Ss war Wift Ulellt), bie Äeifegenoffin auf ber über- 
fahrt nad) 'Jinuiort. 

Ter Jufall, Der bie bei ben hier in biefem Sdiloft unb 
311 biefer Stunbc einanber gegenüberf teilte, war fo wuuDer- 
bor, Daft fie (ich nicht rührten unb lein Wort fpradjen. 

iton Der 'ilufrcgung wie gebrodjen, fonf Wifo 'Jlelln in 
einen Stuhl. 



„SERVUS* 

HAUSENS 


Kasseler Hafer-Kakao-Fabrik 

Hauaen & Co„ Akt.-Ges, Kaaacl. 


biSLULSI !L 


7?C]2T1 53TI13? ail^3 E}7 D?c1^1k il^TOhltl^mfrÄ \ 

r5C)3lTTlh33ic) ürzblich ^TTTlnt? 

ilu? »c?)t!h1bkin9n I^rton^ ffirli^TiteTnalsfcse, 


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120 


3IIuftTirte 3eitung. 


9 h. 3421 . 21 . 3 anuar 1909 . 


fiupin blieb oor ihr ftchen. Unb allmählich, im Sauf« 
ber uitruöliri) fcheiiiciibnt Scfimbcn mürbe er fid) bos 
(Einbnufc© bemüht, bcu er in bicffin Vugcttblicf auf fie 
machen muf)te mit ben oollcn Tafchcii unb bem Gacf um 
ben .«>als. (Eine Verwirrung erfüllte ihn, unb er errötete, 
oor ihr in ber häßlichen $ciltung bcs auf frifcher Tat 
ertappten Ticbe© zu flehen. 8 -fir [ie mar er, wa© immer 
flefd)ct)cii mSflc, fortan ber Tieb, ber Wann, ber türm 
erbridjt unb fid) Ijeimlid) ciufd)lcid)t. 

iHafd) entfchloffen , leerte er feine lafdjeu unb fnüpfte 
feinen 3 ad ab. 

»un, vup er fid) per »eilt)© »lidcu behaglicher fühlte, 
trat er einen Sdyilt auf fic yi mit ber Mlbfidjt, fic cmyi« 
fpredjeit. Sie aber fuhr yirtid, fprang auf unb flüchtete 
in Den Salon. »coor nod) bie »ortierc fid) hinter iljr 
gefchloffen hatte, mar er an ihrer Seite. 3 ic ftnnb ba, 
furdjtfam (ittemb, unb U)rc Vugtn betrachteten mit (Ent» 
fegen ben uerroft fielen Staunt. 

„Ilm brei Uhr nachmittag“, fugte er, „wirb alle© triebet 
an Ort unb «Stelle fein.“ 

Sie antwortete nicht. 

„Wad) mittag um brei ll!)r — id) ücrpflidjte mid) !“ Witter» 
halte er. „Vid)t© in ber Vielt wirb mid) binbem tonnen, 
mein »erfprechen yi halten " 

(Ein lange© Schweigen laftcte auf ihnen. (Er wagte 
nid)t e© ,yi brechen, unb bie Erregung be© jungen üöläb» 
chen© fd)mer.)te ihn aufrichtig. Sanft unb wortlo© entfernte 
er fid) oon ihr. 

Tabei Dachte er: Wenn fie nur fortgingc . . . VScnit 
fic mir fühlen wollte, bah fie frei i[t...$Bcnn fic nur 
feine Vngft oor mir hätte! 

»loftltd) fuhr fie yifaminen. 

„.vtorchcn Sie . . . 3 d)ritte!" jtamntelte fic. „ 3 rt) höre 
gehen." 

(Er fah »elln erftaunt an. 3 ie fchiett erfchüttert, wie 
üor einer heraimal)enbcn (f>efal)r. 

„ 3 d) höre nicht©!" fagte er. „llnb wenn auch" • • • 
„So fliehen Sic bod)! ... Vafd), fliehen Sie... 
bleiben Sic nidjt!" 

Sic ftürjtc auf beit (Eingang ber tftalerie hin unb 
laufd)te. Wiemanb war bu. Vielleicht fant ba© (üeränfeft 
Don brauften? Sie wartete einen tflngcnblid. Tann, 
bemhigt, wuttbte fic fid) »int. 

'ilrf^nc gupin war verfchwunbcn. 

3 n Dem Mugcitblid, wo Troannc oon ber 'f.Uüitbcruttg 
feine© Schlöffe© erfuhr, fagte er fid): Velmont hat*© getan, 
unb Velmont ift niemanb anber© al© »rfJitc ^upin. So« 
fort aber lachte er jclbft über biefen Unfinn, baft Velmont 


nicht Velmont, ber berühmte Wurinemuler, fei. Unb al© 
ber (ücnbarmcriewadjtmcijtcr al© erftcr im Sdjloffe er* 
fd)icn, bad)tc Teoannc gar nicht baran, ihm biefe lädier« 
lid>e Vermutung mityiteileu. 

Ten ganzen Vormittag über glich Ihiberme&ltn einem 
aufgeftörtrn »mcifcnhaufen. Tie töenDarmm, ber Torf» 
poliyft, ber »oliteitommiffar üoii Tieppe, Vcwohncr De© 
Torfe©, alle© bräugtr fid) in ben ('»»äugen unb ber Um. 
gebung be© 3d)lojfes. Ter Vufmarjd) imb ba© (f»emcbrfciter 
ber inanönriereuben I nippen geftaltctrn bie S.iene nod) 
bramntifdirr. 

Tic erften »achforfdnmgcn ergaben fciucrlei?lithalt©pimrt. 
Ta bie SJcnftcr nicht erbrochen, bie Türen nid)t gefprengt 
waren, muhte ber Waub oh»te jwetfel burdi ben geheimen 
(hang fortgefchleppt worben fein. 91 ber weher auf bem T eppid) 
nod) uu ben »lauem war irgenbeine Spur ,(u beinerfen. 

(fine einige unerwartete (Jntbcduug würbe gciuad>t, 
bie |o recht auf bie phantaftifche Vlrt L'upins binwie©. 
Tie berühmte (Shronif au© beut fcchjehnten 3nbrt)unbCTt 
hatte ihren alten »lall in ber Vücherreihe Imicbcr ein» 
genommen, unb neben ihr ftanb ein ähnliche© »ueb, ba© 
au© ber Vatioualbibliotbcf gcftohlenc (Exemplar. 

Um elf Uhr fanten bie Offnere an. Teoannc empfing 
fic bei beftcr Saune, fo ärgerlich für ihn and) ber Verluft 
folri>er »eid)tümcr war. Seine ftreunte Slnbrol unb SRijj 
»cllp Tarnen in ben Salon. 

Sobalb bie gegenfeitigen Vorftellungen erfolgt waren, 
bemerfte man, bah ein Chaft fehlt?: Jgorace Velmont. 
Sollte er etwa nicht lontmrn? 

Seine $(btuefenl)cit hätte Tcpanne© erften Verbucht 
wicbet auflcbcn lafjen. »ber Sd)lag jroölf Uhr »rat ber 
(Erwartete ein. 

„'Jta, ba© ift recht! Ta fiub Sie ja!" rief ihnt Teoannc 
entgegen. 

„Vin id) etwa nicht pünftlidi?" 

„^a, aber Sie hätten bä© !Ked)t gehabt, e© itid)t yi 
fein ... nod) einer fo bewegten Vad>t! Sic wiffeu bod) 
bas fleufte?" 

„'Utas?" 

„Sie haben ba© Sd)loh au ©geraubt.“ 

„Glicht möglich !“ 

„«.lirtlid) unb wahrhaftig! Vor allem aber bieten Sic 
ftränlcin Knberbown ben 'ilrm, unb gehen wir ju tifd)“. .. 

£lberrafd>t burd) bie Verwirrung be© jungen UWflbdjcn©, 
unterbrach er fid). 

„*ld), jeht fällt mir ein. Sie waren ja mit Ülrfinc 
Supin por beffen Verhaftung auf bemfelbrn Schiff . . . 
Tic Äl)nlid)tcit übcrrafd)t Sic wol)l, nicht wahr?" 


Vlij? »eilt) antwortete nid)t. Vor ihr ftanb Velmont, 
fid) uorbcugeitö, unb er führte fie $u Tifd), wo beibe 
nebeueiuanber Vlat) nahmen. 

»Jährenb ber Viahiwi t unterhielt man fid) nur t»on 
Vrfine Supin, ben geraubten 'JJlöbetn, bem oerborgenen 
(bang nnb Sherlod violme©. (Erft beim »aebtifeb, als 
oem anberen Cüegcnftdnbeu bie (Hebe war, mifebte fich 
Velmont in© Chefprflch. <£v war ber »eihe nad) luftig 
imb ernft, gciflretd) unb berebt. llnb alle©, ata© er oor* 
bradjte, fehiett er nur in ber 'llbfid)t yt fagen, ba© junge 
»läbdicit tu intereffieren. Sie aber war in (hebanfen 
perfunfen unb hörte nicht auf feine SDorte. 

Ter Maffec wurbc auf ber Terrajfe feroiert. Viittcn 
auf ber graften SDiefe be© battor liegen ben («»arten© fpieltc 
bie Wegimcntsmufi!. 

»eilt) bad)te an Vrfcnr Ifupins Vcrfprechen: „lim brei 
llhr wirb alle© ba fein!" 

Tte Sd)loftut)r (eigte bereit© .yrei llhr oier.pg XRinuten. 
Unwillfiirlid) fah fie alle Vugenblidc banad). llnb ihr 
Vlirf wanberte and) yi ?lrfcnc t'upin, ber ruhig in einem 
behaglichen Sdjautclftuhlc faft. 

x fwei Uhr fünfzig . . . (tuet Uhr fünfunbfünfyg 

(Eine Ungebulb, in bie fid) Vangigfcit mifd)te, bebriiefte 
ba© junge Wäbdjcn. Sollte e© möglich (ein, baft ba© 
»hin Der gcfdmh, baft e© genau yir feftgefeftten »linute 
crjolgte? 'IVar bod) ba© Sdjloft, ber #>of, bie gany Um» 
grgettb oon Viettfdjrn eriüllt, unb (tnar um biefelbe ^eit. wo 
ber lluterfuchuug©richter unb ber Staatsanwalt im VM1» 
hehustunu bcu latbeftanb aufnahnten. 

Vrfeue L'upin hat e© al»cr mit foldyr feierlichen Ve* 
ftimmthrlt r»crfprod>cn. »Ja© er jagt, gefeftieht! baeftte 
'JUlift 'JJelln, beeinflußt burd) bie Sidierheit unb lattraft, 
bie biefen UJenjdjen erfüllte. iVaft erfdjien cs ihr nicht 
mehr wie ein »hinbev, fonbent wie ein natürliches (Er* 
cigui©, ba© notwenbig eintreten müßte. 

(Eine Scfuitbe laug freu(ten fich ihre »liefe. Sic er» 
rötete unb wanbte ben .Mopi al». 

Trei Uhr. Ter erjtc Schlag ertönte... ber (weite..* 
ber Dritte, fiorace Velmont tag feine Ubr unb hob bie 
Vugen (um Turme. (Einige Sefimbcn ucrftridicn. Ta 
trat bie Vlenge ber (tiaffer auf ber ^Kiefe auseinauber 
unb lieft (wei »lagen paffieren, bie im Trabe burd) bas 
ttittertor fuhren. (E© waren (wei Clntenbanturwagen, 
wie fic für ben Transport bc© Cffiyergcpäcf© unb ber 
Solbateittomifter im (Gebrauche finb. Sic blieben an ber 
Freitreppe ftclien. (Ein Unteroffizier fprang oom Autfcher* 
bod be© erften nnb fragte nad) A><rrm Teoannc. 

(9ort|e)iino folcu in Der nad)(tm »intimer.) 


Cn.be be# rtbatnonclten Zeit». 




WOLFF&SOHII 

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(M>h. I Intra» Pmf. I»r. R. Fn«wniii«, winl narh deutschem Oewieht viTknutt 
(im (M'iriMi«:iiK ru «Irin ca. 1<> °'| 0 Irichtrrrn cnglisrhrn («c wicht der son»1Iicrn tn*- 
kannli-n Majrkrm. ln«l»lem t*t diw KlvK-hvxtmkt mit «1er Flagge nicht leuirr, 
il» die Mark«- „Liehig‘*. (116) 

Zu haben in den meisten Kolonialwaren- und Delikatessen- Handlungen. 


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Glycerin &HonigGelee PT 
und Reispuder Mt. 

Unübertroffen iurErhaltunq 


Unübertroffen zurLrheltung 
einer schönen Hdut. 


Zu h*bfn in A| 

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in Ap«tl>#l«cn, Parfiimeri#-, Orogrn- und Ffi»«ur|#ichaft*< 

naf from 


THE OHIO STATE UNIVERSITY 







9h. 3421. 21. 1909. 


^Auftritte 3citun(t. 


121 


uiegen 

^ ^ Rheumatismus, Nierengries W ^ ^ (Chinas, 

fl 'vV ^ W T und verwandte Krankheiten H I ^ I Harn- 

■_ hat sich sdt Jahren das durch D.R.P.N'o.124426 I H slofH 

und viele Auslands-Patente geschützte 1 1 ' 

bewährt. Urol wurde eingefülirt von Herrn Prof, v- Noorden. FerneT haben viele Professoren und Aerzte Urol erprobt und 

die glänzendsten Erfolge erzielt, 

auch in den ältesten Fällen. Urol ist völlig unschädlich, sogar in den größten Dosen, ist angenehm zu nehmen und wird gut vertragen. 

E ine Verbindung des Urol mit Cölchicin kömmt unter dem gesetzlich Kein Gichtik er sollte versäumen, auch in den ältesten Fällen und da, wo bisher 
geschützten Namen Urocol (Urol-Colchicin-Tabletten, 0,5 gr Urol, alles vergeblich war, einen Versuch mit Ural undUroeol zu machen. Wo nicht 
I Milligramm Colchicin) in den Handel und wirkt in dieser Verbindung zu haben, wende man sich direkt an uns, und wir veranlassen dieZusendung. 

bei akuten Gichtanfällen fast sofort schmerzlindernd. — Man verlange ausführl. Broschüre gratis u.frko. von Dr.SchötzfiiCö^ Bonn SO 1 . 


Urol 


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Preise: 1 Carton Urol in Pulver 50 gr M. 12.50 für eine Kur von ca. 3 Wochen reichend. 1 Carton Urol 50 Tabletten ä l :gr M. 7.50, 1 Carton Urocol SOTablettcn M. 9.5o. 


Ärztliche Urteile über Urol und Urocol. 

B., den 16. Mir* 1903. 

Sehr geehrte Herren! 

Mit den angestelltcn Versuchen mit Urol hin leb »ehr tu- 
frieden, besonders in einem meiner klinischen Fülle, der auf 
Harnsäure genauer untersucht und kontrolliert wurde. Ich glaube, 
«lall Ihnen dies angenehm ist zu wissen ; denn ei empfiehlt das 
Mittel lieh unter um Ärzten immer weiter auch ohne die besonders 
bei uns sehr in Mißkredit Bekommene Reklame. Prof. J. v. E. 

B., den 9. August 140). 

Sehr geehrte Herren! 

Das von Ihnen bezogene IJrol habe ich in meiner Privat- 
Praxis in fünf Fällen älterer und recentcrer Arthritis chronica in 
Anwendung gebracht und war mit dem Erfolge ausnehmend 
zufrieden. Mit vorzüglicher Hochachtung! 

Unlv.-Prof. Dr. J. v. E. 

D„ den 4. November 1902. 

Veranlaßt durch den Artikel des Dr. J.Frirser In der ALIg. 
Med. Zentnl-Zeitimg habe ich eine Probe bei einem Patienten 
mit Urol gemacht, die so gut ausgefallen Ist, dal! ich Sie er- 


ste deshalb, mir noch ein größeres Quantum , 


D„ den 12. Januar 1903. 

Da Ich fortgesetzt mit dem Erfolg des Urol zufrfcdtn bin, 
ersuche Ich Sie usw. Dr. med. F. 

NT, den 1b. Januar 1905. 

Sie haben mich schon einmal mit Urol versorgt, als ich einen 
Mann mit Fußgichl zu behandeln halte und (wo- alle aaderen 
Mittel nichts halfen) auf „Urol“ wurde cs in 14 Tagen besser. 
Nun habe ich wieder eine Patientin, welche ebenfalls an chro- 
nischer Fuß- und Armgieht leidet und bitte ich Sie daher .... 

Dr. L., prakt. Arzt, 


Ch.. den 4. Mlrz l«W5. 

Vor einiger Zeit sandten Sie mir eine Probe Urol. Ich habe 
dieselbe hei einem alten ÜicJitilcer, der zur Zelt wieder einen 
akuten Anfall bekommen hatte, angewandt. Der Erfolg wnr ein 
eklatanter. Nach 0 Stunden bereits hörten die subjektiven Be- 
schwerden auf, nach 24 Stunden war die Schwellung des Beins, 
die den Utnfane desselben um das Doppelte vergrößerte, ge- 
schwunden. Die voll ständige Heilung trat In kurzer Zelt ela. 
Durch diesen Erfolg mit Urol ermutigt, möchte ich .... 

F-, prakt. Arzt. 

F., den 3. September 1902. 

Bitte mir 100 Or. (Jrol, mit dessen Erfolg ich ziemlich zu- 
frieden. zu senden usw. Dr. Z. 

D.. den 17 November 1002. 

Fortgesetzt mit der Wirkung von Urol zufrieden, ersuche 
Sie mir zu senden usw. Dr. F. 

N.. den 16. März 1007. 

Ich habe Urol bei einer 60 jährigen Frau mit schon jahrelangen 
Schmerzen an beiden Händen und Füllen probiert, indem ich 
4 Or. Urol früh nüchtern und 4 Or. abends geben ließ, kann 
jetzt, nachdem die beiden Gläschen in 2>_ Tagen alle geworden, 
doch aber schon eine merkliche Besserung konstatieren, möchte 
gern die begonnene Kur fortsetzen. Dr. K. 

D., den 26. März 1006. 

Seinerzeit hatte ich das von Ihnen hergestcllte Urol erprobt 
und für außerordentlich heilsam befunden und bitte mir wieder 
zu senden usw. Dr. C. 

W., den 23. August I9C4. 

Der Oebrauch der mir gtitigst übersandten Urocol- Tabletten 
ist von guter Wirkung gewesen, ich ersuche Sie deshalb ganz 
ergebenst .... Dr. St.. Sanitätsrat. 


Dr, R„ S»nitätsr*t, 

B. (Harz), den 16. März 1005. 

Ich habe in zwei Fällen akuter Gicht an meinem eigenem 


P , den 10. Mai 1007. 

Seit längerer Zeit verordne ich bei meinen Patienten und 
mir selbst Ihr Urocol und meistens mit gutem Erfolg. Dr. H. 


Urocol scheint wirksam zu sein. Dr. v. K. 

D. , den 23. Mir? 1908. 

Bei akutem Gichtanfall habe ich mit Urocol gute Erfahrung 
gemacht, Dr. B. 

B. iS-preewakl). den 23. März 1408. 

Ich erhielt gelegentlich einige Ihrer UrocoUTablettcn und habe 
davon sehr günstige Erfolge gesehen. Dr. IC. prakt. Arzt. 

E. , den 10. April 1908. 

Das Urocol ist ein brauchbares wirksames Mittel. Sehr zu- 
frieden. Dr. v. K. 

N. (Bayern), den 20. Mai 1908. 

Habe die Ehre Ihnen mitzuteilen, dali ich mit IFrocol -Tabletten 
wieder schnell um) vollständig einen Okhtanfall vertreibsm konnte, 
Fs war ein Wachtmeister, welcher schon vor 5 Jahren durch das- 
selbe Mittel von einem viel heftigeres. Anfall befreit wurde. 

Dr. L.. prakt. Arzt. 

Einige private Anerkennungen 

■us der großen Zahl, welche vorltegen. 

H., den 13. April 1902. 

Um bei dem cingetictcnen guten Erfolge mit llrrcm Gicht mittel 
Urol über dessen Anwendung Tn Zukunlt orientiert zu sein, bitte 
ich Sie um geneigte Zusendung der bezüglichen Drucksache 
Graf E. vön u. zur R. 

C. b. Brüssow, den 4. November 1902. 

Vor einigen Monaten erhielt ich durch Herrn Dr. Blank in B. 
zwei Karton Urol. Einen Karton habe ich gegen t-uitgicht gebraucht. 
Seitdem fühle ich kein Unbehagen noch Schmerzen in den Zeh- 
gelenken. Den anderen Karton erhielt eine Frau, die in allen 
Gliedern mit Gichfschmerzen geplagt wurde; auch diese Krau 


B. (Baden), den 20. April 1903. 

Da die mir am 30. Dezember vor. Jahres gesandten f» Glas- 
röhren Urol ä 2,yt und 4 Glasröhren Urol-Pastillen a 1.30 sehr 
gute Dienste geleistet haben, so möchten wir Sie bitten, mir das 
gleiche Quantum in Bälde |*er Nachnahme senden ru wollen. 

Fr. W. J., Braiiereibe-.il/cr. 



Dmm 0al4 verleiht an Jedermann ru 
Dlir sie Q kulanU-n B.-,liri|fiiinr« ii nn- 

** erkannt reell . ilislcr-t und 


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Iw/k-hn. uiajiBcndc Itankw hrriben. Ra 
C. Qnwidltr, Berlin W. 44Ä, Fri*-drieb*,ti. i 









122 


Olluftririe 3 e ^ un 9- 


9 k. 3421 . 21 . Januar 1 909 . 



„Äufftein als Ijfrüorragfnöer ilöintfriportploß" betitelt 
eine patt btt SUiMterfpört -Herriituumi» »hifitem r.U!it glich 
IiC'j Cftenreidufchcn £ti»Hcrl)nnt>cs) iKTauogeaebcnc 'HrolctiOrc, 
bie oon genannter Herein iflnng foftenloc« crf)oltlicf> ift. 

3m flaitjen baqrrififien £odjlanb bietet Urfi nunmehr 
reidilicf) <&clcgm()cit juv ttusiüuing bco flefunben, n er oon 
itärlenbcn ‘lUinterfport:.. Wllieit* ilt iiiait bemüht, bett 
(Gälten ben Aufenthalt öafclblt lninilictn’t angenehm tu lmichcn. 
3n ben .sSotcl* ift für (inte Unter fUttft »mb Herpilegung beiten* 
Sorge getragen. 3et|t unb im Hionat ,rcbruor finben feftlidie- 
Hcratiftaltungen in yrofjer ^otjl ftatt. Heck-robcln, ^rei-s* 
(fi*fd)iefocn, £H> »mb Wobei rennen, fistelte lotoie Schlitten- 
fahrten »»erben nahem an allen tBintcrfportplnljcn »cranitaltct. 


3n ber Wähc non Hab Weichen hall, Cber Slinmerflau unb 
Mohlgrub finben bic intereffanten 'UJilbfütteTunflcn ftutt, btc 
jebem üierfreunb nt angenehmer (Erinnerung bleiben Dürften. 

$od>|aifon in Citfltlbfrg.. eiigflberg bat am Anfang 
feiner (fnUoicflung al* 9Binterl|)ortplätt eine fchmirgcrabi' 
Wichtung eingcFchlngen imb oon Dtmtljcrein fein Augemncrl 
Darauf gerichtet, eine Station allcrcrften Wange* ju ruerben. 
»JUlau nevbanb eine — loemt ber '.tuobrurt erlaubt ift 
eigentliche «porttjoctiidnite mit ben» , Morn fort unb ber 6cm ftt- 
lidtrett eine* warn ernten HUinterbaufM. Tie (Einrichtung ilt 
allen fBflitfchen gemäft gcglüctt unb baut aller gilnftigeu 
Horauvfetjui»gc(t ber Terrain*,. be* .»Hit na* unb ber Hertel) ro* 
möglich! eiten florieren nun 'JWintCTfport unb WJmterlcben 
auf* bentbar befte, Tie »ornchmc Wllnterfportwelt leat 
einen befonöeren Wactitmict auf ben Sport in» „(Fterinf*, 
tanb flerobe biele Art be* SBinterfportre ift In Gitgclberg tu 
einer feltenen Höllföinmeitbeit ciu*geftaltet worben. Ter (5i*lauf 
iit in tfngelberg jur eigentlichen SvortfultUT geworben. (rin 
fd)lagciibcr Wcwei* Ijicrfilr ift ber, bafo Hkltineiilex in allen 
Arten bes Sisfporlcs bie (Engel bernerb al)n beiuchcn unb 
itjrc ebenfo tilljnvn wie tpartlict) fchöneu geiftungen im 


'ilngeiicfue ber internationalen Sportwelt teigen. 'Dir. unb 
'JJJr*. Sgcr*. biclRteltboTÜbmtheitcn im 'f.tiiarlanfcn, Dir*. cinitl), 
bie 3ntjaberin bes Tanten 2<ftlitt(<hul) = SIMt iShampionat*. 
laufen täglich auf Der (Engel ber gcr (Ei-sUahn, Dir. tfrncft Tau?, 
bet in ber tlUinterfportiBClt berühmte Autor be* prächtigen 
'Hlerfe* „Haifing on t tjc iec" bringt feine Theorien in 
ben SngelbcrgcY (£i*rinfs ,)ur prattildicn Eusfflt)rung unb 
erntet Hei fall über '.Beifall . wen n er unb feine Tante int 
gvauöfcn, leichten Htalterfdhritt bie fpiegelglatte ftlächc meften. 
Wicht DPTßeffeit blirfen mir ben »iUirner Söeltmeifter im 
Figurenlauf , Jfucrrn i'iiigel , beffen Hmbuftioncn roirritdic 
SportfdtSpfungen finb unb ber ben tSivlauf )ur eigentlichen 
Aiunft erhebt. Dian möchte fafl lagen, bie Cltimpiichen Spiere 
hätten fid) in* HMutcrlanb geflüchtet unb teben nun iit 
tFngelbcrg ihr gefunb fröhliche* Taieitt. Heben Dem mit fo 
»iel Spprtuerftänbnb »mb 3ntenfität aepflcgtcn Umlauf 
fteheit Hobfleißhina unb, auf beut fchönen unb fach gern ii ft 
gebauten Ifugelberaev Sun, ber Wobelfport in höcljfter Hlftte. 
Wud) ber StiipoTt hat an Wu*bel)nuna ßeiuonneu unb gcrabc 
bie »ornehme. internationale 'iUelt ift e*>, bie fich au beut 
flfflfitwärtifl ftattfiubeuben ifngelberger Sfihtro beteiligt. $><tnb 








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f ȟril IrM II Vs all Ilt | napgataB Bthlnuiiii tmrMMalFat(HDi'" 

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!» 


mi 

Im; 


rtc uno »er 
3n Ortohtal 

tu Ur lp da « 


H heile 

ich mein Bein selbst? 


von Or. Strahl, Hamburg, Besenbinderhof B6 qr. 

entlis. Opemtiomliu. hehandlg. r. Krttnapfndem, Ad rrknole«) 
. flennkta, Wunden, Fiatein, ll-riii|r.'«cliw(lren , noaa. u. 
irockn nectik-n, Balrflti*^, KlebuuUma u. andere Peinleideo 


31 an achte 
auf die 
Buchstaben 


verordnen zahlreiche Profes- 
soren und Ärzte jetzt nur noch 


Dr. FEHRLIN S HISTOSAN, 


LUNGEN- UND HÄLSLEIDENDEN 


well cs in den berühmten Kurorten Davos, Arosa, Lcjnin. Boren, Meran und vielen deutschen Heilstätten ah d« zuverlässigste Mittel bei allen Frknnkimgfn der Atmuiurwireanc erkannt worden, und seither 
auch in den meisten Krankenhäusern und Kinderspitälem in stinditr<-n Gebrauch celiisintnen bl. Hktoaan ist nirgend» oHcn, nach Mafl oder Oewiclil. »andern nur in Ori ginzlflascbeti mm Preis von Mk. 1.30 
in Apotheken vorrätig. Vt^e?>ich» erhältlich ist, dfnde man sich an die Histoun-Fabrlk Singen. Fin/el Versand ilitn>t'4|ri Sladtuntylheke Singen 115 (Baden). (AO 










5h. 3421. 21. 3 anu « 1909. 


3Huftrirfe 3 c ^ n 9- 


123 


in fcaitb mit bcm 2 port flctjt in GtigeUierg Da« flefcllfchait- 
üei)e L'cben mit Seinen mannigfachen Vergnügungen unb 9 fn* 
teßunflcn. Itjeater, rttmierte, 'Bälle, ftottilon« folgen cinantier 
unb machen Die ‘Bäume Df« Cattanifdicn ?Bintcrl)aufes all’ 
oben Mid) belebt. 'Brärfitige I 5 i«nöcl)tfffte brillieren gcTabrju in 
Dem einfatiten ftocbtal. TaftGtiftclbcrg jum Btcllbidicin ber ot»r* 
uetjnicn 9 Hi»itrriportu>clt geworben ift, bas jetgt in ben I dich- 
ten bf ton ilarben Die gegenwärtige f>od>faifon bw UUintcrleorte«. 

Allgemeine Wotijen. 

3 erb. 9 !Dolf Bang« uttD Die ©lasljütter UfyrenttiDuftTie. 

'Har mdjr al« f>o fahren war tf>(ast)iitte einer ber änulidtften 
Orte Do« Grtgebirgc*. ©i« ift bao Io gant anber« geworben! 
T'cr Warne ©lastjüttc ift jeut ujcltDctünnt; nicht nur in Sadiicn 
uni flftnt Xeutfcblanb, lonDern and) über Die fduoarvwciR- 
roten tf)Tcttjpfül)Ic t)inaus, unb jenfeit« De« ffBdtniccres. 
nennt man ben yianmi be* flemen eragebirgifdien oiäbtdjens. 
Gin riniifier SRann t)at ben 9Inlnfe jtt Dicfcm gewaltigen 
llmfd)toung gegeben, l)at ®lft«f)Ütte ju beni gcmad)t, was 
<?* ^ cute ift: i^erbinanb 9lboif Vange, Durd) bie Ginfühntng 
b«c Ubirninbuftiif. Tic L'angcfche iVabriF, bie urfprünglidi 


91. i'nnge *<!io., feit 1 8«« aber 91. f?ange * £öt)ne firmiert, 
ift itänbig gewaebfen. sic befdiäftigt gegenwärtig etwa 
10(1 'Arbeiter in Der JrdbriE unb mehr als Da» Topreite 
auhcrbalb brrldbrn. Tie tlcinrren UbTenfabrircn in ®la«' 
K)üttc formen als lorfitcranftalten ber Üangetcbcn bcjeidiuct 
werben. €o iit (Wa&büttc cm oiclfeitiq geroerbtöttger, uu»l)l« 
t)abcnber Crt geworben, unb bie Onbuftrie Ijat bort einen 
erfreulichen Wotilftnnb gcfchaffen, ber weit ab|tid)t dop ben 
rinfttgen ärmlicbcn Verhält mfien, wie fie oor etwa 60 fahren 
hmiditen. Tic ftauptinbultric aber ift auch beute nod) bie 
llbrenfabnfation, unb Die (Slaslpittcr Uhr. bie Vange-Watdt, 
Deren 'Bergige Durch .17 crjte Qlusjeidynungcn anerfannt 
TDOTbett ift, erfreut [ich eines wahlberechtigten lUcltrufe«, wie 
etwa bas 4)1 eigner ^orjellan. ttüenn hat) er in d>ta*f)öttc 
91 bol f L'angc ein Xenfmal errichtet worben iit, fo Darf man 
wobt fagem feiten ift ein Tcnlmal mebr ocTbirnt unb beffer 
an feinem ‘{Hafte geroefen. Tie &irma 91. üangeA- teflljne, 
DcutFdje llbrenfabnfation Glashütte. bot jeftt eine Geben D 
fcfjrift 3ur Griunening an Die VegrünDung unb weiteren 
Gntwuflung Der Glashüttcr Ubveninbuftrie hcrauagcgcbcn. 
Ilm bcm 'i?ublitum ein anfd)aultd)es $t(b ber C»la»t)ütter 


llbrenfabrilatton ju geben, bat lief) bie ftirma 91 . Cangc 
i-cöbne enlfcbloffen. ber G'cDentfdiriit einen tHunbganfl burd) 
ibr Gtnbliffement aniuingen. Tie eingeltretiten 9 )bn* 0 ‘ 
graphim iinb nad» ber 9 latur auigenornmen unb ift Daraus 
311 crieben, Dafi bie '{Vabrifatioii ber Criginaf K>lasbüttcT=i?an 0 e> 
llbren oon eftrunb auf Dortfelbft oorgenommen wirb. 9 Inf 
^erlangen ftoT)t bie (Sieben ffdjrift Jnterejfenten gern gratis 
unb fTflitro 3 ur SPerfügung. 

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ifreifen bcs 3 n* unb 9 tuslanbes feljr gut angefd) rieten unb 
oerfiiflt über au&gejeidincte (hnpfcblungen. 3 n bem neuen 
Stubicubeim finbeu vbn bis ^mölf junge 015 b<f)en liebeootle 
Vufnobnte, ein auf d)riftlid>er( 5 >nmblage aufgebaut» ,vamilicn- 
leben unb (Nirgcnfeeit gn weiterer wiifcnidtaftlidier, fpradv 
lidter, tcdmildjer unb fleidtfd)oftlitl)cr 91 u«bilbung Gs werben 
aud) loldie junge 3 Jläb<ben aufgenommen, Die |idt ousfd)befi< 
lid) einem {Vad)itubium unbmen wollen. 9 IIIes näf)fre ift in 
einem loftenlo* crböUlidien 'lirofpett niebergelegt, ben fträulem 
Btarie ^>elb auf Vhwfd) gern fiberfenbet. 




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Nummer 3422. Hundertzweiunddreißigster Band. 28. Januar 1909. 

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öjttneid)- Ungarn. 

Kiif<-r und KZnig Jtanz lol«ph I., gtb. It. fluguli 
1*3-0; Rtgietungvanirin 2. Dezember 1*4*; dlitwcf 
|<H IC. »rpfembtr 1*9* wen tli|abeib, Herzogin 
in Bayern. 


Portugal. 

König. Emmanuel II.. geb. 15. IWmber l**0; Regie 
rungtanrrllt I. Jtbruar 100$, 


R<uh J. C. (ffeia). 

Erbprinz he.nt.A XXVII.. geb. 10. Bcvernbet 1*5*; 
dauernd tnil der Uetlreiung in der Regierung der Tilrftcn. 
mm» b<iu1iragl(|tii 1002). Rtgtnt dt» Iiir|irnluni« RruD 
A vermahlt II. Pcntmbtt IS-S4 mil €H|*. Pritutllin 
zu flabnilehf . Cangrnbutg. geb. 4. (tpiember 1104. 



Oldenburg. 


flfohhetzog fluguli. geb. Ib. n«««mb(t 1152; Regle- 
rn natan tritt 13. Juni IÖ66: (2) vermählt 24. Oktober 
1*9* mil enfabtlb. Beraogin zu mnkltnbuig, gtb. 
10. flugult 1160. 



Rumänin, 

König Kurl L, geb. 20. April 1*31: zum rrbliAm 
tär|ten von Rumänien gewählt 20.7*. April 1*66. König 
ftlt 26.714. Itlirz 19*1; vermähl! 15./?. november l*H 
ml i EIS|i belli. Primrlji n zu CUicd , gib. 29. Dezember 1143. 



Ru bland, 

Kai|et nikolzut II . gtb. t*.'b. m«i l*bS; Regierung». 
antrilt I. Hovembet 26. Oktober 1*04; vermähli 26 14. 
novembtr 1*04 mn flltnandra Reodvrvwna. verm. flli*. 
Prfni([|ln «en flt||tn und bti Rhein, gtb. 6. Juni25. 
Itlai 1*72. 



Sachten. 

König IrirdriA flugu|l in., gtb. 25. IPai ll*$; 
Rtgirrungaantrtii 15. Oklobtr IÖ04; gt|<kitdrn 
II. ftbruat IOC? von Cui|r, Crzbrrzogin t«u 
rillrrrrirh-Coikana. 



Sachen - /Ulenburg, 


Herzog Crnfi It., gtb. 31. fluguli 1*71; Regierung*, 
jntritt 7. Irbruar IO0*; vermahlt 17. Irbruar t$0* m-t 
fldtlhfig, Htm?« || m zu bgizumburg • tippt, gtb. 
22. Sepirmbrr 1*75 . 



Sachten -KobuTg und Gotha. 

Herzog Karl Eduard, geb. 10. JulilMä; lotgtt (flnem 
Obtim Herzog fl II ft d uhlef Uöfriiuud| iti Hl 30. Juli 1900. 
KeglttungMRttiit 19. Juli 1065 ; vermählt II. Oktober 1005 
mit Viktoria Adelheid, prinzr||lu zu *<l>ie»wig-?H|itiu. 
Sondtrbutg.HIHtitbiirg, gtb. Ol.Otzrmbrr 1**5. 



Sad)(en>ffleiningen und f)ildburgbau|en. 
fltrzog Seorg geb. 2. April 1*2* : Regitrungi' 
aniritl 20. September ISW>: (3) in ntorganalileher 
Che vermählt r*. IHirz 1 *73 mit Seltne. litifrau 
v«n Hildburg, gcb. Iranz. 



Sachten - UJ«i mar • Ci(enad). 

«voHharzög DUilhtlm f_ru|i. gtb. 10. Juni 1*7*; Regie- 
rungtanlrltl 5. Januar 1 601 ; ttJiru.tr |eil 17. Januar 
1105 von Karolinr, Ptinzr||in ft ruh A. t. 



Schaum bürg • Iipjc. 

Mt|l «eeeg. gtb. IC. Oktober l*4b: Rfgirrungunlriti 
*. mal 1*13: vtttnaHli It Hpnl 1**2 mit IHaiie Hs*«. 
Prinz«||»n von 5ath|e«-fllttnfcurg. gcb. 14. ffiirz 1**4. 






Schwauburg - Rudilltadt, 

Tütft Kunlhtr. geb. 21. fluguli 1*52; Rcgitrungtanlrill 
10. Januar 1*00 ; vermählt 9. Dezember 1*91 mit 
Anna Cui|e, PrlnztHin ven SÄötibwrg • Waldenburg, 
gcb. II. Ttbruav 1*71. 


Schwaubwrg • Sondirsbaulcn, 

lilfl Kill flilMhcr. gtb. 7 Aiagu|l 1130; Regierung*, 
av tritt 17. Juli l**0; vermählt l5. Juni 1*69 mit matir. 
Pnn*t||iu von *4<hjfii-flMtnbuT9, gtb. 2*. Juni P*45 


Schweden. 

König «u|lao V.. g«b. I*. Juni 1*59; Rtgietunguntriir 
*. Dezember 1107; vermählt 20. 5tpitmbet l**l mit 
Viktoria, Priniel|in tron Badrn, gtb. 7. flugult 1*62, 


Sorbkn, 

König Peitt I . gtb. II. Juli 20. Juni 1*44; lum König 
gewählt 15. 2. Juni 1003; Oliiwet |tii 16 4. IDiez 1*9« 
tol-rv Zorka. PvinzeH'n won montenegr«, 



Spanien. 

KOtiig flllom XIII.. gib. 17. mal I»**; an dtm|tlben 
tagt zum König unter Regttilldufi Itincr IDuttcr. der 
Kdralgluwitwe IHatia rhti|iint. (rzhtrzogin wen Oflrt- 
rritti, proklamiert. Übernahm er dir Regierung 17. mal 
1102 ; vrrmfhH 71, IDaf 1606 mil üiktotia Cugtuia. 
Prinzeil In von Balten berg. gtb. 24. Oklobtr 1*47. 



Cürkti. 

BroMulun Hbd ul Rzmid II.. gtb. 22. Srpttmbir t)42 ; 
Rtgitrunguivttiu 31. fluguli 1*76. 



dlaldeck. 

Iflrji ftitdridi, gtb. 20. Januar 11*5 Regirrungtantrin 
12. mal 1*93; vermahlt 0 fluguli 1(15 mit Bafhildil. 
Prinze||in zu Stbaumburg- tippe, gtb. 21. IDai 1*73. 



QUÜrttemberg. 

König dlilhelin II.. gib. 25. ftbruar 1*1*: Regit, 
rungtaniriii*. Oklobtr 1(91; (2)wtrmähll ( April I*** 
mit Charlotte, Prinzc||in zu Sthaum bürg. tippe, geb. 
10. Oklobtr 1*64. 


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0 ub olt. «inl eitun fl. Der Sriebens. unb »«WmuttflslüHeT. Dt* 
Crl)dlUmö bes 9Beltfrieb«m«. Drr ftaifer unb Srantreid). Der ftatfet 
on> bic toil)ohfd)e ftirdje. Der Äailrr unb bie llrbetter. Der Äatier 
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BerCin $j 


Baauw Kinatraumittsl füi kl<iin- Ulte. Lu Oi 

»U<*ud..<K'ii bl M OäO. 

Vasenol-Sanitäts-Puder 

AnliorpUschrr Wund-, r>chirriU- u. bjrgieniaclier litinun- 
Pudw. ln Orig.-Mlmulueen tu M 0.70. 

Vasenoloform-Puder 

AntitcNweiApudcr ; nur 1 LuSptl.>-. ciiwf iitirt ln d<-r 
Ariniv. Io Orig, -^tmidoürti tu M. 0.7D. 

IWhönlli.ii «.ingvIAlirt in *ten Kir der k rank enhllutern und 
Sluglingtheimen, in Frauenkliniken, bei Kranken kalten, der 
Arm*« und Marine, In «k*n Trogen t u . 

- = Rrlikltl ich inXTmV'W,.. und Iirutvi-i.-nM 


Jterkästfiche duff des 
deutfthen Maigfakchens 

9X#t TU. 7.ÖO. Ö 


fiau/fidi in affen einfc/i (äfigrn 


Dr. , Arthjir, Hp| 












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gelLi 3D2enbeI&jofjn SSaitijoJbi). 

Statt) bem im ¥c[iti »011 ,>rnu ftrtjeiimat tUatt) in Eeiptfa b*finWi(t)en ttbflufc bco boi.m.llbbnict)' be* alten AnDanbt)cuje<) {eriidrtrn SJtebaiHono pan fi. Knau«. 

f > / - v 3w ti lumbf rtiähriaen ©eburtstaflc Des Romponiftcn. Ori^ifläl from 

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134 


anufhirte 3 e ^ un S- 


9tt. 3422. 28. 3«!“« 1909. 


STrbettsfaminem- 

Bon Vrioatbojrnt Dr. Rtlbnwr 31 »«erwa«*, ®«Iin. 

£*"¥%.<»* finb Arbeitsfammem ? 3n bet bcutfcßen So3ial- 
^ll\poliW oerfteßt »non bamntcr gefcglicß georbncie 
»^A/Rörperfcßaften jur Berrietung ber föjialen Arbeiter* 
intereffen, unb jroar benft man bei Arbeitsfammem an 
«Ine ju gleichen Teilen aus Arbeitgebern unb Arbeiter* 
Vertretern äufammengefegte Rörperfcßaft, bic bie Arbeiter* 
intereffenfragen nießt bloß einfeitig oom Gtattbpuntte ber 
Arbeiter, fonbem auch gleirbjeitig oon bem bes Arbeitgebers 
aus faeßfunbig erörtern, in gemeinfamer Ausfpracßc 3roifcßeu 
ben Vertretern beibet Öager Eiären unb banad) ®ut* 
aeßten foroie gorberungen in fojialpolirifcßcn Angele gcnljei* 
ten aufftellen foIL Das Arbeitsoerßältnis als «in buteßaus 
TX>ed) fclf etttg es Verhältnis jroifeßen jroei unmittelbar auf* 
rinanber angeroiefenen ^Jerfonengruppen: bas ift bie Auf* 
faffung, an bi« ber begriff „Arbeitsfammer" anfnüpft. 

3 m ®egenfaß ba^u fteßt bec Begriff bcc „Arbeiter* 
fammor“, bie naef) ber Meinung ihrer Verfechter fid> aus» 
fcßliefclicß aus Vertretern ber Arbeiterfcßaft 3ufammen|fßcn 
unb nur beren Gtanbpunft in alten föjialen fragen 3uin 
Ausbrucf bringen foll, ähnlich roie es bie £>anbelsfammettt, 
bie ^anbroerfs* unb bie 2anb«mrtfcßaft&fammem in ben 
roirtfcßaft&politifcßen fragen unb barüber hinaus ein* 
feitig jugunften ber Unternehmer, ber Raufleute unb 
Sn&uftriellcn, ber fianbroertsmeifter unb bet ©ut&befißer 
tun. Die ©erfechtet bet Atbeiterfarnmem faffen großen* 
teils bas Arbeiteoerßältnfc, b«f[en Secbefferung unb 3 rör* 
berung bie Arbeite* roie bie Arbeitertammem praftifd) 
bienen follen, als ein überroiegenb gegenfäßlicßcs Rampf* 
oerßättnls jroifeßen Rapital unb Arbeit auf, bas fo 
wenig Berüßrungspunfte für «ine gemeinfd>afttid)e ©er» 
ftänbigung, fo roenig 3 ntereffenßarmonic aufroeife, baß 
eine gemifeßte Arbeitstammer nimmermehr ben geeigneten 
©oben für eine flare Dntereffenoertretung ber Arbeiter 
abgeben fönne. 

Diefe beiben ©«griffe „Arbeitsfammer" unb „Arbeiter* 
fammer" finb, jumal in ben legte-n 3<*ßri«. 3U ©anieren 
entgegengefegter fojialpolitifcßeT Strömungen oon erheb* 
liehet öffentlicher ©ta<ßt geworben, bie bas Problem bet 
Arbeiten ntereffen Vertretung immer hi« unb her ließen unb 
feine befriebigenbe ßöfung verßinbem. So ift es, roenig* 
ftens 3um Teil, 3U erflören, baß bas Problem ber Arbctts* 
lamment eine Aufgabe barftellt, bie 3U ben älteften 
Rapiteln ber beutfeßen Sojialpolitif gehört, bie immer 
roieber in ber ßiteratur unb im Parlament auftaueßt, 
ohne ihrer (Erfüllung näh« 3U fommen. 3 um gröfcem 
Teil aber ift rooßt bie Bebenflicßfcit ber oerbünbeten 
©egietungen baran feßulb, bie trog acßijeßnjäßriger ©er* 
fprechungen erft im 3 aßre 1908 3U einem (Entfcßluß fieß 
auffeßwangen unb bem ©eießstag einen ober vielmehr 3wei 
©efeßentroürfe über bie Arbeitsfammem 3m Beratung 
vorlegten. 

3 m 3 aßre 1871 b«teits hatte ber angefehene iptofeffot 
ber Staat&roiffenfcßaften Scßönberg in einet ©ebe über bie 
©otwenbigfeit oon „Arbeitsämtern" ben (brunbgebanfen 
ber Arbeitsfammem in aller Deutlidjftit entroidelt unb 
ihr Aufgabenfelb greifbar abgejtecft. 3 U «tner neuen 
fielen Chrganifation ber Volfsroirtfcßaft follten fie ge* 
tviffermaßen ben Anftoß geben. Scßönbergs ®ebanfe roat 
balb barauf, fchon im 3 aß« 1876 , oon ber 3 entrums* 
Partei bureß ben Abgeortneten Dr. JRoufang pariamen* 
tarifd) oertreten worben. 3 m folgenben 3 <*ß« hätten 
aBortfüßrer ber jungen So3ialbemohratie , ©ebel unb ber 
erfahr™ ©eroerffchaftsführer 3-rißf(i)e, im AeicEjstag fogar 
einen förmlichen Antrag eingebraeßt, es follten bejirfs* 
coeife Arbeitsfammem errichtet roerben, in b«nen Arbeit* 
gebet unb Arbeiter 3ut 9 Bahrung ber ©eroerbs* unb 
Arbeitsintereffen gleichmäßig oertreten feien. Unb alle 
roeitcren brei bis oier 3ah« hatte immer toieber ein 
f 0 jialbeTno frati f eßer ober ein 3<ntrum6antrag bas Sntcrcffe 
bes ©ei chs tags für biefe J u *»««**« g«fud>t. 

Gnbtich im 3 aßre 1890 .feßfen biefem ©erlangen Gr* 
füllung roerben 3U follen. ©i^t bie oerbünbeten ©egic* 
rungen, fonbem ber junge ftatfer tvar cs, bet in feinem 
berühmten Rialen (Erlaß oom 4 . ^februar 1890 ben ©e* 
banfen ber Arbeitsfammem aufgriff unb feine ©erroirf* 
ließung oerßieß: „Öür bie ©flege bes 3rricbens 3«x>ifd>cn 
Arbeitgebern unb Arbeitnehmern finb gefeßtidjc ©eftitn» 
mungen über bie .formen in Ausficht 3U nehmen, in benen 
bie Arbeitet burch ©errietet, bie ihr ©ertrauen befißen, 
an öcr ©eglung gemeinfamer Angelegenheiten beteiligt unb 
3ur © 3 ahmehmung ißrer 3 nteref|en bei ©erßanbtungen 
mit ben Arbeitgebern unb mit ben Organen meiner ©e» 
gierung befäßigt werben" ufw. 

© 3 äre biefes bcbeutungsootle Staifertoort , bas bamals 
roeit übet bas burchfcßnittlicße ©ioeau ber amtlidjen So3ial» 
polttif ßinausragte unb oomehmlicß in Untemeßmerfreifen 
Auffeßcn erregte, rafcß 3ur Sat geworben, a? 5 ren bie ßrute 
oorgclegten ©efeßenttoürfe übet bie Arbeitsfammem 1890 
etftßieneit unb hätten Arbeitsfammem bamals auf beutfeßem 
©oben ©3ur3el gefeßtagen, bann hätte bie fogialpolitifcße 
CEntroicflung 2)eutfcßlanbs, bie ©eftattung ber ©C3ießungen 
^roifeßen. Arbeitgebertum unb Arbciterfcßaft, gewiß anbere 
©aßnen genommen, als roir fie ßeute beim ©ücfbtiif, von 
jaßtlofen Spuren troßigen öerrenbetDußtfeins unb leiben« 
fcßaftlicher Rtaffcnfampffucßt 3erroühlt, vorfinben. Um 
1890 war bie politifcße Rlaffenfampfberoegung, bie ßureß 
bas gerabe abgetaufene So^iatiftengefeß 3t»ar in ißten 
liefen oergiftet, aber boeß äußerlich baniebergehalten 
roar r nwß roenig erftarft, unb bie feinbfelig einfeitige ©er« 
rietung ber Arixiterintereffm buxeß bie Selbfthilfeorgani« 
fation ber Onbufriiearbeitet in ©eroerffchaften war auf 


etne Heine, fcßlecßt 3ufanuneugefügt< ©Hnberßcit befeßränft, 
auf bie bie fojialbemofrattfdje ©artet obenbrein 3iemltcß 
ftßcel faß. Gine gefeßließ georbnete 3 nteref|envertTetung 
für bie große 9 ©af|e ber 3 nbu|trieaxbeiter unb regelmäßige 
unbefangene Ausfpracße mit ben Arbeitgebern in einer 
©eiße von Arbeitsfammem ßätte bamals einem elemen- 
taren Sebürfnis entfproeßen unb ßätte vielleicht 3U einer 
©erftänbigung ber Rlaffen gefüßrt, bie ßeute in mächtigen 
Arbeitgebemrbänben unb Arbeitergeroerffcßaften als viel- 
millionenfSpftg« £>eew, bis an bie 3äh«« 6*riiftet, btoßenb 
unb fämpfenb, etnanber gegenüberfteßen unb erft all* 
mäßlid) Heß roieber 3U Juiebensocrträgen 3ufammenfinben. 

3 «nes SBort bes fojialcn Grtaffes oon 1890 aber ift 
leiber bamals nießt erfüllt worben. 3 m ©eießstage feßrien 
3roar bie alten unb neuen ftorbetungen naeß Ülrbetts- 
famment roteber, in bem Sißungsabfcßnitt 1898 bis 1900 
rüeften aueß bie ©errietet bet ©ationalliberalen unb ber 
3rreifinnigen mit Gonbcranriägcn auf ben ^ßlan; jeboeß 
bie ©egierung ßülltc fteß in Scßweigen. (Erft 1904 trat 
fie mit einer jufage aus ihrer 3urütfßaltung heraus. 
Aber tvieberum oerfloffcu brei 3 ah«. bi® nunmeßrige 
Staatsfcfretär bes 3 nnem p. ©etßmann*|)oUrocg bem 
©eießstag im SBintcr 1907/08 einen ©efeßentwurf über bie 
Rammem vorlegte, liefet etwas flüeßtig unb engßer3ig 
fli33terte (Entwurf, ber meßr 3m ©rfunbung ber fo3ial* 
politifeßen Strömungen als 311t gef erließen öerroirflidßung 
gemacht feßien, fanb auf allen Seiten, bei Arbeitgebern, 
Arbeitern, wtffenfcßaftlicßen unb prafttfeßen Gc^ialpolitifern, 
gleich ftarfen, wenn aueß feßr oerfchiebenartig begrünbeten 
'XöiberfpTucß. 3 n ©eherjigung biefer Rritifen ßat enblich 
ber ©unbesrat einen »ollftänbig umgearbeiteten Arbeit»- 
fammerentwurf am 2$. ©ovember 1908 bem ©eicß&tag 
varlegen Iaffen. 

tiefer (Entwurf befd)äftigt gegenwärtig bie ©oaial* 
politiler innerhalb unb außerhalb bes ©eießstags unb 
vor altem bie beteiligten beiben £ager aufs lebßaftefte. 
©ereits finb bemerfens werte Runbgebungen von Arbeit- 
geberoerbänben, öa«öelslammem, ©eroerffchaften unb 
an bereu 3 nteref|entenförpexfchaften erfolgt, bie einen ©in» 
blicf in bie 3roiefpältigen SBünfcße unb Hoffnungen ber 
^arteten gegenüber ber Arbeitsfammerfrage gewäßren. 

3 )«r (Entwurf fcßlägt Arbeitsfammem vor, bie |i<ß je 
3ur Hälfte aus Arbeitgebern unb aus Arbeitern unter 
einem neutralen, oon ber ©egierung ernannten, beamteten 
©orfißenben 3ufammen[eßen, ber jugleicß ©efehäftsfüßrer 
unb eine Art Scßiebsricßter ift. ®ie Rammexn follen je 
nach ©ebürfnis, bas bie einjelnen Banbesregierungen 
ermeffen, für «in« bejtinrmte 3 nbuftrie ober Serufsart 
eines engem ober rocitem ©e3irfs gebitbet roerben, 
wobei aUerbmgs bas §anbel&ge werbe, bie ßanbwirt- 
feßaft, fämtlicße ftaatlicßen ffietrieb« ber feeres- unb 
frlottenoerroaltung, ©ifenbaßn« unb ScßiffaßitsbetTiebe 
oon oomßerein ausgefchloffen bleiben. 3 n ben Dnbuftrie» 
b«3irf«n, für bie ftammem «rrießtet werben, follen alle 
beutfeßen männlichen unb weiblicßen Arbeiter über fünf- 
unb3«»an3ig 3ah« «oth glcid>em bireften unb geheimen 
öerßältniswahluerfahren ißre RammeroertreteT, bie min» 
beftens breißig 3aßre alt fein m&ffen, auf feeßs 3«^ 
wäßlen; feboeß bfirfen bie Seamten ber ffierufsoereine 
unb ©ewerffeßaften, fofem biefe nteßt meßr in gewerb- 
lichem ArbeitsoertragsoeThältnis flehen, nicht in bie Rammer 
gewählt roerben. 3 :ecßnif<he unb faufmännifeße Snbuftrie« 
beamte finben in biefen Arbeitsfammem nießt ißre Ver- 
tretung; für fie fd)äfft vielleicht eitt fpäteres ©efeß be- 
fonbere ©errietungen. 0 >as © 3 ahlred)t bet Arbeitgeber 
fann oon ber Aufficßtsbeßörbe naeß ber 3 <>hl bei oon 
ben einzelnen befcßäjtigten Arbeiter abgeftuft werben. 
Über bie Aufgaben ber Kammern fagt ber ©efeßentrourf: 
„Sie finb berufen, ben roirtfcßaftlicßen ^rieben 3U pflegen. 
Sie follen bie gemelnfamen gewerblichen unb roirtfeßaft» 
liehen 3 nterc|fcn ber Arbeitgeber unb Arbeitnehmer ber 
in ißnen vertretenen Geroerbcgericßte foroie bie auf bem 
gteießen ©ebiete liegenben befotibeten 3 ntereffen ber be- 
teiligten Arbeitnehmer roahmohmen." So follen fie ins- 
befonber« bie ©eßörben burch tatfächlichc ©Mitteilungen 
unb ©rftattung von Gutachten über Durchführung oon 
gefeßließen Arbeiterfcßuhbeftimmungen, über ©ctriag&aus» 
legungen unb Arbeitsbräucße unterftütjen unb auf An* 
fueßen ber ©eßdrbeu bei (Erhebungen über gewerblich« 
unb roirtfeßaf (ließe ©erßältniffe in ihrem ©C3irfe mitroirfen, 
ferner ©Sünfcße unb Anträge beraten foroie ©eranftaltungen 
3ur fiage unb ber JBoßlfaßrt ber Arbeiter 

anregen unb förbem, b. ß. fieß um Arbeitsnachweis, ©ccßts* 
ausfunfterteitung , Arbcitslofenverfidjemng, Arbeiteijüge, 
ABohnungswefen, ©eglung ber Arbeitsbcbingungen, ber 
ßoßnjahlungstagc, Afforbloßnarbeit, Sam »tag nach mittag- 
arbeit, Urlaubsgewährung ufw. fümmem. ©nbltd) follen 
bie Rammem bei gewerblichen Streitigfeiten 3roifd)«n 
Arbeitgebern unb Arbeitern ber in ißnen vertretenen 
(bewerbe 3wei ge, falls ein ©eroerbegerießt nießt jujtänbig 
ift ober als ©Mittler verjagt ßat, als (Einigung&amt an- 
gerufenwerben fönnen, um ben SJrieben roieberßcr^uftellen. 
Die Roften ber Arbeitetammcnt haben bie ©emeinben 
bes Begirfcs naeß ber Ropf3aßl ber in ißnen anfäffigen 
Arbeiter, bie 3ur Rammet wahlbereäjtigt finb, 3U tragen. 

So ettoa bas ©ilb, bas bet gegenroärtige ©efeßentwurf 
oon ben Rammem gibt, ©s bebcutet gegenüber bem 
bes erften ©ntrourfcs einen unverfennbaren Orortfcßritt in 
be3ug auf natürliHere ©Saß^ujammenicßung ber Rammet 
unb Anpaffuitg an bie räumlicße ober beruf ließe ©tgenart 
bet (bewerbe — bie öanbrocrf&betriebe 3. ©. mit ißten 
Arbeitern finb nießt meßr von ber Arbeitetammer aus* 
gefcßloffen. ©leicßwoßl ßat aueß ber neu« ©efeßentwurf 
in ben irieifen ber wifjenfdjaftltcßen So3ialpolitif, felbft ba, 


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roo man grunbfäßtieß bie Arbeitsfammem ßcrbettDÜnfcßt, 
oielfältige Rritif gefunben. 

Der ©egiening&entrouuf ift ftarf befeett oon bem ®eifte 
furforglicßer Beoormunbung. ©c will bie Arbeitsfammem 
nießt frei aus fieß felbft unb ben ©erßältniffen ßeraus fieß 
entroideln unb fieß felbft regieren Iaffen, fonbem bie Se* 
ßörben unb ber oon ber ©egierung angeftellte, oon bet 
©emeinb« aber aus ben ©Mitteln ber Arbeitgeber unb 
Arbeiter be3aßltc ©orfißen&e follen bi« Dätigteit unb ©e- 
fcßäftsfüßrung ber Rammem Scßritt für Scßritt regeln, 
ißnen oorfeßreiben, wann fie ©rßebungen, wann C&utacßten 
erftatten, roann fie ißre ©Meinung öffentlich fagen bürfen 
unb roann nießt ©ine folcße Rammer aber tann naeß ber 
©Meinung fojialpolitifcßer Renner in Deutfcßlanb faum auf 
ein gebeißlicßes ficben rechnen, ba. roo bie frei« 3 ntereffen* 
Vertretung ber Arbeitgeber roie ber Arbeiter burch ißre 
mächtigen gcrocrffcßaftlichen Organ ifationen, bie aus eigner 
Rraft unb Grfaßnmg, unabhängig oon ben Be ßörben, über 
bas gan3e ©eieß ßin ißre Arme ausgeftreeft ßaben, für bie 
ein3«lnen 3nbufriie3weigc bereits energifch entfaltet ift Diefe 
freien Organifationen ber Arbeiter unb Arbeitgeber ßaben 
obenbrein in langjährigem ©ingen miteinanber für oiele 
©eroerbegweige unb oft für groß« Begirfe feßon ben Arbeits- 
fammem äßnlid)« ©ebübe 3ur gemeinfeßaftlicßen ©eglung 
ber Arbeitsangelegenheiten in ben Darifgememfcßaften unb 
SchU^tungsausfcßüffen gefeßaffen; eine halbe ©Million unb 
meßr Arbeiter mögen ßeute feßon ißr Scßicffal biefen freien, 
oertraglicß georbneten ©errietungen anoerriaut ßaben. 
Da3u fommt, ba& bie gcroerbegericßtlicßen (Einigungsämter 
in ben legten 3aßren an Dielen Blägen — in gerabeju 
ßervorragenbem ©Ma^e 3. ©. in Berlin unb in ©München — 
bie Vermittlung bei gewerblichen Arbeitsfämpfen unb bie 
tarifgemeinfcßaftltcbe ©eglung ber Arßeit&bebtngutigen ge* 
förbert, baß bie Ausfcßüffe ber ©eroexbegerießte oon ißrem 
9 Mecßt unb ißrer Vflitßt, Anträge unb ©utaeßten 3U 
Arbeiterfragen ab3ufaff*«. immer meßr <&e brauch fle» 
maeßt unb fo eine gart36 ©eiße toort Aufgaben, ja gerabe 
bie widjtigften, bie fünftig oon ben Arbeitsfammem ge- 
pflegt werben follen, bereits in ißre regelmäßige Praxis 
aufgenommen ßaben. ®egenübe< biefer halb urwücßftgen, 
ßalß auf älterer ©efeßbafis erblüßten Ronfurren3 bürften 
nur weitßeTjig ausgeftattete, oon Antemeßmem unb 
Arbeitern roillig begrüßte Arbeitsfammem fieß 3U gebeiß- 
licßem ©djaffen entfalten fönnen. Raum aber Arbeits- 
fammem, beten Lebensnerv buteß eine alisu ftrenge 
bureaufratifeße ©infeßnürung oon oomßereiti an maneßen 
Stellen unterbunben iftl 

Die Rritifer ßaben ba 3unäcßft bie grunbfäglidje (Ein* 
engung ber Rammem auf fachlich begleite ©«werbe* 
3weige im Auge, bie an fieß bureßaus angebraeßt ift, aber 
praftifcß oft 3U einer fünftli^en Scßeibung enger örtlicher 
3ntereffen3ufammenßänge 3roifcßen oerfeßiebenartigen ©e* 
roerbe3rocigcn, bie für fieß allein feine Arbeitsfammer 
tragen fönnen, 311 füßren broßt ©erabe bas 3Mfommen- 
wirfenoon fogialpolitifcß fortgefcßTittenen®ewetbegruppen, 
bie mit ißren Xarifoertragserfahmngen anberen ein be- 
währtes ©orbilb geben fönnen, in einer begirfsweife gu« 
fammen gefaßten Arbeitsfammer bürfte oon ©ugen fein. 
Bremer greifen bie 3 ntereffenfretfe einer Berufsgrvppe oft 
weit über bic fianbesgre^en eines ffiunbesftaate« ßtnaus. 
Rann eine Arbeitsfammer für bie thüringifeße leittl* 
inbuftrie oßne Orüßlung mit ben Vertretern ber Xeitil» 
inbufriie bes Rönigrcicßs Sacßfen, wo vielleicht gar bie 
ßanbestegietung mit ber (ErtidRung einer Arbeitsfammer 
3ögert, bie ©eglung ber Arbeiterfragen fo umfidjtig unb 
wirf f am vornehmen, wie roenn bie naße oerroanbten Xextil* 
gruppen verfeßiebener £anbestcil« burdß ©unbesratsbefcßluß 
in einer Arbeitsfammer 3ufämmenwirften? 

Am anfeeßtbarften ift bie beßorblicße Beftellung eines 
beamteten Borfigenben, ber bie ßeitung unb Verwaltung 
nid^t nur einer Rammer, Fonbem unter Umftänbcnmeßrercr 
Bemf&fammem gleichzeitig ßeforgen foll. A 3 entt bic ©cgic* 
rungen nießt föjialpolitifcße ®cnies auf Borrat ßaben, bi« 
btc roiberftrebenben, in unabhängiger Organtfations- unb 
Sribftoerroaltungsarbcit aufgeroaeßfenen Söerrittergruppen 
ber Arbeiter unb ber Arbeitgeber wunberbar bureß über* 
ragenbe Sacßhutbe unb ©Meufcßenfennhtis 3U birigieren 
unb bas Bertrauen bet ber fiager fid) fcßncll gu erwerben 
rotffen, bann roerben oiele Arbeite fammem an ber An* 
3U länglichfeit ber Leitung notwcuöig 311 Schaben fommen 
müffert. Denn fo viel leßrt bie ®efcßicßte aller (Einigungs- 
ämter, aller Darifgcmeinfcßaften unb vieler gemein* 
fcßaftlicßer [oktaler Ausfcßüffe: nießt burcaufratifcß« 
©outine unb Roncftßeit, fonbem bas Bertrauen In bie 
^erfönlicßfeit unb bie tief«, feciale Ginficßt bes Borfigen* 
ben vermögen allein bie Arbeit folcßer (Einrichtungen er* 
falgreicß 3U geftalten. Scßan ßeute aber leßnen fieß Arbeit- 
geber unb Arbeiter gegen ben Seamten auf, ber ißnen oon 
oben auf bie ©afe gefegt werben foIL Sie wollen, wenn fie 
überhaupt auf bie Arbeitsfammem fieß mit ©ifer einlaffcn 
follen, einen ©Mann tßres Vertrauens an bte Gpige ftellen 
unb Dolles Selßftoenoaltungsred)t ßaben. Aus bemfelben 
®runbe verlangen aueß bie organifierten Arbeiter — unb 
fie werben, wie überall, als Iräger ber Rammer eine aus- 
feßlaggebenb« ©olle fpielen — baß fi« bie Beamten ißrer 
©ewerffeßafte«, bie jjüßrer, ju benen fie oon jeßet mit 
Bertrauen auffdjauen, als Sertreter in bie Rammer wflßlcn 
bürfen, wäljrcnb ber ©efegentrourf bies oerfagt. Aueß 
eine rein prafttfeße ©rrodgung fprießt für biefe 3ulaffung. 
2B«nn bie Rammet als CEinigungsamt in großen Arbeits* 
3roiften, bie feiten oßne entfeßeibenbe ©Mitroicfung ber ©er* 
feßiebenen ©croerffcßafteorgantfationen fieß abfpielen, oer- 
mittelnb eingreifen, einen 3rriebensfcßluß unb einen all* 
gemeinen, bauemben Tarifvertrag olelleicßt ßerßeifüßrtn 


Original from 

THE OHIO STATE UNIVERSITY 



9fa. 3422. 28. 3anuat 1909. 


3nu[ttirtc 3 c ^ n 9- 


135 


foll, |ö ift bas ohne birefte Verhctnblutig unD öerantwort. 
liehe Beteiligung ber einflufereidien, erfahrenen unb gc* 
rocinbtcn fSicir»erCfd)<tf t^fiitjrer . Die Vcrbaubsuollmnchtcn 
haben,* in ben weiften fällen gar nicht beulbar. 9lur Da, 
wo eine gerocrfjd)aftltd)c Crganifatioti nirf)t oorl)an&cn 
ober June fümmerlid) entroidelt ijt, alfo bei ben Heim- 
arbeitern, brn ungelernten Arbeitern, bei» Transport* 
Arbeitern, graften Gruppen ber Hüttenarbeiter, werben. 
Arbeit* lammen* mit amtlicher Spitze, ofjne ben (£iufd)Iag, 
get»erlfd)dftliehcT Vertretung seinflüjfe, als ©inigunpsamt 
imb öffentliche Stelle für bie (Reglung ber Arbeite* 
angelegenheitcit überhaupt in «Vrage Fonunen. 

«He bie^Fritif irrten fünfte finb ernft hafte Schwachen, 
unb ftel)l cr &<** ©efeljenttpurf* über bic Arbeitetammcm; 
aber fie finb heilbar, unb ihre Abänderung mürbe Feines* 
wegs eine oölligc 3crftörmtg bro (befere* bebrüten. 
Schnurrigere Heminnifft für bie Verwirtlicbuug unb bie 
praltifcfje Turchfüljmug bes Arbettsfammerplancs über- 
haupt aber bietet bie obtneifrnbe Haltung ber beteiligten 
^nterelfentenlagcT, ber Arbeitgeber unb ber Arbeiter. Tie 
'.'[rbeitgeber faft aller 3itbuftrien, mit wenigen Ausnahmen 
einiger lopalpolitifd) fortgefchritteucu ©rappen, wollen 
oon Arbeitete mmern, t)ött einem ^ufammenbe raten mit 
ben Arbeite ruertretern in eitler gefettlid) georbneteu ftorm 
überhaupt ttidite rpiffen. Teils voiberjtrebt es ihrem Herren» 
bewußt fein, teils ijt cs ihnen tu imzftänblid) unb läftig, 
teils oerfprcd)cn fie fid) oon bem freien, formlofcu Öer« 
hanbeln mit ben 0&euscrffd>aft<tt mehr Cfiewinn als non 
ben Kammern. fDtögett bie Arbeiter, jo fagen Diele Arbeit» 
geber, wenn ihnen Durchaus eine gefet|lid)c 3ntereffeu- 
Vertretung gewährt weben foll, reine Arbeitcrfomiuem 
erhalten, in benen fie gaitj unter fid) finb. Teren U>ut» 
achten, Anträgen unb Vefdjluffen braucht mau bann, ; ba 
fie ohne Beteiligung ber Arbeitgeber jujtanbe geFoiumrn 
finb, natürlich lein prüfte* ©evid)t beipilcgeii, Faun fic 
als fo.vialbemolratifche ^hrafen unb tabifale Agitation*- 
probuftc bequem abtim. So etwa finb bie Äuubgebuugen 
bebeutenber Avbcifgebcroerbänbe zu Derftehcn. Auf» 
fallen benot ife forbern aber bie freigewertfdiaftlidjcn Ver- 
treter ber Arbeite rfchaft, obgleich nod) ooc wenigen 3 ft h Tcn 
bie fojialbemoFratifdje Jraftion im Beidysiage ausbrüd« 
lid) gerne infd>a ft liehe Arbcitelamtucm oerlangte, l)*utc 
ebenfalls reine Arbeiter lamtncm, nicht nur weil fie reine 
3utcrcffenoertrctnugen für beffer halten als bie „pari- 
tätifd)cu 5Bohlfahrisrtu*fchfiff c f flr Viräl)ioiuFel unb Um- 
gegenb*, bie ber {Sefetjentwurf ihnen angeblich oorntalt, 
jonbern weil fir ben (hrunbfatj ber (Wcidjbcrcdjtigung mit 
theoretifd)er ^olgerichtigFeit uerwirllid)t iviffen wollen: 
haben bie Unternehmer ihre Hanbcls- unb f>anbwerfs* 
fammern, |o nuiffett bie Arbeiter ihre Arbeiterfammem 
haben. Tiefe f ollen, mit oollfter SelbftrxrrDaltungs befug» 
nis ausgefiattet, bie Acglung unb Bcauffiditigung bcs 
Arbeiterfdjuhes unb bie gruublcgenbe ©ntwicflung bcs 
Arbeiterrechts Durch Tarif uertTäge betreiben. Cb btefer 
theorerifd) oerlodenbe (üebanre in ber fo.iialpolitifd)en 
‘Uraiis bie geroünfdjte ftrucht zeitigen mürbe, unb ob nicht 
»iefmehr bie dirifilidjc« unb bie Hirfch-TtmcFerfchen (?>e- 
merfoereine mit ihrem (Eintreten für Arbeitern mment eine 
flügere So.polpolitil treiben, bas tonn nur bie (Erfahrung 
ber 3ufnnft lehren. 

Tier neue Oberflhofmeifter ftaifer 
t?ran 3 3ofepljs. 

£\aifcr 3 ra, M Cl°f c Ph h at am 5 . Januar heu ftürften 
vV Alfreb o. SJloiitemiooo als (Nachfolger Do* wer« 
ftorbeneu dürften oon unb 311 t'i echten ft ein 311 feinem 
(Elften Oberft Ijofmcifter ernannt, ftürft 0. fWontenuooo 
ift tein Neuling uu Hoföicnft. Vor elf fahren würbe er 
3 um ^weiten Oberfthofmeiftet bes Äaifers ernannt imb 
hot als |old)cr bereits eine überaus »erbienftoolle Tätig» 
teit cntcoidelt. (Ein leibe nfd)aftlid)cr ftrcunb ber ttunft 
unb 3 latur, insbefonberc ber Vlumcn, h«t <?r ci»r 9 icihc 
oon Verbcffcrungcu in ben Samtnluitgcn, Sdjlofjent imb 



9llfrcb gürjt p, fü]onl<nuooo. 


(härten bes ftaiferhaufes burchgeführt. 3nsbefonbete 
Schönbninn, bas jetft faft pun jtänbigen Aufenthalt bes 
Siaifcrs geworben ift, verbantt bem rrürftcu zahlreiche Ver* 
fdjönemngcn. And) bei» .f>oftl)catcni hat er eine f)^r»)ör* 
ragenbe ^ürforge gemibmet. 

Alfreb Jyürf 1 1 ). 'JJlonteuuouo, ber in 'lltien geboren würbe, 
in Hribelbrrg {tubierte unb als (Einjährig ivreimilligcr ben 
bo&nijd)eu J^clbzug mitmadjte, ftcl)t im fünfunbfünf 3 tgften 
Lebensjahre unb ift feit 1N7H mit einer 2 od>tor bes »Virjten 
«insfg, einer ber fdwnften grauen ber UBicner Arijto* 
rratie, oerniäblt. 

3Bo(^cnf(i)au. 

Der beulte Reichstag. 

187. Sigung. 3wcitc Ucfnng bcs (Etats bcs 
iRoicbsjufthomts. Anchbeni in ber Atocbe rnoor bas 
Arbcitsfommergefcti nur gegen ben 'Ibiöcrfprudi ber 'h olrn 
»mb 6 <r So.potbcnioFrolcn, ober fonft faft unter emnnitiper 
3uftimmung oller 'Horteten in crlter Hefnng im Sinne ber 
Regierung erleb igt unb an eine .«ommiffion oerwlefen 
worben war, folgte am 18. Januar bie jioeite Sefung Des 
(Etats bes Aeidysfufti.zamts. Ten Weigen ber A ebner eröffn ctc 
Dr. QBagncr (Monf.), Der e> als ein hodierfreuliehes Reichen 
erflärtc, bah nun erftenmal feit »telen 3 «h«a n*m 3 ufti 3 * 
etat feilte Aefolutionen twrliegen, unb bas Vürgerliche tte- 
feljbud) als rin feltes Aanb beutfeher Aechtseiuhcu bcjeid)> 
ncte. Ter Abg. Dr. Veljer (3mtr.) fam auf bie fchlimme 
Lage bes Anwaltsltanbes 311 fpredien unb erwähnte ben 
cenfationsprp)eh (Enlenburg, woburd) er bem ctaatsfctrctär 
Aieberbing (fielegenheit gob fefltuftellfn, ba|? in biefrm Vro,3<fl 
wie in jebem anbern nerfahren worben fei. 3n feinen 
übrigen 'Ausführungen ftellte ber Aebner bie Aollenbung 
Der Aorarbrtlrn jur Acionn bcs Strafgefetibnchs für Den 
3 ommer in Ausfid)i. 3 m Aerlnuf ber wehem Tebatte 
Famen noch mehrere «ebner auf ben rvall (Eulen bürg ju 
fpredien, bie rum ieil ber prcufüichcn 3 ufti 3 ihr Vertrauen 
nt biefor -adle ausbrüclttfu. 

18 «. Sitzung, ftortfctjunp bcs ^nftiietats. 3m 
Aorbergrunb ber Aerhanblungcn oont I*J. Januar ftanb bie 
Aebe bcs Abg. Dr. 3uncf (9tatl.), ber unter anberm heroor* 
hob, bafz bas Aeichsgericht oon ber cEh ren rcdjtsf predjun g 
fiter bie Anwälte entlaftet werben lönutc, unb bes bebauer 
liehen Attentats in einer Sitging bcs Aeid)sgeri<t>ts (Erwäh- 
nung tat. Ter Abg. Dr. Aliillev 'Ulciningen (,>reif. ®p.) wies 
auf bie fijftematifchen geifttgen Xiebftähle t)in, bie fritens 
tfd)ed)ifcher Aüljnen an beut(d)cn bramatitd)<rn Schriftfiellem 


an ber Tagesorbnung (eien, unb bat um Abhilfe Aisbann 
belprad) ber «ebner ben (Entwurf ber grohen Strafprojefi* 
naoelle, bte er als ,3-Iidarbeit ohne fräftige 3»tttiotioe be> 
3fidmete. 3n feiner Anriogmbe gegen bie Mlaffcnfultit fam 
ber Abg. Dr. ^ranl (Sov) auf bie Vorgänge bei ber H' n “ 
Tictjtung ber (brete Arier 311 fpredien unb erhob Vorwürfe, 
bie ber fadififdie Äom?ni|[ar nicht als nnbcTeditigt ,(u be- 
zeichnen oermcictite. 3m Anfihluji an bie Verölung bes 
Cluftitctats würbe bie Aooedr uuu SlVed)1clltempel|taiergelet)i 
i»t .zweiter Lefung uub bas (frefelt, betreffenb bie Vreisfeft< 
ftrllung beim SJlaTfthanbel, in Dritter t'efung angenommen. 

1 HP. 8 i tum g. Schwer inota g. Tie VrrlianMiingen 
erfchöpften (ich in einer nidil (el>r inhaltreidKii Teb.ttte über 
brn Antrag bar Sozial Demo traten auf rckhsgr fetz liehe Arge- 
hing bes Äertragsoerhältniffes bes 0T>ciiitbcs unb ber lanb- 
luirtiriiaillidien Arbeiter mit ihren Arbeitgebern. 

Iso. c-ittung. 3nterpellationen ( betieffenb bie 
Hfltibhabting bes Veretnsgefe fces. Tie Sittung bes 
21. 3<tnuar würbe mit einem Aadirui bcs Vräfi&enlen Grafen 
zu 8 tolberg auf ben an biefew läge uerfchiebenen 3 enter bes 
^Reichstages, Den Oirnjcn Alfreb 0. Hompefdi, eräftnet. Trr 
Abg. Vre») (3o,|.) begrilnbeie bie Interpellation feiner Partei 
wegen ber Vmnbliobimg bes Seichst) eretnsgefcheo, befonbers De* 
3pra<henparagraph*n, unb behauptete unter anberm, bafz ber 
fehtere Itänbig iniinreditmöfzigcr Weife zur Ausftihning gebracht 
werbe. Audi ber Abg. Vrcjfti (Sole) toen bete (ich in [diarfcn 
RDorten gegen bas (Mefj, beffen zBeftimmungcn oon bem 
'Staatslcfretär o. Acthmaun Holliueg in einer qroften, häufig 
oon bem Veifall ber Alehrhcit unterhrodienen «ebe oer- 
teibigt wurben. Am Bdiluffc feiner Ausführungen betonte 
Der iülinifter, bafz alle ‘Itarteicn an ber lonalen .rianMuiluing 
bes (ftefetzes bas gleiche 3ntereffe haben, unb bah er un- 
geachtet aller Angriffe hierfür forgeit werbe. 

191. Sitzung. ( >ortfctzung ber Vcfprcdiung ber 
3nterpellntionen. — 3u Segimt ber Tagung bes 22. 3a- 
nuar erbittet unb erhält Vräfibcnt i'anf zu stolbcrg bie 
Genehmigung, bem .steifet bie (C>lücfwünfci»e bes Hattf«* 
.zu feinem fünf.zigftcn Geburtstage zu überntitleln. Aisbann 
3iel)t ber Abg. «ocren (^entT.) gegen ben .v>alatisnms zu 
,Vc(bc, worauf er oon bem VI bg. Gons (EDI er zu »HutliR 
(itonf.) .ziiTÜctgewicfen zoirb, ein Vcftrebcn, in bem birien 
ber Abg. Dr. 3tmd (Vtetl.) in wirffantfter 'JUeifc unterftflht 
Auch ber Abg. Dr. Willcr SJleiningen (»Treif. Vr.) tritt für 
bie Segnungen bes Geleges ein, otm«“ 3»* oerleuncn, tx»|) 
beffen Ausführung nach ocrfdiicbemm Dichtungen hin tiod> 
mangelhaft ift. 'Jted> längeren Tebatten, In benen unter 
auberm Der elf äff i| che Veuollmäditigte Dr. Biene fing bic Zweifel 
au ber Loitalität ber reidislättbiidicn «egicruug bei Der $>onfe- 
habung Des Vereinsgefetjes für Durchaus unbegriinbet ertlärt. 
wirb bie AJciterberatung auf Den 23. 3onuar oertagt. 

192. 3itzung- Vefeftlgnng ber T oppel h e ft cue» 
rung unb Vere insgerefj*3nler pe Hat ion. «ach Ver* 
abfehiebung Der VHectifelftempcInooellc in Dritter Lcfung folgte 
am 23. 3oouar .zuuächft bie Seratung ber Wonellc vum 
«eichsgcfctz wegen Vcfcitigung ber Toppclbefteummg, wo» 
nad) linier anberm bic in «cictos- ober Biaatsbienfirn ftehen» 
ben reutfdien nur in bem Vnnbesitaat befteuert werben 
Dürfen, in welchem fie ihren bienftlichen VUohnfih haben, 
«achbem oon mehreren Beiten bas tEntgegenfommen 'Hretiftens 
in bem (Entwurf auerfannt worben war, iputDc bie «Heiter- 
beratung twn ber Tagesorbnnng abgefe^t, um bie 'Be- 
fprediung über bic Hanöbabting bco Vereinsgefehes mieber 

auzzzmchinen. Ten Angriffen bes dürften iRab.zimill (fßole) 
entgegnrte Btaatsicfrctär o. Vethmann > Hollweii in aufeCT^ 
orbentlid) temperamento oller VUeiie. 3in wettern Verlauf 
ber Tebatte fam es 311 heftigen AuseinanbeTfet3tingen zwtfchen 
Dem Abg. ScbCbOtir «-ou unb Dem Bfälibenteti. 

(Eine bebeutfame :Rcbc bes dürften r. Vülow im 
Abgeorbnetenhauo. — Tas mcufziidie Abgeorbneteu« 
haus hatte am zweiten Tag ber allgemeinen (Etntsbebntte 
(t». 3 Q nuari feine grofje Benfaiion baburd), bafz ftürft 
o. Biilow in ieiner (Eigenfchaft als preufzifcheT 'JJHniilerpräfi- 
Dent eine grofze tRebe hielt, bie weniger bic preufzifdie Vanbcs- 
potitiF beriihrie, als- oielmehr bie «eichsfinanjrefonu, bas 
‘Verhältnis oon .Wnilrr unb Voll unb bie VchauNung ber 
Bo.zialbemofraiie zum Inhalt Ter «eirh&tenzler ergriff 

unmittelbar nach einet nicht immer glilcflichcn Bebe bcs frei- 
finnigen Abflfprbneten Dr. AJiemer bas VJort, um zunächft oon 
ber Bparfainteit ju fpredien, bie niemals aut Jtoften ber 
Schlagfcrtigtcit bes Hrftes unb bamlt bes JVriebcn* bes Lanbes 
erfolg en Dürfe. RBohl aber liefte fich bei ber SUJilitäroertual. 
tung felbft fparen. Tie Bartamente trügen auch cdiulb an 
ber gegenwärtige»» finanjiellen Sölüerc; fie ntflfzlen aufhSren, 



Alfreb Graf v. Hompefd), 
t am 2i. 3anuar. 


l>r, Vifpfa SWanbi^, 3hriu3 (Frnft pon Sachfeu-AJetmari (Engelbert Aemerfiorfrr, 

WivebörgeTmeilter eoi» Sarateuo, ffflbrer brr fdr (Eifenadl, Zojialbrnietraiifdjer Airrpraiibrrtt Do ÖUct- 

CltcrrricMlnflarn rolrtenDeii Vartr» tn Bosnien. t am I». 3anuar. reld)t|d)en AbgeorDnetentwiiiles. 


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136 


3lluftrirte 3 c ^ n 9- 


Wr. 3422. 28. 3<inuar 1909. 



3 4 15 2 

£>ie Slnfunft bc& fdjaKbifdjen Lilien reifcnbcn Dr. 0oen v. £)ebin in Stodfjolm 
am 17. 3anuar. 

1. Dr. Socn d. £>cbin. 2. £tabtard)itert ftcbin, brr Bater, 3. 3ngenieur $ebin, brr Bruber, 
4 unb 6 - bie Sd>weftcm Dr. ®pen o. .£>fbtn«. 


immer auf neue Ausgaben gu brüngen, 
nur um fid) bei ben ‘JUäblcrn lieb Al int» 

3U machen. '-Bereits im Sommer o origen 
Saßrc« habe er feinen aftiniftertollegcn 
in Bwußcn imb in ben Beid)$reffort« 
burchgreifenbe Btaßnahoifit gur Spar- 
famfett ab unerläßlich begeiebnet. Als- 
bann ging ber Rangier auf bie'Jlachloß: 
ftewer über, beten früherer Okgner er 
gewefen fei. (Er fei aus einem Saulus 
gu einem Baulus geworben, unb er 
hoffe, baft bas gleiche auch bei ben 
ftonfrroatiuen nod) ber ftall fein »erbe, 
ffr richte be«f)alb an bie Vertreter ber 
fianbwirtfehaft bie Bitte, berBotraenbigr 
teit ‘Rechnung gu tragen, ba große Auf- 
gaben große Cpfer erforberten, bie oan 
ber (*>cfamtt)eit getragen werben müßten. 

Bachbcm ber .«an, der ben ftall Schilding 
erörtat hatte. betonte er bezüglich ber 
politifd)cn Beamten, baß fie ber '•ßolitif 
ber Staatsregierung nicht nur feine 
ftinbemiffc fn ben TOeg legen bürften, 
fonbern fie 311 unterftilfcon unb gu 
förbern hätten, ftürft p. Büloro bc- 
bauerte fobann bie (Erfranfung bc* 

SWtnifters Stolle unb fam bann auf bie 
üaiferbebatten im 'Jtcid)«tng unb ben 
Artirel im „Tailt) Telegraph“ 3 « fprcd>cn. 
ffr t)0i)c bomals alle« herporgehoben, 
toa* geeignet tpot, bie unglüdlichc A 3 ir- 
Jung jener 3 nterpicws objufchwächen; 
aber er habe auch bie Bf licht, bä für gu 
forgen, baß ber Träger ber JRronc nicht 
irre tuerbe an bem Ifanbe unb bas 
£anb nicht irre an bem Träger ber 
Rronc, baß bie tjlftorifcfte Stellung ber 
Krone nidjt aufs Spiel gefeßt unb 
nicht abgenutjt werbe. Ten Schluß 
feiner Bebe bilbete ein Appell an bie 
bürgerlichen Parteien, feft 3Ufammen« 
jjufteben im Kampfe gegen bie Sojial* 
bemofratie. ehe ber ‘JUeg ber thefeß- 
gebung gegenüber ben Sogialbemofratcn 
3U t befd) retten fei, mflffe bie Begleitung 
bie tlbrrgcugung erlangt haben, baß 
bie Dort)anbencn WHttel fclbft bei einer 
ftarfen, furch tlofen Anwenbung nicht 
mehr ausrcichen. Von ben bürgerlichen 
Parteien müffc Blaßh alten in ber Krttif o erlangt »erben. 
3 n biefer Dichtung fei in ben legten 3 abrgcl)iiteri auch in 
Jhrrifen, gu bereu TTabitiou bie Unterftüßung bc« Königtums 
in erfter Jiinie gehört, gefilnbigt tuorben. SRit einem Jrmtwcis 
auf bie Öelpren iu ber (&efd)ichtc unb ber «Torberung, baß 
toir an ollen Stellen ftarf, befcheiben, einfach unb tüchtig 
fein follcn, fdjloß bie großan gelegte, in (Eingclh eiten glängcnb 
pointierte Bebe, bie 311 ben beften gehört, welche ber Bankier 
je gehalten hat, unb bie in ber Brcffc aller Barteten bc* 3 n« 
unb Äuslanbc« etn lebhafte« ffdjo fanb. 

Ter Kaifcr im Rrid)stag. - 3 u>at ntd>t um einer 
Debatte ber Bcichstagsbpten brijuwotpicu, fonbem als 3 «* 
ßärer bei bem Vortrag, ben ber Staalafefrelär Xernburg 
über feine Reife bwreh Sübioeftafrifa auf TOunfd) ber Tcut* 
fd)en Boföttia Igele llfchoft , Abteilung Berlin- (£ hörlot ten bürg, 


am Abettb be* 21. Januar im Sittungsfnal be« Beichstags 
hielt, betrat Röifer ‘Wilhelm, umgeben oon gnhfreid)eii Btit= 
gliebern feiner ftamilie, bie £»ofloge beo Burla mentsfaale«, 
in bem fich neben Abgcorbiteten aller Barteten Diele Ber- 
treter au« ben erften .Greifen ber tfkrcllfcboft, beT Sülarine 
unb bet Sd)ußtnippe eingefun ben hatten. 9?nch ber Be- 
grüßung buTch ben Bräfibenten beT (ficlcllfchaft. ftcT.gog Abolf 
‘^riebrid) gu SJtaflenburg, in ber bem Tianfc für bie tfhre 
bes faiicrlichcn Beiuchs Wusbtucf gegeben »UTbe, begann 
Staatsfeftctär T'ernburg oon ber BebnertTibilnc feinen Bortrag, 
iu bcHen (finleituug er beit englifdteit unb beutfehen folonialen 
BehÖrbcn feinen Taut ausfprach für basihmenpieieneifntgegen- 
fomnten. 'Jlnch einer Tarftellung ber an unfer Schußgebiet 
angrenjenben l'anbftriche ber .ttaptolonie rrürtatc er fta< 
tiftifd)c Angaben in betn Aicctmonsl)ooper Begirf, gebuchte ber 


Tätigreit ber Teut ichen ^armge[«l!fd)oft 
imb teilte mit, baß für bie l’anbmirt. 
fctjnft im allgemeinen in Sübweftafrita 
bie (Errichtung oon i’anbmirtfcbaft^ 
Jöinmem geplant fei. ff« fei ootläußg 
anju nehmen, baß etina hunberttaufenb 
Alüeiße in bem für bericbrhmgsfäßig gc 
halten en Teilbe« Schußgebiet« ihr gute- 
^ortfommen fittben tönnten. Ausficht« 
reich lei bie Straußengud)t, unb auch 
ber Bergbau roerbe eine günftige ffnt- 
tpicflung neßmen. Befanbere« CSntereffc 
tauben bie ‘Ausführungen bes 9tebner«. 
bte ftd) mit ben Tiamantenfnnben bc 
faßten. Tie Ausbeute betrug im Sep 
tember porigen Jahres G680, int Cltobcv 
81500, im Booember 10 200 unb im 
Tf.gcmbcr 11 500 Alarat; bas bebeute 
einen Ber!auf«»crt oon 1 100 öoö jf 
ffin Tmcf auf ben SBeltmarftprcis »erbe 
bnrd) bcefe ftunbe nicht avisgeübt; bod. 
muffe ba für geforgt toerben, baß betn 
<Vis-tu» uon Sübweftafrtla eine Beteili 
gung mit ettra ber £älfte bes Bein- 
geminito an ber Tiamantcnfßrberung 
gefichert werbe unb bic Ausbeutung bem 
beutfehen .Kapital oerbleibe. Tie milt 
tärifchc l*agc be« Sdmßgfbictcs crfoi 
bere noch immer eine Äefoßuug pon 
2000 ‘JJlann mit upeieinhalb ‘JJltHioncit 
.(toften. Begüglich ber Berfehrswege bc- 
lannte ber Kolonial iefretär, baß er fich 
im ‘Borjahre h'nfid)tlid) ber fift =Svp«fop- 
munb notipenbigen Anlagen getäufeht 
habe. 'U'as ben (Etat angebt, fo fet 
Ichcm heute mit Sicherheit oorausgu 
fehen, baß ba« ifanb fid) balb felber 
tragen »erbe, fo baß nur ber notwrn 
bige Schuß unb btc Atoften bafür als 
iReichslajt oerbletbcn. ffirift werbe biefec- 
Schungcbtct ein fchßner ‘ihreis beutfehev 
Arbeit »erben. „'JBit Blühe ermorben. 
burch .Tleiß er fd)l offen, aud) ber Heimat 
eine »vreube !** Ter .(taifer fclbft gal- 
ba« Jn’idtcn 31 t bem lebhait ein feßenben 
Beifall, worauf iiergog Abolf ^riebricti 
gu Blcctlcnburg bk Tilgung mit bem 
AJunfdie fchloß, baß biefer Abenb nidu 
ohne ‘Jlhrtung bleiben werbe. 

Beue Kämpfe an ber ‘Jlorbmeftgtcnse oon 
Äamerun. — Bach bem l<hon balb nach Bcujaßr ein Bet 
lincr Blatt non neuen blutigen 3 u 1 a,nmcrt i , '’'ß cn unfern 
Schußtruppen in Kamerun mit hon tEingcbornen gu he 
richten wußte, warb am 11 . Januar amtlich beftätigt, bat 
bic gemilchte beutfdvenglifdK (fwengerpebition, bie beutfehev 
feit« unter Führung brs Cberleutnonts 0 . Stephani ftani' 
in ber 2ltcihuadit«wod)e ritten heftigen A^ampf mit ben 
Biutttfdiio ,gu beitehen hatte, wobei bic lcuteren gefchlaget: 
unb gerltTCUt würben, ober aud) unfere Knippen Bartult' 
gu bcHagcn hatten. Unter ben Berwunbeten befnnb fid' 
auch ber Cbcrlcutnant v. Stephani. Tie ÜBtintfcbi wohnet 
com Quellgebiet be« Kcitfma '.»lllah nod) auf beutldjem 
Territorium bis gu bet (Einmünbung biefes ffluffcs in ben 
Binue in Britifch Borb-Bigcria. 



Awcrs. 91 euer«. 

3)ic anebaille bex Srüffelcr 2BeItQus|t<[lung bcs 3 a ^ rcs 1910 - 

Ti« 3 urt) ber iBeltausftclIung oon Briiffcl hot einen guten (hriff getan unb einen oornchm tilnitlerifchen (Befcßmacf entrpidelt, inbem fie betn (Entwürfe 0011 (hobeftoib Xeoreefe 
ben erften Brei« erteilte unb ihn 311 c 'lu&fühtung befthnmtc. Tiefer Belgier 3 üt)lt feit einer Bcihc »otv 3 ahr«t' ju beo bcbcutcnbften aJicbaillcnlünftkru unferer 3 cit. unb cs seidjnct 
fich tu ber Tat eine jeb« feiner Blaletten burd) eine befDtibcr« feine Technil unb eine ftiloolle Auffafiung au«. ‘Auf ber uorli egen ben Sülebaille finb ber 3 wecf unb bie lolak Bebeutung 
bcrfclben in einen gut erfunbenen (Eintlang gefeßt: ein Arbeiter fteigt bic t’öwcntrcppcn bcs Brüficlcr ‘.Hathoufe« hinauf, in ben ftättben bas 3 tuflnis feines «fleißcs, unb empfängt 
bofüt bert Siege«kang oon Öcr A})an 6 ber burch «ine ^raucnfleftnlt ft)mbolifierten Stabt. Vlud) bie Büdjcite ber AJicbciitk, ber berittene Pverolb, ber ben Bornen bc« B^^ff^önten 

ocrfünbel ift originell erbad)L 


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9fr. 3422. 28. 1909. 


2fHuftrirtc 3eitung. 


137 




©letcoroloflio“, am r». Juni 
1 R 48 ju Ällcinouj bei ©nie. 
berg geboren, -f i n © 0 t«. 
b-am am 19- Januar. 

I>r. Jeimann üfd). 
I er,lan9fä brigerGljefteDat* 
teur ber „tßartcnlaube“ 
furnierte in Ccipjfg gjje.* 
bijiii, manbtefkf) bann bem 

3oumali«mH» ju, tourbp 
1886 «Rebnrtoitr brr „ffiar- 
tenlaubc“, machte al« beten 
(Ehefrebofteur bie oerfdjir- 
benen XEtanb lungert d«, Bet- 
tag* burrfj, am 15 . gjig rj 

184 fi 311 '©ctersmalbe (Oft. 
pTcuffcn) ßrborert, f in 
Berlin am IG. Januar. 


31)eater unb SDlufiL 

— J&a^ncr- 

Ijof“, ed>toanf oon In. 
ftan IBcmarb, bfr am 
4. 3>3cm b erl 908 im Il^tre 
SRidicl ju ©ari» gflnftig 
mifgenouimen mürbe, (ft 
in Berlin oon ber 3enfur 
»erboten tuorben; e$ follte 
am D»eutfd)en Iheater jur 
«liffüljnmg tommm. 

— „ SDieiFter lutti“, 
V®ff« mit ©cfang unb Xanj 
in brei Mitten 00 n J^n 
Wrcn unb Wlfreb Schorn- 
felb, erlebte unter SOiitoip 
funß oon HIcianber (Bi. 
rarbi am 1 $. Januar ihre 
ungeroöhnli«h erfolgreiche 
ffrftaufführung am lijoHa. 
theatcr 311 ©erlin. 

— „ 9öl r 9. D 0 1 **, fluft. 

fpiel in bret ttufaflgen otm 
?ö. ©omerfet SRaugham, 
beutfd) oon «. 'Po «fon, ein 
deutlich fdjales, and) burd) 
etltdjc bcrb-fomifdje © 3 enen 
nid)t genieftbar geworbenes 
Wert, e^teltc bei feiner 
iSrftauffühnjng am 16 . 3 a- 
nuar im Königlichen Schau* 
ipielhaus 3U «erlin nur 
müßigen Beifall 

»Da«- ©immel. 
betf, ©aubeoille in brei 
Mllte»u>ontt. «riffon, SRufir 
oon J. Jrreuclle, fanb bei 
feiner Chrftaufführung am 
19. Januar im Berliner Cpe* 
rettend) eater b« Welten« 
bei einem genügfamen ©u* 
blifnm oielcn Beifall. 

— H Ben 0 lu tion«* 
bodjjeit“, Sd)aufpie[ in 
Drei Mitten oon Gophus 
©lieft ad i<>, ba« mit Derben 
unb meift nicht neuen 
fff feiten 3 Ufltrflfti« auf ge* 
baut ift, fanb bei feiner 
beutfehen ffrftauffüftning 
am 21 . Ctanuar int ©ebbel- 
Iheater 3 u Berlin oiei 
Beifall. 

— „D ic frem be 
^rau“, Scftaufpid in oier 
Mitten oon WleranbcrBtffou. 
eine mit Den bcTbften 9tüfp> 
unb Gcftauereffeftcn überfüllte Wrbeit 
Des ab feder ©offenfabritant ftet« 
gern gcfchenen Jranjofen, roedte bei 
[einer ffrftaufführung ant 23. 3 a* 
nuar tm Beucn Xfjcater su Berlin 
oiel «Rührung unb Beifall. 

— ©rof. Atari ©anjner in 
Bremen mürbe junt Gtäbtifcfjen 
ütufilbirettor in Düffel bori ernannL 

„Bub ob ct 'Dl 3 bei*, 
Cperette in Drei Elften oon Jdir 
lönttann nnb Bbolf Mlltmann, 
'JJtufit oon Bruno «branuftitäbten, 
toar bei [einer rcichsbeutlchcn Ur* 
auffüi>ttma, Die am 23. 3<muat im 
SReucn £)perettentl)eater 31 t ifcipiig 
ftattfanb, oon burd)fd}lagenbom (Er* 
folg bcflleitet, ber pimeift berliebens» 
wärbig flotten ffrfinbung^gabe bes 
(ungen .«amponiften 311 bauten mar. 

— «Don Ciuanito“, Jtomö« 
bie in oier Mitten oon B. 4 d)mi^, 
lourbc bei itjTcr Uraufführung am 
22 . Cfamtar im Vtann^cimer ©of* 
tjieater, bant bes in Dielen ©jenen 
mirlfamen, «eiftreidjen Dialog«, 
günftifl aufgeitöntmen. 

— „Don^uan» le^ tc«« ben- 
teuer", Drama in Drei Mitten oon 
tf»an* Ctto, eine etwa* [dnocrfl Affige, 
Dramatifcl) bebeutung-Mofe Diditung 
au* beni ftclbc Der fprifdjen SRe* 
naiffance, umrbc bei feiner llrauf' 
fill)Tung im jf>oft!)tfater 3 « Stuttgart 
am IG. Januar mit grofier 3urüd* 
tjaltung aufgenommen. 

— „Die erfteti Blcnfdjen“, 
Iragßbie oon Ctto «orngräber. iinb 
im iHefibcn.Ttljcatcr 3 u Stuttgart 
oerboten morben. 


Iotenfd)au. 

©obert ^au»monn, 

«rofeffor, ausgejeidjoeter 
(lellift, befinfjte ba« t(it)m= 
nafium in «raunfdjumg, 

Sd)üiet oan IheoDor Blül* 

Ier (bem ffelliften De* altert 
©Killer« Quartett«), ftubierte 
1866 bt« 1871 auf brr 
Berliner £o4)fd>ulf unb bet 
«iattt in Vonbon, toar oon 
1872 bi« 1876 aRitglieb 
b« ©räfli* öod)berg[d)en 
Quartett« in Dresben, feit 
1877 yel)rer an ber ftflnig. 
fidlen ©od)fd)ule in Berlin, 
würbe 1876 SRitglieb beo 
3oad)tm » Quartett« , am 
13. Mluguft 1862 3 u Bott 
lebetobe (f>ar3) geboren, f in 
2Bten am 18. Januar. 

«Ifteb ®raf ü. fcont- 
pefdj, befannter «arla= 
mentaricr, befudjte bas 
®tjmnafium 3U Düffeiborf 
unb bie Univerfität «traft- 
bürg, too er 3 ura unb Warne- 
ralien ftubierte, übernalint 
bie oäterlidjen [Rittergüter 
$urid) unb ©djloft Buricb 
im ftreis ffrtetenj, geljbrte 
bem lonftituierenben unb 
Dem elften norbbcutfdien 
9?etd>4tag, fobann bem 
SReid>«tag fefbft feit 1874 
als einer ber |£üf)rer bes 
3entrum» an, Bertrctcr be* 
«Jafjlbreifes Düren = 3^1« tft, 
war lebenslönglictje« fflltt- 
glieb be«preufti[<l>mA><ncir 
häuf« für ben LSrafenoer 
banb bei SUjeinprooim, ani 
16. September 1826 auf 
Sdjloft BoorDt (Belgien) 
borm, | in Berlin am 2 1 . ^a 
nuar. (©ortrüt f. S. 136.) 

Dr. ©ermann 9Jiln* 
towffi, ©rofeffor ber 
Btathematü, ftubierte in 
WönigsbergunbBerlin.prP* 
monierte 1885 in Wönigs- 
borg, mürbe 1887 ©rioat 
bojent bafelbft, 189» oufter- 
orbmtlidjer ©rofeffor in 
Bonn, 1896 ©tofeffor ber 
höftetn ©latljematit am 
©olt)ted)m[um in 3flTicti, 

1902 an ber Unioerfität 
ööttingen, jugleidi Diret* 
tor b«*S©atherrtatif^*©ht)fi* 
lalifdjen SemiitaT®, am 
22. Cfuni 1864 ju Mlleioten 
(Buftlanb) geboren, t in 
Böttingen am 12. Januar. 

Bubolf ©atme, ©ro* 
feffor, oortreff lieber Crga- 
nift unb S<b8pfer wert- 
ooller Crgelmerte, Sdjüler 
oon MC, Bitter, feit 
3af)ren an Der ©eiligen- 
<^eift*£tird)e 3 u ©tagbeburg 
tätig, am 23. Cltober 1834 
,)u Barbg a.ff. geboren, f in 
©lagbeburgam 10. Januar. 

©rin 3 ffrnft oon 
<5a<f)fen-aöeimar-Cife- 
nad), ber britte Softn bes ©rin* 
jen ©errmann, eine« ©etter« 
bes ffiraftherjog« Wart «Icranber, 
unb ber ©rittfeffin ©ugufte oon 
'Württemberg, ftubierte Juris* 
prubenj in lübingen unb Jena, 
promooierlc 3um Dr.jar., betrat 1885 
bie milit5ri[d)e Vaufba^n al« Veut« 
nant beim 1. Württemberg ifdjon Dra« 
gonerregiment Wbnigin Cfga, 1891 
Oberleutnant unb Mlbjutant ber 
27. ÄapaUericbrigabe, trat 1892 ab 
ffslabrondjef raieber beim [Regiment 
ein, 1897 bl« 1900 jum (Bencrab 
fommanbo bes 13. Mlmieetorps fom* 
manbtert, 1901 mit ber jüftrung be« 
Dragoncnegimcnt« W&nigin Olga 
betraut, 1902 Cbcrftleutnant, 1905 
Cberft, feit 1906 al« Qbcrft 4 U suite 
ber wflrttcm ber gifd)en Clga.Dra* 
goner unb itommanbeur Der 21. Ra* 
oalleriebrtgabe in Jrantfurt a. ©l„ 
am 9. Mluguft 1859 ju Stuttgart 
geboren, f in ber ©cifanftalt ©eu« 
mtttelsbad) in ÜJhlndjen am 19. Ja* 
nuar. (©ortrat f. ©. 136.) 

Dr. «. 2B. ft. Sprung, ©ro> 
feffoT, erfolgreicher ©leteorolog, ftu- 
bierte unb promooierte 1878 in 
2 wP 3 tfl, »urbc Mlffiftent an ber Deut* 
[d)en Seeroarte in ©ambUTp, 1886 
BbteUunQ9POTftcf)cr be« Wänigüd) 
©reuftifchen [Dleteorologifdien Jnfti* 
tut» in Berlin, 1892 ©orfleher be« 
'JReteoro[ogifd)* 9 Ragnetifd)en 3 nfti* 
tut« in ©ot 5 bam, lonftruicrte 3al)l< 
reiefje »ertoolle ©egtftricrapparatc, 
oerfaftte mehrere, oid beachtete 
wiffenfd)aftlichc ©ublilationcn, bar- 
unter ( 1885 ) Da* „Oel)rbuch ber 


Da« ©ird)ou)*DenhnaI. 


Da« [Relief auf ber ©üctfeitc be« Denfmal«. 

Das 3lir^otö = DcnfnxaI für Scrlin nad> bem nunmehr 3 ur flusfüjjturtg beftimmten (£titwurf 

»on gri^ ftlimfd). 


7;act> pl)oionraol)iid)cn ttufnaljmcn oon ftrani t'intborft in ©alttifee* Berlin. 


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SRad) bcm Äcmjert. Cric|irt(U 


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140 


SüuftTirie 3*^9- 


9far. 3422. 28. 3öttuar 1909. 



Strauß -öofmamtstfial „özleftra". 

„Tos gflrdjtc-rlicfte i|t nid)t für bn» $crj 

De» Wen fetten! rBrnn «stomml, warn cs lieft anieifll, 

io ntu& man flficfttcn au© ben ©fluirm!" 

'TNfr 25. 3anuar machte bie ©eit Des Theaters um 
^/cinc SenfaHatk rcidter. Sie hk|; JKcttm*. 3tättc 
6 « (üebutt: Xtesbctt. Urheber: 5Hid)rtrb Strrtufj unb Hugo 
o. fyofmannsthal. ©itheifer: ber fünftlerifd)=gläujenbe 
ord)e|trak, fjemfehe, foliftifchc (Apparat Der königlichen 
Hofoper »mb ein berühmter (Saft. 

Ten Gt)«raft« ber Senfation trug bic beinahe ängft* 
litt) anmutenbe Heimlicfjteit, bie bie Befnuntgabc Des 
AUaoicrausjuges*) beriüngften Schöpfung Des „oalome"» 
komporriften erft am Tage ber Uraufführung ocrjtattctr. 
Senfntionell war ferner bas (Erfdjei neu ber Bonität an 
ber Spitj« einer regulären 3trauf)*i>cftjpiclwochc, beren 
Bbonnenten gejmungen waren, beut neuen ©eri gleid) 
jweimal ju begegnen. Senfationcll war, weniaftens für 
beutjd>e Berhältniffc, Die nad) Baireuther TOufter ju. 
gcfchnittenc £töhe ber (Eintrittsprcifc. ©iuber lenfationell 
war fdjtichlid) ber äußere (Erfolg. 

^unödjft einige ©orte über ben Text unb feinen 
Xichtcr. TasfchÖngcroaltigc Sd)idfal$bramabcs Sopholtes, 
bas 'Jlietjfche mit ben ©orten fennwidjnet: „Ter hellenifdye 
Tidjter berührt wie ein. Sonnenftraljl bie erhabene unb 
furchtbare ©emnonsfäulc bc© Btythos, io baft er plö^Hd) 
ju tönen beginnt, — in fopholleifcheii Blelobien bat fid) 


mit ornamentalen lt)ri|d)en Schwelgereien im ©uube r in 
bionqjifchcm Sinnestoumel in fid) felbft ju|anunenjubrcd)fn. 
Tie f>aublung ber Hofmann«thalfd)cn „(Elcftra" fann wo 1)1 
als bclannt oorausgefet)t werben*). Bn biefer Stelle fei 
nur nod) auf bie Bbättbcrungcn fjingfujicfen, bic ber 
Tid)tcr, nadjDem fid) Strauft jur Bertonung biefer 
Inigöbir rntfcbloffcn tjattc, auf ©unfd) bes Aomportiftcn 
oomaljtu. 

Tie Tenbcn, non beren 3 mang bie BbänDcruupen 
geleitet würben, fdjeint oon mehreren (<»efid)t$punttcn 
beeinflußt worben m fein, „-iunäihit tjanbeln* es fid) 
barum, alles nur irgenbwie entbehrliche Beiwert ber cor* 
bereitenben Tialoge ju entfernen. So finben fid) neben 
ial)lreichen ©eglaf jungen fehein bar bclanglof er ©enbungen 
aber aud) einzelne größere Stellen geftridjen, 6ie für bic 
intimere Bfgdjologie, wie fie bas ©ortbrama crheifd)te, 
oon Bc Deutung waren. Bcifpiel* weife in ber erften 
grofteu Jwiefprache )wifd)en (Elettra unb (Ehrujotheinis, 
roobureh bie oon .f)ofmannstt)al in feiner Urbid)tung mit 
einer gewiffen Ciebe belyanbelte jüngere Iad)ter bes 
Bgameinnon, in oicier Hinficht Des Tid)tcrs ctgenftc 
Schöpfung, oon ber De© SophoMes Borbiiö laum etwas 
weif?, im Textbuch faft 311111 Dbjeft für bie ©ahnfinnsibeen 
ber (Ekftra uirüctjtntt. ©ic fehr es Straufj barum ju 
tun war, bie patlyologifd)c iheftalt feiner Titelhelbin 
3um bcoorgigten ©ittelpunft Des dntcreffes ju ftcmpeln, 
■ert|dlt aud) aus ber Sjeue, in ber Älrjtdmneftra ber un- 
gebärbigen Tochter, bie fie gleid)3eitig haftt unb fürd)tet. 


9?i(I)atb Strauß „(Eleftta": Der innere £of pon Ältjtämne^tias ^klaft; I>ienerittnen unb 2luffe^erinnen 
um 3id)brunnen. Ongtnal 3 eic^nung oon (&au[e. 

cf rfte tUtnflO: „Tnfi bie Atönigin Jolcft einen lämon frei in &au« unb fiof (ein 'IBefcn treiben 


fd>on jo tnand)e Bearbeitung unb ©etamorphofe gefallen 
(affen iitüffen, wie ja auch ber ttlcftra=Stoff felbft ,?al)I« 
reid)c 'fJoeteii angeipeft h«t. Bon Boltaire unb 2Uficti bis 
auf ©ilbranbt unb ©UamomitpSRöUenborff. Ter jfmgfte 
Äleftra-Bearbeiter ift ^tugo v. .ftofmannsthal, ber 1305) 
mit feiner Iragöbic au bie Cffentliehfeit trat unb bei 
bereu Uraufführung im SU einen Ihcater 311 Berlin einen 
nachhaltigen (Erfolg baoontnig, einen (Erfolg, ber bem 
feltfam fühnen 2Derf bie Pforten ber meiften Bühnen er» 
fd)lof). Ter talentvolle ©iener ?teiiroinantÜer, ber 3 u»or 
mir als ügrifer Bead)tung gefunbrn unb feither mit feinen 
weiteren bramatifchen ©erteil „Tas gerettete süeuebig“ 
unb „Cbipus unb bic Sphinx“ nur geringes (Oliid gehabt 
hat, bytidjitet« feine „tfieftra“«Tranöbie als „frei nach 
Sopbotlcs", , 3 umcift weht bem <bninbe, um auf btc 
Duelle, aus ber er bie (Smnbftoffe tu feiner 'Jlrboit nahm, 
itn fflegenfa^ 311 ben Tranien bes ^fd)i)lus unb (Euripiöcs 
hitt^uweifen, nidjt aber, um feine llmprdguttg bes antifeu 
Stoffes als oom fophotlcifdieu (heitius geweiht 311 bc^ 
)eid)nen. 9tid)ts wäre freilich and) oerwog euer gewefeu! 
Teitn oon bem antiten Borbilb hot .Qofmannsthol nur 
bk llrnriffc, 'ilUrfuugcn utib Flamen übernommen, («reift, 
Seele unb (Empfinbungswelt bes Tramas, nid>t ,?ulem 
auch bie Xcnbcnj ber Spradjform ift unter feinen feinen, 
nemöfert fjänbett eine grunbaubere geworben. 2 lus 
bem aus ehernen Duabcnt nrfd)id)tcten Tranta ber Blut» 
tadje, über bem nnweigerlid) ber 'Jüille bes Sd)idials 
waltet, würbe ein glüheitbes (üeöid)t hofterifdjer Sinnlich« 
feit, beffen .{xelbin in brünftigen 'f3aroxi)smcu fdjwelgt 
unb auch »or traufhafter 3ävtlid)leit ber eignen Schweftcr 
gegenüber nicht surücffdjredt. f)ofmamistl)üls Sprach* 
nu*ifterfd>aft ihrer ©efensart uad) weit mehr orienta* 
lifd) als hellenijct) befrudjtet ift über biefes ucroöfe 
(t*ncd)entum ausgegoffen, beffen McprÜfentautinnen aus 
einer extremen Slffettfituation in bie atibere fallen, um 

•) Sriducneit Sei StOolf JvOr ftner iit ®erUn.; ritte nuibtleeftniletie 

aJteiitcrlnjtuno oon Ctto «inner, auch inoonntuftiM) hrrvurraaenoaus» 
nepaltct, IciOet ater mit einem fteiiptdlo* jul* »int» aeiilnnurtimOrifleu 
Umfdiltinsbilb in»n l?ont6 C£«riiith beoadst: aurft eine 3fni.uion, fie 
öfll (cftUituttjlcIt Vtbnunoen beireffs bes 'illcrlc-j fcLbft bie ‘illetj 


ohne bod) 311 uerfchmähen, fid) ihren Sehcrfitm nut(t>at 
?u machen, CEinblicf in bie furchtbaren Dualen ihrer 
Träume unb Mächte gewährt: ber felbfttrügerifdje fHed)t* 
fertig uitgsuerfud) ber (hattenmörberiu fiel bem fKotjtift 
311m Cpfcr, iubeffen bie fchaurig-plaftifchen 9iad)fbilber, 
bie (Elertta aus ihren blutrünftigeu ©ahmvorfteliungen 
heraus entwirft, nid)t ber Sdjwefter, fonöeni ber Ulutter 
enthüllt toerben. Tic Qnbcrung gcfd)ah wohl, um bk 
au utib für [ich f<hon breitgefponnene, fürchterliche Sjene 
nod) mehr ms (frauenhafte 3U fteigern. '©eiliger er* 
lldrlid) ift bie ftürjung ber Sjene, in ber (fleltra bk 
Schweftcr im3töonge einer 91 rt ^ppnofe 3111 Ausübung bei 
©orbtat beftimmeu will. (Es fei benn, baf) ber (fruitb 
barin au fliehen ift, bng felbft einem Mid)nrb Straub 
biefes ©üt)tcu in pathologifchcit ©ahnoorfteltungen, in 
betten ber nimmer fatte fiofmannsthal fchwelgt, ju oiel 
geworben ift. Tod) crfcheint biefe Cöfung bes 'Jlütfels 
migc[id)ts ber fühlbaren ©onnen , mit benen ber Ton* 
bici)ter fonft in peroerfen ©ogeit plätfchert, wenig glaub* 
hoft. Tk bebeutfamften Wbänbcrungen finbeii fid) am 
Schlug bes ©erfes. '©öhrenb bie Original bid)tung nach 
bem Cnbc bes Vigifti) in rafd)en , granbiofeu Schritten 
bem Sd)luffe .pieilt, forbert bas l'ibretto im 3d)atteii 
ber Dcrwcfenbcu ßeichen nochmals 311m Bcnueiicn auf. 
(Ein Janegefang ber Sd)weftern muh überwunben werben, 
ehe bie töbgeweibte Bgamemnonstod)ter fid) 311m wolluft« 
taumclnben Tobestan.ic anfdjidt, an beffen (Enbe ihr unb 
uns bie (Erlöfung oon aller Dual winft. 

Unb nun ?ur ©ufit! Seit ber am 9. Tejember 1905 
au berfelbeu Stelle erfolgten Uraufführung ber „Salome“ 
ift uitenbiid) oiel über Strauft als Biufübramatiler , als 
erfolggelröuteu ^ropagaubiftcu ber Spmphontepper 
gefdjrieben worben. 'Jüas biefeni gewinn burftigen ©ujifer, 
bem, am SDlahftal) ber (fege 11 wart gemeffen, bic Br.teid)* 
nuug eines genialen Aiapfes nid)t ab)ufpred)en ift, oerfagt 
blieb, folange er mit feiner bramatifchen Munft in ben 
Baljnen Bidjarb ©agners waubcltc, bas fiel ihm in ben 
Sd>of), als er fein eminentes Atönnen, feine mühclofc 


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lea« bdlmt. •) JKr. 3U&4 

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SI&6 Wr ff 3llultr. Jip." 00 m *i4. Xc)fitib<r 190:1. 


©ehertfd)ung einer bis bahin unerhört pol«)ph | » u, * , 2 d)reib- 
weijc, fein« ^äl)igfeit, jebent CJnftnnnent bie gefteigertfte 
Sfala an Mlangcffclten ab.pige winnen, unb bie tfabe, 
grobe ©ifocrlidtfeiteu mit bem Schimmer finnlicher Schön» 
heit 311 pcrgolbcn, in ben Tienft eines Tramas f teilte, 
bas — au fid) (chon gau? auf einer feltfam einbringlicheu 
21 rt oon Itaulhaft-crotifdKr Stimmungsmalcrei auf gebaut 

nur auf bie Bertonung burd) Widyarb Strauß gewartet 
ju höben fchicu, um feine |d)on etwas matt geworbene 
Alraft wicbcr flott ju madjen. 9ln Stimmen, bic n ad) 
feiner „«alome“ fd)were Borwürfe gegen ihn erhoben, 
hat es nicht gefehlt. Tod) aud) nidyt an folchcn, bie 
mit berebtem tEuthufiasmus für ihn eintraten unb wo« 
möglich fl«t her in ©ufif gefeßten Bcreerfitftt ein 
(Erlöfungsbrama machen wollten. Ter ©eiftcr würbe 
gegen ben Borwurf, baff er fid) ben graufigen Stoff nur 
um ber ihm innewohncuben effeftreichen Senfation willen 
rur Bertonung crloren höbe, energifd) in Schuh genommen. 
2lud) augefichts feiner „Clettra“ wirb es an fold)cn Stimmen 
nid)t fehlen. Bber ab fie (flauben fiubeu? «U.?unahe 
liegt ber Berbad)t: baf? ber Tonbichtcr, nachbcm er feine 
Begabung crtaimt hatte, juft für bic Busprägung l)i)jte- 
rifcher ^rciuencharattere in mufilali|d)e ©ünje ben rechten 
Slusbmd 3ur $anb 311 höben, [ich eiktifl unb allein oon 
ber Hoffnung auf neue Siege leiten lief), als er ben tBunb 
wege'n Der „(Elcltra“ fd)lof). Tic ©ufit ,?ur „(Eleltra“ be« 
beutet gegenüber ben mufitalifd)cn 3llu|trationen )U ©übes 
Trama leinerlei fouberliche ltberrafd)uug. ©ie bort, fo 
arbeitet Strauffaud) hier mit einer frappanten Behmfchung 
Des riefigen Crd)efterapparates,init einer relatio bejehränften 
Bnjahl oon wirtiamen thematifdteu (Einfällen utib mit bnrf« 
tiger melobifd)et (Erfinbung. ©ie Dort — ja noch in ge« 
fteigertem SJcafje — liegt ber Sd)werpunlt ber mufitalifcheu 
$Uif)crungen, besBusbrncfs, b<r(5haraftcrifieruiig, basganje 
Seelenleben bes Tramas in bem Crchefter, bas in einer 
bei einmütigem oöreti gan? unbcfinierbaren («icftaltungs« 
fähigkit nicht nur jujn Tolmetfd) ber intimflen Begurtgen 
Der Bcrfoneit oor unb hinter ber c3cuc wirb, fonbem 
fid) aud) mit aufbringlid)er ©olluft 311111 3llufhrator oon 
loftümlidjen unb mimifchen Tetails macht. So malt ein 
nervöfes Thema bas „k>litfd)en im Blute", ein anberes 
bas „Schleppen uub Schleifen bes Dpferjuges“, ein Drittes 
bas „SUirrcii Der (Ebclfteine“, bic Alliytüiuneftras Schmud 
bilben. Tie 'Ausgrabung Des Beiles, mit bem Der 
Bad)caft oolljogen werben joil, wirb ausgiebig bar« 
geftellt, nid)t ininber bie Beilhiebe felbft, bk Bgaruemttcm 
trafen. Ta neben fehlt es aud) an pfndjologijd) begrün» 
beten ‘JDlotioeu nid)t; bod) tritt hierbei bie Schwäche 
Strausens, ber oon je mehr ein »linber als ein (Erfinbcr 
war, in bcu Borbergmub. ©eher bie uerfchiebc neu Themen, 
Die bas 3imcnkbcn (Elelttas, ber lihnyfothemis uub ber 
ÄlQtämneftra illuftricrcn , noch bie Formeln, bie ben 
Sd)lüffd ju bem (Eharattcr bc>3 Creft geben f ollen, finb 
fonberlid) überteiigenb gewühlt, unb aud) Der JVreuben» 
tan3 ber (Eleltra ift lein glüdlidKt ©urf. Start muhte 
befrembeu, baf) ber Tonbichtcr oon prägnanten Anleihen 
bei feiner eignen „Salome" freigebigften (ficbraud) gc« 
madyt K>at ; fo ficht bas .Stiied)tf(haftsmotio ber (Elcltra 
bem ijiauptthema ber y)erobiastod)ler jum Benocchfeln 
ähnlich, Der feige Bgijth fchmüdt fid) mit bem flattemben 
imifitalijd)CTi ©aittel bes Jäcrobes, unb bie rl)i)tl)mifd)en 
2Uit)d)ni bes ^ubenquintetts haben ebcnfowohl wie ber 
Jf-ludy bes 3adyanaan wieber in ber „(Eleftra" Berwenbung 
gefunben. 9lm ftimmungsfichcrften offenbart firfy Der um 
Hilfsmittel nie ocrlcgcnc (Eflelti)ismus ber Strauhfd)en 
Btufc au ben Stellen, wo er, auch ber lebten Bücfficht 
auf bas bcflamierte ©ort oben auf ber Sjene kbig, mit 
bem riefigen Snftrumentalapparat allein hantieren Darf- 
©lie es ba glimmt unb glüht, jifd)t, fudt unb jtöhnt! Bus 
bem mit raKo)>^ ottifcl)«n ilnmdgUd)tettett uub rl)»)tl)mifcl)eti 
Salto mortale« gefüllten s>cicutcffcl bes Drchefters jteigon 
aud) femft melobifdje Blüten auf, farbenprächtig unb 
Duftig genug, um fiir Slugeublide weuigfteus bie (Ei je n tri« 
ji täten eines hüftcrifdien Böron)smus, Der über bem (hau' 
ten fein mitleiblojes Jepter fdywingt, oergeffen ?u iaffen. 
So fehr an fid) aber bie tütjnc uub enorme tontrapunf» 
tifdjc 'Arbeit iutcrcf jiert, fo wenig tarnt aus ber Tota- 
lität biefes meift ftunngepcitfchteu Djeans non Tönen 
etiv»eld)er nachhaltige (henufj geboren werben. Tafür 
finb bie Bortiige 311 gering: fie ocrmögeii bie aus bem 
SRangcl au real-biamatifchcm (Empfinbcn unb bem fehlen 
normalen Sd)önl)eitsgefül)l‘i refultierenben Tcfefte min 
einmal nicht auf 311 wiegen. So bleibt rin Beft, ju tragen 
peinlich l 

Tie Söertung Der ncuften Schöpfung StTaußens barf 
nicht befdjloffcit werben, ohne wenigftens mit einigen 
©orten ber Interpreten ju gebenfen, bie ihre iträfte für 
bas uubcfchrciblid) anfprud^oollc 2 LVrf cingefeßt hatten. 
S)euifd) bietet bk Tragöbie, bic fid) ohne Tetorations- 
wechfcl in hunhertfünf ©i nuten abfpirlt, leine nennens» 
werifii Schwkrigkitcil. Tie unheimliche Stimmung bes 
Bühneubilbe* worb attöerswo fdion beffer getroffen als 
Diesmal in XrcsDcn. Buch bie E'öfung Der Hoftümfragc 
war nid)t Durchweg glütflid). ©0 blieb bas Hellenen- 
tum? (Eine ganj unoergleichliche ©eifterlciftung ooll» 
brachte bas au*s l)rmt>crtt'vci ©amt bcftehvnbc Crdjcftcr; 
einen beffern Biloteit burd) bie jahlreichen tlippenftarrcnDeu 
Untiefen feines ©erfes als (f nift 0 . Schuch Dürfte St rauf) 
foum fiubeu. (Eine Xalcntprobe 0011 imponierenber Boll- 
eribung ift Die (Elettra ber irrau Almll 311 nennen: in 
barftcllcrifrfjrr, beflamatorifdjer unb muftfaUfdycr ir^trrf icE)t 
erfchöpfte fie bas tranthafte ©efen biefes (Eharafterö bis 
,iuc («ilaubwürbigtcit. B 11 Schärfe ber ©cftaltnng unb 
Bert»irflid)ung bes 2 Bollen« oon Tichter unb Atomponift 
ebenbürtig erfchien ftrau SdyumaumHeind als halb Schau* 
ber, halb »JJlitleib wedenbe ttlqtdmucftra, Ijititcr ber bic 
(Ehnyfothemi« Des ftrl. Siems etwa« jurüdftanb. 5 ür 
ben Creft fanb H«* Berron plaftifdje Töne. 

Ter (Erfolg bofumentierte jich in jahlreidycn Heroor- 
nifeu. Tamm bleibt bod) als Ccterum censco bas an 
ber Spi^c biefes 91 uff<it)c& ftehenbe ©ort bei uad) yiebe, 
tfidjt unb Xinft pcrlnngeuben (Sl)n)fothemis in .(traft, 
liub bic Stuubr wirb tontmen, ba wirb bas Bublifum, 
hat es erft einmal feine Beugier befrtebigt, aus bcu Iheateni 
flüchten, fobalb Der Tramatilrr Strauf) feine Stimme er- 
hebt. Biel leid) t tiid)t hr«tf, tttd)t morgen, bod) in naher 
3 utunft. ©emi anbers . . . wahrlich, bann wäre ©agners 
©irfeti unb ©ollen ein ©ahn gewefeu, bann loärcu wir 
feiner ©erte nicht wert! Ctto Sonne. 

' linal from 


Origi 


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• «. 




iRidjarb Straufe’ „SUflta": fttylämneftra erfdjeint mit ifaen ^Begleiterinnen in ber 2üre ks ^alaftes. JCxiginaljcidjnung oon 2B. (öaufc. 

Hlqtamnejtra: ,01c 1|i Ikuu nid)t tDlberllcft. et» rrt*t toi« ein «tjt.* 


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9 ?iif)arb Girauf}’ „(EleHra“: Ort[t neigt |id) 3U (Eleftro, [ie 3U umarmen. Criginaljetrfjnung Dort (fcaufc. 

(flrllro: Ct*M Or«|»! 54 rfitjrl tfd) nlcmanb! C lab btint Huflcn ntidj Iclim, 3raumtrilD, mir ßridttnftr« Xraumbilb'* 


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X 


m * 


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3nu[trirte 3*ttung* 


143 


9h. 3422. 28. 3<nuiar 1909. 



X>ic I)amc in üunft uitb ttRobe. 

'T\te ütifpTud)9Doll|tc ttulturcrfcbcinung 
«</unferer Xag* ift bie moberne Dame. 

Sie in all ihren Variationen, bent fHaf* 
finemcut unb ber tyr eignen Delirateffe 
baTjuftellen, ift jetjt »on einer fMusftellung 
unternommen worben, bereu fRcinertrag 
bem ftonb» ber®rl)ohntfl&l)äu|ertnr Heim- 
arbeiterinnen jugeffifyrt lucrben joll. Ob* 
gleich bic 3icle biefer Uusftellung ben 
jntereffen ber „Dame" uu|erer Xage 
gelten follcn, begegnen wir bcntiod), 
was. gerabe bie Wöbe betrifft, auf Sdjritt 
unb Xritt Wtorifctjcn Storni nifoenjen. 

Denn biefe mfld)tigfte Xprannin ift heute 
ein ©emifth oon fo unb fo oielen Stil* 
arten, jtüifd>en benen fie unruhig h‘ Tt 
unb her fchwanft. 

Da btc ®tobe mit il)rem groben 
Apparat an Xoiletten, VJäfche, Kuweiter* 
arbeiten, Spieen unb Stoffen in biefer 
Vusftcllung burd>aus im Vorbergnmbe 
fteht, fo fommt man erft in ^weiter i?inic 
baju, ju überleben, wie fid) bie Dame im 
fWahmen ber Tcincn Ätunft unberfpicfldt. 

Vielleicht gibt ber non Xljeobor Veit 
iu Sühlnctjen gefdjaffene IReprafentations* 
raum hier bao reitbfte Vilb unb ben 
ftärfften lEinbmcf. Jtoölf non weiftem 
Wtull oerhülltc ffrtüblörper verbreiten 
oon bet Decfe an» ein gleichmäßig 
milbes l'icht. Sed)» Düren, oon mattrofem 
farbenen Vorhängen oeebcctt, münben 
tu beu ooalen Kaum* ebenfo oiele 
fd>male, fehr Hart .ttrijtallfpicgel unb 
bauchige Vitrinen, in benen Jloftbar* 
reiten aller 9lrtcn enthalten finb, ftatten 
ihn au». Die mattgraueu, (entrecht ein* 
geteilten 2Bftnbe finb mit bunricrni Hol.v 
wert eingefaßt. Sin wahre* VJwnber 
mobemer Xapifferie bedt ben Voben; es 
tft ein ricJcTigroher ooalcr Xeppicb, beffen 
uollc KajiwbOTbütefo ausgezeichnet fd)öu 
in biefen entjüdenben einzigartigen Saal 
pa&t, Velebung in bte äufoerft jurfldhab 
tenben färben bes (bannen bringen feet)» 
betör atioc Vilbcr Über ben Xürcn, in 
benen Kbolf ©ttinzer mit oiel ©rajic unb 
ftraft pbanta|tifd)c ©jenen aus ber roeib» 

Udjen Sphäre bargejtcllt h at - Da* Selbjtgenügen ber 
Schönheit ift in jroeien biefer Supraporten in munter* 
polier 91 rt burch nadtc babenbe ®läbcben illuftrie-rt. 


9hi»ftellung oon ber Xeutrdjen flmfrrin, ber Jtronprinjeffm unb brr ®rin$efftn CHtel «Trieb rieb- 


Den ©emtß an elegantem Damenfport jeigt un» ein p Kau- 
te» ®lobcbfimd)cn, bas einen bilbl)übfd)cn Vorn) rutfdjiert. 
(J-tne Schlittenfahrt im ®aufd)e oon Jarttid) feiten, 


Sianieoalshulöigungen mit ihren geheitituisüöllen Stei- 
len laffen uns ba bie ftreuben ber eleganten Sdjönen 
ahnen. 



Stepräfentationoraum oon Xh f °&ot Veit in Hlilnchcu mit Supraporten unb Xeppichentcourf oon 9tbolf IWürtjcr. 

Di« Dam« ht ftun|t unb SR ob«. (Elite, ‘-Berlin.) 


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144 


3Ihi[trirte 3 e ^ n 9* 


5Kt 3422. 2a 3anuar 1909. 




Tie neue« .Ouitformen der JTrübialvrsniobo; hohe «faffons mit Arempcn* und feitlichcr flvamierung. 
OTo&rllc (Regiuc iTricblnnbcr. 


Die übrigen (Räume ftctjeii dein. Befdjauer wohl näher. 
Tn litten aber fteigert fid> vielleicht flerabe das Ctntcrcffc 
der ^Frauenwelt am nitcnfiuftcn, weil fic ihrem intimen 
ijebcu gewidmet find, unb es wirb in ben Tanteufalous, 
den Sd)laf« und beit Toilettenzimmern (einen fiöhepunft 
erreidien. Vlud) ljiev i(t cs wieder Theodor Crit» Salon, 
der die größte Mn.tieftungsFraft austtben dürfte. G$ i(t 
zum. min beiten in ihm ^leuce* urtb ttühncs gegeben, 
ftatbeu wie rötliches Sfila und G (tuende Iblau gegen- 
einanbcrgcftcllt. So waren bic Wände in ihrer gleich* 
fall» lotrechten feinen (Einteilung mit lavcnbelblaucm, in 
(id) aemnftertem Stoff bofpaunt, Sofa und Seijel roaren 
rottila bezogen. 

(Rudolf Schröder (teilt ein loiletten^immer in Airfd)- 
bäum aus. 3n bem da neben liegenden, den ftäiibigen 
93efud)eru de* Roheit zolletm*.(tanftgcwerbel)auf es fd)«n 
lange befannten Schlafzimmer mit dem (Holjrgeflcchtbett 
traf man eine Blondine vor ber prachtvollen 'fifqchc beim 
Jrifieren, eine (Befdiäftignng, der (ie (id) in 'Bcnnaneu.z 
ergibt, allerdings ohne jede Vlnftrcitguug ; beim (ie i(t 
uon Hitachi bofjiert unb macht den ganzen Hlusftellungs- 
trubel (mie die Schar ihrer Kolleginnen, bie mehr oder 
minder vorteilhaft die hetrf<h<mbett in den «er* 

(djiedenen (Räumen uonufüljieu hoben) ohne febc innere 
(Erregung mit. Sie fitjt in einem Traum von Sri|tcr- 
mantel gehüllt, ber iit wahrer Blumen Zartheit ihre ftigur 
umbau d)t. 3u ihrer Umgebung fefjelt uns bie rcidie und 
föftbare Wüfd)«ni*ftöttung, die die geöffneten Sdyränfe 
füllt und Seifcl und Ghaifclonguc mie rin ^eengefpinft 
bebeeft. 

Gin anderes Schlaf) (immer üou (Rudolf und J>ia Wille 
machte bei grofoev Hlobleffc einen äufterft tjcimlidjcn (Ein* 
drud. SHelleicht lag das daran, dag das wrifjlacf irrte, 
einfache Bcttgcjtell oou einem Seidenoorhang in altrofa 
3Farbe umgeben uvar, den man aber glücfltdjenöeife jo 
turflcfgefchlagen hotte, bafo man den Änblicf einer herr» 
licf)en weißen 9ltlasbecfc, über bic (ich eine Spitjeiitooge 
ausbreitete, genießen tonnte. 

(Einen begriff davon, was' 'eine elegante Schöne in 
ihren Koffern notgedrungen beherbergen muß, befam man 
in bem Schlaf* und loilettengmmer einer überaus luru* 
tiöjen, aber menig „aufgeräumt eit" Tarne. Tod) (ie mar 
ja m ohl furz „oor der ?lbrei(e!" Bor dem Ghaos der 
Wftlichen Jutaten an ©ewänbem, Blufen, (Mänteln, 
Wäfcbeftücfen (tauben die (Befueber znnädift verblüfft und 
ein menig entfetft. (Ein auf -tiochtant geftelltcr Kleider* 
fehranf *9töl)rpldttenfaffer gab jchliefzlid) einen (Einhalt in 
dem (öetvirr; aus ihm quollen föftbare (Roben in reifen- 
dem gfarbcuafforb. Ter fmtfoffer lief) einen (Blicf auf 
moderne Mopfbebctfungcn tun , die umfangreiche (Be- 
frönungen der Krone der Schöpfung darftellten. (Ein 
Heines Vermögen lag allein in (ücftalt uon (eibenen 
Strümpfen, (hürteltt und Xafd)entüd)cm auf Seffeln und 
detn Teppich herum. Tie Bcfitzeriu all der JF>erriid)leitett 
felbft mar leider nicht fu fehen. Sie batte aber fchou 
gearbeitet (auf ihrem (Bett lag ein jraitjofifchcr (Roman) 
und gefrfibltücft, Gierrefte und Krümel mareu auf einem 
filbemcu Xcegcfchirr zu (eben. (Reben btcfein (Raunte 
mar bas mit febwarzen und weiften (Dtarmorfliefen 
ausgclegte, mit PMöswänben »erfeheue (Badezimmer uon 
Gruft Jnediuauu nebft einer (Rifdue, in ber fidj bie 
por3ellanenc Sademannc befand, (is entfprach allen 
pvaftijd)ori unb l)t)gienifcheu Hlnforberuiigeu aufs ge* 
nau(te. (Eine Iht’rttcriogc märe noch unter den (Rdumen 
ju nennen. Sie glid) KibCf mit ihren 'Bewohnerinnen, 
die (ich wäd)(ero und leblos in moberneu Toiletten 
fpreiften, und mit ihrer |ct)lect)t gemalten 'Jtauinpcrfpeltiue 
einer ^ianoptüumfzenerie unb gereichte daher der ?tus* 
ftcllung feinesfatls jur jicröe. 

(Eine bc(ondere 'Jlote hatte bas Untern el)men daburd) 
erhalten, dag bie Tanten der ©efellfcbaft an ber SpiRe 
die Teutfchc Aaiferin und die Aronprinteffin — bic tfus* 
ftcllung mit fehensiuürbigen Cbjeften aus ihrem privat* 
befih befchieft halten, llitfer 'Bild feiett die (Jlusftel* 
Uingsgmppe der Tarnen aus dem ttaiferhaufe. Hlud) 


die ^Jrin jeffin (Eitel 
Friedrich fandtc ein 
|<hr toftlurr geftidtes 
.VUeidungsftüdf unb 
Zwei ihrer Gpajier* 
(töcfe ein. 

HBas (ich i |n übri* 
gen in den einzelnen 
(Räumen als modi* 
(d)er Curus »erteilt 
hatte, umfafetenatnr* 
gcmäfj das gaiifc (f>c* 
biet der TomcmueU. 
Bon den neuen 
(Be(ud) starten (Ernft 
(Muf(cc|ers in SRftn* 
eben fehlte nichts bis 
zum neufteu VI ben b* 
(d>uh, von Aünf tl er- 
halt ö entmorfen. 3nt 
allgemeinen tonnte 
man, was im fpc ziel» 

len bic Sknfentation 

der Toilette betraf, 
dabei lagen, bah die 
ACeider, die nicht auf 
Vllact)sfigurcn aufge- 
zogen waren , mehr 
den ooritehmen Stil 
dcrVlusftdluug traten 
und einen bei uieitent 
oeTfül)Tcrifct>eni Gin* 
bruef niad)ten. Tie 
einzige Hlusnahme 
davon bildete viel- 
leicht die (tmippe 
de« (taufcs Aofterlih, 
bas drei ziemlich gute 
iyifturcn mit Toi* 
letten neu(ten Iben* 
res , darunter eine 
fchv faltig drapierte, 
por dem (Rodfaum 
abfdiucibcubc Spittcutunila, aufgcftellt hatte. 

3m übrigen fannte man, wicfchott ge(agt, beobachten, baft 
das einfach hiugclrgte föftbare illeid der 'Bhautajie mehr 
Spielraum unb den 9tci) gewährt, (id) eine indioibuelle 
Beriönlichfeit hineinzudeufen, eine Borftellung, die dem 
tüuftleri(d) Sehenden und feinfühligem Beobachter (gm* 
pat!)i(dyer ift als das rein fchncidcrlidje 3utereife, das bie 
aufgeftelltcn 'JJianneguins enveeften. Vlllerdings iverden (ich 
HORodeentJhufiäftiniien durch diefen Umftand wenig (töten 
taffen. Tas merfte man defonbers in dem (Raume, wo 
auf riefigen Wachsfiguren zwei <C>efcltfd)aftstoUettcn aus* 
gejtellt waren, vor deren Etoftbarfcit einzelne Be« 
fucherinnen nur nod) andächtig \u flüftem tvagten. Tic 
eine Toilette uon ge(tidtem TÜU über blauem Silbcrtuch 
zeigte die befonbere (Jleuhcit diefe« Winters, bie vicrccfigr 
Schleppe; die andere, einfeitig drapiert, cenferot und pol z- 
»crbrflmt, hotte hödijt cffcrtvolle ATriftallf tief erei erhallen 
('ilusfteller VB. VI. Spider, .(lönigliä)cr Hoflieferant, Berlin). 
Tic dritte Toilette aber, bie be(d)eiden und „topflos“ t)iittcr 
den beiden Wach«ric(inneu (tand, war erft „die toahrc 
Äönigstochtcr"; das mattblaue Bflwiepriuzi'ßfteib mit 
einer SpiRcutaille ftammte fozufagru aus der Sdnrnid* 
fct)atullc der {>rati Dr. ^anteo o. Bleid)töder. Seine 
föftlid) genähten .viandjpißcn umreit mit Tiamatttrn über« 
fät, und das unruhige (hefunfef auf bem efrüfarbigeu 
•Spißcngrimd roirltc geradezu tnärchenfchöu und bezaubernd. 


3n bie fribori)ianifd)e ^eit oerfetjte uns dagegen eine über« 
aus reizende uudphantaftifche Toilette aus himbeerfarbene m 
Samt mit ftameeufchmud unb fchmarz und roeifzem Olct?- 
wert. Tas Afleidchcn gemahnte (onderbareiujeifc, tvenu 
aud> natürlich ins Weibliche überfeht, an einen der 
berühmten l£a(faquius, die Friedrich der (ftrofze gern 311 
£>aufe trug (VlvsftcllcTtn ^-ran Winna Schmidt « Bürcflp, 
(Berlin). Tauebeu lag ein goldenes jvecnfleib, ein frau 
zöfifches Brodutt, das, wie and) die Toiletten, die (Ofabatnc 
(Eeeile Torei atisgeftellt hatte, echt freut zö(i(chen Cf>e(<hmaef 
und frauzßfifche Mleidergrazie befuudcte. Gs ift un« 
möglich, Z 11 fd)i Ident, was im übrigen au Toilettcnprad)t, 
SptRcnfchöitheit, feiu(ter Schuhmacherfunft, Stoffen. 
Sonnenfdjirmett, Rächern, Bijouterien und £>aararbcitcu 
Zit fehen tvar. Tie Äamen S. Ungar, (Emil 3acobt), 
VJIaifon Blaauw, 9luua Bcnon, C&erarb, Gniftao Cords, 
HJHdiels 11. Sio., Ctto VI. Aoch, Bi. Sdiöiteberg, 3. (Roedl. 
i>. 5B. (ürünfeld, VII er Sachs, B. Biauuheimer bürgen da 
für die (ErfttlaffigFeit der ausgeftellten Cbjefte der Glegauz 
und HJ?ode.^ Wie ber Tau in den ilrübliugsmorgcn, gc 
hören bic Sdjätze der (üoldfdjmiedefunft in bas Bcich dev 
eleganten Tante. Jnicr fdbicit ein fagenhafter Berten« und 
Tiamanten regen niedergegangen zu fein. Tic Ouwelcn 
befigeriunen der (üefelljctmit (oiuie die 3wtueltere hotten 
aus ihren Aleinodicn t)crgegcl>eii, was zu Staunen und 
(Bewunderung hiureifzt. Vlus dem unfibctfehbarcn Sebict 
der Toilette feien nur noch die Jrrühjahrshüte uon JJ-ran 
(Regine ^rieblänber erwähnt, die in (Eleganz und ittodenif ten 
formen wie feinfter iVarbcuzulammcnftellung erzellierteu. 
linferc Vlbdildung zeigt fic in den tgaupUnpcn der 5>rült • 
jnbrsntodc, die natitrgcmäf? jeßt fchoit jede ftrau intci- 
ejfiert. Gs tvird uns jdtwer, in diefem (Bericht die roundci ■ 
»ollen (Raäwhimingcn der (Ratur in heutigen hiiiftlidicu 
(Blumen zu übergehen. Hieben einzelnen, iKrrlichcii Grem- 
plaren von (BaUbufctteu und (f>arnituwn zierte« prachtvolle 
drforatine Sträuite (Hafen und (hefimje in den 3immcr» 
fojnt. Tas Sdtönfte unter diejem (Blumenflor war eine 
lange, dido (ftirlnnde oou .(Sun betten »on Tulpen, 3ris 
und Sternblumen (Vtiisftcllcr Julius Weigert, Berlin). 
Sie l)i«g verguiigliri) bunt und üppig, wie aus einem alte« 
ffiartenfoal entnommen, über einer Tür, einer Bl)<mtajic 
(Bcrwirnicbung gebettdr Bei ber Wanderung durch die 
flusftellunfl wurde inan überall oon (üemäldcn begleitet, 
uon beneu, obwohl die Hiamett .Maulbach# I'enbadt, 
Sargent, Crlif, ifaivreiice vertreten find, nur zu fagen iit, 
dafz fic leider eine Schilderung der eleganten Wciblid)fcit 
in ihrem undefinierbaren (Reiz »ermifjen ließen. Tie 
„Tante“ ift zmetr bei ihnen nach mehreren öeforativen 
(Ridltuugeu hin ausgedeutet worden, bloß nicht und) 
der, wo .Rleid und Berfönliditeit einander zum Vlus* 
dnidsmittfl werden, alfo das HJienfdiliätc, 3ndtvibuelU' 
fiegreich die Spitze«, Vttlas und Seide, Wodef(f)»itt uttd 
jfrifur und alles übrige Trum und Trau durchbricht und 
durchleuchtet. Hlud) bas Tä«umifri)c, bas einer genial 
erfundenen Toilette anhafteu lann, das iüi'heimnisvollc, 
ift nur in ganz geringem 'JÜlafof betont. Tas ift fchr zu 
bedauern, da es aus allett feiten und Aunftepochon hcrooi 
ragende Tamcuportrütc gibt, von Denen manches an fielt 
allein genügt hätte, diefe ganze VlusftcHung in eine l>öl>ci-o 
Sphäre rünjtlerifdier (Bedeutung zu riicTen. 3nteTcffanter 
waren die bildlichen Tarjtclluugcu von Straßcngruppcu 
und jufouimeufüufteit der großen Welt in Toners, in 
Sälen und bei (Rennen. Ta ift viel i^rifches und flottes 
zu fehen. (Einige (Hof otofzenen in Strichmanier gereichten 
Den Heineren Salons zur Jierdc; fie gaben 'Ähnliches wie 
die Aunftblätter, die den Aatalog fdtmücfeu, obwohl diefe 
uon (ehr orrfchiedcnom HBcrte find, ^föenfalls ift Somows 
Kiartenf zene befouderer Beachtung würdig; fic ift »011 reiz* 
voller Gigentümlidjfeit erfüllt. 91. G. (R öfter. 


'JÜlodcllc: J. Aofterlitt, Berlin. 


(üruppc «on modernen Toiletten auf uaturaliftiichen VlUtchsfigurett. 

Die Dame in ftunft unb 9Hobe. (^3^oL (Elite, Berlin.) 


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$üits £id}t: mkltausgang. 



146 


äQuftrftte 3«timg. 


9tr. 3422. 28. 3anuar 1909. 


3« Siterotur. 

Bon Brof. Dr. Sh. Kiqt. 

L 

H irt bas Problem bes ©Ion Ismus wirb gegenwärtig «in 
5 tampf ausßcfodjten, bem man con leiten bei 9 ?atii r* 
forfeßer wie ber 1111b ber an tßeologijdjen 

3entralfragen 3 nteref|icrten mit Spannung wenigfteus 311» 
feßaut, foweit nicht eigene Beteiligung bereits in eine «Stel- 
lung für ober wiber h»nringenotigt hat. ©ad) bem Stör« 
gange ber non ©aul Garns heran «gegebenen amerifanifihen 
jeitfdjrift „The Monist“ jinb jeßt, jettbem 1906 in jena 
ber ©loniftenbunb geftiftet würbe, aud) in Teutfdjlanb 
fpeaififd) moniftifche joumale begrünbet tporben; fo bie 
„Veue TB«ltan|d)auung M oon Dr. SB. ©reitenbad). Tie 
wirtfamfte ftörberung h<*t bi«l« auf einheitliche SBelt* 
bctrachtung unter b«l3enbeti3tl)corctifd)eT flagge gerichtete 
Bewegung burd) ^»acrfcls in »iflcn iaujenben oon Giern* 
plarcn oerbreiiete „UBelträtfcl“ gefunben- JDb aber eine 
folcße auf bie breiteften £d)id)tcn redjnenöc Vopularifierung 
bes an f-id) jcbcnfalls fct>r löblichen Veftrebens, bas ge* 
famte phofifdje unb geiftige Tafem mit bem Ginhoits* 
gehanten ber Gntwidlungsleßve 311 umfpannen, nid)t bod) 
il)r Vcbcnflicßes habe, weil nur alljuljäufig gerabe tjier 
fubjettioe TRctnungen unb unbctDielene Eßpothefcn als 
begrünbete SBalfrljeiten ausgegeben werben, unb fonad) 
ißre maffenhoftc Verbreitung fict) als verfrühtes Unter» 
fangen enucife, bas tft eine cbenfo nat)cUcgcnbe tuic |d)wcr» 
wiegenbe JSfrago. Gs 3eugt für bie Dbjeftioität ber ge- 
nannten ©lenatsfdjrift, baß in ißr aud) Vertretern eines 
ausgefprod)enen «Dualismus bas SBort oerftnttet wirb. Aber 
oor allem: SBas heißt Dualismus unb ©tontemus, Tßcis» 
mus unb Vantßeismus? Tiefe Kategorien befa||cn jebe eine 
große 3 <*hl möglicher Venlweifen nnter fid). 3 n feiner 
Abbanblung über „Tic ©renjen ber [Religion unb Statur* 
tDilfenldjafr t)at erft iüngft ber ©ießener «ßrofeffor ber 
VütuTTOiffcnfdjaft Abolf Eanfcn gur Mritif »on Earikls 
moniftifcher «Religion unb 'Naturphilosophie bte nicht un* 
jutreffenbe Sd)lußbemeriung gemacht: „Vkmim »erfcbrocigt 
ber ©lonismus, ber ben (Seift burd) bic Vnhir austrcibcu 
will, baß gerabe Vaturforfcher, ö. h- alle Vhufifer, bie 
jiage für öisfutabel halten, baß SOtateric burd) Übergang 
in (Energieformen oerfeßwinben unb burd) Umformung 
oon (Energie entstehen fönnc? Tas wäre ein anbercr 
©lonismus als jener jwei* unb »icl heutige ber »SBclträtfel«, 
ber SRaterie unb Gnergie als Attribute einer Subftauj an« 
ficht» beren Eauptb-eftanbteile ©iaffe unb Äther fein fallen." 
Von anberer Seite toirb fogar öcr auf bem ffltofai&mus 
rutjenbe d)riftlid>c [Monotheismus als ber wahrhafte ©ionis* 
mus angefeßeu. SBer es gewohnt ift, |id> niemals burd) 
mobifeße £d)lagroörter imponieren 311 laffeit, SBort unb 
G<xd)e {treng 311 |d>eiben unb bie Vielbeutigfcit aller in 
ÜBorte gefaxten natürlid)cn toie fünjtlidjen Vcariffe 311 
burdjfdjaucn, bem toirb es wilUommen fein, bag «ilrtur 
Q 5 ren >6 in einem jegt »ollenbeten 3ti3eibänbigen 2 Berf 
„®er SDionUmus, bargcftellt in ^Beiträgen feiner 
Vertreter“ {%ena, (£ugen Xieberidjs Verlag; 10 Jt 50 A) 
in Ijiftorifdjen unb fijfttmotifdjcn Ausführungen cinaclnc ber 
beroorrogenbften Vcfenner bes 90 tonismus 3 u 3 öortc fontmen 
lägt. 3 n ber (Einleitung errDähnt ber Verfoflcr bie oer» 
fd)iebenen, oft fei)* poncinanber ahmeichenben Ühcarien 
unb empfiehlt jdjliehlid) ben „ronfreten Vtonismus" 
Gb. 0. Startmanns als bie Krönung bes Donjen. 9 Jlcrf« 
toürbig ift, bü|, mäljTenb ber fiefeT über Sd>openf)aucr, 
^edjnerj ifo^e, (Enden unterrichtet toirb unb als Autoren 
nebenetnanber Vruno SBille, Gl)rt|topl) Sd)rempf, tfri^brid) 
Steubel, öans Il)oma 11. a. rebenb auftreten, ber jugelagte 
Veitrag über ausgcUieben ift, rooi)l aber ber eines 

fdjaxfen Äritifers an Sjaedels Vtonismus, Uconbaib Veel), 
Aufnahme gefunben t)at. Vefoubers üiifpxechcnb ift ber 
Dialog „parmenibos“ oon fi. f>a|(e, ber bem unenb« 
liehen all*einen SBeltorganismus tn feinem innerften ffiefen 
Vfhmlität unb ©etDugt|cin beimifjt, fotuic bte furje Anpltjfe 
ber mo|üi|ch«n Sd)öpfungsgefd)ici)te oon Ihoma. £ehteier 
ficht in ber biblifd)en 3 )arftellung ein ficl)rgebicf)t oon 
tieffter «EBahrheit. ^Tas SBort: „®s toerbe fiidjt!" fei 3U» 
gletd) bas treffenöfte Binnbilb für bas Grtoad)en bes 
menfd)Ud)eti Gelbjtbettnifytfetns, biefeit wunberbaren Anfang 
ber eigentlichen SBeltfdjöpfnng. 

3 m Vorbergrunbe bes ibealen 3 ci<intereffes fleht ja 
überhaupt neben ber im engem Ginne pbilo|opt)ifd)eii bie 
religiofe &rage. Ginerfcits bie f)i|U>rifd)»firitifd)f Veurteilung 
bes Urdjriftentums, anbretfeits bie Stellungnahme 3U ben 
fir<f)lid)*Tfligic>feu Ginrithtnngen. ber ©egenroart, insbefon» 
bere 3« bem immer llaffenber tuerbettben ©egenfa^ toie 
er 3toifd>en bem bogmatifd) umgren3ten Äütholijismus 
unb oielen freier Vcnlcnben aud) innerhalb tiefer ÄiTdjcn* 
gemeinfd)aft fid) üllmähtid) aufgetan unb 3U einer 3ahl* 
reidjen mobemiftifchen unb antimobemiftifchen Citeratur 
Anlafe fl*fl«ben h öt - SRö»id)c beuten barauf, bah 

bie ausfidjtslos erfcheinenben Äömpfe bereits niete cmftere 
Vertreter einer ibealen 2Bcltanfd)auung, aud) aus latfjo* 
lifd)em ßager, in bie Veiten bes fVonismus gebrängt 
haben, beffen energifchfte unb fiegesgetniffe Vortampfcr 
allen Gmftes non einer neuen fReligionsgcmetufdjaft auf 
uaturphilofophifther ©afis rebem Gin überfidjtlid) orien» 
tierenbes Vud) biefet Art ift 9 Rar UBetncrs „Vas Ghrt* 
ftentum nnb bie moniftifd>e fReligion" im Verlage 
uon Gart Gurtius in ©erlin, bas, oon 00m herein tn 
3ehntaujenb Gremplaren gebmdt, auf 3toeihunbert Seiten 
unter reid)lid)«c 3itierung ber heften 3*«(9^» ©fleibercr, 
3ol)anncs SBeiö, ©aulfen, ©uftao ©erber, ein leben biges ©ilb 
oon bem gegenwärtigen Stanb ber toichtigften innem 
WulturfTagc bietet, ben üem bes ©ottesglaubens nicht 
blofe unangetaftet löfet, fonbem ihn mit toirflid) retigiöfer 
V 3 ärme pofitio 3U begrünten fud)t, oon 3 e l u Vetfon mit 
Vcrftftnbnis unb mit Ghrfurd)t fpricht, aber merfniürbiger» 
weife aus mehr äußerlichen ©rünben bas Gijmbot bes 
Äreii3es unb bie aentrale Gtellung Ghrifti aus ber monifti* 
fchen 3ufunftsfirche ausgefchaitet roiffen mödjtc. eine in 
ähnlichem ©eifte gefchriebene £d)tift, bie bas neben bem 
©ottesglauben uuehtigfte ©cligionsproblcm ingcbanfenooll 
lijrijdjer unb ^ugleid) philofophi|d)cr ?Beifc behanbelt, ift 
ftclii o. Glenglino Vüd)leiu „Über bie lebten 
Vinge unb bie flbertuinbung bes ßeibcs. Gin 
V erfud) Üroft 311 geben im Q. in ne freien SDonfcns“ 
(ßeip3ig, 1909 , Alfreb Äröncr Verlag), ©lau mag über 
einzelnes onbers benFen: ber Ton bes ©an.jen uiirb bes» 
halb auef) ©egnem Sympathie abnötigen, weil ex ebenfo 
(hmft unb SJHlbc, freie Aiifd)aiiimg unb iiuiri^tr^Bcrfenfung 
in bie Tiefen bes ßeb ■ * ‘ 


freie 9Iufd)atiung unb iiunTBSBcrfentung wflcu, man 
fefaons Problems .btflunbtf. AlsÄJIllL-ri /^plirf> Vr 

Digirized by VjOl. 'X*-'- 


3tDif<hen entmidelnbem Gffai) unb perlenartiger Aufreihung 
pon Aphorismen erinnern biefe (Elegien in ^Jrofa an 3U?ei 
Der (d)önften ©üd)er, bie f ber SBeltliteratur angebörenb, 
bem gleichen S£l|ema gcroibmet finb: Tenngfons „ln me- 
moriam“ unb ©mft 3* ÖT1Tls ..Memento vivere“, nur baß 
biefe beiben ln Veimftrophen gebid)tet finb. Gin perfön» 
licßes (Erlebnis, wie es tiefem jugrunbe lag, unb wie es 
auch Stcnglin 3U feiner feinfmnigen unb garten Var» 
bietung infpiriert h«^f^ mag, wirb fgnipathifcher V 3 crt* 
fd)ähung immer fidjer fein; h>e* aberioevben ein3elne ©e* 
banfeu mit ausbrüctlicher Einbeulung auf 3titgenöffifd)e 
VJiffenfd)aftsfragen fo erörtert, baß ber ßefer jtd) aus ber 
inbioibuellen Gphäre herausgehoben unb bem SLBeltproblem 
gleid)fam Aug’ in Auge gegcniibcrgcftdlt fül)Icn [oll, 
4 Bas enblid) aud) biefe pofitioi|tifd)e Vetrachtungsroeife 
mit bem frommen Vcnnqfpn unb ben tritifch-permittclnben 
3 been 3 itelmanns oerbinbet, bas ift roieberum bas Ver* 
ftönbnis für ben ©ottesgebanten, bas innige, tief gefd)öpftc 
Vertrauen auf eine roeltleitenbe ©orfel)ung. 

# Venen, bic ben philo fophifchen ©runbproblcmen mehr 
mit ge[d)id)Hid)em als mit f^ftcmati|d)em 3 ntercffe na<h* 
gehen, werben als bie flaffijd)en ©ertretex bes Zionismus 
aud) in Suhrnft bie SMänner gelten, bie man fonft als 
3 bcntitätsphilofophen be3eid)nete. Ven fKeigen eröffnen 
bie Vcuplatomfcr. Aud) ba C)at bem intcreffanteftcn unb 
fd)wicrigften unter ihnen, ©lottn, oor Juriem A. Vrcws 
eine umfaf jenbe 5 Dlonograpt)ic gewibmet. Uber 3ohanttes 
Gcotus Grigcna, ©ifolaus oon Gufa unb Gpinoga führt 
bann ber 9 üeg 3U ben «Heileren, unter benen neben unb 
übet Gdjlciermachex unb Ä. Ghr. ftr. Traufe ben erften 
©Iah wohl immer Gdjelling behaupten wirb, ßange 3 «it 
hat man ficE) um bie grofuügig angelegte, roenngleid) nux 
unter Gd)wanhmgen entwidclto Gt)ftembilbung Gchellings 
wenig bemüht; jefct fdjeint bas 3 ntereffe an biefem oiel» 
fettigen nnb ebenfo poeftereichen unb ocrftanbcshcllen 
©enius wieber 3U road)fen. Grfreulid) ift bat)er bie ans 
bei toftfpictigen ©efamtausgabc feiner SBerte neuerbings 
getroffene Auswahl in brei Vänben, bie ber Seliger 
Vertag 3 rrih Gdarbt ocröffentlicht hat (20 Jt). Ctto 
VJeiß als E croils fl c l ,cr l) Qt orientierenbe Ginleitung 
mit ansführlidjer ßebensbefchreibung Gchellings ooxaus» 
gefchidt, unb wieberum Vxews fügt einige einführenbe 
'JBorte I)tn3ti, bie bem Unternehmen in [inniger 3 Beife 
ben 2 Beg ebnen mödjten. Va fagt ex S. XIX: „Anferc 
3 eit ift oon einer tiefen Gehn|ud)t nach moniftifeijen 
Auffaffung ber VSeltwirnichfeit erfüllt. Vie bisherigen 
Verfuche, ber wefenl)aften (Einheit all*s Geins oon ber 
Geite ber Aatnr h?r bei3ufommeu , hoben fid) als im 
©rin3ip pcrfcljlt erwiefen. Gd)elling bietet uns bas Vilb 
eines VenFers bar, ber im oollen ©ewufotfein berVebeu- 
tung jener Aufgabe nad) einer wirflichcn ©erföhnung 
6er entgegen gefegten ©ebiete bes Vafeins ringt, ol)ne babei 
bas eine auf üoftert bes anbent h^rabsufe^cn. llnfere 
3eit hat fid) überfättigt an ber rein perftanbesmaßigen 
3 ergliebcrung ber SBirflichfeit nnb ftrebt nach einer lebens» 
uollem unb anf^aulichcm Vetrachtung bes Vatur* nnb 
VlcnfEenlebens. Gd)clltng |d)aut mit beti Augen bes 
Wünftlers in bie 9 Belt. Ver ©cbanle, bie Vhilofophie als 
51 unft 3U üben unb bic UBirllichfeit als ein großes Vetd) 
äfthetifd)cr Obren bar3uftellen f [djtocbt ihm als hödjftes 
Obcol oor Augen, befeuert feinen Ginn unb fpiegelt fid) 
fchon in bem begeifterten Gdjwnngc bes Stiles mancher 
feiner Sugenbfd) triften." Aus allen ©erioben feiner retdjen 
GntwicFlung hat Otto 3 Bciß bie charafteriftifchrn AJerfe 
getDählt: suerft aus ber {>id)tefd)en bes fubjcFtioen 3 bealts» 
mus, bem objeftioen Obealismus ber «Jlaturpl)ilofopl)ie, 
bem Dualismus 3tDifchen biefer unb bem tranf^enbentalcn 
Obealismus, enblid) bem abgerunbeten Obcntitätsfuftem; 
fobann aus ber©eriobe bes Theismus unb öer ftreilji’its* 
lehre» eine allcrbings manche ßütfen aufweifenbe SBahl, an 
ber man oiclleid)t bas fj-ehlen bes gegen 3<Köbi geridjteten 
„ Vcnhnals" fowie ber „TBcltalter" unb ber fragmentarifd)» 
pl)ilofcvpi)ifc{)eri Aooelle „Glara" (über ben 3uj«mmenl)ong 
ber Statur mit ber ©eifterwclt), oor allem brs naturphilo» 
fophifchen diehrgebichts in itnittcloerfen uom 3ahre 1800 
bebauem mag, bie bloß aus3ugsweife ABiebergabe ber 
„©hilafophic ber Anthologie unb Offenbarung" aberbilligen 
wirb. Vtei ausge^ci^nete Titelporträte ans oetfehiebenem 
ßcbensalter Gdjellings erhöhen ben SBert ber Ausgabe. 

StBenn bas Gtubium Gdjellings wohl immer eher ein 
Vor3ugsred)t für philofophifche Jheinfdjmcder als eine un- 
Umgang lid>c Aufgabe für ade cmfteven unb tieferen 
?forfd)er fein witb, fo finb über bie blcibenbe ©ebeutung 
Monts unb bie Votwenbigfeit, fleh dot allem an ihm 3 U 
orientieren, bie meiften namhaften fforf<her ber ©egen- 
wart einig. Unb mehr unb mehr hat man erfannt, baß 
3UT einlcitcnben Orientierung für Anfänger wie 311t nach* 
(Täglichen Aber|td)t für Gingeweihte ben treuften Ginbltd 
in bas unoergletdjlid) gebiegene unb fruchtbare SBerfgefüge 
Montfd)er ©ebanfenbilbung jene flcinc Gdjrift gewährt, 
beren ©rä3ifion, Mlarheit unb Tiefe fd)on Gd)openhauer 
rühmte, unb beren günbenbe SBaljrhcit Gruft ÜJtad), ber 
berühmte ^J:l)r)IifcT, als ridjtunggebenö für feine natur» 
pf)ilofophifd)e SBcltanfdjauung an feiner ©exfon erlebt hat; 
bie „©rolcgomcna 3U einet jeben fünftigen ajletaphhfiF, 
bie als SBiffenfdjaft wirb auftreten rönnen" uom 3 ah« 
1783 . Tiefe cpod)emad)enbe Gdjrift, bie in fon3cntrieTtcr 
5>orm bas leiftet, was Eelnitjoig »on Mants ©t)ilnfcpl)ie 
überhaupt jagt, boß fic nämlich beabfidjtige, „bic Ouellcn 
unteres SBiffens unb ben ©rab feiner Veredlung 3U 
unterfuchen, ein ©efd)äft, bas für immer ber ©Eplofophie 
oerblei ben wirb, unb bem fiel) fein 3ritctlt<r ungeftroft 
wirb entziehen lötincn", bebarf troti ihrer oerhältnis* 
mäßigen Turchfichtififftt bod), mit 5 ftüdfid)t auf Mants 
eigenartigen Stil unb bie ©ebrängthfit mand)cr Aus» 
füljrungen, eines aufflärcnbcn Mommcntars, bamit nid)t 
bet für bas Verftänbnis unerläßliche Aufwanb au «Rach» 
beulen unnötig auf Vcbcnbingc »erfchwcnbet werbe, 
©aibinger, ber für bie „Mritif ber reinen Vernunft“ ein 
©iefenwert »on foinmentiercnben Grläuterungeu geliefert 
(unb beiläufig in beti „©tolegomcna“ eine ©ldttocr[d)icbung 
entbedt) hat, bahnte hier ben 2Beg, fdjrieb aber für ben 
engften Mreis eingeweihter SadjgelehricT unb ließ fid) 
babei oon bem ©eftreben abfoluter Vollftänbigteit, ©e» 
vrdjtiglcit unb Treue in Verüdfichtiguug frember uor* 
gängiger Auffaffungen leiten. Gin mehr für bic breitere 
Gdjidjt ber pljilofophifd) interefliertcu Scfer berechnetes, 
rein auali)tifd)cs ^>ilf&mitt«L h at nun jeßt Dr. ©tai Apel 
oeröffcntluht, bas allen, bie fid) mit Mant befd)äftigen 
“Icru wann empfohlen werben barf: „Mommcntar 311 ( 
olcgomenn. Gine Ginführttnß in bic 

THE OHIO 


Fritifdjc ©hilafophle. I. Tic ©rimbprobleme ber 
Grlenutnistheoric" (VerlimGdjönebcrg, Vuchuerlag bcc 
„Eilfc“; 2 Jt 50 $). Ver Verfaffcr .ßat bat Süchleitt 
mit wahrem innem Vergnügen burdjgelefen, nicht obwofjU 
fonbem gerabe weil ihm bie „Vralegömena" feit üiet3ijj 
3 ahrcn eins bei oertrauteften Vüdjer geworben finb, nad)» 
bem er fie, toie G. ®lad>, als Acßt gehn jähriger in ber 
oäterlid)en ©ibliothet entbedt hatte. Vie „©rolegomena“ 
gehören 3U ben wenigen Aßcrten, bie man, wie bie ©ibel, 
Eomer, „Eamlet 1 *, „fEanft“ unb einige wenige philofophifche 
Gdpriften, nidjt nur immer wieber lefen fann, fonbem 
lefett muß, weil man bei jebcsmaligcm fiefen einen oet> 
mehrten Antrieb 3U enieutex ßeltürc empfängt. 

Gine ganß eigenartige Vublifation, bie pielen über- 
rafchenb fein wirb, ift bie jüngft bei ©ebrüber ©actel ir» 
Vetlin erfchiencne Varftellung bes Fatholifchen Vrälatcn 
Dr. Gugelbert ßoren3 f>ifd)er „Ver ©loßgeift bas 
böchfte 9 )lenfd)cnibeal. ©runblinien ju einer 
©hilofophie bcs©rcn 3 genics“( 1908 , 280 Gciten, 4 ^»). 
Gin fe||elnbes©ud)nad) Inhalt unb f^orm: es 3eigt in prä» 
gnanten 3 öflr n d)arafterijtifd)en Gigenfdjaften ber genia- 
len ÜJtftnner, ber Äünftlcr, f>or|d|er, Staatsmänner, &ri&cn, 
©eligionsftifter unb Multurerneuercr. Vur einen fdjeint er 
nicht 311 Fennen, SQRartin Cuther, ber bod) wohl als treufter 
Verförperer ber beutldjen Voltsfeele nod) geFannt unb 
ocrehrt fein wirb, wenn man über Ateßfdje unb fo mandje 
anbere ffienies, bie fjijcher eingetjenb würbtgt, 3U einer 
maßooUeni Ginfdjäßung gelangt ift. Ob ferner bie Unter* 
fdjäßung ber moralischen Sftängel an SRapoleon unb bie 
übermäßige Anerfcnnung feines SBilkns 3ur Sftacht, feiner 
3felbewußtcn Gnergie, feiner Fonjcntrierten Ontelligen^ 
nicht ebenfalls mit einer VcrFennung ber tiefften ©enia» 
lität, ber 9 Jtad)t bes ©ewiffens unb ber Überjeugungs- 
treuc, mit einet Überfchähung ber äußern Autorität unb 
ihrer organifierenben Mraft jufammenhängt? immerhin 
gewährt bas Vud) burd) feine oft treffen ben Schlaglichter auf 
bie Gigenart 3. V. eines SJMd)elangclo, ßeibtti3, ©oetße, 
©ismarcf großen ©enuß unb regt gu ©ettad)hmgen über 
bas Berhältnis ber freien Vcrfönlidjfeit 311, ihrer proot» 
bentiellcn Aufgabe an. 

fDlit ber Atertfchäßung ber Ginjelperfönlicßfeit uerbinbet 
unfere 3*it rin gefteigertcs Onterefje an ben allgemeinen 
©ejetjen ber Äulturentwidlung, ein 3 ntereffe, in berr 
wieberuni ^wei an ftef) bifferierenbe ©iotioc fiel) ocreinigenr 
bas g*[d)id)tlid)e unb bas philo[ophifd)r- Ten Sinn für 
ben 3 nbioibualwert ber „©roßgeifter" auf eine abfchließenbe 
Eöße geführt 3« haben, bleibt bas unbeftrittene Verbienft 
9 tießjd)es; aber er überfah unb »erad)tete babei ben „Außen 
ber Eiltorie für bas Ücben“. Tas h«itorifd)c Verftänbnis 
gilt bemgegenübet mit 9 ?ed)t faft allgemein als bie Vor» 
bebingung jeber felbftänbigen, auf bas ©au 3c einer 2 Beti» 
anfthauung gcrid)tetcii Urteilsbilbung; neu aber ift bie 
Art feiner innem Verfled)tuug mit bem philofophiFchei» 
Grtcnntnisftrebfn, eine Kombination, mit beren gegen« 
wärtiger ©erpolltommnung alte, früt)3eitig wieber ab* 
gebrodjene unb lange brachgelegene Irabitionen aus ber 
3eit ber ©omanti! oon E<rber bis E f 9 c l nunmehr wieber» 
auf genommen werben. Gine ©eil)e oon gefdjuht&philo» 
fophifchen Vcrfudjen bezeugt btes, jei es, baß man oon 
ben realen Ccbcnsintereffen bet ©efcllfct)aft ausgeht ober 
bic tatfäd)lid)cn 5prtfd)ritte in ber Gntwicfluna ber ful* 
turellen 3 becn als EatiP<gcfi<htspuntt ins Auge faßt, 
alfo wirtfehaf tspolititd) unb fo3iologifd) perfährt, wie £am» 
preeßt, Varth. Gimmel, Gisler, ober hilturphdofophifch, wie 
Vrcgfig, Vierfanbt, TR. Mronenberg. Ver lcßtgenannte„ 
beffen popularifiereti&e TRonographie über Kant große 
Anerfcnnung gefunben hatte, tritt jeßt mit einer im erften 
Vaube bereits erfdjienenen größem Arbeit über bie „<&e- 
fdjichte bes beutfeßen Dbealismus" (I. Vie tbealiftifche 
3 beenentwidlung oon ihren Anfängen bis Kant, ©tünchen 
1909 , G.E-©edfd)c Verlagsbuchhandlung; geb. 7 Jt) heroot r 
bie, in fliefcenber Varftcllung gefchrieben, über bie unoer» 
gleidjlid) frud)tbarc Gpod)e feit ber ©litte bes ad)tjef)ntrr» 
3ahrhunberts bis 3U unb ©oettjes Tobe orien» 

tieren will, aber weit mehr bietet, in bem fic troß einer 
faft fpielenb erjeßeinenben t>ci<htigfeit unb ©ewanbtheit 
in Bewältigung ber fdjwierigften tulturhiftorifdjen Vro* 
bletnc bod) tnfofettt jugleid) grünblid) »erfährt, als fie 
mit Anaiagoras, Varmenibcs, Gofrates außebt, ben Gin» 
tritt bes d)riitlid)en Urgebanfens in bie nur Scheinbar ab- 
fterbenbe o ried) tf d)«röniifcf)e Kultur, bie ©atriftif, Scßo» 
laftiF, ©h)ftit bes SJtittclatters, bie IRenaiffance unb bie 
Vorgefd)icf)te ber Auf!tärungs3eit in ein großes, einheit- 
liches Bilb ^ufammenfaßt unb einstweilen mit fünfter lin b 
bem oorfriti|d)en Kant abfdjließt: eine Tarftellung (bei- 
Iäufig in feßönfter buchbänbleiijdjcr Ausstattung), bie ba» 
burd) eigenartig wirft, baß fie nidjt bloß Kulturgeschichte, 
fonbem ©ßilofophi« ber ©efeßießte unb ©efdjichte ber 
©hilofophie in einem ift unb fo bas ältere, prinzipiell 
umfafSenberc ffllerf oon SBilimann in befonberer uDeife 
ergäbt. Db freilich bie an fid) richtige, aber bod) fehr 
ber £egcl|d)cn Gpehilation abgefeßene Gcßablone ber 
wechfelfeitigen Vetieljung bes Subjettioen unb Objeftioen 
ausreidjt, um alle Grfdjeinungcn bes 3 bealistuus in ber 
©eiftesgefdjichtc ber abenblänbifdjen Bölfer banad) 3U bc* 
meffen, ob nidjt babei bas 3 nbioibuatperfönlid)<, 3. B. in 
3ejus, 3U Furj Fommt, ben Kvotunbevg faft lebiglid) als 
rngthifd) perfonif liierten Stieberfchlag bes Ghriftusibeals 
unb feiner hcllcniFd)«)übifd)‘Ollgemetnmenfd)li<hen ©fotioe, 
als ©bQittaficptobuft ber in bie reine 3 nnerlichFett fieß 
gurüefwenbenben Gubjeltioität bes ©Icnfeßengeiftcs unb 
Schließlich als Kefultat ihrer Transponierung aus ber in* 
bioibucllen Sphäre in bie unioerfelle bei reinen ©eifrig* 
feit auffaffen leijrt: barüber ließe fid) ftreiten. Eintet bem 
©eifrigen tritt 311 fehr jurücf basGeelifche, aud) in ber Tat» 
Stellung ©oetljes, E^rbcrs, ßeffings unb Kants. Tas fdjöne 
TBort AuguStins oon ffiott unb Geele oerfteßt Kronenberg fo, 
als ob cs fid) nur um ©ottes* unb Gclbftcrteuntni& ßanbelte. 
Taß iebc ©tenfdjenfeele ein Unüum in ihrer Art ift, baß 
alles 3 nbi»ibualperfönlid)e ein TRpfterium umfdjließt, bem 
gerabe ber bcutfdjc Dbealismus (man benfe an Kants „oer* 
borgettc Munft in ben Tiefen ber Seele“, an Scßelrings 
„geheimes, wunberbares Vermögen", au Gwethes „Kern 
ber Statur ©lenfdjcn im Ecrzen") bas tieffte Verftänbnis 
entgcgengcbracht hat — biefe Ginfidjt, auf bie ©erfon Sfefu 
angeweniet, füßrt be.jüglid) ber inbioibuellen (Einfühlung 
in fold) mpftcriöfcs Geelcnlcbcn 3U fjorberungen, benen 
felbft Äießj^cs „Äntid)ri|t" troß feiner entfeh ließen Korlfe» 
quenjen boeß in gewifjem Ginne mehr gcredbt m werben 
fceifrireWj ift, rilsTglks jonglieren mit abftvaften Kategorien 
es je »crnwftite: 

STATE UNIVERSITY 




ftelii 9Jlcnbel&[of)n 2?arlI>olbi). Originoljci^nung von 5- £)ofo- 


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Original from 

THE OHIO STATE UNIVERSITY 






SJtr. 3422. 28. 3mraat 1909. 


STOuftwte 3«hing. 


glüht »nt) fd)il(crt es wie in ben SMärdjc» 
aus „Xaufenbunbcine 9tad)t M . Xofe biefe 
rajfige, angeborene Eigenart fi* mit ben 
cöetf ten Bilbungsclementenpermäblen burfte, 
bie ©ortbes 3eitalter 311 bieten oemto*te, 
gibt Btenbelsjohns- ftün|tlerer|*einung ihr 
gefd)i*tlid)es ©epräge. 

3atob fiubwig JreTii 9J?enbel$fobu 
Sarttjolbi) wurbe am 3. Februar 1809 in 
jgantburg geboten« Sein ©rofeoater war 
Der bebeutenbe Bhü°i°Ph «nb unermüblidje 
Borfätnpfer für bic Emanjipation bes Ouben" 
turne Btojes fütenbelsfobn, brr fi* itad) ent’ 
bchningsoollcr Minbljeit in Berlin 311 einer 
gearteten Stellung als Kaufmann unb 
S*riftf teilet bur*gefampft t>atte; ein SOlann 
uou ijoljer Sittenrein l)rit unb Fbealität bes 
SDefens, bat er bcfanntli* feinem Freunbc 
Vcffing als Borbilb au beffen „Slathan" 
gebient. Sein Sohn tHbrafjam, bcs Ion* 
Dt*ter$ ©ater, fiebelte 1811 nad> Berlin 
über, wo er mit feinem altem Bruber 
3ofcpb bas beute wcltbelanntc Banfhau* 
Bien bei sfofjn grünbete unb 3» Bet*tum 
unb 9lnjcl)cn gelangte. Bbrahams Frau 
fiea, geborene Solomon, 3ei*nete fiefj bnreb 
Bmnut, piclfcitigc Bilbung unb ntufifalifebe 
Begabung aus. Xcr Cbe entftammten oier 
Amber, benen bic Eltern eine griinbH*e, 
mtf geiftigr unb förperli*e «usbUbung 
gleidjmüfeig beba*te Enieljung angeboren 
liefern. 3-cIix ift 3citlebcns ein ausge3cid)* 
net er Schwimmer unb Weiter unb ein leiben* 
fd)aftlid)cv Xän^tt gewefen. Xie Amber 
würben im Gfyriftcntum erlogen, bas ber 
pomrteilslofc, frribenfenbe Hbral>ani 9Ren* 
bclsfobn wegen feines jittli*en ©ebalts bem 
©lauben feiner Bäter oorjog. Er fclbft brat 
rrft 1822 311m ttt)riftcntum über, F*li* würbe 
f*on 1816 getauft. Xen Warnen Bartholbn 
fügte Wbraham feinem Familiennamen bei 
3ur Erinnerung an feinen ebenfalls Gljrift 
geworbenen Sd)toager Salottton, ber fid) 
beim Übertritt 311m (Ihriftcntiim Bartholbn 
genannt batte unb als pvcufoij*cr ©eneral* 
tonful in Warn fowie als Färberei ber 
Frcsfomalcrei 2lnfcl)en gewonnen l>at. 

W11 feinem Batcr hing Fcltt mit abgöttif *er 
Berohrung. Seiner Erhebung uerbanfte er „bcs Gebens 
ernftes Führen“, bic gefeftete H3eltanf*auung unb bie 
nimmer raflcnbcHrbcitsfreubiglcit, unb feinem Wat folgte 
er mit blinbent Vertrauen unb unbcbiuglrm ©rijorfam, 
bis ber lob im 3«*)« 1835 ben trefflichen Blann abrief. 
Balb Dana* |d)ricb Der tiefgebeugte Soljn einem FreunDe: 
„Xcnn ber Üßunfdj, Den i* mir pot allen jeben Wbcnb 
wie ber gewün|d)t batte, war Der, biejen Bcrluj» nid)t 3n 
erleben, weil id) an meinem Bater fo gan,3 unb gar ge* 
bangen batte, ober oieltucbr hänge, Dag id) nicht weife, 
wie id) mein 2cben nun fortfetjeu werbe, unb weil ich 
nid)t blofe ben Beter entbehren mufe (ein ©efübl, bas ich 
mir fdjon feit meiner Ainbi)eit als bas t)<rbfte bad)tc), 
foubertt and) meinen einzigen ganjen Freunb währen b ber 
Ictitcn Fahre unb meinen 
fiebrer in ber ftunft unb 

,i im ßeben." 9M*ft Dem 

Bater übte bie breiunb* 
cinljalb 3af>re ältere 
b < Scbwcftei Fannt), bie 

Wl Spätere ©attin bcs BJalers 

yi'ilbolm SSeufel, auf Felix 
Den größten geiftigen ©in- 
flufe aus. Sie teilte mit 
B ' ^ ^ Dem Bruber bas unge* 

toöljnlid) frühreife, um* 
n| £ fafjenDe mufifalijdje Xa> 

m leut unb begleitete ibn 

nicht nur mit järtlichcr 
©cSd)wiftcrlietK, fonbern 
au* als mitfüblenbe, 
oerftänbnisDC5lle Aimft* 
. j ^ Q r“ geiioffin burd) bas Sieben. 

Schon im 3arten Ainbcs* 
altcr erhielte» Fötmi) unb 
fFeltscAlaoiertmterrid)! bei 
MM ihrer Wlutter, im 3afere 

^ ^ ■ 1816 aud) cin *fl c 3^it bei 

&tou Bigot, einer treff* 
lid)cn9Jlo3art*Spielerin t in 
Baris, wobin ber Batcr 
• beiben Ainbern 

!k/I\ | war. 5 pätcr umrbc Fclir 

Sd)filcr Des ausgc.teicfmc* 
teu .sUatüermeifters SJub» 
wig Berger in Berlin, Dem 
er feine fattelfcfte, nie oer* 
fagenbe Alauicvtednuf per* 
Dcmftc. On 6er Il)eoricunb 
Mompofition untertoies 
ihn Atari Fricbrid) Leiter, 
Der 00 m SWaurerhanDroert 
jur ÜJtufif übergegangme 
Tirigent Der Berliner 
SingatabcmieunDFreunb 
©oethes. 913cnn mir nun 


Felii SJtenbelsfobttSort^olbi) 

3» r Feier feines bunbertfähvigen 
©eburt&tages. 

«OH *r«ft »otff, M8ln. 

«olt 


,nurj mar brin < Pf<ib, t>od) trug er 
«lum” an »lutnr, 

Unb tote Sldjill fanDt &u in t>tin«m 
9 lul) in*.“ 

(Ontanud Otribel.) 

/Kin Aünftler, bef je» lieben felbft wie ein 
VZ^Äunftmcrf anmutet, beffert poetifche, 
lebeiisoolle Btrfönlidjleit ebenfo wie feine 
SDcrfe »oni fiauche reiner, fla||ifd)er Sd)ön* 
heit unu»<l)tj ift, ber 0011 ber Bprfe|)ung 
berufen fd)ien’, wie l„felige ©enien Droben 
im Uid)t 3n wanbeln“ — fo ftebt b<?ute dot 
unferm geiftigen 9 luge Der grofte XonDichter, 
ber oor huubert 3 flhrcn Der Hielt gcfdjentt 
würbe. Biogen gewaltige SD2ei[ter ber X 5 ne 
uns butd) itjre Auuft noch gcbeimnisoollew 
feelif<bc Xiefen erfdjloffen haben — in ber 
oietfeitigen, hovinoiiifdjen VlusbilDuug unb 
(Entfaltung aller ©aben, bic ber ©enius oer* 
fd)weit6crijd) über ihn ausgefd)üttet hatte, 
finbet 3 r«U* Btenbelsjohn, ben Bobert Sd>u* 
mann als Den „Biosan Des neuii3ehntcu 
3 ahrhunberts , ' feierte, in Der galten ©c* 
febi^te ber Xonhinft fnum feinesgleichen, 

Bon bebeutenben 9 Jlenfd)c»t abftammenb, in 
einer geifttg heroorrageuben Umwelt auf* 
gewad)frti unbeirrt burd) Die gemeine Bot 
Des ficbcns, in ber fo oft Die Früchte ge* 
nialer Begabung oerfümmem, Ponnte er bie 
reichen Sdjähc feiner tonbid)teri|d)en Bba«* 
tafie 3U lauterm ©olbe ausmünien. Xafe er 
cs tat, Dafj er feilt ganjes ecben, man lann 
nicht fagc» in ^Rüfee unb Arbeit , aber in 
unabläffigem, aus reinem fielen guellenbem, 
na* Dem f»öch|ten ringen bem Schaffen per* 
jehrte bas ftellt au* ben Btenf*eit 9 Jtc»bels* 
fohn, Den lein itantpf ums Tafcttt 311 Di cf ex 
raftlofen Xätigteit antricb, auf eine fittlid) 
fo hohe Stufe. Unb wenn wir iljn brüte 
au* in erftcr fitnie als S*öpfer unuergäng* 
li*et mufitalif*eT SWeiftcrwcrfe feiern — 
wd* bewunbems werte Bielfetttgfeit bes 
©eiftes 3eigt uns bie ©ef*id)tc feines turnen, 
a*tunbDreifeißjährigen Gebens! 9 Iuf bem ©ebiete ber Ion* 
runft fclbft war er nidjt nur als £d)affenber, fonbeni als 
Dirigent, als ÄUaoier- uub Crgclfpielcr einer Der ©rften 
feiner 3 cit- 3 n Der SDtal* unb 3 c i < hrnfunft, ber er 3eitlebcns 
in feinen BtufeeftunDen eifrig hulbigte, brad)te er es 3U 
ni*t gewöl)nli*er F*rtigfcit, unb Dur* eine unerf*öpriid)e 
Füll« geiftooller unb fein ftilifterter Briefe* bic ita* fei* 
nem Xobc in ocrfchiebcnen Sammlungen na* unb na* 
ans fii*t Kamen, h<*t er fi* au* in Der beut|*en Citeratur 
einen Blafe gefidjert. Xabei ba rf ni*t »ergeffen werben, 
ba& bie heroorragenben mufiPalif*en Stellniigen, bie er 
na*cinanber in Xüffelborf, Ücipjig unb Berlin bcflcibetc, 
bie ülrbeitsfraft eines ganjen SOtannes forberten. Unb 
benno* oermo*te er au* no* itt ber 3wif*eti3cit 
bur* ausgebehute 5 t on» 

3ertrcifcn na* ©»glaub au 
bem mufifalif*en Öcbcn 
bes 3 nfelrei*cs lebijaft 
tätigen Vlnteil ju nehmen, 
bur* fiebenmaligc 2ci^ 
timg DcrBiebcnheinif*cn 
IRufiffefte biefe periobi* 
j*en Beranjtaltungen ber 
hö*|tcn Blüte 3U3ufüt)ren 
unb gar nod) Dur* bie 
Begrünbung bes Wcip^i* 
gcr ftonferoatoriums im 
Fahre 1843 Der mnfi« 
fa[if*en BäDagogif in 
Xeut|*lanb gan3 neue, 
fru*tbringenbe B 3 ege 311 
weifen. Bei all biefer 
fieberhaften, Den ©eift 
unb bie Bcrocnlraft felbft 
eines genialen 9 Jlenf*e» 
aufs äufeerfte anfpatmen* 
ben Xätigfeit bewahrte er 
fi* im innersten Äem ein 
harmlofcs 4 t inberge müt, 
bas an feiner Familie unb 
feinen Freunben mit inni- 
ger Eingabe hing, unb 
bem eine tiefe Beligiofität 
mehr war als nur bas 
©rgebnis feiner proteftan* 
ti|*eiiEr3iehung. So lebt 
et im ffiebä*tnis ber Ba*» 
weit ni*t nur als Xon» 
bi*ter oon angeborener 
Ara ft unb Eigenart, fon* 
bem au* als „wahrhaft 
glüdlid)cr unb beglüdcn» 
ber Blenjd)“, wie ihn fein 
3ugenbfreunb Ebuarb 
Xeorient fo f*öit unb 
treffenb be3ei*nete. 


g«la ÜRcnbcl5|o^n Sart^olbi) im breijeljnten iicbensio^tc. 

^letftiHgetcpnwng von Williclfn fnnfet. 3 m ’öcfi® von grau <vmirnrat W«<b t” 8rlp5»s. 


Jelir aJlenbclsfohn Sart^olbijs 3Bohnung in fieipjig ( Curgenfteins ©aiten). 

iJladj «in«n im Soiil} ucu Jyrnu (Scl)ritiirat tbad) itt bctinMidtctt ‘Jlnuitrclt uon Sfli« 1UlcnbeMol)M Satt^olbi) ai 


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Sßr. 3422. 28. 3anuat 1909. 




149 




and) ben nadjroitfenben 
(Einfluß bicfes jieiulid) 

V>f>iliftröfen Uehrers auf 
Wcnbel&foßns Schaffen 
mit gering ätt|d)lagen 
förnien, fo hat fid) 3eltcr 
hoch um fctncu genialen 
Schüler nach juici Seiten 
unftreitig oer bient ge* 
macht: er »ermittelte tl)tn 
bie *cfainit|d)aft mit 
Ctobann Sebaftian 5Bad)s 
Werten, bereu er Ijanb- 
j(t>vütlid) eine 9Jlengc be- 
faß, unb führte i( jn bei 
feinem großen ftreunbe 
Goethe ein. Unb 2*ad) unb 
(5>octl)e jinb bie fiiuftlcrt* 
leben fieitfterne geworben, 
benen 'Dlenbelsfobn fein 
lieben lang folgte unb treu 
blieb. Schon in feinem 
neunten 3afyre trat bev 
Mnabe 31ml erftenmal 
öffentlich als fllaoierfpie» 

Irr auf, unb mit elf 3atjrcn 
begann er feine regel- 
mäßige ftompofitions» 
tätigleit, bie burd) ihre 
'JRühclofigreit unb ihren 
(Erfinbungsreichtum Stau* 
nen err egt e. Seine 3ugcn b* 
inerte famen bei ben im 
eiterigen {raufe feit 1822 
regelmäßig ftattfinbenben 
3onntag9mufifen3nr?fnf* 
rüßrung. frelix birigiertc 
babei ein aus Wiitgliebcm 
ber £offapelle jufammen» 
gefebtes Ordjcftcr nnb 
legte baburd) früh 6en 
ibrunb ju feiner 3nftru» 
mentations« unb Xiref» 
tionsfunft 

Cinen tiefen unb nach- 
haltigen füiifllcrifdjcn (Ein* 

bruef empfing er burd) ftarl SJlaria 0. Weber, ber am 
18. 3uni 1821 feinen „Jfreifchütj" in ^Berlin jur erften 
Uuffüfjrung brachte unb bamit ber lomantifdjen £>per 
©al)n brad). 3m 9looember 1821 burfic fteltx feinen niedrer 
gelter 311 bem Oltmeifter (boetbe nad) Weimar begleiten 
unb gewann fid) burd) fein bejaubcnibcs Wcfen unb feine 
itaunenswürbigen Cciftungen im ^3t)aittafieren unb SBom* 
blattfpiefen im Sturm bas {rerj bes Ti<f)ter& unb bic ^e« 
loimberung feines Streifes. liefet fecßjebn läge währenbe 
’öefud) ift in feinen au3ief)onbcnGin3ell)etten oft gefctjilbert 
worben; er legte ben ffmmb 311 bauemben freunbfehaft« 
liehen ©ejichungen jwifd)cn (hoethe unb Wcnbelsfohn. 


£ic aUc ÜJjomasfdjulc in ficifjig. 


3n t»eu Vlnlagcn bas non J5düc 'Uirnbclololm 'Bnrtbolbn om 6. UufliiH 1M0 _ae|tfftete ®ad). Tcntmal. Sind) einer tm ®eitfc non ®rof. 
W. äWrnDclsfolw »artbolbq in flMrjbura befinblidjen BUifuftjeidjnunfl oon ajflfatffltmbfUSolm SartbotOn: ac.?fict)iifl «nfnn« ber otenifler 3ätjr< 

oon Curflendeln* (Bärten du«. 


3m Sommer 1822 unternahm Slbrabain QJlenbclsfohn mit 
feiner gan3en Oramilie eine längere Weife nad) ber S>d)ioei3. 
9iuf ber Hinfahrt unirbe in Ofranffurt bie »eranntfebaft 
be* l)od)bcgabten Mnaben ftcrbinanb Eitler gemacht, ber 
mit fflienbelsföhn burd) langjährige 3rennbfd>aft oerbunben 
blieb unb ihm in feinen „(Erinnerungen" ein jehöues 3>enf* 
mal fminbfct)nftli(i)cr 'ßietät gefeßt bat. ?luf ber Wild- 
reife weiUen 9Jl«nbelsfot)»* längere 3*it tu Weimar, um 
ff>oetl)e ju befugen, unb überzeugten fid), wie ßcrjUd) ber 
(breis bem Al naben ifelii jugetan war. (Erft im 'Te.zcmber 
1822 lehrte bic ftamilie nad) Berlin 3urüd, unb ffelii 
begann wieber rnftlos tünfticrifd) 311 arbeiten. Xie 


Xljun. 


9lat^ einem Slquarell oon ^Jlenbelsfa^n Sart^olbi) pom 9. 3uni 1847. 

3m WrHlj do 11 Sfran flirtKintrat Wnd) in Oclp.ii«. 


Sonntag mhu fiten getunu* 
nen an 9(u^bcl)nung 
nnb fBebeu tung, berühmte 
burd)rci|eube .Uün(tler 
fud)ten bas 9JienbeI^* 
fohnfdie mous auf, unb ber 
ifteunbcsfreie boc- jungen 
ionfünftlers eruieitette 
fid) mehr unb mehr. 3m 
fRoocmber 1824 lonjcr* 
tierte ber ausgezeichnete 
ÄUaoiennetfter 3 gna. 3 'JJfa 
fd)des in Berlin unb gab 
auf (Erfuäjcn ber ^-rau 
l'ca 9JZenbcls|ot)u ihren 
Minbcni einige .SUattier 
ftunbeu. T>a er bei JV-oIt r 
febr halb empfanb, baß er 
„neben einem Sllciftex, 
nicht neben einem Schulet 
fäße", uermanbeltc fidi 
bas päbagogifdje Verhält’ 
nis fchnctl in ein freunb- 
fd)aftlid)es, bas ber fpäter 
erfd)ienene ©rieftoechfel 
juMfcben beiten Äiünftlem 
in hfllrs l'icfjt riitft. (Eine 
qjerfSnlidifcit, bi« 3 citweife 
großen (Einflug auf ftdu 
ausübte, war ferner ber be ■ 
fannte föhifilcr unMDhifit* 
fchriftltcller 21 tolf »env 
harb fülarr, mit bem [ich 
®lenbelsfol)u inbes fpäter 
(1839) baburd) fntaroeite, 
baß er es aus rfmftlcri 
fchen (brünben ablchntc, 
91. 21. ^Harrens Otatotium 
„ 2 Jiofe"aufzuKihren. Sehr 
nahe Jtnnb ihm aud) ber 
Sänger, Schaufpielcr unb 
31)eatcrbtcf)ter (Ebuarb 
Deorient, ber fpäter eine 
„ffiefchiebte her beutfehen 
Schaufpielfunft" h frans- 
g ab unb ebenfalls f ehr wert 
uo Ile „(Erinnerungen an SRenbelsfohn“ oeräffentlidjt hat. Sein 
intimfter X>ct 3 cnsfrcunb aber unirbe im Caufe ber 3 eit ber 
bidjterifd) begabte hattnooerfche (S)cfanbtfd)aftsfe[retär Atari 
Allingcmann, obwohl er 3 ehn älter war ats 2 Wcnbcls- 
(ol)n, unbntd)t nur manches ftimmungsoolle Allingcmann* 
9Jlcnbelsfohnfd)c llieb, fonbem auch beT lür 3 fid) erfd)iencne, 
3 wan 3 ig 3 al)re umfaffenbe 5Bricfmecf)fcl beiber 5 >rcunte 
ift ein berebtes Zeugnis ihres ^erjensbunbes. 9luch bei 
fpäter berühmt geworbene fiiftoriter 3 . C&. ®rot)fen 3 dhltc 
ju ÜJlenbelsfohns näd)fton 3»»8enbfreunben. 'Jlußer ben 
(rienannten aber ocrfchrtcn in feinem (Eltemhaufe bie 
füfjrcnbcn (beiftcr bes tarnatigen ©erlins: 21 . 0 . Ajumbolbt, 
.t>egel , f>cnricttc ^>erj, Sam- 
hagen o. Cnfe mit feiner Cöattin 
Stahel, bie Xid)ter Heinrich 
.fteine unb JBilhelm OTüller 
foroie oielc anberc lünftlerifdjc 
unb literarifd>e Cbrößen, t»o* 
burd) ber empfänglidje <5>elft 
bes rcifenben Äünftlers reiche 
unb pielfeitigc Währung fanb. 
Jfrür bas glänjenbe geiftige 
Ccben, bas fich hier entfaltete, 
bot bas fdjöne £eim in ber 
Seipjtgcr Straße 3, wohin bie 
JVamUie 9n<mbelsfohn im Spät- 
jommer 1825 übergefiebelt war, 
ben günftigften SRahmcn. „Irte 
Sommermonate würben gu 
einem ununterbrochenen {Veft* 
tag ooll qioefie, fühiftl, finu* 
reicher Spiele, geiftooller 9Ie(fe- 
reien, Certlcibungcn unb 
Utufführnngen", fo fdjilbert 
Wcnbclsfobns^icffc, Scbaftian 
A>enfel, (in feiner angiebenbew 
,>amiIiencf)ronif bas fieben im 
.{raufe 9Jicnbelsfoi)n. 

Unter ben jahlreidjen Wer- 
fen jeher (Gattung, bie JVU** 
bis gum 3ahre 1825 fdjuf, ift 
bas {r*2Roll>Cuartett op. 3 
wohl bas bebeutenbfte unb 
aud) baburd) bemerfenswert, 
baß es „Sr. (Exgellenj bem 
.(>erm Staatsminifter, (beheim» 
rat oon (boethe ehrfurcht-sooll 
grwibmet“ würbe. 91 ber ber 
fritifche Wbrnham SJiciibels- 
(ohn war troß ber ®ewunbe- 
rung, bic fein genialer Sohn 
allcrfeits erntete, bod) noch 
im 3w«tfcl» <*b feine Begabung 
bic Wahl ber 9)htfif als 
tfebensbenif red)tfortige, unb 
tnünfehte bas Urteil einet 
„curopäiichcn" ?lutorität ein* 
jubolen. 9Us foldje rrfchiett 


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150 


3IIu[trirte 3 e * tun 9- 


flr. 3422. 28. Januar 1909. 



il)m Ghrrubini, ju bem er beim and) im Wärt 1825 mit 
frclii nach Baris reifte. ilöic nicht anbers ju erwarten 
mar, fiel (fl)crubiius Gntfd)(ibung bejahen b au*. Uber* 
ijaupt imponierte ber beutfdje Jüngling ben franjofifeben 
Bhifitcrn gewaltig, während er felbft in jugcnblid) über« 
treibenöcr Schärfe an ben Barifcm fein gutes £>aar lieft 
»mb eine Abneigung gegen bic iMefttftabt faftte, an der er 
eigentlich feitt flrtrtjco Geben lang feft^iclt. 91 uf bet im 
Btai unternommenen ÜKficfrcife würbe wiebcrmnitt'JBeimar 
bei (fooetfte 3taft gemacht unb bas i>Biol[«Cuartctt In 
einer Abcubgefcllfcbaft bem Xid)tcr »orgcfpiclt, bem nad) 
feinen eignen Porten „biefe pcrj<fnlid)e hör* unb »er* 
nebmbare Xcbilation" fcl)r roobltat. 

'JLRenbclsfohns SBcrle aus bem 3aftrc 1825 jeigen fetjon 
ben »ollen beten W elfter. Als alle anberen überragen b fei 
t)icr nur bas wunbcroollc Ottctt für 8treid)iuftnimcntc 
op. 20 genannt, bas ber ilünftler feinem naf>cn ftreunbe, 
bem ausgezeichneten Biolinfpielcr Göuarb Bictj, als (5e- 
burtstagsgefebenr loibinctc. Gs »ft ein formoollenbetcr 
ÄusbrucC bei fd)wärmerifd)cn, ron»antijd)cu Statur bcs 
|c d)3ct)n jährigen Xonbid)tcrs unb ein £>ol)cpunlt ber nad)* 
beetl)ooenfd)en Äainmerrmifil. (Etwa um biefeibe 3^*t wie 
bas Oftctt cntftanb and) bie foinifdjc Oper „Xic ^odjjcit 
bcs Camacho"; fie umrbc fitjon 1825 beenbet, erlebte aber 
erft am 29. April 1827 iljrc erfte unb einige Aufführung 
im üöniglid)cn 3djftu|pidl)aufe 311 Berlin unb bTnd)te il)rem 
Sdjöpfer bmipt|fict)licb burd) bie gering febäftige Bchanb- 
lung, bie ihr ber bamals nod) ollmäd)ttgc ©encralmufil« 
dir etter Gpontini augebeiben lieft, mancherlei Argemijfc, 
bic ben fötund ,31» ©lenbelsfof)ns fpdtcr mcljr unb mel)r 
beroortretenber Abneigung gegen bas ftunftlcben in Berlin 
legten. Aber bennod) batte ber Wifocrfolg feiner Oper 
leincswcgs feine Gdjwingen gelähmt; im (Gegenteil fpomtc 
er feine Gd)affeusfraft ju immer gWujenbcrcn Stiftungen 


an. Am 26. Auguft 1826 würbe bic Ouvertüre 311m 
„Sommernacht stromn" ooUcnbet, bie ihrem Schöpfer einen 
Blaft unter ben graften Xonbicbtcrn aller 3citcn fieberte. 
Xaft ber junge Stüuftlcr aber feinesweg* einfeitig in ber 
9Jlu|if aufging, bewies er in bemfelbeit Jahre burd) feine 
metrifebe Überlegung ber Xercntifcben fiomöbic „AnDria", 
bic fein Sekret Ä. B*. fi. tf>ei)ff mit (Anleitung unb An* 
merfungen b crail $ß Q k- Sind) G>octl)c crfticlt bte Arbeit 
jugefdjidt unb beauftragte 3eitcr, „bem trefflidjcn tätigen 
Jfclii fd) duften» 3*1 batilcn für bas herrliche Greinplar 
ernfter d[tt)etifd)er Stnbicn". Seit Ofteni 1827 hörte 
gjlenbelsfpb» aud) Berufungen an ber Berliner Univerfitflt 
bei ®ans, i»id)tenftein unb ftegel; am meiften aber inter- 
effierten ihn Bitters geograpbifthe Bortrftge. Unter feinen 
Äompofitionen aus ben Jahren 1826 bis 1828 »erbienen 
Das etiva gleid).icitig mit ber H 5omniema<btstraum*'*Cuoer* 
türe entftanbeue liebcnswfirbige ül-ttur* Quintett op. 18, 
bas Streidtguarfett op. 12 in (Ss-Xur unb ganj befonbers 
bie burd) tfwetbes „'Ulecieöftille unb gliitflidje ^abd“ an« 
geregte gleichnamige ftonjertonoertüre genannt ,vu roerben. 
3n bcrfelben 3 C ** erroarb fiel) ber jwan^igfdbrigc Alünjtla 
ein un|terbUd)e$ tlterbienft baburd), baft er Bad)»'JJiattbdus. 
Baffian, bie bunbert 3<*bre faft »erfcballen gewefen war, 
bnrd) eine gldn.tenbc ?luffiibnmg in ber Berliner Sing« 
afabrmic am 11. SJJSr3 1829 ju neuem ücbcn erwedte 
littb baburd) bett erften cntfd)eibcnben VI n ft oft ,pir pflege 
Bad)|d)cr Äunft gab. Balb barauf trat er feine VUanber. 
jabre an, bie iftn .»unäcbft nad) Vonbon führten, ino er 
als Mlavicrpirtup* unb 6toinponift bas Bublitum unb bie 
Vjlreffc im Stimn eroberte unb ben ©nmb 311 feiner 
fünjrlerifd>en SJladjtftellung in gnglanb legte. 3m Spät* 
fommer nntemabiu er mit feinem injnnfcbrn uadi Bonbon 
»erlebten Jreunbc Älingcmann eine tfrljolungsrcife und) 
Sdjottlanb, bereu G»lcni3puntt ber Bcfud) ber <Vinfial<i7l>pl)lc 


auf ber3nfelGtaffa war, ujo er bas gebeimnis« 
oollc 2l)ema feiner „Cuocrtüre 3ur cinfamen 
3n[er fanb; fo nannte er bamals basfpäter als 
„f)ebribcn"«Cuocrtüre berühmt geroorbene poe« 
tifetje Xoiiflüct. 3m Tcjcntber 1829 tehrtc er 
auf einige jeft nad) Berlin surüd, um bic filberne 
^achjeit feiner tHteni burd) bie ffluffübrung 
feine» rettenbeit l?icber|piel6 „Xie ^eimfebr aus 
ber ftrembe“ 3U feiern ; ben Xcrt ba^u hatte 
Älingemann »erfaftt. 3d)on im 'JÜIÖT3 18:tO 
riiftete fid) Jelijc 3«r Bcife nad) bem 3übeu, 
erf raufte aber an ben SJMfem unb tonnte erft 
am 7. 'Ulai anfbreeben. Stad) filtern «lufentbalt 
in Xcffau, ber Heimat feines 6>roftoaters p traf 
er am 20. SJlai in SBeimar ein, wo er feinen 
oäteriicbeu 3reunb (üoetfte ,311m Iefttenmal »an 
2tngcfid)t fab unb oienelpt läge ooll reicher 
geiftiger Anregungen »erlebte. Ojoctbe» Bericht 
an Wcnbelsfohns eigne Briefe aus biefeu 
lagen unb bie frifd)en 2ageb«d)anf3cid)mingen 
ber mit (boetbes f>au» befreuubeten , bamals 
neunjeljnlöbriflen 3fnnr) o. Bappcubeint geben 
einen Begriff t»a»on, wie ber geniale 3üngling 
oon bem <Wtl)cJd)cn Ärcis bewunbert unb auf 
.fvlnben getragen wuTbe. Xcr Tid)ter felbjt 
febenfte „bem lieben jungen ftminbc", bem 
„fräftig«3arteu Behcrrjcber bcs Biano»“ r 3»r 
(Erinnerung einen Bogen bcs w 3auft w -9J!anu« 
ffripte». 

ftber ben weitem Beriauf ber groften Steife 
'Utenbci»fohn», bie ihn über 'JJtünd)en, 2Bien 
unb Benebig am 1 . Stooember 1830 nad) Born 
führte, finb wir burd) feine iReifcbricfe genau 
unb anfdiaulid) unterrichtet. 3n S?om weilte 
er ein halbes 3 al)*, »ertehrte in ber oor* 
nchmften Oefellfcljaft, lernte oielc Rfinftler, unter 
ihnen Xborwalbfen, $orace Bemet, Berlio^, 
fentteu unb entfaltete nad) bcs lefttem Aus« 
fpmch als ..producieur infati|rablo‘ , I ber felbft 
an 2 d)irartotagcn gearbeitet hätte, eine reid)e 
fcböpferifche Xätigtcit, als bereu fd)önftc jrnidit 
bie Mompojitiou »on fooetbcs „ 2 Ualpurgtsnad)t" 
reifte. 'Jlad) lürteren Aufenthalten in Beapcl, 
'JUailanb unb 'JJlfntcbcn, wo bas berühmte 
Mlauifi 1 on)crt in tb-Dtoll op. 25 in fur^er Jett 
entftanb, finben wir iftn 'Witte Xcjcmbcr 1831 
in Baris, wo er »ter 'Wonate blieb, ohne fid) 
jebod) trog per[ünlid)cr (frfolge mit bem Dor- 
tigen yeben unb Xrcibcn 3 U befreunben. ©r 
oerlehrte mit ber bafclbft weilen ben inter- 
nationalen Münftlergnncinbc, fo mit (£boptn, 
'Weijerbecr, yif)t, Baillot, Malfbrenncr, Cie 
Bull, .feilte, Bavuc utib befoubers frcunöfd)aft* 
lief) mit JVerbinanb filier, brad)tc feine »Gommer« 
n ad) tstraum“* Cuocrtüre in 6 er 8 oci£t£ de» 
Coneeru 3 ur Vluffübniug unb fpieltc bafelbft 
Beethovens (ü-Xur-ltontcrt. 3m April 1832 
tarn er toieber nad) feinem geliebten Sionboit, 
wo er eine rcid)c nuififali|d)e Xdtigfeit ent- 
faltete. 3m 3 uli 1*^- lebrie et nad) mehr 
als 3 mei jähriger 'Jlbroefenbeit in bas CHtcm. 
haus nach Berlin 3 urüd, als 'Wcnfd) gereift, 
ai» Äünftler »cu ber Gönne immer waebfen« 
ben Wut)mes bejtral)lt, aber aud) an fdjmcrv- 
liehen grfahnmgcn reicher; waren ihm bod) in 
ber erften 4>fllftc bcs 3ahwö 1832 fein geliebter 
ftreunb G. Bieg, fein »dterlicher (Tiönncr (boetbe 
unb fein alter X'cbrmciftcr Jelter burd) ben 
lob entriffen worben. Gein Söunfd), nunmehr 
in Berlin einen ongemeffenen lünftlerifcben 
TOirtungslrei» vu finben, erfüllte ficb nicht.- Bei ber 
5Bal)l eines Xirettors ber burch Jclters Xob oerwaiften 
Berliner Gingalabcmie am 22 . 3 ani f^^ ' 1893 unter* 
lag er gegen ben unbebeutenben Buugenlyagen, wobur d) 
fid) feine Abneigung gegen Berlin »erichärfte. Xagegen 
erhielt er 1833 ben ehrcnoollen Antrag, 31 t Bfingftcn 
bas Vlicberrbeinifche SRufitfcft in Xüffelborf , 3 u leiten. 
Sein gldnjcnbcr Grfolg bei Mefem fteft, bem fein Vater 
beiwohnte, führte 311 feiner Aufteilung als ftäötifther Bhifit* 
bireTtor in Xüffelborf. Bor »mb nad) örnt ilcjt brachte er 
roicbrnim einige '28od)en in Bonbon ju, lehrte im Auguft 
mit feinem Bater, ber ihn and) nad) Gnglanb begleitet 
hatte, nad) Berlin jurfld »mb fiebclte im September 1833 
nad) feinem neuen SBirfnngsfreife Xüffelborf über. 

Xamit begann für ib« ein neues yeben. 3n felb« 
ftdnbiger Gtellung, bem uninittelbaren (Einfluft bcs ttltenv 
l)au(cs entrüdt, burd) bic Sfrifcbe bcs Ytyeinifd)en Boits* 
tmb Wunftlcbens angeregt, fühlte er fid) frei unb glüdlid). 
Xurd) fein Amt auch 3ur yeitung firdjlichcr Auffühningen 
oerpflid)tet, t>efd)äftigte er fid) eifrig mit geiftlichcr 'Wufir, 
oeranftaltctc groftc Gbotauffül)ruttg<it unb trat aud) 311 
bem Xhfol^r in Be.pehungen, inbem er ben „Xon 3nan“, ben 
„SBajferträgcr“, ben „Jigauo“ unb ben „rberon“ birigierte. 
'über fein Berhältnis 311 3mm ermann, mit bem er gemein- 
fcbaftlicb ein Xbeateruntcmehmen groften Stils leiten 
jollte, trübte fich balb; bas Afomö&iantentum war ihm 
unfnmpatbiid), unb er war froh, als er burch eine etwas 
rüdfidjtelofe Ablage im'Jlooembcr 18J14 „bas 001130 Xhcatcr» 
wefen über Borb geworfen hatte*'. Ilm fo eifriger wib« 
mete er fid) nun feiner eigentlichen Veben sauf gäbe, bem 
tonfünftlerifcben Schaffen, als beffen bebeuten&jte Grgeb- 
niffe in ber Xüffelborier Jcit bic „<Dfelufinen"«Cuüertü.re 
)iub gröftcre Xeile bcs ri« nennen finb. Aud) für 

feine Bcicbäftigung mit ber Bfai« unb Jeidjenfunft fanb 


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9fr. 3422. 28. 3Nuar 1909. 


Snuftrirte 3eitimg. 


151 



Steile Charlotte Sophie SRenbrlsjöhn SSartljoIbt), geb. 3^nrenaub. 

Nnd) rin» 'ölcijtiltlftu? .W einem Clbilö von 'Philipp 'Heit (,>rnnfnirt n. 91. 1H.1*). tim »öeliy von Stau (ficlirmtrat Wnch in tfcünifl. 


vr in Der Blalerftabt rcid)e Anregung, unb ihrem gef eil* 

fct)of tli<t)CTi ßebett gab er fid) gcnußfrcuDig l)iu, befpubev* 
gern ttt Dem flaftfreien unb ntufifaltfchen u. 2Uoringcu|d)eu 
-V>on|c, iuo er and) Die Anregung zu feinen ooU*tfinilid)en 
a-cnp|jeUu- Quartetten empfing. 3m 3uni 1835 leitete er in 
M Öln bas Aicbmljcinifchc 'JOUififfeft, 311 Dem feine Eltern 
intö £d)u>eftem oon Berlin geFotumen waren. EuDe Juli 
begleitete cv feine (Atem nad) '.Berlin unb lehrte uid)t 
wicDcr in fein Düffel Dörfer Amt zu nid. Denn er Ijnttc 
Die i l)in angetragene ßcitung Der leipziger (GcwauDhaus« 
femzerte angenommen, ficbcltc am 30. Auguft 1835 nad) 
ßeipzig über mtb nal)iu feine SUohmmg im mittleren 
Borbergcbäubc uon 9?cid)cls (Garten, eine Dreppc l)od). 
.Uiit itjm fam eilt linier nuifitalifd)rr (Gcift in Die cl)i» 
würbige Blcißcftabt, über ber nod) Der Gehalten 
Des gewaltigen Dljomasfcuitörs fdjwebte. Turd) feine 
reiche tfmftlerifdje mit wcltmännifche BilDimg, önrd) feine 
(Genialität als fehaffenöer Münftlcr, Dirigent nnb .Warnet« 
fpiclcr machte er ßeipzig 311m tttittclpinift Des citropäifdjen 
yjlufitlcbena. 

Am 4. Ott ober 1835 cröffnctc er bas erfte (Gewanb* 
hnusfonzert mit feiner „Ütccrcsltillc** unD leitete Dann 
fcineni Vertrage gemäß nllioüdjcntlid) ein Abonnements« 
lungert. Diefc foqleid) von glänzcubcm Erfolge ge» 
frönte Dätigfeit imif|tc er auf hir.jc $eit imterbrcd)ni, 
tim feinen am 19. Aoocmbcr in '.Berlin plotjlid) geftorbeiicu 
Bater zur lebten lHuhc 311 geleiten. Dabei traf er mit 
feinem 3ugcnöfrcunDc, Dem trefflidjen (Geiger fterbiiianD 
Davit», zufammen, ual)m ihn mH nad) ßeipzig nnb bewirtte 
feine Aufteilung als Monzertmeifter beim (ftcuxinbEpnw* 
ortfjefter, luobnrd) er für feine refonnatoiifdje DätigEeit 
einen treuen Reifer gewarnt. Schon im 'JDlfirz 1836 ntitrDc 
er von Der pt)ilofophifd)cn <VaruUät Der llnioerfitöt „olt 
insiguia in artem rmisicam mrrita honoris, causa 14 311m 
l)r. phil. promooiert. 'Jim 22. unb 23. 'Jütoi 1836 bradjte 
er auf Dem Dtiebenljeinifdjen 'DJufiEfeft in DüffelDorf feinen 
„Paulus“ mit glänzcnbetn Erfolge .rur erften Aufführung. 
Am 4. 3toti reifte er nad) ftranifurt a. SM., um feinen 
fvanfett ftreuttb Gd)clblc in Der ßeitimg Des iSAcilicn-Bcrctn« 
.311 oertreten, itnb tnadjte bnfelbft Die Bc!atintfd)aft oon 
üetile (Stjarlottc Sophie 3cattrenaub, mit bev er fid) am 
9. September in Mroitberg bei ftrantTUTt oerlobte, nad)« 
Dem er einige Sotnmcrtoodjen fern oou ber (Geliebten in 
Scbeoeningen ,3iigcbrad)t hatte. 3n ihr f<mD er eine feiner 
toüTbige ßcbensgefiihvtin, eine feinfinnige, zarte Aatur 
uon poetifdjem IHciz* Die auf bett jcljn 3«bw älteren, 
lebhaften unb reizbaren Bfanbclsfohn einen wohltätigen 
perfönlidjeu Einfluß gewann unb mit U)nt in glüdlid)ftcr 
Ehe lebte. 

Die ftaaptercigniffc Mouzertwinters 1836 bis 1837 
in ßeip3ig waren Die crftmaligen ?luffül)nmgcu beo 
„^fracl" 00 ti f)ditbcl unb Des „'Paulus“. SBalb nad) bev 
le^tem reifte 'JJtenbcls folgt nac^ 1 lUÖ 

28. 9Jtär3 1837 in ber frnu.^öf if<t>»re formierten Äird>e — 
ileeilf 3eanrcitaub mar Die Iod)ter eines refonnicrtcu 
(Geifllidieii — feine Drau 1111g in franjöfifdjcT 3prad)c ftatt* 
jamb. Die f>od)3eitsreife füljrte bas junge 'Paar nad) Dem 
Oberrljein unb Schwaben. 3n ber 3ioeiten fiälftc bes 
Septembers 1837 leitete 'JJtcubclsfol)n bas große IRtifif* 
feft in Simiingbam, 100 cv gleidjfalls feinen „^Jaiilus'' 
auffüljrte. 2lm 2. Oftober finbcit wir U)n wteber in 
ßetp^ig, wo Die 'JJeuoennählten tn Surgenfteins (Garten, 
in Dem erften fiaufe linfs, ,iwei Dreppen l)od), UBobnuttg 
nahmen. 3n ber min folgenDcn 3eit loiDmetc fid) 'Ulen« 
bclsfoßn f)auptfäd)[id) ber 'Jfcroo[[totnintuing bes ßcip.ggcv 
yjtnfiflebens, wobei i^tn feilt begeiftertcr 'Jteteljrer unb 
3reuttb Wobert Schumann, ber WogriinDev unb Webaftcur 
ber „Weiten 3eitfchrift für 9Rufit*\ als rritifd>er 9Jor* 
fämpjer ;ntr Seite ftanb. CGroßanig geplante l)if torifd>c 
,Mon3erte wcdjfcllen mLtbcDcuteiibenOratorienauffühnttigeu 
unb glättjenben Darbietungen intereffantcr 'Jtirtiiofen, wie 
ÄUara 2Bied, 9Jlofchele*3, Il)fllberg, ab. Daneben genoß 
Der Wiciftcr Das ungetrübte (Giftet einer bet>aglid)cn $täus« 
lichleit; im 3«bntar 1838 mürbe ihm fein erftev Sol)ii 
.Marl SBolfgang 'Pani (fpätet (Gcfdjichtsprofcffor in ftcev 
bürg) geboren. 3m ganzen ctitfproffeit ber jclju jährige 11 
tfhe 'JOtenbelsfolius fünf MinDer, bereu jüngftes ßiti (ge« 
borcu am 19. September 1845) ab (Gattin Des (Geheimen 
Wab 'Prof. Dr. 9Bad) uod) heute In ßeip.gg lebt, Wert« 
belsfotjus im IBiutcr feljv anftrengenbe, ja aufteibeuDe 
Stellung gemährte ihm einen Sonimerurlaub uon fechs 
Wonaten, Den er 18:18 micbcr bei feinen Sieben in 'Berlin 
oerlebte. Diefc frohen läge unterbrad) er nur, um ant 
3. unb 4. 3uiti bas 'Miebcrrl)cinifd)c OTnfitfeft in Möln \\\ 
leiten; baut feinen unahläffigeit Bemühungen bei beut 
Moinitec fittben wir auf Dem 'Programm biefer J>cftc .gtm 
erftcnmal Scbaftinu Bari) mit einer Mnntate pertreten. 

'.'lud) für3)lcnbclsfol)ns 3d)aficn mürbe biefer Sommer 
ergiebig; als bebeuteiiDftc 'JBcrfe feiner erften ltl)cjal)ve 
iinb Die Drei Bfaliiten 42, 95 unb gan.t befoubers 114 
(„Da 3fracl aus tOgnptrn .^og") gt neunen. 3m September 

1838 lehrte ber Biciftcr nad) ßctppg umid; bas mufira« 
lifd)e (freignio beo Winters würbe bte Aufführung ber 
uon 3d)umaim aus 'iPieu als 'JJtanuftvipt mitgebrad)teu 
H*Dur«3t)mpl)onie 3rau.) Sthuberts. 2lud) im Soiutuer 

1839 leitete 'JJ?cnbel*fol)tt toicDer bas Wiebcrt'heiuifdK 
Biufitfcft in Düffel Dorf, Dem bie cnglifchc Saitgevin Mtava 
'JJoocllo befoitbent (Glan) oerliel). Dicfer 3 f *t cutftammt 
and) fein beliebteres Mainmerntufilmevl, Das D-Wolb 
Irio op. 49. 3m 'IPüitcr 1839/40 taud)tc iVran.i Wif.it in 
Veip3ig auf; SJien bei sfolju bemunDcrtc Den grofieu Bit' 
tuofen unb cnoics ihm Die freunblid)ftc Mollvgialität, ba- 
gegen lehnte et fn feinen Briefen Den Momponcftcu 
ßif^t aufs entfd)iebenfte ab. ^iir bas oieti)uuDert jährige 


oubelfeft Der (frfittbimg ber Bnd)Dniderfunft, Das in 
ßeipjig (£nbe 3unt 1840 glan.vooll begangen würbe, fom» 
ponierte 'JJIenbclsfohti 3wet größere IBerte. Der fteftgefang 
„Baterlanb, in beinen (Gauen“ würbe hei ber Enthüllung 
Der (Gutcnberg-Stntuc auf bem 'JJiarClplah gefungcu; bie 
Aufführung ber Si)tnphoniefantate „ßobgcfattg" in bem 
3eftfon.jcrt in ber Dhomasfirche ant 25. gcftnltcte 
fiel) xu einem Driumph für Den birigierenben Blcifter. 
(Glcid) Darauf leitete er oont 8. bis 10. 3uU 'JPlufit» 
feft in Schwerin, bei Dem er feinen „'Paulus" aufführtc, 
unb am 6. Auguft 1840 gab er tu ber ßcip.Hgcr Dl)omas> 
tirdjc „^soli«8.iiuo 4 *, wie er fdjreibt, ein Crgelfonjcrt ,runi 
Bcftcn eines Bad)«Dcurmals oor Der Il)ontasfird)c. And) 
in beu (Gcwanbhauslon.icrtcn hatte er bereits eine will' 
Jame ^IropaganDa für Bad) cingelcitet. Am 23. September 
bradjte er bet betit 'JOlufiffeft in Birmingham feinen „ßob. 
gefang" jur Aufführung nnb traf am 9. Cttober wieber 
in ßeippg ein, wo er nun eine gcrnbe.gt fieberhafte 
Dätigleit entfaltete, linier anberm birigievte er .iwcintal 
feinen „ßobgefaug“, am 18. Dezember 1840 in Auwefeu* 
heit Des Mönigs oon Sad)fen, unb trat allein uon 'Jieu* 
jaljr bis Ettbc 'JJlär.i 1841 neunmal als Mlaoicrfpiclcr auf, 
neben feiner cmgcfpanntcu Dircltionstätigteit eine wahre 
Mcaftleiftnng, 9hu 31- Blär.t 1841 birigievte er .itirn erften* 
mal Die B-Dur*3t)mphönie feines großen Mimftgeitöffcn 
illobert Sdnunanti, Der babttrd) mit einem 3d)lagc al«s 
loiibidjtev 2lnfcl)cu gewann. Die Begehungen beiber 
Münftler waren im gaiticit Durchaus frcuuD{d)afllid), wenn 
aud) bei Der großen Bcrfd>tc6eit[)cit ihrer 'Jlaturen ein 
gan.i intimer Berteljr uid)t red)t auftnm. Ant 4. April 1841 
nahm Bieubelsfohit mit einer Aufführung ber „'JJIattl)äus« 
paffion" itt Der Dl)oniasrird)C, wo Das Alert 172« .uierft 
unter Badjs ßcitung ertltmgen war, von ßeippg Abfdjicb. 

Sd)twreti Viertens hatte er fich |uin $er,pd)t auf [einen 
ihm lieb geworbenen AJiilungsfrei* entfdjl offen, tun einem 
ehrenvollen Anf Des prcußifdicn Mönigs ftriebrid) AHl« 
heim IV. nad) Berlin 51t folgen. Aber Aul)« unb 3»<* 
f riebe nheit folgten il)tu nid)t 6al)itt; feine unflamt ßlu* 
(tolluunsperl)dltniffe in Berlin, feine eiugewu vielte Ab* 
ncigtittg gegen Das Dortige Munfttreiben De wirf teil, Dnii 
er fid) aus feiner öußerlid) gläit.tenDcn uub mit Drei* 
tanfenb Dnlem Dotierten Stellung eigentlich fdjoti weg* 
fel)u te, ehe er fieuod) augetveten halte, unD nid)t eher ruhte, 
als bis er int September 1844 unter Bcr.iidjt auf ,gt»ei 


D;vi»cl feines (Gehalts aller offiziellen (Pflichten Icbig «*ar 
tutb nur als Moinponift zur Berfüguug bes Mönigs zu 
ftcheu hatte. 'Blit ßcipzig blieb er and) roährenb feiner 
Berliner 3eit in baitenibcr BerbiuDung; |o uerbrad)tc er 
Dafelbft im 3nH 1841 einige iBod)ctt. Dann begann er 
itn Auftrag Des preufjifd)en Mönigs bie 'JOlufit zur „Anti* 
gotte" Des Sopljofles zu foittpontercn; ftr tarn am 28. Of* 
tober 1841 im 'Jleueti Balais ju 'Potsbain oor Dem fiof 
unb gelabeuer ff)cfellfd)aft z»r erfolgreichen llranffühnmg. 
Auch Die ftamilic BleuDelsfol)« war Dabei zugegen; über* 
Ijatipt btlbetc Der Bertehv mit bett Seinen für Bicnbels* 
foljn Den einzigen ßidjtpunft feiner Stellung in Berlin. 
Otti 3anuar 1842 fd)loß ber Bleiftcr feilte „fd)ottiftt)c“ 
A*'Dtoll«Si)inpl)onie ab, Dicilju fdjou feit Dev fHeife in Sdjott« 
laitb (1829) bcfd)äftigt Ijcittc. Das SBert erlebte, oou 
Blettbelsfohu Iclbft Dirigiert, in ßeip.zig am 3. 'JJlärz 1842 
feine erftc Auffühnitig. 3wci läge barauf leitete er im ßeip« 
Ziger Iljealer bie „2lntigone"*'JJltifif, aber fdjou am 8. Atflvz 
war er wieber in Berlin, Durch M onzerte, f>pffoirceu unD 
Mouferetizeu retdjlid) in Atifpntd) geuonntieu. Clin 'JJtai 
leitete er zum letztenmal Das Aiebctnrhctnifri)c Biufitfeft in 
Düffclbovf. Daun ging er nad) ßouöon nnb hatte Dics^ 
mal bie ifreubc, feine Jfrau ben cnglifchc tt 3tfunDcu vor* 
f teile n z« TÖUUCit. /fn^mial war er bei Der Mötiigiu 
Biftoria unD Dem 'Prinzgemahl, Die feine 'JlU’fte genau 
fannten unD fdjdlttcu, zu CGafl. 'Jiud) einer Erholitugs« 
reife in ber Schweiz uerlcbtc er zwei A3od)cn in »Vrauf« 
fnrt, wo er Den CrDctt pour 1c in(*ritc (gleid)zcitig mit 
Bofjini, ßifzt mtb Blcijerbeer) erhielt- Am 2. Cttöbev 
leitete er in ßeipzig Das erfte Aboiinenientslouzert. And) 
Berlin zuriidgclehrt, fud)tc er fid) oon ber Bürbe fcinr«> 
Amtes zu befreien, erreldite aber nur, Daß ihm nun „Die 
CDerouijid)t Der firdjlidjen unD gciftlidjcu 'JÜlttfif als 
'JUirfuitgslveis" übertragen umrbe, unD erhielt ben Ittel 
(G et teraln tu jilDiret tor. 

onziuijdu'ii jteDelte er wieDcr mit feiner ganzen 
3-auiitic nad) ßeipzig in Die alte AuHjiiung ütn-r unD 
blieb vom fedjftcu Aboiiiiemcutslou)crt (12. (November) 
rtn ba|elbft in regelnuigiger Dätigleit. Am 12. Tezetnbev 
1842 ftnrb iljm feine geliebte Bluttcr; Damit zeniß Da*> 
leßtc BattD, Das ilm an Berlin feffeltc. Unter Den 
inufifaUfdjen (£rcigniffcn Des AUntcvs in ßeipzig if( bie 
'Aufführung ber unigearbeiteteu „'Ibitlpmgisuadjt" unD 
bas Auftreten non i>eltor Berlioz als Momponift mtb 


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152 


STIuftrirte 3 ei * un 9- 


Kr. 3422. 28. Januar 1909. 



bie C5eu3anöl)Qus!on3crte. Dann ging er im 9lpril 1847, 
oon 3oact)im begleitet, 3um jetjnten« unb leßtenmal 
nad) (Englcmb, um oier ^uniU)ruuflen feines 
in ber fiottbonet Sacred Harmonie Society unb jjtoei 
weitere in ©hmdjefter unb Birmingham. 31t leiten. 
Slußerbem ließ er fid) mehrfach öffentlich unb prioatim 
ab klaoierfpiclcr hören, auct) toiebec oor bem fönig* 
tidjen ^aare. lief erfdjöpft reifte er am 8. Wat von 
fionbon nad) Jranffurt, wo il)n burd) bie kunbe i>on 
bem plötjlicfjen lobe feiner geliebten Sdjroefter Janni) 
$>enfet ein furchtbarer Schlag traf, oon bem er fid) 
nitfjt mefjti erholte. 3«>a* fwdjtc er fid) in ©oben* 
©oben unb in bet G«bwei$ burd) ©aturgenuß unb 
lünftlerifdje Xätigfeit roieber auf3urid)ten, insbefonbere 
aquarellierte er emfig; aber feine fiebensfraft toar 
gebrochen. 

HJtatt unb gealtert lehrte et ©litte September 1847 
nad) fieipßig l)«im unb brachte gleich barauf nod) 
eine traurige 2Dod)e bei ben fflcrwanbten in Berlin 
3U. ©ad) feiner ©ütffunft befiel ihn am 9. Oftober 
im £>aufe feinet mufifalifd)cn jreunbin, bet Sängerin 
Jrtau ßioia Jrege, geborrt cn ©erwarbt, ein t>eftiges 
Uiuoohlfein, gegen (Enbe bes ©lonats erlitt et mehrere 
Sd)laganfälle, unb am 4. ©ooember 1847 ging er jur 
ewigen ©ubc ein. Seine irbifdje &üll« würbe in ber 
Familiengruft auf bem alten Dreifaltigfeitsfircbbof in 
©erlin beigefetjt. Die Stabt fieipjig ehrte ben Gut* 
fdjlafenen burd) eine großartige Xrauerfeier unb einige 
Jahrzehnte (P^tcr fein Stnbenfen burd) ein ehernes 
Stanbbilb, bas am 28. ©Rai 1892 oor bem neuen 
©ewanbbaufe feierlich enthüllt würbe. Die fünf rlerifd)« 
Slrbeit feiner lebten ßebensmonate galt oorjugsweife 
ber oon ©eibcl gebi<f)tcten Oper „fiorelctr" unb bem 
Oratorium „Ghriftus". Die oon bei ben Werfen oor* 
Ijanbenen l)errlid)en ©tud)ftüde zeigen, baß bie fd)opfe* 
rifdje Straft bes ©teifters feineswegs erlahmt war, als 
er in ber Blüte bes ©Ranne saltcrs bie Slugen für immer 
f«hlo&; benn fie tragen wie ©ienöelsfobns gefamte 
kunft ben Stempel blüfjcnber Jugeublidjfeit, ungefud)* 
ter Schönheit unb meiftcrljaf tcr Jermoollenbung. Unb 
wenn auch mandie feiner einft gepriefenen Werfe heute 
fchon oerblidjcn firab, wenn feine teufdje unb innig« 
Donfpradjc vor gcräufcbvoUeren Grjdjeimmgen bes 
mabemen ©lufiflretbens zeitreeife oetfhimmt ift, fo 
luirb bod) ber Dlame Jclir 9Jienbelsfof)n ©artholbi) 
and) nod) jpätcrcn ©efd)lecbtcm unoergeffen bleiben, fo« 
lange eble&OTenfdjentum unb aus bem o ollen fdjäpfenbe 
fünftlcrifd)« ©cftaltungsfraft ihren ©ang behaupten. 



Dtx Anfang Mit „(Ein gfriUjlmgslleb ofjtte SGorte“. 91adj bet Sanbfärift oon gelii flflenbelsfoljn S5arl^&Ibtj. 

3m Sc|iB oon Stau Tora aRcnbelsfoljn Sartfjolbi) in HJOrjburQ. 


Dirigent betnerfenswert. ©m 23. 2lpril 1843 vetan* 
jtaltete ©lenbelsfohn 3111 Jeter ber (Enthüllung bes oon 
ihm gestifteten Bad^Denfmats ein ©lorgenfon3ert, bas 
nur ©ad)jd)e 'Berte enthielt. Das fd)(td)te Denlinat „ift 
nahe am DI)omaspförtd)en unmittelbar ben (Jenftcm 
gegenüber, bie ber ehemaligen (Umtswohnung bes Hantors 
an ber Dhomasfdhule angebörten" (?£. Dörffel). 2lud) mit 
ber am 3. ?lpril 1843 erfolgten (Eröffnung bes ßeipjiger 
konfervatoriums, bas f pater für anbete ähnliche Wnftalten 
oorbilblid) geworben ift, toar eine ßiebUngsfcböpfung 
©lenbelsfohns ins Sehen getreten. Seine ©erbte nfte um 
bie Stabt fanben am 13. 2lprtl burd) bie ©erleihung bes 
Gf)renEmrgerrecf)ts gebühtenbe Giriert ermutig. 3m Sommer 
1843 blieb ber Weiftet jumeift in ßeip3ig unb führte am 
19. Sluguft in einem Äon3ert ber 8iarbot*®arcia ben 
zwölfjährigen genialen knaben Jofeph Joachim in bie 
ßff«ntlid)feit ein. 3n bemfelben konjert fpielte er felbft 
mit Frau Sdjumann bie neuen ©*Dur«©ariationen ihres 
©atten für 3toei SUaoiere. Unter ben für ben prcufjifdjen 
ftönig unternommenen Slrbeiten ragt hoch hetoot bie un« 
oergleid}lic£>e „SommeTnadhtstraum^Wufir, bie am 14. Of* 
tober im ©euen Calais 3U ^ßotsbam ihre Uraufführung 
erlebte. 3m ßeipjiget Stabttheater etf(hien fie juerft am 
30. De3«mber 1843. (Enbe ©ooember mar ©lenbelsfohn 
mit „Sad unb ©ad unb mit {Jrau unb Ätinbem" wiebex 
nad) Berlin gejogen, wo er bie Sgmpboniefoireen ber 
königlichen ftctpelle leitete, auch oft als Golift auftrat unb 
fleißig ramponierte, barunter befonbers fd)öne geiftlich« 
©lufif für ben Berliner Domchor. (Enbe Slpril 1844 
brachte er feine Oramilie über JCeip^ig nach SraTiffurt nnb 
ging bann im 3Jlat nach Conban, roo er bie lebten kan* 
jerte bet pt)tl^armonif<i>evt aätwon leitete unb babei auch 
feinen Schößling Joachim einführte. Slm 10. 3uli 1844 
□erließ et ßonbon unb traf fchon am 13. bei feiner Ja* 
milie inSoben ein, mit ber er eine töftlidhe, ungebunbene 
Sommetftifche genoß. 3n biefet b e ‘ietn, jorgenfteien 
Stimmung reifte eins feiner unvergänglichen ©teijtertDerfe, 
bas ©iolinfoiucrt op. 64. 3in September fuhr er toicber 
nad) ©erlin, aber nur, um fein unbefriebigenbes amt* 
Lid)*& ©ethältnis ctibgültig 311 löfert. Das gelang ihm; et 


birigiette auf SBuufd) bes königs nod) einige kon3erte 
unb reifte bann am 30. ©ooember nach Jranffurt, wo er 
brei oicrtel Jahre blieb unb ungeftörtem Schaffen lebte. 

3m 2lugu(t 1845 nahm er feinen feften IBohnfiß toieber 
in ßeipjig im ^jaufe königsf trage 5 {jetjt 12), eine Dreppe 
hoch, wo jeßt eine ©ebenftafel an iljn erinnert, unb teilte 
fid) mit ®obe in bie ßeitung ber ©ewanbhausronjexte. 
Den OTonat ©ooember oeriebte er in Serlin, 11m feine 
im Auftrag bes königs gefdjaffene ©tufif 3um „öbipus auf 
kolonos" unb jur „Slthalia“ ^ur Muffühmttg 311 bringen, 
©ad) ßeipjig jurüdgetehrt, leitete er am 4. De3ember 
bas konjert, in bem Jenni) fiinb bas ©ublitum bes 
©ewanbhaufes in einen Daumet bes CEntgütfCiis »erfeßte, 
unb bereitete tags barauf ben fleipjtgem, bie ihn anbert* 
halb Jahre lang nicht gehört hatten, einen ungewöhnlichen 
(&enuß, inbern er in einem ©rtrafonjert abroed)fclnb mit 
ber fd)webif Chen ©ad)tigall auftrat. ?lm 14. Jcbruar 1846 
führie er bie „Dannhüufer"* Ouvertüre oon ©ichatb ©Jagner 
auf — bas erfte unb einzige QJlal, baß er ein ©3erl feines 
großen ©ntipoben leitete — unb am 12. ©pril roirtte er 
in einem konjert bet 3enng fiinb neben klara Schumann 
unb Daoib mit. 3njwifd)en hotte ec feine $)auptfraft 
bem aufblühenbeu konferoatorium unb ber ©ollenbung 
bes „Glias“ gewibmet, ber fchon feit 1837 feinen (Seift 
befchäftigte. ©r plante, feine öffentliche Dätigfeit ganj 
aufjugeben unb nur bem Schaffen 3U leben; burd) raft* 
lofe ©rbeit überanftreiigt, begann er an ©eroofität unb 
häufigen kopffchmerjen 3U leiben. Drotjbcm leitete er am 
1. unb 2. Juni in flachen bas ©icberrheinifche ütufiffeft, 
wohnte ber ffchstjunbertjährigen Jeier ber ©inführung bes 
3rronleid)namsfe[te$, wofür «t fein „Lauda Sion“ fpmpo* 
niert hotte, am 11. Juni in ßüttid) bei unb birigiertc 
■gleich banad> feinen „Jeftgefaug an bie künftler" op. 68 
in köln. 21m 27. Juni war er wicber in fieipjig, u>o er 
bie legte §anb an ben „Glias 11 ' legte. Das vollcnbcte 
SBerl bradjte et am 26. Qlugujt in ffiitmingl)am mit bei» 
fpiellofem ©rfolge 3ur ©uffüfjrung. Deffenungcadjtct 
macl)te er fid), nach ficipjig jurüdgefehrt, fofort an eine 
cinfdjneibcnbc Umarbeitung bes Wertes. Sluch im Winter 
1846/47 leitete et in regelmäßiger Wbwed)[hmg mit ®abe 


gelb 5Dlenbelsfof)Tt SBnit^olb^s 
„ßicbet ohne ®3orte". 

an fürdjte nicht, baß id) — folgenb bem 3v»9« ber 
3eit — eine tiefgrünbige, fd)öngeiftige 9lnalgfe 
ber „fiieber ohne Worte" geben werbe; fold>e Dinge fittö 
ebenfo erbaulich als oft crgößlid) 3U lefen, oerraten 
faft immer unenbti d)eu Scharf finn — finb aber bod) 
meiftens oerlome ßiebesmüh , . 3®^ biefer 3 f ü en 
ift nur ber, auf ein ©ebiet bes Schaffens 9J3enbcUfohn* 
nadjbrüdlid) hinpweifen, bas im mobemen Wufif* 
getriebe faft ocrfchollen erfdjeint. 2Beld) ungeheuere 8c* 
liebtheit unb ©erbreitung bie „fiieber ohne Worte" oor 
wenigen Jahrzehnten hatten, weiß jeber, bem ©iolin- unb 
©aßfchlüffel nebft einiger kenntnis ber Daften feine 
„böhmirdjen Dörfer" finb. Die enorme „Umwertung" 
aller ©hifit burd) Wagner unb fiifjt brängte natürlich 
ben oomehmften ©ertretcr ber belifateften formellen 
©ollenbung 3uerft in ben Ijintergrunb , unb jo haben 
wir — gleich Jlut unb (Ebbe — nach einer 3rit, in ber 
[ogar ein Stöbert Schumann ben lieben, in fünftlerifchen 
Jragcn ftets recht faumfeligcn Deutf<hen entfeßlich form* 
los unb oerwirrt er|d)ien unb ÜJJenbelsfohn als ber 
©ipfelpuntt bermufifalifdjenGntwicflung inDeutfdjlanbfür 
feine 3®it |mit Slccht gepriefen würbe, es erlebt, baß ein fo 
fetnfiuniger, gemütswarmer, großer Weiftet wie Wenbels* 
fohn faft vergeben, jcbenfalls total untcrfd)äßt würbe 
unb wirb. Um alle, bie für Wenbelsfohn heute nur 
noch ein mitlei biges öächeln übrig haben, auf bie oöUtge 
©erfehrtheit — um nidjt 31» faßen ©erbohrtheit — ihrer 
9lnfid)t aufmerffam 311 machen, fei nur furj fonftatiert, 
baß, nad)bem bas ©ebiet ber Orgelliteratur nad) ©ad)s 
lobe in ewigem Schlummer oerfunfen war, erft Wenbels* 
fof)ns Orgelfonatert als marfantefte ©euerfdjeinungen — 
jaft hunbert Jahte nad) ©ad)s Dobe — auftraten. Wer 
ba weiß, welche Unmaffe oon Orgelmufif in ber 3e»t vom 
©blcben Sad>s bis ©Jenbelsfohn gefdjrieben würbe, fann 
fo ungefähr beurteilen, welch mirtlid) „große lat" Wenbefs* 
jofjns Orgelwerfe finb. Die ©tufifwelt befitjt fobann an 
ber „Gommemod)tsh:aum ,, *CuDertüre, an ber „^ebriben“* 
Ouoertüre fold) eble Juwelen echt beutfdjer ©hiftf, folch 
glänjcnbe Borbilber h^cnswanner, oollenbeter kunft, 
bie ihrem Schöpfer für immer bte Unjterblichlcit oerleihtn. 

Daß eine fo übmagenbe (Erfdjeinung wie HJRenbets- 
fohn fofort jahllofe ©achahmer fanb, bie fid) nicht genug- 
tun fonnten, es bem ©leifter nad)3umachen, ohne „er felbft" 
3U fein, baburcf) aber eine bebcnflich« ©erflachung bes 
Stils, bes gebantlichen Jnljaltea h^beiführten, ift eben* 
fo wahr, wie baß bie „geijtigen Gflaoen“ bes größten bra* 
matifd)en ©enies alter 3«iten, ©icharb Wagners, auch nicht 
mehr „Bleihcnbes“ fdjaffen werben als jene. (Es wirb 
vielleicht manchen meiner kunftgenoffen baß rounbern, 
baß id) mi<f) fo genie mit ©lenbelsfoßn befdjäftige, feine 


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3 Hu[trirte 3 ^uitg. 


Eenue |o manchen „^Prefot)elt>m"\ io manchen jungen, mit 
mifjocrftanbenem Wagner unb tlfjt burchfeudjtcn jüngften 
„'Ikophctcn“, bir t)öl)ni(ct) bic Mafe über Sftcnbrisfohn 
rümpfen; babei lernte id) biefe Herren |d)r genau unb 
weife nur ju gut, bas pofitive Wonnen, bic fouipofitorifche 
Veranlagung tiefer „©emegrofe 1 c ,, mtben nie io weit 
reichen, baß fic — alle zufammen nur eine Äoinpofition 
oon brr ©üte uub Vollrnbung eines „ßiebes ohne Worte“ 
Zuftanbc brächten. 

-Sollte es ferner einem feinnervigen Vianiften, helfen 
3beal weniger bie (Erzielung eines möglidjft robuften An» 
f (Ringes ift, wirtlich uid)t iud)t möglich {rin, burd) poefie« 
oolleii Vortrag oon WcnbcfsfohnfchenÄtlaoicrftüdcn einigen 
Veifnll ju ernten? $at nicht ein Jo eminenter Aünftler 
wie ViUoro bie größte Hochachtung vor VJcnbclsfohn 
gehabt unb bis in feine fpäteften 3ahrc Vicnbclsfohn 
öffentlich gefpiclt? Unb es wirb wohl fein SRenfd) 
Vülow, ber ftets auf ber oorberften Varrifabc- bes frort- 
fdjrittes fdmpfte , ber „Müdftänbigfeit“ in ber (Erfenntnis 
unb Urtcilsfähigtcit jetten! ©ülotos innerfter Wahl* 
fprudt): „(Ehtct eure beutfehen 9Meifter“, verpflichtet aud) 
uns, ben großen, beutfdjcu SMeifter frcli* V2enbclsfol)n 
ju ehren für immerbar. Mcgcr. 


Äarl 9nenbds|ofjn 93att^olbt). 

dlad) einer Buntltif tj<id)Tiuiifl non 3. 'fl. l'aurcn» fl. Cltobrc 1W3). 
3nt ©fjit} oon ftrau CSebtimal tBad) in l'eimifl- 


2Ro|es 9Wcnb<Is|o5tt 

‘Jtflrfi einer «ilbouette au« üaoaler» .^bnfioon»mi(d)«u 3rA«itnetilen. a 


„lieber ohne Worte“ fefjt oft fpielc. Vielleicht hält man 
mich für einen „»ertappten ^RücTfdjrilt le-r“, vielleicht „freut“ 
fid) fo mancher, baß id> nun enblid) befeljrt bin vom 
djr om atif cf)en Wahn unb oon anberen ^exf cf|r öcftid)cn" Tin« 
gen, freizügiger Harmonit, feffellofer Tonalität, unb wie alle 
biefe meine imfüfjnbaren Verbrechen gegen bic „cble", 
„wahre“ Jlunft hdfeen, gegen bic Aunft, bie jene fo 
lieben, bie beim SRufifhören fo ungern in iljrcr Muhe 
geftört werben möchten. 

Was mid) bei Mtcnbetsfohn [o entzieht, ift bic Wahr- 
heit bes Ausbrudes, bes (Empfinbnugslebens eines aud) 
meufd)lid) burd) unb burd> oomehmen Äünftlers. Dabei 
offenbart fid) befonbers in ben „Öicbcm ohne Worte“ 
eine bexartige ©ollcnbung bes flaoiertcchnifchcn Materials, 
eine fold) abfolutc Vel)crrjd)ung bes in ufifalifd)- formellen 
Clements, baß man all ben oenoirrten unb verirrten 
jungen Ilbcrmenfchcn, bei benen Vhtflf überhaupt erft 
bdm achten Horn, beim oicrfochcn „ftolj“, bei vierunb* 
icchjig ■Schlaginftrumenten unb einigen Tußenbcu perfd)ie- 
ben geftimmtec ©loden beginnt, ein gtünblid)cs „Gtahlbab“ 
in Vlenbelsfohn mir aufs bringenbfte empfehlen fann. 

Wan jammert heutzutage, baß bic cble Hausiitujif 
ausjuft erben öroht. Hier wäre ber Woment, bie „lieber 
o^ne Worte“ wieber ju (Ef>rem ju bringen, toenn man ju 
ber <Hnfid)t gelangen fönnte, baß Vhifit auch »f)i« öfn 
©runt mobemrr Äonjertfäle, ohne fßreisfehau ber Ickten 
Wobeneuheitcn gen offen werben fann. Ilm biefe« 3iel, 
bie „Sieber ohne Worte“ in ber ijausmufif wicber zur 
©clluttg 311 bringen, ]u errtfid>eii, bebdrf es juerft ber 
Witwirtung berer, bie im öffentlichen SJhififleben als aus- 
führenbe itünftler ober als Üritifer eine nidjt zu unter« 
idjähenbc Molle fpiclen. £s muß leibcr fonftatiert werben, 
baß in biejer Vezicljung in ber ^ reffe, bann von ben 
jüngften „jWuertöpfen“ oft ftarf gefünbigt wirb. 3 d) 


J unb in allein ber leife Xuft einer tlciuen, frifd) gepflüeftert 
©lume, ein .<P>aud) non Veilchen fo werben bie Schöp- 
fungen aus JVelii Vleubdsfohn Variholbps Ciugenbzett er- 
fteben, fo finb fie an feiner Wiege oon ben ftccn gelungen 
worben, benen er fpätcr im „Verpönte“ ihre beutfehe Cpvr 
Ijdtte fdjrciben follcn. 

3n einem befonbem Sinne bleibt freilid) aud) oon 
fold)on allgemeinen iVefttagen ber engere itreis ber ndchftcn 
JVrcunbe unb Angehörigen zur iuncTlichften i>eifT gefeilt; 
bie wenigen ttbcrlcbenbcn laffen im £d)ein feftlid)cr 
LMdjter bevt Abglan 3 aufglühen, ber auf fie oon ber 
leuihtenben Seele bes Münftlers gefallen ift, unb bie 
jüngeren ©lieber ber Familie finbeu fid) in bem ©elöbnts, 
bafe jeber in feiner Weife feinen Xeil am (Erbe wohl b«* 
wahren unb feiner bem Äamen lineare inadjen wolle, 
einem ffielöbnis, bas ihre fperjen ftol.t unb bod) befdjeiben 
macht. Viag aud) bem 3nngften bie 3»fnnft lorberr- 
gefchmüdt por Augen fd) weben, mögen feine 2 räume »oll fein 
oom Xiougfifchen Maufd) bes itünftierruhms ober oom 
ftrengem ©etoinn bet Jorfcherehre für feinen oon uns 
n -i uiirb bas Sdjidfal ben Meid) tum feiner heften (haben aus«« 

fdjfltten wie über bic groben Vorfahren. Unfrr Cos ift 
3m «r|ti5 oon jra« »«-ijcimrat Pas pcref)Tcnbc Aufhlitfcn aus bem Tömmerlidht zu bem 
Trctgeftim, bas uns ju ^nuiptcu fteh*: bem ©rüttbet bes 
Mamens, 9Jiofes fDlenödsfoh«, ih«t, ber aus eigner ©eiftes- 
fraft fid) bie llnftcrblidjfeit gejthaffen t)at , bie fein 
„Vhöbon“ lehrt, ber fid) auf bem hfbräifchen Siegel feiner 
Vriefc nannte: „®2ofes, ein Jrcmbling, fommenb aus 
Deffau", unb ber oon ben beften ©eiftem feiner 3*it ge- 
liebt, oon feinem Volf als ein neuer €ofrateo bewunbert 
ftarb; unb neben ihm feine beiben Aünftlermfd, ber 
Whififcr tVelit Wenbelsfohf» Varlholbt) unb ber 'JMalev 
Philipp Veit. Was biefen breien bas £d)idfal gegeben 
hat, bas wirb fid) an feinem atibem wiederholen. Tenn 
was ift bic Schärfe bes ©riftes, bie ©emalt ber löne, 
bie Weifterfd)aft ber formen neben ber Weihe ber ed>tcn 
JVröminigfeit, bic bas Vilb eines jeben biefer 6rci in bic 
.vverjen feiner ©[aubensgeuoffen gefeult h At? Wofes 
'JJleitbelsfohn, ber erfte llberleßer ber Vfabncn unb ber 
VÜdjer fölofe für bie beutfehrn 3ubeii, ber Schöpfer ihres 
„3erufalem“; SVelix, ber Wiebercrwedcr ber Vachfdhcn 
Vaffionsmuftf unb ber Vcgriinber einer neuen Ciratorien- 
form, bie fid) aus bem fird)lid)cn Ifeben ber Vtotcftanten 
in Xcutfchlanö unb ©nglanb nidyt mehr wegbcttlen läßt, 
unb zulcßt ber Water bes Vlainzcr Xoms unb ber lieb- 
lid)ften Wabonncnbilbcr netter bcutfd)cr 3f‘d)cnfunft, in 
feinem Veben unb Schaffen ein Vorbilb fatholifdjer 
©läubigfeit. 

Vielen unter ben Macht ommen Mlofeo Mtcnbclsfohns 
ift iiunft ober ©elehrfamfcit zum ebensberuf geworben. 
Seiner 2od)tcr Xorothea ?lntcil am ffmftlcrifd)cu 2d)aucu 
unb Schaffen ihres zweiten flJtanne* 3riebrid) u. Sd>legel 
ift erft iüngft burd) gelehrte llnterfudnuigcn (^. Xeibd, 
„Valacftru“ XL) ans Uicht gezogen worben, wenn fie fefjon 
früh« «l® eine ber bcbcutcnbftcn Stauen bes fchöneu 
Momantiferfreifes befaitut war unb bie zwei Vänbe bes 
Vriefwed)fels mit ihren Äinberu Vhilipn unb 3ohannes 
(p. Maid), Vtainz 1«H1) trefflidj ebiert roaren. Unter ben 
VEnfetn bes 'Vhilofophen begegnet uns ber erfte ©elehrte, 
Venfamin Mlertbclsfohu, *f3rofeffor ber ©eograph>e in 
Vomt unb Ä>erausgeber ber muftergültigeu ©efamtausgabe 
oon „Mto|c*3 Mtenbelsfohns Werfen unb Vricfcn“. 3n ber 
glcid)cu ©rncration ftanb neben «Vrlix feine Lieblings- 
fchioeftcr tfannt) €»citfcl, bereu mufifalifche ©abcu bas ge- 
toöl)itlid)e 'JJJaß fo weit übcrftiegcn, baß ihre lieber ztüifcf)cn 
benen 3dir Wcnbelsfohn Vartholbgs ohne Vefdjämung er- 
Jcheinen tonnten, unb bereu geiftiges Vilö in ihren Vriefen 
unb in bem Vud) ihres Sohnes Scbaftian uns fo lieblich 
unb flug lebenbig geblieben ift wie il)r förperliches in ber 
LMthographie oon Wilhelm jjSenfet, einer ber jdjönften 
Vortrötlitbographien jener 3eit. Von beit Urenfelit hat 
fid) nrclii* flUefter Sohn Marl Weubclsfolm Vartholbt) 
als ©elehrter in einer viel zu früh geenbeten Uaufhahn 


Stach einem C'lßernaiOc 0011 © 


UJlofes SJJenbelsfo^n unb feine 9lad) 
lommen in ilunft unb 2Bijfenf<f)öft. 


X&üitfzig 3ahr begraben ift ein lag bes ©crid)ts, aber 
Ohunbert 3ahr geboren, bas ift etn 2ag ber (Ehre unb 
froher ßobpreifungen“, helfet es in ben „ßebensläufen“ bes 
alten Nippel, beffett Schriften fluger Spriid)e fo »oll finb 
wie nur irgcnbeincs Dichters ober Vhilofophm Werte aus 
jener Seit ber Wcltto eis heit, zu bereu fielben Wofcs 
SMcnbelsfolju zählt. Das Wort l)«t fid) an {VelUc Wcubels- 
foh»t merlwürbig bewährt. Als oor einem 3 A hr,fehut fein 
fünfzigjähriger lobestag taut, waren nicht viele 3U echter, 
herzlidjcr Xrauer geftimmt unb bereit, aus bem ßäxm bes 
Xagcs mit einer aufrichtigen Mlagc um bie gute alte 3cit 
fich jum 4. Moucnibcr 1847 zuriicfzubentcu, an bem er, 
ein früh Sollenbeter, im ©lanze feines Weltruhms unb in 
Der oon ihmhöhrrgefchätzteu innigen Sieb« feiner Mädjften, 
feiner Aunftgenoffen unb Mtitbürgcr ftarb, ober zum 
7, Mooember, an bem feine ßeidjc in fiirftlidjcm (Ehrenzug 
aus ber freige wählten $cimat feines Schaffens uad) Mer- 
lin geführt würbe, bas ihm im ßeben bie tiefjten Sdjmerjen 
angetan, unb über bas er oft in heiligen 3oro ausflcbrodjeu 
war. önitc hat fid) bas wunberbar gewaubelt. Die Augen 
ber Weufchen finb, wenn fic itt bie ©cfd)id)tc zurüdfehauen, 
weitfidjtig. (Erft ttad) huubcrt 3 a h rf,t <ft Sewunbe- 
nutg unb Siebe für bas romantifche Alter wiebererroacht, 
perfenleu wir uns in Vrentanos Jaubereien, genießen 
wir bic ftillc Schönheit ber Vilbcr aus ber ©rofeväterzeit 
unb fingen uns gern ein einfaches ßieb jut ß ernte. Vom 
ftefttag ber hunbertjäbrigen ©eburt, vom 3. ftWruar IMW 
an tönnen wir, ungeniert burd) mobifchc Vomrteilc, in 
einer Mciljc von öriertageu bie Werte neu auf gehen laffen, 
benen oor fnft hunbert 3al)rcn bic Vorfahren mit (Entzücfcn 
gdaufcht haben : bas Oftett unb bie M Sommemad)tstraum“* 
Oupertüre, bie „fjriuifehr aus ber ftrembe“ unb bie 
„f)d>riben“, bas erfte fKft „Vieber ohne 'Worte“ — wie 
zauberhaft wirft bas auf einen, ber bie letzten hunbert 
3af)rc uergifet unb cs 311m crftenniül E)5rt — uttb nun in 
JÖfille unb brülle bie Mtelobien, bie ins Voll tief hinein, 
gegangen finb: „(Es ift beftimmt in ©ottes Mat“, „Auf 
trlügclu bes ©efanges“, „ßeifc zifht burd) mein ©emüt“, 
„Oh, fäh* *d) auf ber JFjcibc bort", „Ter 3rül)liug naht mit 
Oniufcit“, |aud)z<nber {Vriihlitifl nnb tlagenber i>erbft, 
Mloiibfdjeinzauber im fiod)wnlb unb Sontitagiuorgcn 
auf blumiger Wiefe, weiter fnmincl über bem Ojean 
unb 'Dhirmcln bes Vaches im eng verftedten Xalgmnb; 


^onni) unb 9?ebeffa, 

mmVrltfobn Snrtbolöiis SOitpdtrrn. iSr ntdjn rt oon HMIliclm ipeniel (IK»). 


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154 


3llu[trirte 3eitung. 


9tr. 3422. 28. Januar 1909. 


tinr 



Einleitung bet 3lnfpracf)e an bie 6djül«r bes neugegrün« 
beten Seliger -Ronferoütoriunis bei ber Serfünbigung 
ber ^Jriifungsergebnilfe. 

'.»iiittj Der .ütmDldnif» »vn IVelir UHrnPcfelolm Äartbvl&n- Am 'Äffin nun 
Urof. 91. D!mt>cl*iol)ii 'Bnrttiolbt) in UMnbura. 


fjcruoiflc treten unb übt in grofjein 'JJuific pvaftifdjc 
Shtlnuthropie. Soit einet tfntelin fRebella Ttridt« 
let*. ftrl. SWaric Saum, berichteten bie Jcftimgrn 
nor Jaltrcsfrift, bnft fie in frfiftiger 'iUahnutg 
ihrer SRcdttc bic (egale Scbcutung ber Stellung 
oerfödjten habe, bie ihr al* Der ^weiten Iwbifdjeu 
fribritinfprftorin .riifani ; fie bleibt Damit in bei 
Trabitiou ber Xiridtlct*, bei betten bie ftarfc gei* 
I titte Begabung fid> mit politifdtem Temperament 
paart. t£in Uitfcl Philipp Bcits, ^yvic&ricb Seit* 
3af)n, pilegt bie Aiunft feine* Vorfahren in SRüit* 
dien. Ter Serfaffer biefe* Auffatic* lehrt an ber 
Uuiuevjitfit SM rj bürg bie fRcdjtsuMffcnfdtaft. Auch 
,>eli.v 'JMcnbelsfohnoBcff* tf»ottl)olb l)at [ein *>an* 
in GAbbeuWlAit* gegriinbet. utib iroei (einer 
2 ohne, (üuftau unb 
Mcrbert Wcubelo- 
fc*l)n Bartl)olbi), Ijn* 
&uf .tir, £ /jL». ** n &fn gelehrten 

n /Q Staub De* $iftori< 

fer*uiiDTU)ilofopbcn 
ergriffen. 3n Eng. 
Umb halt ein (Sütel ffelix SRcnbcl*fol)n*t Saul 
Scitede, nl* belehrtet Ihcofoplt, Xntor um Wag 
bnlen l£ollcgc in Oxforb uub aiwgcieidtuctrr 
Wu fiter, bie geiftige Xra&ition anfrect>t. Xcficn 
Sniber (Sbuarb »mode hat ber leb in Seilten 
jungen fahren in beit 3d)mei,Aet Alpen an 4 
un(erer Beilje geriffeu, in ber er tu bcu glfliv 
lenbften Taten berufen fttiien; vier Arbeiten über 
lateinirdie Tid)ter unb ein Bdnbdicn ttebidtte 
t engen Dafür. 

96 ü r ) b 11 r ß. 91. SÄ e 11 b e f « f o ly n (fl a r 1 1) 0 1 b n* 

Selii 'JJIcnöelsfot)n Skrtlfolbt) 
in feinen ^Briefen. 

^Nie huubert Jal)«, bie (eil WeitbeUfol)»* Wie- 
i/burt oerfloffeti (inb, haben mit Der gewaltigen 
UmiiHilitmn bc* Berfchr* in Sltcfcn nnb Beben- 
tnnfl bc* Briefe* tiefgehmbe Staublungen her- 
oorgentfen. AI* WcttDehfolm im Jahve IK'21» 
bie ASeimfeht oon feiner erften (Snglaubreife in 
leljti lagen bewirlte, mürbe Do* al* eine fölan.v 
Iciftnng angefchen, unb Solchem Jeirmaft rntfpradt 
bie tpftfpieligc itaftocrbinbinig nnb bie Be- 
wertung De* 'Briefe*. 

Je für, rer nnb geldinfteinfifoiger ber Sri cf* 
luedjfel nuferer läge mit ber ifrleichtcmug bc* 
Verte hv* gempvben ift, um |o bebentfnmer rpev* 
ben bie 'Briefe au* bcu lagen, bie troti brr 
.Wftrte bev oevfloffenen Jeit nun fdicm fo weit 
hinter uu* liegen, unb bie crfdiieuenen unb fort> 
gefeilt uodierjdieiiu'nbeu 'Brief Saiuiultingeufiub ein 
ipe(eut(id)e* «3-tficf tinfere* Schrifttum* geworben, 
^elir Wett bei *fcvhn ift ooit je gt ben Weif fern 
bes 'Briefe* gerechnet worben , unb auf bie 


evjtcu in ben fcdnigcr fahren non 'Baul OJ?i'itbclvjol)it 
Sartholbn heran&gegebenen Samiuluugen ift eine gnuje 
9ieil)c oon 'BeröffenUidiuitgcn gefolgt, bie letzthin burch 
bie an .Starl Jitlingcmann in Voubou geviditeteu 'Briefe 
eine awdi ittfofem mcfeutlidie tErgflnping erfahren hohen, 
als biefer oon 1H27 bi* 511 'Bieubcl*|ol)n* lobe 1H47 reirfimbe 
Sriefiued)(el wie lein atiberer mit Wcnbelsfoljno ganicm 
füuftlcrifdicn uub perföulidirn tfeheu im JiifantmenhaTig 

fleht. 

tüerabc bic Briefe geben ^etigni* non bet eiftaunlidieu 
frühreife be* 'J3ieufd>eit unb Mnnftlev*, unb e* ift be- 
letchneub, bafi atu Anfang ber bricfftellcrijcheu ifeiftuugcn 
ber Marne C&oetbe (tritt. Xer 'Brief bc* elijührigen Knaben 
über feinen erften Aufenthalt l»ei lüocthe ift oon über* 
rafcfienber Anfchaulidylcit. Uttb wie (fcoetlK fdtou bem 
.Wuaben in feiner ftberragenben (hröRc cutgcgcugetreten 
ift, fo ift er bem Bünftler allzeit ein CVufpirator geblieben 
unb l)«t nicht gnn wenigfteti and) auf bie ebk ^onu 
jeiner »riefe eittgemirlr. Sieben tftoetlte fteljt ^eati Batil 
uub in etwa audi fteinrid) tfieiue. Wan nergleidie ben 
Blaubcrbricf be* eben 'Jlcitmclmiährigcn au Atlingemann 
00m ft. ftebntar tb2b, ber mit bchaglidicr Breite bie 
Slcuigfciten be* bantal« uub lauge nod) redtt tleiitftdbtifcheu 
Berlin enählt. Dann madteu bie Meifejahre wie in ber 
t£iituücfluug bc* ilünftler* fo audt in Der bc* Brief ftellcv* 
einen tiefen tirinfebuitt. ‘Ülhe biefe oalne bem ingenblidt 
geuialifdien Treiben int Ultcmhoufe ein Chtbc festen, fo 
heteichneu fie audt in ber SSauptfadte beit Abfdjlufi be* 
itreunbesfreifc*, an bem Weubelsfohn mit groftcr Irene 
fcftgeltaltcu unb mit bem er ben brieflidten Berlehr in 
au*gebeltntem Wage fortgefclti hat. Xattl einer mit 
regem C vbuungsfiuit ocrhmibeuen Bie tat fiub and) bie 
Briefe bei ftrennbe an ben Münftler in überall* grofter 
.{altl erhalten unb werben ohne Jroeifcl nod) manche* 
'.Bidttigc mtage förbeni. 'B11* bem .Streife Derer, an bie 
Bienbclsfohu* Briefe oovnehmlid) gerid)tc* fiub, fbnnen 
hier nur Die .fvroorragenbfteu genannt werben. Stehen 
ben lllteni unb tficfcttimflcru fteheu au* ber ,ial)I ber 
CfiigeuDfreunbc bie SRufiler SMar.r, 'JJiofdtelc*, tKieti. bev 
Sdnger unb Sehaufpielcvtf&uarb Xeprient *), ber Cricutalift 
jyriebrid) Stofen uub ber in bauemDer, innigfter ^-rcuiib 
fdtaft ihm uerhuubene Atari Atlingemann, ber in ber bc= 
fdteibenen Stellung eine* IHegiftrntor* unb .Stnu giften bei 
ber Itanuoperfdten (liefanbtfchaft buidt heroorragenbe fünft. 
Icrifdie Begabung fid> bcu tfingang in bic Atuiifllcrfrci|e 
Berlin* erwarb unb im 'JJ»enbe[*fohnfrtteu A>aufe befon- 
bere Stiche uub ftreuubfcbaft geuoft. Atlingemann* fpätere 
Stellung al* Setrctfir ber hauuoucrfdtfn Atnnilri unb 
(ftcfanbtfdtaft in Stonbon vertiefte nod) Durdt ÜJtcnbel^ 
fohn* Bovlielve für tfuglaub uub feine häufigen Bcfudte 
in L'onbou bie in Berlin gewonnenen Begehungen, unb 
feine Briefe an ftelir unb ba* 'JJ{enbcl*fol|nfd)e .Viaii* 
perbieiieu e*, in eugfter Berhtn bring mit Wciibelvfobu* 
eignen Briefen genannt tu werben. Juni m*fprünglid)cu 
,\rcunbe*treife gehörten and) ber ASiftorifev Xroitfeu unb 
Die Theologen Schubring 1111b Bauer. Jahlrcidte Briefe 

Uljll. VMiarO Tcurkni, n tNriiu ttrinnrrunnoi nn rVell» WcnPclv 
iobn Piartliolbqtinb leine Äriefeflitinich“. n flnfl. r'eiinui. 3. 3. Weber. 
(*cb. fr M. 


au*ge,ieid)uet; ihm, Dem igifto- 
rifer bc* jungen (hried)cnlanb* 
intb bem Berfaffer ber Itaff ifdjcu 
Stubic über „lüoethe unb SJten 
bctofobit“ ift wie benBorfaltrcn 
hefchifbeu gewefen, über ba* 
engere Baterlaub hinaus in bei» 
nberfetgingeii feiner Schriften 
tu wirten. Auf ber gleidjen 
ttinie fteht Sebaftian ijtenfet, 
ber Berfaffer ber oiclgclefeneu, 
faft au einem Bo[f*bud) be* 
bcutfdteii Bürgertum* geioor* 
benen unb nach mehr in tSng. 
laub unb (Vrantreid) ol* eilte 

augcueltmc Bctbinbung mit 
beutfdter Atultur gcfdtäliteu 
„Familie SJtenbelef oi)u" ; vor 
einigen Jahren ift bie Bio. 
graphie feine* fd)icffal*reidjen 
yebeti* al* ein bebeutenber 
Beitrag tur (hefd)id>te ber .itdci- 
ten .ftälftr be* neiinteltutcu 
Jahrhunbert* von feinen Ätin* 
Dem Baul »mb Vili oeröffent* 
lidtt warben. Uub in biefe (fte- 
ueration Adljlt and) Sfntolb 
'Wenbelefoltn, Dcffeu fräftig. 
emftciuufitofifdte tHgenart ihm 
ih'nerbiug* mehr nnb mein 
Verehrer tu ber ftillen Schar 
ber Atcnnrr feiner trefflichen 
Atircheuniufit ,gi führt, ^leutr 
fdylicflt fid) au biefe Alteren 
eine gern te ilt eilte oon (üe lehrten 
uub Jüngern ber .Vtuuft an. 
Jwei Söhne Scbaftiau Jfictijcl* 
haben SJchrftfiljle ber Bhilo- 
fopbic unb her 'JJtatl)ematit in 
(frlangen unb inWarburgittnc; 
ihre Sdtwcfter t!ilibuBoi* Sterp 
monb ift oielfadt puhlitiftifdt 



3ntcda(en. 9kcf) einem Aquarell uon ftelii 9)lcnbeIs|o^n 23arlf)olbt) (jeine Ie^lc 3^i ( ^ T iung 1. 

3m »i'MH von rvc.ni (debeinmi Wodi in Veipiia- 


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SRt 3422 . 28 . 3 anuar 1909 . 


3 lIuftTirte 3 eitul ^ 9 * 


155 



finb ferner an fterbmaub filier, mit dem Öle erfte Be* 
famrtfebaft feßou in ber ftnabemieit gcfcßloffcTi wurde, 
gerid)tct. Aus 6er fpätern ßctpztgct 3^ f no<h 
Ferdinand Taoib, ftottrab Scbleinitj, Biels Wabe oor 
anbcTfii ju nennen. Xa3tt tarn eine Fülle non beruf* 
lidjem Bricfwccßfcl, oon Beratung jüngerer ftiinftlcr, 
wie denn überhaupt lau in eine liinjtlerifd) heruortagendf 
Kerfönlicßleit au» jenen Xagen, wo Xeutfcßlands gcijtiges 
geben im urnejef ehrten Berßältni» jum politifeben unb 
ftaatlidjen geben ftanb, aufter Begießung 311 Blcndelsfoßn 
blieb, POU den 3ablTetct)cn Kenterungen mit bein ftimft- 
leben bes Auslandes 3» [eßweigen. 

Btcnbclsfoßn flogt gelcgentlid) über bas all ut große 
SAaß ber Bricfpflicßten. So fct)relt>t er am 11. Xczcmber 
1836 anftlingemamt: „Brieffcßulbcn find wie ein anderes 
gafter, man plumpt immer tiefer hinein, mit jebem läge. 
Aber id) fann nidit wie ber l)cram>. 

Xu hoff feinen 'Begriff, wie es 
goßt, fo habe id) im vergangen 
nett Blonat über 20 IHtßlr. an 
Borto 311 zahlen gehabt, unb Xu 
weißt, was bas in Xcutfcßlanb 
beifit. 3d) habe im Xurcbfcßnitt 
3wei Briefe täglid) empfangen 
unb getrieben, unb bie wenig, 
ften waren nett." 3nxn Briefe, 
bas bebrütet bei brnt Umfang 
unb Onßalt bamaligcr Briefe 
freilid) eine Seif tung. 

Jelii Bfendclsjoßns Briefe 
geben oor allem Zeugnis »ott 
bem innigen Familienleben, bas 
er vom ©Itcmhaufe auf bas 
eigne beglüdte §eim ocrpflanzte. 

Xie mit untoanöelbarer ©ßrfureßt 
oerbunbene giebe 311 feinem Ba* 
ter, bie perfönltcßc unb fünft* 
lerifd)e Wemeinfdjaft mit feiner 
Seßwefter Famu), bie titn ein 
weniges im Xobc ißm voran* 
ging, tritt babei befonbers her* 
oor. 9JHt fRcd)t ift ein Brief 
91 braß am IRcnbel&fobns an bett 
3ol)ii uom 10. Oflärz 183ü, ber 
ein überrafchettb tlarcs Urteil 
über mufifalifd)f F ro 0 cn offen- 
bart, unter Felix' Briefen »er* 
öffentlidjt. Felix antwortet bar* 
auf : „3d> ßabe Xir nod) 31t 
banlcn für ben lebten Brief 
übet mein Aoe ; id) fantt es 
oft gar nicht begreifen, wie es 
möglid) ift, über SJtuflf ein fo 
genaues Urteil 311 haben, ohne 
ted)itifd) mufifalifd) 311 fein, unb 
wenn id) bas, was id) allerdings 
habet empfinde, fo flar unb an» 
feßautid) fagen lönnte, wie Xu, 
jobalb Xu barüber jprichft, jo 
wollte id) feine ein.vgo fonfufe 
'Hebe mehr in meinem geben 
halten." 

Auf feböne, emfte BJorte, bie 
ißm ftlingemann nad) des Baters 
lobe über bas eigenartig fdjöne 
Bcrßältnis non Sotjn unb Bat er 
fd>rieb, antwortete er: „©& geßt 
mir jonberbar, nad) furfler lln* 
päßlicßfeit füljle id) miei) wieder 
förperlid) wotjl, ganz wie früher, 
bin 31t in Arbeiten gezwungen ge* 
wefen unb ßabe mid) fclbft b<»3U 
gezwungen, unb bie entfefücße 
Beränderung, die mit meinem 
geben uorgegaitgm ift, fange id) erft ganz nad) unb 
nad) au 311 fpfiren. ©s ift nid)t Aufregung, in der id) 
jeßt lebe unb Xir feßreibe, nud) ber Sd)mcr,3 quält mid) 
mißt wie in ben erften Xagen, aber es ift bas fiebere 
unb beftimmte (5>ef ül)I, baß meine 3w0enb mit bem Tage 
00 rüber war, unb alles, was ba3u gehörte, mit lßr. Xas 
fängt fid) nad) unb nad) an, in jeber Stunde, an ben 
oerfdjiebenften Xingen, bie id) treibe, ju 3eigen, unb 
gibt mir nur ben BJunfcl), bem Bater äl)nlid) 311 werben 
unb bem nad)3utommen, was er oon mir erwartete." 

©inen wunberfißönen Brief SDlenbelsfohtts aus ben 
erften lagen feiner beglüdeudcn ©ßc ßat Sb. Xeoricnt 
veröffentlicht, bem |id) nun aus dem Brief wecßfcl mit 
ftlingemann eine Fülle oon Äußerungen bes reinften 
(fjlüdeo anreihen, ©crabc bie auf den innerften ftreis 
feines ßiebens fid) bestehenden Briefe bemeifen cs, meid) 
ein Bielgeliebter Felix Blenbelsfobn gemefen ift. 

Und 311 bem beglücfcnöftcn ©ul feines reid) begnadeten 
gebens gehört die Frcundfdjnft. Fft aud) oielleicht bie 
bewegliche Batur bes ftünftlcrs unb die ganze Art feiner 
3*it in Äußerungen und Beteigun gen ber F T ^ u nbfd)aft 
freigebiger, als es uuferm uüdjteruer gewordenen emp- 
finden entfpcid)t, fo atmen dod) bie Briefe au ben weitem 
unb engem Ärcis feiner Freunde eine &cr3lid)lcit, ber 
man bas (£d)tc tntd UBaßre atifüßlt. £0 fd>reibt er an 
Xeorient, dem ein elfjähriges Xöchterlein geftorben war: 
,,Xcn fehweren, harteit Bert 11 ft, ben Xu unb Xetne Fra» 
3U erleiben gehabt, erfuhr id) burd) einen Brief oon 4>aufe, 
unb baß id) feitbem tägltd) mit meinen ©ebanfen bei 
(fud) gewefen unb mit (hieß lim ©uer liebes, fdjänes Jtinb 


M ©lias". Unb bie Briefe an Xeoricnt wie an .Wlingemann 
über ben erfeßnten C'pcmtcrt beweijen, wie an einem in 
biefern Falle oielleicßt übertriebenen ©rnft ber ^ertens- 
wunfd) bes .«ünftlers nad) folthcm Icit fd>eitrrte. And) 
auf bie ,3eitgcnöffifd)e fiunft unb fünftlerijd)c Brrfönlid). 
Teiten fallen man<t)e 3treiflid)ter. 

Aber ber umfaffenden Bildung ÜJlenbelsfoßns entfprießt 
es, baß außer box Btufit eine Fülle oon gebensgebieten 
in feinen Briefen berührt wirb, ©s ift betau nt, mit 
welcher Feinheit er .zeichnete, unb oon feinen Xüffetborfer 
3aßren ßer ßatte er flur Blalcrwclt ßrr.^lidjc Beziehungen 
bewahrt. BefonbCT« aber ift cs bas damalige Berlin in 
feinet langfamen ©utwidlung zur ©roßftabt und bem 
eigentümlichen Bingen oon fünf tlerif djen Bcftrebungen 
mit altprcußifd)cr Bücßtenihett, bas in überaus lebendigen 
Jügen gefdjilbert wird. Allerdings tritt dabei eine Ab- 
neigung gegen Berlin 311t age, 
bie weder burd) bie Bnljäng* 
lirßtcit an bas ©itembau-* nod) 
burd) das überaus gütige ©nt* 
gegenfommen ftönig 
'JUilhclms IV. überwunben wer- 
den lann. 'Utögen alte ©nt» 
täufcßungen fein llrtcil bauernd 
beeinflußt und otelleid)t in ein 
Borurtcil gewandelt haben, fo 
fpiegelt fid) dod) in ben Briefen 
dcutlid) genug bie poIitifd>c und 
gc|cl(fd)aftlid)e ©ngc, in ber bie 
Berßältniffe des damaligen Berlin 
gefangen lagen. Unb ber Büd» 
blid nad) fed)3ig 3aßren grüitb» 
lidjer SBandlung in fo manchen 
ijianptfadßcn ift um fo eigen* 
artiger, als bod) nod) heute 
das Munftlcben ber f)auptftabt 
an mand)cn ber alten 6d)äben 
franlt. 

©in feiner 9laturfinn, ein off* 
ner Blid für bie ©igenart ber 
'JHenidjen unb der Xinge machen 
Blcnbelsfoßn \u einem raftßen, 
feharfen Beobachter. Schon die 
Fugenbbriefe aus Claris an die 
©Item, dann bie 3ahlreid)cn 
Beifebriefe unb bie Briefe aus 
©nglanb unb über ©nglanb laffen 
das erfennen. Bomeßmlid) ©ng. 
lanb mit ber wannt>er3igcn Be* 
geifterung feiner mufitalifchcn 
Greife batte es ißm angetan, 
obgleich er für bie £d)u>ä<heu 
des englifd)cn 5funftlcbens ein 
offnes Auge batte, unb fo ift 
wohl über bas ©nglanb jener 3cit 
oon wenigen fo ©utes unb Xrcf* 
fendes gefügt worden wie oon 
»JJlen bei sfoßn in feinen Briefen. 

Blei ft erbriefe find Felix s JJlen» 
dclsfobns Briefe in ißrer edcln 
<3-prad)C, in ibrent warmen Sou, 
in ißrem fittlid)en ©ruft, mit 
dem ein feiner $umor fid) 
aufs annuitigftc paart. Sie ge» 
ben uns ein Bilb des Äünftlers 
unb 'JOlenfcben, bem immer noch 
oiel fiiebe gehört, einen un» 
entbehrlichen Beitrag, unb feiner, 
der ftc lieft, wirb fid) bent ©in» 
bnid ent3ieben fönnen, baß er fid) 
in guter, cbler ©cfclljdjaft bewegt. 

ft. ftlingemann. 

3 >ic 

9Jlu|c gelii SJlenbelsfoßTt $artf)oIbi)s 
im jroanjigftcn 3“Wunbert. 

.Wit outen (SnttiOr tönnm wir nnncbmru, 
bah ^ordlrfbcn *ut •Palltöiumcnbcii . 3u- 
iifljincn, tDadistuni an innrm VormiflidiOM 
btc «»IHmmunfl ncmnnfiioct Uliflrn |ci. 

«U cinfacd* 1 "iltcffti finb üc uncxroJInohdi ; 
als für iidj brittfinibr «aiurrn finb nucti ttjrc 
flolltommmltcttcn fartbcmcTiib unb van un. 
rnbliljcn äalflcu.“ 

eebl als ein beweisfübrenbes Beifpiel tur obenftebenben 
geßre bes BhUofophcn 9J1ofes Blenbelsfoßn breitet fid) 
oor bem prüfenden Blid das geben unb Gdjaffen feines 
©nfels, bes am 3. Februar 1809 ju Hamburg gebomett 
unb am 4. Booembcr 1847 in geipfig bahingefd)iebencn 
Xonbicßters «V-clix Btendcbjohn Bartßclbn. Cißm, bem 
aßnungorcicbc Hoffnung ber ©Item ben glüeftjerl)eißenbeii 
Bomamen Friir mit auf ben ßebensweg gegeben batte, 
unb der diefeu Batuert 3eitlebcus bis an fein leiber aHl3U 
frühfö ©ttbe mit oollem Bedjte fübren tonnte, ift Fort- 
jtreben 3tir Bollfommenheit, Bld)™ng und Betätigung 
der innent Bortrefflicßfeit Seelen- unb ©eiftesbebürfnis 
gewefen. 3n fid) fclbft glüdlid) und feinet Umwelt tblüd 
unb Frrtibeu fpendcnb, wandelte er, allezeit finnig be- 
obaeßteub unb ber.tfrob fchaffeitb, feine fonnige Cebcnsbcbn 
baßin, und ein freundlicher Biid)glmi) feines liditooll* 
glüdlid)en BJefens ift ber Blenfehheit in feinen Schöpfungen 


getrauert habe, weißt Xu; benn Xu weißt, wie unwandelbar 
und ßerzlid) id) Xeiu F re|in ^ bin, und uou allem (Xilücf 
unb allem geib bes geben» mir mein Xeil nehme.“ ©s 
ift Bleubelsfoßn befd)icbnt worben, ben Bcften feiner 3cit 
nicht nur mit feiner ftunft etwas 3u geben unb oon ißnett 
©egengaben ju empfangen, ©» mag wie ein Wacßtlang 
aus dem gefamten Briefuerfeßr mit ben Fw“»tben uub 
wie ein int Barnen oieler ausgefprodjeues Urteil erfcheinen, 
wenn ftlingemann lur,3 naeß Blendclsfoßno Xobe an beffen 
BMtwe feßreibt: „Xiefe liebe Stimme, biefe berzlicheu Beben, 
fo oiel inuigjtes geben, wer fann bas je oergeffeu! Btir 
ift es jeßt ein 9Uunder, baß ein folcßer Bei d) tum mein 
gewefen ift, id) füßle rcd)t in tieffter Xeinut, wie uiwerdient 
cs war, unb wie wenig id) 3h«t ßabe fein unb geben 
fönnen für alle bie Füll« bes Bcften unb Gcßönftcn, das 
er über mein oerg angenes geben ausgeftreut b<*t, — aber 


Das 9 nenbeIsjo^n*SBad 5 olbi)=D<n!maI oor bem ©eroanb^aus tit ßeipjig. 

©JobcIItert oon SDcrncr Sirin. 


bem gütigen .fiimmri danfe id) fort unb fort, ber mir fo 
reid)en Segen »erließen ßat, id) neßme es wie meinen 
beften 9)cid)tum mit hinein in meine alten Xagc, und 
will mid) immer unb immer mieber daran erquiefen!“ 

Xcr 3aßl unb bem Umfang der Briefe, dem aus- 
gedehnten ftreis des brieflichen Berfeßrs entfprid)t die 
Fülle bes FußaUs, Aud) bas ift bejeießnenb , baß man 
jdßon fo bald nad) Wfendelsfoßns tur,3 bemef jener gauf» 
bal)tt bei geb3eiten ber meiften Beteiligten es wagen 
Tonnte, fo oieles aus feinen Briefen 3U DeröffrntiUßen. 
Findet fid) naturgemäß hin und wieder ein fct)arfcs, ab- 
Ießncnbcs Urteil, fo ift bod) faum ritt ocrlcßcnbes 9Bort 
31t oer3eid)nen, und daneben fo oiel . | P>cr3ensgüte, fo oiel 
freunölid)cs 'iltoblwollcn unb Anerfennung aud) anbers 
gearteten tiinftlcirifdjen Streben». ift oollenbs bie 

Feit grfommen, wo bas in BJenbclsfoßns Briefen eut* 
rollte Fritbilö unoerfürtt der C-ffentlichfeit übergeben wer- 
den tonnte. Xenn ln ber Xat, ein Ftitbilb malen uns 
diefe Briefe, das weit über den ftreis der Blufitfrcunbc 
hinaus bclcßrcn unb erfreuen muß. 

Xaß FAix OTenbelsfohns eigne ftunft, die Blufif, im 
Borbergrunbc fteßt, ift fclbftüerftänblid), und gerade die 
Briefe an feine funftoerftänbigeu Fminbe, au ben Bater, 
an die Scßmcftcr Fannt), au ftlingemann, v 3Jiofd)e(cs, .'Silier 
unb oiele andere offenbaren uns ben ©ruft, mit bem Bien, 
dclsfoßn ben fünftlerifcben Beruf auffaßte, das Bingen, 
feine Uüerfe immer »olltommcnet 311 geftalten. Aus meiner 
eignen Sammlung »erweife idi auf den Brief aus Born 00m 
2G. Xe3Ctnber 1830 und 2. Fwuox 1B4I1 , auf ben 
Brief 00m 6. Xe3ember 1840 über die Foriarbeit ÖW 


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156 


3flu[trirle 3 e ^ un 9- 


'Jlx. 3422. 28. Januar 1909. 


erhalten geblieben. 3m ©egenfaß zu beit weiften an bereit 
Gd>affenben, bie fid) entweber au* Türftigfeit unb fiebens* 
not mühfelig aufringen ober mancherlei Banbe unb 
freffeln (trennen mußten. um .tu rfmftlcrifchem JVrcifeiti 
Su gelangen, war Bknbelsfobn pp» einer gütigen ^ or * 
feijung nicht nur mit beit fd)önfteit latenten unb lieben** 
roerteften (SbetrafteTeiqenfcheiftcn begabt, fonbem auch in 
93 crt>d(tniffe hineingcjtcllt worben, bic fine gemj aufocr* 
gewöhnlich forgcnlofe unb hannonifdje (Entfaltung feiner 
Anlagen unb |fdl)igleiten ermöglichten. 

3 mgeiftig belebten (Sltemhaufc ju Berlin butte er frühe 
fdjou mit allein Schönen aus fiitcratur unb .ttunft ftühlung 
gewinnen tonnen, unb bic ahnungsoollc ftreube, mit ber 
er allen ©eiftcsoffcitbarungcn Iaufd)te, mürbe burd) hetroor« 
ragen be yehrmcifter halb zu ocrftänbigerBufnahmefähigteit 
gejteigert unb oertieft. ftammermujiffpiei unb Ordpftrr» 
Aufführungen im elterlichen .(Saufe boten betn wuuberbar 
begabten Jüngling reidje (ftelegcnljeit, feinen Mlangfinn 
*u bilben, fid) in leitenbem ober mitwirfenbem 3 ntcr* 
pretieren flaffifct)cr lonrwijtwcrtc 311 üben unb Gelbft* 
erfunbencs alfogleid) mit bem ©ehöre naebpriifen ju 
Tonnen , unb neben folgern fd)önen fjeranreifen 311m 
Biufiler erwarb fid) Blenbelsfohn ziemlich umfaffenbe 
Sprachen fenntni* unb heträd)tlid)e Jycrtigfeit im 3 fid)uen, 
bie gewiß nid)t ohne Ginflufe auf bie (Entwicflung feine* 
Qrdntgcffif^l« für bic üogit mufitalifdiei Jyonncn unb für 
^ßlaftif beim Welobicbilben geblieben finb. Der frul)* 
zeitigen Ginfricbigung feiner im ©runbe burdjaus rornan* 
tifdjen UJtufifematur mit bem feften ©ehege flaffifd)CT 
'Prinzipien bes B?afthaltcns 1111b bet Gbcnmäfzigfcit l)ottc 
Btenbelsfohn eine ganz erftaunlid) frühreife aWeifterfdjaft 
int formalen ©eftalteu ju t>erbanfen, jene yeid)tigfeit nnb 
Sicherheit im Tiaren unb fchönen formen, bie am fpätent 
Schaffen bes ÜJleifters burd) au* Uaffiziftifd) anmutet, oiel« 
fad) aber and) als inl)altsgleid>gültigcrcs Sid)crgöHen am 
)d>dnen ftormenfpiel oorgewaltct unb z UT Ätompofition 
oon fdjnell altember ÖberflädjcnmufiT oerführt l)«t. 
Blenbelsfohns ganzes Ußefen roar Vcbensbejahung, nicht 
bie leiöc5ftols»bclbifd)e yebcnsbcjahuug eine* Beethooen 
unb auch nicht bie crlöfungsfchnfüchtig'trotgge Gebens« 
bejah ung eines Btagncr, fonbem feittfinnigdicbettswürbt* 
ge* Bejahen eines Tampflo*« glücflichen Dafcin&, über 
bas fanfte Btclandjolie, an ber ein Schumann jum ©rüblcr 
werben ntu&tc, nnr gleid) lcid)ten Söollenfdjattcn bahin* 
glitt, unb bas aud) mit feinen Ijerbftcn Sdjmcr^c&fdjidungcn 
nur ftille ficibesoeTfonncuhcit, nie aber bic IHaferei ber 
Bcr3w«iflung brad)tc. Unb uienn üJlenbclsfohn jemals 
fein C&ciftesaugc uon ber für ihn glücTcsrcidjcn realen 
B 3 clt abwanbte, fo zeigten fid) ihm leine rächenbcn Uber* 
irbifc^en unb leine Dämonen, fonbem öllgütigc ©öttl)citcn 
unb frieblid)«frohe fiid)t*, Suft- unb Sßaftcrgeiftcr, bic iljm 
5 Bcil)etDeifert unb fjritertlängc ^uraunten. 

Cr mar ein Sonntagstinb, bas überall nur 3 d]öncs 
unb Jfreunblidjes gemährt, unb ba er alles Wiebe unb 
®ute, bas er 311 oerlünben Ijattc, in anmutreidjen, non 
li eff innig! eiten freien SBeifen unb .«längen mit.uiteilen 
oermodjte, fo l)örte man iljm alfogleid) mit (f-reube su 
unb brftngte fid), beglüdt unb entlädt, in gellen 3d)aren 
um ben liebensmürbigett 'filauberer. Balb ballte bie ganje 
mufifalifdje SBelt 00m fRul)me Wenbelsfobns toiber, unb 
bic berechtigte, begeifteningsoollc ©ertfd)äHung ber SHen« 
belsfot)nfd)en ^)tufit artete jdjncll in ltt>crfd) 5 tgmg, in einen 
ganj uufmnigen üultus bes E)6flid)*Wiebensmürbigen unb 
(Slegant* 3 <trtcn in ber ffllufif aus. (Eine allgemeine (he* 
fd)macfsnertoeid)lid)ung griff 
um fid), läl)uitc bas 3 ntereffe 
anben fraftoolleren unb cm« 
fteren Donfunftwerren ber 
Rlaffiler, mad)te bic mufita» 
lifdje OTcnfd)t)cit untauglid) 

,)um fofortigen Crfaffen ber 
gemütstieferen Sd)umatin* 
idjen urtb ber geiftesftreuge« 
ren ffl 3 agnerfd)cti ilunft unb 
führte fd)liefjlid) burd) über«« 
mä&ifl<? 'iJfNe unb fenti* 
meutalifd)e Serf)unjung ber 
, menbel6fobnfd)en 'XRufit ,)nr 
teilmeifen Bernid)tung bes 
neuen .«unftibeals. 

<H brad) bann in ber fUJufit* 

6ffentlid)fett eine 3eit oöllig 
ungerechter Unterfdjäbung ber 
'ülcnbelsfohufchcn Munft an, 

-unb erf t bas beherzte (Eintreten 
§an* 0. Büloios, ber als be* 
rufener ^ürfprecherunb Sad)« 
malter laut bezeugte, bafe ber 
.^omponift 9 Jtcnbclsfot)n gar 
uid)t ber füfelid)c Wugenoer* 
breher, fentimentale (Empfiub« 
ling unb lapetcnjcichncr ge« 
mefen fei, 3U bem ihn manch« 

oon feinen Jreunben uub bic 
'Bl enge gefül)lsfrf)rpclflerif(her 
Dilettanten gef tenrpelt hatten, 
fonbem ein jruar etwas 
meid), aber gefunb-natürlid) 
empfinbenber unb flaffifdjer 
®benmäf)ig!eit ttn ®eftalten 
unb in ber TBicbergabc bes 
föcftaltcten niftencigter (Ebel ■ 
tünftler, hat ben 9 lnftog 
3U einem Umlemcu über 


Blenbelsfohttunb 3U einem neuen, »erftänbtgeren ^erantreten 
an feine Stunft gegeben. Ulbfeits oon allen tiefen Staub« 
langen ftnnb unb fteljt eine Blcnbclsfohn-tbcmcinbe, ber 
immer nod) alles, u>as Bleubclsfolm je gcfchricben, als 
heilig gilt, unb bic mit ©ieneninftinlt gerate bem Silben 
in ben Ion bluten Bleitbelsfohns .mftrebt. liefe fritif* 
lofen .?>oniganbetcr fönuen als riiefftänbig gelten; bas 
aber ift Blenbclsfohus .«nnft — in ihren c&cljtcu Cffcn- 
baruugen wenigftens — feincsioegs, unb es fteljt fid)er 
3»i erwarten unb im^inblid auf bie vunebmenbe Blclobie- 
entfrembung ber moöcrucn Bhifit aud) bringenb 311 
erhoffen, baft ber gute ffieift Bleubclsfohns nod) Im ,iwan* 
3igften 3ahrb»»n&ert u?eitcrw>irlen unb 311 manchem Gich* 
befinuett auf bas 9 ?ein*Gd)öne in ber lonfunft anregen 
werbe. 

Unfere ©egeuwartsmufil franft hiufid)tlid) ber Bie» 
labil an Hlus.^ehning, l)infid)tlid) ber formen unb ber 
f>arnionif an (Elcfantiafis unb l)it)igcm 9 Bed)felfiebcr unb 
hiu|id)tlid> bes .«laiigmittelaufgebotes an Iobfud)t unb 
ben entjpredjenben Tcprcffioncn, unb allem folchen itranfen 
fönute neben bem Wauterqucll ber E>apbinBlo3artifd)en 
.ttunjt aud) bic Btenbclsfohufche SJhifil als ein ©cfunb* 
bmnnen bienen. 3 n ber jmeiten E>älfte bes neunzehnten 
Ciahrhuuberts ift ber gelegentlidH* (Oebraud) biefes ©efunb« 
brunnen« ganz allgemein üblich gewefru, unb bag felbft 
bic größten HJleifter jener 3«it f ict) jeweils baran erfrifd)t 
hoben, bas bezeugen beijptel&ioeife bas zweite U)cma im 
'JInfatigsfahe ber Brahmsfcheit D*Dur«2t)mpbonie unb 
— bas Wiebeslieb unb ber ^reuerzauber aus SBagners 
„TOalfürc“. 

Utcbcn unb mit ihrer gefunben Klarheit ift es aber 
noch ein auberes, was ben laueriocrt ber Blenbds« 
fohnfeheu Blufir bebingt: eine große unb oorwiegenb 
wahrhaft eble Boltstümlidjleit, bie ihr in hohem fbrabe 
eignet, unb bic infonberheit an nieten von Bkubclsfohns 
oierfttmmigen ©ejängen, Duetten unb Uiebem gar h«ta* 
erfreuenb 3iitagc tritt. Bunmehr, ba mau burd) erneutes 
Borherrfchen ber flaffifchen Spmphoniter, burd) bas grohe 
®rlebnis ber SBagncrfdjcn Atunft, burd) Bertrautgeworben* 
fein mit bem cbel*emftcn 3ob«uncs Brahms unb burd) 
ücrmehrte Wammemtufif weithin wieber 

311 einem Iraftuolleren yinpaden unb ©eniehen oon 
Ion fünf twer len erftarft ift unb bic cljebcm beliebte ewige 
'JBtcberläucTei unb gleichzeitige Bcrfühlichung ber mehreren 
„beliebtcften“ .«ompofitioncu oon Blcnbclsfohn feit länge» 
rem fdyon aufgehftrt hohen, wirb es mdglid) werben, bas 
föefamtfd)affcn Bienbdsfohns oonirtcilsfrei unb oöllig 
gcredjt fidjtcn unb alles 'iüertoollftc baoon in bas zroan* 
zigfte 3ahrhunbert hinübcrrcttcu 3 « fönnen. 

Die rcid)fte Busbeute bürften ba bie ein-, zwei* unb mehr* 
ftimmigen Cbefangsfompofitioncn bes Bleijters barbieteu. 
Unter ben Siebern 'JJlcnbclsfobns, beren ÜBicbereinrehr 
ins bcutfdjc f)aus unb in bie Monzertfülc entfehicben ju 
bewtllfommnen wäre, befiuben fid) neben oielen ehebem 
oiclgef ungenen unb unoergänglid) fchönen Stfiden gar 
manche raum gehobene ober bod) alljufrüh oergeffene 
Btcifterjd)öpfungcii, unb allen benen, bie über ben Sieber* 
fomponiften Blenbclsfohn hintoegfehen 311 bürfen meinen, 
fei zur Belehrung uub zur Belehrung ein prüfenbes 
Bneinanbcrteihcn ber fd)Iid)t«fd)önen Sieber „Das Schiff* 
lein" unb „Wirten lieb“ unb ber brei hcrrlidjen ©cjänge 
„ 3 teuc Siebe", „Der Blonb“ unb „Durch ben SBalb, ben 
bimfelu, gel)t halbe ftrühHngsmorgcttfhinbc" anempfohten. 
3 d) meine, baft mit bem ausbrudsgcfuuben uub ft intm fchönen 


Börtragc berartiger Sieber bem Üouzcrtpublifum bes 
zwanzigften 3 nbrbimbert* eine red)tc 'iBohltnt er* 
miefen werben fönute. llnb wie gerne wollte man aud) 
heute nod) bnrauf lnufd)eu, wenn fid) zwei jugenbfriid)e 
Stimmen zum „©ruf)", z um „BoUsliebe , ' („C-i), fdh’ id) 
auf ber £ci bc bort"), zum „Somitägsmorgen“ ober gnm 
„Bhrenfclb“ zufammenfänben ! llnb wenn neben bem 
oierftimmigrn Blänncrgc fange, brn Btenbelsfohn in „Der 
35 ger Bbfchteb", „ 4 4 öaffeTfahrt", „Der frohe 'JBanbers* 
mann" unb „ftomitat" mit unoergänglichcn Sautergaben 
befchenft hat, bas eblere Wliteinanberfingen oon Sopran, 
Bit, lenor unb Bafz mehr gepflegt würbe, als es leiber, 
leiber gcfchicbt, fo muftten gerabe 'JJieubclsfobns wunber= 
bar fdjönc Wompofitioncn für gemtfd)tes Quartett, bie 
„Iragöbie nach Eveine", „JVrühlittgfrahnung", „ffllorgcu« 
gebet", „?lbfd)icb 00m iBalbc" unb anbere mehr beglütfenb 
unb erhebenb aud) burd) bas zroan zigfte 3 ahrt)unbert 
fort Hingen. 

Die größeren weltlichen ©efangswerte bes ÜJleijter* 
bürften mit alleiniger Ausnahme ber Dorwiegerib inftru* 
mentalen, ewig iugenbfTifdjen „eommemad)tstraum"* 
Blufif troh manchen in ihnen enthaltenen fchönen unb 
felbft genialen (Einzelheiten ber Bergeffetthrit anhcimfallen, 
nidjt aber 3 Jlenbel&fo!)n$ t)eute zwar nicht mehr in früherer 
Seudjtfraft erfchimntembe, aber immer nod) fanft burd)* 
hetlenbe unb erwärmen be Cratorien („Baulus" unb „Clias“) 
unb größere ^Üfalmenlompofitionen, unb mit ben „(Jhrif hts"« 
Tfragmenten foilten and) bie „SoreleT)“«Brud)ftüde bauerttb 
gewahrt bleiben unb an bas 3U frühe Eunfcheiöen bes 
bis ans (Eube liebcoollfinnig ben SBunbem bes ©griften* 
tum& unb ben SOtürdien zaubern ber Stamantit zugencigten 
Bleifters gemahnen. (Es ift mögiid), b«h fpätcrer 3 «** 
ber fflerfud) gemacht werben wirb, bie größeren SBcrfc 
Blenbelsfohns 311 zerbröcfeln unb herrlidjfte lonföhe aus 
ben Cratoricn unb ben weltlichen ©c|angsmcrten 3U ge* 
mifdjten B r °9 ra,nmcn zufammenjuf teilen, unb ich glaube 
fognr, bah mit bem 'Jtacheinanber oon mol)lgetoählten 
Bruchftüden aus „Die erfte v lltalpurgisnad)t", „Sobgefang", 
„Baulus" unb „Giias“ ein ganz befonbers hellem ?luf* 
leuchten ber Blenbelsfohnfdjen 4 lunft erzielt werben 
löuute. 

Buch bei ben 2 Berfen unb felbft innerhalb ber einzelnen 
SBcrtc, bie HJlcnbctsfohn für ftlaoier, für Äammermufil 
ober für mit Orchcftcr lonzertierenbc Clnftnimente fom- 
ponierte, fonbert fid) bereits red)t ohrenfällig Blcibenbes 
oon 3 «itt>frfall«uem. Betreffs ber 9 Berfe für Ätlaoier allein 
hat man eine 3Utreffenbe Beoorjuguug ber oollfommen. 
ften unb wcrtoollftcn Opera fd>on leit langem wahmehmen 
tönneu, unb z« wünfehen bleibt ba nur nod), bafc mit 
ben toaf)lh«lanuten ÖiebHng&ftüdcn aud) bie oortrefflidjen 
Ghararterftüde op. 7 , bie B*Btoll*ftapricc aus op. 33 unö 
bic Btälubicn unb J^ugcn op. 35 wieber mehr gefpielt 
würben, bah oon ben finnig-fd)önen „Siebern ohne 9 Borte" 
aud) bie temperamentreid)en Bgitato« unb B^fta-Stüde 5 , 
8, 10 , 15 , 17, 24 unb 38 häufiger ciflängen, unb bafe man 
bie „Sieber ohne "SBortc" ganz im allgemeinen recht hCTj« 
haft«frifd) anftimmtc unb Iwifpielsweifc bas berühmte 
Bs* Dur* Duett 0 nid)t als 3crflich f nbcn Siebes) wiege fang, 
fonbem als ein fd)öne* zweie iniges Befennen .zu bem 
£u?rm, beffen 9 Bort wie freucr ift, oortrüge. 

Bon ben Cuartettenmitnnb ohncSUaoicr, bem Cfttttunb 
ben fonftigen otclftimmigcn ftammcrmufilwerlen fprechen 
eigentlid) nur nod) einvlw« Sätze, unb zwar jumeift bic 
sirrzi, mit polbnbcrzeugenber Busbnidstraft zum mober- 
iicn Eiörcr, wogegen bie in ben 
ftinalfätzcn allerbings fatal 
rhnthmifierten, fonft aber 
ooltfommen-fchönen Irios in 
T*Bloll unb in CEBloll wohl 
für immerbar ihren feffeln* 
beit Wciz behalten werben. 
3 »ci burchaus ttnoergättg • 
liebe Btarfe, bas Biolinfon3crt 
unb bas nad) längerer Bm»f« 
immer wieber fafztnierenbe 
©*Bloll»Ällaoicr!onzcrt, neben 
bem ba* D* 9 Koll«illaoterfon. 
zert fich bod) wohl nur mit 
Ieinern rrften Saßc behaupten 
fann, fuhren zur Orchc^cr- 
mufif Bknbclsfohns hin, wo 
bann über bic B>BlolI* unb 
B*Dur»Si)mpt)onic unb über 
bic fonftigen Gijmphonicn 
hinaus mit ber „Gommer 
nad)tstraum*'«OuocrtüTe audt 
bic ,,.f»cbriben"*Ouocrtüre als 
genie * gefegnetes Gwigf